Foto-Ausstellung „Glaube, Liebe, Hoffnung. (M)eine Sicht auf Wilhelmshaven.“ ab dem 1. Advent

RogateKl_Postkarte A6 hoch_Wanderausstellung_151118-2Viele Menschen, die als Geflüchtete nach Wilhelmshaven kamen, haben in der Jadestadt ein neues Zuhause gefunden. Nordseestadt und Küstenregion sind ihnen zur Heimat geworden, in der sie sich eine neue Lebenswelt aufgebaut haben und diese gestalten. Doch mit welchem Blick sehen die Neubürger ihre neue Umgebung und wie nehmen sie die Stadt am Meer wahr? Gibt es Unterschiede zu Wilhelmshavenern, die vor Ort schon lange leben?

Die Flüchtlingsarbeit des Kirchenkreises Friesland-Wilhelmshaven entwickelte aus dieser Idee ein Fotoprojekt. Mit Unterstützung der Nordwest-Zeitung, der Diakonie Friesland-Wilhelmshaven, der Agentur Nolte Kommunikation und des Rogate-Klosters Sankt Michael konnte das Fotoprojekt „Glaube, Liebe, Hoffnung. (M)eine Sicht auf Wilhelmshaven“ realisiert werden. Als Schirmherr wurde der in Wilhelmshaven geborene Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, gewonnen.

Zehn geflüchtete und zehn in Wilhelmshaven geborene oder schon länger lebende Menschen wurden gebeten, ihre Sicht auf die Stadt festzuhalten. Mit Einmalkameras machten sie sich auf den Weg und schauten, welche Orte sie in dieser Ausstellung teilen wollen. Die Bilder sollen zeigen, was den Menschen wichtig ist – wie sie ihre Stadt sehen und was sie mögen. Die Aufnahmen zeigen u.a. Momentaufnahmen aus den Stadtteilen, vom Strand und Alltagsleben.

Die Ausstellung wird in der Friedenskirche erstmalig gezeigt und im Gemeindegottesdienst zum 1. Advent, am 2. Dezember, 10 Uhr, durch Pastor Kai Wessels eröffnet. Weitere Öffnungszeiten sind ab dem 3. Dezember von Montags bis Freitags von 9:00 bis 12:00 und von 14:00 bis 16:00 Uhr.

Mitte Dezember endet die Ausstellung in Fedderwardergroden. In Wilhelmshaven-Neuengroden ist sie dann in der Thomaskirche ab dem 5. Januar zu sehen.

 

Fünf Fragen an: Lutz Müller, Pater der Societas Jesu

Fünf Freitagsfragen an Pater Lutz Müller, Societas Jesu, über seinen Weg in den Orden, den Märtyrer Frans van der Lugt und eine bunte Willkommenswohngemeinschaft in Essen.

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Pater Lutz Müller (Bild: Ulrich Püschmann)

Lutz Müller SJ stammt aus der Neustadt/Weinstraße in der Rheinpfalz, wurde Jesuit und Priester, studierte in München, Frankfurt und Chicago. Er engagiert sich für Menschen in Notlagen (psychisch, physisch, spirituell).

Rogate-Frage: Pater Müller, warum sind Sie Priester, Ordensmann und Jesuit geworden?

Lutz Müller: Mein geistlicher Weg führte über das Herz-Jesu-Kloster in Neustadt an der Weinstraße. Bei den Herz-Jesu-Priestern sah ich, wie ein überzeugendes Engagement für die Menschen aussah, grundgelegt durch eine Ausrichtung auf Gott, einer Arbeit in der Kirche und einem überzeugenden Lebensstil. Diese Männer hatten eine enorme Ausstrahlung! Ebenso lernte ich die KSJ (Katholische Studierende Jugend im BDKJ/Bund der katholischen Jugend) kennen, was eine einzigartige Erfahrung war, weil meine Kirche und mein Freundeskreis sich deckten. Wir feierten nicht nur viele Partys und machten tolle Ausflüge, sondern wir bereiteten auch Jugendgottesdienste vor, mit denen ich mich identifizieren konnte; und wir hatten viele Gruppenstunden, die richtig Spaß machten. Zusätzlich waren diese Gruppenstunden informativ, lernten wir doch viel über die Beziehungen zwischen reichen und armen Ländern. Die Themen Entwicklungshilfe und kirchliche Initiativen, Welthandel und Gerechtigkeit, Kirchenbilder und Glaubenswelten spielten eine große Rolle. Ich unterschätzte die Prägekraft dieser Aktivitäten völlig.

Als ich nämlich einige Zeit später eine Lehre zum Bankkaufmann in einer großen Geschäftsbank begann, wurde mir der Unterschied in den Wertewelten sofort klar. Ansagen wie „Das persönliche Konto ist das Persönlichste des Menschen!“, oder „Wir wollen das Beste unserer Kunden, nämlich ihr Geld!“ zeigten mir, dass ich in die Welt geraten war, die für die Ausbeutung der Armen in der Dritten Welt mitverantwortlich war. Auf einmal hieß es Umsatzsteigerung statt Solidarität und Profitorientierung anstelle von Nächstenliebe. Mir wurde klar: Ich hatte die Seiten gewechselt! Plötzlich arbeitete ich bei denen, die die Monokulturen in der Landwirtschaft förderten, Atomkraftwerke finanzierten und mit denjenigen politischen Eliten zusammenwirkten, die Demokratie aushebelten und die Rechte von Ureinwohnern, Slumbewohnern und Armen unterdrückten.

Ich geriet so in eine persönliche Krise. Zunächst musste ich mir klarmachen, dass eine abgebrochene Banklehre weder eine Antwort darstellte, noch irgendjemandem nützen würde. Also machte ich mit der Ausbildung weiter, besann mich aber auf meine Erfahrungen im Herz-Jesu-Kloster und begann, die Ordenslandschaft in Deutschland zu untersuchen. Ich war auf der Suche nach einer Lebensform, die meinen Glauben und die Fragen nach Gerechtigkeit miteinander vereinbaren konnte. Bei meinen Sondierungen unter den Männerorden stieß ich bald auf die Jesuiten. Ich war überzeugt, dass sie eine Perspektive für mein Leben darstellten. Nach dem Ende der Banklehre trat ich dort ein.

Ich wurde also zuallererst Ordensmann. Bei den Jesuiten sah ich meine Anliegen für Glaube und Gerechtigkeit, Spiritualität und Engagement, als Kirche um der Menschen willen, gut aufgehoben.

Der Jesuitenorden heißt Societas Jesu (daher das Ordenskürzel SJ), was auf Deutsch bedeutet: Gesellschaft Jesu. Die Männer in diesem Orden wissen sich zu Gefährten Jesu berufen. Als solche Männer sind sie zum Dienst an Anderen ausgesandt. Die Priesterweihe ist ein Ausdruck dieser Berufung. Sie ist eine Form des Dienstes in der Kirche. Ein solcher Gefährte Jesu zu sein, macht mich glücklich.

Rogate-Frage: Wie kommt es, dass sich Ihr Orden weltweit mit großem Engagement für Geflüchtete einsetzt?

Lutz Müller: Unser Ordensgeneral P. Pedro Arrupe SJ gründete 1980 den Jesuit Refugee Service (JRS), den Jesuitenflüchtlingsdienst. Dieser sollte auf die Zeichen der Zeit antworten, das heißt akut auf die Nöte der vietnamesischen Boat People eingehen. Unser Ordensgründer, Ignatius von Loyola (1491-1556), ließ sich auch zu seinen Lebzeiten von den Anforderungen seiner Zeit leiten. Er hatte nicht geplant, die Katholische Reform in Europa zu unterstützen, denn ihm hatte eher ein Wanderpredigerleben seiner Ordensbrüder vorgeschwebt. Aber die Kirche in Europa stöhnte unter den Folgen der Reformation, und sie litt unter ihren eigenen Defiziten. Ignatius erkannte, dass gut ausgebildete Priester hier helfen könnten. Also änderte er sein Konzept. Entsprechend formulierten die Jesuiten im 20. Jahrhundert, dass Jesuiten eher dorthin gehen sollten, wo andere nicht hingehen konnten oder wollten. Diese Haltung führte zur Gründung des JRS und zum Engagement für Geflüchtete. Diese Parteinahme geschieht auf verschiedenen Ebenen:

  1. Durch direkten Kontakt mit Flüchtlingen in den Lagern an der Front,
  2. die Sorge um menschliche Entwicklung, Ausbildung und Förderung in den Lagern (Erstaufnahme, Transit, Abschiebehaft),
  3. anwaltliche Vertretung und juristische Hilfen in Drittländern.

Das spiegelt das Grundanliegen des JRS wider: Serve, Accompany, Advocate.

Rogate-Frage: Sie haben eine Willkommenskommunität in Essen gegründet. Was steckt hinter dieser Idee? Warum haben Sie das Haus nach Pater Frans van der Lugt benannt?

Lutz Müller: Pater Frans van der Lugt SJ war ein Mitbruder aus den Niederlanden, am 10. April 1938 geboren in Den Haag. Er trat 1959 in den Orden ein, absolvierte von 1964-1966 seine Arabischstudien in Beirut/Libanon, wurde 1971 zum Priester geweiht und lebte von 1966 – 2014 in Damaskus und Homs, Syrien. Er war in Amsterdam aufgewachsen und ausgebildeter Psychotherapeut. In Homs arbeitete er unter anderem mit Menschen mit Behinderungen, obdachlosen Jugendlichen und Kindern mit seelischen Schwierigkeiten. Dort gründete der Jesuit in den 1980er Jahren das Zentrum Al-Ard (Die Erde), in der junge Menschen mit seelischen Problemen und Menschen mit Behinderungen in der Landwirtschaft arbeiten konnten. Damit eröffnete er in einer Umgebung, in der Menschen mit Behinderungen teilweise versteckt wurden, vielen von ihnen und ihren Familien neue Lebensperspektiven. Zur Gemeinschaft gehörte ein spirituelles Zentrum als Ort des interreligiösen Dialogs.

So half er Menschen, miteinander als Christen und Muslime unterwegs zu sein. Mit seiner Wanderbewegung „Al Maseer“ (Der Weg) organisierte „Abuna Frans“ (Unser Vater Frans = Pater Frans) regelmäßig mehrtägige Wanderungen, in der er Menschen unterschiedlicher Herkunft und politischer Ansichten, verschiedenen Glaubens und sozialen Status zusammenbrachte. Er war davon überzeugt, dass die Menschlichkeit und das gemeinsame Erleben der Natur alle mehr verbinden und letztlich stärker sind als alles, was wir Menschen uns an Trennendem ausdenken. „Am Ende jeder Wanderung stellen wir fest, dass es keinen Menschen gibt, der nicht geliebt ist“, sagte er.

Nach Beginn des Kriegs in Syrien blieb Frans van der Lugt in Homs, auch nachdem die UNO alle europäischen Staatsangehörigen aus der umkämpften Stadt evakuiert hatte, und die katholische Gemeinde statt früher 10.000 nur noch rund 60 Angehörige umfasste. Nach der Zerstörung von Al-Ard lebte er in der Altstadt und versuchte, Lebensmittel für die hungernden Einwohner der belagerten Stadt zu organisieren. „Die Menschen in Syrien haben mit mir ihre Schätze und ihre Freude geteilt, jetzt teile ich auch ihre Leiden und ihre Trauer“, sagte Frans van der Lugt über seine Entscheidung, in Homs zu bleiben. Am 7. April 2014 wurde er von maskierten Männern aus seiner Unterkunft in der Ordenszentrale gezerrt und auf der Straße mit gezielten Schüssen getötet.

Als Mann des Friedens und der Verständigung, der bis zuletzt nicht Partei für eine politische Seite einnahm, war er in Syrien sehr bekannt und bei vielen Menschen sehr beliebt. Sein Tod wurde von vielen Syrern, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit, in und außerhalb Syriens sehr betrauert.

Seine Idee, über das gemeinsame Wandern in der Natur Liebe und Frieden untereinander zu fördern, lebt durch seine Freunde aus Homs jetzt auch in Deutschland und Europa weiter: Jährlich laden sie alle Interessierten zum „FransWandern“ ein.

Dieser Mann mit all seinen Facetten scheint uns ein gelungenes Vorbild zu sein für Verständigung, Kommunikation und Versöhnung. Ein von ihm überliefertes Motto lautet: „Ich sehe keine Christen und Muslime, ich sehe nur Menschen!“ Ein solches Leitmotiv eignet sich sehr für das Abuna-Frans-Haus!

Nun bauen wir in Essen auch einen solchen Ort auf. Unter einem Dach leben Menschen unterschiedlichen Alters, verschiedener Religionen, Konfessionen, Nationalitäten und Sozialisationen zusammen. Die Form ist die einer Wohngemeinschaft, einer WG. Das heißt wir haben keine Angestellten, sondern alle Arbeiten im und rund ums Haus werden von allen Bewohnern getragen.

Rogate-Frage: Wie funktioniert das Zusammenleben und welche Herausforderungen begegnen Ihnen?

Lutz Müller: Wir wollen die Vielfalt in Religion, Lebensstil, Herkunft und Kommunikation leben und nicht einfach nur den kleinsten gemeinsamen Nenner suchen. Wir empfinden dies selbst als ehrgeizig, die Verschiedenheiten auszuhalten, zu tolerieren, wertzuschätzen und einzubringen. Unterschiede dürfen sein und werden nicht schnell aufgelöst. Das ist manchmal anstrengend. Es kostet Kraft, immer wieder Alltägliches zu erklären, kulturelle Barrieren wahrzunehmen und auszuloten. Während wir beiden Jesuiten natürlich Leitung praktizieren, bieten wir den Geflüchteten die Beziehung zu uns an, um sich besser zu integrieren. Wir begleiten Lernprozesse in Sprache, Kultur, Ausbildung, Festtraditionen und Alltag. Dazu kommen die in WGs üblichen Differenzen mit Blick auf Sauberkeit, Pünktlichkeit, Hygienestandards, Ordnungsvorstellungen. Wir leben in einer Wohngemeinschaft in Deutschland!

Wesentlich verkompliziert wird dies dadurch, dass wir mit traumatisierten Menschen zusammenleben. Fast alle haben Schlafschwierigkeiten, weil die Erinnerungen an Krieg, Flucht und Vertreibung sich nicht nur ins Bewusstsein eingebrannt haben, sondern auch noch über die sozialen Medien, die Smartphones und Tablets immer wieder aufgefrischt werden.

Und so ist das Zusammenleben mit fünf Herkunftskulturen eine Herausforderung! Mit uns leben zwei Guineer, zwei Kongolesen, zwei Syrer, ein Libanese, ein Iraner, zusammen also acht Männer. Die Altersspanne deckt ein Spektrum von 19 bis 68 Jahren ab. Die noch nicht erworbene Sprachkompetenz bildet natürlich eine Hürde. Vieles Interessante kann dadurch gar nicht besprochen werden, wie zum Beispiel religiöse Grundfragen. Sodann kommen die Unsicherheiten im Status dazu. Die Wartezeiten auf die Anhörung durch das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) sind sehr lang. Wenn es zu einer Ablehnung oder anderen Komplikationen kommt, stellen wir einen Rechtsbeistand zur Verfügung. Die Situation der Herkunftsfamilien in den Heimatländern beunruhigt die Bewohner zusätzlich. Kriegerische Ereignisse, Bürgerkriegszustände, Krankheiten bei zerstörter Infrastruktur vor Ort binden viel Aufmerksamkeit und ziehen sie von hier ab. Wenn dann auch noch eine fremde Kultur wahrgenommen, eine fremde Sprache gelernt und die Idee einer WG mit Fremden, auch noch unter der Leitung zweier katholischer Priester verstanden werden soll, dann überfordert das leicht unsere Mitbewohner.

Unsere Idee ist es, Gemeinschaft zu fördern. Das ist nicht immer das Ideal unserer Gäste. Von den Gemeinschaftsunterkünften kennen sie viele Situationen von Konkurrenz und Neid. Wenn wir dann über Kommunikation, Gemeinschaft, Vertrauen und gemeinsames Lernen reden, begegnen sie uns mit viel Skepsis! Beispielsweise ist vielen kaum einsichtig, dass wir miteinander essen könnten, was bedingt, dass wir füreinander kochen. Jeder ist hier ein Überlebenskünstler, sonst wäre er nicht hier. Ein Miteinander einzuführen, ohne familiäre Bindungen, ohne vorgegebene Loyalität, einfach so, ist ein eigenes Thema. Zu all diesem gehören auch die beruflichen Situationen: Ein Mitbewohner macht eine Lehre zum Bäcker, ein anderer eine Ausbildung zur Servicekraft im Restaurant; einer macht gerade seinen Führerschein, ein anderer ein Praktikum in einem Malergeschäft, gefördert vom Jobcenter. Unsere Leute kommen in Deutschland an, selbst wenn es mühsam ist.

Rogate: Vielen Dank, Pater Müller, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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RogateKl_Postkarte A6_Eucharistie Miserikordias Domini 150418_110118_2 KopieWillkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten und Veranstaltungen:

Presseschau: „Warum kam Bischof Yohanna nicht nach Deutschland?“ auf Katholisch.de

Donnerstag, 21. September 2017 |katholisch.de

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Screenshoot Katholisch.de

„Uwe Simon, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Oberes Havelland, berichtete bereits Anfang des Monats von einem Vorfall mit einer Gruppe aus Simbabwe. Diese habe zu einem Treffen mit dem Kirchenkreis nach Deutschland reisen wollen, sei jedoch in Südafrika an der Weiterreise in die Bundesrepublik gehindert worden. „Trotz ausgestellter Visa, einer im Original vorliegenden Einladung, einer Verpflichtungserklärung, Hin- und Rückflugtickets, einer Krankenversicherung und einer Kostenübernahmeerklärung verhinderte ein Bundespolizist, der auf dem Flughafen Johannesburg als Einreise- und Visaberater tätig ist, die Weiterreise nach Deutschland und machte die Visa in den Reisedokumenten nach unserer Auffassung rechtswidrig ungültig“, so Simon in einem Interview mit dem Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin.“

Den Artikel von Steffen Zimmermann auf katholisch.de finden Sie hier.

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Willkommen zu unserem nächsten Gottesdienst:

Fünf Fragen an: Wolfgang Seibert, Jüdische Gemeinde Pinneberg

Fünf Freitagsfragen an Wolfgang Seibert, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Pinneberg, über die Motive, Fremden Schutz zu gewähren, die Zusammenarbeit mit den Kirchen und das Gemeindeleben in Schleswig-Holstein.

Wolfgang Seibert stammt aus Frankfurt am Main, wo er auch studierte. Er engagiert sich für Flüchtlinge, interreligiösen Dialog und gegen Rechts. Als erste und bislang einzige jüdische Gemeinde in Deutschland hat seine Gemeinde in den vergangenen Jahren bereits mehreren Schutzbedürftigen ungeachtet ihrer Religion in ihren Räumen Asyl geboten. Im Mai erhielt er den Menschenrechtspreis 2017 der Stiftung PRO ASYL.

Rogate-Frage: Herr Gemeindevorsitzender Seiber, Ihre Gemeinde hat in den vergangenen Jahren bereits mehreren Schutzbedürftigen, ungeachtet ihrer Religion, in ihren Räumen Asyl geboten. Wie kam es dazu?
Wolfgang Seibert: Wir wurden vor einigen Jahren gefragt, ob wir bereit seien Flüchtlinge in das Synagogenasyl zu nehmen. Wir haben das circa fünf Minuten im Vorstand disikutiert und Ja gesagt. Als gläubige Juden war die Leitlinie aus dem 2. Buch Mose 22,20: „Du sollst den Fremdling nicht bedrücken“  und aus dem 3. Buch Mose 19,34 „Du sollst den Fremden lieben wie Dich selbst“.
Rogate-Frage: Gibt es Unterschiede zwischen dem Synagogen- und Kirchenasyl?
Wolfgang Seibert: Es gibt wohl keine Unterschiede zwischen Synagogen- und Kirchenasyl. Wir haben uns auch bei kirchlichen Organisationen darüber informiert wie so etwas gemacht werden muss. In der Zeit des Synagogenasyls gabe es auch eine enge Zusammenarbeit mit den beiden christlichen Kirchen und auch der muslimischen Gemeinde. Diese Zusammenarbeit hat uns gestärkt.
Rogate-Frage: Wie läuft ein Synagogenasyl ab und was passiert da?
Wolfgang Seibert: Es gibt eine Menge behördlicher Dinge zu tun: Mitteilung an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Mitteilung an die zuständige Ausländerbehörde uund so weiter. Das ist wichtig, da der Flüchtling auch während der Zeit des Asyls in unserer Gemeinde eine „ladungsfähige Anschrift“ haben muss, wenn er die nicht hat, gilt er als „untergetaucht“ und das verändert Fristen und verlängert sie. Es muss die Verpflegung organisiert werden, ein Besuchsdienst muss organisiert werden, damit sich Leute um den Flüchtling kümmern, während er bei uns ist.
Rogate-Frage: Wie reagiert Ihre Gemeinde darauf?
Wolfgang Seibert: Die Gemeinde hat sehr positiv reagiert. Der schon erwähnte Besuchsdienst stand innerhalb weniger Stunden. Menschen gingen in die Gemeinde, redeten mit den Flüchtlingen, spielten Gesellschaftspiele mit ihnen, brachten Lebensmittel und sehr viele Süssigkeiten.
Rogate-Frage: Wie sieht jüdisches Leben in Schleswig-Holstein und in Pinneberg aus?
Wolfgang Seibert: Nach 1945 gab es in Schleswig-Holstein nur zwei Jüdische Gemeinden, in Kiel und Lübeck. Nach 1989 wurden dann, wegen der Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion, neue Gemeinde gegründet. Mittlerweile gibt es neun Jüdische Gemeinden bei uns. Die Gemeinden veranstalten natürlich Gottesdienste am Schabbat und den jüdischen Feiertagen. Wir machen Religionsunterricht, veranstalten Deutschkurse, machen Seniorenbetreuung, besuchen Kranke und machen Sterbebegleitung. Also nicht anders als auch bei den christlichen Kirchen.
Rogate: Vielen Dank, Herr Seibert, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten und Terminen:

Fünf Fragen an: Bernd Mesovic, Abteilung Rechtspolitik von ProAsyl

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Bernd Mesovic (Bild: Philipp Eichler/Pro Asyl)

Fünf Freitagsfragen an Bernd Mesovic, Leiter der Abteilung Rechtspolitik in der Menschenrechtsorganisation PRO ASYL, über Abschiebungen nach Afghanistan, Risiken im Lande und die Gefahr für konvertierte Christen vor Ort.

Bernd Mesovic befasst sich unter anderem mit der Analyse asylrechtlicher Praxis und der Situation in den Herkunftsländern. Als diplomierter Sozialarbeiter leitete er zuvor eine überregionale Flüchtlingsberatungsstelle eines Wohlfahrtsverbandes.

Rogate-Frage: Herr Mesovic, was genau ist Pro Asyl und wofür engagieren Sie sich?

Bernd Mesovic: PRO ASYL ist eine unabhängige Menschenrechtsorganisation, die sich für die Menschenrechte und den Schutz von Flüchtlingen in Deutschland und Europa einsetzt. Gegründet wurde PRO ASYL 1986 von Mitarbeitenden aus Flüchtlingsräten, Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Menschenrechtsorganisationen, um der sich damals ausbreitenden rechten und rassistischen Hetze gegenüber Asylsuchenden entgegenzutreten und für den Schutz von verfolgten Menschen zu kämpfen.

Rogate-Frage: Wie arbeitet Ihre Organisationen und wie wird sie finanziert?

Bernd Mesovic: PRO ASYL realisiert konkrete Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge, die Einzelfall- und Rechtshilfe sowie Projekte, Dokumentationen und Recherchen. Wir organisieren politische Kampagnen, die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung mit nationalen und internationalen Hilfs- und Menschenrechtorganisationen. Ermöglicht wird unser Einsatz von unseren vielen Fördermitgliedern, Spenderinnen und Spendern, Stifterinnen und Stiftern. Dank ihrer Unterstützung sind wir politisch und finanziell unabhängig.

Rogate-Frage: Wie stehen Sie zu den Bemühungen von Bund und Ländern, Menschen verstärkt nach Afghanistan abzuschieben?

Bernd Mesovic: Abschiebungen nach Afghanistan gefährden Menschenleben. Ungeachtet der sich immer weiter verschlechternden Sicherheitslage hat die Bundesregierung dennoch mit den ersten Sammelabschiebeflügen nach Kabul begonnen – ein Tabubruch, nachdem zwölf Jahre lang kaum Abschiebungen in dieses Kriegs- und Krisengebiet stattgefunden haben. Afghanistan ist kein sicheres Land für Flüchtlinge. Ein bundesweiter Abschiebestopp wäre das einzig Richtige.

Rogate-Frage: Wie ist die Lage in Afghanistan? Gibt es sichere Regionen?

Bernd Mesovic: Die Lage in Afghanistan hat sich 2016 nochmal deutlich verschlechtert: Der UNHCR stellt in seinem jüngsten Bericht fest, dass das gesamte Staatsgebiet Afghanistans von einem »innerstaatlichen bewaffneten Konflikt« im Sinne des europäischen Flüchtlingsrechtes betroffen sei. Aufgrund der sich ständig ändernden Sicherheitslage könne man gar nicht zwischen sicheren und unsicheren Regionen in dem Bürgerkriegsland entscheiden. Mit 11.418 zivilen Opfern der Kampfhandlungen wurde 2016 ein trauriger Rekordwert erreicht. Kämpfe und Gewalt in fast allen Teilen des Landes treiben Tausende Menschen in die Flucht. Mittlerweile dürfte die Gesamtzahl der Binnenvertriebenen innerhalb Afghanistans auf 1,8 Millionen angestiegen sein. Dazu kommen die Flüchtlinge, die seit vielen Jahren außer Landes in Iran oder in Pakistan ihr Dasein fristen und jetzt zunehmend unter Druck gesetzt werden, nach Afghanistan zurückzukehren. Von Afghanistan als »sicher« zu sprechen, wie die Bundesregierung das gebetsmühlenartig wiederholt, ist absurd und realitätsfern.

Rogate-Frage: Welche Risiken sind nach Afghanistan abgeschobene Menschen ausgesetzt, die hier getauft und so Christen wurden?

Bernd Mesovic: Zunächst einmal können die meisten Abgeschobenen in Afghanistan mit keinerlei Unterstützung rechnen. Dass Abschiebungen nach Afghanistan lebensbedrohlich sind, zeigt der Fall eines Betroffenen, der nur kurze Zeit nach seiner Abschiebung nach Kabul bei einem Selbstmordanschlag verletzt wurde. Für Angehörige religiöser Minderheiten wie beispielsweise Hindus oder Sikhs ist die Lage zusätzlich kritisch. Religiöse Minderheiten gibt es in Afghanistan kaum noch, weshalb es für betroffene Abgeschobene schwer werden dürfte, Anschluss an eine Community zu finden – für das Überleben in Afghanistan unabdingbar. Das zeigt auch der Fall eines kürzlich aus Deutschland nach Afghanistan abgeschobenen Hindus: Der Betroffene lebt weitestgehend isoliert und traut sich nicht auf die Straße.

Fälle der Konversion zum Christentum sind im Vergleich zu iranischen Flüchtlingen sehr viel seltener. In Afghanistan ist der Islam Staatsreligion, eine Abkehr vom Islam wird oft als massiver Verstoß gegen eine Grundregel des Islam angesehen. Ein Glaubenswechsel, ist, wenn er im Herkunftsland bekannt wird, ein erhebliches Risiko – zumal ja nach dem christlichen Selbstverständnis der Gläubige auch einen Auftrag hat, seine Glaubensüberzeugung nach außen zu bekunden. Deshalb sollten Abschiebungen von Konvertiten nach Afghanistan nicht stattfinden. Problematisch ist, das in einer Reihe von Fällen Bundesamt und Gerichte davon ausgehen, dass die Konversion nicht auf religiöser Überzeugung beruht.

Rogate: Vielen Dank, Herr Mesovic, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten und Terminen:

  • rogatekl_aushang-a4_lichtvesper2017_111116Sonnabend, 13. Mai 2017 |16:00 Uhr, Taufe. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Sonnabend, 20. Mai 2017 |18:00 Uhr, Lichtvesper, mit der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Sonntag Rogate, 21. Mai 2017 | 10:00 Uhr, Eucharistie, mit der Zwölf-Apostel-Gemeinde. Predigt: Bruder Franziskus. Predigttext: 1. Petrus 4, 7-10. Orgel: Kreiskantor Christoph Hagemann. Lektorin: Mechthild Rawert, MdB. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Himmelfahrt, Donnerstag, 25. Mai 2017 | 11:00 – 13:00 Uhr, Workshop „Am Anfang war die Sehnsucht. Erfahrungen bei der Suche nach einer Geistlichen Gemeinschaft„. Ort: Deutscher Evangelischer Kirchentag, Messegelände.
  • Himmelfahrt, Donnerstag, 25. Mai 2017 | 22:30 Uhr, Komplet, das Nachtgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.

Fünf Fragen an: Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich

Fünf Freitagsfragen an Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, über das Bemühen seines Landes um einen menschlichen Umgang mit Vertriebenen und darüber, das Flucht kein Verbrechen und Asyl ein Recht ist.

Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich (Foto: Uschmann)

Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich (Foto: Uschmann)

Michael Bünker, geboren 1954 in Leoben in der Steiermark, aufgewachsen in Kärnten. Lebt seit 1972 in Wien. Pfarrer der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich. Seit 2007 Generalsekretär der „Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“ (GEKE), seit 2008 Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich.

Rogate-Frage: Herr Bischof Dr. Bünker, Grenzen für Vertriebene und geflüchtete Menschen öffnen oder schließen? Was ist christlicher?

Michael Bünker: Flucht ist kein Verbrechen. Asyl ist ein verbrieftes Recht. Mit Stacheldraht bewehrte Grenzen und die Rede von einer „Festung“ Europa, die es zu sichern gilt, widersprechen nicht nur christlichen Grundüberzeugungen, sondern auch den Grundwerten der Europäischen Union (EU). Realistisch betrachtet werden sich diese Maßnahmen auch als hilflos erweisen. Menschen, die vor Krieg und terroristischer Gewalt fliehen, werden sich dadurch nicht aufhalten lassen. Sie kommen nach Europa, weil sie hier Recht und Sicherheit erwarten. Das ist eine Stärke Europas, auf die wir stolz sein können.

Rogate-Frage: Welche europäischen Werte werden durch das Handeln sich abschottender Nationalstaaten verletzt?

Michael Bünker: Die Herausforderungen unserer Tag, wie Flucht und Migration, Klimawandel und Wirtschaftskrise, können nicht auf der Ebene der Nationalstaaten gelöst werden. Populistische Kräfte in vielen Ländern versuchen, diese Fiktion aufrecht zu halten und daraus politisches Kapital zu schlagen. Es braucht aber das solidarische Zusammenwirken aller, zu dem sich die Staaten der EU auch auf verbindlicher rechtlicher Grundlage verpflichtet haben. Das Problem ist die Umsetzung, wie die Ergebnisse der Verhandlungen auf EU Ebene von Mal zu Mal zeigen.

Rogate-Frage: Sind Sie mit der Flüchtlingspolitik der österreichischen Regierung einverstanden?

Michael Bünker: Österreich bemüht sich um einen menschlichen Umgang mit den Menschen, die auf der Flucht sind. Auch wenn es Tausende sind, die täglich über die Grenze kommen, werden sie aufgenommen, mit dem Nötigsten versorgt und wird ihnen geholfen, ihren Weg fortzusetzen. Etwa fünf Prozent von ihnen stellen ihren Antrag auf Asyl in Österreich. Das werden bis zum Jahresende rund 85 000 Menschen sein. Gemessen an der österreichischen Gesamtbevölkerung in etwa gleich viele wie in der Bunderepublik Deutschland. Sie haben Anspruch auf Betreuung durch den Staat. Da gilt es jetzt, geeignete Quartierte für die kalte Jahreszeit zu finden. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist groß. Flüchtlingskrisen der Vergangenheit (1956 Ungarn; 1992 Bosnien) zeigen, dass Österreich in der Lage ist, es zu schaffen. Die – oft unbegründeten und auf Uninformiertheit beruhenden – Ängste in manchen Teilen der Bevölkerung dürfen nicht zur Leitmaxime des politischen Handelns werden.

Rogate-Frage: Wie reagieren die evangelischen Gemeinden Ihres Landes auf den Zustrom der vielen Flüchtlinge?

Michael Bünker: Die Gemeinden der Evangelischen Kirche engagieren sich für die Aufnahme und Begleitung der Menschen, die bei uns Asyl suchen. Sie stellen Geld und Güter, Zeit und Räume zur Verfügung. Der Flüchtlingsdienst der Evangelischen Diakonie und die vielen Ehrenamtlichen arbeiten zusammen. Die Evangelischen, die hierzulande nur rund drei Prozent der Bevölkerung ausmachen, betreuen und begleiten in überproportionaler Weise Menschen, die auf der Flucht sind. Unsere Kirche nimmt einiges an Geld in die Hand, um diese Zusammenarbeit zu unterstützen und weiter auszubauen und zu fördern.

Rogate-Frage: Welche Erwartungen haben Sie angesichts der Situation an die anderen europäischen Kirchen? Greift eine geschwisterliche Solidarität?

Michael Bünker: Die Gemeinschaft der Kirchen ist in der Tat gefragt. Sie kann die nationalen Eigeninteressen zumindest relativieren. Da ist die Zusammenarbeit gefestigt. Neben dem Austausch gibt es gegenseitige Unterstützung. Gerade in diesen Tagen finden weitere Treffen zur Abstimmung statt, die die Flüchtlingskrise nicht nur in einen gesamteuropäischen, sondern darüber hinaus in einen internationalen Zusammenhang stellen. Die Kirchen wissen, dass wir es nicht mir einer vorübergehenden Herausforderung zu tun haben, sondern dass sich hier eine langfristige Veränderung abzeichnet, die unsere Gesellschaften, aber eben auch die Kirchen betrifft. Ihr Einsatz für ein friedliches Zusammenleben bei Respekt vor den Unterschieden wird zunehmend gefragt sein. Jede Kirche muss sich fragen, wie gut sie dafür vorbereitet ist. Die Werte, die sie aufgrund der biblischen Botschaft zu vertreten hat, geben die Richtung vor. Jesus sagt: Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan (Matthäus 25, 40b).

Rogate: Vielen Dank, Bischof Dr. Bünker, für das Gespräch!

Mehr über die Evangelische Kirche A.B. in Österreich finden Sie hier: Evang.at

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der Kapelle der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 3. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 10. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 17. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 24. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • 2015 12 13 Sternenkinder-GottesdienstDienstag, 1. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 8. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Sonntag, 3. Advent, 13. Dezember 2015 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pater Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg.
  • Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier. Hier unser Monatsplan November und Dezember.

Fünf Fragen an: Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg

Fünf Freitagsfragen an Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, über eine garantierte öffentliche Religionsfreiheit, eine Welt ohne Krieg und die christliche Verpflichtung gegenüber Flüchtlingen.

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Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bild: Staatsministerium Baden-Württemberg)

Winfried Kretschmann wurde 1948 in Spaichingen geboren. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Er hat Biologie und Chemie für das Lehramt an Gymnasien studiert und war danach als Lehrer tätig. Er ist Gründungsmitglied der baden-württembergischen Grünen und ehrenamtlich in der römisch-katholischen Kirche engagiert. Mit einer kurzen Unterbrechung ist Kretschmann seit 1980 Mitglied im Landtag in Stuttgart. Seit 2011 ist er Ministerpräsident von Baden-Württemberg.

Rogate-Frage: Herr Ministerpräsident Kretschmann, wie privat oder wie öffentlich darf und muss der Glaube sein? Ist die Religion Privatsache? Warum?

Winfried Kretschmann: Religion ist Privatsache, wenn es darum geht, dass und wie der Einzelne den staatlich freigehaltenen „Leerraum“ (Jeanne Hersch) mit seiner Freiheit füllt. Die Glaubensfreiheit ist zuvorderst ein Individualrecht. Religion verlässt aber den Raum des Privaten, wo sie als Gemeinschaft Teil der Zivilgesellschaft ist und damit für ein demokratisches Gemeinwesen und für den Staat konstitutiv wird. Unsere Verfassung enthält sich einer Bewertung der Religionen und bleibt selbst religiös neutral. Aber sie erkennt und anerkennt neben dem persönlichen eben auch den gesellschaftlichen und gesellschaftsrelevanten Charakter der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Sie schützt also nicht nur die individuelle Religionsfreiheit, sondern auch eine öffentliche Religionsfreiheit, in der Religionsgemeinschaften gesellschaftlich sichtbar und wirksam werden. Denn unsere Gesellschaft braucht Gemeinschaften, in denen gemeinsame Werte zum Wohle aller gelebt und in die Gesellschaft eingebracht werden.

Rogate-Frage: In unseren Tagen brennt es durch kriegerische Auseinandersetzungen und Gewalt an vielen Enden der Welt. Welche Friedenspolitik würden Sie verfolgen? Frieden schaffen ohne Waffen?

Winfried Kretschmann: Ich glaube, es gibt niemanden, der sich nicht wünschen würde, dass die Forderung „Nie wieder Krieg“ endlich weltweite Wirklichkeit würde. Eine Welt ohne Krieg und Gewalt bleibt oberstes Ziel, das wir nicht aufgeben dürfen. Aber vom paradiesischen Zustand einer friedlichen Welt sind wir leider sehr weit weg.

Aus der Geschichte wissen wir auch, dass sich Terror, Diktatur, Völker- und Massenmord sowie Krieg nicht immer mit friedlichen Mitteln verhindern oder beseitigen lassen. Demokratie, Menschenrechte und Freiheit sind Werte, die wir im Zweifel auch wehrhaft verteidigen müssen. Gerade angesichts der Tatsache, dass sich in einer globalisierten Welt militärische Konflikte und die Folgen eines immer brutaleren Terrors räumlich kaum begrenzen lassen, muss eine an sich friedliche und zivile Gesellschaft auch in der Lage sein, sich zu schützen und im Verbund der europäischen und weltweiten Staatengemeinschaft auch militärisch zu agieren.

Rogate-Frage: Nach Uno-Angaben sind derzeit 57 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, so viele wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr. Der Berliner Senat geht davon aus, dass in diesem Jahr 15.000 davon in der Hauptstadt ankommen werden. In der Flüchtlingspolitik ist Ihr Name in den vergangenen Monaten häufig gefallen. Was muss passieren, um ein flüchtlingsfreundlicheres Land zu werden? Welche Politik würden Sie verfolgen?

Winfried Kretschmann: Asyl für politisch Verfolgte ist ein Grundrecht. Der humane Umgang mit Flüchtlingen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die der gemeinsamen Anstrengung aller politischen Ebenen und aller zivilgesellschaftlichen Kräfte bedarf. Hier darf niemand wegschauen. Ich bin deshalb sehr dankbar dafür, dass der gesellschaftliche Konsens darüber groß ist, dass uns die Not dieser Menschen etwas angeht und wir Ihnen gegenüber eine humanitäre und erst recht christliche Verpflichtung haben.

Andererseits darf man aber auch nicht die Augen vor den praktischen Herausforderungen, zum Beispiel bei der Unterbringung, verschließen. Auch ist das Asylrecht der falsche Weg, wenn Menschen bei uns arbeiten wollen. Wenn wir das Asylrecht nicht überfordern wollen, brauchen wir humane Bleiberechtsregelungen und ein Einwanderungsrecht. Und nicht zuletzt müssen wir natürlich auch die Fluchtursachen bekämpfen.

Rogate-Frage: Sie sagen in einem Beitrag: „… wir uns jederzeit von Gott geliebt wissen dürfen. Es beschreibt die drei wichtigen Grundhaltungen vor Gott: Danken, Bitten und Loben.“ Wann kommen Sie als Politiker dazu? Wann haben Sie Zeit für Ihre Frömmigkeit, Gottesdienstbesuche und das Leben mit Gott?

Winfried Kretschmann: Ein politisches Amt bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten, aber es fordert einen auch sehr. In der Politik sind täglich viele, auch unangenehme Entscheidungen unter großem Zeitdruck zu treffen. Umso wichtiger sind mir Zeiten, in denen ich Abstand gewinnen und innehalten kann, um mein Tun zu reflektieren und in größeren Dimensionen zu denken. Ich achte deshalb darauf, dass ich in meinem angefüllten und oft hektischen Alltag Freiräume habe, in denen ich Zeit für Anderes finde. Etwa das Hören geistlicher Musik ist für mich eine gute Brücke, den Kopf frei für das Wort Gottes zu bekommen. Und wenn immer es geht, gehe ich an den Sonn- und Feiertagen in die Kirche, um mit der Gemeinde Eucharistie zu feiern.

Rogate-Frage: Kritische Christen waren eine der Quellen der Grünen. Welches Ansehen haben Gläubige, Glaube und die Kirche heute in Ihrer Partei? Und warum?

Winfried Kretschmann: Ich denke, viele Menschen sehen, dass grün und Christ sein gut zusammenpasst. Bei der Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg wurde erhoben, dass von den Grünen-Wählern 30 Prozent der katholischen, 39 Prozent der evangelischen und 24 Prozent keiner Konfession angehören. Das entspricht in etwa auch der Verteilung der Gesamtwählerschaft. Das Ergebnis zeigt, dass die grüne Partei als aufgeschlossen gegenüber allen Bekenntnissen oder auch Nicht-Bekenntnissen wahrgenommen wird.

Die Grünen verstehen sich aber nicht als christliche, sondern als eine werteorientierte Partei. Und hinsichtlich ihrer Werteorientierung gibt es tatsächlich viele Berührungspunkte und gemeinsame Themen mit den Christen: Bewahrung der Schöpfung, Gentechnik, Inklusion, Solidarität, Entwicklungshilfe, Friedenspolitik, Flüchtlingspolitik, Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit… Hier befruchten sich grüne und christliche Wertvorstellungen gegenseitig. Es gab und gibt deshalb bei den Grünen ganz selbstverständlich kirchennahe Strömungen, aber eben auch distanzierte beziehungsweise kritische. So gibt es bei den Grünen natürlich auch Stimmen, die das bisherige Staat-Kirche-Verhältnis anfragen und sich hier Weiterentwicklungen wünschen – bis hin zu manchen, die eine stärkere Trennung fordern.

Rogate: Vielen Dank, Herr Ministerpräsident, für das Gespräch!

Weitere Informationen über Ministerpräsident Kretschmann finden Sie hier: stm.baden-wuerttemberg.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten:

  • Sonnabend, 28. März 2015 | 18:00 Uhr, ökumenische Vesper in der Kirche, mit der Alt-katholischen Gemeinde, Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg
  • Sonntag Palmarum, 29. März 15 | 10:00 Uhr, Gottesdienst in der Michaelskirche, Bessemer Straße 97/101, 12103 Berlin-Schöneberg, Bus 106 (Richtung Lindenhof, Haltestelle Bessemer Straße)
  • Findet trotz Sturmes statt: Dienstag, 31. März 15 | 19:00 Uhr, Vesper in der Michaelskirche, Bessemer Straße 97/101, 12103 Berlin-Schöneberg, Bus 106 (Richtung Lindenhof, Haltestelle Bessemer Straße). Orgel: Manuel Rösler.
  • Gründonnerstag, 2. April | 19:00 Uhr, Eucharistie in der Michaelskirche, Bessemer Straße 97/101, 12103 Berlin-Schöneberg, Bus 106 (Richtung Lindenhof, Haltestelle Bessemer Straße). Orgel: Shin-Hyang Yun.
  • Karfreitag, 3. April 15 | 15:00 Uhr, KREUZWEG-ANDACHT, Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg
  • Ostermontag, 6. April 15 | 10:00 Uhr, ökumenische Eucharistie, mit der Alt-katholischen Gemeinde, Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg
  • Dienstag, 7. April 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Donnerstag, 9. April 15 | 20:30 Uhr, Komplet, das Nachtgebet, Zwölf-Apostel-Kirche
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