Grußwort: Bürgermeister Uwe Reese begrüßt Bischof Matthias Ring

Folgendes Grußwort hat Wilhelmshavens Bürgermeister Uwe Reese am Donnerstag, 12. September 2019, im Küstenmuseum Wilhelmshaven gesprochen. Er begrüßte Bischof Dr. Matthias Ring. Dieser hielt den Vortrag „Frieden und Toleranz in der Alt-katholischen Kirche„.

„Das 150jährige Stadtjubiläum, das wir ganzjährig feiern, hat einiges in Wilhelmshaven verändert. Nach meiner Wahrnehmung ist bei der Fülle von Veranstaltungen ein „Wilhelmshaven-Gefühl“ entstanden. Die Bürgerinnen und Bürger sind zusammen gerückt.

So viele positive Reaktionen zu dem Geschehen in unserer Stadt habe ich noch nie erlebt, und ich lebe immerhin schon seit mehr als 70 Jahren in meiner Geburtsstadt Wilhelmshaven.

Mit der Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt. 150 Jahre religiöse Vielfalt an der Jade““ und der „Politikerkanzel: Was mich treibt“ demonstrieren die Kirchen in unserer Stadt die ökumenische Vielfalt in beeindruckender Weise.

Ich bin mir sicher, dass Erleben der religiösen Vielfalt im Küstenmuseum entfaltet den erhofften nachhaltigen Effekt zu mehr Toleranz im Miteinander der Religionen.

Bruder Franziskus, das muss jetzt sein, Sie sind der Motor der Aktivitäten. Dafür spreche ich Ihnen meine Hochachtung aus und verbinde das mit dem Dank im Namen von Rat und Verwaltung der Stadt für ihr außergewöhnliches Engagement, das ich bei der Eröffnung der Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt.“  live erleben durfte. Sie haben praktisch bis zur Begrüßung gewerkelt, um die Exponate ins rechte Licht zu rücken.

Heute Abend hören wir den letzten Vortrag im Kontext der Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt“. Ihr Referat, Herr Bischof, „Frieden und Toleranz in der Alt-katholischen Kirche“ bildet den Abschluss einer Vortragsreihe mit diversen Einblicken in verschiedene Religionen und Konfessionen.

Ich darf sie ganz herzlich im Namen von Rat und Verwaltung  der Stadt Wilhelmshaven begrüßen. Kennen gelernt haben wir uns bereits gestern Abend in der Banter Kirche, in der Sie bei der Veranstaltung „Politikerkanzel“ mitgewirkt haben.

Liberales Judentum, reformierte Theologie, Buddhismus oder der Blick in die Geschichte Wilhelmshavens – alles fand Platz in einem spannenden Reigen hoch interessanter Vorträge in Hörweite der Sonderschau „Wilhelmshaven glaubt.“.

Ihr Vortrag, Herr Bischof, schließt den Reigen der die Sonderschau begleitenden Veranstaltungen. Wir alle sind gespannt auf ihre Ausführungen zu Frieden und Toleranz in der Alt-katholischen Kirche, deren amtlicher Name Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland lautet. Das Bistum ist eine selbständige katholische Kirche innerhalb der Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen, und Sie wurden am 20. März 2010 in der evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe in ihr Amt eingeführt.

Herr Bischof Dr. Ring, Sie haben bereits gestern Abend in der Banter Kirche mit gewirkt bei der Sommerreihe „Politikerkanzel: Was mich treibt“, bei der der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil eindrucksvoll schilderte, was ihn treibt, Politik zu machen.

Sie haben sich in Wilhelmshaven aber auch informiert über das mittlerweile mehrjährige Engagement des Rogate-Klosters in unserer Stadt und dabei mit Verantwortlichen von Kirche und Diakonie Gespräche geführt.

In Wilhelmshaven gibt es einen Arbeitskreis um Bruder Franziskus, der sich mit der Idee „House of One“ nach Berliner Vorbild beschäftigt.

Deshalb freuen wir uns in Wilhelmshaven besonders über ihren Besuch, signalisieren Sie damit doch ihre Unterstützung für die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft Religionenhaus und ihr Interesse am Wirken des von ihrem Bistum anerkannten Rogate-Klosters.

Schließen will ich mit einem Zitat des 2007 verstorbenen deutschen Philosophen Carl-Friedrich-von Weizäcker: „Die Kirche hat nicht den Auftrag, die Welt zu verändern. Wenn Sie aber ihren Auftrag erfüllt, verändert sich die Welt“.

Für die Stadt Wilhelmshaven stelle ich fest – die Kirche hat im Jubiläumsjahr 2019 ihren Auftrag erfüllt.“

Bürgermeister Uwe Reese, Stadt Wilhelmshaven

Rückblick: Vor zehn Jahren Gründung der Ökumenischen Rogate-Initiative

(Bild: Rogate-Kloster)

Heute vor zehn Jahren: Am 9. September 2009 haben sich zur Rogate-Gründung (Ökumenische Rogate-Initiative e.V.) zehn Menschen in der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde zusammen gefunden, die in ihrer Unterschiedlichkeit einiges gemeinsam erreichen wollten – und auch erreicht haben.

Ein Jahr später, am 29. September 2010, gründeten die Engagierten das ökumenische Rogate-Kloster Sankt Michael.

Grußwort von Senator Dr. Klaus Lederer zum Eröffnungsgottesdienst des 27. Stadtfestes Berlin

Grußwort zum Eröffnungsgottesdienst des 27. Lesbisch-schwulen Stadtfests am Freitag, 19. Juli 2019, 19.30 Uhr, Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin

Dr. Klaus Lederer (Foto: DiG/Trialon)

Wenn wir an diesem Wochenende das lesbisch-schwule Stadtfest feiern, wird hier in Schöneberg wieder die ganze Vielfalt der queeren Community unserer wunderbaren Metropole Berlin, dieser Hochburg des von der Hetero-Norm Abweichenden, zusammenkommen.

So mannigfaltig wie die sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten innerhalb der queeren Community sind auch die von uns gehegten und gelebten religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen und Zugehörigkeiten.

In der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und inter* Community wissen wir darum, dass diese Vielfalt eine Stärke ist, dass sie unser Zusammenleben bereichert und spannend macht. Für die religiöse und weltanschauliche Vielfalt Berlins gilt das genauso.

Deshalb müssen wir, wenn wir gegen gesellschaftliche Spaltungen, Diskriminierung und Intoleranz ankämpfen wollen, den interreligiösen, religionsübergreifenden Dialog stärken, aber natürlich auch den intra-religiösen Dialog und Austausch über die Diversität innerhalb der jeweiligen Glaubens- und Weltanschauungsgemeinschaften.

Der heutige Gottesdienst, der inzwischen selbst schon eine kleine Tradition ist, ist ein tolles Zeichen für mehr

Sichtbarkeit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in der christlichen Ökumene und ein wichtiger Beitrag zur Selbstverständigung einer Kirche über ihre Werte und Normen in der heutigen Zeit.

Aus all diesen Gründen und weil ich weiß, mit wie viel Herzblut und Hingabe das Rogate-Kloster diesen Gottesdienst jedes Mal aufs Neue gestaltet, freue ich mich sehr, heute wieder bei Ihnen und euch sein zu dürfen und im Namen des Regierenden Bürgermeisters und des Senats von Berlin die besten Grüße zu überbringen.

Wir alle wissen, dass viele Religionsgemeinschaften sich auch heute noch extrem schwer tun mit der Akzeptanz von Homo-, Bi-, Trans- oder Intersexualität.

Und wenngleich ich als für Religions- und Weltanschauungsfragen zuständiges Senatsmitglied die staatliche Neutralität in Bezug auf die Konfessionen zu wahren habe, will ich mir zumindest die eine Anmerkung erlauben, dass ich es durchaus bemerkenswert finde, dass die EKBO gleichgeschlechtlichen Paare in Berlin und Brandenburg seit Juli 2016 die kirchliche Trauung ermöglicht – und damit dem deutschen Bundestag ein gutes Stück voraus war. Auch die Präsenz mit eigenem Stand auf dem Motzstraßenfest unterstreicht, dass diese Hinwendung zur queeren Community ernst gemeint ist.

Das nötigt mir Respekt ab – und ich gebe zu, dass es mich durchaus freuen würde, wenn dieses Klima der Akzeptanz auch bei anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften inzwischen so eine Selbstverständlichkeit geworden wäre.

Apropos Selbstverständlichkeit: Auch wenn ich mich als schwuler Mann hier bei Ihnen und Euch unter Freundinnen und Freunden weiß, so besorgt mich doch das gesamtgesellschaftliche Klima der letzten Jahre, wenn hier und in nicht wenigen unserer Nachbarländer Gegnerinnen und (mehrheitlich männliche) Gegner der Gleichstellung großen Zuspruch erfahren, wenn völlig abstruse Attacken auf die Gender Studies und auf alles Nicht-Heteronormative medial eine erschreckend hohe Aufmerksamkeit erhalten.

Wenn man mir dann allenthalben erzählt, man müsse doch deren „Ängste“ vor zu rascher Modernisierung der Lebensweisen ernstnehmen, dann will ich zumindest, dass meine Angst davor, mich als schwuler Mann in diesem Land (wieder) vor Übergriffen und homophoben Hassverbrechen fürchten zu müssen, genauso ernst genommen wird wie deren Angst vor gleichen Rechten (die im Übrigen niemandem etwas wegnehmen außer einem symbolischen Privileg).

Hier gilt es, uns als queere Community nicht auseinanderdividieren zu lassen, denn auch ein halbes Jahrhundert nach Stonewall ist die Akzeptanz unserer gleichen Rechte leider keine Selbstverständlichkeit.

Noch immer werden HIV-positive Menschen stigmatisiert, noch immer leiden Transmenschen an einem hoffnungslos überkommenen, entmündigenden Transsexuellengesetz – der vorliegende Gesetzentwxurf der Bundesregierung bedeutet statt Selbstbestimmung für die Betroffenen nach wie vor eine einzige Schikane –, und noch immer sind lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und inter* Menschen in vielen Ländern staatlicher Repression und Verfolgung bis hin zur Todesstrafe – Brunei hat die Todesstrafe für gleichgeschlechtlichen Sex sogar 2019 extra eingeführt.

Für alle, die aus unterschiedlichsten Regionen vor solcher Verfolgung fliehen und bei uns Zuflucht suchen, müssen unsere Städte sichere Häfen sein. Berlin hat seine Bereitschaft dazu erklärt und wird sich gegenüber dem Bund weiter dafür einsetzen. Ich freue mich, die Kirchen in dieser humanitären Frage klar an unserer Seite zu wissen!

Uns allen wünsche ich jetzt noch einen schönen Gottesdienst, ein buntes und friedliches Stadtfest in Schöneberg und nächste Woche einen kämpferischen und lauten Christopher Street Day. Happy Pride!

Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa

Rückblick: Friedenspfahl-Enthüllung in Wilhelmshaven

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Vorlage der Agentur Nolte Kommunikation für die Friedensverse auf dem Pfahl vor dem Haus der Diakonie in Wilhelmshaven

Rückblick 2018: Mit einer Andacht übergab am 20. November Kreispfarrer Christian Scheuer den ersten Wilhelmshavener Friedenspfahl. Die Stele wurde von der Holzwerkstatt der VHS Wilhelmshaven und der Agentur Nolte Kommunikation gestaltet. Sie mahnt gemeinsam mit 250.000 Friedenspfählen in 191 Ländern in vielen verschiedenen Sprachen zum Frieden.

Ein Friedenspfahl wird, so erklärte Scheuer, nicht aufgestellt, sondern gepflanzt. So wie der Frieden nicht gesetzt werden könne, sondern wachsen müsse. Frieden sei ein Prozess und Arbeit. Niemals fertig im Sinne von abgeschlossen. So solle auch der Wilhelmshavener Friedenspfahl vorm Diakonischen Werk Ausgangspunkt aller werden, die sich für mehr Frieden einsetzen.
 
Der Friedenspfahl füge sich ein in die Versöhnungsarbeit in der Stadt Wilhelmshaven. Die beiden Weltkriege seien auch von Wilhelmshaven geführt worden und habe hier tiefe Wunden hinterlassen. Der holländische Friedenswunsch erinnere an die vielen niederländischen Zwangsarbeiter, die in Wilhelmshavener Lagern gelitten haben und gestorben sind.
 
Kritisch sieht Scheuer die aktuelle Tendenz weltweiten Wiederaufrüstens. Ein europäische Armee ist kein Fortschritt, mahnte der Kreispfarrer. Wir brauchen wirksame Schritte für einen globalen Frieden.
 
2018 11 20 FriedenspfahlenthüllungDie Aufstellung der Friedenspfähle wird von der Word Peace Prayer Society gefördert. Friedenspfähle gehen zurück auf eine Idee des japanischen Philosophen und Friedenskämpfers Masahisa Goi, der 1969 die ersten Gebetspfähle aufstellte.
 
Die Initiative zur Aufstellung des 1. Wilhelmshavener Friedenspfahls war von der Flüchlingsarbeit des Kirchenkreises Friesland-Wilhelmshaven ausgegangen und von der Stiftung Diakonie am Meer sowie vom Rogate-Kloster unterstützt worden. Der Pfahl trägt zudem die Logos des Kirchenkreises Friesland-Wilhelmshaven, der Stiftung Diakonie am Meer, der Diakonie Deutschland und des Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin.

Scheckübergabe: Sammlung bei den „Zehn Reden für die Stadt“ für die „Diakonie am Meer“

2018 Jannes Wiesner und Florian Wiese für Diakonie am Meer

Jannes Wiesner (li.) und Florian Wiese sammelten für „Diakonie am Meer“ (Bild: Diakonie/Axel Biewer)

Symbolischer Scheck für Stiftung „Diakonie am Meer“ übergeben

Für innovative und zukunftsweisende Projekte der Stiftung Diakonie am Meer in Friesland und Wilhelmshaven wurden bei der im Sommer stattfindenden Vortragsreihe „Zehn Reden für die Stadt“ jeweils Kollekten gesammelt. Bruder Franziskus Aaron vom Rogate-Kloster St. Michael, Initiator der Reihe, übergab zum Michaelisfest Stiftungsvorstand Klaus Lücken symbolisch einen Scheck über die Gesamtsumme in Höhe von 1.229,81 Euro. Der Betrag war bereits kurz nach Abschluss der Reihe überwiesen worden.
Unter anderem hatten Europaministerin Birgit Honé, Bremens Arbeitssenator Martin Günthner und der Landtagsabgeordnete Stefan Wenzel ihre Visionen zur Zukunft Wilhelmshavens und der Region vorgetragen.
Veranstalter der Sommerreihe „Zehn Reden für die Stadt“ zum Stadtjubiläums Wilhelmshavens waren der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, die Citykirche Wilhelmshaven (Christus- und Garnisonkirche) und das Rogate-Kloster Sankt Michael. Das Kloster plant zusammen mit dem Kirchenkreis für 2019 eine weitere Sommerreihe an einem anderen Ort.

Weitere Informationen: diakonie-am-meer.de

Rückblick: Diakonie-Präsident Ulrich Lilie hielt eine „Rede für die Stadt“

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Screenshoot Diakonie-Homepage

Heute vor einer Woche war Diakonie-Präsident Ulrich Lilie auf Einladung des Rogate-Klosters zu einem „UNERHÖRT! Forum“ in Wilhelmshaven, der zweiten Rogate-Wirkungsstätte.

„Wie geht es Ihren Alten? Wie geht es ihren Kindern, wie geht es Ihren Fremden in Ihrer Stadt?“, fragte Ulrich Lilie dann abends in der gut besuchten Christus- und Garnisonkirche. Der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, die Citykirche Wilhelmshaven und das Rogate-Kloster Sankt Michael haben Bürger der Stadt und des Landkreises sowie Prominente dazu eingeladen „Zehn Reden für die Stadt“ Wilhelmshaven und die Region zu halten. Präsident Lilie beschließt als zehnter Redner die Sommerreihe mit „Weltstadt Wilhelmshaven – eine Caring Community mit Zukunft“. In seiner Rede entwirft Lilie das Bild eines Gemeinwesens, in dem das aufmerksame Zuhören und Zusammenarbeiten die Basis eines Miteinanders wird, in dem alle Menschen – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – eine Heimat finden können: „Das Wir einer Gesellschaft entwickelt sich von unten, subsidiär. Darum gilt: Die Kommune ist der Ernstfall der Demokratie.“

Einen Rückblick und Bilder dazu hier.

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten:

Stadtfest-Eröffnung: Grußwort von Bürgermeister und Senator Klaus Lederer

Folgendes Grußwort hat der Bürgermeister und Senator für Kultur und Europa des Landes Berlin, Klaus Lederer, am Freitag auf Einladung des Rogate-Klosters im ökumenischen Eröffnungsgottesdienst zum 26. Lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin 2018 gehalten:

Liebe Schwestern verschiedenen Geschlechts und unterschiedlicher sexueller Orientierungen,

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Klaus Lederer im Rogate-Kloster (Bild. Marcel Talartsik)

morgen werden viele von uns einander wieder begegnen. Morgen ab 11 Uhr wird hier in Schöneberg das 26. Lesbisch-schwule Stadtfest Berlin gefeiert. Wenn wir an die medialen Darstellungen von CSD und Stadtfest in Berlin denken, sind Gottesdienste nicht das erste, was uns durch den Kopf geht in dieser Stadt, in der – wenn ich als Konfessionsloser mir dieses Wort borgen darf – die Schöpfung sich von ihrer buntesten Seite zeigt. Dass sowohl am Vorabend des Stadtfests als auch nächste Woche am Vorabend des CSD neben den allgegenwärtigen Partys auch Gottesdienste zur Eröffnung stattfinden, zeigt uns die Vielfalt auch innerhalb der queeren Communities unserer Stadt. Und das war vor nicht allzu langer Zeit so kaum vorstellbar. Traugott Roser hat das in seiner Predigt vorhin sehr anschaulich geschildert.

Im Jahr 2017 hat die Initiative HuK – Homosexuelle und Kirche – ihr 40. Jubiläum gefeiert. Sie mussten sich unter ihresgleichen durchsetzen, nicht selten scheel beäugt von den nichtkonfessionellen Queers.

Der heutige Gottesdienst ist eine tolle Initiative der inzwischen traditionsreichen alt-katholisch-evangelischen Ökumene im Rogate-Kloster.

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Stadtfesteröffnung am 20. Juli 2018. 3.v.l: Klaus Lederer. (Bild. Marcel Talartsik)

Als für Religions- und Weltanschauungsfragen zuständiges Senatsmitglied habe ich die staatliche Neutralität in Bezug auf die Konfessionen zu wahren; selbst keinem Glauben anzugehören kann dabei vielleicht manchmal hilfreich sein. Erlaubt sei mir an dieser Stelle daher nur der Hinweis, dass ich es enorm schätze, wie das Rogate-Kloster für Werte eintritt, die Sie aus Ihrem christlichen Glauben ableiten, andere tun das aus anderen Quellen und Gründen: für Respekt und Akzeptanz, für Freiheit und Menschenrechte, für Empathie, Barmherzigkeit, Solidarität.

Wir bekommen in diesen Tagen wieder sehr deutlich vorgeführt, welchen Unterschied ums Ganze es machen kann, ob Menschen den christlichen Glauben, auf den sie sich berufen, ernst nehmen oder nicht. Wenn jemand, der allergrößten Wert auf das „C“ legt, sich zu seinem Geburtstag über abgeschobene Geflüchtete freuen kann und auch sonst keinen Zweifel daran lässt, jeden Rest von Mitgefühl und Anstand aus Gründen der politischen Opportunität abgelegt zu haben, dann freue ich mich über die deutlichen Widerworte aus den Kirchen.

Egal ob wir unsere Werte christlich oder aus einem anderen Glauben oder humanistisch begründen: Ich bin davon überzeugt, dass Berlin ein sicherer Hafen sein muss für Menschen, die in ihrer Heimat nicht mehr bleiben können, sei es, weil sie für ihre politischen Ansichten verfolgt werden, aufgrund ihres Glaubens, ihrer geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung.

Berlin als Stadt, deren Herz keine Mauern kennt und keine Grenzzäune, die Notleidende aufnimmt, die keine*n zurücklässt und jeden Menschen nach ihrer oder seiner Façon glücklich werden lässt: Wenn wir als Stadt diesen Anspruch ernst nehmen und unser Handeln danach ausrichten, dann haben wir es verdient, Berlin und seine Vielfalt zu feiern – das tun wir dieses Wochenende bei unserem Stadtfest, und nächste Woche beim CSD.

Gestatten Sie mir noch eine Anmerkung zum heutigen Datum. Es ist der 20. Juli, der Tag, an dem wir des Widerstandes gegen das Naziregime aus allen gesellschaftlichen Schichten, quer über politische Überzeugungen hinweg, konfessionslose und gläubige Menschen gedenken. Deutschland hat sich nicht selbst vom Nationalsozialismus befreit, und für die Homosexuellen war, wie der Historiker Julius H. Schoeps einmal anmerkte, 1945 das Dritte Reich nicht zu Ende. Wenn wir in diesen Pride Weeks feiern, so ist das auch ein Moment von Selbstbehauptung, und wir sollten immer daran denken, dass das Erkämpfte, Erreichte, niemals dauerhaft garantiert ist, sondern immer wieder neu errungen werden muss. In diesem Sinne will ich angesichts der aktuellen politischen Entwicklungstrends in unserer Gesellschaft auf das „Niemals vergessen!“ und „Nie wieder!“ verweisen, das das uns hinterlassene Vermächtnis ist.

Ich wünsche uns allen ein friedliches, buntes, anregendes, durchaus auch kämpferisches Stadtfest und eine ebensolche Pride Week!