Wir trauern um unser Mitglied Johanne Schaar

Das Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin trauert um die Layout 1am Freitagabend im Alter von 90 Jahren verstorbene Johanne („Heidi“) Henriette Frieda Schaar, geborene Dörnatt.

Geboren am 26. August 1926 in Flensburg gehörte sie zur dänischen Minderheit. Stationen ihres Lebens waren Sonderborg, Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven. Drei Kinder brachte sie zur Welt. Sie war seit 2014 Mitglied des Trägervereins des Rogate-Klosters. Am Vorabend ihres Todes haben wir noch gemeinsam in der Eucharistie für sie und alle unsere Kranken gebetet.

Die Trauerfeier findet am Donnerstag, 22. Dezember, 15:00 Uhr, im Andachtsraum von Bestatter Bernd Janßen, Hauptstrasse 27, 26388 Wilhelmshaven-Sengwarden, statt. Die Feier wird von Pastor Frank Moritz von der Banter Kirche geleitet.

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Berlin: Gebete für Verletzte und Tote vom Breitscheidplatz

2016-12-bibel-ro%cc%88merbrief-12In der Nähe vom Rogate-Kloster in der Zwölf-Apostel-Gemeinde steht die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche auf dem Breitscheidplatz. Wir hören den ganzen Abend die Martinshörner und sehen die Rettungsfahrzeuge zum Ort des Geschehens eilen.

Wir beten für die Toten und Verletzten des heutigen Abends, für die Angehörigen und die Retter.

Wir sind traurig über die Ereignisse heute Abend. Wir hoffen weiter auf eine bessere Welt und Gerechtigkeit für alle Menschen auf der Welt. Wir hoffen auf den Frieden für alle, nicht nur im Advent und zu Weihnachten. Wir werden weiter unser Leben leben und nicht nachlassen im Einsatz für eine lebenswerte und offene Gesellschaft, hier in Berlin und da wo Gott uns hinstellt.

Wir beten mit allen Menschen guten Willens:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Gebete für Frieden und Versöhnung finden Sie hier.

Hinweis: Um 18 Uhr findet heute in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche ein Gedenkgottesdienst statt.

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Fünf Fragen an: Dr. Friedemann Green, Vorsteher Stiftung Das Rauhe Haus

Fünf Freitagsfragen an Dr. Friedemann Green, Vorsteher der Stiftung Das Rauhe Haus in Hamburg, über die Verbindung von Johann Hinrich Wichern mit dem Adventskranz, eine kleine christliche Predigt ohne Worte und das Ziel einer vollständigen Teilhabegerechtigkeit.

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Dr. Friedemann Green (Bild: Rauhes Haus)

Dr. Friedemann Green ist 1954 in Eckernförde geboren und aufgewachsen. Nach Schulbesuch, Zivildienst und sozialem Freiwilligendienst in England und den USA studierte er von 1978 bis 1985 Evangelische Theologie in Berlin und Hamburg. Nach seinem Vikariat in Hamburg-Lurup wurde er zunächst Gemeindepastor in der Hauptkirche St. Michaelis. Von 1988 bis 1992 arbeitete er als Pastor und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Arbeitsstelle Kirche und Stadt der Universität Hamburg und promovierte zum Thema „Kirche und Stadtentwicklung“. 1992 wurde er Pastor in Sörup, Kirchenkreis Angeln, 1999 Propst des Kirchenkreises Eiderstedt. Seit Januar 2009 ist Pastor Dr. Friedemann Green Vorsteher des Rauhen Hauses.

Rogate-Frage: Herr Pastor Dr. Green, was verbindet das Rauhe Haus mit dem Adventskranz?

Friedemann Green: Der Adventskranz steht im Mittelpunkt mehrerer Rituale, die wir jährlich um den 1. Advent im Rauhen Haus herum feiern: Zum Beispiel übergibt eine Klasse unserer Wichern-Schule jedes Jahr am Nachmittag des 1. Advent einen großen Adventskranz – in diesem Jahr mit der möglichen Höchstzahl von 28 Kerzen ! – im Hamburger Rathaus. Während der gesamten Adventszeit steht er im Foyer des Rathauses im Aufgang zum Büro des Bürgermeisters und erinnert die Besucher daran: der Adventskranz kommt aus Hamburg. Anschließend feiern wir den Adventsgottesdienst in Deutschlands einziger schwimmender Kirche, der Flussschifferkirche in der Speicherstadt des Hamburger Hafens. Außerdem werden im ursprünglichen, reetgedeckten Alten Haus, in der Schulkapelle und an anderen Orten auf dem Stiftungsgelände um den Adventskranz herum Andachten gefeiert, in denen der Kranz immer auch an die Ursprungssituation des Rauhen Hauses Wohnort für Kinder aus armen Familien erinnert.

Rogate-Frage: Welche Bedeutung hat der Adventskranz für Sie als Pastor und Christ?

Friedemann Green: Der Adventskranz ist ein wunderbares Symbol für die biblische Adventsbotschaft: Während die Tage immer kürzer und dunkler werden, erscheint insbesondere der originale Wichern`sche Adventskranz sozusagen antizyklisch jeden Tag und mit jeder Kerze ein bisschen heller. „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein helles Licht“. Die prophetische Ankündigung der Ankunft Gottes durchbricht die Dunkelheiten dieser Welt und kündigt Heil an mitten in Erfahrungen des Unheils hinein. Die biblische Heilsweissagung wird von denen am stärksten herbeigesehnt und wohl auch am aufmerksamsten gehört, die Lasten zu tragen haben und die – symbolisch gesprochen – von Dunkelheit umgeben und bedroht sind: die Hirten im Stall, das Flüchtlingspaar Maria und Joseph und andere. So gesehen ist der Adventskranz – auch wenn er in der Bibel gar nicht vorkommt – eine kleine christliche Predigt ohne Worte.

Rogate-Frage: Für manche Zeitgenossen beginnt irgendwann im November die „Weihnachtszeit“. Das Bachsche Weihnachtsoratorium erklingt an vielen Stellen vor dem 1. Advent, also viele Wochen vor Weihnachten. Manche Kirchengemeinde veranstaltet am Totensonntag einen Weihnachtsmarkt. Verschwindet der Advent aus unseren Traditionen? Welche Unterschiede zwischen Advent und Weihnachten machen Sie als Pastor?

Friedemann Green: Der vor einigen Jahren kreierte Slogan aus der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit „Advent ist im Dezember“ hat den Nagel auf den Kopf getroffen. In der Tat droht die Adventszeit mit ihrer eigenen inhaltlichen Bedeutung unter die Räder der allgemeinen und schon im Spätherbst einsetzenden Weihnachtsaufregung zu geraten. Geduld und Warten-können zählt nicht gerade zu den stärksten Tugenden unseres öffentlichen Lebens, sondern man möchte möglichst schnell zum großen Höhepunkt des Weihnachtsfestes gelangen. Dabei wird jedoch leicht übersehen, dass der Hinweg zum großen Fest und dessen Vorbereitung genauso zum Fest selbst dazu gehört wie – im Nachhinein – auch die Erinnerung daran. Es ist wie mit den Ferien oder dem Urlaub, die ihre schöne Wirkung auch bereits in der Vorfreude und vor dem ersten Ferientag entfalten. Aber gegen diesen Kaltstart in den Weihnachtsmodus ab spätestens Ende November ist nur schwer gegenan zu reden, ohne in die Ecke der Spaßbremse gedrängt zu werden. Es muss wohl jeder selbst die Erfahrung machen, dass ein zu lang ausgedehnter festlicher Höhepunkt ganz automatisch verflacht und sich selbst entwertet und dass auf der anderen Seite auch eine bewusst gestaltete Vorbereitungszeit ihren wichtigen Platz im gesamten Spannungsbogen hat. Die vielen kirchlichen Angebote, soweit sie nicht auch selbst auch zu früh in den Weihnachtsmodus schalten, sondern eigene thematische Akzente setzen, können dafür eine willkommene Hilfe sein.

Rogate-Frage: Johann Hinrich Wichern hat nicht nur den Adventskranz erfunden. Was können wir heute von ihm lernen? Welches Erbe gilt es zu bewahren?

Friedemann Green: Johann Hinrich Wichern war in vielen seiner gesellschaftlichen Einsichten ein Kind seiner Zeit und für unser heutiges Lebens- und Glaubensverständnis nur bedingt wegweisend. Besonders in pädagogischen Fragen war er jedoch seiner Zeit weit voraus und es gibt Facetten seines Denkens und Wirkens, die bis heute wegweisend sind: dazu gehört zum Beispiel die hohe Sensibilität für die individuelle Entwicklung jedes einzelnen Kindes. Ihm war daran gelegen, dass jedes Kind Lebensbedingungen vorfindet, in denen es an Leib und Seele gut gedeihen und sich als selbstbewusstes Mitglied der Gesellschaft entfalten kann. Mit großem Interesse lesen insbesondere Sozialpädagogen heute wieder über Wicherns Überzeugungen, dass auch die seelische und religiöse Entwicklung der Kinder unbedingt zu beachten und aktiv zu fördern ist. Heute sprechen wir in der Sozialpädagogik von Ressourcenorientierung und von Religions- und Kultursensibilität als Leitbegriffe einer Pädagogik, die vielfach belastete Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung stärken will. Was für Wichern selbstverständlich war, nämlich dass die Gewissheit, ein geliebtes Geschöpf Gottes zu sein, der kindlichen Entwicklung sehr förderlich ist, dass entdeckt nach Jahrzehnten weitgehender religiöser Sprachlosigkeit die Sozialpädagogik jetzt wieder neu.

Rogate-Frage: Der Berliner Aktivist Raúl Krauthausen kämpft gegen das vor kurzem vom Bundestag beschlossene Bundesteilhabegesetz (BTHG). Sie auch?

Friedemann Green: Das BTHG wird vom Rauhen Haus jetzt, wo es beschlossen ist, nicht offen bekämpft. In der Entwicklungsphase haben unsere Fachleute jedoch an verschiedenen Stellen, zusammen mit Fachverbänden und teilweise durchaus mit Erfolg versucht, Einfluss zu nehmen mit dem Ziel, möglichst viel Teilhabegerechtigkeit für die Menschen mit Beeinträchtigungen zu erreichen. In seiner jetzt vorliegenden Fassung ist das Gesetz gewiss ein großer Schritt in die richtige Richtung, wobei die Ausführungsbestimmungen vieler Details auf Länderebene noch nicht komplett vorliegen. Diesen Prozess werden wir aufmerksam verfolgen und uns daran beteiligen. Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen bleibt immer noch das große und längst nicht abgeschlossene Projekt einer weiteren und möglichst vollständigen Teilhabegerechtigkeit und eines entsprechenden barrierefreien gesellschaftlichen Miteinanders aller Menschen, unabhängig vom Grad der Beeinträchtigung Einzelner.

Rogate: Vielen Dank, Herr Dr. Green, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten:

Berlin-Schöneberg:

  • Sonnabend, 17. Dezember 2016 | 12:00 Uhr, Mittagsgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg

Kloster Lehnin, Brandenburg:

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Advent und Weihnachten: Rogate-Gottesdienste in Berlin und im Kloster Lehnin

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten im Dezember!

Berlin:

  • Heute, Donnerstag, 15. Dezember 2016 | 19:00 Uhr, Eucharistie. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg
  • Sonnabend, 17. Dezember 2016 | 12:00 Uhr, Mittagsgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg

Kloster Lehnin:

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Presseschau: „Weihnachten im Kloster Lehnin“ in der „Berliner Woche“

Dienstag, 6. Dezember 2016 | Berliner Woche

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Screenshoot Berliner Woche

„Schöneberg. Weihnachten in Gemeinschaft erleben? Andachten, Spaziergänge auf dem Land, Ruhe und neue Leute kennenlernen? Das Rogate-Kloster St. Michael zu Berlin, An der Apostelkirche 1, bietet über die Feiertage einen Aufenthalt vom 23. bis 28. Dezember im Kloster Lehnin in Brandenburg an…“

Den Artikel von Silvia Möller in der Berliner Woche finden Sie hier.

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Willkommen zu den öffentlichen Gottesdiensten des Rogate-Klosters:

  • Donnerstag, 15. Dezember 2016 | 19:00 Uhr, Eucharistie. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg
  • Sonnabend, 17. Dezember 2016 | 12:00 Uhr, Mittagsgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg
  • Sonnabend, 24. Dezember 2016 | Uhrzeit noch offen, Christmette. Ort: Torkapelle, Kloster Lehnin, Klosterkirchplatz 1-19, 14797 Kloster Lehnin.
  • Sonntag, 1. Weihnachtstag, 25. Dezember 2016 | 17:00 Uhr, Vesper mit Erwachsenentaufe. Ort: Torkapelle, Kloster Lehnin, Klosterkirchplatz 1-19, 14797 Kloster Lehnin.
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Fünf Fragen an: Bischof Burgert Brand, Ev.-luth. Kirche in Namibia

Fünf Freitagsfragen an Burgert Brand, Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Namibia, über die Chancen seiner Kirche vor Ort, Weihnachten bei 40 Grad und das Gedenken an die Niederschlagung des Aufstandes der Herero und Nama.

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Bischof Burgert Brand (Bild: privat)

Burgert Brand wurde 1959 im namibischen Swakopmund geboren, ist in Namibia aufgewachsen und hat seine theologische Ausbildung in Südafrika absolviert. Während der Unabhängigkeitswerdung Namibias – 1989 bis 1995 – war er Pastor in Windhoek und einigen Landgemeinden, dann zuständig für den Aufbau einer multikulturellen Gemeinde in Südafrika nach der politischen Wende dort. Anschließend fünf Jahre Schulpastor im südafrikanischen Hermannsburg und seit Beginn 2015 Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Namibia (DELK).

Rogate-Frage: Herr Bischof Brand, wie können wir uns im fernen Europa die Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia und gemeindliches Leben vorstellen?

Burgert Brand: Lebendig. Divers. Kompliziert. Schließlich gibt es drei lutherische Kirchen in Namibia, die jeweils eine andere Geschichte und damit auch eine jeweils andere Identität haben. In dem mehr deutschsprachigen Teil der lutherischen Familie, in der ich meinen Dienst tue, sind Pfarrer meist auch Fahrer. Viele Kilometer sind die Kollegen und Kolleginnen unterwegs zu den verschiedenen Gottesdienstorten. Diese werden nicht durch Gebäude definiert, sondern eher durch Menschen. Gottesdienste finden auf Farmen statt, also dort, wo die Menschen leben und arbeiten. Da kommt Gemeinde dazu, aber eben auch Besucher und Farmer aus der Umgebung, egal wo sie sonst geistlich hingehören. Es wird gesungen, gebetet, gepredigt; besonders wichtig ist jedoch der Gemeinschaftsaspekt. Die Gemeinde bleibt zusammen zum Kaffeetrinken und Abendbrot. In diesem Rahmen finden seelsorgerliche Gespräche statt, wird der Gottesdienst reflektiert, kommt es zu Diskussionen über Farmerei, Politik und Kirche.

Aber abgesehen von den ländlichen Gemeinden, die bei uns die Mehrheit bilden, gibt es auch Kirche in der Stadt. Swakopmund ist eine Schulstadt, dazu der Ort, an dem sich viele alte Menschen zur Ruhe setzen. Das Gemeindeangebot muss also gezielt die Jugendlichen und die Senioren ansprechen – und tut das auch mit viel Phantasie. Windhoek ist Landeshauptstadt. Hier konzentriert sich die Gemeinde sehr darauf, ein buntes Gottesdienstangebot zu gestalten. Durch die Demographie der Stadt bieten sich ihr viele missionarische und kulturelle Möglichkeiten, die sie wiederum in Partnerschaft mit anderen in Angriff nimmt.

Rogate-Frage: Wie kann die evangelische Kirche wirken und sich in Ihrem Land einbringen?

Burgert Brand: Die evangelische Kirche ist bei weitem die größte Kirchfamilie in Namibia. Etwa 68 Prozent der Bevölkerung sind Lutheraner, dazu kommen noch Anglikaner, Methodisten, verschiedene Kirchen der reformierten Familie – und je nach ökumenischer Perspektive kann diese Aufzählung erweitert werden.

Wir Christen – und besonders wir Evangelischen – sind gefragt. Wir feiern Gottesdienste und müssen fragen, wie Lehre und Verkündigung das Bild unseres Landes beeinflussen und prägen. Wir konfirmieren junge Menschen und müssen sie an ihre Verantwortung in Staat und Gesellschaft erinnern.

Wenn ich ganz ehrlich bin, tun wir uns schwer, unseren Glauben in politisches Handeln umzusetzen. Viele Jahre wurde den Reformierten vorgeworfen, sich mit den Machthabern der Apartheid solidarisiert zu haben. Heute muss sich die lutherische Familie fragen, inwiefern es ihr gelingt, eine kritische Distanz zur regierenden Partei zu gewinnen, mit der sie sich im Befreiungskampf solidarisiert hatte.

Dabei gibt es viel zu tun. Mit der Bildung liegt vieles im Argen – und Bildungsfragen sind ein genuin evangelisches Anliegen; es reicht nicht, Kindergärten zu betreiben, wenn die Erzieher nicht entsprechend ausgebildet werden und so weiter.

Die evangelische Kirche müsste sich meiner Ansicht nach öfter, klarer und kritischer zu Wort melden. Solch eine kritisch-solidarische Stimme könnte das Gespräch im Land bereichern und würde auch die Regierenden mit einbeziehen; schließlich gehören ganz viele von ihnen bewusst zur Kirche und nehmen an den Angeboten der Kirche teil.

Rogate-Frage: Wie feiert man bei Ihnen Advent und wie Weihnachten? Wie werden Sie die Tage begehen?

Burgert Brand: Damit es nicht zu kompliziert und bunt wird, beschränke ich mich bei meiner Antwort wieder auf den deutschsprachigen Teil der Familie. Wer noch einen Draht zur Kirche hat, geht am Heiligen Abend in die Kirche. In Windhoek allein gibt es ein Familienangebot am Nachmittag, eine Vesper, die meist im Rundfunk gesendet wird und in der Nacht noch eine Mette. Alle diese Gottesdienste werden gut besucht. Am Weihnachtstag kommen meist nur die Treuen.

Vieles mag sehr “Deutsch” anmuten: Strohsterne, Lametta, bunte Kugeln, in vielen Familien noch richtige Kerzen. Bei der Auswahl des Weihnachstbaums wird es schon viel differenzierter; bei uns im Haus steht in der Regel ein Dornenbusch, andere nutzen die trockenen Blütenstämme der Agaven oder Aloen. Es wird viel gesungen, aber erst in letzter Zeit wandern auch namibische Texte und Kompositionen in den Gottesdienst ein.

Sie können davon ausgehen, dass es am Heiligen Abend und Weihnachtstag heiß ist. Zwischen 35 – 40 Grad sind keine Seltenheit. Gesprächsthema ist und bleibt: Regen. Für Farmersleute und Stadtmenschen ist Regen in gleicher Weise das Weihnachstgeschenk schlechthin. Es kommt auch gezielt in den Kirchengebeten vor.

Und ich? Meine Frau und ich freuen uns darauf, dass wir mit zweien unserer drei Kinder die Festtage verbringen dürfen, dazu ein erstes Mal mit unserem Enkelkind. Weihnachten und Familie gehören bei uns ganz eng zusammen.

Rogate-Frage: Am 9. November 2016 haben Sie die Christus- und Garnisonkirche in Wilhelmshaven (Niedersachsen) besucht, um eine Tafel zu sehen, die an den Krieg gegen die Herero und Nama im damaligen Deutsch-Südwest-Afrika zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnert. Wie kam es zu dieser Visite und wie hat das Denkmal auf Sie gewirkt?

Burgert Brand: Chefredakteur Reinhard Mawick von den “Zeitzeichen” hatte mich eingeladen, mit ihm Wilhelmshaven und dort die Kirche zu besuchen. Zusammen mit anderen Journalisten hatte er im Mai Namibia bereist, und da kamen wir auf die große Gedenktafel in der Windhoeker Christuskirche zu sprechen und die Überlegung in Windhoek, sich das Modell der Wilhelmshaven Gemeinde einmal anzusehen.

Zunächst fielen mir bei dem Besuch die ganz anderen äußeren Bedingungen auf: Die namibische Tafel in Wilhemshaven ist eine von vielen; sie ist sehr klein im Verhältnis zu dem, was in Windhoek an der Wand hängt; das Kirchgebäude hat eine militärische Vergangenheit, mit der sich die “Zivilgemeinde” nun zu befassen hat, während in Windhoek in einer “Zivilgemeinde” ein militärisches Denkmal angebracht wurde. Hinzukommt, dass zwischen Kolonial- und Militärgeschichte unterschieden werden muss, wenngleich es bestimmte Parallelen gibt.

Allein diese Differenzen geben mir viel zu denken. Unser Projekt in Windhoek wird nicht so einfach sein, wie wir uns das vorgestellt hatten. Für diesen Schritt zurück bin ich dankbar. Die Kollegen in Wilhemshaven haben sich sehr bemüht, die Hintergründe und Ziele ihrer Aktion darzustellen, den größeren Kontext aufzuweisen und die Notwendigkeit, sich gerade in ihrer Kirche den verschiedenen politischen und geschichtlichen Herausforderungen zu stellen, die durch die vielen Tafeln einfach da sind. Ich bin ihnen sehr dankbar und habe viel gelernt!

Rogate-Frage: Am 10. Juli 2015 wurden die Ereignisse vom deutschen Auswärtigen Amt erstmals als Völkermord bezeichnet. Welche Bedeutung hat die Anerkennung des Genozids für die Menschen in Namibia heute?

Burgert Brand: Diese Frage kann ich nicht beantworten, weil das Spektrum der Meinungen, Erwartungen und Befürchtungen sehr breit ist. In Deutschland hat man eine politische Entscheidung gefällt, indem man den Begriff “Genozid” auf den Weg der Anerkennung brachte. Dieses Kapitel ist ja noch nicht abgeschlossen. Aber es gibt seriöse Historiker, die sich mit der Anerkennung dieses Begriffs schwertun. Ihre Einwände werden jedoch vielerorts nicht gern gehört. Oft redet man aneinander vorbei, weil die einen historisch und die anderen juristisch argumentieren. In Namibia haben sich Vertreter der Nama und Herero zu Wort gemeldet und fordern die deutsche Regierung auf, den Sonderbeauftragten und derzeitigen deutschen Botschafter abzuberufen; diese seien unglaubwürdig. Warum? Weil Herr Polenz sich nicht auf eine Parallele zwischen Judenpogrom und Hererogenozid einlassen wollte. Diese beiden Dinge seien für ihn nicht gleichwertig. Das hat man als eine Beleidigung verstanden. Die namibische Regierung ist politisch gesehen der einzige Partner, der mit der deutschen Regierung verhandeln kann. Das sehen die Vertreter der Betroffenen ganz anders.

Sie merken schon – es gibt keine einfache Antwort auf ihre einfache Frage.

Rogate: Vielen Dank, Bischof Brand, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

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Presseschau: „Weihnachten im Kloster“ – Interview im Magazin „blu“

Dienstag, 6. Dezember 2016 | blu

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Screenshott aus der „blu“

„Stundengebete, Spaziergänge auf dem Land, Ruhe und neue Leute kennenlernen? Das Rogate-Kloster, bekannt für seine LGBT*IQ-Akzeptanz, lädt vom 23. bis 28. Dezember zu einem Aufenthalt im Kloster Lehnin in Brandenburg ein. Es gibt gemeinsame Andachten, Singen, Gottesdienstbesuche im Ort und vor allem jede Menge Ruhe und stille Zeiten zur inneren Einkehr und Meditation. Frater Franziskus vom Rogate-Kloster beantwortet unsere Fragen.“

Das Interview von Christian Knuth finden Sie hier.

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten:

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