Fünf Fragen an: Pastorin Pamela Hansen, Helgoland

Fünf Freitagsfragen an Pamela Hansen, Pastorin auf Helgoland, über die Veränderungen durch die Pandemie, ein ruhigeres Inselleben und die theologische Dimension von Covid-19.

Pastorin Pamela Hansen (Bild: Jens Kohaupt)

Pamela Hansen stammt aus der Nähe von Plön, studierte in Kiel Theologie, war fünf Jahre lang in den USA als Pastorin tätig, bevor sie auf Helgoland ihre Stelle als Inselpastorin antrat, wo sie auch aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist.
 
Rogate-Frage: Frau Pastorin Hansen, wie hat sich das Leben auf Helgoland seit März 2020 durch die Corona-Pandemie verändert?

Pamela Hansen: Es ist viel ruhiger geworden, da während der Lockdown Phasen keine Feriengäste oder Tagestourist*innen nach Helgoland kommen dürfen. Der Vorteil ist, dass wir durch unsere Abgeschiedenheit, Einreisebeschränkungen und intensives Testen bisher sehr wenige Ansteckungen hatten.

Rogate-Frage: Und wie sieht das Leben Ihrer Kirchengemeinde angesichts der Pandemie aus?

Pamela Hansen: Leider sind die Gottesdienstbesucherzahlen bei den Präsenzgottesdiensten eingebrochen. Dafür gibt es ein größeres digitales Angebot, was den Vorteil hat, dass dies auch von denen genutzt werden kann, die sonst ihren Urlaub hier verbringen. Mit vielen Ortsansässigen versuche ich, telefonisch Kontakt zu halten. Open Air Angebote gestalten sich schwierig, da hier das Wetter dafür oft nicht optimal ist.

Rogate-Frage: Wie geht es Ihnen in dieser Situation?

Pamela Hansen: Es geht mir soweit ganz gut. Natürlich belastet auch mich die Pandemie und es ist mitunter anstrengend, all die menschlichen Abgründe auszuhalten, die sich durch die Pandemie auftun, aber zum größten Teil kann ich gelassen damit umgehen.

Es motiviert mich, dass neue Ideen wie der „Segen To Go“ so guten Anklang finden. Ich habe mich darauf verlegt, Tüten mit Segenssprüchen und einer kleinen Überraschung in der Kirche auszulegen bzw. diese Tüten im Strauch vor dem Pfarramt aufzuhängen. Die werden gerne im Vorbeigehen mitgenommen. Und es motiviert mich, dass plötzlich auch ganz viel gegenseitige Hilfsbereitschaft da ist.

Rogate-Frage: Hat das Virus beziehungsweise die weltweite Situation für Sie eine theologische Dimension?

Pamela Hansen: Ein bisschen: Das Gebot „Liebe deinen Nächsten“ ist für mich zu „Schütze deinen Nächsten“ und damit einfach konkreter geworden. Ich halte die Pandemie aber nicht für eine Strafe Gottes. Nichtsdestotrotz bietet sie die Chance, dass wir uns wieder über die wirklichen Werte bewusst werden und aufhören, falsche Götter wie den Konsum anzubeten.

Rogate-Frage: Wie werden Sie das zweite Corona-Ostern in diesem Jahr begehen?

Pamela Hansen: Ich habe mich dabei ertappt, dass ich es gerne so ruhig wie möglich feiern möchte: mit drei kleinen Präsenzgottesdiensten an Gründonnerstag, Karfreitag, und Ostersonntag sowie einer Osterandacht auf Facebook. Predigtvideos zu Gründonnerstag und Ostersonntag werden über unsere Internetseite verfügbar sein.

Privat hoffe ich, dass das Wetter es zulässt, dass mein Mann und ich den Garten ein bisschen genießen und „angrillen“ können. Die Grillkohle steht schon bereit.

Rogate: Vielen Dank, Frau Pastorin Hansen, für das Gespräch.

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Fünf Fragen an: Frederic Riedel, Kiezworker in Berlin-Schöneberg

Fünf Fragen an Frederic Riedel, Berlin-Schöneberg, über seine Arbeit als Kiezworker, Veränderungsprozesse in einer Großstadtkirchengemeinde und die Coronapandemie als Treiber der Digitalisierung..

Frederic Riedel (Bild: privat)

Frederic Riedel kommt aus Uelzen in Niedersachsen. Zum BWL- und „Wirtschaft und Recht“-Studium zog er zunächst nach Brandenburg, um sich dann in Berlin zu verlieben. Durch das Senatsprojekt „Solidarisches Grundeinkommen“ wurde er auf eine Stellenausschreibung der Apostel-Paulus-Gemeinde in Berlin-Schöneberg aufmerksam. Zu seinen Aufgaben gehört die Koordination der Offenen Kirche, der Besuchsdienst und die Öffentlichkeitsarbeit.

Rogate-Frage: Herr Riedel, Sie sind „Kiezworker“ in einer evangelischen Großstadtgemeinde. Welche Aufgabe haben Sie dort?

Frederic Riedel: „Kiezworker“ ist der Begriff für die Gesamtheit aller meiner Aufgaben im Rahmen der Gemeinde und im Kiez – auch ist er meine offizielle Jobbezeichnung.

Meine Aufgaben sind tatsächlich sehr vielfältig und abwechslungsreich, sodass es mir stets schwer fällt meine beziehungsweise die eine Aufgabe hier auf das Wesentliche herunterzubrechen: Wohlmöglich bin ich an all den Maßnahmen beteiligt, die Kirche und Kiez stärker miteinander verzahnen lassen sollen: Von Ehrenamtskoordination über Betreuung und Ausgestaltung der Offenen Kirche, bis hin zu Besuchsdiensten, die aufgrund der Pandemie und der damit einhergehenden Gefahr für Risikogruppen momentan leider pausieren müssen. Auch unterstütze ich die Pfarrerin, Küsterin und den Haus- und Kirchwart in vielen Angelegenheiten, sodass ich in gewisser Weise oftmals Bindeglied und helfende Hand in Personalunion bin.

In der Zukunft soll auch für mich wesentlich mehr in Richtung Kultur, Veranstaltungen und Social Media geschehen – aber auch hier sind uns momentan leider noch die Hände gebunden – pandemiebedingt.     

Rogate-Frage: Wie ist es dazu gekommen, dass Sie sich kirchlich engagieren und was hat es mit dem Senatsprojekt „Solidarisches Grundeinkommen“ zu tun?

Frederic Riedel: Es hat eine Menge damit zu tun, denn offen gestanden bin ich nur dadurch auf die ausgeschriebene Stelle aufmerksam geworden. Frau Pfarrerin Steffen-Elis hat mir von Anfang an zu Verstehen gegeben, dass die Gemeinde sich einem Wandel unterzieht und sicherlich schmeichelte mir die Idee, meinen Beitrag dazu leisten zu können. Schwer vorstellbar, dass ich in einer (Einstiegs-)Position, an einem anderen Ort mehr Einfluss auf die Entwicklungen um mich herum und auch auf meine eigene nehmen könnte. Ich würde mich nicht als strenggläubigen Menschen bezeichnen und für meinen Bereich ist Religion ehrlich gesagt auch gar nicht so maßgeblich. Entscheidend sind für mich vielmehr Wertevorstellungen, ein würdevolles und freundliches Menschenbild. Dazu zählt auch das Bedürfnis, aufgefangen zu werden, wenn man fällt. Auch Ich habe eine kleine persönliche Krise der Arbeitslosigkeit und Frustration nun zugunsten der Hilfe und Unterstützung Anderer hinter mich bringen können. Mein Team hat hier zweifellos, und zwar in ausnehmendem Maß, Anteil daran. Im Übrigen gefällt mir sehr wohl die Idee von Spiritualität, weil ich denke, dass sie jeder Mensch in sich trägt und braucht. Auch hatte ich wohlmöglich immer schon ein kleines Faible für Kunst, Geschichte, Architektur und den weiträumigen Klang von Sakralmusik. All das vereint die Apostel-Paulus-Kirche in recht beeindruckender Art und Weise.

Rogate-Frage: Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf Ihre Arbeit gehabt und wie haben Sie darauf reagiert?

Frederic Riedel: Das lässt sich nur schwer einschätzen, da ich das Arbeiten hier bisher noch gar nicht unter „normalen Rahmenbedingungen“ erleben durfte!

Aber ja, auch wir mussten absagen und umdenken: Kontaktbeschränkungen und Hygieneauflagen machen vor der Kirche keinen Halt. Wie in vielen Bereichen ist Corona aber auch für uns Treiber der Digitalisierung: Aufgezeichnete Gottesdienste und Veranstaltungen, Livestreams, Zoom-Meetings. Insbesondere seitens Pfarrerin Andrea Kuhla sind hier mittlerweile Online-Formate und Podcasts ins Leben gerufen worden. Kontaktaufrechterhaltung zu älteren Gemeindegliedern erfolgt telefonisch oder postalisch. Das Schönste ist, dass wir die Kirche – unter Wahrung der Abstands- , Hygiene- und Lüftungsregeln – seit dem Beginn der Pandemie und durch die Hilfe eines mittlerweile breiter aufgestellten Teams an ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen nahezu durchgängig offen halten konnten. Mit äußerst positiver Resonanz der Besucher:innen.

Rogate-Frage: Welchen Unterschied nehmen Sie grundsätzlich im kirchlichen Umfeld im Vergleich zu anderen Arbeitgebern war?

Frederic Riedel: Der Umgang miteinander ist familiär, bedächtig und herzlich. Das ist in der heutigen Leistungsgesellschaft sicherlich kein Selbstläufer.

Wissen Sie, es gibt Arbeitgeber:innen, die ihre Mitarbeiter:innen quasi im Monatstakt auf hippe Team-Building-Seminare beziehungsweise – Maßnahmen schicken, geradezu wissenschaftliche Ansätze dabei verfolgen, und in der Praxis bleibt dann schlussendlich oft Nichts von all dem hängen. Wasser predigen und Wein trinken. Mir ist aufgefallen, dass das hier –  vielleicht aus dem Selbstverständnis, dem äußeren Rahmen und dem eigenen Wertesystem heraus –  auch ganz wunderbar ohne funktionieren kann.

Rogate-Frage: Wenn sie die Kirche in Berlin und überhaupt neu erfinden und gestalten würden, wie sähe sie dann aus?

Frederic Riedel: Das wäre ziemlich anmaßend! (lacht)

Aber sicherlich muss die Kirche – wie jede andere Institution im Laufe der Zeit – in verschiedenen Bereichen umdenken, neue Anreize schaffen, Programminhalte diversifizieren, Barrieren abbauen, auf die Leute zugehen, noch bevor sie sich entfernen. Berlin per se ist eine Stadt mit sehr modernem und dynamischem Zeitgeist und da wirkt die Kirche auf viele schlichtweg etwas aus der Zeit gefallen. Vor allem auf die jüngeren Generationen, die Zukunft. Glaube allein ist kein Kriterium mehr für die Ausrichtung und Gestaltung des Lebens. Dabei gibt es in vielen Gemeinden so viel Potential, einzigartige Räume und Gebäude in Ihrer Nutzung so zu gestalten, dass sich wieder mehr Menschen angesprochen fühlen und ihren persönlichen Zugang finden. Ich finde es etwas kurios wenngleich interessant, dass im Subkultur-Jargon ausgerechnet der wohl berüchtigtste Berliner Techno-Club landläufig gerne als „Tempel“ oder „Church“ bezeichnet wird. Und auch wenn der Vergleich auf den ersten Blick noch so skurril wirken mag: Vermutlich lechzt jeder Mensch nach einem Raum, einem Ort der Geborgenheit und Zuflucht, der Gemeinschaft, des Gesangs und der Feier und auch der Spiritualität – und offenbar bedeutet Kirche im Kern nach wie vor all das.

Rogate: Vielen Dank, Herr Riedel, für das Gespräch.

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Aufgrund der Corona-Pandemie finden im Moment nur wenige Rogate-Gottesdienste statt. Die nächsten geplanten Termine sind:

Fünf Fragen an: Pastor Jasper von Legat

Fünf Fragen an Pastor Jasper von Legat, Friedensbeauftragter der Bremischen Evangelischen Kirche, über die Zunahme von Unwahrheiten in Diskussionen, die Verlagerung der Kriegsführung in das Internet und Frieden, der sich in einer solidarischen Gemeinschaft zeigt.

Jasper von Legat (Foto: BEK Matthias Dembski)

Jasper von Legat (32) Jahre stammt gebürtig aus Bremen. Er hat in Göttingen und in Berlin studiert und setzt sich für den solidarischen Zusammenhalt unserer Gesellschaft ein.

Rogate-Frage: Herr Pastor von Legat, die Bremische Evangelische Kirche hat zwei Pastoren für die Friedensarbeit berufen. Einer davon sind Sie. Ist das Engagement für Frieden nicht eigentlich Aufgabe jedes Christen?

Jasper von Legat: Ja, das sehe ich auch so. Jede Christin ist Friedensbeauftragte und Friedensstifterin. Das ist unser bleibender Auftrag. Wir leben aus der großen Verheißung von Gerechtigkeit und Frieden. Wir kennen aus den Psalmen die, fast romantische, Vorstellung, dass Frieden und Gerechtigkeit sich küssen. Und auch die prophetische Überlieferung kennt die Vision eines allumfassenden Friedens, in denen Waffen keine Rolle mehr spielen dürfen und alle Völker im großen Shalom zusammenleben. All das fast Jesus Christus in der Bergpredigt zusammen: Selig sind die Friedfertigen.

Rogate-Frage: Was genau ist Ihr Auftrag im Arbeitsbereich Friedensarbeit?

Jasper von Legat: Unser Auftrag als Friedensbeauftragte der Bremischen Kirche ist es, die Friedensarbeit in den Gemeinden, Einrichtungen und Werken zu stärken und zu bündeln. Wir versuchen also Menschen, die sich für den Frieden einsetzen und in dem Bereich arbeiten, an einen Tisch zu bekommen, sie zu vernetzen und miteinander ins Gespräch zu bringen. Sicherlich werden wir auch an der ein oder anderen Stelle versuchen, einen Impuls zu setzen.

Rogate-Frage: Wie definiert sich Frieden im theologischen/christlichen/friedenstheologischen Sinne?

Jasper von Legat: Frieden ist Kernthema der biblischen Botschaft und der Kirche. Wir finden die Forderung nach Frieden und die Hoffnung auf Frieden in den Texten des Alten Testaments und des Neuen. Immer wieder begegnet uns der große Wunsch nach Frieden. Jeden Gottesdienst stellen wir unter den „Frieden Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft.“

Dabei gibt es in der christlichen Ethik die unlösliche Verbindung von Gerechtigkeit und Frieden. Das hängt zusammen und begrenzt beispielsweise auch den Einsatz von Waffen. Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit im Zusammenleben, in unserer Gesellschaft. Und andersherum gilt das auch. Es gibt keine Gerechtigkeit, wenn Krieg herrscht. Denn der Krieg bleibt Unrecht!

Rogate-Frage: Welche friedenspolitischen Fragestellungen sehen Sie im Moment und wie sollte die Kirche darauf reagieren?

Jasper von Legat: Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat 2007 mit der Denkschrift „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“ umfangreich auf die damaligen friedenspolitischen Fragestellungen reagiert. Seit dem ist aber viel passiert. Wir beobachten vor allem eine zunehmend unsicherer werdende weltpolitische Situation, die Zunahme von Unwahrheiten und Lügen in den Diskussionen, eine wieder wachsende atomare Bedrohung und die Verlagerung der Kriegsführung in das Internet. Ebenso stehen wir vor einer entscheidenden Weiterentwicklung der Waffensysteme. In naher Zukunft können wir vollautomatisierter Kriegsführung rechnen. Der menschengemachte Klimawandel wird auch ein Friedens und Gerechtigkeitsthema – wenn er das nicht schon längst ist. Damit müssen wir uns beschäftigen, darüber müssen wir diskutieren. Klar ist, dass die Kirche aus Gottes Frieden lebt und für einen gerechten Frieden sorgt. Das bleibt Kennzeichen unserer Kirche.

Rogate-Frage: Ein Schwerpunkt Ihres Engagements soll auf dem „inneren Frieden in der Gesellschaft“ liegen. Wie gehen Sie in Ihrer Arbeit damit konkret um?

Jasper von Legat: Es ist zunächst wichtig zu verstehen, dass nicht nur bewaffnete Konflikte dem Frieden Gottes im Wege stehen, sondern auch die vielen großen und kleinen Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft dem Frieden entgegen wirken. Es geht um die zum Beispiel um die Neugestaltung unseres Wirtschaftssystems, das bisher viele Menschen zurücklässt. Wir müssen wegkommen von ungezügeltem Wachstum und deregulierten Finanzmärkten. Das bedeutet auch Verzicht und ist zunächst sicher schwer zu akzeptieren. Und doch wissen wir das alles bereits tief in unserem Innern.

Wir müssen dauernd gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entgegentreten. Wir müssen dafür sorgen, dass die Würde eines jeden Menschen gewahrt ist und wir uns als Geschöpfe Gottes begegnen.

Frieden zeigt sich in einer solidarischen Gemeinschaft. Wir müssen als Gesellschaft dafür sorgen, dass jede teilhat am Reichtum und Wohlstand dieses Landes. Die große Kluft zwischen arm und reich darf nicht größer werden. Diese Kluft muss kleiner werden.

You may say I’m a dreamer – But I’m not the only one – I hope some day you’ll join us – And the world will be as one

Rogate: Vielen Dank, Herr Pastor von Legat, für das Gespräch.

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Fünf Fragen an: Dr. Andrea Schrimm-Heins, Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg

Fünf Fragen an Dr. Andrea Schrimm-Heins, Leiterin der Frauenarbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, über die Befreiung aus Rollenstereotypen, die Möglichkeiten der Bildungsarbeit in der Pandemie und Diversität der Lebensformen als kirchliche Herausforderung.

Dr. Andrea Schrimm-Heins (Bild: privat)

Andrea Schrimm-Heins stammt aus Stuttgart und studierte Evangelische Theologie und Latein in Tübingen und Bern sowie Soziologie in Bayreuth. Sie engagiert sich in verschiedenen frauenspezifischen Bezügen, zum Beispiel im Vorstand der Oldenburger „Stiftung Evangelische Frauen helfen Frauen“, im Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft Frauen- und Gleichstellungsarbeit der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und in der Frauenkommission der Norddeutschen Mission.

Rogate-Frage: Frau Dr. Schrimm-Heins, was genau verstehen Sie unter Evangelischer Frauenarbeit und wie funktioniert diese in der Oldenburger Kirche?

Andrea Schrimm-Heins: Unter Frauenarbeit verstehe ich die (Bildungs-)Arbeit mit Frauen in unserer Kirche. Frauen gestalten aktiv und ehrenamtlich auf vielfältige Weise Gemeinde, Kirche und Gesellschaft. Wir unterstützen und fördern dieses Engagement. Die Frauenarbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg richtet sich mit ihren Angeboten an alle Frauen, bietet qualifizierte Fortbildungen an, lädt ein zur aktiven Mitarbeit, ermutigt zur Übernahme von Verantwortung in Kirche und Gesellschaft, ermöglicht Gemeinschaft und pflegt eine Kultur der gegenseitigen Wertschätzung.

Wir ermutigen Frauen, ihre Perspektiven einzubringen und für ihre Anliegen einzutreten. Wir möchten in unserer Arbeit etwas von der befreienden Botschaft des Evangeliums sichtbar werden lassen und den an unseren Angeboten teilnehmenden Frauen Orientierung in Sinn- , Glaubens- und Lebensfragen geben, Frauenbewusstsein stärken und zum Nachdenken anregen. Wir stehen für eine Theologie, die Frauen und Männer aus Rollenstereotypen befreit. Wir wollen den Blick schärfen für Ungerechtigkeit und gegenwärtige gesellschaftliche Herausforderungen sowie die Vielfalt von Lebensformen und Kulturen.

Unser Themenspektrum reicht von der Weltgebetstagsarbeit über Tagesseminare zu theologischen oder ethisch relevanten Themen und Einkehrtage oder einwöchige Bildungsurlaube und Pilgertouren bis zu interkulturellen Begegnungen und dem „Fernstudium Theologie geschlechterbewusst“, bei dem wir mit den Evangelischen Frauen in Bremen und der Frauenarbeit der evangelisch-reformierten Kirche kooperieren.

Rogate-Frage: Was hat sich für Ihre Arbeit durch Corona verändert?

Andrea Schrimm-Heins: Unsere Arbeit lebt von der Begegnung und in Zeiten des Lockdowns sind diese vor Ort leider nicht möglich. Einige geplante Veranstaltungen finden daher als Online-Seminare statt. Das ist besser als nichts, aber es fehlt Wesentliches. Die meisten unserer Seminare haben einen spirituellen Rahmen, ermöglichen den persönlichen Austausch in kleinen Gruppen, sind geprägt von einem Wechsel an Methoden, die Kopf, Herz und Hände ansprechen. Viele dieser prägenden Elemente unserer Arbeit sind digital gar nicht erlebbar. Als wir im Sommer nach dem ersten Lockdown wieder mit Veranstaltungen vor Ort starten konnten, erlebten wir einen wahrhaften Andrang auf unsere Einladungen. Die Teilnehmerinnen erzählten dann auch zum Beispiel bei unseren Auszeit-Tagen im August im wunderschön gelegenen Blockhaus Ahlhorn, wie sehr sie die Gemeinschaft und den Austausch mit anderen Frauen vermisst haben und dass sie die Begegnungen dadurch wieder ganz besonders zu schätzen wissen. Was Frauen zur Zeit besonders zu schaffen macht, kommt bei fast allen Treffen zur Sprache, nämlich die Erfahrung, dass sich durch Corona längst überwundene Rollenmuster wieder eingeschlichen haben. Was sich durch Corona verbessert hat, ist natürlich der Umgang mit den sozialen Medien. Selbst Frauen, die bislang keine Erfahrungen mit Video-Chats hatten, haben sich technisch neu ausgestattet und eingearbeitet, um auch an Video-Formaten teilnehmen zu können zum Beispiel an den WGT-Bundeswerkstätten. Die Onlineveranstaltungen der Frauenarbeiten innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) werden auch über ihre landeskirchlichen Grenzen hinaus wahrgenommen. Das empfinde ich natürlich als große Bereicherung.  Positiv habe ich auch erlebt, dass verschiedene überregionale Gremien, bei denen Anfahrtszeit und Tagungsdauer bislang sehr unverhältnismäßig waren, nun online tagen und damit Zeit und Fahrtkosten eingespart werden können ohne an Effizienz einzubüßen.

Rogate-Frage: Die Evangelische Frauenarbeit engagiert sich im interreligiösen Dialog. Warum?

Andrea Schrimm-Heins: In unserer Zuwanderungsgesellschaft gilt es mit kulturellen und religiösen Unterschieden so umgehen zu lernen, dass ein gutes Leben für alle möglich ist. Es braucht Menschen, die Brücken bauen können. Interreligiöser Dialog ermöglicht es einander in gegenseitigem Respekt mit Interesse und Wertschätzung zu begegnen und so miteinander und voneinander zu lernen. Vor dem Hintergrund der je verschiedenen religiösen und kulturellen Traditionen der beteiligten Frauen bietet sich die Möglichkeit, sich mit gesellschaftlichen Fragenstellungen zum Beispiel über Freiheit und Tradition, über Religion und Emanzipation vertieft auseinanderzusetzen und Vorurteile abzubauen sowie Unterschiede zu respektieren.

Rogate-Frage: Sie haben das Projekt „Was glaubst du denn“ mit ins Leben gerufen. Was genau passiert da und wer kann daran teilnehmen?

Andrea Schrimm-Heins: Die Fortbildung zur Kulturmittlerin „Was glaubst du denn?“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Bischöflichen Beauftragten für den interreligiösen Dialog im Offizialatsbezirk Oldenburg, der Frauenseelsorge und Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Offizialatsbezirk Oldenburg und der Frauenarbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg. Sie orientiert sich am Modellprojekt „Kulturmittlerinnen“ der kfd auf Bundesebene, bei dem es jedoch nur um den christlich-islamischen Dialog ging. Wir haben unser Projekt auf alle drei abrahamitischen Religionen und auf das Yezidentum ausgeweitet, da in unserer Region auch viele yezidische Mitmenschen leben.

Die Grundidee war, dass aus jeder Religion beziehungsweise Konfession mindestens eine Frau im Planungsteam mitwirkt. Eingeladen waren Teilnehmerinnen aus den verschiedenen Religionen. Bei den Veranstaltungen ging es um die Grundlagen und kulturellen Hintergründe der jeweiligen Religionen und ganz besonders um den Austausch über den eigenen Glauben. Leider konnten wir nur das Startwochenende und einen Studientag vor Ort stattfinden lassen. Die nachfolgenden Termine mussten wegen der Pandemie durch Online-Veranstaltungen ersetzt werden. Das wurde als sehr schade erlebt, weil durch die direkten Begegnungen Interesse und Lust geweckt worden war auf weitere persönliche Gespräche und gemeinsames Erleben. Dennoch waren auch die Zoom-Treffen lebendig und fruchtbar. Die Fortbildungsteilnehmerinnen wurden dazu ermutigt, in religionsübergreifenden Kleingruppen interkulturelle Projekte zu planen und durchzuführen. Dafür gibt es schon vielfältige Pläne, die aber in der gegenwärtigen Situation noch nicht in die Tat umgesetzt werden konnten. Wir sind schon gespannt auf die Erfahrungen bei der Umsetzung, von denen wir bei einem Auswertungstag hören werden.

Rogate-Frage: Wie wird sich die Evangelische Frauenarbeit in Hinblick auf Diversität, Kirchenaustrittszahlen und dem resultierenden Sparzwängen und einer sich stärker spaltenden Gesellschaft entwickeln?

Andrea Schrimm-Heins: Die Diversität der Lebensformen und Lebensbedingungen erweist sich als immer größere Herausforderung bei der Ausgestaltung unserer Arbeit, da die traditionelle kirchliche Sozialisation und Bindung von Frauen nicht mehr als selbstverständlich vorausgesetzt werden kann. Hauptmotivation zur Teilnahme an Veranstaltungen ist der Wunsch nach ganzheitlicher Bildung, Anregung, Austausch, Vernetzung, Unterstützung, Orientierung, Vergewisserung, gegenseitiger Stärkung und Gemeinschaft. Den veränderten Lebensbedingungen und Lebenslagen von Frauen muss durch vielfältige und neue Veranstaltungsformate und eine Ausweitung projektorientierter Angebote Rechnung getragen werden, wobei die Verknüpfung von Bildung und Freizeit sowie erfahrungsbezogene und auch erlebnispädagogische Elemente in Zukunft in der Frauenbildung eine noch größere Rolle spielen werden.

Die aus dem Rückgang der Kirchensteuern resultierenden Sparzwänge gefährden alle übergemeindlichen Arbeitsbereiche – also auch die Frauenarbeit – und stellen sie auf den Prüfstand. In vielen Landeskirchen erfuhr die Arbeit mit Frauen schon starke Kürzungen. Auch auf EKD-Ebene drohen dem Evangelischen Zentrum Frauen und Männer – zu dem unser Dachverband EFiD (Evangelische Frauen in Deutschland) gehört – Kürzungen, die langfristig zur Handlungsunfähigkeit führen würden. Aber Kirche braucht Räume für Geschlechterdialoge und geschlechtsspezifische Angebote. Ich hoffe, den Kirchenleitenden der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg ist bewusst, dass engagierte Frauen zum Fundament unserer Kirche gehören und Frauenarbeit unverzichtbar bleibt, um aktive Frauen zu unterstützen und auch neue für Kirche zu interessieren.  Evangelische Frauenarbeit muss sich in Zukunft weiter vernetzen, um ihre Stimme und Positionen in den gesellschaftlichen Dialog einzubringen.

Rogate: Vielen Dank, Frau Dr. Schrimm-Heins, für das Gespräch.

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Aufgrund der Corona-Pandemie finden im Moment nur wenige Rogate-Gottesdienste statt. Die nächsten geplanten Termine sind:

Fünf Fragen an: Christian Vollmann; Mitgründer Nebenan.de

Fünf Fragen an Christian Vollmann, Mitgründer von Nebenan.de, über Einsamkeit als gesellschaftliche Herausforderung, die Hilfe zur Initiierung lokaler Gemeinschaft und Dörfer mit Zukunft.

Christian Vollmann (Bild: Hoffotografen)

Christian Vollmann ist in dem kleinen fränkischen Ort Dormitz aufgewachsen. Vor der Gründung von nebenan.de war er bereits Mitgründer der Dating-Portale iLove und eDarling sowie der Video-Plattform MyVideo. Er engagiert sich als Unterstützer von Ashoka, einer Organisation zur Förderung von Sozialunternehmen.

Rogate-Frage: Herr Vollmann, was genau ist nebenan.de?

Christian Vollmann: nebenan.de ist das größte soziale Netzwerk für Nachbar:innen in Deutschland mit 1,6 Millionen aktiven Nutzer:innen. Über die kostenlose, lokale Plattform können sich Nachbar:innen unkompliziert kennenlernen, helfen, zu Aktivitäten verabreden, Dinge teilen und verschenken. Nur verifizierte Nachbar:innen haben Zugang zu nebenan.de.

Mit nebenan.de bringen wir Menschen zusammen, die in der gleichen Nachbarschaft leben und sich trotzdem oft gar nicht kennen. Die Plattform ist ein Werkzeug, um Anonymität abzubauen und die lokale Gemeinschaft zu stärken. Starke und gut vernetzte Nachbarschaften sind gerade in Krisenzeiten wichtig – das hat die Corona-Pandemie eindrucksvoll gezeigt.

Rogate-Frage: Wie kam es zur Gründung und welche Vision verfolgen Sie für Ihr Netzwerk?

Christian Vollmann: Ich bin selbst im fränkischen Dorf Dormitz aufgewachsen. In meiner Wahlheimat Berlin fehlte mir die Dorfgemeinschaft manchmal. Ein Schwätzchen beim Bäcker, spontane Hilfe im Garten? Eine Seltenheit in der anonymen Großstadt. Als ich innerhalb Berlins umgezogen bin, wurde mir klar: Ich kenne keine meiner Nachbar:innen persönlich. Das wollte ich ändern. 2015 gründete ich mit fünf Mitstreiter:innen die Nachbarschaftsplattform nebenan.de.

Unsere Vision: Den gesellschaftlichen Herausforderungen wie zunehmender Anonymität, Einsamkeit, demographischer Wandel und Ressourcenverschwendung entgegenwirken und mehr lokale Gemeinschaft ermöglichen.

Seit 2018 können lokale, gemeinnützige Organisationen, Kommunen und Stadtverwaltungen über ein sogenanntes Organisationsprofil Teil der Nachbarschaft werden. Seit Anfang 2019 steht die Plattform auch lokalen Gewerben offen.

Rogate-Frage: Facebook verkauft die Daten ihrer Nutzer. Womit verdient Nebenan.de Geld?

Christian Vollmann: Wir bei nebenan.de nehmen den Schutz der Nutzerdaten sehr ernst. nebenan.de ist als deutschlandweit einzige Nachbarschaftsplattform TÜV-zertifiziert. Wir geben keine Nutzerdaten an Dritte weiter. Als Sozialunternehmen schließen wir ganz bewusst ein Geschäftsmodell aus, das auf der Vermarktung von Nutzerdaten beruht. Stattdessen setzen wir auf freiwillige Förderbeiträge unserer Nutzer, die Einbindung von lokalem Gewerbe sowie Kooperationen mit Kommunen.

Bei Facebook kommunizieren wir mit Freunden. Bei nebenan.de kommunizieren wir mit Fremden, die zu Freunden werden können. 99 Prozent aller Begegnungen auf nebenan.de wären ohne die Plattform nicht zustande gekommen, weil sich die Leute vorher nicht kannten. Aber es gibt unzählige Beispiele von Menschen, die über die Plattform echte Freundschaften geknüpft haben.

Rogate-Frage: Unter der Überschrift „Gemeinsam gegen Einsamkeit auf dem Land“ kooperiert nebenan.de mit der Diakonie Deutschland. Wie genau soll damit einsamen Menschen geholfen werden?

Christian Vollmann: Es ist ein Irrtum, dass sich auf dem Land schon alle kennen. Oft gibt es viele Zugezogene, denen es schwerfällt, Anschluss zu finden. Wie können wir Dorfbewohner:innen besser vernetzen? Das wollen wir gemeinsam mit der Diakonie Deutschland im Rahmen von „Dörfer mit Zukunft“ herausfinden.

Mit Hilfe von nebenan.de sollen auch in ländlichen Gegenden Nachbarschaftsnetzwerke entstehen, über die sich die Dorfbewohner:innen austauschen und unterstützen können, Informationen der Gemeinde erhalten und ihr ehrenamtliches Engagement ausbauen. Kurz: Ein „digitaler Dorfplatz“ soll entstehen, als Chance für mehr Teilhabe am öffentlichen Leben. Die Hemmschwelle, nach Gesellschaft oder Hilfe zu fragen, ist online geringer als im persönlichen Kontakt. Deshalb sehen wir hier eine große Chance, das Miteinander zu stärken.

Rogate-Frage: Welche Rolle nehmen die Kirchen und ihre Gemeinden in dem Projekt „Dörfer mit Zukunft“ und in Ihrem Netzwerk ein?

Christian Vollmann: Kirchen und Gemeinden sind Teil des Ökosystems einer Nachbarschaft und haben die Möglichkeit innerhalb des Projektes (und darüber hinaus) relevante Informationen über die Plattform zu teilen, Aktionen und Veranstaltungen bekannt zu machen und in den Dialog mit den Nachbar:innen zu gehen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Vollmann, für das Gespräch.

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Aufgrund der Corona-Pandemie finden im Moment nur wenige Rogate-Gottesdienste statt. Die nächsten geplanten Termine sind:

Fünf Fragen an: Apl. Prof. Dr. Ursula Rudnick

Fünf Fragen an Apl. Prof. Dr. Ursula Rudnick, Beauftragte für Kirche und Judentum im Haus für kirchliche Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, über eine Religionen verbindende Kampagne der Kirchen, Gemeinsamkeiten von Pfingsten und Schwawout sowie Plakate, die ab sofort in vielen Schaukästen zu sehen sind.

Ursula Rudnick stammt aus Hannover und studierte Theologie und Judaistik in Göttingen, Tübingen, Jerusalem und New York, wo sie am Jewish Theological promovierte. Sie engagiert sich seit vielen Jahren im christlich-jüdischen Dialog.

Apl. Prof. Dr. Ursula Rudnick (Bild: privat)

Rogate-Frage: Frau Professorin Rudnick, unter dem Titel „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“ startet in diesem Monat eine Kampagne der katholischen und evangelischen Kirche. Was soll damit erreicht und welche Botschaften vermittelt werden?

Ursula Rudnick: Mit der Kampagne #jüdisch-beziehungsweise-christlich soll die Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum vergegenwärtigt werden. Die kurzen Texte auf den Monatsplakaten laden zum Nach-denken und Nach-fragen ein. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Ostern und Pessach? Wie wird Pessach gefeiert? Wichtig ist uns dabei, dass zum einen die engen Verbindungen wahrgenommen werden und zugleich respektvoll die „dignity of difference“, die Würde der Verschiedenheit, wie Rabbiner Jonathan Sacks sie nannte, gewahrt bleibt.

Rogate-Frage: Wie kam es zu der Idee und an welche Zielgruppe richtet sich das Projekt?

Ursula Rudnick: Die Idee dieser Share-Kampagne entstand in Berlin. Dann wurde sie an verschiedenen Orten, so auch in Niedersachsen aufgegriffen und weiterentwickelt. Daher ist die Kampagne jetzt eine ökumenische Kampagne, die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) unterstützt wird. In Niedersachsen ist auch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACKN) dabei. Die Plakate sind in Schaukästen von Gemeinden zu finden und richten sich an alle, die an diesen Schaukästen vorbeikommen. Darüber hinaus finden sie sich auf den Internetseiten von Kirchen und Kirchengemeinden und richten sich an Gemeindemitglieder. In den vergangenen Jahrzehnten hat das christlich-jüdische Gespräch bedeutende Fortschritte gemacht. Zugleich sehen wir, dass die Einsichten zum Beispiel von Nostra Aetate und der zahlreichen Synodalerklärungen noch nicht in allen Kirchengemeinden angekommen sind. Das Verhältnis von Kirche zum Judentum ist ein lebendiges Verhältnis. Jede Generation steht vor der Aufgabe, es neu zu gestalten und mit Leben zu füllen.

Rogate-Frage: Geht es mehr um die Vergleichbarkeit der großen Feste beider Religionen oder was soll konkret durch „#beziehungsweise“ vermittelt werden?

Ursula Rudnick: Ausgangspunkt ist das Festjahr. Es gilt den Blick zum Beispiel von Pfingsten auf Schawuot zu richten. So wie Schawuot 40 Tage nach Pessach gefeiert wird, so wird Pfingsten 40 Tage nach Ostern gefeiert. Hier gibt es Parallelen in der Struktur und auch im Inhalt. Manchmal gibt es Parallelen in der Struktur, aber Unterschiede im Inhalt, so wie zum Beispiel bei Purim und Karneval. Die Bezüge und Beziehungen sind vielfältig und komplex. Sie zu entdecken, helfen die Hntergrundinformationen auf der Internetseite #jüdisch-beziehungsweise-christlich. Darüber gibt es monatlich stattfindende Dialoge von jüdischen und christlichen Gelehrten, an denen jede/r kostenfrei teilnehmen kann. Wer sich auf der Homepage anmeldet, erhält den Link für die Online-Teilnahme.

Rogate-Frage: Warum ist der Interreligiöse Dialog für Sie so wichtig?

Ursula Rudnick: Als Christ*innen sehen wir alle Menschen als Geschöpfe Gottes. In unserer globalisierten und vernetzen Welt ist es wichtig, dass wir miteinander im Gespräch sind. Der christlich-jüdische Dialog ist für Christ*innen aus mehreren Gründen unverzichtbar: zunächst um der eigenen Integrität willen. Judenfeindschaft durchzieht die Geschichte der Kirche von ihren Anfängen an. Sie ist so tief in unserer relgiösen Tradition und Kultur verwurzelt und wir erleben ein neues Aufflammen von Judenfeindschaft. Es gilt auf vielfältigen Ebenen sich ihr entgegenzustellen: in der Bildungsarbeit, in der politischen Arbeit und auch im Alltag. Zum anderen ist mir der christlich-jüdische Dialog wichtig, weil es spannend ist, zu sehen, wie die jüdische Tradition die Bibel liest. Hier habe ich viel gelernt und viel entdeckt. Und: eine wichtige Frucht des Dialogs sind vielen Freundschaften, die ich im christlich-jüdischen um im interreligiösen Dialog habe schließen dürfen.

Rogate-Frage: Wie sieht der Dialog der Religionen in der Zukunft aus? Was wünschen Sie sich von den Dialogbeteiligten?

Ursula Rudnick: Ich bin keine Hellsehrerin, deshalb kann ich nicht sagen, wie der Dialog in der Zukunft aussehen wird. Ich wünsche Zusammenarbeit und Austausch auf vielfältige Weise: beim Lesen der Bibel, beim Einsatz für Gerechtigkeit und auch bei Fragen der Klimakrise. Es gibt bereits zahlreiche Aktivitäten: Ich wünsche mir, dass sie weiter zunehmen.

Rogate: Vielen Dank, Frau Prof. Rudnick, für das Gespräch!

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Aufgrund der Corona-Pandemie finden im Moment nur wenige Rogate-Gottesdienste statt. Die nächsten geplanten Termine sind:

Fünf Fragen an: Hans-Joachim Janßen

Fünf Freitagsfragen an Hans-Joachim Janßen, einer der fünf Initiatoren des Volksbegehrens Artenvielfalt Niedersachsen, über die dramatische Gefährdung von Vögeln und Insekten, den Fahrplan für mehr Artenschutz und die Kritik an Absichtserklärungen.

Hans-Joachim Janßen (Bild: Sven Brauers)

Dipl-Ing. Hans-Joachim Janßen, geboren 1960, lebt am Jadebusen (Nordsee) und ist dort auch aufgewachsen. Er studierte an der Universität Hannover Landespflege und Naturschutz, dem sich ein Referendariat für den Verwaltungsdienst anschloss. Auch danach ist er weiterhin eng mit Naturschutzthemen verbunden: Beruflich schlossen sich Tätigkeiten unter anderem im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und in der Naturschutzbehörde des Landkreises Wesermarsch an, politisch war er in seiner Zeit als Landtagsabgeordneter (2013 bis 2017) und ist aktuell als Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen auch mit Naturschutzthemen befasst. Er ist unter anderem Mitglied beim NABU, dem BUND und der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte-Weser-Ems.

Rogate-Frage: Herr Janßen, wie steht es um den Artenschutz und die Artenvielfalt in Niedersachsen?

Hans-Joachim Janßen: Wie weltweit ist auch die Artenvielfalt in Niedersachsen dramatisch gefährdet. Von rund 360 Wildbienenarten stehen mehr als 60 Prozent auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten, von rund 11.000 untersuchten Tier- und Pflanzenarten sind rund 50 Prozent gefährdet. Feldvögel sind besonders im Rückgang begriffen: Bekassine und Uferschnepfe – zwei Arten, die auf Wiesen und Weiden brüten – haben in den vergangenen 35 Jahren Brutbestandsrückgänge von 81 beziehungsweise 67 Prozent erlitten.

Rogate-Frage: Sie haben eine Initiative für ein neues niedersächsisches Naturschutzgesetz gestartet. Was versprechen Sie sich davon?

Hans-Joachim Janßen: Mit dem Volksbegehren wollen wir das Niedersächsische Naturschutzgesetz sowie das niedersächsische Wasser- und das Waldgesetz so ändern, dass die Vielfalt unserer Arten in Niedersachsen ausreichend Lebensraum finden. Nur dann können unsere niedersächsischen Tier- und Pflanzenarten auch überleben. Konkret bedeutet das: Saumstrukturen wie Weg- und Feldraine, Hecken, Fledgehölze und Alleen, aber auch wertvolles Grünland und Gewässerränder werden geschützt. Pestizideinsatz wird in Schutzgebieten begrenzt, der Ökolandbau als eine Form der Landwirtschaft, die nachweislich der Artenvielfalt dient, soll ausgebaut werden. Eine naturverträgliche Bewirtschaftung des Landeswaldes wird vorgeschrieben,  die Versiegelung von Flächen soll bis 2030 halbiert und ab 2050 nur in dem Umfang zulässig sein, wie an anderer Stelle entsiegelt wird.

Rogate-Frage: Wer steht hinter Ihrem Bündnis und wie finanziert sich die Initiative?

Hans-Joachim Janßen: Das Volksbegehren Artenvielfalt wird getragen von den drei Organisationen Deutscher Berufs- und Erwerbs-Imker-Bund e.V. (DBIB), Bündnis 90/Die GRÜNEN Niedersachsen und NABU Niedersachen e.V.. Unterstützt wird das Volksbegehren von nunmehr über 180 Bündnispartnern: Organisationen, Verbände, Unternehmen, etc. Es kommen täglich mehr Unterstützer hinzu. Eine aktuelle Übersicht findet sich online unter hier.
Das Volksbegehren finanziert sich aus Spenden und Mitteln der Trägerorganisationen.

Rogate-Frage: Wie funktioniert das „Volksbegehren Artenvielfalt“?

Hans-Joachim Janßen: Wir haben am 29. April 2020 das Volksbegehren bei der niedersächsischen Landeswahlleiterin angemeldet. Am 13. Mai 2020 ist im Niedersächsischen Ministerialblatt das Volksbegehren bekannt gemacht worden und ist damit offiziell gestartet. In einer Vorphase müssen zunächst 25.000 Unterschriften innerhalb von sechs Monaten gesammelt werden. Wird die Unterschriftenzahl erreicht, beantragt der Initiatorenkreis die Zulassung bei der Landesregierung. Diese prüft, ob die hinterlegten Gesetze rechtskonform und verfassungsgemäß sind. Lässt die Landersregierung das Volksbegehren zu, müssen in den dann folgenden sechs Monaten insgesamt 610.000 Unterschriften zusammenkommen, das sind zehn Prozent der Wahlberechtigten in Niedersachsen. Dabei werden die Unterschriften aus der ersten Vorphase mitgezählt. Werden die 610.000 Unterschriften erreicht, ist das Volksbegehren erfolgreich und der Niedersächsische Landtag muss über die Gesetze des Volksbegehrens entscheiden. Nimmt der Landtag die Gesetze so wie vorgelegt oder mit geringen Änderungen an, ist das Verfahren erfolgreich abgeschlossen und besserer Natur- und Artenschutz wird Gesetz. Lehnt der Landtag die Gesetze des Volksbegehrens ab, ist innerhalb von sechs Monaten ein Volksentscheid durchzuführen, in dem alle Wahlberechtigten in Niedersachsen über die Volksbegehrensgesetze abstimmen. Das Volksbegehren ist angenommen, wenn die Mehrheit der Abstimmenden und mindestens 25 Prozent aller Wahlberechtigten für das Volksbegehren votiert.

Rogate-Frage: Wie beurteilen Sie den unter anderem von Umweltminister Olaf Lies initiierten „Niedersächsischen Weg“? Könnte dadurch das Volksbegehren überflüssig werden?

Hans-Joachim Janßen: Der Niedersächsische Weg ist eine reine Absichtserklärung, mehr aber auch nicht. Artenschutz braucht aber bindende gesetzliche Regelungen! Nur weil der Bauernverband zusammen mit der Landesregierung und Umweltverbänden eine Vereinbarung unterschreibt, wird kaum jemand darauf verzichten, am Gewässerrand zu düngen und zu spritzen oder Grünland, auf dem Wiesenvögel brüten, zu früh zu mähen sowie Hecken zu beseitigen oder in Naturschutzgebieten Pestizide einzusetzen. Es bleibt erlaubt, also wird es gemacht. Erst dauerhaft geltende und verbindliche Regelungen werden die Tiere und Pflanzen in Niedersachsen besser schützen. Die Absichtserklärung „Niedersächsischer Weg“ enthält – oft noch etwas vage formuliert – vieles, was wir mit unserem Volksbegehrensgesetz auch fordern. Es ist jetzt an der Landesregierung und den Fraktionen von SPD und CDU, einen entsprechend wirksamen Gesetzesvorschlag durch den Landtag zu bringen. Am einfachsten wäre es, sie würde unser fachlich und juristisch präzise ausformuliertes Gesetz zum Volksbegehren umsetzen. Solange kein wirksames Gesetz vorliegt, sammeln wir weiter Unterschriften für das Volksbegehren Artenvielfalt. Jetzt! 

Rogate: Vielen Dank, Herr Janßen, für das Gespräch!

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Fünf Fragen an: Beate Besser, Landeskirchenmusikdirektorin in Oldenburg

Fünf Freitagsfragen an Landeskirchenmusikdirektorin Beate Besser, Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, über Lieder in und nach der Pandemie, neu zu lernende Dinge und Gesang auf Abstand.

Landeskirchenmusikdirektorin Beate Besser (Bild: ELKiO/Dirk-Michael Grötzsch)

Beate Besser, 56, wuchs in Merseburg auf. Der Ausbildung als Finanzkauffrau folgte das Studium der evangelischen Kirchenmusik in Halle/Saale (A-Prüfung 1988). Nachdem sie zunächst an einem Predigerseminar der Evangelischen Kirche der Union (EKU) als Dozentin und Kantorin tätig war, folgte der Wechsel als Kantorin nach Schönebeck/Elbe und die Berufung als Propsteikantorin der Propstei Stendal-Magdeburg. Über zwölf Jahre war Beate Besser Dozentin für Hymnologie, Liturgisches Singen und Gregorianik in Halle und später noch in Bremen. Seit Dezember 2012 ist sie Landeskirchenmusikdirektorin der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg. Ihr Interesse an liturgischen und hymnologischen Themen spiegelt sich in zahlreichen Mitgliedschaften entsprechender Gremien und Vereine. Gleichzeitig engagiert sie sich für neue Musik, Pop, Jazz, Cross-over. Beate Besser ist begeisterte Joggern.

Rogate-Frage: Frau Landeskirchenmusikdirektorin Besser, wie hat die Corona-Pandemie Ihr eigenes Leben verändert und was vermissen Sie?

Beate Besser: Wie so viele Menschen arbeite auch ich seit zwei Monaten im sogenannten Homeoffice. Einer meiner Lieblingssprüche dabei ist der geworden: „Ich lerne jetzt lauter Dinge, die ich nie lernen wollte“, die aber jetzt nützlich sind, vor allem im digitalen Bereich. Ich habe ein wunderbares berufliches wie soziales Netz, das auch jetzt durch Telefonate und Mails hält. Dafür bin ich dankbar. Aber ich vermisse doch die persönlichen Kontakte, das Lächeln (das man unter der Maske beiderseits nicht sieht) und auch die Umarmungen. Und klar, ich vermisse schmerzlich die Chorproben und die ganz normalen Gottesdienste!

Rogate-Frage: Nach und nach werden in diesen Tagen wieder analoge Gottesdienste gefeiert. Welche Einschränkungen wird es für das Singen und die Musik in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg geben?

Beate Besser: Derzeit – es geht auf Pfingsten – kann in den Gottesdiensten (in Kirchen) noch nicht gesungen und geblasen werden. Nur Einzelne können mit Abstand singen, so auch ich an der Orgel. Daher praktiziere ich im Moment das Für-Singen, so wie es eben auch die Für-Bitte gibt, wo jemand stellvertretend agiert. Ich hoffe darauf, dass mit mehr Erkenntnissen über die mögliche oder doch weniger mögliche Ansteckungsgefahr beim Singen mehr Lockerungen möglich werden für das Singen in den großen Kirchenräumen. Im Freien kann mit Abstand wieder gesungen und musiziert werden.

Rogate-Frage: Gibt es Lieder im Evangelischen Gesangbuch, die für Sie in der aktuellen Situation besonders passen?

Beate Besser: Tatsächlich haben wir in der Gemeinde, in der ich den kantoralen Dienst versehe (Oldenburg-Ohmstede) in den digitalen und Live-Gottesdiensten eher das kirchenjahreszeitliche Liedrepertoire genutzt. Als mögliche thematische Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch (EG) kommen mir diese nahe: „Von guten Mächten“ (EG-Nr. 65, mit der Abel-Melodie!), „Bewahre uns Gott“ (EG-Nr. 171), „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ (EG-Nr. 369, 5!) oder auch „Hilf, Herr, meines Lebens“ (EG-Nr. 419). Ich merke, dass mit eher neuere Lieder nahe sind. Daher schaue ich auch in das Gesangbuch „freiTöne„: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“ (25), „Nada te turbe“ (44), „Stimme, die Stein zerbricht“ (45) oder auch „Klüger“ (93).

Rogate-Frage: Epidemien und die Pest haben in früheren Zeiten sicher bereits erheblichen Einfluss auf die Gottesdienste gehabt. Sind aus diesen Zeiten geistliche Lieddichtungen bekannt und mögliche Einflüsse auf die Kirchenmusik?

Beate Besser: In den Anfechtungszeiten früherer Jahrhunderte mögen Lieder gesungen worden sein, die wir vielleicht gar nicht mehr kennen. Aber auch die Trostlieder etwa eines Paul Gerhardt haben sicher eine Rolle gespielt. Darüber hinaus sehe ich diese Lieder des Evangelischen Gesangbuchs als möglich an: „Aus tiefer Not“ (EG-Nr. 299), „Auf meinen lieben Gott“ (345), „Jesu, meine Freude“ (396), „Ach wie flüchtig“ (528) oder auch „Ich bin ein Gast auf Erden“ (529) – allesamt Lieder, die auch auf die Endlichkeit des menschlichen Lebens schauen.

Ein Lied aber ist dezidiert für solche Situationen geschaffen: „Mitten wir im Leben sind“ (518). Das Lied geht auf eine lateinische Antiphon mit diesem Text aus dem 11. Jahrhundert zurück. Der Gedanke, dass der Tod ständig und mitten im Leben präsent ist, mag fremd und ungemütlich klingen, aber es zeigt sich immer wieder, dass das Thema durchaus aktuell ist. Durch die Erweiterung der Antiphon um die Strophen von Luther und das jeweils abschließende „Heilig“ wird das Lied jedoch schwer zu singen und auch theologisch stark auf die reformatorische Theologie ausgerichtet. Beides war ursprünglich nicht intendiert.

Zu Pestzeiten wurden auch immer wieder entsprechende Motetten und Kantaten komponiert.

Rogate-Frage: Wenn die Menschheit das Corona-Virus in den Griff bekommt und keine Gefahr mehr zu befürchten ist, was würden Sie dann gerne mit anderen zusammen – zum Beispiel im Gottesdienst – singen?

Beate Besser: Ziemlich sicher weiß ich, dass ich nach dem Ende der Pandemie (wie wird dieses wohl definiert?) nicht einfach ein strahlendes Danklied singen möchte. Diese Lieder will ich nicht dafür instrumentalisieren, zumal dem Dank ja auch eine ambivalente Zeit vorausgegangen sein wird, über die es weiter nachzudenken gilt. Daher kämen eher diese Lieder aus dem EG in Frage: „Der Himmel, der ist“ (153), „Kommt mit Gaben und Lobgesang“ (229 – wenn wieder Abendmahl gefeiert werden kann!). „Lobe den Herren“ (316) und „Nun danket alle Gott“ (321) sind es also eher nicht;  vielleicht „Vertraut den neuen Wegen“ (395) oder „Es wird sein in den letzten Tagen“ (426). Und wieder merke ich, dass ich zu neueren Liedern greife, so dass wieder die freiTöne in den Blick kommen mit „Atme in uns“ (7), „Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt“ (71), „Mit dir, Maria, singen wir“ (94, mit starker politischer Dimension) und „Vorbei sind die Tränen“ (191).

Rogate: Vielen Dank, Frau Besser, für das Gespräch.

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Fünf Fragen an: Landesonlinepfarrer Andreas Erdmann, EKBO

Fünf Freitagsfragen an Landesonlinepfarrer Andreas Erdmann, Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), über einen Digitalisierungsschub in der Kirche, Innovationen ohne Beschlussvorlagenketten und neue Wege der Seelsorge in der Pandemie.

Landespnlinepfarrer Andreas Erdmann (Bild: privat)

Andreas Erdmann ist in Berlin geboren, hat seinen Zivildienst in einem evangelischen Kindergarten in Bergfelde geleistet und ist anschließend wieder in Berlin zunächst in die Lehre gegangen und hat danach studiert. Er hat abgeschlossene Berufsausbildungen in den Berufen Fachinformatiker/Systemintegration und Fachinformatiker/Anwendungsentwicklung sowie zunächst Theologie und dann Religions- und Gemeindepädagogik studiert und schließlich sein Vikariat in Glienicke/Nordbahn gestaltet. Die Arbeit mit Kindern- und Jugendlichen liegt ihm besonders am Herzen.

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Erdmann, was macht ein „Landesonlinepfarrer“?

Andreas Erdmann: Als Landesonlinepfarrer unterstütze ich Gemeinden und Kirchenkreise bei der Digitalisierung von Gottesdiensten, Andachten, Jugendtreffs, Kirchentouren und anderen Angeboten, berate bei der Digitalisierung der Verwaltung und koordiniere Projekte. Das Ziel dabei ist es, die Präsenz der Landeskirche im Netz zu erhöhen und damit digitale Gemeinschaft zu ermöglichen. Außerdem arbeite ich sehr eng mit den anderen Bereichen des Medienhauses der EKBO zusammen wie der Öffentlichkeitsarbeit, dem Rundfunk und auch dem Homepage-Team, aber auch zum Beispiel der Pressearbeit und dem Wichernverlag, hier vor allem mit der Wochenzeitung „Die Kirche“. Außerdem habe ich natürlich auch eigene Projekte, wie die Gestaltung einer virtuellen Online-Kirche im Gameplay-Format.

Rogate-Frage: Wie ist es zur Einrichtung einer solchen Stelle gekommen und was soll damit erreicht werden?

Andreas Erdmann: Es gab in den vergangenen Jahren bereits ähnliche Stellen, mit denen bereits ein bisschen ausprobiert worden ist, was angenommen wird und was nicht und wo überhaupt der Bedarf liegt. Dass ich jetzt bereits schon seit März auf dieser Stelle mit 100 Prozent (Vollzeitstelle) arbeite, liegt aber sicherlich auch an der außergewöhnlichen Situation dieser Tage, die insgesamt zu einem Digitalisierungsschub in der Kirche beigetragen hat und die Notwendigkeit eines Landesonlinepfarrers als Ansprechpartner für die Menschen vor Ort deutlich hervorhob.

Rogate-Frage: Wie digital ist die Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und wohin soll die Reise gehen?

Andreas Erdmann: Wer ist schon „die Landeskirche“? Die Verwaltung hat hier noch viel Luft nach oben. Andere sind bereits schon länger auf der Reise. Ich denke da vor allem an viele Gemeinden und Kirchenkreise, aber auch Einzelpersonen, die bereits lange vor der Pandemie insbesondere in den Sozialen Medien sehr aktiv waren und es immer noch sind. Das wurde bei der ersten Online-Konferenz der EKBO am 2. Mai deutlich. Von solchen Treffen wird es zukünftig mehr geben: Das nächste Treffen findet am 2. Juni und fortan monatlich statt. Hier geht die Reise also vor allem hin: zu mehr Vernetzung und einem besseren Austausch untereinander. Außerdem setze ich mich dafür ein, dass die einzelnen Aktiven auch entsprechende Wertschätzung und Unterstützung erfahren, indem zum Beispiel auch Stellenanteile für die Arbeit im Digitalen Raum bei der Besetzung von neuen Stellen gleich mitbedacht werden und Schulungen etwa für den Umgang mit Trollen und Hate-Speech angeboten werden.

Rogate-Frage: Was ist anders in der digitalen Verkündigung und was sollte man dort nicht tun?

Andreas Erdmann: Das Evangelium ist dasselbe, ob analog oder digital, aber die Teilhabenden sind mitunter andere und das sollte sich in der Ansprache und Auslegung entsprechend bemerkbar machen. Wenn ich einen Gottesdienst ins Netz stelle und mich über die überregionale Beteiligung freue, dann darf ich mich inhaltlich nicht auf lokale Besonderheiten und Gepflogenheiten konzentrieren. Zudem sind mir diejenigen gar nicht bekannt, die ich tatsächlich erreiche. Im Gottesdienst vor Ort sehe ich, wer da in den Bankreihen sitzt und kann meinen Gottesdienst, wenn ich so flexibel bin, entsprechend anpassen. Im Internet kann es sein, dass zum Beispiel ein Großteil Neugieriger mit Erstbegegnungscharakter zuschauen. Deshalb sollte man noch dringender auch auf niedrigschwellige Zugänge achten, insbesondere was die Liturgie betrifft.

Rogate-Frage: Was hat sich durch die Corona-Pandemie in der digitalen Kirche verändert und gibt es für Sie positive Beispiele?

Andreas Erdmann: Es haben sich seither deutlich mehr Menschen auf den Weg gemacht, sich in den Digitalen Medien auszuprobieren. Leider haben einige auch schon kundgetan, dass von ihnen ganz klar erwartet wird, dies einzustellen, wenn die analogen Veranstaltungen wieder stattfinden können oder dass sie die digitalen Angebote irgendwie zusätzlich in ihrer Freizeit stemmen müssten. Schön wäre es hier, wenn die guten Erfahrungen genutzt werden würden, um insgesamt in Zukunft beide Arbeitsbereiche mit im Blick zu haben. Ebenfalls aufgefallen ist mir ein Abbau von Bürokratie in den ersten Wochen der Pandemie. Viele Innovationen wurden ohne lange Beschlussvorlagenketten neu ausprobiert und rasch umgesetzt. Gute Beispiele sind hier Telefongottesdienste, ein Autogottesdienst und natürlich viele Veranstaltungen, die gar nicht Gottesdienste betreffen, wie vor allem auch solidarisch-fürsorgliche Projekte von zum Beispiel „Jungen Gemeinden“, die sich digital vernetzt absprechen, um für ältere einzukaufen. Ebenfalls erwähnen möchte ich auch die stärkeren Angebote von Chat- und E-Mail-Seelsorge sowie Seelsorgegespräche, die in den Sozialen Medien stattgefunden haben. Diese unkomplizierte Art, Kirche voranzubringen, würde ich mir auch für die Zukunft wünschen.

Rogate-Frage: Wenn die Digitalisierung gerade einen so großen Aufschwung erlebt, gibt es dann andere Felder, die an Beachtung verlieren?

Andreas Erdmann: Solche Themenfelder gibt es sicherlich, wobei diese freilich nicht an Relevanz verlieren, sondern gegenwärtig schlicht weniger stark im Fokus bleiben. Ich nehme wahr, dass vor der Pandemie deutlich häufiger auch in den Medien Krisen wie der Klimawandel oder die Migrationspolitik thematisiert worden sind. Die Menschen, die in großer Not in Flüchtlingslagern unter miserablen Bedingungen überdauern, ist nicht weniger geworden und der Klimaschutz nicht minder wichtig. Die EKBO bringt sich in diesen Fragen deshalb nach wie vor ein, wie viele andere Aktive ebenfalls. Es fehlt hier allerdings häufig an der Unterstützung durch die Diskussion in der Öffentlichkeit. Denn die Pandemie nimmt, selbst wenn gar nichts wirklich Neues zu berichten ist, in der „Tagesschau“ und anderen Nachrichtensendungen den deutlich größten Teil ein und veranlasst sogar zu Sondersendungen. Das gilt für andere Medien in der Regel ebenso. Die Ursache für dieses „Weniger an Beachtung“ ist also weniger der Digitalisierung anzulasten als vielmehr der Informationspolitik in den öffentlichen Medien.

Rogate: Vielen Dank, Herr Pfarrer Erdmann, für das Gespräch!

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Die nächsten (geplanten) Rogate-Termine finden Sie hier:

  • Sonntag, 17. Mai 2020 | 10:00 Uhr, Gottesdienst zum Sonntag Rogate. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche.
  • Donnerstag, 18. Juni 2020| 19:00 Uhr, „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“. Ort: Hohenkirchen/Friesland.
  • Fällt wegen der Corona-Pandemie aus: Freitag, 17. Juli 2020 | 19:30 Uhr, Eröffnungsgottesdienst zum Lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin 2020.
  • Donnerstag, 27. August 2020| 19:00 Uhr, „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“. Ort: Walter-Spitta-Haus, Lange Straße 60, 26434 Hooksiel.
  • Donnerstag, 24. September 2020| 19:00 Uhr, „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“. Ort: Walter-Spitta-Haus, Lange Straße 60, 26434 Hooksiel.
  • Sonntag, 27. September 2020 | 10:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie zum St. Michaelisfest und zum Monat der Diakonie. Liturgie: Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-katholische Gemeinde Berlin u.a.. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche.

Fünf Fragen an: Pfarrer Lothar Vierhock, St. Elisabeth-Gemeinde Moskau

Fünf Freitagsfragen an Pfarrer Lothar Vierhock, St. Elisabeth-Gemeinde Moskau, über die Vorteile digitaler Kirche, orthodoxe Ostern in der Coronakrise und die Erreichbarkeit der Herzen der Gemeindeglieder.

Pfarrer Lothar Vierhock (Bild: privat)

Lothar Vierhock, 1956 geboren in Gera (Thüringen). Beruf: Facharbeiter für Bergbautechnologie, Bausoldat bei der NVA, Studium der Theologie/Philosophie am Philosophisch-Theologischen Studium in Erfurt. Priesterweihe 1984 in Dresden; Wirkungsstätten in Zwickau/Sachsen, Erfurt, Dresden, Leipzig und Hongkong. Jetzt Pfarrer der Deutschsprachigen Katholischen St. Elisabeth-Gemeinde in Moskau und Religionslehrer an der Deutschen Schule Moskau. Engagiert beim Malteser-Hilfsdienst Moskau.

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Vierhock, wie sieht kirchliches Leben in Ihrer Gemeinde aktuell aus?

Lothar Vierhock: Seit reichlich vier Wochen können auch wir in Moskau aufgrund der Corona-Pandemie keine öffentlichen Gottesdienste und Veranstaltungen abhalten. Das Verständnis für diese Maßnahme ist sehr groß. Nunmehr feiern wir unsere Gottesdienste über das Internet, also online. Der „Vorteil“: Auch unsere Gemeindemitglieder, die derzeit nicht in Moskau sind, können an der Heiligen Messe und am anschließenden Gemeindeplausch teilnehmen, ebenfalls unsere Kranken, vor allem unsere älteren Menschen, die nicht mehr zum Gottesdienst kommen können. Natürlich leiden viele darunter, nur „geistlich“ kommunizieren zu können.

Jeweils Mittwochs „treffen“ wir uns online zu Begegnung und Austausch. Täglich um 19.00 Uhr beten wir das Gebet des Herrn und bitten darin für die an Corona Erkrankten und Infizierten, für ihre Angehörigen und für alle Helferinnen und Helfer. Wir bitten, dass Gott diese Geisel bald von uns nehmen möge. Natürlich bleiben die privaten Kontakte – auf Distanz gehalten – weiterhin erhalten.

Rogate-Frage: Die Russisch-orthodoxe Kirche feierte vor wenigen Tagen das Osterfest. Wie anders wurden die Feiertage in Moskau begangen und welche Einschränkungen gibt es aktuell?

Lothar Vierhock: Wie wir, so konnten auch unsere orthodoxen Geschwister ihr Osterfest am vergangenen Sonntag nicht öffentlich miteinander feiern. Aus der Christ-Erlöser-Kirche, der Hauptkirche der Orthodoxie in Russland, wurde der feierliche Gottesdienst im Fernsehen übertragen. Viele Gläubigen haben diese Feier mitverfolgen können. Am Morgen des orthodoxen Ostersonntags habe ich viele Grüße erhalten: „Christus ist auferstanden!“ – „Christus ist wahrhaft auferstanden!“

Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu vermeiden gilt: Kontakt zum Nächsten nur mit 1,5 Metern Abstand. Man kann sich von seiner Wohnung aus im Umkreis von 100 Metern frei bewegen, um Wichtiges zu erledigen: Einkauf, Bank, Arzt und Apotheke. Weitere Wege, die durchaus bedeutsam sind, müssen beantragt werden. Das funktioniert meines Wissens unbürokratisch.

Rogate-Frage: Was beschäftigt Sie persönlich im Moment besonders und wie hat sich Ihr Leben verändert?

Lothar Vierhock: Mich beschäftigt sehr, wie wir als Gemeinde weiterhin gut vernetzt bleiben. Niemand soll sich am Virus infizieren und erkranken. Da ich auch als Religionslehrer an der Deutschen Schule in Moskau tätig bin, unterrichte ich online meine Schülerschaft. Ich bin ein durchaus sozialer Mensch. Mir fehlt der direkte Kontakt zu meinen Mitmenschen. Mir fehlt die gemeinsame Feier der Gottesdienste. Die Sorgen von Gemeindemitgliedern bewegen mich ebenso.

Rogate-Frage: Welche Hoffnung trägt Sie durch diese Zeit und was können Sie Ihrer Gemeinde mitgeben?

Lothar Vierhock: Mich trägt in dieser Zeit vor allem mein Glaube. Manchmal wird er auch durch verschiedene Umstände kritisch hinterfragt. Da ermutigt mich das Beispiel vieler Mitmenschen und Freunde, die mich durch ihr Vorbild widerum ermutigen. Das verbindende Gebet trägt in dieser Zeit. Ich schreibe einmal in der Woche einen Newsletter an die Gemeinde. Darin versuche ich, im Glauben zu ermutigen, neue Chancen und Möglichkeiten zu sehen und sie zu realisieren. Was ich nicht kann, was ich aber sehr gut vorbereite, ist, durch den Gottesdienst die Herzen der Gemeindemitglieder mit Freude und Hoffnung in Jesus Christus zu erfüllen.

Rogate-Frage: Würden Sie uns ein Gebet schenken?

Lothar Vierhock: Allmächtiger Gott, dir ist nichts verborgen. Du kennst uns und unsere Sorgen und Nöte. Du hast dich uns als der „Gott mit uns“ geoffenbart, vor allem in Jesus Christus, deinem Sohn. Er war besonders für die Menschen da, die seiner Hilfe bedurften. In seiner Auferweckung hast du uns Zeugnis gegeben, dass du ein Gott des Lebens bist. In der Sendung des Heiligen Geistes, schenkst du uns Hoffnung und Stärke. Dafür danken wir dir aus ganzem Herzen.

Herr, unser Gott, unser guter Wille reicht nicht aus und unsere Hände für eine wirksame Hilfe greifen mitunter zu kurz. Stärke unsere Hoffnung in dieser Krise. Beende in Kürze die Pandemie. Sei allen Kranken und Leidenden, besonders den am Corona-Virus Erkrankten, nahe. Hilf dort, wo Menschen nicht mehr weiterwissen. Unterstütze alle Bemühungen um Frieden und um mehr Gerechtigkeit in unserer Welt. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus im Heiligen Geist.

Rogate: Amen. Vielen Dank, Herr Pfarrer Vierhock, für das Gespräch.

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Angesichts der Corona-Pandemie können wir leider keine verlässlichen Angaben machen, wann wir wieder zu Rogate-Gottesdiensten in Berlin oder Veranstaltungen wie dem Wangerlandsofa in Friesland einladen können. Der Eröffnungsgottesdienst zum diesjährigen Stadtfest des Regenbogenfonds ist abgesagt. Die nächsten (geplanten) Rogate-Termine finden Sie hier.