Fünf Fragen an: MdB Siemtje Möller, SPD-Kandidatin im Bundestagswahlkreis 26

Fünf Freitagsfragen an Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller, SPD-Kandidatin im Wahlkreis 26 für die Bundestagswahl 2021, über bisher Geleistetes, Pläne für eine nächste Wahlperiode und Regine Hildebrandt als Vorbild. Ein Interview im Rahmen des Rogate-Demokratieprojekts „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“.

MdB Siemtje Möller (Bild: Büro Möller)

Siemtje Möller, 1983 in Emden geboren, ist seit 2017 direkt gewählte Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Sie lebt in Varel, Landkreis Friesland. Nach ihrer Jugendzeit in Oldenburg, folgten Stationen in Göttingen, New York, Washington, Brüssel und Berlin. Vor dem Einzug in den Budestag hat sie an einem Gymnasium in Wilhelmshaven Spanisch, Französisch und Politik/Wirtschaft unterrichtet. 

Rogate-Frage: Frau Bundestagsabgeordnete Möller, was hat Sie motiviert, sich politisch zu engagieren und wieder für den Deutschen Bundestag zu kandidieren?

Siemtje Möller: In den letzten vier Jahren, in denen ich unsere Heimat als direkt gewählte Abgeordnete im Deutschen Bundestag vertreten durfte, konnte ich vieles umsetzen. Aber es gibt zahlreiche Themen, die ich in der nächsten Wahlperiode voran treiben und anpacken möchte. Deswegen würde ich mich freuen, wenn die Menschen mir ihr Vertrauen schenken und ich meine Arbeit in Berlin und hier vor Ort fortsetzen kann. Auf meiner Agenda ganz oben stehen die Sicherung und Schaffung von Arbeit, die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region und der Umbau der Energiewirtschaft, verbunden mit der öffentlichen Daseinsvorsorge: Gesundheit, Bildung, (digitale) Infrastruktur, Sport und Kultur. Als Bundestagsabgeordnete mache ich mich zudem stark für diejenigen, die sich für uns stark machen: Die beste Ausrüstung und Ausbildung und gut ausgebaute Standorte stärken die Bundeswehr bei uns vor Ort.

Rogate-Frage: Warum haben Sie sich für die SPD als Ihre Partei entschieden?

Siemtje Möller: Als ich in Göttingen studiert habe, wurden die Studiengebühren eingeführt. Dagegen habe ich mit meinen KommilitonInnen demonstriert. Politisch interessiert war ich aber schon lange vorher, sodass das politische Engagement und der Eintritt in eine Partei, auch über das Engagement gegen die Studiengebühren hinaus, für mich ein logischer Schritt war. Ich war und bin bis heute der Überzeugung, dass man Dinge nur verbessern kann, wenn man sich einbringt und das tue ich mit meinem politischen Engagement. Die SPD hat damals wie heute meine politischen Überzeugungen vertreten.

Rogate-Frage: Sie nahmen als Interviewpartnerin an einer Veranstaltung des Demokratieprogramms „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“ teil. Wir nehmen die Frage auf: Wie wollen Sie, Frau Möller, morgen leben?

Siemtje Möller: Ich möchte, dass die Menschen hier vor Ort gut leben können, heute wie morgen. Dafür müssen wir in die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse auf dem Land wie in der Stadt investieren. Daseinsvorsorge mit Gesundheit, Bildung, Infrastruktur, Sport und Kultur sind unerlässlich, wenn wir auch künftig dafür sorgen wollen, dass sich die Menschen hier bei uns zuhause fühlen und nicht ihren Lebensmittelpunkt in die Städte verlagern. 

Rogate-Frage: Welche politischen Vorbilder haben Sie und wie bilden Sie sich Ihre Meinung?

Siemtje Möller: Ein politisches Vorbild habe ich nicht, aber ich denke immer mal an ein Zitat von Regine Hildebrandt: „Erzähl mir doch nicht, dass es nicht geht!
Für die Meinungsbildung ist es mir wichtig alle Seiten anzuhören, alle Argumente abzuwiegen und mir so eine fundierte Meinung zu bilden. Dazu gehört es auch seinem Gegenüber zuzuhören und dessen Argumente aufzunehmen. Nur so kann man alle Aspekte beleuchten und in Betracht ziehen. 

Rogate-Frage: Was bedeuten Ihnen Religion, Glaube, Spiritualität und die Kirche?

Siemtje Möller: In traurigen und schwierigen Situationen im Leben, hat der Glaube an einen höheren Sinn im Leben, auch wenn sich dieser nicht sofort erschlossen hat, geholfen diese durchzustehen.

Rogate: Vielen Dank, Frau Möller, für das Gespräch!

Weitere Interviews in der Reihe Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.


Willkommen zu unseren nächsten Rogate-Gottesdiensten in Berlin-Schöneberg:

Kapelle Alter Zwölf-Apostel-Kirchhof
  • Sonntag, 19. September 2021 | 19:00 Uhr, Vesper – das Abendgebet. Orgel: Rainer Scharf. Ort: Kapelle Alter Zwölf-Apostel-Kirchhof, Kolonnenstraße 24-25, 10829 Berlin-Rote Insel (Schöneberg). Bus: Linie 104, Haltestelle Hohenfriedbergstr.
  • Freitag, 1. Oktober 2021 | 19:30 Uhr, ökumenische Segensandacht (statt des geplanten Eröffnungsgottesdienst zum 28. lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin) Mit Pfarrer_in Anna Trapp, Evangelischer Pfarrsprengel Bad Wilsnack. Grußwort: Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg von Berlin. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.

Fünf Fragen an: Hendrik Theemann, FDP-Kandidat im Bundestagswahlkreis 26

Fünf Freitagsfragen an Hendrik Theemann, FDP-Kandidat im Wahlkreis 26 für die Bundestagswahl 2021, über seine Unzufriedenheit mit der Großen Koalition, Digitalisierung und Kanzler a.D. Helmut Schmidt. Ein Interview im Rahmen des Rogate-Demokratieprojekts „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“.

Hendrik Theemann (Bild: privat)

Hendrik Theemann (52) stammt aus Quickborn bei Hamburg. Nach dem Abitur und der anschließenden Offiziersausbildung bei der Marine studierte er Elektrotechnik und absolvierte eine Schiffstechnik-Ausbildung.

Rogate-Frage: Herr Theemann, was hat Sie motiviert, sich politisch zu engagieren und für den Deutschen Bundestag zu kandidieren?

Hendrik Theemann: Die Unzufriedenheit mit der großen Koalition führte dazu, dass ich vor circa zwölf Jahren in die FDP eingetreten bin. Im Laufe der Zeit habe ich mich zunehmend engagiert und bin bei Wahlen angetreten. Für den Bundestag kandidiere ich, da die derzeitige Bundesregierung bei den großen Themen unserer Zeit wie zum Beispiel Demographie, Digitalisierung oder Decarbonisierung kaum liefert. Als politischer Seiteneinsteiger und Dipl.-Ing. kann ich bei vielen zentralen Themen den kommenden Bundestag fachlich aufwerten und zum Beispiel die digitale Transformation aktiv unterstützen.

Rogate-Frage: Warum haben Sie sich für die FDP als ihre Partei entschieden?

Hendrik Theemann: Bei der FDP steht der Mensch im Mittelpunkt, sie setzt auf Eigenverantwortung und steht den staatlichen Akteuren sehr kritisch gegenüber. Bei Kernaufgaben des Staates, wie zum Beispiel die Gewährleistung der Sicherheit, steht die FDP für einen starken Staat.
Die FDP transportiert eine Aufbruchstimmung, setzt auf die Kraft der sozialen Marktwirtschaft, erkennt die Chancen und Risiken zum Beispiel der Globalisierung.

Rogate-Frage: Wie wollen Sie morgen leben?

Hendrik Theemann: Das Potential, welches die Digitalisierung besitzt, müssen wir für unsere Region heben. Auf diese Weise können wir die Lebensqualität der Menschen gerade in unserer Region verbessern. Darunter darf der Charakter der Region nicht leiden.
Ich möchte auch in einem Land leben, in dem meine Kinder einerseits die Möglichkeit haben, sich zu entfalten, andererseits dürfen sie nicht überfordert werden durch hohe Abgaben oder Auflagen.

Rogate-Frage: Welche politischen Vorbilder haben Sie und wie bilden Sie sich Ihre Meinung?

Hendrik Theemann: Helmut Schmidt, da er das Wohl des Landes über Parteiinteressen gestellt hat. Die politische Meinungsbildung erfolgt über verschiedenste Kanäle, beginnend im Gespräch im Bekanntenkreis bis hin zu den Angeboten der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.

Rogate-Frage: Was bedeuten Ihnen Religion, Glaube, Spiritualität und die Kirche?

Hendrik Theemann: Ich bin zwar kein religiöser Mensch, meine Werte sind aber stark durch unseren abendländischen Wertevorrat geprägt. Glaube und Spiritualität sprechen mich kaum an, ich bin eher nüchterner Analytiker, der versucht auch komplexe Zusammenhänge zu verstehen und Thesen kritisch hinterfragt.

Rogate: Vielen Dank, Herr Theemann, für das Gespräch!

Weitere Interviews in der Reihe Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.


Der noch folgende Termin der Reihe „Wen wählen? Fünf Interviews zur Bundestagswahl 2021“:

  • Donnerstag, 26. August 2021 | 19:30 Uhr, Abendgebet. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Lektorinnen: Heidrun Helbich (Ev.-luth. Thomaskirchengemeinde, Neuengroden) und N.N. Ort: Lutherkirche.
  • Donnerstag, 26. August 2021 | 20:15 Uhr, Demokratie-Reihe „Wen wähle ich?“ – Interview zur Bundestagswahl 2021 mit MdB Siemtje Möller (SPD). Ort: Lutherkirche.

Mehr Informationen zum Demokratieprojekt „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“ finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Onna Buchholt, Kompetenznetzwerk Islam- und Muslimfeindlichkeit

Fünf Freitagsfragen an Onna Buchholt, Projektreferentin bei der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej), über den Einsatz für Chancengleichheit, vollumfängliche Teilhabe und eine Gesellschaft, in der alle Menschen angstfrei leben können. Ein Interview im Rahmen des Rogate-Demokratieprojekts „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“.

Onna Buchholt (Bild: privat)

Onna Buchholt ist seit 2014 Projektreferentin bei der aej und studierte zuvor Islamwissenschaft, Politik und Geschichte an der Universität Münster. Sie engagiert sich für eine Rassismus-kritische Öffnung der Jugendverbandslandschaft und teilt sich die Projektleitung der aej-Trägerschaft im Kompetenznetzwerk Islam- und Muslimfeindlichkeit mit ihrer Kollegin Franziska Vorländer und lebt in Berlin.

Rogate-Frage: Frau Buchholt, was ist die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland und wer gehört dazu?

Onna Buchholt: Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland ist die Dachorganisation Evangelischer Kinder- und Jugendarbeit auf Bundesebene. Wir vertreten die Interessen unserer 32 Mitglieder – darunter verschiedene evangelische Jugendwerke und –verbände, die Jugendarbeit der Mitgliedskirchen der EKD sowie die freikirchliche Jugendarbeit – gegenüber Politik, kirchlichen Institutionen und Fachorganisationen. Zu den größeren Mitgliedsorganisationen zählen neben der landeskirchlichen Jugendarbeit der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) und der Verband christlicher Pfandfinder und Pfadfinderinnen (VCP). Insgesamt vertritt die aej die Interessen von etwa 1,35 Millionen jungen Menschen.

Rogate-Frage: Sie befassen sich als evangelischer Verband mit Islam- und Muslimfeindlichkeit. Warum?

Onna Buchholt: Als Evangelische Jugend verstehen wir uns als ein Verband, der sich für gute Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland einsetzt und für Chancengerechtigkeit und ein gutes Miteinander stark macht, dies schließt auch Angehörige anderer Konfessionen und Religionen mit ein.

Aus diesem Selbstverständnis heraus haben wir vor etwa 15 Jahren damit begonnen, im Kontext der damals aufkommenden Diskussion um die „Interkulturelle Öffnung der Jugendverbandsarbeit“ Vereine junger Migrant*innen zu coachen, die aus den unterschiedlichsten Gründen noch über keine stabilen Strukturen als Jugendverband verfügten. Erste Kooperationsprojekte haben wir mit christlich-ökumenischen Partnern wie dem Orthodoxen Jugendbund, der Koptischen Jugend Deutschlands und dem Jugendverband der Evangelischen-Vietnamesischen Tin Lanh Gemeinden in Deutschland e.V.  durchgeführt, danach mit dem Bund der Alevitischen Jugendlichen als erstem nichtchristlichen Verband.

Durch unsere interreligiöse und ökumenische Arbeit bestanden seit den 2000er Jahren auch gute Kontakte zu muslimischen Jugendverbänden. Mit ihnen haben wir ab 2012 erste größere Projekte zusammen durchgeführt. Im Kontext der Rassismus-kritischen Öffnung der Jugendverbandsarbeit haben wir Barrieren struktureller und gesellschaftlicher Art erkannt, die einer Partizipation marginalisierter Jugendverbände entgegenwirken.

Wir möchten erreichen, dass die Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit für alle da sind und keine Ausschlüsse produzieren. Insbesondere muslimische Jugendliche sind aber massiv von antimuslimischen Ressentiments und Rassismus betroffen und sehen sich einem generellen Misstrauensdiskurs ausgesetzt, der ihre vollumfängliche Teilhabe verhindert. Deshalb setzen wir uns in unseren Bezügen gegen Islamfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus ein.

Rogate-Frage: Daraus ist ein Kompetenznetzwerk Islam- und Muslimfeindlichkeit entstanden. Was passiert in diesem Netzwerk und welches Ziel steht dahinter?

Onna Buchholt: Von 2015-2019 waren wir mit unserem Kooperationsprojekt „Junge Muslime als Partner – FÜR Dialog und Kooperation! GEGEN Diskriminierung!“ bereits ein Teil der BMFSFJ-Bundesförderung „Demokratie leben!“ im Förderbereich der Prävention von Islam- und Muslimfeindlichkeit. Im Rahmen dieses Projekts entstand eine enge Zusammenarbeit mit CLAIM, der Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit, mit der wir eine gemeinsame Fachtagung auf die Beine stellten und später auch Mitglied im Netzwerk wurden. Aus dieser Zusammenarbeit ist die gemeinsame Trägerschaft des Kompetenznetzwerks Islam- und Muslimfeindlichkeit entstanden, zu dem auch ZEOK, das Zentrum für europäische und orientalische Kultur, gehört.

Unser Ziel als Kompetenznetzwerk ist eine Gesellschaft, in der alle Menschen angstfrei leben können – auch Muslim*innen, die in den vergangenen Jahren einer schockierend hohen Anzahl von Angriffen ausgesetzt waren, wie die offiziellen Polizeistatistiken seit 2017 belegen. Empirische Erhebungen zur Verbreitung von Vorurteilen zeigen seit vielen Jahren, dass etwas mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung der Meinung ist, der Islam passe nicht zu ihrer Kultur und den Islam als Bedrohung wahrnimmt. Das ist ein besorgniserregend hoher Anteil und eine Gefährdung unserer Demokratie, weil solche Einstellungen oft mit Forderungen nach einer Einschränkung der Grundrechte von Muslim*innen einhergehen.

Unsere Aufgabe als Kompetenznetzwerk ist, antimuslimischen Rassismus zu benennen und sichtbar zu machen, um breite Anteile der Bevölkerung für bestehende Diskriminierungsformen zu sensibilisieren. Die drei Träger im Kompetenznetzwerk fokussieren dabei unterschiedliche Themenbereiche und Zielgruppen; während CLAIM unter anderem das Monitoring von Vorfällen antimuslimischen Rassismus verbessern will und wissenschaftliche Expertise bereitstellt wirkt ZEOK in den Bereich der Kinder- und Jugendarbeit, indem sie vor allem Fachpersonal aus Kitas und anderen pädagogischen Kontexten weiterqualifizieren.

Als Jugendverband ist unsere Zielgruppe als aej die Jugendverbandslandschaft, in der wir für die Themen Antimuslimischer Rassismus und Islamfeindlichkeit sensibilisieren wollen. Wir bieten in diesem Kontext unterschiedliche Bildungsformate und Workshop-Konzepte an und haben eine mobile Ausstellung erarbeitet, die künftig auf Großveranstaltungen zum Einsatz kommen wird, sofern die Pandemie-Lage es zulässt. Darüber hinaus haben wir eine Bestandsaufnahme der Einstellungen von Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren gemacht, was Islamfeindlichkeit und weitere Syndrome gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit angeht sowie ihre Bezüge zu Religiosität und gesellschaftlichem Engagement. Die Ergebnisse der repräsentativen Studie werden zum Jahresende veröffentlicht.

Rogate-Frage: Wie äußert sich Islam- und Muslimfeindlichkeit in der Kirche und den Gemeinden?

Onna Buchholt: Innerhalb unserer eigenen jugendverbandlichen Strukturen erleben wir Islamfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus selten offen geäußert, sondern eher in Form einer Zurückhaltung und Distanz gegenüber potenziellen muslimischen Partnerorganisationen, die sich auch durch Unsicherheit im Kontakt äußern kann. Ein massives Problem im Kontext des islamfeindlichen Gesamtdiskurses ist das Misstrauen, das muslimischen Akteur*innen entgegengebracht wird. Anders als andere Jugendorganisationen sind Muslim*innen beispielsweise stets aufgefordert, ihre Werte offenzulegen und ihr Bekenntnis zur Demokratie zu bekräftigen. Oder ihr Verhalten und ihre Motive werden in Frage gestellt, weil vermutet wird, dass sie sich nicht wahrheitsgetreu äußern würden. Solche Einstellungen machen aber eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe unmöglich.

Wir wurden auch schon wenige Male von Einzelpersonen angefragt, inwieweit wir durch unsere Projekte zur Bildung einer muslimischen Parallelgesellschaft beitragen wollten oder unser Verweis auf antimuslimischen Rassismus als gesamtgesellschaftliches Problem wurde mit einer vermeintlichen Christ*innenverfolgung zu relativieren versucht, die es in Deutschland nicht gibt. Bei derartigen Äußerungen haben wir es mit sehr problematischen Ausdrücken von Verschwörungsideologie und der Abwehr einer Auseinandersetzung mit diskriminierenden und rassistischen Strukturen in unserer Gesellschaft zu tun. Es sind Vorstellungen, die in der Regel nicht von einer Gleichwertigkeit aller Menschen ausgehen.

Rogate-Frage: Wie nehmen Sie als Netzwerk grundsätzlich die mediale Berichterstattung über den Islam und Muslime wahr?

Onna Buchholt: Die mediale Berichterstattung über den Islam und Muslim*innen halten wir für oftmals problematisch und eine der Ursachen für die weite Verbreitung islamfeindlicher Einstellungen. Wenn in Medienberichten in den vergangenen zwanzig Jahren von Muslim*innen oder dem Islam die Rede war, dann nahezu ausschließlich in einer negativen Rahmung. Die Berichterstattung über Muslim*innen ist überwiegend problemorientiert, wie jüngere Studien zu den überregionalen Presseorganen oder beispielsweise der Besetzung von Talkshows zeigen. Die gelebte Normalität von deutschen Muslim*innen kommt in den Medien oder der Unterhaltungsindustrie praktisch nicht vor, so dass ein starkes Zerrbild von muslimischen Lebensentwürfen entsteht und in der Bevölkerung überwiegend Unkenntnis herrscht. Dazu kommt, dass legitime Kritik an spezifischen Aspekten der Religion oder muslimischen Communities regelmäßig zu Pauschalisierungen über die imaginierte Gesamtheit an Muslim*innen führt und Rassismen reproduziert.

Rogate: Vielen Dank, Frau Buchholt, für das Gespräch.

Weitere Interviews in der Reihe Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.


Mehr Informationen zum Demokratieprojekt „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“ finden Sie hier.


Herzlich willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Andachten und Termine:

  • Dienstag, 17. August 2021 | 19:30 Uhr, ökumenischer SommerBibelAbend. Mit Br. Franziskus (Rogate). Ort: Lutherkirche, Brommystraße 71, 26384 Wilhelmshaven-Villenviertel.
  • Donnerstag, 19. August 2021 | 19:00 Uhr, Abendgebet. Ort: Lutherkirche, Brommystraße 71, 26384 Wilhelmshaven-Villenviertel. Orgel: Traugott Böhlke (St. Martinskirchengemeinde, Voslapp) Lektor:innen: Heidrun Helbich (Ev.-luth. Thomaskirchengemeinde, Neuengroden) und Florian Wiese (Rogate-Kloster). Kirchdienst: N.N. Ort: Lutherkirche, Brommystraße 71, 26384 Wilhelmshaven-Villenviertel.
  • Donnerstag, 19. August 2021 | 19:45 Uhr, Demokratie-Reihe „Wen wähle ich?“ – Interview zur Bundestagswahl 2021 mit Hans-Henning Adler (DIE LINKE.). Ort: Lutherkirche, Brommystraße 71, 26384 Wilhelmshaven-Villenviertel.
  • Dienstag, 24. August 2021 | 19:30 Uhr, ökumenischer SommerBibelAbend. Mit Pastoralreferentin Daniela Surmann (Sankt Willehad) und Br. Franziskus (Rogate). Ort: Lutherkirche, Brommystraße 71, 26384 Wilhelmshaven-Villenviertel.
  • Donnerstag, 26. August 2021 | 19:30 Uhr, Abendgebet. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Lektorinnen: Heidrun Helbich (Ev.-luth. Thomaskirchengemeinde, Neuengroden) und N.N. Ort: Lutherkirche, Brommystraße 71, 26384 Wilhelmshaven-Villenviertel.
  • Donnerstag, 26. August 2021 | 20:15 Uhr, Demokratie-Reihe „Wen wähle ich?“ – Interview zur Bundestagswahl 2021 mit MdB Siemtje Möller (SPD). Ort: Lutherkirche, Brommystraße 71, 26384 Wilhelmshaven-Villenviertel.

Fünf Fragen an: Sina Beckmann, Grünen-Kandidatin im Bundestagswahlkreis 26

Fünf Freitagsfragen an Sina Beckmann, Kandidatin von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis 26 für die Bundestagswahl 2021, über ihren Weg in die Politik, Vorbilder und wie sie morgen leben will. Ein Interview im Rahmen des Rogate-Demokratieprojekts „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“.

Sina Beckmann (Bild: privat)

Beckmann ist gelernte Hotelfachfrau und Unternehmerin in Jever. Politisch setzt sie Schwerpunkte in den Feldern Tourismus, Mobilität, Küstenschutz und klimafreundlicher Wirtschaft.

Rogate-Frage: Frau Beckmann, was hat Sie motiviert, sich politisch zu engagieren und für den Deutschen Bundestag zu kandidieren?

Sina Beckmann: Seit 2009 bin ich nun selbstständig, bis 2017 sehr stark eingebunden. Zwar bin ich schon immer politisch interessiert, aber leider gab es kein Zeitfenster, sich auch politisch zu engagieren. 2018 änderte sich dann unsere berufliche Situation und es eröffnete sich ein freies Zeitfenster – dieses fülle ich seitdem mit politischer Arbeit. Ausschlaggebend war der Dürresommer 2018, da habe ich gedacht „Du musst was tun!“ 

Nicht reden, sondern machen ist eines meiner Credos und so möchte ich in Berlin im Bundestag mit anpacken.

Rogate-Frage: Warum haben Sie sich für Bündnis 90/Die Grünen als Ihre Partei entschieden?

Sina Beckmann: Ich stehe zu 100 Prozent zu erneuerbaren Energien, bin auch in dem Bereich selbstständig.

Wir haben eine lebensbedrohliche Klimakrise und ich bin der Meinung, dass wir hier klar agieren müssen, damit wir und alle weiteren Generationen ein gutes Leben haben können. Für mich sind die Grünen da ganz klar alternativlos. Das ist meine Partei!

Rogate-Frage: Sie nahmen als Interviewpartnerin einer Veranstaltung der „FrieslandVisionen“ teil. Wir nehmen die Frage auf: Wie wollen Sie, Frau Beckmann, morgen leben?

Sina Beckmann: So wie heute, würde ich Ihnen gerne antworten. Ich weiß, dass ich sehr privilegiert aufgewachsen bin: In einem Rechtsstaat, frei und ohne Kriege. Ich wurde nie vertrieben, mir ist nie Gewalt angetan worden und ich musste nie Hunger leiden. Für morgen möchte ich, dass wir das so beibehalten können. Und ich möchte in einer intakten Natur mit viel Biodiversität und Artenvielfalt leben. Die Erde ist die einzige, die wir haben. Schützen wir endlich, was wir zum Leben brauchen.

Rogate-Frage: Welche politischen Vorbilder haben Sie und wie bilden Sie sich Ihre Meinung?

Sina Beckmann: Meine Meinung bilde ich mir, wie würden wir heute sagen, klassisch. Über Nachrichtensendungen im Fernsehen wie die „Tagesschau“, die „Tagesthemen“ oder das „Heute Journal“. Außerdem habe ich ein Online-Abo unserer drei Zeitungen in der Region, also „Jeversches Wochenblatt“, „Wilhelmshavener Zeitung“ und „Anzeiger für Harlingerland„. Wenn ich die Zeit finde, lese ich auch gerne Hintergrund-Artikel in der „taz“ und der „Zeit„.

Die Frage zu den politischen Vorbildern ist gut. Ich lebe nicht so sehr in der Vergangenheit, sondern im Moment und für die Zukunft. Deshalb sind meine politischen Vorbilder all diejenigen, die sich aktiv für die Demokratie einsetzen. Ganz besonders möchte ich da allen ehrenamtlich Tätigen danken – ihr seid alle so wichtig! Ich mag Menschen, die eine Meinung haben und sie auch vertreten. Wir brauchen wieder mehr Typen in der Politik – natürlich sind hier alle Geschlechter angesprochen.

Rogate-Frage: Was bedeuten Ihnen Religion, Glaube, Spiritualität und die Kirche?

Sina Beckmann: Der Glaube beflügelt, stärkt, kann viel Positives hervorrufen. Ich bewundere Menschen mit starkem Glauben, sie sind immer ganz besonders fokussiert. Religion und Kirche sind nicht ganz so mein Ding. Ich war mal katholisch, aber mein Leben passt nicht dazu. Ich bin ausgetreten. Spiritualität ist für mich mit Glaube gleichzusetzen. Ich denke, ich bin dafür zu sachlich, aber ich finde Menschen toll, die das so ausleben.

Rogate: Vielen Dank, Frau Beckmann, für das Gespräch!

Weitere Interviews in der Reihe Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.


Die noch folgenden Termine der Reihe „Wen wählen? Fünf Interviews zur Bundestagswahl 2021“:

  • Donnerstag, 19. August 2021 | 19:00 Uhr, Abendgebet. Ort: Lutherkirche, Brommystraße 71, 26384 Wilhelmshaven-Villenviertel. Orgel: Traugott Böhlke (St. Martinskirchengemeinde, Voslapp) Lektor:innen: Heidrun Helbich (Ev.-luth. Thomaskirchengemeinde, Neuengroden) und Florian Wiese (Rogate-Kloster). Ort: Lutherkirche.
  • Donnerstag, 19. August 2021 | 19:45 Uhr, Demokratie-Reihe „Wen wähle ich?“ – Interview zur Bundestagswahl 2021 mit Hans-Henning Adler (DIE LINKE.). Ort: Lutherkirche.
  • Donnerstag, 26. August 2021 | 19:00 Uhr, Abendgebet. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Lektorinnen: Heidrun Helbich (Ev.-luth. Thomaskirchengemeinde, Neuengroden) und N.N. Ort: Lutherkirche.
  • Donnerstag, 26. August 2021 | 19:45 Uhr, Demokratie-Reihe „Wen wähle ich?“ – Interview zur Bundestagswahl 2021 mit MdB Siemtje Möller (SPD). Ort: Lutherkirche.

Mehr Informationen zum Demokratieprojekt „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“ finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Anne Janssen, CDU-Kandidatin im Bundestagswahlkreis 26

Fünf Freitagsfragen an Anne Janssen, CDU-Kandidatin im Wahlkreis 26 für die Bundestagswahl 2021, über ihren eigenen Weg in die Politik, den Wahrheitsgehalt in sozialen Medien und die Bedeutung gemeinsamen Singens. Ein Interview im Rahmen des Rogate-Demokratieprojekts „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“.

Anne Janssen (Bild: privat)

Anne Janssen wurde 1982 in Jever geboren. Sie lebt mit ihrem Mann, der eine Druckerei führt, und ihren drei Kindern in Wittmund. Nach dem Abitur und einer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin im Wittmunder Krankenhaus, hat sie in Oldenburg Lehramt studiert und ist nun Lehrerin an der Finkenburgschule in Wittmund. Besonders liegen ihr die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum, die Perspektiven der Landwirtschaft, die regionale Wirtschaft, die örtlichen Bundeswehrstandorte, der Tourismus und die Situation von Familien am Herzen.

Rogate-Frage: Frau Janssen, was hat Sie motiviert, sich politisch zu engagieren und für den Deutschen Bundestag zu kandidieren?

Anne Janssen: Ich war schon immer politisch interessiert und habe meinem Mann in den letzten zehn Jahren den Rücken für seine politische Arbeit in der Kommunalpolitik freigehalten. Als dann im vergangenen Jahr die Corona-Pandemie aufkam und grade der Gesundheitsbereich und der Bereich der Bildung sehr stark in den Fokus rückten und wir alle miteinander feststellen mussten, dass es in unserem Land noch erhebliche Defizite gibt, habe ich gemeinsam mit meiner Familie entschieden, diesen Schritt zu gehen, da ich als Lehrerin und Krankenschwester für diese Bereiche auf Bundesebene aktiv werden möchte.

Rogate-Frage: Warum haben Sie sich für die CDU als Ihre Partei entschieden?

Anne Janssen: Weil die CDU als Volkspartei der Mitte für das steht, was mir wichtig ist: Christliche und demokratische Werte. Aber auch das Prinzip Fördern und Fordern ist mir als Lehrerin nicht unbekannt. Diejenigen weiterbringen und fordern, die Ideen für unser Land haben und uns mit ihrem Know-how nach vorne bringen. Auf der anderen Seite aber auch die nicht vergessen, die auf Hilfe und Unterstützung in bestimmten Lebenssituationen angewiesen sind.

Rogate-Frage: Sie nahmen als Interviewpartnerin einer Veranstaltung der „FrieslandVisionen“ teil. Wir nehmen die Frage auf: Wie wollen Sie, Frau Janssen, morgen leben?

Anne Janssen: In einer Welt, die jeden so annimmt, wie man ist. Völlig egal, welche politische Ausrichtung, welchen Glauben, welche schulische Bildung oder welche Definition von Familie man für sich wählt, so lange es mit unserem Demokratieverständnis in Einklang zu bringen ist. In einer Welt, die auf konstruktiven Dialog setzt und gemeinsame Ziele für die Zukunft unserer Erde verfolgt.

Wir können die Augen vor dem Klimawandel nicht verschließen, müssen aber auch die Wirtschaft handlungsfähig bleiben lassen. Jedem müssen alle Wege und Chancen offenstehen.

Rogate-Frage: Welche politischen Vorbilder haben Sie und wie bilden Sie sich Ihre Meinung?

Anne Janssen: Ein richtiges politisches Vorbild in dem Sinne habe ich nicht. Meine Kindheit und Jugend wurden aber maßgeblich durch Helmut Kohl geprägt. Er wurde 1982 Bundeskanzler, in dem Jahr wurde ich geboren und er begleitete mich damit die ersten 16 Jahre meines Lebens. Rückblickend hat Angela Merkel die letzten 16 Jahre meines Lebens begleitet. Dies zeigt auch welche Stabilität unsere Partei mit sich bringt. Ich informiere mich und bilde mir meine Meinung über die üblichen Kanäle, Printmedien oder Fernsehen.

Bei Socialmedia bin ich immer etwas vorsichtig, da oft nur schwer nachzuvollziehen ist, woher die Informationen stammen und welchen Wahrheitsgehalt sie haben. Da muss man immer sehr differenziert schauen. Ich diskutiere aber auch gern mit anderen und versuche andere Meinungen und Sichtweisen zu hören, einzuordnen und mit meinen Ansichten zu vergleichen.

Rogate-Frage: Was bedeuten Ihnen Religion, Glaube, Spiritualität und die Kirche?

Anne Janssen: Im Laufe meines Lebens haben diese Dinge immer mehr an Bedeutung gewonnen. Ich gehe inzwischen regelmäßig in die Kirche. Gerade das gemeinsame Singen und in der Stille bei sich sein zu können, geben mir Kraft für neue Aufgaben. Als Krankenschwester, aber auch im privaten Umfeld kam und komme ich in Situationen, in denen man Abschied nehmen muss und gerade hier hilft mir der Gedanke, dass die Menschen, die uns verlassen müssen, nicht allein „im Himmel“ sind.

In Gesprächen mit Kindern wird mir immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, seine Werte und seinen Glauben so in Worte zu fassen, das Kinder die Inhalte begreifen können. Das hilft auch mir, mir immer bewusst zu machen, was Religion und Glaube für mich sind und welche Bedeutung sie für mich haben.

Rogate: Vielen Dank, Frau Janssen, für das Gespräch!

Weitere Interviews in der Reihe Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.


Mehr Informationen zum Demokratieprojekt „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“ finden Sie hier.

Informationen zur Reihe „Wen wählen? Fünf Interviews zur Bundestagswahl 2021“ in der Lutherkirchengemeinde Wilhelmshaven (Juli/August 2021):

Mit der CDU-Wahlkreiskandidatin Anne Janssen startete am Donnerstag, 29. Juli, die Reihe „Wen wählen? Fünf Interviews zur Bundestagswahl 2021“ in der Lutherkirchengemeinde Wilhelmshaven. Veranstalter ist das Rogate-Kloster Sankt Michael mit seinem Demokratie-Programm „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“.

Die Kandidierenden der im Bundestag vertretenden demokratischen Parteien aus dem Wahlkreis 26 sind zu einzelnen Rogate-Abenden eingeladen. Bis zum 26. August werden die jeweiligen Gäste durch Br. Franziskus in Form von Interviews über ihren Weg in die Politik, gesellschaftliche Vorstellungen und ethische Maßstäbe befragt.

Vor der Veranstaltung wird jeweils um 19:00 Uhr zu einem „Gebet für die Stadt“ in der Lutherkirche eingeladen.

Die noch folgenden Termine der Reihe:

Die „FrieslandVisionen“ werden bis Ende 2023 durch das Förder- und Qualifizierungsprogramm „MITEINANDER REDEN – Gespräche gestalten – Gemeinsam handeln“ für Akteur*innen in ländlichen Räumen durch die Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

Fünf Fragen an: Dr. Marek Wede, Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Fünf Fragen an Dr. Marek Wede, Pressesprecher im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, über den Unterschied von Künstler- und Ordensnamen, wer über die Eintragung in den Personalausweis entscheidet und die Nutzung von Gebrauchsnamen im Rechtsverkehr.

Rogate-Frage: Herr Dr. Wede, was sind aus Sicht Ihres Ministeriums „Ordensnamen“ und inwieweit unterscheiden Sie diese von „Künstlernamen“? 

Marek Wede: Unter einem Künstlernamen ist ein von einem bürgerlichen Namen mit hinreichender individueller Unterscheidungskraft abweichender Name zu verstehen, der in bestimmten Lebensbereichen in Zusammenhang mit einer künstlerischen oder freischaffenden Tätigkeit geführt wird und dadurch Verkehrsgeltung erlangt hat, sodass er anstelle des Namens die Identität und die Individualität der Person ausdrückt. 

Für die Eintragung eines Ordensnamens ist dagegen die Verleihung des Ordensnamens, die durch den Orden der jeweiligen Religionsgemeinschaft ausgestellt wird, erforderlich. Ordens- oder Künstlernamen sind jedenfalls dann im Reisepass einzutragen, wenn sie sich aus einem früheren Personalausweis, einem früheren Reisepass oder dem Melde-, Personalausweis- beziehungsweise Passregister ergeben. In Zweifelsfällen hat die antragstellende Person durch Vorlage geeigneter Unterlagen darzulegen, dass sie unter dem von ihr angegebenen Ordens- beziehungsweise Künstlernamen bekannt ist. 

Rogate-Frage: Warum gibt es zur Frage der Ordensnamen gesetzliche Bestimmungen? Welche Bedeutung gibt dadurch der Staat diesen religiösen Namen und deren Nutzung? 

Marek Wede: Das Pass- und Personalausweisgesetz regelt, welche Daten in die hoheitlichen Dokumente eingetragen werden dürfen. Grundsätzlich sind dies nur solche Daten, die für die Identifizierung einer Person erforderlich sind. Bestimmten Sonderkonstellationen, so etwa in bestimmten Fällen bei Künstler- oder Ordensnamen, kommen im Rechtsverkehr eine besondere Bedeutung zu, weshalb für diese eine Eintragung zugelassen wird. 

Rogate-Frage: Gibt es eine Schätzung oder ist bekannt, wie viele Ordensnamen bundesweit anerkannt und von den Meldebehörden eingetragen wurden? 

Marek Wede: Eine bundesweite Statistik, wie viele Ordensnamen in Pässe oder Personalausweise eingetragen wurden, liegt dem BMI nicht vor. 

Rogate-Frage: Wer entscheidet nach welchen Kriterien, ob ein Ordensname anerkannt und in amtliche Dokumente eingetragen werden darf? 

Marek Wede: Die Entscheidung über die Eintragung eines Ordensnamens trifft die örtlich zuständige Pass- oder Personalausweisbehörde unter Berücksichtigung aller konkreten Umstände des Einzelfalls.  

Rogate-Frage: Welche Verpflichtungen gehen Träger:innen durch die Registrierung der Namen ein und welche Rechte sind damit für sie verbunden? Können beispielsweise Bankgeschäfte, Fahrkartenkäufe, Verträge und Führerscheinprüfungen mit dem Ordensnamen unterschrieben werden? 

Marek Wede: Durch die Eintragung eines Ordensnamen entstehen keine besonderen Pflichten aus dem Pass- oder Personalausweisgesetz. Grundsätzlich kennt das deutsche Namensrecht keine strikte Namensführungspflicht. Statt des Geburts- oder Familiennamens kann im allgemeinen Verkehr ein davon abweichender Gebrauchsname verwendet werden. Der Gebrauchsname wird im Rechtsverkehr anerkannt, der Träger kann auch mit diesem Namen unterzeichnen, wenn mit der Namensunterschrift die eindeutige Identifizierung der Person möglich ist.

Rogate: Vielen Dank, Herr Dr. Wede, für das Gespräch.

Weitere Interviews in der Reihe Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.

Fünf Fragen an: Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben

Fünf Fragen an Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, über die Definition von Antisemitismus, die 3D-Regel und ein Zeichen der Stärke unserer lebendigen Demokratie.

Dr. Felix Klein (Bild: BMI)

Dr. Felix Klein, geboren 1968 in Darmstadt, besuchte nach seiner Schulzeit in Darmstadt das United World College in Duino bei Triest, wo er 1987 das internationale Abitur „International Baccalaureate“ erwarb. Er studierte Rechtswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der Freien Universität Berlin. Im Anschluss daran absolvierte er ein Masterstudium an der London School of Economics, das er mit einem Master of Public International Law (LL.M.) abschloss. Von 1994 bis 1996 absolvierte er die Ausbildung für den höheren Auswärtigen Dienst an der damaligen Aus- und Fortbildungsstätte des Auswärtigen Amtes in Bonn. 2001 promovierte er an der Universität St. Gallen mit einem familienrechtlichen Thema. Er begann seine diplomatische Karriere als Länderreferent für Südamerika, war auf Auslandsstationen in Jaunde/Kamerun und Mailand/Italien sowie von 2007 bis 2018 in mehreren Funktionen in der Berliner Zentrale des Auswärtigen Amtes tätig, zuletzt als Sonderbeauftragter für Beziehungen zu jüdischen Organisationen und Antisemitismusfragen.

Rogate-Frage: Herr Dr. Klein, wie definieren Sie den Begriff Antisemitismus?

Felix Klein: Antisemitismus – der Begriff legt nahe, dass er bedeutet, gegen Juden zu sein: Judenfeindschaft, Judenhass. Dabei hat Antisemitismus mit realen jüdischen Menschen nichts zu tun, er entsteht unabhängig von ihrem tatsächlichen Verhalten. Überspitzt formuliert, Antisemiten pflegen ihren Antisemitismus auch ohne Juden. Nach der Definition der International Holocaust Remebrance Alliance ist Antisemitismus „eine bestimmte Wahrnehmung von Juden (…)„. Das ist schon der Kern, auf den es ankommt: Eine, ganz bestimmte Sicht dominiert, anstatt die jeweilige Person in ihrer Unterschiedlichkeit und Individualität wahrzunehmen. Wer sich über jüdische Menschen eine Meinung bildet, die von ihrem Judentum abgeleitet wird anstatt von ihrem konkreten persönlichen Verhalten, handelt antisemitisch.

Juden und Jüdinnen haben außer ihrem Jüdischsein erst einmal nichts gemeinsam – sie sind genauso unterschiedlich wie Angehörige anderer Religionen und Kulturen. Auf dieses Verhältnis zwischen Individuum und Gruppe kommt es an: Antisemitismus fängt da an, wo aus der Gruppenzugehörigkeit Eigenschaften Einzelner abgeleitet werden und umgekehrt. Wenn Juden als Gruppe Eigenschaften zugeschrieben werden, die über ihr faktisches Jüdischsein hinausgehen, ist das antisemitisch. Das gilt auch für positive Attribute, wenn etwa behauptet wird, Juden seien besonders klug, oder für das jahrhundertealte Klischee der „schönen Jüdin„. Solche philosemitisch genannten Verallgemeinerungen sind letztlich ebenfalls eine Form von Antisemitismus.

Rogate-Frage: Wo liegt aus Ihrer Sicht die Trennung zwischen Antisemitismus und Formen der Kritik an der Politik des Staates Israel?

Felix Klein: Kritik am Regierungshandeln des Staates Israel ist selbstverständlich immer möglich. Die Grenze zum Antisemitismus ist allerdings dann überschritten, wenn Jüdinnen und Juden für das Regierungshandeln mitverantwortlich gemacht werden. Jüngstes Beispiel für diesen Mechanismus waren die an vielen Stellen geäußerten israelfeindlichen Parolen im Rahmen der Proteste gegen die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten vor wenigen Wochen beispielsweise vor jüdischen Einrichtungen in Deutschland. Mit der sogenannten 3D-Regel lässt sich bestimmen, ob es sich bei einer Äußerung lediglich um Kritik an Israels Politik handelt oder die Grenze zum Antisemitismus überschritten wird: Das ist der Fall, wenn Doppelstandards, Delegitimierung oder Dämonisierung Israels im Spiel sind, wie es sie regelmäßig nur gegenüber dem Staat Israel gibt. Der Schnelltest wurde 2004 vom israelischen Politiker und Wissenschaftler Nathan Sharansky entwickelt, um Texte und Äußerungen systematisch daraufhin zu prüfen, ob sie antisemitisch sind. Er hat sich seitdem in der Wissenschaft und vor allem in Politik und Zivilgesellschaft bewährt.

3. Rogate-Frage: Das war ein Angriff auf uns alle“ heißt es oft nach Angriffen auf jüdisches Leben und Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland. Wie denken Sie über diese Versuche, Solidarität zu zeigen?

Felix Klein: Ich sehe es mit Freude und Dankbarkeit, dass sich in unserem Land nach der Shoah und nach den Verbrechen des Nationalsozialismus wieder vielfältiges, buntes und selbstbewusstes jüdisches Leben entwickelt hat. Dass dies wieder zunehmend selbstverständlich empfunden wird, sehe ich auch als ein Zeichen der Stärke unserer lebendigen Demokratie. Die historische Verantwortung Deutschlands ist und bleibt Teil unserer Staatsräson. Es bleibt eine fortwährende und immer wieder neue Aufgabe, den Antisemitismus zu bekämpfen. Denn Antisemitismus wendet sich langfristig nicht nur gegen jüdische Menschen. Er ist Ausdruck einer zutiefst demokratiefeindlichen Haltung und lehnt die Errungenschaften unserer modernen, freiheitlichen Gesellschaft ab.

Rogate-Frage: Was können Einzelne tun, um jüdisches Leben in Deutschland zu schützen und Solidarität mit Jüdinnen und Juden zu zeigen?

Felix Klein: Die Haltung und das Engagement jeder und jedes Einzelnen ist im Hinblick auf den Schutz jüdischen Lebens von größter Bedeutung. Es gibt viele Möglichkeiten, sich einzubringen. Ein wesentlicher Teil des aktiven Schutzes jüdischen Lebens ist die Antisemitismusbekämpfung. Viele Organisationen zeigen engagierten Bürgerinnen und Bürgern eine Bandbreite an Möglichkeiten auf, sich in diesen Kampf einzubringen. 

Der Schutz jüdischen Lebens bedeutet für mich aber auch die positive Stärkung der jüdischen Gemeinschaft im Sinne einer Wahrnehmung und Wertschätzung jüdischer Kultur, Religion und jüdischen Alltags. Jüdinnen und Juden als einen selbstverständlichen Teil unserer vielfältigen Gesellschaft zu begreifen und ihnen mit Offenheit und Interesse zu begegnen, das sollte unser gemeinsames Ziel sein. Von einer solchen Haltung profitieren nicht nur Jüdinnen und Juden und unser gesellschaftlicher Zusammenhalt, sondern auch jede und jeder Einzelne, die bzw. der sich für den Dialog öffnet.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, diesen Dialog zu beginnen oder zu vertiefen. Anknüpfungspunkte bieten zum Beispiel die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die sich seit rund 70 Jahren in der Begegnungs- und Versöhnungsarbeit engagieren und zahlreiche Projekte und Veranstaltungen durchführen. Auch das aktuelle Jubiläumsjahr lädt dazu ein, jüdische Vergangenheit und Gegenwart zu entdecken und einander persönlich zu begegnen.

Rogate-Frage: Was wünschen Sie sich von den Kirchen, den Kirchengemeinden und den Christen in Bezug auf den historischen und aktuellen Antisemitismus in unserem Land?

Felix Klein: Die Kirchen, viele Kirchengemeinden und Christen setzen sich schon lange sehr engagiert für die Bekämpfung von aktuellem und historischem Antisemitismus ein. Nach der Schoah haben sich die evangelische und katholische Kirche deutlich davon distanziert und ihre Schuld bekannt. Die Aufarbeitung des historischen Antisemitismus in der Kirche ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Ein Beispiel ist die heute noch bestehende Benennung einiger Kirchen nach erwiesenen Judenfeinden, unter anderem die Pfarrkirche St. Johann von Capistran in München. Diese Namenspatronate sollten noch stärker problematisiert und Gegenstand einer breiten, offenen Debatte werden. Die Kirchen nehmen ihre Verantwortung auch im Hinblick auf aktuellen Antisemitismus ernst.

Eine sehr gelungene aktuelle Aktion in diesem Zusammenhang ist aus meiner Sicht die Kampagne „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“ der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland, die Gemeinsamkeiten beziehungsweise Ähnlichkeiten zwischen Judentum und Christentum aufzeigt. 

Die Verdeutlichung von Gemeinsamkeiten und die Stärkung des christlich-jüdischen Dialogs sollte in diesem Sinne auch künftig weit oben auf der kirchlichen Agenda stehen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Dr. Klein, für das Gespräch!

Weitere Interviews in der Reihe Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.

Fünf Fragen an: Liza Pflaum, Bewegung Seebrücke

Fünf Fragen an Liza Pflaum, Mitbegründerin Seebrücke und Gründungsmitglied des Vereins United4Rescue, über Fluchtgründe, den politischen Rückhalt durch das Bündnis der 770 Mitglieder und wie sich Kirchengemeinden gegen den Tod im Mittelmeer engagieren.

Liza Pflaum (Bild: United4Rescue)

Liza Pflaum ist Politikwissenschaftlerin und engagiert sich insbesondere für die Rechte von geflüchteten Menschen und für sichere Fluchtwege nach Europa.

Rogate-Frage: Frau Pflaum, warum gibt es aus Ihrer Sicht eine Pflicht zur Seenotrettung im Mittelmeer?

Liza Pflaum: Die Pflicht zur Rettung aller Menschen, die in Seenot geraten, egal wer und egal wo, ist zuallererst im internationalen Seerecht festgelegt. Darüber hinaus ist es ethisch und menschlich das einzig Richtige. Es würde sich auch niemand fragen, ob es richtig ist die Feuerwehr zu rufen, wenn ein Haus brennt.

Rogate-Frage: Was entgegnen Sie denen, die meinen, dass die Rettung aus Seenot Menschen zur Flucht über das Meer verleiten würde?

Liza Pflaum: Das ist schlicht falsch. Menschen fliehen, weil sie keinen anderen Ausweg sehen. Die Flucht fängt meist schon weit früher als bei der Überfahrt über das zentrale Mittelmeer an. Menschen fliehen aufgrund von Krieg, Verfolgung oder weil sie keine Zukunft für sich und ihre Familie in ihrer Heimat sehen und nicht weil es zivile Seenotrettungsschiffe gibt. Auch in Zeiten, in denen kein einziges Schiff im zentralen Mittelmeer im Einsatz war, sind nicht weniger viele Menschen geflohen. Wenn Schiffe im Einsatz sind ist also der einzige Unterschied, dass weniger Menschen sterben.

Rogate-Frage: Was genau ist das United4Rescue und wie arbeitet Ihre Organisation?

Liza Pflaum: United4Rescue hat als Initiative der EKD begonnen, mit dem Auftrag die zivile Seenotrettung zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass weitere Rettungsschiffe in den Einsatz kommen. Mittlerweile ist United4Rescue – Gemeinsam retten e.V. ein unabhängiges und breites Bündnis aus über 770 verschiedenen Organisationen, die hinter den zivilen Seenotrettung stehen und bereits das zweite Schiff in den Einsatz geschickt haben. Einerseits sorgt United4Rescue mit Hilfe von Fundraising-Kampagnen für die nötige finanzielle Unterstützung, andererseits steht die Breite des Bündnisses für politischen Rückhalt.

Rogate-Frage: Mittlerweile sind zwei Schiffe, die von United unterstützt werden, in der Seenotrettung tätig. Wo befinden sich diese und wie sieht der Einsatz im Mittelmeer aus?

Liza Pflaum: Beide Schiffe befinden sich im Einsatz im zentralen Mittelmeer. Das eine wird von Sea-Watch e.V. und das andere von Sea-Eye e.V. betrieben. Derzeit befinden sich sehr viele Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer. Beide Schiffe haben bereits nach den ersten Einsätzen schon mehrere hundert Menschen vor dem Ertrinken gerettet. In der Regel wird nach einer Rettung der nächste sichere Hafen angelaufen, um die Menschen an Land in Sicherheit zu bringen. Allerdings werden die Rettungseinsätze der zivilen Seenotrettungsschiffe seit 2018 von Seiten der Europäischen Union massiv blockiert.

Rogate-Frage: Es hat sich ein großes Bündnis gebildet. Wie breit ist das Spektrum, welche Rolle spielen die Kirche dabei und welche Aufgaben haben die Bündnismitglieder?

Liza Pflaum: Das Bündnis ist vom politischen Spektrum sehr breit und reicht von einem kleinen Buchladen, Bioladen oder Kita, über Kirchengemeinden, größere Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, der Bewegung Seebrücke bis zu Unternehmen wie Ben & Jerry’s und Anwaltskanzleien. Es sind unzählige Gemeinden mit in dem Bündnis und das gesamte Projekt wurde von der EKD angestoßen. Viele Gemeinden unterstützen uns aktiv mit Kollekten, kreativen Aktionen und Infoveranstaltungen zu unserer Arbeit. Dies ist ein enorm wichtiges politisches Signal, welches eben auch noch viele weitere Organisationen dazu gebracht hat, sich zu diesem Thema zu positionieren und für die Rechte von geflüchteten Menschen stark zu machen

Rogate: Vielen Dank, Frau Pflaum, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de. Das Rogate-Kloster Sankt Michael und der Förderverein Sankt Michael sind Mitglied im Bündnis United4Rescue.

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Herzlich willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Andachten und Gottesdiensten:

  • Donnerstag, 27. Mai 2021 | 17:00 Uhr, Feierstunde Übergabe der „Berliner Ehrennadel für besonderes soziales Engagement“. Musik: Felicitas Eickelberg. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche.
  • Donnerstag, 27. Mai 2021 | 18:30 Uhr, Vesper (Abendgebet). Musik: Felicitas Eickelberg. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche.
  • Freitag, 3. September 2021 | 19:30 Uhr, Gebet für die Stadt – zur Eröffnung des CSD Wilhelmshaven. Musik: Landeskirchenmusikdirektorin Beate Besser, Oldenburg. Liturgie: N.N. und Br. Franziskus. Ort: Lutherkirche, Brommystr. 71, 26384 Wilhelmshaven-Villenviertel.
  • Freitag, 1. Oktober 2021 | 19:30 Uhr, „Wenn ich ein Engel wäre, dann….“, ökumenischer Eröffnungsgottesdienst zum 28. lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin. Predigt: Pfarrer_in Anna Trapp, Evangelischer Pfarrsprengel Bad Wilsnack. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, Berlin-Schöneberg.
  • Sonntag, 3. Oktober 2021 | 11:00 Uhr, Erntedank-Gottesdienst für Mensch und Tier zum Franziskusfest. Predigt: N.N.. Liturgie: Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Gemeinde, und Bruder Franziskus, Rogate-Kloster. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche Berlin-Schöneberg.

Fünf Fragen an: Pastorin Pamela Hansen, Helgoland

Fünf Freitagsfragen an Pamela Hansen, Pastorin auf Helgoland, über die Veränderungen durch die Pandemie, ein ruhigeres Inselleben und die theologische Dimension von Covid-19.

Pastorin Pamela Hansen (Bild: Jens Kohaupt)

Pamela Hansen stammt aus der Nähe von Plön, studierte in Kiel Theologie, war fünf Jahre lang in den USA als Pastorin tätig, bevor sie auf Helgoland ihre Stelle als Inselpastorin antrat, wo sie auch aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist.
 
Rogate-Frage: Frau Pastorin Hansen, wie hat sich das Leben auf Helgoland seit März 2020 durch die Corona-Pandemie verändert?

Pamela Hansen: Es ist viel ruhiger geworden, da während der Lockdown Phasen keine Feriengäste oder Tagestourist*innen nach Helgoland kommen dürfen. Der Vorteil ist, dass wir durch unsere Abgeschiedenheit, Einreisebeschränkungen und intensives Testen bisher sehr wenige Ansteckungen hatten.

Rogate-Frage: Und wie sieht das Leben Ihrer Kirchengemeinde angesichts der Pandemie aus?

Pamela Hansen: Leider sind die Gottesdienstbesucherzahlen bei den Präsenzgottesdiensten eingebrochen. Dafür gibt es ein größeres digitales Angebot, was den Vorteil hat, dass dies auch von denen genutzt werden kann, die sonst ihren Urlaub hier verbringen. Mit vielen Ortsansässigen versuche ich, telefonisch Kontakt zu halten. Open Air Angebote gestalten sich schwierig, da hier das Wetter dafür oft nicht optimal ist.

Rogate-Frage: Wie geht es Ihnen in dieser Situation?

Pamela Hansen: Es geht mir soweit ganz gut. Natürlich belastet auch mich die Pandemie und es ist mitunter anstrengend, all die menschlichen Abgründe auszuhalten, die sich durch die Pandemie auftun, aber zum größten Teil kann ich gelassen damit umgehen.

Es motiviert mich, dass neue Ideen wie der „Segen To Go“ so guten Anklang finden. Ich habe mich darauf verlegt, Tüten mit Segenssprüchen und einer kleinen Überraschung in der Kirche auszulegen bzw. diese Tüten im Strauch vor dem Pfarramt aufzuhängen. Die werden gerne im Vorbeigehen mitgenommen. Und es motiviert mich, dass plötzlich auch ganz viel gegenseitige Hilfsbereitschaft da ist.

Rogate-Frage: Hat das Virus beziehungsweise die weltweite Situation für Sie eine theologische Dimension?

Pamela Hansen: Ein bisschen: Das Gebot „Liebe deinen Nächsten“ ist für mich zu „Schütze deinen Nächsten“ und damit einfach konkreter geworden. Ich halte die Pandemie aber nicht für eine Strafe Gottes. Nichtsdestotrotz bietet sie die Chance, dass wir uns wieder über die wirklichen Werte bewusst werden und aufhören, falsche Götter wie den Konsum anzubeten.

Rogate-Frage: Wie werden Sie das zweite Corona-Ostern in diesem Jahr begehen?

Pamela Hansen: Ich habe mich dabei ertappt, dass ich es gerne so ruhig wie möglich feiern möchte: mit drei kleinen Präsenzgottesdiensten an Gründonnerstag, Karfreitag, und Ostersonntag sowie einer Osterandacht auf Facebook. Predigtvideos zu Gründonnerstag und Ostersonntag werden über unsere Internetseite verfügbar sein.

Privat hoffe ich, dass das Wetter es zulässt, dass mein Mann und ich den Garten ein bisschen genießen und „angrillen“ können. Die Grillkohle steht schon bereit.

Rogate: Vielen Dank, Frau Pastorin Hansen, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.

Fünf Fragen an: Frederic Riedel, Kiezworker in Berlin-Schöneberg

Fünf Fragen an Frederic Riedel, Berlin-Schöneberg, über seine Arbeit als Kiezworker, Veränderungsprozesse in einer Großstadtkirchengemeinde und die Coronapandemie als Treiber der Digitalisierung..

Frederic Riedel (Bild: privat)

Frederic Riedel kommt aus Uelzen in Niedersachsen. Zum BWL- und „Wirtschaft und Recht“-Studium zog er zunächst nach Brandenburg, um sich dann in Berlin zu verlieben. Durch das Senatsprojekt „Solidarisches Grundeinkommen“ wurde er auf eine Stellenausschreibung der Apostel-Paulus-Gemeinde in Berlin-Schöneberg aufmerksam. Zu seinen Aufgaben gehört die Koordination der Offenen Kirche, der Besuchsdienst und die Öffentlichkeitsarbeit.

Rogate-Frage: Herr Riedel, Sie sind „Kiezworker“ in einer evangelischen Großstadtgemeinde. Welche Aufgabe haben Sie dort?

Frederic Riedel: „Kiezworker“ ist der Begriff für die Gesamtheit aller meiner Aufgaben im Rahmen der Gemeinde und im Kiez – auch ist er meine offizielle Jobbezeichnung.

Meine Aufgaben sind tatsächlich sehr vielfältig und abwechslungsreich, sodass es mir stets schwer fällt meine beziehungsweise die eine Aufgabe hier auf das Wesentliche herunterzubrechen: Wohlmöglich bin ich an all den Maßnahmen beteiligt, die Kirche und Kiez stärker miteinander verzahnen lassen sollen: Von Ehrenamtskoordination über Betreuung und Ausgestaltung der Offenen Kirche, bis hin zu Besuchsdiensten, die aufgrund der Pandemie und der damit einhergehenden Gefahr für Risikogruppen momentan leider pausieren müssen. Auch unterstütze ich die Pfarrerin, Küsterin und den Haus- und Kirchwart in vielen Angelegenheiten, sodass ich in gewisser Weise oftmals Bindeglied und helfende Hand in Personalunion bin.

In der Zukunft soll auch für mich wesentlich mehr in Richtung Kultur, Veranstaltungen und Social Media geschehen – aber auch hier sind uns momentan leider noch die Hände gebunden – pandemiebedingt.     

Rogate-Frage: Wie ist es dazu gekommen, dass Sie sich kirchlich engagieren und was hat es mit dem Senatsprojekt „Solidarisches Grundeinkommen“ zu tun?

Frederic Riedel: Es hat eine Menge damit zu tun, denn offen gestanden bin ich nur dadurch auf die ausgeschriebene Stelle aufmerksam geworden. Frau Pfarrerin Steffen-Elis hat mir von Anfang an zu Verstehen gegeben, dass die Gemeinde sich einem Wandel unterzieht und sicherlich schmeichelte mir die Idee, meinen Beitrag dazu leisten zu können. Schwer vorstellbar, dass ich in einer (Einstiegs-)Position, an einem anderen Ort mehr Einfluss auf die Entwicklungen um mich herum und auch auf meine eigene nehmen könnte. Ich würde mich nicht als strenggläubigen Menschen bezeichnen und für meinen Bereich ist Religion ehrlich gesagt auch gar nicht so maßgeblich. Entscheidend sind für mich vielmehr Wertevorstellungen, ein würdevolles und freundliches Menschenbild. Dazu zählt auch das Bedürfnis, aufgefangen zu werden, wenn man fällt. Auch Ich habe eine kleine persönliche Krise der Arbeitslosigkeit und Frustration nun zugunsten der Hilfe und Unterstützung Anderer hinter mich bringen können. Mein Team hat hier zweifellos, und zwar in ausnehmendem Maß, Anteil daran. Im Übrigen gefällt mir sehr wohl die Idee von Spiritualität, weil ich denke, dass sie jeder Mensch in sich trägt und braucht. Auch hatte ich wohlmöglich immer schon ein kleines Faible für Kunst, Geschichte, Architektur und den weiträumigen Klang von Sakralmusik. All das vereint die Apostel-Paulus-Kirche in recht beeindruckender Art und Weise.

Rogate-Frage: Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf Ihre Arbeit gehabt und wie haben Sie darauf reagiert?

Frederic Riedel: Das lässt sich nur schwer einschätzen, da ich das Arbeiten hier bisher noch gar nicht unter „normalen Rahmenbedingungen“ erleben durfte!

Aber ja, auch wir mussten absagen und umdenken: Kontaktbeschränkungen und Hygieneauflagen machen vor der Kirche keinen Halt. Wie in vielen Bereichen ist Corona aber auch für uns Treiber der Digitalisierung: Aufgezeichnete Gottesdienste und Veranstaltungen, Livestreams, Zoom-Meetings. Insbesondere seitens Pfarrerin Andrea Kuhla sind hier mittlerweile Online-Formate und Podcasts ins Leben gerufen worden. Kontaktaufrechterhaltung zu älteren Gemeindegliedern erfolgt telefonisch oder postalisch. Das Schönste ist, dass wir die Kirche – unter Wahrung der Abstands- , Hygiene- und Lüftungsregeln – seit dem Beginn der Pandemie und durch die Hilfe eines mittlerweile breiter aufgestellten Teams an ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen nahezu durchgängig offen halten konnten. Mit äußerst positiver Resonanz der Besucher:innen.

Rogate-Frage: Welchen Unterschied nehmen Sie grundsätzlich im kirchlichen Umfeld im Vergleich zu anderen Arbeitgebern war?

Frederic Riedel: Der Umgang miteinander ist familiär, bedächtig und herzlich. Das ist in der heutigen Leistungsgesellschaft sicherlich kein Selbstläufer.

Wissen Sie, es gibt Arbeitgeber:innen, die ihre Mitarbeiter:innen quasi im Monatstakt auf hippe Team-Building-Seminare beziehungsweise – Maßnahmen schicken, geradezu wissenschaftliche Ansätze dabei verfolgen, und in der Praxis bleibt dann schlussendlich oft Nichts von all dem hängen. Wasser predigen und Wein trinken. Mir ist aufgefallen, dass das hier –  vielleicht aus dem Selbstverständnis, dem äußeren Rahmen und dem eigenen Wertesystem heraus –  auch ganz wunderbar ohne funktionieren kann.

Rogate-Frage: Wenn sie die Kirche in Berlin und überhaupt neu erfinden und gestalten würden, wie sähe sie dann aus?

Frederic Riedel: Das wäre ziemlich anmaßend! (lacht)

Aber sicherlich muss die Kirche – wie jede andere Institution im Laufe der Zeit – in verschiedenen Bereichen umdenken, neue Anreize schaffen, Programminhalte diversifizieren, Barrieren abbauen, auf die Leute zugehen, noch bevor sie sich entfernen. Berlin per se ist eine Stadt mit sehr modernem und dynamischem Zeitgeist und da wirkt die Kirche auf viele schlichtweg etwas aus der Zeit gefallen. Vor allem auf die jüngeren Generationen, die Zukunft. Glaube allein ist kein Kriterium mehr für die Ausrichtung und Gestaltung des Lebens. Dabei gibt es in vielen Gemeinden so viel Potential, einzigartige Räume und Gebäude in Ihrer Nutzung so zu gestalten, dass sich wieder mehr Menschen angesprochen fühlen und ihren persönlichen Zugang finden. Ich finde es etwas kurios wenngleich interessant, dass im Subkultur-Jargon ausgerechnet der wohl berüchtigtste Berliner Techno-Club landläufig gerne als „Tempel“ oder „Church“ bezeichnet wird. Und auch wenn der Vergleich auf den ersten Blick noch so skurril wirken mag: Vermutlich lechzt jeder Mensch nach einem Raum, einem Ort der Geborgenheit und Zuflucht, der Gemeinschaft, des Gesangs und der Feier und auch der Spiritualität – und offenbar bedeutet Kirche im Kern nach wie vor all das.

Rogate: Vielen Dank, Herr Riedel, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Aufgrund der Corona-Pandemie finden im Moment nur wenige Rogate-Gottesdienste statt. Die nächsten geplanten Termine sind: