Rückblick: Andreas Wagner über „Lass uns einfältig werden”

Rogate Kl_Postkarte_Mond_RZ080615_Web (verschoben) Kopie.jpgSeit Ende Juli veranstaltet der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, die Citykirche Wilhelmshaven und das Rogate-Klosters Sankt Michael zu Berlin eine Andachtsreihe zum Lied „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius in der Christus- und Garnisonkirche. Am 28. August 2017, war Oberbürgermeister Andreas Wagner der Impulsgeber zur Strophe „Lass uns einfältig werden”. Wir dokumentieren hier seine Ansprache:

Der 20. April 2005 ging in die Geschichte ein. Noch heute erinnern sich viele Deutsche an ein Detail, das für immer mit diesem Tag in Verbindung gebracht wird. Und dieses Detail ist nicht etwa die Tatsache, dass Silvio Berlusconi formell seinen Rücktritt als Italiens Ministerpräsident einreichte. Und auch nicht die Tatsache, dass US-Außenministerin Condoleezza Rice die Entwicklung der Demokratie in Russland, vor allem die mangelnde Pressefreiheit und die weitgehenden Machtbefugnisse von Präsident Wladimir Putin, kritisierte. Und nein, dieser Tag ging auch nicht in die Geschichte ein, weil es der letzte Tag in meinem Leben als 36-Jähriger war.

Das Detail, das den 20. April in die deutsche Seele eingebrannt hat, bezieht sich auf ein Ereignis des Vortags: Am 19. April 2005 wählten die 115 Kardinäle am zweiten Tag des Konklaves das neue Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Joseph Ratzinger wurde als Benedikt XVI. der erste deutsche Papst seit fast einem halben Jahrtausend. Eine Nachricht, die Millionen Menschen – ganz gleich welchen Glaubens – berührte. Eine Nachricht, die so viele Geschichten transportierte. Eine Nachricht, die so viele Worte wert gewesen wäre.

Und was passierte einen Tag später? Die Bild-Zeitung brachte die Einfalt auf ihren Titel: „Wir sind Papst“. Geben Sie es zu, auch Sie erinnern sich noch bildlich an diese Schlagzeile.

Für mich steht diese Schlagzeile, diese auf drei einfachste Worte heruntergebrochene Nachricht – die zudem auch noch grammatikalisch falsch ist – für einen Trend, der seitdem erschreckende Züge angenommen hat. Waren Nachrichten schon seit jeher verdichtete, lesegerecht aufbereitete Information, verlieren Nachrichten in den letzten Jahren mehr und mehr ihren Informationsgehalt. Aus Verdichtung wird Vernachlässigung. Statt das Wichtigste in aller gebotenen Kürze zusammenzufassen, weicht das Wichtige hinter einer plakativen Schlagzeile zurück und macht der Emotion Platz: eben „Wir sind Papst“.

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Oberbürgermeister Andreas Wagner (2.v.l) in der Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven

Es geht mit diesen drei Worten nicht darum, die Leser zu informieren, wer wann warum und wie zum Papst gewählt wurde. Es geht auch nicht darum, über die katholische Kirche, ihre Geschichte und ihre Werte zu informieren. Schon gar nicht geht es darum, einen Bezug zur heutigen Zeit herzustellen, kritische Fragen zu stellen und eine Diskussion in Gang zu bringen. Es geht nicht um differenzierte Meinungsbildung. Es geht nicht darum, mündigen Bürgerinnen und Bürgern in einer Demokratie die Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie das öffentliche Leben sachlich-kritisch beurteilen und mitgestalten können.

Nein. „Wir sind Papst“ will schlichtweg ein Gefühl ansprechen, das die Menschen vereint, das Stolz und Freude weckt, das Euphorie anstachelt.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Stolz, Freude und Euphorie sind wichtig. Ebenso wie Emotionen wichtig sind. Aber der nüchterne Diskurs rückt mehr und mehr in den Hintergrund, während die Einfalt auf dem Vormarsch ist. „Wir sind Papst“ ist aus meiner Sicht leider ein deutliches Zeichen für eine Bewegung weg von der Wissens-, hin zur Gefühlsgesellschaft. Und in diesem Wandel stecken wir gerade mittendrin.

Entscheidungen werden immer seltener nach gründlicher Abwägung aller Vor- und Nachteile, nach sorgfältiger Betrachtung aller Fakten getroffen. Deutlich häufiger wird dem Bauchgefühl Vorrang gegeben. Der deutsche Satiriker Jan Böhmermann nannte dieses Phänomen sehr treffend „Bauchipedia“.

Eine Entscheidung, die auf eben diesem Bauchipedia basiert, mag im persönlichen Bereich auch vollkommen legitim sein – man sollte in emotionalen Belangen vermutlich sogar viel öfter auf sein Bauchgefühl hören. Aber wenn es um wirtschaftliche oder politische Entscheidungen geht, ist Bauchipedia nicht nur fahrlässig, sondern geradezu gefährlich.

Atomkraftwerke sind eine Gefahr für Mensch und Umwelt – aber hey, so ein Windpark „verspargelt“ doch die Landschaft!

Sie sehen, Baden-Württembergs Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel wusste schon 2003, die Macht der Emotionen einzusetzen, um politisch hochkomplexe Sachverhalte herunter zu brechen und die Öffentlichkeit durch die Kraft des Bauchgefühls auf seine Seite zu ziehen. Denn noch heute haben Windkraftanlagen – trotz grüner Landesregierung – bei der baden-württembergischen Bevölkerung ein schweres Standbein. Die Angst vor der Verspargelung von Schwarzwald und Schwäbischer Alb ist ein gewichtiges Argument, das gegen Notwendigkeit, Umweltfreundlichkeit und Effizienz einer modernen Energieerzeugung ins Feld geführt wird. Ich bin froh, dass man in diesem Punkt in unserer Region weitsichtiger ist.

Die Geschichte lehrt uns, dass im Dialog zwischen Politik und Öffentlichkeit seit jeher die Vereinfachung von Botschaften, die Schaffung von Bildern und das bewusste Spielen mit Emotionen gängige Praxis ist. Ich möchte nochmals betonen, dass das per se nichts Schlimmes ist: Die Aufgabe des Politikers ist es schließlich, sich stellvertretend für die Bürgerschaft in hochkomplexe Themen einzuarbeiten, sie zu verstehen und zu durchdringen und sie erklärbar zu machen, um sie schließlich zu bewerten, zu steuern und gegebenenfalls so zu verändern, dass sie einen bestmöglichen Effekt für die Allgemeinheit haben. Da hat die Einfalt keinen Raum!

Der Politiker selbst sollte seine Arbeit aber nicht auf Vereinfachung, Bilder und Emotionen aufbauen. Er sollte sie nicht zur Grundlage von Entscheidungen machen. Und das gilt für Politikerinnen und Politiker auf allen Ebenen: von der Kommunal-, über die Landes- zur Bundes- und Europapolitik.

Auf der anderen Seite ist es die Aufgabe der Medien, ihren Nutzerinnen und Nutzern die komplexen Informationen so aufzubereiten, dass ein sachlicher Diskurs möglich ist. Als Übersetzer und Bewerter nehmen die Medien somit in einer Demokratie eine wichtige Funktion ein.

Die etablierten Nachrichtenformate – ganz gleich ob im Fernsehen, im Hörfunk oder in den Printmedien – haben aber immer größer werdende Probleme im Kampf um die Gunst der Rezipienten. Sie kämpfen um ihre Reichweite. Onlineportale gewinnen zusehends oberhand. Statt ausgebildeter Journalistinnen und Journalisten wählen Blogger, Influencer und selbsternannte Medienexperten nun die Nachrichten und ihre Botschaften aus.

Was folgt, ist eine Spirale der Einfalt: Immer weniger Menschen sind bereit, sich in komplexe Sachverhalte einzulesen, sich mit Dingen zu beschäftigen, die nicht in drei einfachsten Worten zusammengefasst werden können. Statt einer 30-minütigen Dokumentation über den Aufbau des Stromversorgungsnetzes in Deutschland wird das 30-sekündige YouTube-Video über die Katze auf dem elektrischen Saugroboter geschaut. Statt der ohnehin schon einfältigen politischen Diskussion bei „Anne Will“ wird die emotionale Debatte bei Twitter verfolgt. Statt Orwells fast 400 Seiten langem „1984“ werden 1.374 skurrile Fakten im „Unnützen Wissen“ konsumiert.

Statt Information geht es bei der Mediennutzung mehr und mehr um Rekreation – die Unterhaltung läuft dem Wissen den Rang ab.

Um mein persönliches Bauchipedia hierbei nicht zu sehr zu beanspruchen, möchte ich zum Beweis für die Spirale der Einfalt ein Beispiel aus der Onlinegemeinschaft Nummer 1 anführen: Facebook.

41 Prozent aller Deutschen, die online sind, nutzen laut der aktuellen ARD-ZDF-Onlinestudie mindestens einmal wöchentlich diese Community, die damit nach wie vor der Spitzenreiter unter den Onlinecommunitys ist. Vor allem die Altersgruppe zwischen 14 und 29 Jahren ist hier mit 70 Prozent stark vertreten, aber auch die Älteren tummeln sich mehr und mehr auf Facebook. Wer wissen möchte, wie politische Entscheidungen des Rates der Stadt Wilhelmshaven in der Öffentlichkeit diskutiert werden, ist in einer der zahlreichen Wilhelmshaven-Gruppen gut aufgehoben.

Eines möchte ich gleich vorweg stellen: Ich maße mir keinesfalls an, einen umfassenden Überblick über alle Diskussionen, die hier laufen, zu haben. Und ich sehe durchaus, dass so mancher Facebook-Nutzer sehr differenziert und fachlich fundiert zum politischen Diskurs beiträgt. Da es aber heute darum gehen soll, dass wir einfältig werden, möchte ich – Politiker, der ich nun mal bin – jetzt bewusst zum Stilmittel der Vereinfachung und Verallgemeinerung greifen, um meine These möglichst anschaulich und emotionsgeladen zu belegen:

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Die Marktstraße ist Wilhelmshavens wichtigste Einkaufsstraße und Fußgängerzone.

Ende Februar ist ein guter Freund von mir als zweiter Vorsitzender des City-Interessensvereins (CIV) zurückgetreten. Als Inhaber eines Geschäftes in der Marktstraße ist er nicht nur ein umtriebiger Geschäftsmann, sondern auch ein überaus engagierter Vertreter der lokalen Einzelhändler.

Anfang des Jahres wurde politisch und öffentlich diskutiert, an welchen Sonntagen die Geschäfte öffnen dürften. Drei Termine waren fix, bei einem gab es einen Dissens zwischen CIV, der Werbegemeinschaft Nordseepassage und der WTF. In diesem zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhang war nun also der Rücktritt meines Freundes zu bewerten, der nicht nur in der gedruckten Ausgabe der Wilhelmshavener Zeitung (WZ) eine Nachricht wert war, sondern auch auf dem Facebook-Account der Wilhelmshavener Zeitung.

Ich habe mein Bedauern bereits zum Ausdruck gebracht: Die „neuen Medien“ befördern den Trend zur Einfalt, indem sie bereits verdichtete Nachrichten nochmals verdichten, dabei aber mehr auf Unterhaltung als auf Information setzen.

Die bereits auf ein Minimum an Information heruntergebrochene Nachricht, dass der zweite Vorsitzende des City-Interessensvereins sein Amt niedergelegt hat, wurde Ende Februar auf Facebook also zur Vier-Wort-Nachricht „XY gibt Posten ab“.

Sie können sich vorstellen, dass der Gehalt einer solchen Schlagzeile für die wenigsten sofort verständlich ist. Die WZ wollte erreichen, dass die Nutzer den beigefügten Link anklicken, in dem alle weiteren Informationen lesefreundlich zusammengefasst waren. Doch die Einfalt war schneller: Statt sich die Mühe zu machen, den verlinkten Beitrag zu lesen, entspann sich binnen kürzester Zeit eine Diskussion um die Verbindlichkeit und Verlässlichkeit der politischen Mitglieder unseres Rates. Man kann nun von den Ratsmitgliedern halten, was man will, aber diese Diskussion war nicht fair.

Was war passiert? Nun, ich würde es mal so rekonstruieren: Unkenntnis der Person und der Materie, die vermeintlich aussagekräftige Schlagzeile und das oblatendünne Wissen um die Strukturen der Kommunalpolitik trafen in einer explosiven Mischung aufeinander. Einmal Bauchipedia befragt, schlossen die Diskutanten sogleich ihre Schlüsse: Wer auch immer dieser Mann sein möge und was auch immer er für ein Amt innehaben möge, das müsste auf jeden Fall etwas mit der Politik zu tun haben! Es war ja schließlich gerade erst Kommunalwahl.

Mein Freund wurde also kurzerhand zu einem Mitglied des Rates – sogar zum zweiten Vorsitzenden des Rates! – hatte seine Wähler getäuscht und sein Amt nach zwei Monaten bereits wieder an den Nagel gehängt. Was für ein Skandal! Und was für eine ebenso einfältige, wie unsinnige Diskussion, der sich einige Nutzer mit hohem Eifer hingaben.

Liebe Gemeinde, als Matthias Claudius uns zu mehr Einfalt aufrief, tat er das in guter Absicht:

Gott, lass dein Heil uns schauen,
auf nichts Vergänglichs trauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
lass uns einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein.

Bildschirmfoto 2017-07-04 um 22.31.10Es ist sicherlich auch heutzutage angebracht, hin und wieder den Kopf auszuschalten und bewusst Abstand zu nehmen. Die Welt ist schon kompliziert genug, da tut es zwischendurch einfach mal gut, sich auf die Nichtigkeiten des Alltags zu konzentrieren, sich an scheinbar Belanglosem zu erfreuen und mal nicht alles zu hinterfragen und zu bewerten. Eben einfach mal fromm und fröhlich wie ein Kind zu sein. Einfalt als Mittel der Entspannung, Unterhaltung und Rekreation ist ein wunderbares Mittel. Aber hin und wieder ist es eben notwendig, der Einfalt Einhalt zu gebieten.

Die Demokratie hat die Macht, den Willen der Allgemeinheit durchzusetzen, vernünftige Entscheidungen zu finden, die für die Gesamtgesellschaft wichtig und richtig sind. Und genau deswegen ist es wichtig, dass die Gesamtgesellschaft und ihre gewählten politischen Vertreter zwischen Einfalt und Vielfalt differenzieren können.

Und was den eingangs angesprochenen Trend weg von der Wissens-, hin zur Gefühlsgesellschaft angeht: Sie werden es mir bitte nachsehen, dass ich als Politiker bewusst zur Emotion greife. Man sagt schließlich aus gutem Grund „Lieber eine starke Behauptung als ein schwaches Argument“.

Ich wollte Sie heute Abend zum Nachdenken, zum Hinterfragen und Differenzieren bewegen. Ich hoffe, das ist mir gelungen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass wir uns in der öffentlichen Diskussion wieder mehr über Fakten als über Bauchgefühle unterhalten.

Oberbürgermeister Andreas Wagner, Wilhelmshaven

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Fünf Fragen an: Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag

Fünf Freitagsfragen an Dr. Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender der LINKEN im Bundestag, über Verbindendes, moralische Normen und avantgardistische Politikvorstellungen.

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Dr. Dietmar Bartsch (Bild: 2017 DiG Trialon)

Dr. Dietmar Bartsch ist seit 2015 Fraktionsvorsitzender der LINKEN im Bundestag. Aufgewachsen in Vorpommern, studierte er zunächst Wirtschaftswissenschaften und machte später eine Aspirantur an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften in Moskau, wo er 1990 zum Dr. oec. promovierte. Er war langjähriger Bundesschatzmeister und Bundesgeschäftsführer der PDS bzw. der LINKEN. Von 1998 bis 2002 und seit 2005 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages.

Rogate-Frage: Herr Dr. Bartsch, was verbinden Sie mit Gott, Glauben und Kirche?

Dietmar Bartsch: Zunächst, ich bin nicht religiös. Das heißt nicht, dass ich Begriffe wie „Gott“ oder „Glauben“ für bedeutungslos hielte. Für viele Menschen haben diese Begriffe eine ziemlich klare Bedeutung, es gibt eine „Grammatik“ des Gebrauchs dieser Begriffe. Deshalb wäre es ignorant zu sagen, dass es bedeutungslose Begriffe wären. Ignoranz aber ist eine enge Verwandte der Intoleranz, und Intoleranz können wir nicht gebrauchen. Die Kirche ist noch einmal etwas anderes, sie ist die Institutionalisierung des Glaubens. Religion ist ohnehin nicht unwichtig, wie es ein naiver Atheismus vielleicht nahelegt. Hegel hat das gut auf den Punkt gebracht: In der Religion gibt sich ein Volk, man könnte auch sagen: eine Gemeinschaft, die Definition dessen, was ihm wichtig ist. Es geht um Verbindendes bei allem, was trennt. Hier sehe ich eine strukturelle Ähnlichkeit zur Staatsbürgerlichkeit und zum Gemeinwohl. Natürlich trennt manches uns, auch wenn wir Bürger desselben Staates sind. Aber als Staatsbürger diskutieren und streiten wir um den Inhalt dessen, was Gemeinwohl ist.

Rogate-Frage: Sie haben gesagt: „Der Kampf der SED gegen die Kirchen war falsch“. Was genau meinen Sie damit und wie reagieren Ihre Parteifreunde darauf?

Dietmar Bartsch: Der Kampf der SED gegen die Kirchen hörte irgendwann auf und machte einem Konzept „Kirche im Sozialismus“ Platz. Was jedoch nicht aufhörte, war ein Misstrauen in gläubige Menschen und auch eine Diskriminierung dieser Menschen. Der Hintergrund ist offensichtlich. Die SED erhob einen unbedingten Wahrheitsanspruch. Da waren religiöse Überzeugungen konkurrierende Überzeugungen. Politik, die sich mit einem unbedingten Wahrheitsanspruch legitimiert, und das machen avantgardistische Politikvorstellungen, ist der eigentliche Fehler. Was sagen nun meine Genossinnen und Genossen zu dieser These? Wir haben uns bei der Umwandlung der SED in die PDS, was wesentlich mehr war als eine Änderung des Parteinamens, deutlich gegen avantgardistische Politikvorstellungen abgegrenzt, weil diese in ihrem Kern demokratiefeindlich sind. Jeder Genosse und jede Genossin, die das akzeptiert, wird auch die These verstehen, dass der Kampf der SED gegen die Kirchen falsch war.

Rogate-Frage: Was schätzen Sie an den Kirchen? Was nicht?

Dietmar Bartsch: Ich beginne mit der zweiten Frage, weil sie etwas einfacher zu beantworten ist. Die Kirchen bilden, weil sie Institutionen sind, auch die Nachteile von Institutionen aus, etwas, was sie auch mit Parteien vergleichbar macht. Es geht eben um Erhalt der Institution auch als Selbstzweck, es geht um Machterhalt und Machtausbau und verbunden damit um einen gewissen Moralismus, mit dem die Kirchen in gesellschaftlichen Diskussionen auftreten. Letzteres möchte ich erläutern. Wenn die Kirchen in Fragen zum Schwangerschaftsabbruch eine andere Position vertreten als ich, ist das für sich erst einmal unproblematisch. Wenn sie jedoch christliche Werte als Begründung anführen, so beeindruckt das vielleicht Christen, nicht ebenso zwingend Nicht-Christen. Dennoch sind die Ermahnungen der Kirche auch an sie adressiert. Da wäre dann schon ein größerer Begründungsaufwand nötig.

Allerdings ist hierbei, und das klingt vielleicht paradox, auch Positives. Indem Vertreter der Kirche in der politischen Öffentlichkeit eine normative Aussage platzieren, sind nicht nur sie selbst einem Begründungszwang ausgesetzt, sondern sie ermöglichen es anderen, sich dazu zu verhalten. Es sind also mögliche Gegenstände einer öffentlichen Diskussion über moralische Normen. Ich muss nicht mit der Kirche übereinstimmen, ich kann den Rückzug auf „christliche Werte“ als nicht ausreichend kritisieren, aber ich muss wertschätzen, dass in der Öffentlichkeit überhaupt über moralische Normen diskutiert wird. Da ist auf die Kirche Verlass.

Rogate-Frage: Warum wäre eine „Gesellschaft ohne Glauben“ problematisch?

Dietmar Bartsch: Ich bin mir nicht ganz sicher, in welchem Grad sie problematisch wäre. Aber im Prinzip wird das aus der vorhergehenden Antwort schon klar. Religionen und mit ihnen die Kirchen tradieren Moralauffassung und damit normative Orientierungen und Argumentationen. Eine Gesellschaft, die auf moralische Vergewisserung nicht zurückgreifen könnte, hätte Probleme.

Rogate-Frage: Worin unterscheidet sich Solidarität von der christlichen Nächstenliebe?

Dietmar Bartsch: Nächstenliebe fragt nicht nach dem eigenen Nutzen, sie fragt danach, was wir anderen Gutes tun können. Darin liegt eine Ähnlichkeit zur Solidarität, die sich auch gegen Egoismus stellt. Allerdings ist Solidarität manchmal konkreter: als Klassensolidarität, als Solidarität von Gefangenen gegen das Gefängnispersonal, aber auch in Gestalt von sozialpolitischen Solidarsystemen. Es handelt sich also um Organisationsformen, Nächstenliebe dagegen ist eine moralische Idee. Ich denke aber, dass ohne die kulturelle Tradierung von Ideen wie der Nächstenliebe solidarische Praktiken geringere Aussicht auf Stabilität hätten.

Rogate: Vielen Dank, Herr Dr. Bartsch, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten und Veranstaltungen:

  • Bildschirmfoto 2017-07-04 um 22.31.10Montag, 14. August 2017 | 21:00 Uhr, Mondandacht zu „Sachen, die wir getrost belachen“, mit Julia Muth, Pressesprecherin der Stadt Wilhelmshaven. Ort: Christus- und Garnisonkirche, Wilhelmshaven. Lektorin: Sabine Wistuba.
  • Montag, 21. August 2017 | 21:00 Uhr, Mondandacht zu „Wir spinnen Luftgespinste“, mit Landeskirchenmusikdirektorin Beate Besser, Oldenburg. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.
  • Dienstag, 22. August 2017 | 19:00 Uhr, Vesper. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, Berlin.
  • Montag, 28. August 2017 | 21:00 Uhr, Mondandacht zu „Lass uns einfältig werden”, mit Oberbürgermeister Andreas Wagner, Wilhelmshaven. Ort: Christus- und Garnisonkirche, Wilhelmshaven.
  • Alle Termine finden Sie hier.
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Betrachtung: „Brotbrechen, gemeinsam“

Bildschirmfoto 2017-07-28 um 12.13.41Schwarzbrot, Baguettestangen und sogar ein Backwerk namens „Hildegard von Bingen“ liegen im Regal. „Haben Sie Vollkornbrot?“, frage ich die freundliche Verkäuferin. „Nee, aber was mit Körnern!“

Ob Brotring zu Erntedank, Klaben zu Ostern oder das gemeinsame Abendbrot am Tisch: Brot verbindet. Brot ist Bestandteil für Orte und Momente, in denen sich Menschen begegnen und kommunizieren. Brotkultur als lebendiges Weltkulturerbe.

Brot nährt und macht satt, wenn nicht zu viel Luft drin ist. Manchmal muss es Vollkorn-, mal Rosinenstuten sein. Ich spüre an manchen Tagen deutlich, welches Brot passt, um satt zu werden. Und dann sehne ich mich nach der richtigen Runde mit Freunden, um gemeinsam zu essen, zu reden und sich am Miteinander zu freuen.

Das Brot ist das Symbol für den Leib Christi. Brotbrechen ist zentraler Bestandteil der Abendmahlsfeier der Christen. Nicht ohne Grund, denn Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ (Johannes 6,35).

Wir sind auf dem Weg. Dafür brauchen wir noch viel Brot, Vielfalt und verschiedene Sorten. Kirche, die nährend ist, die frisches, gut duftendes Brot anbietet, darauf hoffe ich. Und auf eine Gemeinschaft, die richtigen Fragen stellt, die Türen weit offen hält und zum Tisch einlädt und Gemeinden, die stark machen zum Leben und zur Hoffnung befreien.

Br. Franziskus

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Fünf Fragen an: Dr. Holger Onken, Die Linke-Direktkandidat im Wahlkreis 26

Fünf Freitagsfragen an Dr. Holger Onken, Die Linke-Direktkandidat im Wahlkreis 26 (Friesland – Wilhelmshaven – Wittmund), über seine Sorge um die Demokratie, den Wunsch nach einer solidarischen Gesellschaft und Jesus als Vorbild.

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Dr. Holger Onken (Bild: privat)

Holger Onken, geboren 1971 in Emden, hat in Oldenburg Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaften studiert. Nach einer Station an der Universität Hannover ist er an der Universität Oldenburg als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Onken war langjähriges Mitglied der SPD, 2013 ist er der Partei DIE LINKE beigetreten. 2016 wurde Holger Onken in den Rat der Stadt Oldenburg gewählt.

Rogate-Frage: Herr Dr. Onken, was treibt Sie in die Politik und warum haben Sie sich entschieden, für den Deutschen Bundestag zu kandidieren?

Holger Onken: Ich sehe, dass unsere Demokratie in Gefahr ist und zwar von zwei Seiten. Erstens: Alles wird heutzutage einer profitablen Wirtschaft untergeordnet. Das führt zu immer mehr unsicheren und schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen. Davon sind nicht nur diejenigen betroffen, die unter solchen Bedingungen arbeiten müssen. Den Druck bekommen alle zu spüren. Das führt bei vielen zu einer großen Verunsicherung und das wiederum bringt mich zur zweiten Seite: Die Folgen dieser neoliberalen Politik sehen wir in der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, dem Brexit und in Deutschland im Aufstieg der menschenfeindlichen AfD. Es besteht also dringender Rede- und Handlungsbedarf, da will ich dabei sein.

Rogate-Frage: In was für einer Gesellschaft möchten Sie leben?

Holger Onken: In einer solidarischen Gesellschaft, in der gegenseitiger Respekt und Toleranz herrschen. Eine Gesellschaft die frei ist von Armut und frei von Angst.

Rogate-Frage: Welche fünf Themenfelder auf Bundesebene und welche fünf auf regionaler Ebene haben für Ihr politisches Handeln Priorität, wenn Sie gewählt werden?

Holger Onken: Die wichtigsten übergeordneten bundespolitischen Politikfelder sind für mich die Sozialpolitik und die Wirtschafs- und Steuerpolitik. Auch die Umwelt- und Verkehrspolitik liegen mir am Herzen. Hinzu kommen die Außen- und Friedenspolitik; wenn man Kriege unterbinden will, kann man nicht gleichzeitig Waffen in Länder wie Saudi-Arabien oder die Türkei exportieren.

Viele von diesen Themen sind auf der regionalen Ebene anschlussfähig: Wir haben in diesem Wahlkreis ein massives Problem mit Armut, Arbeitslosigkeit und unsicheren, schlecht bezahlten Jobs. Auf der anderen Seite gibt es eine unglaubliche Konzentration von Reichtum: Das reichste ein Prozent besitzt fast die Hälfte des Vermögens in Deutschland, das heißt, dass 99 Prozent der Bevölkerung sich die andere Hälfte teilen. Diese Ungerechtigkeit wird langsam sichtbar; wenn wir in der Verteilungsfrage nicht umsteuern wir unsere Gesellschaft eine schlimme Entwicklung nehmen. Und die Linke ist die einzige Partei, die in dieser Frage ernsthaft umsteuern will.

Rogate-Frage: Was bedeuten Ihnen Religion, Gott, Glaube und Kirche?

Holger Onken: Auch wenn ich kein religiöser Mensch bin, Jesus ist für mich ein Vorbild. Am wichtigsten ist, dass man sich mit Respekt begegnet, den Glauben oder auch den nicht vorhandenen Glauben anderer akzeptiert. Ich kenne in meiner Partei viele aktive Christen, aber auch Muslime und Menschen jüdischen Glaubens. Es gibt aber auch viele Agnostiker und Atheisten. Streit um die Religion ist selten geworden, wir kämpfen gemeinsam für eine soziale und friedliche Gesellschaft im Diesseits.

Rogate-Frage: Welche Erwartung haben Sie an die Veranstaltung „Warum wählen?“ am 31. Juli?

Holger Onken: Ich habe durch meine politische Aktivität viele interessante Menschen kennen gelernt. Ich bin mir sicher, das wird auch auf der Veranstaltung so sein. Als aktiver Kommunalpolitiker bin ich es auch gewohnt, nach Gemeinsamkeit mit meinen Gesprächspartnern zu suchen. Ich bin gespannt, welche das sind, habe aber schon eine Vorahnung.

Rogate: Vielen Dank, Herr Dr. Onken, für das Gespräch. Und bis Montag in der Citykirche Wilhelmshaven!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten und Veranstaltungen:

  • RogateKl_Aushang A4_Wilhelmshaven Fortsetzung_250717 KopieMontag, 31. Juli 2017|19:00 Uhr, „Warum wählen?“, im Gespräch mit Dr. Holger Onken, Die Linken. Ort: Christus- und Garnisonkirche, Gemeindehaus, Wilhelmshaven.
  • Montag, 31. Juli 2017| 21:00 Uhr, Mondandacht zu „Der Mond ist aufgegangen”. Impuls: Axel Vehn, Unternehmensberater und Coach für Führungskräfte. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.
  • Montag, 6. August 2017| 19:00 Uhr, „Warum wählen?“, im Gespräch mit Udo Striess-Grubert, Freie Wähler. Ort: Christus- und Garnisonkirche, Gemeindehaus, Wilhelmshaven.
  • Montag, 6. August 2017 | 21:00 Uhr, Mondandacht zu „Wie ist die Welt so stille”, mit Prof. Dr.- Ing. Jörg Schneider, Jade Hochschule. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.
  • Montag, 14. August 2017 | 19:00 Uhr, „Warum wählen?“, im Gespräch mit Andreas Tönjes, Die Partei. Ort: Christus- und Garnisonkirche, Gemeindehaus, Wilhelmshaven.
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Wilhelmshaven: Siebenteilige Reihe „Der Mond ist aufgegangen“ startet am Montag

Bildschirmfoto 2017-07-04 um 22.31.10Am Montag startet in der Citykirche Wilhelmshaven eine siebenteilige Abendreihe zum Lied „Der Mond ist aufgegangen“. Verschiedene Impulsgeber nehmen in den kommenden Wochen in einem Kurzvortrag Bezug auf jeweils eine Strophe des vermutlich 1778 von Matthias Claudius gedichteten Liedes.

Oberbürgermeister Andreas Wagner spricht beispielsweise am 28. August über „Lass uns einfältig werden”. „Aus dieser Welt uns nehmen” ist das Thema von Juliane Kallusky vom Kinder- und Jugendhospiz Joshuas Engelreich am 4. September. Der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. med. Christof Rübsamen, referiert am 11. September über „Und lass uns ruhig schlafen”. Die verschiedenen Wortbeiträge werden durch eine Andacht mit biblischen Texten, Chorälen, verschiedene Musikstile und Stille gerahmt.

Der Unternehmensberater und Coach Axel Vehn ist der erste Redner und eröffnet die Andachtsreihe um 21 Uhr.

Die Sommerkirchenreihe ist eine Initiative des Projekts Flüchtlingsarbeit – Koordination und Begleitung der Gemeinden im Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, der Citykirche Wilhelmshaven und des Rogate-Klosters Sankt Michael zu Berlin.

Alle Termine der Reihe:

Sommerkirche: Montags, 21:00 Uhr, Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven

Montags, 21:00 Uhr, Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven

  • 31. Juli 2017, „Der Mond ist aufgegangen”, mit Axel Vehn, RogateKl_DINlang_Sommerkirche Mond_RZ250717_front KopieUnternehmensberater und Coach für Führungskräfte. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Lektorin: Diana Schulz-Leinert.
  • 7. August 2017, „Wie ist die Welt so stille”, mit Prof. Dr. Jörg Schneider, Jade Hochschule. Orgel: Florian Bargen
  • 14. August 2017, „Sachen, die wir getrost belachen“, Julia Muth, Pressesprecherin der Stadt Wilhelmshaven. Orgel: Florian Bargen. Lektorinnen: Sabine Wistuba, Natascha Faull.
  • 21. August 2017, „Wir spinnen Luftgespinste“, Landeskirchenmusikdirektorin Beate Besser, Oldenburg. Orgel: Florian Bargen. Lektorin: Natascha Faull.
  • 28. August 2017, „Lass uns einfältig werden”, Oberbürgermeister Andreas Wagner, Stadt Wilhelmshaven. Orgel: Florian Bargen. Lektorin: Natascha Faull.
  • 4. September 2017, „. . . aus dieser Welt uns nehmen”. Juliane Kallusky, Ehrenamtskoordinatorin im Kinder- und Jugendhospiz Joshuas Engelreich. Musik: Popkantor Steffen-Ulrich Schöps, Oldenburg. Orgel: Florian Bargen
  • 11. September 2017, „Und lass uns ruhig schlafen” mit Dr. med. Christof Rübsamen, Leiter Gesundheitsamt der Stadt Wilhelmshaven. Orgel: Florian Bargen. Lektorin: Sabine Wistuba.
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Fünf Fragen an Alexander von Fintel, Grünen-Direktkandidat im Wahlkreis 26

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Alexander von Fintel (Bild: privat)

Fünf Freitagsfragen an Alexander von Fintel, Bündnis 90/Die Grünen-Direktkandidat im Wahlkreis 26 (Friesland – Wilhelmshaven – Wittmund), über sein Engagement gegen den Klimawandel und einen Glauben, der Hoffnung macht.

Alexander von Fintel stammt aus einem kleinen Dorf in Nottinghamshire und ist 2016 über London, Hamburg, Oldenburg und Cäciliengroden in Friesland nach Wilhelmshaven gekommen. Er trat 1991 als Student in Oxford in die Green Party ein. Er ist Werbefachmann für gemeinnützige Organisationen und Übersetzer.

Rogate-Frage: Herr von Fintel, was treibt Sie in die Politik und warum haben Sie sich entschieden, für den Deutschen Bundestag zu kandidieren?

Alexander von Fintel: Ich möchte nicht meinen Kindern und Enkelkindern eine Welt hinterlassen, in der der Klimawandel für Zerstörung sorgt, die Natur ausgebeutet wird und Ungerechtigkeiten, Angst und Intoleranz herrschen. Ich befürchte, dass wir in so eine Welt hineingeraten könnten. Und vor allem möchte ich nicht erzählen müssen, ich hätte nichts dagegen unternommen.

Rogate-Frage: In was für einer Gesellschaft möchten Sie leben?

Alexander von Fintel: Ich möchte in einer toleranten und gerechten Gesellschaft leben, in der es weder Armut noch überbordenden Reichtum gibt. Ich möchte auch in einer vielfältigen Gesellschaft leben, in der jede und jeder sich wohl fühlen kann.

Rogate-Frage: Welche fünf Themenfelder auf Bundesebene und welche fünf auf regionaler Ebene haben für Ihr politisches Handeln Priorität, wenn Sie gewählt werden?

Alexander von Fintel: Auf Bundesebene: Die Energiewende, die Abkehr von Wachstum, soziale Gerechtigkeit, globale Gerechtigkeit und das Einhalten des 0,7 Prozent-Versprechens, eine auf Frieden ausgerichtete Außenpolitik.
In der Region: Der Umstieg von Kohle- auf Windkraft, eine naturnähere Landwirtschaft, der Ausbau eines nachhaltigen Tourismus, eine gerechte Lösung für die Anwohner*innen der Kavernenanlage in Etzel, Mobilität für alle.

Rogate-Frage: Was bedeuten Ihnen Religion, Gott, Glaube und Kirche?

Alexander von Fintel: Sehr viel. Gerade wenn Frust und Hoffnungslosigkeit angesichts von hohen Zielen die Überhand gewinnen, gibt mir mein Glaube Hoffnung und Perspektive.

Rogate-Frage: Welche Erwartung haben Sie an die Veranstaltung „Warum wählen?“ am 24. Juli?

Alexander von Fintel: Ich habe im Vorfeld keine besonderen Erwartungen, sondern lasse mich überraschen. Ich bin froh, wenn die Veranstaltung gut besucht ist.

Rogate: Vielen Dank, Herr von Fintel, für das Gespräch. Und bis Montag in der Citykirche Wilhelmshaven.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren Gottesdiensten in Wilhelmshaven:

  • RogateKl_Aushang A4_Erzengel Michael 290917_161116Montag, 24. Juli 2017 | 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Alexander von Fintel, Bündnis 90/Die Grünen. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.
  • Montag, 31. Juli 2017, 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Dr. Holger Onken, Die Linken. Ort: Christus- und Garnisonkirche, Gemeindehaus, Wilhelmshaven.
  • Montag, 31. Juli 2017, 21:00 Uhr, Mondandacht zu „Der Mond ist aufgegangen”. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.
  • Montag, 6. August 2017, 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Udo Striess-Grubert, Freie Wähler. Ort: Christus- und Garnisonkirche, Gemeindehaus, Wilhelmshaven.
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Gebet: Fürbitte aus dem Gottesdienst zur Eröffnung des 25. Stadtfestes Berlin 2017

Großer Gott, wir danken Dir, dass wir geladen sind zum Fest des Lebens. Du hast uns gemacht, gestaltet wunderbar und rufst uns bei unserem Namen. Wir sagen Dank für alles Gute und das Gelingende in unserem Leben.

Gemeindevers: Nun lasst uns gehen und treten / mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben / bis hierher Kraft gegeben. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 1)

20046763_1772848566065337_5335927618255808222_nJesus Christus, unsere Wege kennen Höhen und Tiefen. Du weißt um unsere Schwächen und Stärken. Sei uns gnädig, Du Freund des Lebens.

Wir bitten für alle, die verheiratet oder verpartnert sind – und für die, die nun endlich heiraten dürfen, für die Frauen- und Männerpaare. Segne sie.

Gemeindevers: Wir gehen dahin und wandern / von einem Jahr zum Andern, wir leben und gedeihen / vom Alten bis zum Neuen (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 2)

Heiliger Geist, Du Tröster. Wir bitten Dich für alle, sich wegen ihrer Homosexualität verstecken müssen: ….in Russland, Uganda, im Iran, Sudan, Somalia, Mauretanien, Nigeria, Libyen, Ägypten – und Tschetschenien.

Du weißt wo geweint und gelitten wird. Erbarme Dich! Schenke Mut und Trost. Werde Anwalt des Lebens – für die Gefolterten.

Gemeindevers: durch so viel Angst und Plagen, / durch Zittern und durch Zagen, durch Krieg und große Schrecken, / die alle Welt bedecken. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 3)

Dreieiniger Gott, wir danken Dir für gute Eltern, die ihre Kinder gut durch das Coming Out bringen und sie vorbehaltlos lieben. Wir danken für unsere Freunde, die mit uns durch Leben gehen und uns vertraut und nahe sind.

Gemeindevers: Denn wie von treuen Müttern / in schweren Ungewittern die Kindlein hier auf Erden / mit Fleiß bewahret werden, (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 4)

20106769_1777153038968223_7203493836030336510_nGroßer Gott, Du schenkst uns Freiheit. Wir bitten für alle, die in Unfreiheit und in Ausgrenzung leben, weil ihre Identität oder ihr Glaube nicht akzeptiert wird und sie Ausgrenzung, Gewalt und Hass erfahren.

Gemeindevers: also auch und nicht minder / lässt Gott uns, seine Kinder, wenn Not und Trübsal blitzen, / in seinem Schoße sitzen. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 5)

Jesus Christus, schenke unserer Stadt ein sicheres Stadtfest. Schenke Du fröhliche Begegnungen, gesegnete Freundlichkeit und viel gemeinsames Lachen an diesem Wochenende. Lass es zum Fest des Lebens werden. Ein Fest für alle.

Gemeindevers: Ach Hüter unsres Lebens, / fürwahr, es ist vergebens mit unserm Tun und Machen, / wo nicht dein Augen wachen. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 6)

Heiliger Geist, wir danken Dir für das Engagement vieler für eine gerechte, solidarische und lebenswerte Welt. Segne Du die Arbeit der Einrichtungen und Gruppen, die sich für Menschen im Coming Out, für Jugendliche und für Ausgegrenzte einsetzen. Und segne unser Stadtfest an diesem Wochenende, dass es für viele zum Aufbruch in gelingendes Leben und eine bessere Welt werde. Amen.

Gemeindevers: Gelobet sei deine Treue, / die alle Morgen neue; Lob sei den starken Händen, / die alles Herzleid wenden. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 7)

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