Meinung: Ein Blitzlicht zum CSD in Wilhelmshaven.

Am 4. September wird zum ersten Mal in Wilhelmshaven der Christopher Street Day begangen. Aus diesem Anlass wird am Vorabend, am Freitag, dem 3. September, ein Eröffnungsgottesdienst in der Lutherkirche gefeiert.

Die namengebende Christopher Street befindet sich im Ortsteil Greenwich Village in Manhattan, New York City. Dort begannen am 28. Juni 1969 die homosexuellen Menschen sich gegen die Praxis schikanöser Razzien zu wehren und somit begann gleichzeitig ein weltweiter Kampf gegen die Kriminalisierung und Ausgrenzung homosexueller Menschen.

Viel ist seitdem geschehen. Waren bis 1994 auch in Deutschland noch nach §175 StGB homosexuelle Handlungen unter Strafe gestellt, wird es heute gesellschaftlich akzeptiert, dass homosexuelle Menschen z.B. Erster Bürgermeister von Hamburg oder Oberkirchenrätin in Oldenburg werden.

Ein großer gesellschaftlicher, auch kirchlicher Wandlungsprozess hat in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, homosexuelle Menschen als das zu betrachten, was sie sind, ganz normale Mitmenschen mit Gaben, aber auch Fehlern und Schwächen wie sie nun einmal alle Menschen haben. Aber auch “ganz normale“ Menschen werden immer wieder ausgegrenzt, sobald sie sich in irgendeiner Weise vom Durchschnittsverhalten abheben. So gab es auch schon zur Zeit Jesu sogenannte „Randgruppen“. Jesus ging gezielt auf diese Menschen zu, seien es die damals verhassten Zöllner, Aussätzigen oder Ehebrecherinnnen und zog sich damit den Hass seiner Feinde zu.

Diese Provokationen waren allerdings ein Herzstück seiner Botschaft von der Liebe Gottes, die auch unter den Menschen gelten soll. Es liegt dem Geist des Evangeliums völlig fern, sich vorzustellen, Jesus hätte homosexuelle Menschen verdammt.

Es ist also gesamtgesellschaftlich ein großer Fortschritt in der Toleranz zu verzeichnen, doch die Geschichte und auch die aktuellen Beispiele etwa aus Belarus, Russland, China oder muslimischen „Gottesstaaten“ wie jetzt auch wieder Afghanistan (!) zeigen auf, wie brüchig dieser Fortschritt ist. Tendenzen selbst in EU-Staaten wie Ungarn oder Polen lassen aufhorchen. Freiheit und Toleranz sind Werte, die stets verteidigt werden müssen.

Dass diese Verteidigung auch auf fröhliche und friedlich-bunte Weise geschehen kann, zeigt der Christopher Street Day nun auch in Wilhelmshaven.

Ein Beitrag von Pastor Frank Moritz, Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bant, Wilhelmshaven