Fünf Fragen an: Superintendent Uwe Simon, Kirchenkreis Oberes Havelland

Fünf Freitagsfragen an Uwe Simon, Superintendent im Kirchenkreis Oberes Havelland, über Ärger mit dem Bundesgrenzschutz, Irritationen in Brandenburger Gemeinden und den Sinn von internationaler Partnerschaftsarbeit.
Bildschirmfoto 2017-09-05 um 19.02.39

Superintendent Uwe Simon (Bild: Rogatekloster)

Uwe Simon stamt aus Berlin. Er studierte Evangelische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Berlin. Seit 2002 war er Superintendent erst des Kirchenkreises Templin-Gransee, seit 2011 ist er in dieser Funktion  leitender Pfarrer des neu gebildeten Kirchenkreises Oberes Havelland mit Wohn- und Dienstsitz in Gransee. Simon ist zudem Stellvertretender der Generalsuperintendentin im Sprengel Potsdam.

Rogate-Frage: Herr Superintendent Simon, Sie sind im Moment nicht gut auf die Bundespolizei zu sprechen. Warum?
Uwe Simon: Am 19. August erwarteten wir eine aus sechs Teilnehmer*innen bestehende Gruppe aus Simbabwe zur jährlichen Partnerschaftsbegegnung in unserem Kirchenkreis. Trotz ausgestellter Visa, einer im Original vorliegenden Einladung, einer Verpflichtungserklärung, Hin- und Rückflugtickets, einer Krankenversicherung und einer Kostenübernahmeerklärung verhinderte ein Bundespolizist, der auf dem Flughafen Johannesburg als Einreise- und Visaberater tätig ist, die Weiterreise nach Deutschland und machte die Visa in den Reisedokumenten nach unserer Auffassung rechtswidrig ungültig. Die Gruppe war in seinen Augen unglaubwürdig, weil sie nach seiner Auskunft ärmlich gekleidet, mit nur wenig Gepäck und ohne Bargeld ausgestattet war. Die Dokumente sah er ohne wirkliche Prüfung als Fälschung an. Die Reisenden wurden an der Weiterreise gehindert und auf dem Flughafen in Johannesburg sich selbst überlassen.
Rogate-Frage: Wie reagieren Ihre Pfarrer und Gemeinden in Brandenburg auf das Verbot der Einreise Ihrer Gäste? Und wie die Zurückgewiesenen?
Uwe Simon: Neben der Enttäuschung, nach all den Vorbereitungen und Planungen für einen dreiwöchigen Aufenthalt die Gäste nicht begrüßen zu können, ist die Empörung über die erlebte Willkür ebenso groß wie die Unsicherheit unserer Freunde aus Simbabwe, ob in Zukunft partnerschaftliche Begegnungen noch möglich sein werden. In den Gemeinden wird lebhaft diskutiert, warum die Tätigkeit von Einreise- und Visaberatern weltweit so wenig bekannt ist. Sie haben ja offensichtlich den Auftrag schon an den möglichen Ausgangspunkten die Weiterreise beziehungsweise Einreise möglicher Flüchtlinge und Asylbewerber nach Deutschland zu verhindern. Was bedeutet dies dann für das grundgesetzlich garantierte Asylrecht, aber auch für alle Begegnungspartnerschaften und ökumenischen Begegnungen mit Gästen aus afrikanischen Ländern? Lassen wir uns von einem grundsätzlichen Misstrauen in unserem Handeln bestimmen oder von einer Offenheit allen gegenüber unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem sozialen Status?
Rogate-Frage: Was war geplant mit Ihren Gästen aus der Partnerkirche?
Uwe Simon: Neben Hospitationen in Kindergärten, landwirtschaftlichen Betrieben, Schulen und Werkstätten waren private Begegnungen mit wechselnden Gastfamilien, gemeinsame Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen, aber auch Beratungen über die zukünftigen Partnerschaftsprojekte und Benefizkonzerte geplant, mit denen für Hungerhilfe- und Brunnenbauprojekte geworben und Spendenmittel eingeworben werden sollten.
Rogate-Frage: Wozu gibt es die Partnerschaften mit Kirchen in anderen Ländern?
Uwe Simon: Wir verstehen unsere Partnerschaft als eine Hilfs- und Begegnungspartnerschaft. Entwicklungshilfe und ökumenische Kontakte sind gleichermaßen  Anliegen dieser Partnerschaft. Wir leben unseren Glauben gemeinsam und lernen uns in unseren unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten kennen und verstehen.
Rogate-Frage: Wie soll es nun weitergehen? Was planen Sie?
Uwe Simon: Wir halten daran fest, dass Begegnungen in Simbabwe und Deutschland stattfinden und werden alles versuchen, den verhinderten Besuch im nächsten Jahr zu ermöglichen. Dazu ist es aber nicht nur erforderlich, dass alle Sperrvermerke der abgewiesenen Gäste gelöscht, sondern auch der entstandene Schaden, der bei circa 10.000 Euro liegt von den veranwortlichen Stellen wieder gutgemacht wird. Denn es sind überwiegend Spendengeldern, aus denen die Kosten zur Beantragung und Erstellung der Visa und die Flugtickets finanziert wurden. Und es fehlen für die nächsten Projekte Spenden, die eingeworben werden sollten.
ISSN 2367-3710

ISSN 2367-3710

Rogate: Vielen Dank, Herr Superintendent Simon, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten und Veranstaltungen:

Fünf Fragen an: Manfred Stolpe, Bundesminister und Ministerpräsident a.D.

Fünf Freitagsfragen an Dr. h.c. Manfred Stolpe, Bundesminister a.D. und Ministerpräsident a.D., über öffentlich wirkenden Glauben, die Bergpredigt und die Feindesliebe.

Manfred StolpeManfred Stolpe wurde am 16. Mai 1936 in Stettin geboren. Nach dem Jura-Studium in Jena war er von 1959 bis 1969 bei der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg tätig, wo er seit 1962 Leiter der Geschäftsstelle der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen in der DDR war. Von 1969 bis 1981 leitete er das Sekretariat des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR, von 1982 bis 1990 war er als Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg tätig und war stellvertretender Vorsitzender des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR. Manfred Stolpe ist seit Juli 1990 Mitglied der SPD und wurde im selben Jahr Ministerpräsident des Landes Brandenburg, von dessen Amt er 2002 zurücktrat. In der Folge, von 2002 bis 2005, war er Bundesminister für Verkehr, Bau und Wohnungswesen sowie Beauftragter der Regierung für die neuen Bundesländer. Er besitzt die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald, der Theologischen Fakultät der Universität Zürich, der wissenschaftlichen Fakultät der Universität Stettin und der Toyoda-Universität Tokio.

Rogate-Frage: Herr Stolpe, im Bundestagswahlkampf hat eine kleine Partei plakatiert: „Glaube ist Privatsache“. Auch SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz hat im Europawahlkampf das Abhängen von religiösen Symbolen aus öffentlichen Gebäuden wieder ins Gespräch gebracht. Wie öffentlich oder wie privat ist der Glaube an Gott?

Manfred Stolpe: Der Glaube wird privat getragen, aber er muss öffentlich wirken können.

Rogate-Frage: Geht ein Christ anders an politische Fragen heran? Welche Konsequenzen hat der christliche Glaube für Politiker in Deutschland heute? 

Manfred Stolpe: Für mein Verständnis sind Glaube und politisches Handeln nicht zu trennen. Ein christlicher Politiker sollte bei seinem Handeln die Bergpredigt nicht außer Acht lassen. Ich bedauere, dass viele Politiker dies anders sehen.

Rogate-Frage: Die Vergebung soll für Christen eine wichtige Übung sein. Sie haben als Christ viele Erfahrungen in der DDR gemacht, die sicher andere Herausforderungen bedeuteten. Konnten Sie damals Ihre Feinde lieben? Wie gingen Sie mit Christi Gebot der Feindesliebe in der Theorie und Praxis um?

Manfred Stolpe: Ich habe mich bemüht, in den Menschen die mir als Feinde gegenüberstanden, zuallererst den Mitmenschen, das Geschöpf Gottes zu sehen und zu respektieren. So verstehe ich Feindesliebe, die keinen Hass aufkommen lassen durfte, damals und heute.

Rogate-Frage: Wie gestaltet sich das Glaubensleben eines Ministerpräsidenten in der Praxis? Andachten in der der Staatskanzlei oder eine Kapelle wird es nicht gegeben haben. Beten Sie heute mehr?

Manfred Stolpe: Gott sei Dank, habe ich es durchhalten können, keinen Tag ohne Gebet und Meditation – in der Regel morgens – zu leben. Das gilt in jedem Gesellschaftssystem.

Rogate-Frage: Was ist für Sie „evangelisch“? Was macht den evangelischen Glauben aus?

Manfred Stolpe: Mein evangelischer Glaube erfreut sich der Toleranz, des gleichberechtigten, nicht hierarchisch geordneten Zusammenlebens in der Gemeinde.

Rogate: Vielen Dank, Herr Stolpe, für das Gespräch!

Mehr von Manfred Stolpe finden Sie hier: manfred-stolpe.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Dienstag, 20. Januar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 27. Januar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 3. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 3. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.