Fünf Fragen an: Liza Pflaum, Bewegung Seebrücke

Fünf Fragen an Liza Pflaum, Mitbegründerin Seebrücke und Gründungsmitglied des Vereins United4Rescue, über Fluchtgründe, den politischen Rückhalt durch das Bündnis der 770 Mitglieder und wie sich Kirchengemeinden gegen den Tod im Mittelmeer engagieren.

Liza Pflaum (Bild: United4Rescue)

Liza Pflaum ist Politikwissenschaftlerin und engagiert sich insbesondere für die Rechte von geflüchteten Menschen und für sichere Fluchtwege nach Europa.

Rogate-Frage: Frau Pflaum, warum gibt es aus Ihrer Sicht eine Pflicht zur Seenotrettung im Mittelmeer?

Liza Pflaum: Die Pflicht zur Rettung aller Menschen, die in Seenot geraten, egal wer und egal wo, ist zuallererst im internationalen Seerecht festgelegt. Darüber hinaus ist es ethisch und menschlich das einzig Richtige. Es würde sich auch niemand fragen, ob es richtig ist die Feuerwehr zu rufen, wenn ein Haus brennt.

Rogate-Frage: Was entgegnen Sie denen, die meinen, dass die Rettung aus Seenot Menschen zur Flucht über das Meer verleiten würde?

Liza Pflaum: Das ist schlicht falsch. Menschen fliehen, weil sie keinen anderen Ausweg sehen. Die Flucht fängt meist schon weit früher als bei der Überfahrt über das zentrale Mittelmeer an. Menschen fliehen aufgrund von Krieg, Verfolgung oder weil sie keine Zukunft für sich und ihre Familie in ihrer Heimat sehen und nicht weil es zivile Seenotrettungsschiffe gibt. Auch in Zeiten, in denen kein einziges Schiff im zentralen Mittelmeer im Einsatz war, sind nicht weniger viele Menschen geflohen. Wenn Schiffe im Einsatz sind ist also der einzige Unterschied, dass weniger Menschen sterben.

Rogate-Frage: Was genau ist das United4Rescue und wie arbeitet Ihre Organisation?

Liza Pflaum: United4Rescue hat als Initiative der EKD begonnen, mit dem Auftrag die zivile Seenotrettung zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass weitere Rettungsschiffe in den Einsatz kommen. Mittlerweile ist United4Rescue – Gemeinsam retten e.V. ein unabhängiges und breites Bündnis aus über 770 verschiedenen Organisationen, die hinter den zivilen Seenotrettung stehen und bereits das zweite Schiff in den Einsatz geschickt haben. Einerseits sorgt United4Rescue mit Hilfe von Fundraising-Kampagnen für die nötige finanzielle Unterstützung, andererseits steht die Breite des Bündnisses für politischen Rückhalt.

Rogate-Frage: Mittlerweile sind zwei Schiffe, die von United unterstützt werden, in der Seenotrettung tätig. Wo befinden sich diese und wie sieht der Einsatz im Mittelmeer aus?

Liza Pflaum: Beide Schiffe befinden sich im Einsatz im zentralen Mittelmeer. Das eine wird von Sea-Watch e.V. und das andere von Sea-Eye e.V. betrieben. Derzeit befinden sich sehr viele Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer. Beide Schiffe haben bereits nach den ersten Einsätzen schon mehrere hundert Menschen vor dem Ertrinken gerettet. In der Regel wird nach einer Rettung der nächste sichere Hafen angelaufen, um die Menschen an Land in Sicherheit zu bringen. Allerdings werden die Rettungseinsätze der zivilen Seenotrettungsschiffe seit 2018 von Seiten der Europäischen Union massiv blockiert.

Rogate-Frage: Es hat sich ein großes Bündnis gebildet. Wie breit ist das Spektrum, welche Rolle spielen die Kirche dabei und welche Aufgaben haben die Bündnismitglieder?

Liza Pflaum: Das Bündnis ist vom politischen Spektrum sehr breit und reicht von einem kleinen Buchladen, Bioladen oder Kita, über Kirchengemeinden, größere Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, der Bewegung Seebrücke bis zu Unternehmen wie Ben & Jerry’s und Anwaltskanzleien. Es sind unzählige Gemeinden mit in dem Bündnis und das gesamte Projekt wurde von der EKD angestoßen. Viele Gemeinden unterstützen uns aktiv mit Kollekten, kreativen Aktionen und Infoveranstaltungen zu unserer Arbeit. Dies ist ein enorm wichtiges politisches Signal, welches eben auch noch viele weitere Organisationen dazu gebracht hat, sich zu diesem Thema zu positionieren und für die Rechte von geflüchteten Menschen stark zu machen

Rogate: Vielen Dank, Frau Pflaum, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de. Das Rogate-Kloster Sankt Michael und der Förderverein Sankt Michael sind Mitglied im Bündnis United4Rescue.

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Herzlich willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Andachten und Gottesdiensten:

  • Donnerstag, 27. Mai 2021 | 17:00 Uhr, Feierstunde Übergabe der „Berliner Ehrennadel für besonderes soziales Engagement“. Musik: Felicitas Eickelberg. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche.
  • Donnerstag, 27. Mai 2021 | 18:30 Uhr, Vesper (Abendgebet). Musik: Felicitas Eickelberg. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche.
  • Freitag, 3. September 2021 | 19:30 Uhr, Gebet für die Stadt – zur Eröffnung des CSD Wilhelmshaven. Musik: Landeskirchenmusikdirektorin Beate Besser, Oldenburg. Liturgie: N.N. und Br. Franziskus. Ort: Lutherkirche, Brommystr. 71, 26384 Wilhelmshaven-Villenviertel.
  • Freitag, 1. Oktober 2021 | 19:30 Uhr, „Wenn ich ein Engel wäre, dann….“, ökumenischer Eröffnungsgottesdienst zum 28. lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin. Predigt: Pfarrer_in Anna Trapp, Evangelischer Pfarrsprengel Bad Wilsnack. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, Berlin-Schöneberg.
  • Sonntag, 3. Oktober 2021 | 11:00 Uhr, Erntedank-Gottesdienst für Mensch und Tier zum Franziskusfest. Predigt: N.N.. Liturgie: Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Gemeinde, und Bruder Franziskus, Rogate-Kloster. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche Berlin-Schöneberg.

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