Fünf Fragen an: Pfarrer Andreas Blum, Gemeinde St. Bonifatius London

Fünf Fragen an Pfarrer Andreas Blum, Deutschsprachige Katholische Gemeinde St. Bonifatius London, über die Leere der Kirchen an Ostern, die Bedeutung persönlicher Begegnung in einer Auslandsgemeinde und existentielles Reden von Gott.

Pfarrer Andreas Blum (Bild: A. Karpinski)

Pfarrer Andreas Blum (53) stammt aus Bensberg bei Köln und studierte in Bonn und Canterbury Katholische Theologie. Nach vielen Jahren als Schulseelsorger und Geistlicher Mentor Theologiestudierender im Erzbistum Köln, wurde er 2017 Pfarrer der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde St. Bonifatius in London. Er engagiert sich darüber hinaus für die „Arche“ (Lebensgemeinschaften für Menschen mit und ohne geistige Behinderungen) sowie in der Exerzitienbegleitung (Schwerpunkt: Film).

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Blum, wie haben Sie dieses Jahr Ostern feiern können?

Die Kirchen im Vereinigten Königreich müssen in diesen Tagen geschlossen bleiben und dürfen auch nicht für das Gebet Einzelner zugänglich gemacht werden. Diese Leere der Kirchen hat etwas von einem andauernden Karsamstag. Am Ostermorgen habe ich mich dann vor allem in der Klage der Maria von Magdala wiedergefunden: „Man hat meinen Herrn weggenommen.“ (Johannes-Evangelium 20,13). In diesem Jahr fehlte der Leib Christi in Gestalt der versammelten Gemeinde (1. Korintherbrief 12,27), und mit Maria habe ich zu verstehen versucht, was es heißen kann, nicht an dem Vertrauten und Liebgewonnenen festhalten zu sollen, sondern das österliche Leben im ganz anderen wiederzufinden. Die Antwort wird reifen müssen.

Rogate-Frage: Was hat sich durch die Corona-Pandemie für Ihre Gemeinde und Sie verändert und wie gehen Sie damit um?

Andreas Blum: In einer Auslandsgemeinde ist die Zusammenkunft und das Teilen von Sprache, Kultur und Speisen aus der Heimat ein wesentlicher Grundvollzug. Sich als Gruppe zu erleben, bietet Halt und Sicherheit in fremder Umgebung. Da unsere Gemeindemitglieder weit verstreut im Großraum London leben, haben wir Erfahrung im Umgang mit räumlicher Distanz, aber wir wissen eben auch um die Bedeutung einer Begegnung, die nicht durch Telefon und Bildschirm ersetzt werden kann.

Besonderes Augenmerk gilt in diesen Tagen unseren Senioren und ihrer Versorgung, sowie denen, die unter Einsamkeit und Zukunftsängsten leiden. Sie werden regelmäßig kontaktiert. Wir haben eine Sonderausgabe unseres Pfarrbriefs mit nützlichen Hinweisen, Anregungen und Ermutigungen erstellt, nicht zuletzt für jene, die digital nicht leicht zu erreichen sind. Wir bieten auf unserer Homepage eigene Gottesdienstvorschläge für jeden Sonntag an und haben zu Ostern ein Video montiert, in dem sich die Gemeinde mit Gebeten und Liedern von Haus zu Haus grüßt. Wir versuchen, in konkreter Verbindung zu bleiben.

Rogate-Frage: Wie nehmen Sie die aktuelle Situation in London wahr und wie geht die Bevölkerung damit um?

Andreas Blum: Bis vor kurzem galt das Vereinigte Königreich noch als gespaltenes Land (Stichwort: Brexit). Erstaunlich schnell und einmütig hat man sich jetzt jedoch hinter den Institutionen des Landes versammelt. Den regierungsamtlichen Anordnungen und Empfehlungen wird willig Rechnung getragen, beim Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) meldet sich ein Heer von freiwilligen Helfern und die Queen ordnet in ihrer unangefochtenen Autorität den historischen Moment für die ganze Nation ein. Direkte Kontakte in zwei große Krankenhäuser im Zentrum der Stadt berichten davon, dass die Anspannung groß sei – aber von einer Überforderung oder gar einem Kollaps des Systems, wie er in manchen deutschen Medien an die Wand gemalt wird, kann zur Stunde glücklicherweise nicht die Rede sein. Auf der Straße kommen jetzt eingeübte Tugenden wie das geduldige Schlangestehen oder die aus Höflichkeit bewahrte Distanz voll zum Tragen.

Rogate-Frage: Was können wir als europäische Christen aus der Situation lernen und in die Zukunft tragen?

Andreas Blum: Mitten in einer Krisenbewältigung mit unbekanntem Ausgang ist es kaum möglich, bereits nachhaltige Rückschlüsse für die Zukunft zu formulieren. Wo die einen noch hoffen, möglichst bald zu ihrem früheren Leben zurückzukehren, glauben andere, dass nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. Die Wahrheit mag irgendwo dazwischen liegen, aber das kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keiner wissen. Auf den Prüfstand wird unser Verhältnis zur Schöpfung gehören, das sich weder in Ausbeutung noch Schwärmerei verlieren darf. Die Erkenntnis, dass auch der moderne Mensch nicht der Herr allen Lebens ist, führt uns vielleicht zu neuer Demut und Dankbarkeit. Nicht zuletzt aber verlangt eine existentielle Krise von uns Christen auch ein existentielles Reden von Gott. Mit Schweigen oder Floskeln wird es nicht getan sein.

Rogate-Frage: Würden Sie uns ein Gebet schenken?

Andreas Blum:

Statt Angst – das „Fürchtet euch nicht“ des Auferstandenen.
Statt Strafe – die Barmherzigkeit und Vergebung Gottes.
Statt Tod – das Leben.
Das ist Ostern.

Guter Gott,
lass dein österliches Licht auch in diesen Tagen leuchten,
in denen wir voll Sorge in eine ungewisse Zukunft schauen.
Du hast dich über unzählige Generationen
als der Gott an der Seite des Menschen erwiesen.
Stärke, führe und begleite auch uns
durch Leben und Tod
in Christus, unserem Herrn.
Amen.

Rogate: Amen. Vielen Dank, Herr Pfarrer Blum, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Angesichts der Corona-Pandemie können wir leider keine verlässlichen Angaben machen, wann wir wieder zu Rogate-Gottesdiensten und Veranstaltungen wie dem Wangerlandsofa einladen können. Die nächsten geplanten Termine finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Pfarrer Joachim Lenz, Bündnis United4Rescue

Fünf Fragen an Pfarrer Joachim Lenz, Sprecher des Bündnisses United4Rescue, über die Untätigkeit maltesischer Behörden in der Osternacht, die Indienststellung der „Seawatch 4“ und die Hoffnung auf die Vermittlung durch die europäische Kommission.

Pfarrer Joachim Lenz (Bild: Stadtmission Berlin)

Joachim Lenz ist 58 Jahre alt und war Dorfpfarrer an der Mosel, Kirchentagspastor und Direktor der Berliner Stadtmission. Ab Sommer soll er als evangelischer Propst in Jerusalem leben und arbeiten. Lenz engagiert sich als ehrenamtlicher Pressesprecher im Verein „Gemeinsam retten e.V.“, der das Bündnis United4Rescue organisiert.

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Lenz, Sie haben in der Osternacht mit Sorge auf Ereignisse im Mittelmehr geblickt. Was ist dort passiert?

Joachim Lenz: Vier Boote mit insgesamt über 250 flüchtenden Menschen versuchten, Europa zu erreichen. In der Osternacht baten sie telefonisch um Hilfe, weil ihren Booten die Luft ausging. Die zuständigen Behörden in Malta wurden informiert, reagierten aber in keiner Weise. Ein Aufklärungsflugzeug des europäischen Grenzschutzes Frontex überflog das Seegebiet und machte die Boote aus, leitete aber keine erkennbaren Rettungsaktionen in die Wege.

Rogate-Frage: Welche Folgen ergeben sich für Sie daraus?

Joachim Lenz: Als Bündnis United4Rescue haben wir die Informationen, die über die Seenotrettungsorganisationen Alarm_Phone und Sea-Watch bei uns ankamen, an die Öffentlichkeit weitergeleitet. Es gibt ja klare Regelungen für die Seenotrettung: Es muss geholfen werden! Das ist im Völkerrecht, im internationalen Seerecht und in der UN-Menschenrechtskonvention eindeutig geregelt und natürlich auch für Malta, Italien und die gesamte Europäische Union verbindlich. Leider wird schon seit langem immer wieder nicht nach den gesetztlichen Vorgaben gehandelt. Wir meinen, dass die Öffentlichkeit das wissen muss, und wir hoffen, dass Politikerinnen und Politiker in unserem Land diese Informationen nutzen, um die Verantwortlichen zum Handeln zu bringen.

Rogate-Frage: Welche Aufgaben hat das Bündnis United4Rescue und was verbindet es mit der Seawatch-Organisation?

Joachim Lenz: Sea-Watch ist eine Hilfsorganisation, die mit anderen zivilen Seenotrettern wie Sea Eye oder Lifeline Menschen im Mittelmeer vor dem Ertrinken bewahrt. Seenotrettung ist eine staatliche Aufgabe, die bis vor gut einem Jahr auch vom europäischen Grenzschutz wahrgenommen wurde; im Rahmen des EU-Projektes „Sophia“ wurden zigtausende Flüchtlinge gerettet. Die zivilen Seenotretter haben das unterstützt. Trotzdem sind seit 2015 weit mehr als 20.000 Menschen an unserer europäischen Grenze ertrunken. Seit langem ist es nun leider so, dass der EU-Grenzschutz es zu vermeiden versucht, auch nur in die Nähe von Flüchtlingsbooten zu kommen. Nur noch die zivilen Seenotretter kommen denen zu Hilfe, die bei ihrer Flucht auf dem Meer unterzugehen drohen. Das Bündnis United4Rescue unterstützt diese Seenotrettung. Wir haben dazu Geld gesammelt und ein ehemaliges Forschungsschiff ersteigert, das als zusätzliches Rettungsschiff unter dem Namen „Sea-Watch 4“ möglichst bald auf Mission gehen soll. Außerdem unterstützen wir Seenotrettungsorganisationen und werben dafür, die zivile Seenotrettung nicht länger zu kriminalisieren. Wir fordern faire Asylverfahren – kurz, wir wollen schlicht, dass geltendes Recht wieder umgesetzt wird. Und den Kommunen, die Gerettete aufnehmen wollen, sollen das als sogenannte Sichere Häfen auch dürfen: Das muss der Bundesinnenminister aber erst rechtlich ermöglichen.

Rogate-Frage: Was entgegnen Sie denen, die behaupten, dass durch die Seenotrettung Anreize für die Flucht von Migranten über das Meer geschaffen werden?

Joachim Lenz: Die hohe Zahl der Toten zeigt, dass Seenotrettung leider nicht sicher funktioniert. Das wissen doch auch die, die sich in unsichere Boote setzen! Es gibt mehrere unabhängige Studien, die den angeblichen „Pull-Effekt“ der Seenotrettung widerlegen. Wer es über lange Fussmärsche an die afrikanische Nordküste geschafft hat und dort in einem KZ-ähnlichen Flüchtlingslager mitten im Bürgerkrieg lebt, versucht Europa zu erreichen – unabhängig davon, ob zivile Rettungsschiffe unterwegs sind. Außerdem: Selbst wenn das Arguemnt stimmen würde (was ich bestreite!), hätten die Menschen dennoch jedes Anrecht auf Rettung! Wer bei uns angetrunken mit seinem Auto Menschen totfährt und sich dabei selbst verletzt, wird doch gerettet und im Krankenhaus versorgt. Menschenrechte wie das Recht auf Leben sind nicht abhängig von irgendwelchen moralischen, politischen oder pädagogischen Überlegungen. Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.

Rogate-Frage: Welche Auswirkungen hat und wird die Corona-Pandemie auf Ihre Arbeit und die Seenotrettung im Mittelmeer haben?

Joachim Lenz: Unser Bündnisschiff, die Sea Watch 4, sollte jetzt eigentlich schon auf See sein. Sie liegt aber im spanischen Burriana, dort konnten die letzten erforderlichen Umbauten nicht fertiggestellt werden, weil Spanien Fabriken und auch Häfen geschlossen hatte. Wir hoffen sehr, dass das Schiff bald losfahren und helfen kann. Wenn Menschen aus Flüchtlingsbooten aufgenommen werden, müssen dann natürlich alle auch bei uns erforderlichen Schutzmaßnahmen eingehalten werden: Das ist aufwändig und erschwert die Hilfe. Noch schlimmer ist aber, dass die Staaten mit sicheren Häfen (vor allem Italien und Malta) die Pandemie zum Anlass genommen haben, die Aufnahme Geretteter erst einmal kategorisch abzulehnen. Dabei kann natürlich auch eine noch so schwierige Situation nicht die Menschenrechte außer Kraft setzen. Wer ehrlich ist, weiß und sagt das auch. Wir setzen darauf, dass die europäische Kommission hier vermittelt und hilft.

Rogate: Vielen Dank, Herr Pfarrer Lenz, für das Gespräch!

Mehr Infos zum Bündnis United4Rescue finden Sie hier. Das Rogate-Kloster wie auch der Förderverein Rogate-Kloster e.V. sind mit fast 400 anderen Organisationen Mitglied im Bündnis.

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Angesichts der Corona-Pandemie können wir leider keine verlässlichen Angaben machen, wann wir wieder zu Rogate-Gottesdiensten und Veranstaltungen wie dem Wangerlandsofa einladen können. Die nächsten geplanten Termine finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Pfarrer Burkhard Bornemann, Berlin-Schöneberg

Fünf Fragen an Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde zu Berlin-Schöneberg, über Seelsorge in der Coronakrise, den Auftrag als Pfarrer und warum er am Karsamstag um 22 Uhr in der Kirche alleine die Osterkerze entzünden wird.

Burkhard Bornemann ist seit 25 Jahren evangelischer Pfarrer in Berlin, kam vor knapp sieben Jahren aus dem nördlichen Stadtrand mitten in die Mitte der City an die Schöneberger Zwölf- Apostel-Gemeinde zwischen Siegessäule und Kleistpark.

Pfarrer Burkhard Bornemann (Bild: privat)

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Bornemann, heute (Karsamstag) gehen Sie am späten Abend alleine in die Zwölf-Apostel-Kirche. Warum?

Burkhard Bornemann: Um 22 Uhr entzünde ich in unserer Kirche die Osterkerze. Das wird in verschiedenen Kirchen im Umkreis geschehen. Unsere Gemeindeglieder und Freund*innen stellen Kerzen in die Fenster und damit verbinden wir uns alle und vertrauen: Die Hoffnung gewinnt! Das Leben ist stärker als der Tod! Ein Zeichen, das wir gerade jetzt brauchen.

Rogate-Frage: Wie hat sich Ihre Arbeit als Seelsorger durch Corona verändert und was bewegt Ihre Gemeindeglieder?

Burkhard Bornemann: Alles hat sich für mich verändert. Und doch ist mein Auftrag gleichgeblieben. Menschen ermutigen, trösten, begleiten. Angst gemeinsam aushalten und sich nicht überwinden lassen. Am Telefon, mit Briefen, Emails, durch Textbotschaften und kleine Videos. Und manchmal im gebotenen Abstand mit Mundschutz gegenüber. Die Menschen hier sind irritiert und verstört, haben ihren gewohnten Alltag verloren. Sie haben Angst vor dem Virus, vor der Krankheit, viele hier gehören zu Risikogruppen. „Wenn es mich erwischt, dann schaff ich es nicht.“ Andere haben Angst um ihren Job, sind unter fadenscheinigen Gründen entlassen worden, rechnen sich aus, dass sie ihren kleinen Laden nicht mehr lange halten können. Die Ängste sind vielfältig, und manche langweiligen sich richtig alleine in ihrer Wohnung. Fragen sich, wie sie den Tag über etwas Sinnvolles machen können.

Rogate-Frage: Welche Aktivitäten sind derzeit noch in der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde und auf Ihren Kirchhöfen möglich?

Wir haben am Palmsonntag begonnen, unsere Kirche von 15 bis 17 Uhr offen zu halten, zum Gebet und zur stillen Einkehr. Das wird sehr angenommen. Es kommen manchmal über 20 Menschen in den zwei Stunden, wir müssen immer nur achten, dass nie mehr als fünf bis sechs Menschen zur selben Zeit in der Kirche sind. Am Mittwoch haben wir begonnen, Tüten mit Lebensmitteln zu verteilen. Wir bekommen von der Berliner Tafel und Händlern der Umgebung so viel gespendet, dass wir Taschen mit Lebensmitteln auch an unseren Kirchenzaun hängen. Am Karfreitag hat unser Kirchenmusiker bei offenen Fenstern Orgel gespielt und morgen am Ostersonntag spielt ein Musiker Trompete vom Kirchturm – Auferstehungschoräle. Im Internet geben wir Impulse und Hinweise, auch vernetzt mit anderen Gemeinden. 

Auf unseren Kirchhöfen finden weiterhin Beisetzungen statt. Alles im Freien und nicht mehr als zehn Teilnehmende. Da braucht es im Vorfeld und begleitend Seelsorge, denn manche Angehörige fragen sich, wo bleibt jetzt die Würde, ist es nicht nur ein Verscharren. Nein, ist es nicht. Die Menschen vom Friedhof, die Bestatter*innen und ich machen sich viele Gedanken, damit alles so persönlich und liebevoll wie möglich gestaltet wird. Ein Segen, dass gerade das Wetter so gut mitspielt. In dieser Woche wurde eine Beisetzung, die ich begleitete, gefilmt, damit die Menschen, die nicht dabei sein konnten, in dieser Form nahe sein konnten. Da wurde uns viel Dankbarkeit gezeigt dafür. 

Rogate-Frage: Was gibt Ihnen als Christ Hoffnung in dieser Krise?

Burkhard Bornemann: Gott ist uns gerade in schweren Zeiten nahe. Wir sind zu Gemeinschaft, Nächstenliebe und Fürsorge gerufen, gerade jetzt- dazu braucht es viel Fantasie. Wir alle brauchen Geduld. Ich frage mich jeden Tag, was Gott von mir erwartet, was mir gezeigt wird, was ich lernen kann. Persönlich nehme ich diese Zeit als Prüfung wahr und ernst. Da will ich mich auch fordern lassen. Um anderen Zuwendung und Verständnis zu schenken. 

Rogate-Frage: Würden Sie uns ein Ostergebet schenken?

Burkhard Bornemann: Gott, du Freund des Lebens, du hast deinen Sohn in die Welt gesandt, damit wir für das Leben eintreten, die Lebendigkeit und Vielfältigkeit schützen. Durch Jesu Leben, Tod und Auferstehung wissen wir, dass trotz allen Leids, das wir jetzt gerade erleben und um das wir weltweit erleben, dass nichts uns trennen kann von deiner bedingungslosen und unverbrüchlichen Liebe. Auch im Erleben der Corona-Pandemie, in unserer Angst um uns selber und andere, in unserer Hilflosigkeit, oft verstört und voller Fragen, vertrauen wir im Blick auf den auferstandenen Christus, dass das Leben siegt, die Hoffnung trägt. Du machst unsere Welt neu, durch die wir unsicher schreiten. Gehe du uns voran und lass uns dein Osterlicht leuchten. Das bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Rogate: Amen! Vielen Dank, Herr Pfarrer Bornemann, für das Gespräch!

Mehr Infos finden Sie hier: zwoelf-apostel-berlin.de

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

Gesegnete Ostern! Bleiben Sie gesund und behütet!

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Angesichts der Corona-Pandemie können wir leider keine verlässlichen Angaben machen, wann wir wieder zu Rogate-Gottesdiensten und Veranstaltungen einladen können. Die nächsten geplanten Termine sind:

  • Sonntag, 17. Mai 2020 | 10:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie zum Sonntag Rogate. Predigt: Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-katholische Gemeinde Berlin. Liturgie: Bruder Franziskus. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche. Orgel: Martin Küster.
  • Donnerstag, 18. Juni 2020| 19:00 Uhr, „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“. Ort: Hohenkirchen/Friesland.
  • Freitag, 17. Juli 2020 | 19:30 Uhr, Eröffnungsgottesdienst zum Lesbisch-schwulen Stadtfest 2020. Mit Pfarrer Burkhard Bornemann (Zwölf-Apostel-Gemeinde) u.a.. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche.
  • Donnerstag, 27. August 2020| 19:00 Uhr, „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“. Ort: Walter-Spitta-Haus, Lange Straße 60, 26434 Hooksiel.

Fünf Fragen an: Oberkirchenrat Detlef Mucks-Büker, Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg

Fünf Freitagsfragen an Oberkirchenrat Detlef Mucks-Büker, Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, über Veränderungen in der Kirche durch die Coronakrise, die Aufforderung zum Hausabendmahl in der Pandemie und einen Auferstehungshymnus auf der Gartenterrasse.

Oberkirchenrat Detlef Mucks-Büker (Bild: Pressestelle ELKiO)

Detlev Mucks-Büker ist 61 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in einem Arbeiterhaushalt in Gelsenkirchen. Er studierte Evangelische Theologie in Münster, Tübingen und (West-)Berlin. Nach dem Vikariat in Dortmund war er Pfarrer in Bergkamen und Gladbeck, von 1999 bis 2011 Superintendent in Gladbeck-Bottrop-Dorsten. Seit 2011 ist er theologischer Oberkirchenrat in Oldenburg, zuständig für die Bereiche Bildung und Diakonie. 2011 Master Diakoniemanagement in Bethel. Er ist verheiratet und Vater dreier Kinder sowie leidender Fan vom FC Schalke 04. Sein Hobbie (das immer zu kurz kommt): Schottischer Dudelsack.

Rogate-Frage: Herr Oberkirchenrat Mucks-Büker, was hat sich für Sie als Theologe in leitender Funktion einer Kirche verändert?

Detlef Mucks-Büker: Interessant war die Erfahrung, wie sehr es in solchen herausfordernden Zeiten ein Bedürfnis nach klarer und eindeutiger Orientierung auch von einer evangelischen Kirchenleitung gibt: Kirchengemeinden wollen wissen, woran sie sind, und ob die Entscheidungen, die sie vor Ort zu treffen haben, wie zum Beispiel über die Schließung oder Öffnung ihrer Kirche, Rückhalt haben oder auf sicherem Boden stehen. So intensiv habe ich das bisher noch nie erfahren. Eine gelingende und klare Kommunikation schafft eine gute Grundlage für Vertrauen, und mit Vertrauen ist man in der Lage, Krisen zu bewältigen.

Rogate-Frage: Wie gehen die Kirchengemeinden und Dienste und Werke in Ihrem Verantwortungsbereich damit um?

Detlef Mucks-Büker: Es ist überraschend und faszinierend zugleich, wie verhältnismäßig schnell sich die meisten Arbeitsbereiche auf neue Kommunikationsformen vor allem auf dem digitalen Weg einstellen. Wo es vor Corona schon digitale Bildungs- oder Gottesdienstangebote wie, zum Beispiel Webinare und Online-Andachten gab, hatten sie bisher meistens Experimentierstatus. Jetzt sind sie unverzichtbarer Bestandteil und werden auch künftig zu den Standards kirchlicher Bildungsangebote gehören. Erstmals wird für eine breite Schicht unserer Mitarbeitenden sichtbar, wie viele Menschen sich über digitale und soziale Medien erreichen lassen. Es ist diese Erfahrung, die all bisherige Skepsis und Distanz aufhebt.

Rogate-Frage: Die Kirchenmitglieder wurden aufgefordert, am Gründonnerstag Hausabendmahlsfeiern auch ohne Pastorin oder Pastor zu halten. Kirchenrechtlich und theologisch ist damit Neuland betreten worden, oder?

Detlef Mucks-Büker: Das Hausabendmahl als solches ist bisher und vor allem in der Seelsorge an solchen Kirchenmitgliedern ausgerichtet gewesen, die nicht in der Lage sind, an den Abendmahlsfeiern in den Gottesdiensten der Gemeinde teilzunehmen. Das betrifft in der Regel ältere, gebrechliche oder kranke Menschen, zuweilen auch Sterbende mit ihren Familien. Auch hier sind es die Pfarrerinnen und Pfarrer, die das Abendmahl leiten, weil sie aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer Ordination durch die Kirche zur Sakramentsverwaltung berufen und beauftragt sind. Grundsätzlich gilt aber auch hinsichtlich des Umgangs mit den Sakramenten das reformatorische Prinzip des allgemeinen Priestertums aller Getauften. Das heißt, dass vom Grundsatz her jede getaufte Christin und jeder getaufte Christ aus besonderem Anlass das Sakrament der Taufe und des Abendmahls spenden darf. Solch ein Anlass können Zeiten wie die der aktuellen rigorosen Kontakteinschränkungen und Versammlungsverbote darstellen. Nicht von ungefähr umfasst Luthers Kleiner Katechismus auch die Einsetzungsworte des Abendmahls, verbunden mit dem Gedanken, dass diese theologische Mindestausstattung in jedem christlichen Hausstand vorhanden sei. Es ist gut, dass in unserer Zeit Texte wie die der Abendmahlsliturgie auch in unseren Gesangbüchern zu finden sind. Theologisch spricht nichts dagegen, dass im familiären Kontext eine Abendmahlsfeier gehalten werden darf, wenn es absolut keine andere Möglichkeit gibt.

Rogate-Frage: Was wird sich darüber hinaus verändern? Was können wir daraus lernen?

Detlef Mucks-Büker: Es bleibt abzuwarten, was und ob sich was verändern wird nach Corona. Vielleicht haben wir gemerkt, dass so manche Gremiensitzung oder Dienstbesprechung mit den Mitteln der modernen Technik wie Videokonferenzen auch einiges an Fahrtzeiten vermeidet. Zeit, die sich dann gut für anderes verwenden lässt. Vor allem erhoffe ich mir, dass wir für die nächste Zeit nicht mehr so schnell einer Arbeits- und Terminverdichtung verfallen, wie sie vor der Krise zum stressigen Alltag gehörte. Vielleicht lernen wir, wirklich Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und sorgsamer mit unseren Ressourcen umzugehen als zuvor. In einer kleiner werdenden Kirche wird man nicht mehr alles so weitermachen können wie bisher. Das wussten wir eigentlich auch schon vorher.

Rogate-Frage: Wie werden Sie Ostern feiern und die einzelnen besonderen Tage von Gründonnerstag bis Ostermontag begehen?

Detlef Mucks-Büker: Anders als in den ganzen Jahren zuvor, werden wir nur zu Dritt in unserer Familie zusammen sein. Aufgrund der Einschränkungen können weder unsere beiden Söhne uns wie sonst besuchen, noch können wir uns alle gemeinsam auf den Weg zu unseren beiden Müttern machen. Über Fernsehgottesdienste und Gottesdienste im Internet werden wir unserem Bedürfnis nach Andacht und Gebet nachkommen. Am Karfreitag hören meine Frau und ich uns die Johannespassion von Bach an. Wie immer wird es am Karfreitag Fisch bei uns zu Essen geben. Und ich werde wie in jedem Jahr nach sieben Wochen ohne Alkohol wieder ein Glas Wein trinken. Unsere Tochter, die bei uns sein kann, wird am Ostersonntagmorgen mit der Blockflöte „Christ ist erstanden“ auf der Gartenterrasse spielen. Da wir in diesem Jahr keinen Besuch unserer noch kleineren Nichten und Neffen haben, wird es leider keine Ostereiersuche geben.

Rogate: Vielen Dank, Herr Oberkirchenrat Mucks-Büker, für das Gespräch!

Mehr über die Evangelische-Lutherische Kirche in Oldenburg finden Sie hier: kirche-oldenburg.de

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

Bleiben Sie gesund und behütet!

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Angesichts der Corona-Pandemie können wir leider keine verlässlichen Angaben machen, wann wir wieder zu Rogate-Gottesdiensten und Veranstaltungen einladen können. Die nächsten geplanten Termine sind:

  • Sonntag, 17. Mai 2020 | 10:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie zum Sonntag Rogate. Predigt: Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-katholische Gemeinde Berlin. Liturgie: Bruder Franziskus. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche. Orgel: Martin Küster.
  • Donnerstag, 18. Juni 2020| 19:00 Uhr, „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“. Ort: Hohenkirchen/Friesland.
  • Abgesagt: Freitag, 17. Juli 2020 | 19:30 Uhr, Eröffnungsgottesdienst zum Lesbisch-schwulen Stadtfest 2020. Mit Pfarrer Burkhard Bornemann (Zwölf-Apostel-Gemeinde) u.a.. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche.
  • Donnerstag, 27. August 2020| 19:00 Uhr, „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“. Ort: Walter-Spitta-Haus, Lange Straße 60, 26434 Hooksiel.

Coronakrise: Bischof Stäblein ruft jeden Tag um 12 Uhr zum gemeinsamen Gebet auf

Berlin, 19. März 2020 – Christian Stäblein, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), lädt angesichts der Coronakrise dazu ein, jeden Tag um 12:00 Uhr zeitgleich mit ihm zu beten.

In einem Brief, der an alle Gemeinden der Landeskirche verschickt wurde, schreibt er: „Gott erspart uns nicht alle Bedrängnisse des Lebens. Aber er hat uns verheißen, bei uns zu sein. Ich vertraue darauf, dass Gott uns trägt.“

Jeden Mittag um 12 Uhr wird Bischof Stäblein nun innehalten und im Gebet zu Gott für all die bitten, die sich sorgen, die krank sind und Kranke pflegen. Das Gebet schließt mit einem Vaterunser und dem Segen. „Ich lade Sie ein, mit in dieses Gebet zu gehen, wo immer Sie sind“, so Bischof Stäblein. So entfalte das Gebet Kraft und wir könnten beieinander sein, auch wenn wir Abstand halten müssen. 

Das Mittags-Gebet von Bischof Stäblein wird täglich aufgenommen und ist auf der EKBO-Homepage ekbo.de und auf Facebook  zu sehen. Um 12:00 Uhr wird das Gebet täglich auf Radio Paradiso zu hören sein.

Nächstes Wangerlandsofa: Termin wird verschoben

Angesichts der aktuellen Entwicklungen durch das Corona-Virus werden wir den nächsten Termin des Wangerlandsofas verschieben. Am Donnerstag, 19. März 2020, sollte es im Walter-Spitta-Haus in Hooksiel um das Thema „Da kommst du ohne Auto nicht hin! – Über Mobilität im Wangerland und Visionen für die Zukunft“ gehen. Wir wollen aber die behördlichen Empfehlungen ernst und unsere Gäste schützen. Jetzt geht es darum, Rücksicht zu nehmen und sich und andere zu schützen. Auch wir müssen alles tun, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Der Termin zum Thema Mobilität soll nachgeholt werden. Geplant ist bislang dafür Donnerstag, 23. April 2020| 19:00 Uhr, „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“. Ort: Walter-Spitta-Haus, Lange Straße 60, 26434 Hooksiel. Wir werden die Entwicklungen abwarten müssen und müssen dann entscheiden, ob der April-Termin durchführbar sein wird.

Wir bitten um Verständnis und wünschen Ihnen allen, dass Sie alle gut durch diese Wochen kommen und gesund bleiben. Bleiben Sie behütet!

Pressespiegel: „Wangerland-Sofa in Hooksiel – Verlust der Heimat ist schwere Last“

Nordwest-Zeitung vom 22. Februar 2020

„Bischof Adomeit nahm am Donnerstagabend im Walter-Spitta-Haus Hooksiel auf dem „Wangerlandsofa“ Platz. Im Rahmen des Demokratie-Projekts „Miteinander reden“ hatte Bruder Franziskus vom Rogate-Kloster Berlin das Thema „Flucht“ in den Mittelpunkt gestellt. „Was heißt das, zu flüchten, übers Meer zu fahren?“ – diese Frage beantworteten Sahar und Mohammed…“

Den Artikel „Wangerland-Sofa In Hooksiel – Verlust der Heimat ist schwere Last“ von Melanie Hanz finden Sie hier.


Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten und Veranstaltungen!

  • Sonnabend, 14. März 2020| 18:00 Uhr, Mitwirkung (Predigt Br. Franziskus) in der Vorabendabendmesse. Ort: Sankt Bonifatius-Kirche Varel, Bürgermeister-Heidenreich-Str. 4, Varel.
  • Sonntag, 15. März 2020| 9:30 Uhr, Mitwirkung (Predigt Br. Franziskus) in der Heiligen Messe. Ort: Sankt Bonifatius-Kirche Varel, Bürgermeister-Heidenreich-Str. 4, Varel.
  • Sonntag, 15. März 2020| 11:00 Uhr, Mitwirkung (Predigt Br. Franziskus) in der Heiligen Messe. Ort: Heilig-Kreuz-Kirche, Jaderberg.
  • Donnerstag, 19. März 2020| 19:00 Uhr, „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“. Ort: Walter-Spitta-Haus, Lange Straße 60, 26434 Hooksiel.
  • Donnerstag, 23. April 2020| 19:00 Uhr, „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“. Ort: Walter-Spitta-Haus, Lange Straße 60, 26434 Hooksiel.
  • Sonntag, 17. Mai 2020 | 10:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie zum Sonntag Rogate. Mit Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-katholische Gemeinde Berlin. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche.