Vier Andachten im Advent: „Warum ich trotzdem Hoffnung habe“

Zu ökumenischen Abendandachten in der Lutherkirche lädt das Rogate-Kloster Sankt Michael an den Adventssonntagen ein. Auf die Frage „Warum ich trotzdem Hoffnung habe“ werden Engagierte angesichts der vielen weltweiten Krisen jeweils Impulse setzen, darunter eine Ärztin, eine Geschäftsführerin, ein Lehrer und Mitglieder des Rates der Stadt. Lektorinnen aus verschiedenen Gemeinden der Stadt gestalten mit Bruder Franziskus die Andachten bei Kerzenschein in der Dunkelheit. Die Orgel bei der Andacht am 1. Advent spielt Wolfgang Pude, Neuapostolische Kirche Wilhelmshaven. Beginn ist jeweils um 18:00 Uhr in der Brommystraße 75. Es wird warme Kleidung für den Aufenthalt in der kalten Kirche und das Mitbringen einer Kerze oder Taschenlampe empfohlen.

Termine: 27. November, sowie am 4., 11. und 18. Dezember.

Ort: Lutherkirche, Brommystraße 75, Wilhelmshaven-Villenviertel.

  • 1. Advent, Sonntag, 27. November 2022 | 18:00 Uhr, Adventsandacht bei Kerzenschein. Mitwirkende: Heidrun Helbich (Thomaskirche, Neuengroden) und Br. Franziskus. Orgel: Wolfgang Pude (Neuapostolische Kirche Wilhelmshaven) u.a. Ort: Lutherkirche, Brommystraße 75, Wilhelmshaven-Villenviertel.
  • 2. Advent, Sonntag, 4. Dezember 2022 | 18:00 Uhr, Adventsandacht bei Kerzenschein. Mitwirkende: Ratsfrau Dr. Angela Kirstges, Susanne Klenk (St. Stephanuskirche, Fedderwarden), Philipp Kolbe, Br. Franziskus u.a. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Ort: Lutherkirche, Brommystraße 75, Wilhelmshaven-Villenviertel.
  • 3. Advent, Sonntag, 11. Dezember 2022 | 18:00 Uhr, Adventsandacht bei Kerzenschein. Mitwirkende: Ratsfrau Petra Stomberg, Hilke Schwarting-Boer (Diakonisches Werk Friesland-Wilhelmshaven) Heidrun Helbich (Thomaskirche, Neuengroden), Philipp Kolbe, Br. Franziskus und weitere. Orgel: Traugott Böhlke (St. Martinskirche, Voslapp). Ort: Lutherkirche, Brommystraße 75, Wilhelmshaven-Villenviertel.
  • 4. Advent, Sonntag, 18. Dezember 2022 | 18:00 Uhr, Adventsandacht bei Kerzenschein. Mitwirkende: Ratsherr Uwe Heinemann, Heidrun Helbich (Thomaskirche, Neuengroden), Susanne Klenk (St. Stephanuskirche, Fedderwarden), Philipp Kolbe, Br. Franziskus und weitere. Orgel: Traugott Böhlke (St. Martinskirche, Voslapp). Ort: Lutherkirche, Brommystraße 75, Wilhelmshaven-Villenviertel.

Ein weiterer Terminhinweis:

  • Dienstag, 29. November 2022 | 18:00 Uhr, ökumenisches Friedensgebet anlässlich des Überfalls Russlands auf die Ukraine. Impuls: Theologin Heide Grünefeld, Migrationsberatung der Diakonie Friesland-Wilhelmshaven. Die Friedensgebete werden getragen von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael. Ort: St. Willehadkirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.

Fünf Fragen an: Björn Odendahl, Redaktionsleiter katholisch.de

Fünf Fragen an Björn Odendahl, Redaktionsleiter katholisch.de, über erschreckende Zahlen der EU-Kommission über Einsamkeit, deren konkrete Folgen und ein motivierendes Youtube-Video. Ein Interview im Rahmen des Rogate-Demokratieprojekts „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“.

Björn Odendahl (Bild: Harald Oppitz/KNA)

Björn Odendahl stammt aus dem Ruhrgebiet und hat das Theologiestudium in Bochum mit dem Diplom abgeschlossen. Nach einem journalistischen Volontariat war er zunächst für die Kirchenzeitung seiner Heimatdiözese Essen tätig. 2013 wechselte er zu katholisch.de nach Bonn. Seit 2018 leitet er die Redaktion.

Rogate-Frage: Herr Odendahl, wie ist es dazu gekommen, dass Ihre Redaktion sich mit dem Thema Einsamkeit beschäftigt?

Björn Odendahl: Die Idee kam uns, als wir im Sommer auf eine Studie der EU-Kommission gestoßen sind. Die dort aufgeführten Zahlen zum Thema Einsamkeit waren erschreckend. Demnach gaben zwar schon 2016 rund zwölf Prozent der EU-Bürger an, sich mehr als die Hälfte der Zeit einsam zu fühlen. Dieser Anteil stieg in den ersten Monaten der Pandemie aber auf rund 25 Prozent. In Deutschland ging die Zahl sogar von 8,8 auf die genannten 25 Prozent hoch. Man hat dann meistens dieses Klischee von der älteren Witwe im Kopf, die keinen Besuch von ihren Kindern oder Enkeln bekommt. Aber die Studie belegt das Gegenteil: Die 18- bis 25-Jährigen waren und sind noch stärker betroffen. Für uns stand dann fest: Wenn jeder vierte Mensch in Deutschland einsam ist, müssen wir darauf aufmerksam machen. 

Rogate-Frage: Welche Auswirkungen hat die Einsamkeit?

Björn Odendahl: Ich bin Journalist und kein Psychologe, weshalb ich mir kein Experten-Urteil anmaße. Aber wir haben zu den Themen natürlich recherchiert. Erst einmal ist es wichtig, dass man zwischen dem Alleinsein und Einsamkeit unterscheidet. Es gibt Menschen, die auch längere Zeit gerne allein sein sind und die sich gut mit sich selbst beschäftigen können. Diese Menschen würden von sich selbst auch nicht sagen, dass sie in diesen Momenten einsam sind. Bei „echter“ Einsamkeit fehlen Menschen die sozialen Kontakte dagegen sehr. Das muss erst einmal nicht unmittelbar negative Folgen haben, kann es aber, wie aktuelle Umfragen und Aussagen von Experten wie Psychologen oder Kinderärzten zeigen. Menschen können depressiv werden oder kompensieren die Einsamkeit mit übermäßigem Konsum in unterschiedlichster Form: von Alkohol über Süßigkeiten bis zum exzessiven Surfen im Internet kann alles dabei sein.

Rogate-Frage: Was verbirgt sich hinter #jetzthoffnungschenken?

Björn Odendahl: Im Mittelpunkt der Aktion stand zunächst ein emotionaler animierter „Weihnachtsclip“, der auf das Thema Einsamkeit aufmerksam machen sollte. Der wurde bei YouTube bereits über 684.105 Mal aufgerufen (Stand heute, 23.12.2021). Das zeigt uns, dass wir durchaus einen Nerv getroffen haben. Dort spielen wir übrigens mit dem erwähnten Klischee, wer denn eigentlich von Einsamkeit betroffen ist. Wir haben uns aber auch gedacht: Wir sind ein kirchliches Nachrichtenportal und wir sind gut vernetzt mit kirchlichen Akteuren wie den deutschen Diözesen, Hilfswerken, Verbänden oder Orden. Da können wir es nicht dabei belassen, nur auf das Thema Einsamkeit hinzuweisen. Der christliche Glaube lebt von der Hoffnung. Und die Kirche und ihre Gläubigen machen zahlreiche Angebote für Menschen in Notsituationen. So ist eine ganze Sonderseite entstanden, auf der wir einerseits auf kirchliche Angebote hinweisen, andererseits aber auch mit journalistischem Blick hoffnungsvolle Geschichten erzählen.

Rogate-Frage: Kann eine solche Initiative nachhaltig wirken und was wünschen Sie sich für die Zukunft in Hinblick auf die Einsamkeitsthematik?

Björn Odendahl: Wir sind realistisch. In den sozialen Netzwerken war die Aktion zwar recht erfolgreich. Auch einige Medien haben das Thema aufgegriffen. Aber nachhaltiges Wirken in dem Sinne, dass das Thema nun gesamtgesellschaftlich im Blick ist? Ich befürchte, dass das eher noch nicht der Fall ist. Aber genau das wäre mein Wunsch.

Rogate-Frage: Was raten Sie Menschen in Einsamkeit zu Weihnachten?

Björn Odendahl: Meistens ist diese Einsamkeit ja nicht selbstverschuldet und die Lebensumstände der Menschen sind sehr unterschiedlich und komplex. Ein allgemeiner Rat an „Einsame“ wäre also wohl zwecklos und auch ziemlich besserwisserisch. Angebote – auch von der Kirche – gibt es aber natürlich: Hotlines, Hilfsdienste, aber auch die Option, sich selbst karitativ einzubringen und so unter Menschen zu kommen. Vielmehr würde ich mir aber von allen Menschen wünschen, dass sie in der Weihnachtszeit – und darüber hinaus! – mit offenen Augen durch die Welt gehen. Wir müssen erst einmal wahrnehmen, dass sich unsere Mitmenschen schlecht oder einsam fühlen. Dann kann der nächste Schritt erfolgen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Odendahl, für das Gespräch!

Weitere Interviews in der Reihe Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.


Wir vom Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin und vom Förderverein wünschen Ihnen allen gesegnete, frohmachende Weihnachten! Bleiben Sie behütet, gesund und lassen Sie uns gemeinsam etwas gegen Einsamkeit tun!

Online-Initiative „Rettet den Advent! Weihnachten beginnt am 25.12.“

Aktion des Rogate-Klosters: Rettet den Advent! Weihnachten beginnt am 25. Dezember.Der Advent verschwindet. Immer mehr ist nur noch von der „Vorweihnachtszeit“ die Rede.

Weihnachtssüßigkeiten gibt es jedes Jahr ab dem 1. September in den Supermärkten, manchmal sogar früher. Weihnachtsbeleuchtungen in Straßen, Geschäften und in den Fenstern werden Anfang November in Betrieb genommen. Sogar Kirchengemeinden veranstalten am Volkstrauertag, Totensonntag und den Adventssonntagen „Weihnachtsmärkte“.

Für manche beginnt irgendwann Mitte November sofort die „Vorweihnachtszeit“. Das Weihnachtsoratorium erklingt an vielen Stellen vor dem 1. Advent, Wochen vor Weihnachten („Jauchzet, frohlocket…“). Jeden Tag Weihnachtsfeiern und Weihnachtsmärkte, die kurz vor Weihnachten schließen. Eine Adventfeier? Was ist das denn? Und wer ab November Weihnachten feiert, der glaubt, dass Fest sei spätestens am 2. Weihnachtstag vorbei. Schade, denn so wird der Januar ein einfacher Wintermonat statt vom Licht durchflutet.

Dabei gibt es einen großen Unterschied zwischen dem Advent und der Weihnachtszeit, die das eigentliche Fest (der Geburt Jesu) ist. Der Advent begleitet den Weg dahin. Heiligabend ist nicht das Ende der Weihnachtszeit. Da beginnt Weihnachten.

Wir wollen mit dieser kleinen Initiative (auf Facebook und Twitter) zur Rettung des Advents als Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten beitragen. Eine stille Zeit der Besinnung, die hinführt zum großen Fest.

Drum: Rettet den Advent! Weihnachten beginnt am 25.12.

Ihre Meinung ist gefragt:

Wir möchten gern Aufkleber (siehe oben) produzieren und an Gemeinden kostenlos weitergeben. Für die Produktion suchen wir Unterstützende, um die Initiative finanzieren zu können. Helfen Sie mit, den Advent zu retten!

Kontonummer des Rogate-Klosters: Spendenkonto IBAN DE76 3706 01936010 2880 19, BIC GENODED1PAX. Bitte Spendenzweck „Adventsaktion“ sowie Ihre Adresse für die Spendenbescheinigung hinzufügen. Vielen Dank!

Rettet den Advent vom Rogate-Kloster

Berlin: Gebete für Verletzte und Tote vom Breitscheidplatz

2016-12-bibel-ro%cc%88merbrief-12In der Nähe vom Rogate-Kloster in der Zwölf-Apostel-Gemeinde steht die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche auf dem Breitscheidplatz. Wir hören den ganzen Abend die Martinshörner und sehen die Rettungsfahrzeuge zum Ort des Geschehens eilen.

Wir beten für die Toten und Verletzten des heutigen Abends, für die Angehörigen und die Retter.

Wir sind traurig über die Ereignisse heute Abend. Wir hoffen weiter auf eine bessere Welt und Gerechtigkeit für alle Menschen auf der Welt. Wir hoffen auf den Frieden für alle, nicht nur im Advent und zu Weihnachten. Wir werden weiter unser Leben leben und nicht nachlassen im Einsatz für eine lebenswerte und offene Gesellschaft, hier in Berlin und da wo Gott uns hinstellt.

Wir beten mit allen Menschen guten Willens:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Gebete für Frieden und Versöhnung finden Sie hier.

Hinweis: Um 18 Uhr findet heute in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche ein Gedenkgottesdienst statt.

Fünf Fragen an: Dr. Friedemann Green, Vorsteher Stiftung Das Rauhe Haus

Fünf Freitagsfragen an Dr. Friedemann Green, Vorsteher der Stiftung Das Rauhe Haus in Hamburg, über die Verbindung von Johann Hinrich Wichern mit dem Adventskranz, eine kleine christliche Predigt ohne Worte und das Ziel einer vollständigen Teilhabegerechtigkeit.

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Dr. Friedemann Green (Bild: Rauhes Haus)

Dr. Friedemann Green ist 1954 in Eckernförde geboren und aufgewachsen. Nach Schulbesuch, Zivildienst und sozialem Freiwilligendienst in England und den USA studierte er von 1978 bis 1985 Evangelische Theologie in Berlin und Hamburg. Nach seinem Vikariat in Hamburg-Lurup wurde er zunächst Gemeindepastor in der Hauptkirche St. Michaelis. Von 1988 bis 1992 arbeitete er als Pastor und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Arbeitsstelle Kirche und Stadt der Universität Hamburg und promovierte zum Thema „Kirche und Stadtentwicklung“. 1992 wurde er Pastor in Sörup, Kirchenkreis Angeln, 1999 Propst des Kirchenkreises Eiderstedt. Seit Januar 2009 ist Pastor Dr. Friedemann Green Vorsteher des Rauhen Hauses.

Rogate-Frage: Herr Pastor Dr. Green, was verbindet das Rauhe Haus mit dem Adventskranz?

Friedemann Green: Der Adventskranz steht im Mittelpunkt mehrerer Rituale, die wir jährlich um den 1. Advent im Rauhen Haus herum feiern: Zum Beispiel übergibt eine Klasse unserer Wichern-Schule jedes Jahr am Nachmittag des 1. Advent einen großen Adventskranz – in diesem Jahr mit der möglichen Höchstzahl von 28 Kerzen ! – im Hamburger Rathaus. Während der gesamten Adventszeit steht er im Foyer des Rathauses im Aufgang zum Büro des Bürgermeisters und erinnert die Besucher daran: der Adventskranz kommt aus Hamburg. Anschließend feiern wir den Adventsgottesdienst in Deutschlands einziger schwimmender Kirche, der Flussschifferkirche in der Speicherstadt des Hamburger Hafens. Außerdem werden im ursprünglichen, reetgedeckten Alten Haus, in der Schulkapelle und an anderen Orten auf dem Stiftungsgelände um den Adventskranz herum Andachten gefeiert, in denen der Kranz immer auch an die Ursprungssituation des Rauhen Hauses Wohnort für Kinder aus armen Familien erinnert.

Rogate-Frage: Welche Bedeutung hat der Adventskranz für Sie als Pastor und Christ?

Friedemann Green: Der Adventskranz ist ein wunderbares Symbol für die biblische Adventsbotschaft: Während die Tage immer kürzer und dunkler werden, erscheint insbesondere der originale Wichern`sche Adventskranz sozusagen antizyklisch jeden Tag und mit jeder Kerze ein bisschen heller. „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein helles Licht“. Die prophetische Ankündigung der Ankunft Gottes durchbricht die Dunkelheiten dieser Welt und kündigt Heil an mitten in Erfahrungen des Unheils hinein. Die biblische Heilsweissagung wird von denen am stärksten herbeigesehnt und wohl auch am aufmerksamsten gehört, die Lasten zu tragen haben und die – symbolisch gesprochen – von Dunkelheit umgeben und bedroht sind: die Hirten im Stall, das Flüchtlingspaar Maria und Joseph und andere. So gesehen ist der Adventskranz – auch wenn er in der Bibel gar nicht vorkommt – eine kleine christliche Predigt ohne Worte.

Rogate-Frage: Für manche Zeitgenossen beginnt irgendwann im November die „Weihnachtszeit“. Das Bachsche Weihnachtsoratorium erklingt an vielen Stellen vor dem 1. Advent, also viele Wochen vor Weihnachten. Manche Kirchengemeinde veranstaltet am Totensonntag einen Weihnachtsmarkt. Verschwindet der Advent aus unseren Traditionen? Welche Unterschiede zwischen Advent und Weihnachten machen Sie als Pastor?

Friedemann Green: Der vor einigen Jahren kreierte Slogan aus der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit „Advent ist im Dezember“ hat den Nagel auf den Kopf getroffen. In der Tat droht die Adventszeit mit ihrer eigenen inhaltlichen Bedeutung unter die Räder der allgemeinen und schon im Spätherbst einsetzenden Weihnachtsaufregung zu geraten. Geduld und Warten-können zählt nicht gerade zu den stärksten Tugenden unseres öffentlichen Lebens, sondern man möchte möglichst schnell zum großen Höhepunkt des Weihnachtsfestes gelangen. Dabei wird jedoch leicht übersehen, dass der Hinweg zum großen Fest und dessen Vorbereitung genauso zum Fest selbst dazu gehört wie – im Nachhinein – auch die Erinnerung daran. Es ist wie mit den Ferien oder dem Urlaub, die ihre schöne Wirkung auch bereits in der Vorfreude und vor dem ersten Ferientag entfalten. Aber gegen diesen Kaltstart in den Weihnachtsmodus ab spätestens Ende November ist nur schwer gegenan zu reden, ohne in die Ecke der Spaßbremse gedrängt zu werden. Es muss wohl jeder selbst die Erfahrung machen, dass ein zu lang ausgedehnter festlicher Höhepunkt ganz automatisch verflacht und sich selbst entwertet und dass auf der anderen Seite auch eine bewusst gestaltete Vorbereitungszeit ihren wichtigen Platz im gesamten Spannungsbogen hat. Die vielen kirchlichen Angebote, soweit sie nicht auch selbst auch zu früh in den Weihnachtsmodus schalten, sondern eigene thematische Akzente setzen, können dafür eine willkommene Hilfe sein.

Rogate-Frage: Johann Hinrich Wichern hat nicht nur den Adventskranz erfunden. Was können wir heute von ihm lernen? Welches Erbe gilt es zu bewahren?

Friedemann Green: Johann Hinrich Wichern war in vielen seiner gesellschaftlichen Einsichten ein Kind seiner Zeit und für unser heutiges Lebens- und Glaubensverständnis nur bedingt wegweisend. Besonders in pädagogischen Fragen war er jedoch seiner Zeit weit voraus und es gibt Facetten seines Denkens und Wirkens, die bis heute wegweisend sind: dazu gehört zum Beispiel die hohe Sensibilität für die individuelle Entwicklung jedes einzelnen Kindes. Ihm war daran gelegen, dass jedes Kind Lebensbedingungen vorfindet, in denen es an Leib und Seele gut gedeihen und sich als selbstbewusstes Mitglied der Gesellschaft entfalten kann. Mit großem Interesse lesen insbesondere Sozialpädagogen heute wieder über Wicherns Überzeugungen, dass auch die seelische und religiöse Entwicklung der Kinder unbedingt zu beachten und aktiv zu fördern ist. Heute sprechen wir in der Sozialpädagogik von Ressourcenorientierung und von Religions- und Kultursensibilität als Leitbegriffe einer Pädagogik, die vielfach belastete Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung stärken will. Was für Wichern selbstverständlich war, nämlich dass die Gewissheit, ein geliebtes Geschöpf Gottes zu sein, der kindlichen Entwicklung sehr förderlich ist, dass entdeckt nach Jahrzehnten weitgehender religiöser Sprachlosigkeit die Sozialpädagogik jetzt wieder neu.

Rogate-Frage: Der Berliner Aktivist Raúl Krauthausen kämpft gegen das vor kurzem vom Bundestag beschlossene Bundesteilhabegesetz (BTHG). Sie auch?

Friedemann Green: Das BTHG wird vom Rauhen Haus jetzt, wo es beschlossen ist, nicht offen bekämpft. In der Entwicklungsphase haben unsere Fachleute jedoch an verschiedenen Stellen, zusammen mit Fachverbänden und teilweise durchaus mit Erfolg versucht, Einfluss zu nehmen mit dem Ziel, möglichst viel Teilhabegerechtigkeit für die Menschen mit Beeinträchtigungen zu erreichen. In seiner jetzt vorliegenden Fassung ist das Gesetz gewiss ein großer Schritt in die richtige Richtung, wobei die Ausführungsbestimmungen vieler Details auf Länderebene noch nicht komplett vorliegen. Diesen Prozess werden wir aufmerksam verfolgen und uns daran beteiligen. Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen bleibt immer noch das große und längst nicht abgeschlossene Projekt einer weiteren und möglichst vollständigen Teilhabegerechtigkeit und eines entsprechenden barrierefreien gesellschaftlichen Miteinanders aller Menschen, unabhängig vom Grad der Beeinträchtigung Einzelner.

Rogate: Vielen Dank, Herr Dr. Green, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten:

Berlin-Schöneberg:

  • Sonnabend, 17. Dezember 2016 | 12:00 Uhr, Mittagsgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg

Kloster Lehnin, Brandenburg:

Advent und Weihnachten: Rogate-Gottesdienste in Berlin und im Kloster Lehnin

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten im Dezember!

Berlin:

  • Heute, Donnerstag, 15. Dezember 2016 | 19:00 Uhr, Eucharistie. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg
  • Sonnabend, 17. Dezember 2016 | 12:00 Uhr, Mittagsgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg

Kloster Lehnin:

Fünf Fragen an: Prälat Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerks

Fünf Freitagsfragen an Prälat Georg Austen, Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, über eine fröhliche Provokation, eine weihnachtsmannfreie Zone und das Beispiel des Heiligen Bonifatius.

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Prälat Georg Austen (Bild: Bonifatiuswerk)

Georg Austen, 1958 geboren, ist Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken und Sekretär des Diaspora-Kommissariates der deutschen Bischöfe. Als Sekretär des XX. Weltjugendtages war er maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung des Glaubensfests beteiligt. Papst Benedikt XVI. ernannte ihn 2008 zum päpstlichen Ehrenkaplan. Austen ist zudem Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, im Konsultoren-Kollegium des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung sowie Berater in der Unterkommission für Missionsfragen der Deutschen Bischofskonferenz.

Rogate-Frage: Herr Prälat Austen, was haben Sie gegen den Weihnachtsmann?

Georg Austen: Ich habe nichts gegen den Weihnachtsmann, ich mag ihn als gemütlichen Typen in der Weihnachtszeit. Aber für mich gibt es nur ein Original und das ist der Heilige Nikolaus.

Den Weihnachtsmann sehe ich eher als eine Märchen- und Werbefigur. Der Heilige Nikolaus steht als Glaubenszeuge für unsere wertvollen christlichen Werte wie Nächstenliebe, solidarisches Handeln und Uneigennützigkeit und ist für mich ein wichtiges Vorbild, das sicherlich nicht nur den Kindern für die heutige Zeit viel zu sagen hat.

Rogate-Frage: Darum die Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“?

Georg Austen: Mit der Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“ möchten wir als Bonifatiuswerk die wertvollen Traditionen des Nikolausfestes wieder in den Mittelpunkt der Menschen rücken. Zugleich möchten wir einer Verwechslung mit der populären Werbefigur des Weihnachtsmannes entgegen wirken. Unsere Aktion sollte man aber sicherlich mit einem Augenzwinkern betrachten. Unsere Botschaft ist eine fröhliche Provokation. Ich glaube, dass die Menschen wieder werte- und traditionsbewusster werden. Viele suchen nach einem tieferen Sinn und Orientierung im Leben, wobei uns der Heilige Nikolaus den Weg weisen kann.

Rogate-Frage: Welche adventliche Botschaft verbinden Sie mit dem Nikolaus?

Georg Austen: Inzwischen lese ich immer häufiger auf Weihnachtsmärkten oder Karten die Worte ‚Happy Holiday‘ statt ‚gesegnete oder frohe Weihnachten‘. Unsere wertvolle christliche Botschaft verblasst so häufig zu einer sinnentleerten Floskel, wodurch wir unsere eigenen christlichen Wurzeln kappen. Bewusst setzen wir mit unserer Nikolausaktion einen Kontrapunkt gegen diesen amerikanischen Trend, der immer mehr zu uns nach Europa herüberschwappt. Es gilt, die Menschen wieder dafür zu sensibilisieren, dass die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest seine eigene Zeit hat. Wir wollen, dass die Freude und das Schöne, das Sinnliche und das Besinnliche unserer Traditionen lebendig bleiben und unser Weihnachtsfest als das Fest der Menschwerdung den Menschen von heute etwas zu sagen hat.

Rogate-Frage: Welche Aufgaben hat das Bonifatiuswerk heute und wo sind Sie aktiv?

Georg Austen: Als Hilfswerk für den Glauben und der Solidarität nehmen wir uns ein Beispiel am Heiligen Bonifatius und handeln in seinem Sinne. Wir unterstützen Katholiken überall dort, wo sie in der Diaspora leben. Gerade die Katholiken in einer extremen Minderheitensituation brauchen die Solidarität ihrer Mitchristen, um eine lebendige Glaubensgemeinschaft zu erleben. Ebenso möchten wir die Menschen wieder auf den Geschmack des Evangeliums bringen. Mit unseren vier Hilfsarten der Bau-, der Verkehrs-, der Glaubens- und der Kinder- und Jugendhilfe unterstützen wir Katholiken in den Regionen Nord- und Ostdeutschlands, in Nordeuropa und im Baltikum. Im Bonifatiuswerk spüren wir deutlich, dass wir uns auf neue Formen von Diaspora einstellen müssen. Alleine in Ostdeutschland gehören mehr als 75 Prozent der Bevölkerung keiner christlichen Konfession mehr an. Auch in katholischen Regionen wächst die Zahl derer, die sich von Glaube und Kirche entfernen. Diese Entwicklung ist für uns jedoch kein Grund zur Resignation, sondern ein Auftrag missionarisch und solidarisch zu wirken.

Rogate-Frage: Wie ökumenisch ist Arbeit Ihres Werkes ausgerichtet und welche Rolle wird angesichts der Säkularisierung Europas die Zusammenarbeit der Kirchen in der Zukunft spielen?

Georg Austen: In den Projekten, die wir unterstützen, ist auch der Blick auf eine ökumenische Verbundenheit selbstverständlich geworden. Gerade in Nordeuropa erfahren wir eine praktische und gelebte Ökumene, die sich in den einzelnen Regionen unterschiedlich gestaltet. Das Zeugnis für Jesus Christus in einer modernen, säkularisierten Gesellschaft verlangt nach der tiefen Verbundenheit der christlichen Kirchen. Das können auch wir in Deutschland deutlich spüren. Es reicht ein Blick nach Wittenberg. 2017 begehen wir das Reformationsgedenken mit dem Auftrag, gemeinsam nach Versöhnung zu suchen und ein gemeinsames christliches Zeugnis zu geben. Heute leben in Wittenberg die Christen insgesamt in der Diaspora. Gerade einmal 17 Prozent der Einwohner gehören einer christlichen Kirche an, eine typisches Bild für Ostdeutschland, wo mehr als 75 Prozent der Bevölkerung weder christlich getauft sind, noch sich zu einer anderen Religion bekennen. Eine Gesellschaft, die vergessen hat, dass sie Gott vergessen hat, fragt nicht danach, ob jemand einer Konfession angehört. Eine Gesellschaft, in der die Mehrheit nur wenig weiß vom Evangelium, fragt, wenn überhaupt: Wird der Glaube authentisch gelebt und welchen „Mehrwert“ gibt mir der Glaube für mein Leben? Für die Kirchen heißt das, noch intensiver zusammenzuarbeiten, um im Respekt vor der eigenen Glaubensgeschichte gemeinsam Zeugnis zu geben für das Evangelium. Als Bonifatiuswerk sehen wir unseren Auftrag aber darin, unsere Glaubensbrüder zu unterstützen bei der Suche einer Beheimatung in unserer Kirche.

Rogate: Vielen Dank, Prälat Austen, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

Fünf Fragen an: Frank Hofmann, Chefredakteur Andere Zeiten

Fünf Freitagsfragen an Frank Hofmann, Verein „Andere Zeiten“, über die lange Arbeit an einem bekannten Adventskalender, die Dramaturgie der Passionszeit und die Vermittlung christlicher Inhalte an Kirchenferne.

Dr. Frank Hofmann (Bild: Andere Zeiten e.V.)

Frank Hofmann ist Chefredakteur des gemeinnützigen und ökumenischen Vereins „Andere Zeiten“ in Hamburg, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die heilsame Wirkung des Kirchenjahres auch für Nicht-Kirchgänger nachvollziehbar zu machen. Hofmann (52) studierte zunächst Philosophie in Düsseldorf, dann Wirtschaftswissenschaften in Hagen und derzeit nebenberuflich Theologie in Marburg. Persönlich interessiert er sich sehr für die Vermittlung von Leiblichkeit und Religiosität.

Rogate-Frage: Herr Hofmann, wie viele Monate im Jahr beschäftigen Sie sich mit dem Advent und mit der Passionszeit? Welche Jahresstruktur und Arbeitsweise hat Ihre Redaktion?

Frank Hofmann: Wir beginnen mit der Redaktion für den Kalender „Der Andere Advent“ im Oktober des Vorjahres. Für die sehr sorgfältige Textauswahl beziehungsweise Texterstellung lassen wir uns circa sechs Monate Zeit. In den folgenden zwei Monaten arbeiten wir an der Optik: Bildauswahl, Fotoproduktionen, Illustrationen, Layout. Im Juni beginnt der Druckprozess, so dass wir nach Abschluss der Buchbinderarbeiten Anfang September mit circa 600 000 Exemplaren versandfähig sind. Unser Fastenwegweiser „wandeln“ beschäftigt uns in ähnlicher Abfolge etwa acht Monate. Dazu kommen unser dreimal jährlich erscheinendes Magazin zum Kirchenjahr, ein bis zwei Bücher pro Jahr, drei ökumenische Gottesdienste zum Adventsbeginn, an Aschermittwoch und in der Ferienzeit und digitale Aktivitäten.

Rogate-Frage: Was ist für Sie Advent und wie definieren Sie die Passionszeit für „Sieben Wochen anders leben“? Gibt es eine Redaktionsdefinition?

Frank Hofmann: Advent ist für uns die Zeit, in der wir uns darüber bewusst werden, dass es in unserem Leben mehr gibt als das Offensichtliche und das Alltägliche. In den vier (Fasten-)Wochen vor Weihnachten bereiten wir uns darauf vor, den Einbruch des Göttlichen in der Welt wahrzunehmen. Das Strukturprinzip unseres Kalenders – Wege nach innen, Wege zum Anderen, Wege zur Krippe – hat sich dabei als ein sehr hilfreicher Stufenplan erwiesen. In der Passionszeit stellen wir mehr die persönliche Wandlung in den Vordergrund. Viele Menschen sehnen sich danach, ihre eigentliche Identität zu pflegen, die in der täglichen Hektik oft gar nicht sichtbar wird. Die klassische Fastenzeit von Aschermittwoch bis zur Osternacht ist für diese Wandlung eine großartige Dramaturgie.

Rogate-Frage: Wer nimmt an den durch Ihre Organisation besonders geprägten Zeiten teil? Wer bezieht und liest Ihre Kalender?

Frank Hofmann: Unseren Kalender „Der Andere Advent“ vertreiben in Deutschland, der Schweiz und Österreich in einer Auflage von rund 550 000 Exemplaren, zur Fastenzeit erreichen wir etwa 20 000 Menschen durch unsere Fastenbriefe und circa 35 000 durch unseren Fasten-Wegweiser „wandeln“. Wir wenden uns an alle Konfessionen, erreichen fast alle Altersgruppen und ganz unterschiedlich geprägte Menschen. Wir freuen uns besonders über Leserinnen und Leser, die für die herkömmlichen kirchlichen Vermittlungswege nicht ansprechbar sind, aber durch unsere Publikationen nun doch mit christlichen Inhalten in Berührung kommen und dafür interessiert werden.

Rogate-Frage: Was kommt an Texten in die Publikationen hinein und was warum nicht?

Frank Hofmann: Letztlich kommt es auf eine gute Mischung an – von modernen und klassischen Texten, von lyrischen, epischen und reflektierenden, von ernsten und heiteren, kürzeren und längeren. Die Texte dürfen keinesfalls langweilig oder flach sein. Wir haben den Anspruch, dass man über jedem Kalendertext 12 Minuten mit Gewinn nachdenken kann. Das ist natürlich nur eine Faustformel, aber sie hilft uns in dem mitunter schwierigen Auswahlprozess in der Redaktion.

Rogate-Frage: Welche Reaktionen erhalten Sie auf die Kalender? Gibt es auch Kritik?

Frank Hofmann: In all den 20 Jahren seit Beginn des „Anderen Advent“ haben die Leserinnen und Leser uns sehr intensiv ihre Meinung zurückgespiegelt. Zum allergrößten Teil ist das Echo überwältigend positiv. Bei den kritischen Stimmen liest man immer wieder: „Ihr seid zu fromm“ und „Ihr seid nicht fromm genug“. Solange sich das die Waage hält, sind wir ganz zufrieden mit unserer Arbeit.

Rogate: Vielen Dank, Herr Hofmann, für das Gespräch!

Mehr Infos finden Sie hier: „Andere Zeiten

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Kapelle der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 10. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 17. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper in der Kapelle
  • 2015 12 13 Sternenkinder-GottesdienstDienstag, 24. November 15 | 19:00 Uhr, Eucharistie mit Gedenken an die Toten in der Kapelle
  • Dienstag, 1. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Vesper in der Kapelle
  • Dienstag, 8. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Vesper in der Kapelle
  • Sonntag, 3. Advent, 13. Dezember 2015 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pater Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg.
  • Dienstag, 15. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Eucharistie in der Kapelle
  • Gottesdienstliche Winterpause bis zum 12. Januar 2016.
  • Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier. Hier unser Monatsplan November und Dezember.

Fünf Fragen an: Sebastian Watzek, Vikar der Alt-katholischen Gemeinde Berlin

Fünf Freitagsfragen an Sebastian Watzek, Vikar der Alt-katholischen Gemeinde Berlin, über die Nüchternheit des Advents, die Bedeutung der Namen der Heiligen Familie und Sehnsucht nach dem Ewigen.

9092mailcolVikar Sebastian Watzek kommt ursprünglich aus Chile und ist in Deutschland/Oberfranken aufgewachsen. Nach dem Gymnasium war er für zwei Jahre im Priesterseminar des Erzbistums Bamberg und trat dann im September 2000 in den Jesuitenorden ein. Dort studierte er Philosophie und Theologie in München und Rom. Zudem arbeitete er zwei Jahre in Chile in Obdachlosenheimen des Hogar de Cristo pastoral mit. Nach 14 Jahren in der Gesellschaft Jesu mit einer Auszeit von drei Jahren als priesterlicher Mitarbeiter in der Seelsorge in Erlangen und Herzogenaurach konvertierte er im April dieses Jahres in die alt-katholische Kirche und ist nun seit dem 1. August Vikar in der Gemeinde in Berlin-Wilmersdorf.

Rogate-Frage: Herr Vikar Watzek, wie begeht die Alt-katholische Gemeinde Berlin die Advents- und Weihnachtszeit in diesem Jahr?

Sebastian Watzek: Wir als alt-katholische Gemeinde begehen den Advent auf verschiedene Weise. Zum einen wollen wir in unseren Gottesdiensten am Mittwoch (Roratemessen früh um 6:00 Uhr) und Sonntag den nüchternen Charakter dieser kleinen Fastenzeit herausstreichen, indem wir komplett auf die Orgel verzichten. Dadurch wollen wir zum einen ein Zeichen gegen den doch sehr hektischen und lauten Advents – oder Vorweihnachtskommerz auf den Straßen setzen und uns dann auf die Weihnachtsmessen freuen, welche dann bestimmt noch einmal festlicher erlebt werden. Zum anderen gibt es verschiedene gemeinsame Aktivitäten wie Advents-basteln für Erwachsene, Plätzchenbacken mit Kindern, gemeinsamen Besuch eines Weihnachtsmarktes.

Weihnachten feiern wir traditionell am Nachmittag eine Kindermette. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, zusammen in der Gemeinde Weihnachten zu feiern: gemeinsam Kochen, singen, Geschichten erzählen. Dann am Abend folgt die Christmette.

Rogate-Frage: Sie stehen am Sonntag der Eucharistie in Ihrer Gemeinde vor. Welchen Charakter, welche inhaltliche Ausrichtung hat der 4. Advent und worüber wollen Sie an diesem Tag predigen?

Sebastian Watzek: Der Charakter des 4. Adventssonntags steht in der Spannung von Sehnsucht und Verheißung: Rorate, caeli desuper, et nubes pluant iustum. „Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten: Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor“. Voller Sehnsucht wartet die trockene Erde auf den Regen des Himmels, der sie durchtränkt und fruchtbar macht. Die Erde sehnt sich nach der „Vereinigung“ mit dem Himmel, darauf, dass das Licht des Heilands die Dunkelheit erleuchtet.

Da das Evangelium der Besuch des Erzengels Gabriel bei Maria ist, werde ich über diese Textstelle predigen. Ich werde versuchen, an der Bedeutung der Namen – wie Gabriel, Josef, Maria, Elisabeth – mich dem Text zu nähern. Dadurch wird noch einmal sehr ausdrücklich erkennbar, was Advent und Weihnachten, der Glaube generell bedeuten: Sehnsucht und Überraschung.

Rogate-Frage: Welche Lieder werden Sie im Gottesdienst am 4. Advent singen und welche biblischen Texte werden gelesen?

Sebastian Watzek: Als Lieder werden wir klassische Adventslieder wie zum Beispiel „Wir sagen euch an, den lieben Advent“ oder „Tauet, Himmel, den Gerechten“ singen. Zum anderen umrahmt eine Schola musikalisch den Gottesdienst.

Rogate-Frage: Wie lautet Ihr Tages- bzw. Kollektengebet für diesen Tag?

Sebastian Watzek: „Biete deine Macht auf, unser Gott, und komm! Steh uns bei in deinem Erbarmen, dass wir die Begegnung mit deinem Sohn nicht durch Trägheit verfehlen. Darum bitten wir durch ihn, unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn und unsern Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Rogate-Frage: Wie gestalten Sie persönlich Ihre Adventszeit?

Sebastian Watzek: Ich versuche, mir in der Adventszeit – soweit es geht – mehr Zeit für Meditation und für mich zu nehmen. Advent ist für mich persönlich nicht so sehr der Besuch von Weihnachtsmärkten und so weiter, sondern eher eine ruhige, auch „düstere“ Zeit. Es geht für mich im Advent auch um die Dunkelheit in der Welt, in meinem eigenen Leben: Was ist unerlöst? Wo ist bei mir die trockene Erde, welche sich mit ganzem Herzen nach dem göttlichen Regen vom Himmel sehnt? Positiver formuliert: Was sind eben meine Sehnsüchte? Wo wünsche ich mir Gottes Nähe?

In diesem Sinn will ich mich auf die Ankunft des Messias vorbereiten. Dies habe ich dieses Jahr unter anderem zum ersten Mal „wörtlich“ vor, indem ich mich mit dem ersten Teil des „Messiah“ von Georg Friedrich Händel durch den Advent und dann natürlich auch Weihnachten begleiten lasse.

Rogate-Frage: Warum sind Sie Priester geworden und was schätzen Sie an Ihren Aufgaben als Vikar?

Sebastian Watzek: Ich kann auf diese Frage keine eindeutige Antwort darauf geben. Ich weiß nur, dass es – über die Jahre hin – mein Weg ist, das, was ich tuen will, das, was ich bin. Mich treibt die Sehnsucht nach dem Ewigen, nach dem Absoluten – Gott, der immer ganz Andere. Vor allem die letzten Jahre haben mir gezeigt, dass dieses Gott suchen etwas sehr dynamisches ist, dass das Leben und der Glaube ein Weg sind, auf dem immer als Pilger unterwegs ist.

In meiner Aufgabe als alt-katholischer Vikar – und auch schon davor als Ordensmann und Priester – schätze ich, mit Menschen ganz verschiedener Art mit ihrer jeweiligen Lebensgeschichte zusammen auf dem Weg sein zu können, von ihnen zu lernen und sie zu begleiten. Es ist ein sehr schönes Geschenk, bei Menschen in ganz besonderen intimen Situationen wie Geburt/Taufe, Hochzeit oder auch Sterbefall/Beerdigung dabei sein zu dürfen. Und die Heilige Schrift ist eben mein Zuhause und ich erzähle sehr gerne von Gott, Christus.

Rogate: Herr Vikar Watzek, vielen Dank für das Gespräch!

Mehr über Alt-katholische Gemeinde Berlin erfahren Sie hier: berlin.alt-katholisch.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • 10704_976214525728749_8833054989387709013_nDienstag, 23. Dezember 2014 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Sonnabend, 27. Dezember 2014 | 18:00 Uhr, Lichtvesper, Kapelle Zwölf-Apostel-Kirche (mit der Alt-katholischen Gemeinde)
  • Zwischen dem 27. Dezember 2014 und dem 13. Januar 2015 halten wir eine gottesdienstliche Winterpause.
  • Dienstag, 13. Januar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Den Monatsplan Dezember finden Sie hier. Den Monatsplan Januar finden Sie hier.