Die Weihnachtsgeschichte von Christi Geburt zum Heiligen Abend

RogateKl_Postkarte A6_Weihnachten_hoch_211217_1Es begab sich aber zur der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden
bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und als die Engel von ihnen in den Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in einer Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Aus dem Evangelium des Lukas 2,1 – 20

Fünf Fragen an: Studienleiterin llsabe Alpermann, Amt für kirchliche Dienste

Fünf Freitagsfragen an Pfarrerin Ilsabe Alpermann, Studienleiterin im Amt für kirchliche Dienste in der EKBO, über die Ordnung der Lesungen im evangelischen Gottesdienst, kleine und große Veränderungen in der Liturgie und die Kunst des Vorlesens der biblischen Texte.

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Dr. Ilsabe Alpermann (Bild: AKD)

Biografie: Dr. Ilsabe Alpermann, geb. 1959, Studium der evangelischen Theologie am Sprachenkonvikt, der Theologischen Hochschule in Ostberlin. Assistentin bei Prof. Jürgen Henkys und Dissertation zu einem hymnologischen Thema. Mitglied des Liturgischen Ausschusses der Evangelische Kirche der Union (EKU)/Union Evangelischer Kirchen (UEK), Herausgeberin der Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch. Seit 2007 Studienleiterin für Gottesdienst, Prädikanten– und Lektorenausbildung im Amt für kirchliche Dienste Berlin.

Rogate-Frage: Nach welcher Ordnung sind die Lesungen im evangelischen Gottesdienst gegliedert? Welche Systematik steht dahinter?

Ilsabe Alpermann: Der traditionell wichtigste Text ist das Evangelium. Die ausgewählten Evangelientexte stehen in engem Zusammenhang mit den hohen Festen des Kirchenjahres. Zu Ostern und Weihnachten werden die entsprechenden Festerzählungen gelesen. Passend dazu wurden dann die Texte im Oster- und Weihnachtsfestkreis ausgewählt. Die Evangelien und Episteln unserer Leseordnung basieren noch auf den sogenannten altkirchlichen Lesereihen, die jedoch unabhängig voneinander entstanden sind. Die Texte aus den neutestamentlichen Briefen hatten ursprünglich keinen direkten Bezug zu den Evangelien. Sie sind darum später auch immer wieder einmal verändert worden, um eine Verbindung zwischen den Texten herzustellen. Die Texte des Alten Testaments sind erst im 19. Jahrhundert in die Leseordnung eingefügt worden. Noch Luther konnte von vielen Gottesdiensten in der Woche und mindestens einem Frühgottesdienst am Sonntag ausgehen. Hier gab es also reichlich Gelegenheit, biblische Texte außerhalb des sonntäglichen Hauptgottesdienstes zu lesen und zu hören.

Rogate-Frage: Vor nicht langer Zeit wurden mindestens vier, fünf biblische Texte im Gottesdienst verlesen: Der Psalm, ein Text aus dem 1. Testament, eine Epistel, das Evangelium und manchmal auch ein weiterer Predigttext. In der heutigen Praxis der Sonntagsgottesdienste kommen oft nur noch ein, zwei Texte vor. Ist die Reduktion der Texte sinnvoll?

Ilsabe Alpermann: Liturgie und Gottesdienst sind nie statisch, sondern ständig kleinen oder größeren Veränderungen unterworfen. Gerade beim Psalm lässt sich das gut zeigen: er gehört als sogenannter Eingangspsalm (Introitus) in den Anfang des Gottesdienstes lutherischer Prägung, wurde aber als Psalm des Liturgen mit nur wenigen Versen gebetet. Mit der Einführung des Evangelischen Gesangbuchs ab 1993 stand den Gemeinden eine große Zahl an Psalmen zur Verfügung, die übrigens als häuslicher Betpsalter gedacht waren. Sie wurden jedoch sogleich als Psalmgebet des Wochenpsalms in den Beginn des Gottesdienstes übernommen. Viele Psalmen erscheinen hier in voller Länge. So ergibt sich hier also quasi eine alttestamentliche Lesung, die es so früher nie gegeben hat. Die Lesung aus dem Alten Testament hat es hingegen schwer in unseren Gottesdiensten. Als Reihe war sie Ende des 19. Jahrhunderts auch zunächst zum Predigen und nicht als Lesung gedacht. In der heutigen Agende ist für jeden Sonn- und Feiertag eine alttestamentliche Lesung vorgesehen. Es gibt aber nur wenige Gemeinden, die regelmäßig neben den beiden neutestamentlichen Lesungen eine dritte Lesung zu Gehör bringen.

Nach meiner Erfahrung ist das Hauptproblem der Lesungen schlicht das Lesen selber. Lesen ist eine Kunst, die nicht nur ausgeübt sondern vor allem auch eingeübt werden will. Daran mangelt es vielerorts. Und das ist schade! Wo ausgezeichnet gelesen wird, werden auch drei Lesungen gern gehört.

Manchmal allerdings gibt es auch praktische Gründe für eine Reduktion der Lesungen. Wenn in ländlichen Gemeinden mehrere Gottesdienste nacheinander in einem relativ engen Zeittakt in verschiedenen Orten von einer Pfarrerin geleitet werden, spielt dann eben doch auch die Länge des Gottesdienstes verständlicherweise eine Rolle.

Rogate-Frage: Es kommt nun zu einer Neuordnung der Perikopen. Wie ist es dazu gekommen, wer hat wie eine Neuauswahl getroffen und was soll damit erreicht werden?

Ilsabe Alpermann: Die Perikopenordnung, also die Ordnung der Lese- und Predigttexte, hat eine lange Geschichte und war immer wieder kleinen oder größeren Veränderungen unterworfen. Zu den Evangelien und Episteln traten die Texte aus dem Alten Testament hinzu und jeweils eine weitere Reihe aus Evangelien und Episteln, die als Predigttexte dienten. So der Stand am Ende des 19. Jahrhunderts. 1958 wurde dann auf dieser Basis eine Ordnung eingeführt, die aus sechs Reihen besteht. Für jeden Sonntag gibt es also Evangelium und Epistel und einen Text aus dem Alten Testament und dazu drei weitere Texte aus dem Neuen Testament. Zu diesem sogenannten Proprium des Sonntags gehören dann auch der Wochenpsalm, der Wochenspruch und das Wochenlied. In einer bestimmten Reihenfolge wechseln sich nun die Predigttexte ab, so dass erst nach sechs Jahren ein Text wieder neu ausgelegt und gepredigt wird. Die Lesetexte bleiben stabil und wiederholen sich jährlich. Das führt dazu, dass im ersten Predigtjahr nur Evangelien und im zweiten durchgängig die Episteln gepredigt werden – wie gerade im aktuellen Kirchenjahr. In den Predigtjahren drei bis sechs wechseln sich dann Texte aus Altem Testament, Episteln und Evangelien ab. Gemeinden, die keine regelmäßige Lesung aus dem Alten Testament haben, vernehmen dann in den ersten beiden Predigtjahren kaum alttestamentliche Texte außerhalb der Psalmen.

Ein Hauptanliegen der Revision ist die Stärkung des Alten Testaments (AT). Wir haben im Vorschlag nun nicht mehr einen, sondern zwei Texte für jedes Proprium. Nun ist fast durchgängig eine Ausgewogenheit von 2:2:2 zwischen Texten aus AT, Evangelien und Episteln erreicht. Damit wird es möglich, die Predigttexte zu mischen. Es sollen zukünftig nicht mehr Reihen von Evangelien und Episteln (Jahr I und II) gepredigt werden. Vielmehr werden die Reihen gemischt, so dass sich eine regelmäßige Abwechslung zwischen Texten aus AT, Epistel und Evangelium für das Predigen ergibt.

Wichtige Texte, die bisher gar nicht Bestandteil der Perikopen waren, sind nun dabei. So beispielsweise der Besuch der drei Männer bei Abraham (1.Mose 18,1-2.9-15) als alttestamentliche Lesung am 4. Advent und die Verleugnung des Petrus (Lk 22, 54-62) als Predigttext am Sonntag Judika. Bei der Auswahl war der Gedanke des „Textraums“ leitend, in dem für die Gemeinde hörbar alle Texte möglichst zusammenklingen.

Die Arbeit ist von einer gemischten Kommission geleistet worden, die durch die EKD, die UEK und die VELKD berufen wurde. Im vergangenen Kirchenjahr hat eine Erprobung stattgefunden, die nun gerade ausgewertet wird. Danach wird der Entwurf überarbeitet.

Rogate-Frage: Inwiefern gibt es eine Abstimmung der Sonntagstexte in der Ökumene?

Ilsabe Alpermann: Ein wichtiger Einschnitt in der Entwicklung der Leseordnung war das Zweite Vatikanische Konzil, das sich mit dieser Frage eingehend beschäftigt hat. Als Neuerung wurden in der römisch-katholischen Kirche drei Lesejahre nach Matthäus, Markus und Lukas eingeführt. Das Johannesevangelium kommt in jedem Jahr in den Festzeiten zu Gehör. Mit dieser Ordnung hat sich die römisch-katholische Kirche von den altkirchlichen Traditionen getrennt. Allerdings ist diese Leseordnung in der Folgezeit auch von protestantischen Kirchen weltweit übernommen worden und daher heute von hohem ökumenischem Rang. Es stand ernsthaft in der Diskussion, ob mit der Überarbeitung der Perikopenordnung auch ein Systemwechsel verbunden werden soll. Aber letztlich wurde auf einer vorbereitenden Tagung 2010 mehrheitlich entschieden, das bisherige System beizubehalten und eine moderate Revision anzustreben. Im Prozess der Erarbeitung und bei der ganz konkreten Suche nach Texten lag es nahe, die römisch-katholische Ordnung und auch das Perikopenmodell der Konferenz der landeskirchlichen Arbeitskreise Christen und Juden (2009) immer wieder zu befragen. Die Kirchen der Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa, die unsere Leseordnung nutzen, waren eng in den Bearbeitungsprozess eingebunden.

Rogate-Frage: Welche liturgischen Einrahmungen bei gottesdienstlichen, biblischen Lesungen halten Sie für sinnvoll?

Ilsabe Alpermann: Die Liturgie ist wie ein kunstvolles Gewebe, in das im Laufe der Jahrhunderte immer wieder einmal neue Fäden eingefügt werden und verschlissene alte entfernt. Das gelingt umso überzeugender, je deutlicher der praktische und theologische Sinn einzelner Stücke vor Augen steht. Der evangelische Gottesdienst hat zwei Grundgestalten, die lutherische Messform und den reformierten Predigtgottesdienst. Der unierte Gottesdienst, den es seit dem 19. Jahrhundert gibt, basiert ebenfalls auf der Messform. Die Frage der Rahmungen für einzelne liturgische Stücke stellt sich nur in der Grundform I. Dies wird besonders deutlich am Gloria Patri, das den Psalm beschließt. Die reformierte Tradition kennt es ebenso wenig wie andere Rahmenverse, während in der lutherischen Tradition Psalmgebete und Psalmlieder mit dem Gloria Patri (Ehre sei dem Vater) schließen. Die in unseren Gottesdiensten bekannte musikalische Gestalt ist hingegen durchaus auch einmal durch eine andere Form ersetzbar.

Fest eingebürgert sind in unierten Gottesdiensten die Rahmenverse zum Evangelium „Ehr‘ sei dir, o Herre und Lob sei dir, o Christe“. Das Evangelische Gottesdienstbuch (2000) hat hier eine Veränderung vorgenommen, die sprachlich moderner und musikalisch knapper ist: „Ehre sei dir, Herr und Lob sei dir, Christus“. Ich erlebe immer wieder Gottesdienste, in denen diese veränderten Versikel zwar im Gebrauch, aber von der Gemeinde nicht wirklich verinnerlicht sind. Gemeinden, die die ältere Fassung beibehalten haben, singen diese Stücke hingegen mit großer Sicherheit und Selbstverständlichkeit. Dieses Beispiel zeigt, wie empfindlich die Liturgie beziehungsweise die Gemeinden gegenüber zu raschen Veränderungen sind.

Die Agende schlägt fakultativ auch einen Abschluss für die anderen beiden Lesungen vor: die Gemeinde antwortet auf „Worte der Heiligen Schrift“ mit „Gott sei Lob und Dank“. Übrigens ist das Halleluja nach der Epistel nicht der Abschluss der Epistel als der es in den Gottesdiensten erscheint. Vielmehr ist es dem Evangelium vorgeschaltet und hat damit eigentlich die Funktion der Begrüßung des lebendigen Christus, der aus dem Evangelium spricht. Das ist auch der Grund, warum es in der Passionszeit entfällt, in der des Leidens Jesu gedacht wird. Im Gottesdienst ist die Zusammengehörigkeit von Halleluja und Evangelium nicht erlebbar, weil sich zwischen Epistel und Evangelium das Wochenlied angesiedelt hat, das in der Regel einen deutlichen Bezug zum Evangelium hat.

Die Versikel (Verslein) tragen dazu bei, die dialogische Gestalt des Gottesdienstes wahrnehmbar zu machen. Sie brauchen allerdings eine feste Verankerung in der Gemeinde.

Rogate: Vielen Dank, Frau Pfarrerin Dr. Alpermann, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

Fünf Fragen an: Stephan Weyer-Menkhoff, Professor an der Universität Mainz

Fünf Freitagsfragen an Prof. Dr. Stephan Weyer-Menkhoff, Universität Mainz, über den Unterschied von Gottesdienst, Andacht und Stundengebet, wie das Evangelium gottesdienstlich den Einzelnen trägt und das Stehen in den Horen.

Stephan Weyer-Menkhoff

Prof. Dr. Stephan Weyer-Menkhoff (Bild: privat)

Prof. Dr. Stephan Weyer-Menkhoff wurde 1953 in Berlin-Schöneberg geboren. Er studierte in Göttingen Evangelische Theologie, war Lehrer, Pfarrer, Studienleiter und lehrt seit 1997 Praktische Theologie an der Universität in Mainz.

Rogate-Frage: Herr Professor Weyer-Menkhoff, was sind Stundengebete und wie unterscheiden sie sich von einer Andacht oder einem Gottesdienst?

Stephan Weyer-Menkhoff: Das Stundengebet führt Heilige Schrift auf. Bis auf das Lied, dem Hymnus, besteht das ganze Stundengebet ausschließlich aus biblischen Sätzen. Die Psalmen haben dabei besonderes Gewicht. Ihren Namen gemäß, Psalmos heißt Gesang, wird im Stundengebet alles gesungen. Das führt zu einer festen Form, die Einfälle und Überraschungen ausschließt, andererseits aber den Einzelnen ungestört in den Raum der Heiligen Schrift eintauchen lässt. Die feste Form unterscheidet das Stundengebet von der Andacht. Vom Gottesdienst unterscheidet sich das Stundengebet, weil es hier keinen herausgehobenen Liturgen gibt, sondern vielmehr alle gleichmäßig beteiligt sind.

Rogate-Frage: Welche Tradition hat das Stundengebet in der evangelischen Kirche und wo kommt es (noch) vor?

Stephan Weyer-Menkhoff: Das Stundengebet ist der wochentägliche Gottesdienst und gibt der Heiligen Schrift unter der Woche Raum. Da die Reformation nur die Messe betrifft, ist das Stundengebet evangelischerseits unverändert und so auch im Evangelischen Gesangbuch (EG-Nummer 783-786) zu finden. Es gibt immer wieder Kirchengemeinden, die das Stundengebet halten. In Berlin kenne ich die Annen-Kirche in Wilmersdorf und das Rogate-Kloster in Schöneberg.

Was schätzen Sie an den Horen für Ihre Frömmigkeit?

Stephan Weyer-Menkhoff: Weil das Stundengebet Heilige Schrift zum Klangraum werden lässt, muss ich nicht denken, anwenden, beschließen, kurz: leisten, sondern erfahre mich hineingenommen und aufgehobene in den Klangraum Heiliger Schrift. Nicht mein Glaube trägt das Evangelium, sondern die Heilige Schrift trägt und umhüllt mich.

Rogate-Frage: Wie können Einzelne diese Gebetsform lernen? Was würden Sie Interessierten raten?

Stephan Weyer-Menkhoff: Für den Einzelnen ist diese Gebetsform deswegen ungeeignet, weil die Form, die vom Psalter vorgegeben ist, das Gegenüber verlangt. Im Gegenüber singen zwei − einzelne oder Gruppen − abwechselnd so, dass in der Mitte ein freier Raum der Stille entsteht. Es ist ähnlich wie im Kirchbau, wo zwei Pfeiler oder Wände das Gewölbe spannen, unter dem sich der freie Raum des Kirchenschiffs bildet. Ein Einzelner kann kein Gewölbe spannen.

Rogate-Frage: Welche Gebetsgesten, Körperhaltungen und Bewegungen sind dem Gebet dienlich und fördern die eigene Spiritualität?

Stephan Weyer-Menkhoff: Das Stundengebet wird im Stehen gehalten. Das Stehen ist nicht nur die dem Singen angemessene Körperhaltung, sondern stellt auch den Menschen in seiner Grundsituation dar. Mit beiden Füßen auf der Erde, aber mit dem Kopf zum Himmel, ist er weder Tier noch Engel. Die Aufrechte zeugt von Wunder der Auferstehung. Der im Stehen gespannte Rücken wird entspannt, wenn sich so tief verbeugt wird, dass der Oberkörper in die Waagerechte kommt. Diese Verbeugung geschieht immer dann, wenn der dreieine Gottesname genannt wird, sodass dieser Name in die Körperhaltung eingeht und der Leib zum Tempel wird. Der gemeinsame Ein- und Auszug markieren den besonderen Ort des Klangraums Heiliger Schrift in Mitten der wöchentlichen Alltagswelt.

Rogate: Vielen Dank, Herr Professor Dr. Stephan Weyer-Menkhoff, für das Gespräch.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Zum Thema Gottesdienst siehe auch:

  • Landesbischof Gerhard Ulrich, Nordkirche und Leitender Bischof der VELKD, über die Definition eines lutherischen Gottesdienstes, situationsgemäße Liturgie und die Relevanz der Tradition.
  • Prof. Dr. Alexander Deeg, Universität Leipzig, über gute Gottesdienste, überzeugende Feierformen und die Wertschätzung der Eucharistie.
  • Pastorin Anita Christians-Albrecht, Plattdeutschbeauftragte der Landeskirche Hannovers, über ‚Gott up Platt – Wat sall dat?‘, ‚Gott sien Lüüd‘ und „Gott deep mitföhlen deit“.
  • Kirchenrat Klaus Rieth, Evangelische Landeskirche in Württemberg, über die Reaktion der Gemeinden im Ländle auf den Zustrom geflüchteter Menschen und eine bundesweit gefragte mehrsprachige Gottesdienst-Hilfe.
  • Prof. Traugott Roser, Universität Münster, über das Segnen im Lebenslauf, eine neue kirchliche Sensibilität für das Thema „Lebensformen“ und warum das Nichtsegnen Fluch ist.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 19. April 16|19:00 Uhr, VESPER “Liebeskummer“, das Abendgebet
  • Rogate Kl_Aushang_Rogate Sonntag_090316-2 KopieDonnerstag, 21. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET „Vergeben“
  • Dienstag, 26. April 16|19:00 Uhr, VESPER (in der Ordnung des Ev. Gesangbuchs Nr. 785), mit Gedenken an die Opfer der Kernkraftkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986
  • Donnerstag, 28. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET, Nachtgebet
  • Hier unser Aushang April 2016.
  • Sonntag Rogate, 1. Mai 16 | 10:00 Uhr, Eucharistie, Predigt: Prof. Dr. Dres. h.c. Christoph Markschies, Theologische Fakultät an der Humboldt-Universität
  • Dienstag, 3. Mai 16|19:00 Uhr, VESPER am Tag der Apostel Philippus und Jakobus das Abendgebet, in der Kirche
  • Donnerstag, 5. Mai 16|19:30 Uhr, EUCHARISTIE an Christi Himmelfahrt

25 Fragen zum Gottesdienst: 25 Antworten heute hier.

Wikipedia definiert „Gottesdienst“ so:

Ein Gottesdienst ist eine Zusammenkunft von Menschen mit dem Zweck, mit Gott in Verbindung zu treten, mit ihm Gemeinschaft zu haben, Opfer zu bringen, Sakramente zu empfangen bzw. eine auferlegte religiöse Pflicht zu erfüllen. Er kann in einer eigens vorgesehenen Räumlichkeit (Kirche, Synagoge, Moschee, Pagode, Tempel etc.) stattfinden, wie auch im häuslichen Bereich oder in freier Natur.

Das deutsche Wort Gottesdienst entspricht dem lateinischen Begriff cultus (Kultus, „Verehrung“) und bezieht sich vornehmlich auf religiöse Feiern im Christentum, wird jedoch auch für andere Religionsgemeinschaften verwendet, die gemeinsame Gebete verrichten, wie das Judentum und den Islam.

Oft folgt ein Gottesdienst einem Ritus, der durch einen überlieferten Ablauf oder durch Festsetzung durch eine geistliche Instanz vorgegeben ist, wie etwa die katholische Liturgie der katholischen Kirche und der orthodoxen Kirchen oder die evangelische Agende. Bei entsprechender Zielsetzung werden jedoch auch spontane oder wenig strukturierte Zusammenkünfte als Gottesdienst bezeichnet.

An diesem Freitag, 15. April 2016, setzen in unserer „Freitagsfragen“-Reihe einen Schwerpunkt „Gottesdienst“ mit folgenden Interviewpartnern hier auf unserem Rogate-Kloster-Blog:

  • Um 9:15 Uhr: Fünf Freitagsfragen an Anita Christians-Albrecht, Plattdeutschbeauftragte der Landeskirche Hannovers, über ‚Gott up Platt – Wat sall dat?‘, ‚Gott sien Lüüd‘ und „Gott deep mitföhlen deit“.
  • Um 11:15 Uhr: Fünf Freitagsfragen an Prof. Dr. Alexander Deeg, Universität Leipzig, über gute Gottesdienste, überzeugende Feierformen und die Wertschätzung der Eucharistie.
  • Um 13:15 Uhr: Fünf Freitagsfragen an Landesbischof Gerhard Ulrich, Nordkirche und Leitender Bischof der VELKD, über die Definition eines lutherischen Gottesdienstes, situationsgemäße Liturgie und die Relevanz der Tradition.
  • Um 15:15 Uhr: Fünf Freitagsfragen an Kirchenrat Klaus Rieth, Evangelische Landeskirche in Württemberg, über die Reaktion der Gemeinden im Ländle auf den Zustrom geflüchteter Menschen und eine bundesweit gefragte mehrsprachige Gottesdienst-Hilfe.
  • Um 18:45 Uhr: Fünf Freitagsfragen an Prof. Dr. Stephan Weyer-Menkhoff, Universität Mainz, über den Unterschied von Gottesdienst, Andacht und Stundengebet, wie das Evangelium gottesdienstlich den Einzelnen trägt und das Stehen in den Horen.
  • Weitere bisher veröffentlichte Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.

Bibel für die Augen: Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten.

Die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten

Die Geschichte der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten (Matthäus 2, 13-15) erzählt dieses Fensterbild von Alfred Kothe in unserer gastgebenden Zwölf-Apostel-Kirche zu Schöneberg:

„Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Hosea 11,1): »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«“

Bibel für die Augen: Die Glasfenster in der Zwölf-Apostel-Kirche SchönebergWeitere Bilder: Jeden Tag stellen wir bis zum Monatsende Fotos der Kirchenfenster auf unserer Facebook-Seite vor. Folgen Sie diesem Link und schauen Sie, wie der Künstler Alfred Kothe biblische Geschichten auf Bildern aus Glas und Blei nacherzählt.

Bibel für die Augen: Vom reichen Mann und armen Lazarus.

Das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus (Lukas 16, 19-31) erzählt dieses Fensterbild von Alfred Kothe in unserer gastgebenden Zwölf-Apostel-Kirche zu Schöneberg:

Vom reichen Mann und armen Lazarus„Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren und begehrte sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre.

Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben. Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen. Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet und du wirst gepeinigt. Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, dass niemand, der von hier zu euch hinüberwill, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber.

Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun. Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.“

Bibel für die Augen: Die Glasfenster in der Zwölf-Apostel-Kirche SchönebergHinweis: Jeden Tag stellen wir bis zum Monatsende ein anderes Fensterbild auf unserer Facebook-Seite vor. Folgen Sie diesem Link und schauen Sie, wie der Künstler Alfred Kothe biblische Geschichten auf Bildern aus Glas und Blei nacherzählt.

Bibel für die Augen: Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

Gleichnis vom barmherzigen Samariter Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10, 25-37) erzählt dieses Fensterbild von Alfred Kothe in unserer gastgebenden Zwölf-Apostel-Kirche zu Schöneberg:

„Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst« Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster?

Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme.

Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!“

Bibel für die Augen: Die Glasfenster in der Zwölf-Apostel-Kirche SchönebergHinweis: Jeden Tag stellen wir bis zum Monatsende ein anderes Fensterbild auf unserer Facebook-Seite vor. Folgen Sie diesem Link und schauen Sie, wie der Künstler Alfred Kothe biblische Geschichten auf Bildern aus Glas und Blei nacherzählt.

Fünf Fragen an: Dr. Tanja Pilger-Janßen, Vikarin der Ev. Kirche-Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

Fünf Freitagsfragen an Tanja Pilger-Janßen, Vikarin in der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde Schöneberg, über die Wahl der Bezeichnungen „Altes Testament“, „Erstes Testament“ und „Hebräische Bibel“.

Dr. Tanja Pilger-Janßen (Bild: Thilo Riolo)

Tanja Pilger-Janßen, geboren in Heidelberg und aufgewachsen in Moers am Niederrhein, studierte Ev. Theologie in Münster (Westfalen) und Berlin sowie Jüdische Studien in Jerusalem. Nach ihrer Promotion im Fach Altes Testament in Göttingen war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Altes Testament an der Theologischen Fakultät sowie am Institut Kirche und Judentum an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig. Seit September 2014 ist sie Vikarin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).

Rogate-Frage: Frau Dr. Pilger-Janßen, Sie wechseln von der Forschung an der Humboldt-Universität in eine Schöneberger Kiezkirchengemeinde. Warum?

Tanja Pilger-Janßen: Ich wechsele von meiner Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin in meinen kirchlichen Vorbereitungsdienst in der EKBO, der mich wiederum als Vikarin in die Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde führt, weil es mich sehr reizt, theologische Reflexion und kirchengemeindliches Handeln miteinander zu verbinden. Dieses Anliegen habe ich bereits während meiner Tätigkeit am Institut Kirche und Judentum, einem An-Institut an der Humboldt-Universität und zugleich Werk der EKBO, verfolgen können. Auch im ehrenamtlichem Engagement in meinen Kirchengemeinden in Berlin-Prenzlauer Berg Nord sowie in Göttingen habe ich dies bereits umzusetzen versucht. Mein Wunsch nach eigener pastoraler Arbeit blieb auch während meiner Arbeit an der Universität bestehen, so dass ich mich sehr darauf freue, die Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde kennen zu lernen und meine Ausbildung zur Pastorin hier zu absolvieren.

Rogate-Frage: Sie kommen aus dem Rheinland, haben in Münster und Jerusalem studiert. Wie erleben Sie Kirche in Berlin?

Tanja Pilger-Janßen: Kirchengemeinden in Berlin habe ich als sehr vielfältig und facettenreich, bunt und zumeist aufgeschlossen erfahren. Während das Rheinland sehr stark volkskirchlich geprägt ist, in Münster die Protestanten gegenüber den Katholiken in einer deutlichen Minderheit leben und in Jerusalem die drei Religionen Judentum, Christentum und Islam im Alltag ständig präsent sind, so besteht die Charakteristik von Berlin vielmehr darin, dass Religion in der Gesellschaft eine weniger bedeutende Rolle spielt. Berlin ist einerseits durch eine Vielfalt der Konfessionen und Religionen andererseits aber auch durch eine große Zahl nicht-religiöser Mitbürgerinnen und Mitbürger geprägt. Diese Situation macht kirchliche Arbeit sicherlich nicht immer leicht, doch bestehen gerade darin auch Herausforderungen: Menschen für den christlichen Glauben zu begeistern, das Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Religionen und Konfessionen zu führen, eine eigene protestantische Position zu beziehen, die auf Klarheit und Verständigung zielt.

Durch die Wiedervereinigung ist ein unvorstellbarer Wandel in Berliner Kirchengemeinden möglich geworden. So habe ich Gemeinden kennen gelernt, denen Ende der 80er Jahre die Überalterung drohte und die jetzt einen Altersdurchschnitt von Mitte 30 aufweisen. In den Schöneberger Kiez bin ich bislang noch nicht so tief eingetaucht und ich bin sehr gespannt darauf mitzuerleben, wie sich Kirche in Schöneberg heute gestaltet und zu lernen, wie sie sich über die Jahre hinweg verändert hat.

Rogate-Frage: Was wollen Sie in der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde tun? Werden Sie Schwerpunkte setzen können? Welche?

Tanja Pilger-Janßen: Da ich als Vikarin in die Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde kommen werde, wird sich mein Tun auf die pastoralen Aufgaben, das heißt die Feier von Gottesdiensten, die Begleitung von Menschen an den Wendepunkten ihres Lebens, seelsorgerliche Gespräche, Ökumene und interreligiöser Dialog sowie Unterricht und Bildung, konzentrieren. Darüber hinaus bin ich sehr gespannt darauf, die sozialen Projekte der Gemeinde kennen zu lernen sowie Einblicke in die Arbeit der Kirchhöfe zu bekommen, da ich als Studentin in einem Obdachlosentreff in Münster mitgearbeitet und mich mit jüdischen Friedhöfen in Berlin näher beschäftigt habe. Eigene Schwerpunkte bringe ich sicherlich durch meine Auseinandersetzung mit alttestamentlichen Themen, meine Erfahrungen im christlich-jüdischen Dialog wie auch mein Interesse für Fragen des interreligiösen Dialogs mit. Ich sehe zudem in der Gottesdienstgestaltung sowie in der Bildungsarbeit zentrale Aufgaben meines pastoralen Tuns. Darüber hinaus bin ich selbst gespannt, welche weiteren Schwerpunkte ich im Verlauf meiner Arbeit in der Kirchengemeinde entwickeln werde.

Rogate-Frage: Warum haben Sie Theologie studiert und darin geforscht?

Tanja Pilger-Janßen: Zu meinem Theologiestudium haben mich mehrere Erfahrungen in meiner Jugendzeit motiviert: Ich habe seit meiner Konfirmation ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit meiner Kirchengemeinde, das heißt im Kindergottesdienst, in einer Kindergruppe, bei einem Jugendtreff und bei verschiedenen Freizeiten für Kinder und Jugendliche, mitgearbeitet. Diese Tätigkeiten haben mir sehr viel Freude bereitet. Darüber hinaus hat mein Religionsunterricht in der Oberstufe mich sehr zum theologischen Nachdenken angeregt, weshalb ich mich mit dem Fach Theologie näher auseinandersetzen wollte. Zudem haben mein fünfmonatiger Aufenthalt in den USA während der 11. Klasse sowie eine Reise nach Israel und die damit verbundene Beschäftigung mit der jüdischen Religion meinen Wunsch bestärkt, mich mit der christlichen Religion vertieft zu beschäftigen.

Im Anschluss an mein Studium habe ich sehr gerne den Pfarrberuf angestrebt, doch wollte ich zuvor gerne ein theologisches Themenfeld in einer Promotion erforschen, da ich mich gerne mit theologischen Fragen auseinander setze und nach Argumentationen und Lösungen suche. Die hebräischen Texte unserer Bibel haben mich schon früh fasziniert, da sie sowohl in der christlichen wie in der jüdischen Religion bedeutend sind und rezipiert werden, so dass ich in diesem Bereich gearbeitet habe.

Rogate-Frage: Altes Testament oder „Erstes Testament“ oder „Hebräische Bibel“? Welche Bezeichnung ist Ihnen näher? Warum?

Tanja Pilger-Janßen: Die Frage nach diesen Begriffen ist sehr spannend und würde eine ausführlichere Erörterung verdienen. Da ich persönlich gefragt werde, sei in Kürze so viel dazu gesagt: Ich selbst verwende sowohl die Bezeichnung „Altes Testament“ als auch „Hebräische Bibel“. Beides ist mir gleich nahe, je nachdem, in welchem Kontext ich mich bewege und wovon ich spreche. Den Begriff „Erstes Testament“ habe ich in meinen Sprachgebrauch nicht übernommen. Mit dem Begriff „Altes Testament“ wird der erste Teil der christlichen Bibel bezeichnet, dem das Neue Testament folgt. Der Begriff „Hebräische Bibel“ wird zur Bezeichnung der Bibel der Jüdinnen und Juden gebraucht. Sie ist in hebräischer Sprache geschrieben und enthält die Tora, die Propheten und die Schriften.

Seit Martin Luther, der sich in seiner Bibelübersetzung an den Urtexten orientiert, gehören zum Alten Testament all diejenigen Schriften, die ursprünglich in hebräischer Sprache geschrieben sind. Allerdings hat Luther diese Schriften nicht wie im hebräischen Original, sondern wie in der griechischsprachigen Bibel, der Septuaginta, angeordnet, die bis heute die Textgrundlage für katholische Bibelübersetzungen ist. Das „Alte Testament“ nach protestantischer Lesart und die „Hebräische Bibel“ sind folglich in Umfang und Inhalt identisch, allerdings in ihrem Aufbau verschieden. Beide Begriffe synonym zu verwenden ist streng genommen gar nicht ganz korrekt, auch wenn dies häufig geschieht.

Bin ich im Gottesdienst als Lektorin aktiv, so lese ich aus dem „Alten Testament“. Diskutiere ich mit Jüdinnen und Juden über biblische Texte, so beziehe ich mich auf die Schriften der „Hebräischen Bibel“. Derzeit ist mir im Religionsunterricht wichtig, den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, dass die im Alten Testament enthaltenen Schriften identisch sind mit denen der jüdischen, d.h. der Hebräischen, Bibel.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 28. April 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, danach Bibelgespräch

    Donnerstag, 7. Mai 15 | 20:30 Uhr, Andacht mit Gedenken des Kriegsendes vor 70. Jahren und der Befreiung Deutschlands. Ansprache: Militärbischof Dr. Sigurd Rink.

    Donnerstag, 7. Mai 15 | 20:30 Uhr, Andacht mit Gedenken des Kriegsendes vor 70. Jahren und der Befreiung Deutschlands. Ansprache: Militärbischof Dr. Sigurd Rink.

  • Donnerstag, 30. April 15 | 20:30 Uhr, Meditative Andacht, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Dienstag, 5. Mai 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Donnerstag, 7. Mai 15 | 20:30 Uhr, Andacht mit Gedenken des Kriegsendes vor 70. Jahren und der Befreiung Deutschlands. Ansprache: Militärbischof Dr. Sigurd Rink. Mit Pastorin Ann-Katrin Bosbach, Victoria-Gemeinde. Orgel: Malte Mevissen.
  • Sonntag, 10. Mai 2015 | 10:00 Uhr, Eucharistie am Sonntag Rogate, Thema des Gottesdienstes “Spiritualität in der Pflege“, Predigt: Pastorin Dr. Astrid Giebel, Diakonie Deutschland. Anschließend Eröffnung der Fotoausstellung „Gepflegt in der Gegenwart“ des Paritätischen Berlin in den Seitenschiffen der Kirche. Sie läuft bis zum 2. Juni 2015. Öffnungszeiten: Offene Kirche, Sonnabends, 11:00 bis 15.00 Uhr und vor und nach den Gottesdiensten.

Das Rogate-Kloster im Februar: Willkommen zu Eucharistie und Stundengebeten

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Rogate-Vesper am DienstagDienstag, 3. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 10. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 17. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche, anschließend Rogate-Bibelgespräch
  • Donnerstag, 19. Februar 15 | 20:30 Uhr, Komplet in der Kapelle der Kirche mit Austeilung des Aschekreuzes zu Beginn der Passionszeit.
  • Dienstag, 24. Februar 15 | 19:00 Uhr, Eucharistie, in der Kapelle der Kirche.
  • Donnerstag, 26. Februar 15 | 20:30 Uhr, Passionsandacht in der Kapelle der Kirche.
  • Sonnabend, 28. Februar 15 | 18:00 Uhr, ökumenische Vesper in der Kapelle der Kirche, mit der Alt-katholischen Gemeinde
  • Unseren Februar-Plan finden Sie hier.

Erreichbar ist die Kirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln und über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). PKW-Stellplätze vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße.

Gottesdienst: Willkommen zu unseren Andachten im Advent.

Willkommen zu unseren öffentlichen Advents-Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Rogate Advent 2013Donnerstag, 5. Dezember 13, 19:30 Uhr, Adventsandacht „mache dich auf“ in der Kirche. Mit besonderer Fürbitte für die Menschen an Nord- und Ostsee, die vom Orkantief Xaver betroffen sind. Orgel: Malte Mevissen. Die Liturgie finden Sie hier.
  • Der Gottesdienst am Sonntag, 8. Dezember 13, 2. Advent, 16.oo Uhr, auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof ist abgesagt.
  • Dienstag, 10. Dezember 13, 19:00 Uhr, Vesper in der Kapelle – mit Fürbittengebet für Menschenrechte
  • Donnerstag, 12. Dezember 13, 19:30 Uhr, Adventsandacht ”werde licht” in der Kirche, Orgel: Erik Hoeppe. Anschließend 3. Mitgliederversammlung Förderverein Rogate-Kloster e.V.
  • Sonnabend, 14. Dezember 13, 14:00, Mittagsgebet und Gedenken an die Verstorbenen der vergangenen Wochen,  Neuer Zwölf-Apostel-Kirchhof, Werdauer Weg 5, S Schöneberg. Orgel: Erik Hoeppe.
  • Dienstag, 17. Dezember 13, 19:00 Uhr, Vesper – in der Kapelle (Lesung Jesaja 40, 1-11)
  • Donnerstag, 19. Dezember 13, 19:30 Uhr, Adventsandacht „dein Licht kommt“ in der Kirche, Orgel: Erik Hoeppe.

Hier der Gottesdienstplan Dezember 2013 zum Ausdrucken. Erreichbar ist die Zwölf-Apostel-Kirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln und über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). PKW-Stellplätze vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße.

Hinweis für Musikinteressierte: Eine Übersicht über 2013 in Berlin und Brandenburg geplante Aufführungen des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach finden Sie hier.

Hinweise auf Messen und Gottesdienste an Weihnachten 2013 finden Sie hier: Informationen des Erzbistums Berlin und Beispiele von evangelischen Vespern und Metten im Bereich der Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Weitere Informationen über Feiern für alleinstehende Menschen gibt es hier.