Wilhelmshaven: Rogate-Kloster gibt Jade-Bad-Pläne auf

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Projekt-Skizze für das Jade-Bad

Das Rogate-Kloster wird seine Pläne für das soziokulturelles Projekt Jade-Bad am Ems-Jade-Kanal in Wilhelmshaven nicht weiter verfolgen. Seit vergangenem Jahr hatte der Berliner Verein bei Verantwortlichen in Verwaltung und Politik der Jadestadt für die Wiedereröffnung des Geländes geworben, auch um einen geplanten Abriss der Anlage zu umgehen.

Ziel war es, Begegnungs- und Gestaltungsmöglichkeiten für verschiedene Gruppen der Südstadt zu schaffen. Beispielsweise sollten ein Veranstaltungscafé für Senioren und Arbeitsmöglichkeiten für Geflüchtete durch die Pflege von Booten, Hühnerhaltung und eine Imkerei entstehen. In einem Teil des seit Jahren kaum genutzten Geländes sollten Übernachtungsmöglichkeiten für Rad- und Kanutouristen geschaffen werden. Es gab Überlegungen, die Paddel- und Pedal-Strecke mit dem Standort Sande zu koppeln.

Das Realisierung des Jade-Bad-Vorhabens sollte vor Ort in Zusammenarbeit mit dem Kirchenkreis und dem Diakonischen Werk erfolgen. Die Einrichtung wurde 1885 als Werftbadeanstalt der Kaiserlichen Werft errichtet. Von 1920 bis 1980 diente das Freibad der Allgemeinheit. Der noch heute sehr gute bauliche Zustand des Gebäudes hätte eine schnelle Umsetzung der Rogate-Pläne für eine Zwischennutzung begünstigt. Auf Einladung der Stadt Wilhelmshaven gab es mehrere Besichtigungen vor Ort.

Siehe auch:

Pressespiegel: „Altes Jadebad: Abriss weiterhin für das Jahr 2019 vorgesehen

Aktuell: „Schöneberger Erklärung für Vielfalt und Respekt“

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Teilnehmende am Runden Tisch im Rathaus Schöneberg (Foto: Stephanie Kuhnen)

Gestern fand auf Initiative des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (LSVD) im historischen Goldenen Saal des Rathauses Schöneberg ein Runder Tisch von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zu den Themen Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit statt.  Es nahmen Vertreterinnen  und Vertreter der Alt-Katholischen Kirche Berlin, der Baptisten Schöneberg, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg, des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus, des Liberal-Islamischen Bundes sowie des Rogate-Klosters Sankt Michael zu Berlin teil. Ebenso beteiligte sich Imam Ludovic-Mohamed Zahed aus Frankreich an dem vertraulichen Austausch. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft  von Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und fand auf Ihre Einladung hin im Rathaus statt.

Die Teilnehmenden am Runden Tisch verständigten sich unter anderem auf eine gemeinsame „Schöneberger Erklärung für Vielfalt und Respekt“ mit folgendem Wortlaut:

„Die am Runden Tisch beteiligten Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sind sich darin einig, dass niemand aufgrund seiner sexuellen oder geschlechtlichen Identität benachteiligt und diskriminiert werden darf. Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit sind weder sündhaft noch krankhaft. Wir begrüßen die Vielfalt des Lebens. Keine Weltanschauungs- und Religionsfreiheit kann es rechtfertigen, dass Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender Rechte abgesprochen werden. Und dennoch findet diese Instrumentalisierung weltweit statt, so auch in Deutschland und dessen Bundeshauptstadt Berlin.

Es kann nicht dem Selbstverständnis von Gläubigen und Mitgliedern von Weltanschauungsgemeinschaften entsprechen, sich über die Abgrenzung zu und die Ausgrenzung von homosexuellen und transgeschlechtlichen Menschen zu definieren. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Jeder Mensch hat das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und Partnerschaft. Kein Mensch darf dazu genötigt werden, sich zwischen seinem Glauben oder seiner Weltanschauung und seiner sexuellen oder geschlechtlichen Identität entscheiden zu müssen.

Wir appellieren gemeinsam in unserer Vielfalt und Unterschiedlichkeit an alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, sich für nicht-heterosexuelle Menschen zu öffnen und sie gleichberechtigt in allen Bereichen des religiösen und weltanschaulichen Lebens teilhaben zu lassen. Auch als Arbeitgeber sind die jeweiligen Gemeinschaften und die ihnen zugehörigen Einrichtungen aufgerufen, Angestellte ohne jede Vorbehalte oder Auflagen hinsichtlich ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität gleichwertig zu behandeln und zu beschäftigen. Mit gleicher Offenheit ist auch Ehrenamtlichen zu begegnen.“

Aktuell: EKBO-Abendforen zur Gleichstellung von Traugottesdiensten

Wir möchten gern einer Bitte der Landeskirche nachkommen und auf die folgenden Veranstaltungen hinweisen:

Landeskirchenweite Abendforen zur rechtlichen und liturgischen Gleichstellung von Traugottesdiensten für Paare in eingetragener Lebenspartnerschaft mit Gottesdiensten aus Anlass einer Eheschließung

Wenn zwei eins werden wollen, dann gehört es zu den schönsten Aufgaben von Pfarrerinnen und Pfarrer, für Paare da zu sein, die um Gottes Segen bitten. Auch wenn sich Partnerschaft und Ehe in unserer Zeit immer wieder wandeln, so bleiben sie doch randvoll gefüllt mit Sehnsüchten, Hoffnungen und einem großen Versprechen. Darum feiern wir sie in unseren Kirchen, wissend, wie gefährdet und begrenzt gemeinsame Lebenszeit sein kann.

Ehepartner haben die Möglichkeit, in einem Traugottesdienst ihre gemeinsame Zukunft unter Gottes Gebot und Verheißung zu stellen. Gleichgeschlechtliche Paare lassen sich in Gottesdiensten für ihren gemeinsamen Lebensweg Gottes Segen zusprechen.

Propst Dr. Christian Stäblein (Bild: EKBO)

Propst Dr. Christian Stäblein (Bild: EKBO)

Die von der Landessynode der EKBO beabsichtigte rechtliche und liturgische Gleichstellung von Traugottesdiensten für Ehe als auch für gleichgeschlechtliche Partnerschaft hat gute Gründe. Ihnen ist der Diskurs verschiedener Abende gewidmet.

Reden Sie mit Propst Stäblein über das Vorhaben, Paare zu trauen, die als Mann und Mann oder Frau und Frau verbunden leben. An mehreren Abenden wird er dazu an verschiedenen Orten unserer Landeskirche bereit sein.

Abendforen im Sprengel Berlin:

  • Dienstag, 12. Januar 2016, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Breitscheidplatz, 10787 Berlin, 19-21 Uhr

Abendforen im Sprengel Potsdam:

  • Montag, 25. Januar 2016, Ev. Stadtkirche St. Nicolai, Havelstraße 28, 16515 Oranienburg, 19-21 Uhr
  • Montag, 22. Februar 2016, Ev. Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg, Klosterkirchplatz 20, 14797 Kloster Lehnin, 19-21 Uhr

Abendforen im Sprengel Görlitz:

  • Dienstag, 05. Januar 2016, Haus Plitt, Bauzener Straße 21, 02906 Niesky, 19-21 Uhr
  • Freitag, 22. Januar 2016, Kirchengemeinde Werben/Spreewald, Am Anger 2, 03096 Werben, 19-21 Uhr
  • Dienstag, 26. Januar 2016, Dom St. Marien, Domplatz 10, 15517 Fürstenwalde/Spree, 19-21 Uhr
  • Mittwoch, 17. Februar 2016, Ev. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Lübben, Paul-Gerhardt-Straße 2, 15907 Lübben, 19-21 Uhr

Bibel für die Augen: Vom reichen Mann und armen Lazarus.

Das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus (Lukas 16, 19-31) erzählt dieses Fensterbild von Alfred Kothe in unserer gastgebenden Zwölf-Apostel-Kirche zu Schöneberg:

Vom reichen Mann und armen Lazarus„Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren und begehrte sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre.

Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben. Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen. Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet und du wirst gepeinigt. Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, dass niemand, der von hier zu euch hinüberwill, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber.

Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun. Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.“

Bibel für die Augen: Die Glasfenster in der Zwölf-Apostel-Kirche SchönebergHinweis: Jeden Tag stellen wir bis zum Monatsende ein anderes Fensterbild auf unserer Facebook-Seite vor. Folgen Sie diesem Link und schauen Sie, wie der Künstler Alfred Kothe biblische Geschichten auf Bildern aus Glas und Blei nacherzählt.

Bibel für die Augen: Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

Gleichnis vom barmherzigen Samariter Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10, 25-37) erzählt dieses Fensterbild von Alfred Kothe in unserer gastgebenden Zwölf-Apostel-Kirche zu Schöneberg:

„Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst« Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster?

Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme.

Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!“

Bibel für die Augen: Die Glasfenster in der Zwölf-Apostel-Kirche SchönebergHinweis: Jeden Tag stellen wir bis zum Monatsende ein anderes Fensterbild auf unserer Facebook-Seite vor. Folgen Sie diesem Link und schauen Sie, wie der Künstler Alfred Kothe biblische Geschichten auf Bildern aus Glas und Blei nacherzählt.

Respekt vor der Vielfalt der Schöpfung: Eine offene und einladende Kirche ist möglich.

Rogate Kl_Postkarte_Messe Stadtfest 2014_180315 (verschoben) 3 KopieZu den Werten unseres Klosters gehören der Respekt vor der Vielfältigkeit der Schöpfung Gottes und die Akzeptanz des Glaubens, der Konfession, der Liebe, Freundschaft und Gemeinschaft für alle, die begehren dem Evangelium zu folgen, unabhängig von ethnischem Hintergrund, Geschlecht, geistiger und körperlicher Einschränkung oder sexueller Identität.

Wir laden ein: Freitag, 19. Juni 15 | 19:30 Uhr, Eröffnungsgottesdienst des 23. lesbisch-schwulen Stadtfestes des Regenbogenfonds e.V., Predigt: Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg. Mit dem Friedenauer Posaunenchor,  Bezirksbürgermeisterin Angelika SchöttlerDekan Ulf-Martin Schmidt und Vikarin Anna Trapp. Orgel: Malte Mevissen.

Rückblick: Trauer-Engagement auf den Zwölf-Apostel-Kirchhöfen beendet

Das Andachtsteam des Rogate-Klosters in der Kirchhofskapelle

Seit Anfang 2013 hat das Rogate-Kloster an jedem 2. Sonnabend im Monat zu einer Andacht für Trauernde in Schöneberg eingeladen. Zudem gab es seit 2011 Führungen, besondere ökumenische Gottesdienste und Gräbersegnungen in Zusammenarbeit mit der Alt-katholischen Gemeinde Berlin und den Baptisten Schöneberg. Auch konnten Trauernde die Namen ihrer Angehörigen für Fürbitten per Postkarte oder Mail mitteilen.

Unseren Einsatz für die Kirchhöf der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde stellen wir zum Jahresende 2014 ein. Am Sonnabend, 13. Dezember, feierten wir in der Kapelle auf dem Neuen Zwölf-Apostel-Kirchhof unser letztes Mittagsgebet für Trauernde.

Herzlichen Dank allen Unterstützern und Spendern, die unsere Arbeit für Trauernde auf den Kirchhöfen ermöglicht haben.

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Dienstag, 16. Dezember 2014 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.Einladung Lichtvesper
  • Donnerstag, 18. Dezember 2014 | 19:30 Uhr, Adventsandacht, Zwölf-Apostel-Kirche. Orgel: Malte Mevissen. Hier die Liturgie der Andacht.
  • Dienstag, 23. Dezember 2014 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Sonnabend, 27. Dezember 2014 | 18:00 Uhr, Lichtvesper, Kapelle Zwölf-Apostel-Kirche (mit der Alt-katholischen Gemeinde)
  • Zwischen dem 27. Dezember und dem 13. Januar 2015 halten wir eine gottesdienstliche Winterpause.

Erreichbar ist die Zwölf-Apostel-Kirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln und über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). PKW-Stellplätze vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße.

Predigt zur „Euthanasie“-Ausstellung: „Keiner gehört in eine besondere Ecke“

Pfarrerin Barbara Eschen im Gespräch mit dem Initiator der Ausstellung, Michael Gollnow

Schirmherrin Pfarrerin Barbara Eschen predigte zur Eröffnung der Ausstellung „Töten aus Überzeugung“ am 20. Juli 2014 im Rogate-Kloster St. Michael zu Berlin. Wir dokumentieren hier die Ansprache der Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz:

„Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde. Und Gott sah, dass es gut war“, lautete 1979 die Jahreslosung aus dem 1. Buch Mose. Dazu schrieb der Autor Fredi Saal seine Gedanken auf. Er frage sich, „wie viele Christen […] sich wohl in Verbindung mit der Existenz von Behinderten des Sprengstoffes in diesem Bibelwort bewusst“ seien. Denn noch immer gelte es „in weiten Kreisen als unumstößliche Ansicht, der behinderte Mensch verdiene wegen seines Schicksals in besonders hohem Maße das Mitgefühl seiner Umwelt […] Da ist vom ‚schrecklichen’, ja ‚grausamen’ Schicksal die Rede, von ‚schwerer Last’ – und natürlich von Krankheit und Leid. Ohne im Geringsten auf die begleitenden Umstände zu achten, gilt der Behinderte von vornherein als mitleidens- und bedauernswert.“ Dieser Umstand sei erstaunlich. Denn angesichts der Einschätzung, dass die Schöpfung des Menschen gut war, grenze die genannte Ansicht an eine Gotteslästerung. Die Auffassung jedenfalls, „Behinderung müsse a priori mit Leid verbunden sein“ sei „ausschließlich in der Phantasie der Unbetroffenen angesiedelt“. Er jedenfalls leide trotz seiner Bewegungseinschränkungen und seines gehemmten Sprachvermögens nicht mehr als andere Menschen. Erst recht sehe er keinen Anlass für die Sehnsucht, ein anderer zu sein. „Und wie sollte ich auch?! Um nicht behindert zu sein, müsste ich ja jemand anders ein wollen. Nicht dieser Fredi Saal. Eine reichlich absurde Idee! Zu meiner Existenz, die ich mit niemandem teile, gehört notwendigerweise meine Behinderung. Sonst wäre ich nicht dieser eine bestimmte Mensch, der ich bin, sondern ein x-beliebiger anderer.“ Das Leiden jedenfalls „liegt nicht an der Behinderung; es wird von dem verursacht, der mich wegen der Behinderung in die Leidensecke stellt und eifrig darüber wacht, dass ich sie nicht verlasse“. Die Pointe des ersten Schöpfungsberichts jedenfalls weise in eine ganz andere Richtung: Sie ermutigt Menschen mit Behinderung, sich nicht so sehr als leidgeprüft und genauso wenig als Schöpfungspanne zu verstehen. „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde? – Ich jedenfalls fühle mich als Spastiker als eine Schöpfung Gottes – und zumindest die Christen sollten es auch tun!“

Ein beeindruckendes Bekenntnis! Wer kann das schon mitsprechen: „Ich fühle mich als Geschöpf Gottes, und das ist gut?! Die meisten von uns sind doch eher mit sich unzufrieden: Da stören Falten beim morgendlichen Blick in den Spiegel, die Pfunde auf der Waage, die geringe Frustrationstoleranz und … Wer mag schon von sich sagen: „Ich bin Geschöpf Gottes, ich bin gut wie ich bin.“ Und so empfinde ich die Worte des Fredi Saal als ein ermutigendes Glaubenszeugnis: Ich bin ein Geschöpf Gottes und Gottes Schöpfung ist gut.

Aber: Mit diesem starken Selbstverständnis, Geschöpf Gottes zu sein, verbindet Fredi Saal den Appell: Stellt mich als behinderten Menschen nicht in die Leidensecke!

Menschen mit Behinderungen sind nicht leidgeprüft, sind erst recht keine Schöpfungspanne, sind nicht zu bedauern.

Was heißt: Leidensecke? – Bis Jahresende habe ich in der Hephata Diakonie in Hessen mit Menschen mit einer geistigen Behinderung, mit Lernschwierigkeiten oder mit chronischen psychischen Erkrankungen gearbeitet. Mehrfach habe ich von Gästen dabei die Reaktion geerntet: „Eure Arbeit ist toll. Aber ich könnte das niemals. Das viele Leid, mit dem ihr zu tun habt. Das könnte ich nicht aushalten.“

Fredi Saal sagt: Ich leide nicht mehr als andere Menschen auch. Diese Haltung habe ich auch bei den Menschen der Hephata Diakonie wahrgenommen. Sie widersprechen dem Gedanken, „arm dran zu sein“. Warum? Weil sie ernst und für voll genommen werden wollen. Weil sie nicht klein gemacht werden wollen, als angewiesen, hilfebedürftig, Opfer, an den Rand der Gesellschaft, in die Leidensecke geschoben. So auch der Appell von Fredi Saal: Stellt mich nicht in die Leidensecke!

Die Leidensecke ist ein ganz gefährlicher Ort! Das wird uns die Ausstellung „Töten aus Überzeugung“ vor Augen führen.

Die Ermordungen des NS-Regimes bauten dabei auf zwei wesentlichen Zeitströmungen auf: Euthanasie und Eugenik.

Euthanasie, die Tötung auf Verlangen

Ende des 19. Jahrhunderts bereits dachte man zunehmend: Behinderung ist Leid, Behinderung ist Last, Behinderung muss vermieden werden, Menschen mit Behinderung müssen von der Last ihres Lebens befreit werden, wenn sie das wollen. Sie müssen das Recht auf einen guten Tod, auf Selbstmord haben. Damit waren behinderte Menschen in die Leid-Ecke gestellt.

Aber schon im ersten Weltkrieg mischten sich in das Mitleid bald andere Motive: Man wollte und musste Geld sparen. Die Versorgungsprobleme der Zivilbevölkerung wuchsen und man wollte das Geld lieber für die Starken ausgeben als für Menschen, die als nicht leistungsfähig galten.

Eugenik und die Forderung von Sterilisation und Abtreibung

Und dann kam mit der Eugenik, der Pflege des Erbgutes, ein neuer Gedanke aus dem Wissenschaftsbereich auf: Behinderung und soziale Unangepasstheit wurden als vererbte Belastung für die anderen, für die Volksgemeinschaft gesehen. Im Interesse der Volksgesundheit, einer starken Gesellschaft sollte verhindert werden, dass chronische Erkrankungen, Behinderungen und sozial unangepasstes Verhalten weitervererbt werden.

Diesem Gedanken war auch die Innere Mission aufgeschlossen. 1931 sprachen sich führende Vertreter der Inneren Mission für umfassende Sterilisationen – auf freiwilliger Basis – aus. Dabei waren sie durchaus von einem völkischen Denken bewegt. D.h. es ging nicht um die Betroffenen, sondern um die Interessen der Mehrheitsgesellschaft – „Volkskörper, Volksgesundheit“.

An beide Strömungen konnte Hitler 1933 leicht sein Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses anknüpfen, das die Zwangssterilisation von 400 000 Menschen veranlasste, und auch viele Schwangerschaftsabbrüche (ab 1933/35).

Mit Euthanasie, der Tötung auf Verlangen, und Eugenik, der Unterbindung der Fortpflanzung, war der Weg für die Massenmorde des Naziregimes geebnet. Hitler und sein Regime haben das eugenische Denken für ihren Rassewahn genutzt. Nicht mehr nur Pflege des Erbgutes, sondern Reinhaltung der Rasse!

Die Ausstellung zeigt, dass Krankenmorde, die Ermordung von Menschen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen, sozial unangepasstem Verhalten, auf verschiedene Weise geschehen ist. Vielfach verdeckt, vor allem den Angehörigen verborgen. Auf fünf Wegen wurden die Krankenmorde durchgeführt:

In Kinderfachabteilungen und psychiatrischen Krankenhäusern durch Giftspritzen. Durch Sonderkommandos in den Ostprovinzen durch Erschießungen und Nahrungsverweigerung.

Später als Ermordung von arbeitsunfähigen Häftlingen in KZs und als wilde Euthanasie in Anstalten ebenfalls durch Nahrungsverweigerung.

In der T4 Aktion als systematisches Mordprogramm. In sechs Gasmordanstalten wurden Menschen systematisch, quasi automatisiert ermordet. 70 000 Menschen. Mit grauen Bussen transportiert, mehrfach verlegt, um Spuren zu verwischen, mit gefälschten Todesnachrichten an die Angehörigen.

Weil dies nicht geheim blieb, regte sich hier Widerstand. Auch von evangelischen Vertretern der Inneren Mission vor allem auf sogenanntem diplomatischen Weg in direkter Auseinandersetzung mit NS-Vertretern (z.B. Pfarrer Paul Gerhard Braune, Lobetal, der Material über die Tötungsaktionen gesammelt hatte und eine Denkschrift erstellte, die er 1940 in der Reichskanzlei vorlegte, vermutlich ohne große Wirkung.)

Wirkung hatten eher die Predigten von Bischof Clemens Graf von Galen in Münster, der 1941 eine Brandpredigt hielt, in der er die Krankenmorde geißelte: „Die kranken Menschen, die im Sinne des Regimes zu nichts mehr nütze seien, würden wie Maschinen behandelt. Und was tut man mit solch alter Maschine? Sie wird verschrottet. So dürfe man Menschen, die doch Mitmenschen seien, nicht behandeln.“

Bischof von Galen holt mit seiner Predigt die Menschen aus der Ecke, in die sie vom NS-Staat geschoben wurden, die Leidensecke, die zur Todeszelle wurde. Und er macht deutlich: Jeder Mensch mit Behinderung, jeder Kranke ist einer von uns. Bischof Galen nimmt die Gottebenbildlichkeit ernst. Jeder Mensch ist Geschöpf Gottes. Provokativ weist Galen darauf hin, dass die kriegsversehrten Soldaten auch zu den „Unproduktiven“ zählen, und deutet damit an, dass sie Euthanasieopfer werden können.

Die T4 Aktionen wurden auch aufgrund von Druck aus dem Ausland offiziell eingestellt. Tatsächlich ging das Morden weiter. Mindestens 200 000 Menschen wurden durch Krankenmorde ums Leben gebracht.

Es ist eine unfassbare Zahl. Unvorstellbar die Not der Betroffenen, das Unrecht ihrer nicht gelebten Leben. Wie viele Menschen haben als Angehörige gelitten! Es gibt hier keinen Trost und keine Erklärung, keine Entschuldigung, nur Entsetzen!

Unfasslich auch, dass die Krankenmorde bis in die 1980er Jahre verschwiegen wurden. Auch in diakonischen Einrichtungen. Weil die Menschen meist mehrfach verlegt wurden und über staatliche Einrichtungen in die Gaskammern kamen, fühlte man sich nicht beteiligt. In der Hephata Diakonie wurde seit 1981 geforscht und Ende der 90er Jahre ein Mahnmal errichtet, das an 388 Opfer erinnert, die von dort verlegt wurden. Es war schwierig und mühsam, die Wege der Einzelnen aufzufinden und nachzuweisen. Das Mahnmal steht im Zentrum des Hephata-Geländes, neben der Kirche. Eingefügt sind Holzbohlen, Stufen des Wohnhaushauses, aus dem die meisten frühmorgens abgeholt und in die grauen Busse gezwungen wurden. Jedes Jahr wird in einem Gottesdienst dort am Mahnmahl an die Ermordeten gedacht. Gemeinsam beten dort Menschen mit Behinderungen, Schüler, Mitarbeiter, Gäste. Halten Stille, wie nie im ganzen Jahr sonst.

Was wir Heutigen tun können, ist gedenken, unseren Respekt zeigen, beten und uns darauf besinnen: Jeder Mensch ist, wie er ist, Geschöpf Gottes. Fredi Saal zeigt uns, dass wir gut bedenken müssen was das heißt: Gottes Ebenbild. Wir sind nicht Gottes Ebenbilder, weil wir vollkommen wären, begabt, intelligent. Wir sind nicht Gottes Ebenbilder, weil wir seine Liebe und Güte abbilden könnten. Wir sind seine Ebenbilder, weil er uns nimmt, wie wir sind, unvollkommen, zerbrechlich, jeder von uns. Gott bleibt mit uns in Beziehung auch in den dunkelsten Stunden.

Die Leidensecke ist für Menschen mit einer Behinderung gefährlich. Zum Glück hat sich inzwischen viel geändert. Wir sind viel aufmerksamer. Ja, sicher. Aber auch heute werden Menschen mit einer geistigen oder seelischen Behinderung manchmal gesondert behandelt. Beispielsweise werden sie häufig als „Neutren“ betrachtet oder als „ewige Kinder“. Sexuelle Bedürfnisse werden ihnen nicht zugestanden. Ihre Sexualität wird tabuisiert. Dass wir in der Hephata Diakonie Sexualseminare für Menschen mit Behinderungen angeboten haben, dass wir eine Partnervermittlung organisiert haben, wurde von der Bevölkerung und auch von den Eltern teilweise skeptisch beäugt. “Muss das sein?“ Auch dass Menschen mit Behinderungen als Paare zusammenleben. Und dass Frauen nicht ungefragt und gegen ihren Willen einfach Verhütungsmittel gegeben werden dürfen. „Muss das sein?“ Ja, unbedingt, ja. Denn jeder Mensch ist Geschöpf Gottes mit allen seinen Seiten, und seine und ihre Persönlichkeitsrechte sind uneingeschränkt zu schützen.

Keiner gehört in eine besondere Ecke, auch nicht in gut gemeinte Ecken. Deshalb ist Inklusion unaufgebbares Ziel. Das bedeutet: Jeder gehört dazu. Von Anfang an und bis zuletzt ist Leben unantastbar! Jeder muss dabei sein können. Jeder für sich selbst sprechen können. Nichts ohne uns, über uns – fordern Menschen mit Behinderung. Recht haben sie. Auch deshalb finde ich es gut, mir von Fredi Saal sagen zu lassen, dass jeder Mensch Geschöpf Gottes ist.“

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Hinweise zur Ausstellung:

Die Ausstellung ist bis zum 30. August im Rogate-Kloster St. Michael in der Zwölf-Apostel-Kirche zu sehen: Mittwochs und donnerstags, von 10:00 bis 12:00 Uhr, sonnabends von 11:00 bis 15:00 Uhr sowie zeitlich eingeschränkt vor und nach den Gottesdiensten.

Erreichbar ist die Zwölf-Apostel-Kirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln und über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). PKW-Stellplätze sind vorhanden vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße.

Weitere Informationen: Das Plakat zur Ausstellung finden Sie hier. Hier der Einladungsflyer zur Ausstellung “Töten aus Überzeugung”. Ein Interview mit dem Initiator Michael Gollnow finden Sie hier.

Information zur Ausstellung in polnischer Sprache:

W niedzielę, 20 lipca, zostanie otwarta wystawa objazdowa pod tytułem „Zabijanie z przekonania“, która informuje w trzech językach (polskim, niemieckim oraz angielskim) o morderstwach narodowych socjalistów w ramach akcji „eutanazja“ na 300 000 osobach umysłowo upośledzonych lub psychicznie chorych w Niemczech i w Europie. Wstęp na wystawę jest bezpłatny.

Nabożeństwo otwierające wystawę odbędzie się w niedzielę, 20 lipca, o 10 godz. w Kościele Dwunastu Apostołów (Zwölf-Apostel-Kirche) przy ulicy An der Apostelkirche 1 (10783 Berlin), niedaleko stacji metra Nollendorfplatz. Wystawę będzie można zwiedzać w Kościele Dwunastu Apostołów do 30 sierpnia br., w środy i czwartki od 10 do 12 godz., a w soboty od 11 do 15 godz. oraz przed i po nabożeństwach.

Wystawa „Zabijanie z przekonania“ została przygotowana przez Pinel gemeinnützige Gesellschaft mbH z Berlina, która razem z Klasztorem Rogate Św. Michała w Berlinie organizuje ww. wystawę w Kościele Dwunastu Apostołów. Wystawa została umożliwiona przez finansowe wsparcie Der Paritätische Berlin, berlińskiej organizacji obejmującej ponad 700 niezależnych organizacji pożytku publicznego.

EKBO: Landeskirche erkennt Rogate-Kloster an

Das Vortragekreuz des Rogate-Klosters

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hat das Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin als „geistliche Gemeinschaft“ und Teil der Kirche anerkannt. Die Kirchenleitung hofft auf einen „Impuls zum geistlichen Leben in der Landeskirche“. Der Entscheidung war eine Visitation des Kirchenkreises Schöneberg und eine intensive Prüfung der Anliegen des Klosters durch das Konsistorium vorausgegangen.

Auf Einladung der Schöneberger Zwölf-Apostel-Gemeinde ist das Kloster bzw. seine Vorgängerinitiative seit 2008 in den Räumen der Kirchengemeinde zu Gast. Mehrmals wöchentlich feiern die Konventsmitglieder öffentlich Gottesdienst in der Nähe des Nollendorfplatzes gelegenen Kirche und laden zu Veranstaltungen in das Gemeindehaus ein. Rogate engagiert sich u.a. für die gemeindeeigenen Kirchhöfe durch Fürbitt-Andachten auf den Friedhöfen für ordnungsbehördlich bestattete Verstorbene, die ohne kirchliche Trauerfeier beigesetzt wurden.

Die EKBO-Kirchenleitung hält in ihren Beschluss eine Arbeitsteilung zwischen der Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde und dem Kloster „bis hin zur Übernahme gemeindlicher und kirchlicher Aufgaben durch die Kommunität“ für wünschenswert.

Die ökumenisch orientierte Rogate-Gemeinschaft ist aktuell auf der Suche nach eigenen Räumlichkeiten um Spiritualität, Wohnen, Bildungsarbeit und soziales Engagement zu verbinden. Zum Kloster gehören 20 Christen aus verschiedenen Kirchen, die sich als Unterstützende oder Janitoren zur Klosterzugehörigkeit verpflichtet haben. Derzeit drei Brüder bilden den Konvent der Rogate-Gemeinschaft. Sie hat sich eine Ordnung gegeben, die sich an der Ordensregel des Heiligen Augustinus orientiert.

Ehrenmitglieder des Trägervereins des Klosters sind u.a. Pater Klaus Mertes SJ und der Bischof von Saltillo, José Raúl Vera López.

Das Logo der EKBODas Kloster soll, so die Leitung der rund 1,2 Millionen evangelische Christen zählende Landeskirche, in das Projekt „Kleine geistliche Gemeinschaften“ des landeskirchlichen Reformprozesses eingebunden werden. Der Aufsicht zugeordnet ist das Kloster der Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein. Zur EKBO gehören 1.500 Kirchengemeinden, die in 35 Kirchenkreisen und drei Sprengeln organisiert sind. Prior des Klosters ist Br. Franziskus RGSM.

Aktuell: Die Rogate-Winterkapelle in Zwölf-Apostel.

Die Rogate-Kapelle in der Zwölf-Apostel-KircheDas Gebäude der Zwölf-Apostel-Kirche verfügt über ein paar Nebenräume, die den meisten Besuchenden der Gemeinde eher verborgen bleiben. Reichlich Platz bieten beispielsweise die Emporen, im Turm gibt es verschiedene Abstellflächen und kleine Kammern beherbergen u.a.  den Schaltkasten für die Glocken, Putzmittel oder den Kasten mit Gesangbüchern, wenn die vorhandenen in der Kirche mal nicht reichen sollten.

Zur Kirche gehören zwei Sakristeien neben dem Chor (dem Altarraum), eine auf der Ostseite, die andere auf der Westseite. Die eine dient eher technischen Zwecken und zur Aufbewahrung von Material für die Kirche, der Paramente und der Lautsprechersteuerung.
Die andere Sakristei wird am Sonntag von den Pfarrern zur Vorbereitung auf den Gottesdienst gebraucht, sie wird zudem nun bereits den zweiten Winter als Kapelle für das Rogate-Kloster genutzt. Neu ist die Nutzung des Raumes als Kapelle nicht, bereits vor Jahrzehnten hatte die Gemeinde hier eine feste Kapelle eingerichtet., um einen guten Ort für kleinere Gottesdienste und für die Seelsorge vorzuhalten. Teile der damaligen Raumausstattung sind heute in der Kirche zu sehen, z.B. der kleine Glastisch im Altarraum.

Zeiten der Winter-Horen Rogate-KlosterDie bunten Darstellungen in den Kapellenfenstern vom Künstler Alfred Kothe spielen bei den abendlichen Wintergottesdiensten eine eher geringere Rolle, da sie durch die Dunkelheit nicht zu sehen sind. Der Raum hat eine hervorragende Akustik, bei der das Singen von Chorälen und Psalmen zur reinen Freude macht. Zentrum ist das farbige Franziskus-Kreuz an der Wand, welches alle Blicke auf sich zieht. Zu den Rogate-Gottesdiensten gehören meist bei reduziertem Licht auch viele Kerzen, die der Sammlung und Konzentration dienen.

Die Rogate-Stundengebete (Horen) in der Kapelle, dazu gehören die Vesper und die Komplet (das Nachtgebet der Kirche), beginnen eher ruhig. Bereits während des Glockenläutens sitzt ein Großteil der Teilnehmenden still in der Kapelle, um sich zu sammeln und zu konzentrieren. Dies geschieht ganz bewusst, denn die Andachten sollen einen Kontrapunkt zur Unruhe des Tages setzen.

Wenn die kleine Glocke ausgeläutet hat und der Stundenschlag vorbei ist, erheben sich alle zur Eröffnung von ihren Stühlen. In der Tradition der Klöster wird der Vesper-Liturgie ein Stück der Ordnung der Komplet vorangestellt (wenn diese nicht noch spät am Abend gebetet wird). Der Ablauf, so wie es im Rogate-Kloster gefeiert wird, ist im Evangelischen Gesangbuch zu finden. Beginn mit der Nummer 786.1, anschließend geht es weiter mit der Nummer 785ff. Zudem werden Psalmen aus dem „Psalter“, dem Buch mit den 150 Psalmen der hebräischen Bibel, gesprochen, die zusätzlich zum Mitlesen ausliegen. Für Teilnehmende, die sich sonst nur den Sonntagsgottesdienst besuchen, ist der Ablauf eher ungewohnt, kann aber einen besonderen spirituellen Zugang zum Gebet ermöglichen und wird durch die Teilnahme schnell verständlich..

Im Winterhalbjahr lädt Rogate in die Kapelle zur Vesper Dienstags (19 Uhr) und am Donnerstag wechselnd zur Komplet oder zur evangelischen Messe (19.30 Uhr) ein. Der kleine Raum bietet Platz für zwölf Teilnehmende, die sich gegenüber sitzen. Die Sitzordnung kommt aus der Tradition der Klöster, d.h. man sitzt sich gegenüber, um sich in den Wechselgesängen der Psalmen abzuwechseln bzw. um sie sich zuzusprechen. Die Kapelle hat einen eigenen Zugang gegenüber vom Pfarrhaus. Ein Schild am Geländer hilft, den Eingang zu finden. Die Zwölf-Apostel-Kirche hat viele Räume. Gut, sie mit Leben zu füllen. Herzlich willkommen! (Autor: Janitor Chr. M.)

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