Fünf Fragen an: Superintendent Uwe Simon, Kirchenkreis Oberes Havelland

Fünf Freitagsfragen an Uwe Simon, Superintendent im Kirchenkreis Oberes Havelland, über Ärger mit dem Bundesgrenzschutz, Irritationen in Brandenburger Gemeinden und den Sinn von internationaler Partnerschaftsarbeit.
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Superintendent Uwe Simon (Bild: Rogatekloster)

Uwe Simon stamt aus Berlin. Er studierte Evangelische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Berlin. Seit 2002 war er Superintendent erst des Kirchenkreises Templin-Gransee, seit 2011 ist er in dieser Funktion  leitender Pfarrer des neu gebildeten Kirchenkreises Oberes Havelland mit Wohn- und Dienstsitz in Gransee. Simon ist zudem Stellvertretender der Generalsuperintendentin im Sprengel Potsdam.

Rogate-Frage: Herr Superintendent Simon, Sie sind im Moment nicht gut auf die Bundespolizei zu sprechen. Warum?
Uwe Simon: Am 19. August erwarteten wir eine aus sechs Teilnehmer*innen bestehende Gruppe aus Simbabwe zur jährlichen Partnerschaftsbegegnung in unserem Kirchenkreis. Trotz ausgestellter Visa, einer im Original vorliegenden Einladung, einer Verpflichtungserklärung, Hin- und Rückflugtickets, einer Krankenversicherung und einer Kostenübernahmeerklärung verhinderte ein Bundespolizist, der auf dem Flughafen Johannesburg als Einreise- und Visaberater tätig ist, die Weiterreise nach Deutschland und machte die Visa in den Reisedokumenten nach unserer Auffassung rechtswidrig ungültig. Die Gruppe war in seinen Augen unglaubwürdig, weil sie nach seiner Auskunft ärmlich gekleidet, mit nur wenig Gepäck und ohne Bargeld ausgestattet war. Die Dokumente sah er ohne wirkliche Prüfung als Fälschung an. Die Reisenden wurden an der Weiterreise gehindert und auf dem Flughafen in Johannesburg sich selbst überlassen.
Rogate-Frage: Wie reagieren Ihre Pfarrer und Gemeinden in Brandenburg auf das Verbot der Einreise Ihrer Gäste? Und wie die Zurückgewiesenen?
Uwe Simon: Neben der Enttäuschung, nach all den Vorbereitungen und Planungen für einen dreiwöchigen Aufenthalt die Gäste nicht begrüßen zu können, ist die Empörung über die erlebte Willkür ebenso groß wie die Unsicherheit unserer Freunde aus Simbabwe, ob in Zukunft partnerschaftliche Begegnungen noch möglich sein werden. In den Gemeinden wird lebhaft diskutiert, warum die Tätigkeit von Einreise- und Visaberatern weltweit so wenig bekannt ist. Sie haben ja offensichtlich den Auftrag schon an den möglichen Ausgangspunkten die Weiterreise beziehungsweise Einreise möglicher Flüchtlinge und Asylbewerber nach Deutschland zu verhindern. Was bedeutet dies dann für das grundgesetzlich garantierte Asylrecht, aber auch für alle Begegnungspartnerschaften und ökumenischen Begegnungen mit Gästen aus afrikanischen Ländern? Lassen wir uns von einem grundsätzlichen Misstrauen in unserem Handeln bestimmen oder von einer Offenheit allen gegenüber unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem sozialen Status?
Rogate-Frage: Was war geplant mit Ihren Gästen aus der Partnerkirche?
Uwe Simon: Neben Hospitationen in Kindergärten, landwirtschaftlichen Betrieben, Schulen und Werkstätten waren private Begegnungen mit wechselnden Gastfamilien, gemeinsame Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen, aber auch Beratungen über die zukünftigen Partnerschaftsprojekte und Benefizkonzerte geplant, mit denen für Hungerhilfe- und Brunnenbauprojekte geworben und Spendenmittel eingeworben werden sollten.
Rogate-Frage: Wozu gibt es die Partnerschaften mit Kirchen in anderen Ländern?
Uwe Simon: Wir verstehen unsere Partnerschaft als eine Hilfs- und Begegnungspartnerschaft. Entwicklungshilfe und ökumenische Kontakte sind gleichermaßen  Anliegen dieser Partnerschaft. Wir leben unseren Glauben gemeinsam und lernen uns in unseren unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten kennen und verstehen.
Rogate-Frage: Wie soll es nun weitergehen? Was planen Sie?
Uwe Simon: Wir halten daran fest, dass Begegnungen in Simbabwe und Deutschland stattfinden und werden alles versuchen, den verhinderten Besuch im nächsten Jahr zu ermöglichen. Dazu ist es aber nicht nur erforderlich, dass alle Sperrvermerke der abgewiesenen Gäste gelöscht, sondern auch der entstandene Schaden, der bei circa 10.000 Euro liegt von den veranwortlichen Stellen wieder gutgemacht wird. Denn es sind überwiegend Spendengeldern, aus denen die Kosten zur Beantragung und Erstellung der Visa und die Flugtickets finanziert wurden. Und es fehlen für die nächsten Projekte Spenden, die eingeworben werden sollten.
Rogate: Vielen Dank, Herr Superintendent Simon, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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