Fünf Fragen an: Oberkirchenrat Detlef Mucks-Büker, Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg

Fünf Freitagsfragen an Oberkirchenrat Detlef Mucks-Büker, Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, über Veränderungen in der Kirche durch die Coronakrise, die Aufforderung zum Hausabendmahl in der Pandemie und einen Auferstehungshymnus auf der Gartenterrasse.

Oberkirchenrat Detlef Mucks-Büker (Bild: Pressestelle ELKiO)

Detlev Mucks-Büker ist 61 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in einem Arbeiterhaushalt in Gelsenkirchen. Er studierte Evangelische Theologie in Münster, Tübingen und (West-)Berlin. Nach dem Vikariat in Dortmund war er Pfarrer in Bergkamen und Gladbeck, von 1999 bis 2011 Superintendent in Gladbeck-Bottrop-Dorsten. Seit 2011 ist er theologischer Oberkirchenrat in Oldenburg, zuständig für die Bereiche Bildung und Diakonie. 2011 Master Diakoniemanagement in Bethel. Er ist verheiratet und Vater dreier Kinder sowie leidender Fan vom FC Schalke 04. Sein Hobbie (das immer zu kurz kommt): Schottischer Dudelsack.

Rogate-Frage: Herr Oberkirchenrat Mucks-Büker, was hat sich für Sie als Theologe in leitender Funktion einer Kirche verändert?

Detlef Mucks-Büker: Interessant war die Erfahrung, wie sehr es in solchen herausfordernden Zeiten ein Bedürfnis nach klarer und eindeutiger Orientierung auch von einer evangelischen Kirchenleitung gibt: Kirchengemeinden wollen wissen, woran sie sind, und ob die Entscheidungen, die sie vor Ort zu treffen haben, wie zum Beispiel über die Schließung oder Öffnung ihrer Kirche, Rückhalt haben oder auf sicherem Boden stehen. So intensiv habe ich das bisher noch nie erfahren. Eine gelingende und klare Kommunikation schafft eine gute Grundlage für Vertrauen, und mit Vertrauen ist man in der Lage, Krisen zu bewältigen.

Rogate-Frage: Wie gehen die Kirchengemeinden und Dienste und Werke in Ihrem Verantwortungsbereich damit um?

Detlef Mucks-Büker: Es ist überraschend und faszinierend zugleich, wie verhältnismäßig schnell sich die meisten Arbeitsbereiche auf neue Kommunikationsformen vor allem auf dem digitalen Weg einstellen. Wo es vor Corona schon digitale Bildungs- oder Gottesdienstangebote wie, zum Beispiel Webinare und Online-Andachten gab, hatten sie bisher meistens Experimentierstatus. Jetzt sind sie unverzichtbarer Bestandteil und werden auch künftig zu den Standards kirchlicher Bildungsangebote gehören. Erstmals wird für eine breite Schicht unserer Mitarbeitenden sichtbar, wie viele Menschen sich über digitale und soziale Medien erreichen lassen. Es ist diese Erfahrung, die all bisherige Skepsis und Distanz aufhebt.

Rogate-Frage: Die Kirchenmitglieder wurden aufgefordert, am Gründonnerstag Hausabendmahlsfeiern auch ohne Pastorin oder Pastor zu halten. Kirchenrechtlich und theologisch ist damit Neuland betreten worden, oder?

Detlef Mucks-Büker: Das Hausabendmahl als solches ist bisher und vor allem in der Seelsorge an solchen Kirchenmitgliedern ausgerichtet gewesen, die nicht in der Lage sind, an den Abendmahlsfeiern in den Gottesdiensten der Gemeinde teilzunehmen. Das betrifft in der Regel ältere, gebrechliche oder kranke Menschen, zuweilen auch Sterbende mit ihren Familien. Auch hier sind es die Pfarrerinnen und Pfarrer, die das Abendmahl leiten, weil sie aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer Ordination durch die Kirche zur Sakramentsverwaltung berufen und beauftragt sind. Grundsätzlich gilt aber auch hinsichtlich des Umgangs mit den Sakramenten das reformatorische Prinzip des allgemeinen Priestertums aller Getauften. Das heißt, dass vom Grundsatz her jede getaufte Christin und jeder getaufte Christ aus besonderem Anlass das Sakrament der Taufe und des Abendmahls spenden darf. Solch ein Anlass können Zeiten wie die der aktuellen rigorosen Kontakteinschränkungen und Versammlungsverbote darstellen. Nicht von ungefähr umfasst Luthers Kleiner Katechismus auch die Einsetzungsworte des Abendmahls, verbunden mit dem Gedanken, dass diese theologische Mindestausstattung in jedem christlichen Hausstand vorhanden sei. Es ist gut, dass in unserer Zeit Texte wie die der Abendmahlsliturgie auch in unseren Gesangbüchern zu finden sind. Theologisch spricht nichts dagegen, dass im familiären Kontext eine Abendmahlsfeier gehalten werden darf, wenn es absolut keine andere Möglichkeit gibt.

Rogate-Frage: Was wird sich darüber hinaus verändern? Was können wir daraus lernen?

Detlef Mucks-Büker: Es bleibt abzuwarten, was und ob sich was verändern wird nach Corona. Vielleicht haben wir gemerkt, dass so manche Gremiensitzung oder Dienstbesprechung mit den Mitteln der modernen Technik wie Videokonferenzen auch einiges an Fahrtzeiten vermeidet. Zeit, die sich dann gut für anderes verwenden lässt. Vor allem erhoffe ich mir, dass wir für die nächste Zeit nicht mehr so schnell einer Arbeits- und Terminverdichtung verfallen, wie sie vor der Krise zum stressigen Alltag gehörte. Vielleicht lernen wir, wirklich Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und sorgsamer mit unseren Ressourcen umzugehen als zuvor. In einer kleiner werdenden Kirche wird man nicht mehr alles so weitermachen können wie bisher. Das wussten wir eigentlich auch schon vorher.

Rogate-Frage: Wie werden Sie Ostern feiern und die einzelnen besonderen Tage von Gründonnerstag bis Ostermontag begehen?

Detlef Mucks-Büker: Anders als in den ganzen Jahren zuvor, werden wir nur zu Dritt in unserer Familie zusammen sein. Aufgrund der Einschränkungen können weder unsere beiden Söhne uns wie sonst besuchen, noch können wir uns alle gemeinsam auf den Weg zu unseren beiden Müttern machen. Über Fernsehgottesdienste und Gottesdienste im Internet werden wir unserem Bedürfnis nach Andacht und Gebet nachkommen. Am Karfreitag hören meine Frau und ich uns die Johannespassion von Bach an. Wie immer wird es am Karfreitag Fisch bei uns zu Essen geben. Und ich werde wie in jedem Jahr nach sieben Wochen ohne Alkohol wieder ein Glas Wein trinken. Unsere Tochter, die bei uns sein kann, wird am Ostersonntagmorgen mit der Blockflöte „Christ ist erstanden“ auf der Gartenterrasse spielen. Da wir in diesem Jahr keinen Besuch unserer noch kleineren Nichten und Neffen haben, wird es leider keine Ostereiersuche geben.

Rogate: Vielen Dank, Herr Oberkirchenrat Mucks-Büker, für das Gespräch!

Mehr über die Evangelische-Lutherische Kirche in Oldenburg finden Sie hier: kirche-oldenburg.de

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

Bleiben Sie gesund und behütet!

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Angesichts der Corona-Pandemie können wir leider keine verlässlichen Angaben machen, wann wir wieder zu Rogate-Gottesdiensten und Veranstaltungen einladen können. Die nächsten geplanten Termine sind:

  • Sonntag, 17. Mai 2020 | 10:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie zum Sonntag Rogate. Predigt: Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-katholische Gemeinde Berlin. Liturgie: Bruder Franziskus. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche. Orgel: Martin Küster.
  • Donnerstag, 18. Juni 2020| 19:00 Uhr, „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“. Ort: Hohenkirchen/Friesland.
  • Abgesagt: Freitag, 17. Juli 2020 | 19:30 Uhr, Eröffnungsgottesdienst zum Lesbisch-schwulen Stadtfest 2020. Mit Pfarrer Burkhard Bornemann (Zwölf-Apostel-Gemeinde) u.a.. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche.
  • Donnerstag, 27. August 2020| 19:00 Uhr, „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“. Ort: Walter-Spitta-Haus, Lange Straße 60, 26434 Hooksiel.