Gottesdienst für Mensch und Tier: Predigt von Prof. Julia Enxing

Zum Franziskusfest feierten wir am 3. Oktober unseren ökumenischen „Gottesdienst für Mensch und Tier“ in der Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirche.

Diese Segensfeier ist bei uns Tradition geworden, seit zehn Jahren ist er fester Bestandteil unseres Gottesdienstjahres. Mindestens einmal im Jahr wird zu dieser besonderen Segnungsfeier eingeladen, zumeist am 3. Oktober.

Auch im Coronajahr 2020 wollten wir nicht darauf verzichten. Wir konnten Prof. Dr. Julia Enxing, Dresden, als Predigerin gewinnen. Wir dokumentieren ihre Ansprache hier:

Willkommen im Anthropozän. Anthropozän, so nennen Wissenschaftler:innen unser Zeitalter, ein Zeitalter, in dem Menschen den natürlichen Lebensraum in kürzester Zeit mehr verändert haben als je zuvor. Anthropozän benannt nach dem Anthropos, dem Menschen. Wir haben es also geschafft: ein ganzes Zeitalter wird nach uns benannt. Herzlichen Glückwunsch.

Doch… wer kann schon ernsthaft stolz darauf sein? Die Veränderungen die die Menschheit, die wir, bewirkt haben und bewirken, führen nicht nur zu innovativen Technologien, Pflege-Robotern und E-Autos, sie führen auch zu nuklearen Waffen, Bergen von Plastik an den Stränden der Welt und zu einem massiven Artensterben.




Prof. Dr. Julia Enxing mit Lucy in der Mitte des Tier-Gottesdienstteams (Bild: Markus Beckmann)

Erst kürzlich bekamen wir es schwarz auf weiß: Mit unserem Lebensstil haben wir zwei Drittel der Tierbestände in den vergangenen Jahrzehnten ausgelöscht. Ausgelöscht. Weg. Unwiederbringlich. Zwei Drittel. Das muss man sich mal vorstellen. 68 Prozent der Populationen von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Amphibien und Reptilien sind zwischen 1970 und 2016 zerstört worden.

Neulich habe ich Folgendes gelesen: Wenn wir Menschen einander im selben Ausmaß und in derselben Geschwindigkeit töten würden wie wir Tiere töten, wären wir innerhalb von 17 Tagen ausgestorben.

All das macht mich sehr traurig. Es macht nicht nur oft genug traurig, wie wir Menschen miteinander umgehen, es macht mich auch traurig, wie wir mit den Tieren umgehen.

Es macht mich nicht nur traurig, wie sehr wir auf Kosten von anderen Menschen leben, sondern auch, wie sehr wir auf Kosten der Tiere leben.

Als könnten sie etwas dafür.

Als könnten sie etwas dafür, dass wir es waren, die einst entschieden haben, dass wir, die Menschen, die Krone der Schöpfung seien, uns anderen überlegen fühlen und sie zu unseren Dienern und Sklaven machten.

Apropos Krone der Schöpfung – steht davon eigentlich etwas in der Bibel? Ich suche dieses Missverständnis dort schon lange und bin bisher nicht fündig geworden. Ich lese die Schöpfungserzählung und lese dort, dass Gott sich – natürlich nur symbolische, nicht wörtliche – fünfeinhalb Tage für die Erschaffung von Licht und Finsternis, Wasser, Erde und Himmel, Bäumen und Sträuchern, Sternen, Wasser-, Flug- und Landtiere Zeit genommen hat und … einen Nachmittag für den Menschen. Und dass der krönende Abschluss dieses wunderbaren Werkes, die Krönung der gesamten Schöpfung (nicht nur dieses einen nachmittags) der Sabbat war, der siebte Tag. Der Sabbat ist geheiligt, er ist die Krone der Schöpfung, nicht der Mensch. Und der Sabbat gilt selbst den Tieren. Auch sie sollen am Sabbat ruhen von ihrer Arbeit. Sie sind ebenfalls geheiligt. Es ist das Miteinander allen Lebens, das geschaffen wurde, damit es lebt, damit es nur so wuselt und wimmelt, summt und brummt und quietscht, blubbert, bellt, grunzt und miaut.

Das Konzert des Lebens wurde von Gott am Sabbat gekrönt – und da heißt es, dass das gut war. Gott fand das gut, diese Fülle an Leben, diese Lebensfülle. Ich frage mich: Wie muss das nun für Gott sein, dass wir dieses Lebenswerk sukzessive zerstören. Sind wir nicht aufgetragen, den Willen Gottes zu erfüllen?

Sie alle, die sie hier sind und auch die, die nicht physisch, sondern nur in Gedanken hier sein können oder wollen, haben sich hier versammelt, weil sie zu den Menschen gehören, die den paradiesischen Zustand des Miteinanders von Lebendigem kennen, schon erlebt haben und wertzuschätzen gelernt haben. Sie alle haben vermutlich einen Zugang zu dem, was es heißt, die Schöpfung zu lieben. Vielleicht haben Sie einen Garten oder einen Balkon, auf dem sich regelmäßig die Bienen zum Tanz versammeln. Oder sie haben einen Rasen auf dem sich die Grashüpfer tummeln, einen Teich, in dem die Kaulquappen umhersausen oder sie gehen durch einen Park, in dem die Eichhörnchen um die Wette klettern. Vielleicht haben sie auch ein Meerschweinchen, dessen freudiges Quieken ihnen Geschichten aus einer anderen Perspektive erzählt oder sie haben eine Katze, mit der sie eine WG bilden, oder oder oder … oder Sie wissen davon zu berichten, wie bereichernd es ist, mit einem Hund an ihrer Seite leben zu dürfen. Wie schön und manchmal auch wie traurig und sorgenvoll ein Leben mit Tieren ist.

Menschen die ihr Leben mit Tieren teilen dürfen, erfahren häufig das, was manche Bibelschulen, manche Katechese und manche Predigt mühevoll zu vermitteln suchen: Die Zusage: Du bist wertvoll. Ich freue mich, dass Du da bist. Egal, wie Dein Tag war, egal, ob Du es noch zum Friseur geschafft hast, egal, ob Du im Berufsleben erfolgreich warst: Es ist schön, dass Du da bist. So, wie Du bist. Diese vorbehaltlose und zensurfreie Annahme schaffen wir Menschen einander selten zu vermitteln. Das können vermutlich nur Tiere. Hier sind sie uns in der Vermittlung der göttlichen Liebe um einiges voraus.

Der Berliner Philosoph und Schriftsteller Andreas Weber drückt es so aus: „Darin sind sie (die Tiere) so, wie man sich einst die Gnade Gottes vorgestellt hat. Der Schulversager, der von Schwermut gepeinigt wird, hat für seinen Hund denselben Wert als Kumpan und Bezugsperson, als wäre er ein Überflieger. Die beißenden Regeln menschlicher Sozialbeziehungen sind teilweise außer Kraft gesetzt. (…) In einer Welt, in der es nichts geschenkt zu geben scheint, bezeugen Tiere gerade die Möglichkeit unverdienter Gunst.“

Ich kann es nur aus meiner eigenen Erfahrung sagen: Niemand, aber wirklich niemand, hat mich je so ehrlich und so freudig begrüßt, wie meine Hündin. Sie kann mich geradezu überschwänglich überfallen. Wenn ich nach ein paar Tagen von einer anstrengenden Konferenzreise, bei der ich mir unter Umständen harte – oftmals sehr gnadenlose und erbarmungslose – Kritik anhören musste, geprüft, gewogen, gemustert und für gut oder eben nicht gut befunden wurde, nach Hause zurückkomme, rast sie mir entgegen. Sie rast in einer Geschwindigkeit auf mich zu, dass ich nur noch hoffen kann, dass sie es schafft, rechtzeitig abzubremsen. Dann führt sie nicht nur mit ihrer Rute, sondern mit ihrem gesamten Körper einen Tanz der Wiedersehensfreude auf, der nicht aufhören möchte. In solchen Momenten denke ich manchmal: so muss das Paradies sein. Das ist ein Vorgeschmack auf die Aufnahme in das Himmelsreich. Ein schöner, ein tröstlicher Gedanke, dort hoffentlich einst so begrüßt zu werden.

Der Kölner Pastoralreferent Peter Otten drückt es so aus: „Du kannst behaupten, dass du Gott vertrauen kannst. Du kannst darüber predigen, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort haben. Du kannst den Satz sagen: Gott liebt dich. Mit einem Hund an deiner Seite hältst du es für möglich.

Ich habe meine Predigt damit begonnen, unser gestörtes Verhältnis zu unserer Mitwelt zu benennen. Und ich habe im Anschluss gezeigt, wie tief die Liebe von Mensch und Tier gehen kann. Das eine schließt das andere offenbar nicht aus. Ich frage mich, wie es uns einst gelingen kann, nicht nur bestimmte Menschen und bestimmte Tiere zu lieben, sondern den Wert des Miteinanders allen Lebens auch auf jene Lebewesen – sei es Mensch oder Tier – zu übertragen, von denen wir gelernt haben, dass sie uns nichts zu sagen haben und deren Anders-Sein wir viel zu häufig mit „weniger Wert sein“ übersetzen.

Als könnten sie etwas dafür.

Ich wünsche mir, dass wir es schaffen, einen Schritt weiter auf einem Weg zu gehen, an dessen Ende wir auch das Leben von Schweinen, Wölfen, Hornissen, von Raben, Amseln, Tauben, Stinktieren, Mistkäfern und Nacktschnecken so begrüßen und annehmen, wie unsere geliebten Tiere es uns heute schon nach einem Arbeitstag an der Eingangstür vormachen.

Möge Gott uns helfen, die Kraft und den Mut hierzu aufzubringen. Amen.

Prof. Dr. Julia Enxing, Dresden

Vorschau 2021: Sonntag, 3. Oktober 2021 | 11:00 Uhr, Erntedank-Gottesdienst für Mensch und Tier zum Franziskusfest. Predigt: N.N.. Liturgie: Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Gemeinde, und Bruder Franziskus, Rogate-Kloster. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche Berlin-Schöneberg.

Grußwort: Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert zum Franziskustag

Zum Franziskustag feierten wir gestern unseren ökumenischen „Gottesdienst für Mensch und Tier“ in der Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirche. Bereits seit zehn Jahren ist er bei uns Tradition. Mindestens einmal im Jahr wird zu dieser besonderen Segnungsfeier eingeladen, oft am 3. Oktober. Auch im Coronajahr 2020 wollten wir nicht darauf verzichten. Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert sprach zu Beginn ein Grußwort an die Gemeinde. Wir dokumentieren es hier:

MdB Mechthild Rawert (Bild: Marcel Talartsik)

Wie wir sehen, sind vor dem Altar Erntedank-Gaben aufgestellt. Alles ist vorbereitet, um am ersten Sonntag im Oktober das Erntedankfest zu feiern. Das freut mich: Da ich selbst „Bauerstochter“ bin, hat der Tag für mich eine besondere Bedeutung. Mit dem Erntedankfest feiern wir unsere Dankbarkeit für den Ertrag in Landwirtschaft und Gärten. Wir erinnern dabei auch an den engen Zusammenhang zwischen Mensch und Natur.  Wir alle sind Teil der einen Schöpfung.

Auch anlässlich des morgigen Franziskustages erinnern wir uns daran, dass es nur eine ganzheitliche Ökologie gibt, die Umwelt, Tier und Menschen auf der ganzen Erde umfasst. In Erinnerung an den Heiligen Franziskus von Assisi haben Sie heute ihre Wegbegleiter – ich sehe viele Hunde – mitgebracht.

Für mich bedeutet dieser Tag, innezuhalten und sich bewusst zu machen: Tiere sind Geschöpfe Gottes. Tiere sind nicht einfach Nutzprodukte in Bezug auf die Landwirtschaft. Anzuprangern ist der „Kommerz“, zum Beispiel durch illegalen Welpenhandel. Fakt ist: Es geht uns alle etwas an, wenn Tiere nicht artgerecht gehalten werden – sei es in den Ställen oder auch in Wohnungen.

Tiere haben einen „Eigenwert“, der menschlichen Nutzungsinteressen Grenzen setzt. Das Tierwohl ist eine weitreichende Verpflichtung. Tieren dürfen keine vermeidbaren Schmerzen und Leiden zugefügt werden. Unsere gesamte Gesellschaft ist für die Umsetzung der moralisch gebotenen Achtung des Tierwohls verantwortlich.

Für das Tierwohl trägt also auch die Politik Mit-Verantwortung. Der Agrarhaushalt ist sowohl im europäischen als auch im deutschen Finanzhaushalt immer einer der größten. Immer mehr Politiker*innen, Landwirte als auch Verbraucher*innen wollen die faire Umstellung der Fördergelder an ein umwelt- und klimaschonendes als auch ein tierwohlgerechtes Wirtschaften.

Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung ist dabei, sich zu verändern. Tiere werden längst nicht mehr als Produkt sondern als Lebewesen gesehen. Wir Sozialdemokrat*innen wollen ein verpflichtendes Tierwohllabel – das wollen leider noch nicht alle Fraktionen, die Regierungsverantwortung tragen. Dabei sind wir alle eine Umwelt – wir sind einem aktiven Klima-, Umwelt und Tierwohlschutz verpflichtet, sind zu ethischem und verantwortungsvollem Handeln angehalten.

Diejenigen unter uns, die hier heute mit einem Tier sitzen oder die zuhause ein Haustier halten, haben sich dafür entschieden, Verantwortung zu übernehmen. Ich selbst habe mich aus Verantwortung gegen die Haltung eines Tieres entschieden, da ich aus Zeitgründen gar nicht in der Lage wäre, artgerecht für das Wohl eines Tieres zu sorgen.

Für viele von Ihnen ist das anders. Im Münsterland gibt es einen Satz „Das letzte Kind trägt Fell.“ Dieser saloppe Spruch verweist auf etwas, was über Verantwortung hinausgeht: Auf die Liebe zwischen Mensch und Tier, auf die Liebe zwischen diesem einen Menschen und diesem einen ganz besonderen Tier. Wir werden darüber gleich noch mehr von Frau Prof. Enxing hören.

Mögen wir alle unsere Schöpfung wertschätzen und sie kostbar behandeln. Wir alle gemeinsam haben nur diese eine.

Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert, Tempelhof-Schöneberg

Vorschau 2021: Sonntag, 3. Oktober 2021 | 11:00 Uhr, Erntedank-Gottesdienst für Mensch und Tier zum Franziskusfest. Predigt: N.N.. Liturgie: Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Gemeinde, und Bruder Franziskus, Rogate-Kloster. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche Berlin-Schöneberg.

AG Religionenhaus beim Charlottenburger Bezirksbürgermeister

Die Arbeitsgemeinschaft Religionenhaus Friesland-Wilhelmshaven ist im Rathaus Charlottenburg vom Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann empfangen worden. Der Berliner Bezirk hatte 2015 einen bis heute viel beachteten kontinuierlichen Austausch zwischen den Religionsgemeinschaften initiiert. Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf sind rund 350.000 Personen gemeldet und viele unterschiedliche Religionsgemeinden ansässig. 

Integrationsbeauftragter Leon Godeffroy, Ratsherr Florian Wiese, Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann, Petra Meyer-Machtemes und Bruder Franziskus Aaron (v.l.).
(Bild: AG Religionenhaus)

Zur Delegation aus dem Nordwesten gehörte Petra Meyer-Machtemes (Sillenstede), Rogate-Vorstandsmitglied Florian Wiese (Wilhelmshaven) und Bruder Franziskus (Berlin/ Wilhelmshaven). Verabredet wurde eine Fortsetzung des Austausches zwischen Berlin und Wilhelmshaven-Friesland. Naumann stellte für 2021 einen Gegenbesuch an der Jade in Aussicht. Am Gespräch nahm zudem der Leiter des bezirklichen Integrationsbüros, Leon Godeffroy, teil.

Der Arbeitskreis „Religionenhaus Wilhelmshaven-Friesland“ hat sich im Sommer 2018 gegründet. Zu ihm gehören Mitglieder des Rates und der Verwaltung der Stadt Wilhelmshaven sowie Vertreter*innen des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Friesland-Wilhelmshaven, der römisch-katholischen Gemeinde Sankt Willehad, der Kreisdiakonie und des ökumenischen Rogate-Klosters.

Nach dem Vorbild des Berliner Projektes „House of One“ prüft der Kreis, ob ein „Religionenhaus“ eine sinnvolle und zukunftsweisende Einrichtung für den Dialog von religiösen und nichtreligiösen Menschen am Jadebusen sein könnte. Dazu soll eine Wiederbelebung des gemeinwesenorientierten interreligiösen Dialogs gefördert werden. Im vergangenen Jahr veranstaltete der Arbeitskreis mit dem Demokratie-Projekt Wangerlandsofa die Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt. 150 Jahre religiöse Vielfalt an der Jade“ im Küstenmuseum Wilhelmshaven.

Willkommen: Gottesdienst für Mensch und Tier am Franziskustag

Das Rogate-Kloster lädt am Sonnabend, 3. Oktober 2020, zum traditionellen Gottesdienst für Mensch und Tier ein. Anlass ist der jährliche Gedenktag an den Heiligen Franziskus von Assisi, der als erster Tierschützer gilt. Der ökumensiche Gottesdienst beginnt um 15 Uhr in der Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirche (An der Apostelkirche 1). Das Rogate-Kloster richtet seit 2011 regelmässig Tiersegnungsgottedienste aus.

Die Predigt hält in diesem Jahr Julia Enxing aus Dresden. In ihrer Forschung lässt sie sich die Theologieprofessorin herausfordern von Fragen wie dem Verhältnis von menschlichem zu tierischem Leben.

Der Gottesdienst wird musikalisch von Felicitas Eickelberg gestaltet. Sie wird die Orgel besonders leise und damit besonders tierfreundlich spielen. Beteiligt sind zudem Pfarrvikarin Ruth Tuschling, Alt-katholische Gemeinde Berlin, und Bruder Franziskus vom Rogate-Kloster.

Prof. Dr. theol. Julia Enxing mit Lucy (Bild: Amac Garbe)

Die Predigerin: Prof. Dr. theol. Julia Enxing (Jg. 1983) studierte katholische Theologie und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen, Frankfurt a. M., und promovierte 2012 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 2017 habilitierte sie an der Hochschule St. Georgen. Seit 2020 ist sie Professorin für Systematische Theologie an der Technischen Universität Dresden.

Termin: Sonnabend, 3. Oktober 2020 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier zum Franziskustag. Predigt: Prof. Dr. Julia Enxing, Dresden. Liturgie: Pfarrvikarin Ruth Tuschling, Alt-katholische Gemeinde Berlin, und Bruder Franziskus, Rogate-Kloster. Grußwort: MdB Mechthild Rawert. Lektor*innen: Petra Meyer-Machtemes und Florian Wiese. Ministranten: Uta Willers-Urban, Andrea Fleischer und Markus Beckmann. Orgel: Felicitas Eickelberg. Tür-Begrüßung und Eintrag in die Corona-Listen: Pfarrer Burkhard Bornemann. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche Berlin-Schöneberg.

Corona-Pandemie: Der Gottesdienst findet unter Corona-Bedingungen statt: Die Namen und Anschriften müssen hinterlassen werden. Ein Mund-Nase-Schutz ist zu tragen. Im Gottesdienst darf im Sinne der Pandemie-Vorsorge derzeit leider nicht gesungen werden.

Zitat: Mein theologisches Nachdenken, Fragen, Sprechen und Schreiben ist ein gegenwartsinspirierter Prozess. Zweifel und Fragen des Lebendigen in dieser Zeit sind es, die mich zur (wissenschaftlichen) Reflexion anregen und zum Thema meiner Theologie werden.

Ich setze mich für eine Überwindung der Diskrepanz zwischen gedachter und gelebter Theologie ein. Dabei ist mir ein intensiver ökumenischer und internationaler Austausch besonders wichtig. Für mich ist Theologie ein partizipatives, inklusives, kritisches, lebensnahes, unabgeschlossenes und politisches Geschehen.

Als Theologin erhebe ich meine Stimme gegen rassistische, antisemitische, speziesistische und anderweitige Diskriminierungstendenzen.

Julia Enxing, Dresden

Alt-katholisches Grußwort: Zehn Jahre Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin

Am diesjährigen Michaelistag, 29. September, jährt sich der zehnte Jahrestag der Gründung des Rogate-Klosters Sankt Michael zu Berlin. Gestern Vormittag , 27. September 2020, wurde in der Zwölf-Apostel-Kirche in Berlin-Schöneberg in einer Eucharistiefeier mit großer Gemeindebeteiligung daran erinnert. Verlesen wurde von der alt-katholischen Gemeindevertreterin Miriam Cremer während des Gottesdienstes das folgende Grußwort der Alt-katholischen Gemeinde Berlin:

Rogate-Mitglieder und MdB Mechthild Rawert nach dem Jubiläumsgottesdienst vor der Zwölf-Apostel-Kirche (Bild: Miriam Cremer)

Herzliche Grüße aus der alt-katholischen Kirche anläßlich Eures zehnjährigen Jubiläums! Ein wunderbares Fest, das man gehörig feiern muss. Dass Christen sich zum regelmäßigen Beten verpflichten, sowohl alleine als miteinander, trägt zur Stärkung der Kirche als Ganzes bei und verbreitet die Liebe Gottes in seiner Welt. Dafür können wir anderen Euch Mitgliedern des Rogate-Klosters ein großes Dankeschön sagen.

Ihr habt schon einiges zusammen erlebt: Die Frage der evangelischen Anerkennung, die Suche nach neuen Räumen, die Anerkennung als Gemeinschaft auch durch die alt-katholische Kirche, einige Weggänge aus eurer Gemeinschaft und natürlich den Wegzug von Bruder Franziskus nach Wilhelmshaven mit den damit verbundenen Änderungen für euer gemeinsames Leben und Beten. Und ihr seid noch da: ihr haltet fest an eure Gebetszeiten und wollt weiterhin ein Zeichen setzen in der Welt, dass ihr Gott in den Mittelpunkt eures Lebens setzt. Wir wollen Gott um seinen Segen bitten, damit das Rogate-Kloster Gottes Wirken in der Welt aufmerksam aufspüren kann und dort mitwirken kann, wo es am besten Früchte bringen mag.

Wir wollen bitten um Gottes Segen für unsere Stadt und für die Menschen, die sich vom Rogate-Angebot angezogen fühlen und vielleicht über ein Mitgehen und später sogar ein Eintreten sich Gedanken machen. Und wir wollen danken und feiern, das Christus in unserer Mitte steht, hier und heute in der Rogate-Gemeinschaft.

Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-katholische Gemeinde Berlin im Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland

Zum Hintergrund: Bereits vor elf Jahren, am 9. September 2009, gründete sich die Vorgängerorganisation, die „Ökumenische Rogate-Initiative“ als Verein. Zwanzig Personen aus verschiedenen Kirchen und Initiativen taten sich zusammen, um insbesondere in Schöneberg regelmässig Gottesdienste miteinander zu feiern.

Aus der Gruppe heraus wurde am 29. September 2010 das Rogate-Kloster gegründet. Es ist seit Juni 2013 als geistliche Gemeinschaft Teil der Evangelischen Kirche Berlin–Brandenburg–schlesische Oberlausitz und seit dem 1. November 2016 vom Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland anerkannt. Seit seiner Gründung ist das Kloster Mitglied im Verbund der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesiche Oberlausitz.

Die Rogate-Mitglieder wirken neben Berlin in verschiedenen Bundesländern wie Hessen, Baden-Württemberg, Sachsen und Niedersachsen (Friesland und Wilhelmshaven). Schwerpunkte des Engagement liegen dabei in innovativen Gottesdienstformaten wie der „Politikerkanzel“ oder Demokratieprojekten wie dem „Wangerlandsofa„.

Die stärkste Aufmerksamkeit des Kloster-Engagement erfahren der jährliche Eröffnungsgottesdienst zum Lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin sowie die Gottesdienste für Mensch und Tier. Lange Jahre lag der inhaltliche Schwerpunkt in der Begleitung Trauernder und von Andachten für Menschen, die an keiner Trauerfeier teilnehmen konnten. Die Gemeinschaft hat als Ziel, einen Konvent gemeinsamen Lebens und Arbeitens zu entwickeln. Dafür sucht sie einen Ort.

Rogate-Kloster: Lasst unser Schiff frei!

Das Rogate-Kloster Sankt Michael kritisiert die Festsetzung des deutschen Seenotrettungsschiffes Sea-Watch 4.

In der Nacht zum Sonntag wurde das Seenotrettungsschiff ‚Sea-Watch 4 powered by United4Rescue‚ von den italienischen Behörden im Hafen von Palermo festgesetzt. Als Bündnispartner von United4Rescue setzt sich das Rogate-Kloster für die sofortige Freilassung des Schiffes ein.

„Gemeinsam mit United4Rescue fordern wir die italienischen Behörden auf, die Sea-Watch 4 umgehend freizulassen und das Ende der Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung“, so Florian Wiese, Vorstandsmitglied des Rogate-Klosters.

Die „Sea-Watch 4“ war seit August im Einsatz. Sie liegt im Hafen von Palermo, nachdem sie am 2. September 353 gerettete Menschen an eine Quarantänefähre übergeben hatte.

Nach einer elfstündigen Inspektion der italienischen Hafenkontrolle ist die „Sea-Watch 4“ in Palermo festgesetzt worden. Tatsächlich erfüllt das Schiff alle Sicherheitsvorgaben des deutschen Flaggenstaates, wie die deutschen Behörden Sea-Watch erst im Juli bestätigt haben. Mit der Sea-Watch 4 wird zum fünften Mal ein ziviles Rettungsschiff an der Rückkehr in den Einsatz gehindert. Diese Inspektionen sind politisch motiviert und dienen allein dem Zweck, Rettungsoperationen zu verhindern.

Mit der Kriminalisierung der Sea-Watch 4 kriminalisiert die italienische Regierung nicht nur die Retter, sondern auch die über 600 zivilgesellschaftlichen Partner, die das Bündnis zur zivilen Seenotrettung unterstützen. Das Rogate-Kloster ist dem Bündnis United4Rescue beigetreten, weil weil für uns geistliches Leben mit tätiger Nächstenliebe, dem Einsatz für Gerechtigkeit, Menschenwürde und dem Recht auf Leben einhergeht.

Über United4Rescue: United4Rescue unterstützt als unabhängiger, gemeinnütziger Verein die zivile Seenotrettung auf dem Mittelmeer. Im Januar 2020 ermöglichte United4Rescue den Kauf der Sea-Watch 4 als zusätzliches Rettungsschiff. Darüber hinaus unterstützt United4Rescue auch andere zivile Seenotrettungsorganisationen, damit niemals ein Rettungsschiff aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht auslaufen kann.

Das Bündnis vereint mehr als 600 große und kleine Organisationen, Initiativen, Unternehmen, Vereine und Stiftungen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen. Bündnispartner*innen sind u.a. der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), World Vision Deutschland, der Koordinierungsrat der Muslime und die Evangelische Kirche in Deutschland. Aus Friesland-Wilhelmshaven sind u.a. der Ev.-luth. Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, die Kreisdiakonie, die Stiftung Diakonie am Meer, das Rogate-Kloster und der Förderverein Rogate-Kloster e.V. dabei.

Jubiläum: Zehn Jahre Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin

Es sollte ein großer ökumenischer Festgottesdienst mit Eucharistie und Ausstellung zum Monat der Diakonie werden, doch auch im Rogate-Kloster musste seit Beginn der Corona-Pandemie vieles ausfallen oder verschoben werden. Nun wird eine Eucharistie am Sonntag, 27. September 2020, an die Gründung der geistlichen Gemeinschaft vor zehn Jahren erinnern.

Bereits vor elf Jahren, am 9. September 2009, gründete sich die Vorgängerorganisation, die „Ökumenische Rogate-Initiative“ als Verein. Zwanzig Personen aus verschiedenen Kirchen und Initiativen taten sich zusammen, um insbesondere in Schöneberg regelmässig Gottesdienste miteinander zu feiern.

Aus der Gruppe heraus wurde am 29. September 2010 das Rogate-Kloster gegründet. Es ist seit Juni 2013 als geistliche Gemeinschaft Teil der Evangelischen Kirche Berlin–Brandenburg–schlesische Oberlausitz und seit dem 1. November 2016 vom Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland anerkannt. Seit seiner Gründung ist das Kloster Mitglied im Verbund der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesiche Oberlausitz.

Die Rogate-Mitglieder wirken neben Berlin in verschiedenen Bundesländern wie Hessen, Baden-Württemberg, Sachsen und Niedersachsen (Friesland und Wilhelmshaven). Schwerpunkte des Engagement liegen dabei in innovativen Gottesdienstformaten wie der „Politikerkanzel“ oder Demokratieprojekten wie dem „Wangerlandsofa„.

Die stärkste Aufmerksamkeits des Kloster-Engagement erfahren der jährliche Eröffnungsgottesdienst zum Lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin sowie die Gottesdienste für Mensch und Tier. Lange Jahre lag der inhaltliche Schwerpunkt in der Begleitung Trauernder und von Andachten für Menschen, die an keiner Trauerfeier teilnehmen konnten. Die Gemeinschaft hat als Ziel, einen Konvent gemeinsamen Lebens und Arbeitens zu entwickeln. Dafür sucht sie einen Ort.

Termin: Sonntag, 27. September 2020 | 10:00 Uhr, Eucharistie zum St. Michaelisfest und zum Monat der Diakonie. Orgel: Felicitas Eickelberg. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche.

Voting für Demokratie-Projekt „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“

Mit unserem Demokratie-Projekt „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“ bewerben wir uns im Rahmen eines Vereinsvotings seit heute um eine (finanzielle) Unterstützung der Landesparkasse zu Oldenburg.

Freuen würde uns, wenn Sie uns mit Ihrer Stimme bzw. Ihrem Voting unterstützen würden.

Hier kommen Sie direkt auf unsere Vorstellungsseite mit der Möglichkeit zur Stimmabgabe.

Vielen Dank!

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Eine Auswahl der nächsten (geplanten) Rogate-Termine finden Sie hier:

Aktuell: Mitgliederversammlung des Rogate-Klosters wählt neuen Vorstand

Prof. Dr. Markus Beckmann (Nürnberg) und Florian Wiese (Wilhelmshaven) sind neu in den Vorstand des Trägervereins des Rogate-Klosters Sankt Michael zu Berlin gewählt worden.

Die Mitgliederversammlung wählte einstimmig Gründungsmitglied Beckmann zum 2. Vorsitzenden und Wiese zum Schatzmeister des 2009 gegründeten Vereins. Wiese ist Ratsherr im Rat der Stadt Wilhelmshaven und gehört der SPD-Fraktion an. 1. Vorsitzender bleibt Br. Franziskus Aaron (Wilhelmshaven/Berlin). Durch die Neuwahl sind Dr. Christian Meier und Uta Willers-Urban (beide Berlin) aus dem Vorstand ausgeschieden. Beide waren zuvor zurückgetreten.

Das ökumenische Kloster ist seit 2013 durch die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und seit 2016 durch das Katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland anerkannt. Es besteht aus einer geistlichen Gemeinschaft, die seit ihrer Gründung in Berlin und seit 2017 in Wilhelmshaven und Friesland mit Demokratie-, Sozial und Kulturprojekten aktiv ist, darunter die Formate „Warum wählen?“,  „Zehn Reden für die Stadt“ sowie die „Politikerkanzel: Was mich treibt.“ Rogate ist zudem in Friesland-Wilhelmshaven im Interreligiösen Dialog engagiert.

Rogate-Förderverein verlegt Sitz nach Wilhelmshaven

Der Förderverein des Rogate-Klosters Sankt Michael wird künftig in Wilhelmshaven seinen Sitz haben. Die Mitgliederversammlung hat einstimmig eine entsprechende Satzungsänderung beschlossen.

Hintergrund für die Entscheidung ist das seit 2017 zunehmende Engagement der Rogate-Klosters in der Region Friesland-Wilhelmshaven. Die Rogate-Gottesdienst-Reihen „Politikerkanzel: Was mich treibt“, „Zehn Reden für die Stadt“ oder das Demokratieprojekt „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“ hatten u.a. Alt-Bundespräsident Christian Wulff sowie verschiedene Mitglieder des Bundestages und niedersächsische Landesminister als Redner in die Banter Kirche (Wilhelmshaven) gelockt. 

Das 2010 gegründete Rogate-Kloster selbst wird seinen Hauptsitz in Berlin behalten. Die Anerkennung als Einrichtung und Geistliche Gemeinschaft der Evangelischen Kirche-Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ist an ein spirituelles Leben vor Ort gebunden. Es ist Mitglied im Verbund der Diakonie. Die Mehrzahl der Rogate-Mitglieder leben im Ostdeutschland, auch daher wird das Kloster regelmässige öffentliche Angebote in der Hauptstadt anbieten, ein Büro unterhalten und Gottesdienste feiern. Letzteres ist derzeit durch die Corona-Pandemie erheblich eingeschränkt.

Das ökumenische Kloster ist seit 2013 von der evangelischen Landeskirche und seit 2016 durch das Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland anerkannt.

Website: www.KlosterBerlin.de