Fünf Fragen an: MdB Siemtje Möller, SPD-Kandidatin im Bundestagswahlkreis 26

Fünf Freitagsfragen an Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller, SPD-Kandidatin im Wahlkreis 26 für die Bundestagswahl 2021, über bisher Geleistetes, Pläne für eine nächste Wahlperiode und Regine Hildebrandt als Vorbild. Ein Interview im Rahmen des Rogate-Demokratieprojekts „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“.

MdB Siemtje Möller (Bild: Büro Möller)

Siemtje Möller, 1983 in Emden geboren, ist seit 2017 direkt gewählte Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Sie lebt in Varel, Landkreis Friesland. Nach ihrer Jugendzeit in Oldenburg, folgten Stationen in Göttingen, New York, Washington, Brüssel und Berlin. Vor dem Einzug in den Budestag hat sie an einem Gymnasium in Wilhelmshaven Spanisch, Französisch und Politik/Wirtschaft unterrichtet. 

Rogate-Frage: Frau Bundestagsabgeordnete Möller, was hat Sie motiviert, sich politisch zu engagieren und wieder für den Deutschen Bundestag zu kandidieren?

Siemtje Möller: In den letzten vier Jahren, in denen ich unsere Heimat als direkt gewählte Abgeordnete im Deutschen Bundestag vertreten durfte, konnte ich vieles umsetzen. Aber es gibt zahlreiche Themen, die ich in der nächsten Wahlperiode voran treiben und anpacken möchte. Deswegen würde ich mich freuen, wenn die Menschen mir ihr Vertrauen schenken und ich meine Arbeit in Berlin und hier vor Ort fortsetzen kann. Auf meiner Agenda ganz oben stehen die Sicherung und Schaffung von Arbeit, die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region und der Umbau der Energiewirtschaft, verbunden mit der öffentlichen Daseinsvorsorge: Gesundheit, Bildung, (digitale) Infrastruktur, Sport und Kultur. Als Bundestagsabgeordnete mache ich mich zudem stark für diejenigen, die sich für uns stark machen: Die beste Ausrüstung und Ausbildung und gut ausgebaute Standorte stärken die Bundeswehr bei uns vor Ort.

Rogate-Frage: Warum haben Sie sich für die SPD als Ihre Partei entschieden?

Siemtje Möller: Als ich in Göttingen studiert habe, wurden die Studiengebühren eingeführt. Dagegen habe ich mit meinen KommilitonInnen demonstriert. Politisch interessiert war ich aber schon lange vorher, sodass das politische Engagement und der Eintritt in eine Partei, auch über das Engagement gegen die Studiengebühren hinaus, für mich ein logischer Schritt war. Ich war und bin bis heute der Überzeugung, dass man Dinge nur verbessern kann, wenn man sich einbringt und das tue ich mit meinem politischen Engagement. Die SPD hat damals wie heute meine politischen Überzeugungen vertreten.

Rogate-Frage: Sie nahmen als Interviewpartnerin an einer Veranstaltung des Demokratieprogramms „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“ teil. Wir nehmen die Frage auf: Wie wollen Sie, Frau Möller, morgen leben?

Siemtje Möller: Ich möchte, dass die Menschen hier vor Ort gut leben können, heute wie morgen. Dafür müssen wir in die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse auf dem Land wie in der Stadt investieren. Daseinsvorsorge mit Gesundheit, Bildung, Infrastruktur, Sport und Kultur sind unerlässlich, wenn wir auch künftig dafür sorgen wollen, dass sich die Menschen hier bei uns zuhause fühlen und nicht ihren Lebensmittelpunkt in die Städte verlagern. 

Rogate-Frage: Welche politischen Vorbilder haben Sie und wie bilden Sie sich Ihre Meinung?

Siemtje Möller: Ein politisches Vorbild habe ich nicht, aber ich denke immer mal an ein Zitat von Regine Hildebrandt: „Erzähl mir doch nicht, dass es nicht geht!
Für die Meinungsbildung ist es mir wichtig alle Seiten anzuhören, alle Argumente abzuwiegen und mir so eine fundierte Meinung zu bilden. Dazu gehört es auch seinem Gegenüber zuzuhören und dessen Argumente aufzunehmen. Nur so kann man alle Aspekte beleuchten und in Betracht ziehen. 

Rogate-Frage: Was bedeuten Ihnen Religion, Glaube, Spiritualität und die Kirche?

Siemtje Möller: In traurigen und schwierigen Situationen im Leben, hat der Glaube an einen höheren Sinn im Leben, auch wenn sich dieser nicht sofort erschlossen hat, geholfen diese durchzustehen.

Rogate: Vielen Dank, Frau Möller, für das Gespräch!

Weitere Interviews in der Reihe Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.


Willkommen zu unseren nächsten Rogate-Gottesdiensten in Berlin-Schöneberg:

Kapelle Alter Zwölf-Apostel-Kirchhof
  • Sonntag, 19. September 2021 | 19:00 Uhr, Vesper – das Abendgebet. Orgel: Rainer Scharf. Ort: Kapelle Alter Zwölf-Apostel-Kirchhof, Kolonnenstraße 24-25, 10829 Berlin-Rote Insel (Schöneberg). Bus: Linie 104, Haltestelle Hohenfriedbergstr.
  • Freitag, 1. Oktober 2021 | 19:30 Uhr, ökumenische Segensandacht (statt des geplanten Eröffnungsgottesdienst zum 28. lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin) Mit Pfarrer_in Anna Trapp, Evangelischer Pfarrsprengel Bad Wilsnack. Grußwort: Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg von Berlin. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.

Reihe zur Bundestagswahl: Donnerstag mit MdB Siemtje Möller (SPD)

Am Donnerstag, 26. August, endet die Demokratiereihe „Wen wählen? Interviews zur Bundestagswahl 2021“ im Rahmen des Formats „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“.

Erwartet wird Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller. Die Sozialdemokratin hatte 2017 im Wahlkreis 26 (Wittmund, Friesland, Wilhelmshaven) das Direktmandat gewonnen und strebt eine Wiederwahl an. Sie stellt sich den Fragen von Br. Franziskus (Rogate-Kloster).

Anders als auf den Plakaten angegeben, wird die Veranstaltung statt um 19:45 Uhr erst um 20:15 Uhr beginnen. Wetterabhändig findet das Interview im Garten oder unter der Empore der Lutherkirchengemeinde, Brommystr. 71, Wilhelmshaven-Villenviertel, statt.

Zuvor, 19:30 Uhr, wird zu einem „Gebet für die Stadt“ in die Lutherkirche eingeladen. Darin wird u.a. die Lage in Afghanistan thematisiert. Stadtkantor Markus Nitt spielt in der Andacht die Orgel. Heidrun Helbich und Petra Meyer-Machtemes sind Lektorinnen.

Siemtje Möller wurde 1983 in Emden geboren. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Söhnen. Gemeinsam mit ihrer Familie lebt sie in Varel. Die Jugend verbrachte sie in Oldenburg. Nach Stationen in Göttingen, New York, Washington, Brüssel und Berlin hatte sie es wieder in die friesische Heimat gezogen. Vor ihrer Rückkehr als Abgeordneten in die Hauptstadt unterrichtete sie an einem Gymnasium in Wilhelmshaven Spanisch, Französisch und Politik/Wirtschaft.

Die Reihe „Wen wählen?“ gehört zum Demokratieformat „FrieslandVisionen“ des Rogate-Klosters Sankt Michael. Dieses wird im Rahmen des Förder- und Qualifizierungsprogramms „MITEINANDER REDEN“ für Akteur/-innen in ländlichen Räumen durch die Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

Termin: Donnerstag, 26. August 2021 | 20.15 Uhr, Demokratie-Reihe „Wen wähle ich?“ – Interview zur Bundestagswahl 2021 mit MdB Siemtje Möller (SPD). Ort: Lutherkirche, Brommystraße 71, 26384 Wilhelmshaven-Villenviertel. Zuvor Donnerstag, 19:30 Uhr, Abendgebet. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Lektorin ist Heidrun Helbich (Ev.-luth. Thomaskirchengemeinde, Neuengroden). Liturgie: Br. Franziskus.

Informationen: FrieslandVisionen.de

Fünf Fragen an: Hendrik Theemann, FDP-Kandidat im Bundestagswahlkreis 26

Fünf Freitagsfragen an Hendrik Theemann, FDP-Kandidat im Wahlkreis 26 für die Bundestagswahl 2021, über seine Unzufriedenheit mit der Großen Koalition, Digitalisierung und Kanzler a.D. Helmut Schmidt. Ein Interview im Rahmen des Rogate-Demokratieprojekts „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“.

Hendrik Theemann (Bild: privat)

Hendrik Theemann (52) stammt aus Quickborn bei Hamburg. Nach dem Abitur und der anschließenden Offiziersausbildung bei der Marine studierte er Elektrotechnik und absolvierte eine Schiffstechnik-Ausbildung.

Rogate-Frage: Herr Theemann, was hat Sie motiviert, sich politisch zu engagieren und für den Deutschen Bundestag zu kandidieren?

Hendrik Theemann: Die Unzufriedenheit mit der großen Koalition führte dazu, dass ich vor circa zwölf Jahren in die FDP eingetreten bin. Im Laufe der Zeit habe ich mich zunehmend engagiert und bin bei Wahlen angetreten. Für den Bundestag kandidiere ich, da die derzeitige Bundesregierung bei den großen Themen unserer Zeit wie zum Beispiel Demographie, Digitalisierung oder Decarbonisierung kaum liefert. Als politischer Seiteneinsteiger und Dipl.-Ing. kann ich bei vielen zentralen Themen den kommenden Bundestag fachlich aufwerten und zum Beispiel die digitale Transformation aktiv unterstützen.

Rogate-Frage: Warum haben Sie sich für die FDP als ihre Partei entschieden?

Hendrik Theemann: Bei der FDP steht der Mensch im Mittelpunkt, sie setzt auf Eigenverantwortung und steht den staatlichen Akteuren sehr kritisch gegenüber. Bei Kernaufgaben des Staates, wie zum Beispiel die Gewährleistung der Sicherheit, steht die FDP für einen starken Staat.
Die FDP transportiert eine Aufbruchstimmung, setzt auf die Kraft der sozialen Marktwirtschaft, erkennt die Chancen und Risiken zum Beispiel der Globalisierung.

Rogate-Frage: Wie wollen Sie morgen leben?

Hendrik Theemann: Das Potential, welches die Digitalisierung besitzt, müssen wir für unsere Region heben. Auf diese Weise können wir die Lebensqualität der Menschen gerade in unserer Region verbessern. Darunter darf der Charakter der Region nicht leiden.
Ich möchte auch in einem Land leben, in dem meine Kinder einerseits die Möglichkeit haben, sich zu entfalten, andererseits dürfen sie nicht überfordert werden durch hohe Abgaben oder Auflagen.

Rogate-Frage: Welche politischen Vorbilder haben Sie und wie bilden Sie sich Ihre Meinung?

Hendrik Theemann: Helmut Schmidt, da er das Wohl des Landes über Parteiinteressen gestellt hat. Die politische Meinungsbildung erfolgt über verschiedenste Kanäle, beginnend im Gespräch im Bekanntenkreis bis hin zu den Angeboten der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.

Rogate-Frage: Was bedeuten Ihnen Religion, Glaube, Spiritualität und die Kirche?

Hendrik Theemann: Ich bin zwar kein religiöser Mensch, meine Werte sind aber stark durch unseren abendländischen Wertevorrat geprägt. Glaube und Spiritualität sprechen mich kaum an, ich bin eher nüchterner Analytiker, der versucht auch komplexe Zusammenhänge zu verstehen und Thesen kritisch hinterfragt.

Rogate: Vielen Dank, Herr Theemann, für das Gespräch!

Weitere Interviews in der Reihe Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.


Der noch folgende Termin der Reihe „Wen wählen? Fünf Interviews zur Bundestagswahl 2021“:

  • Donnerstag, 26. August 2021 | 19:30 Uhr, Abendgebet. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Lektorinnen: Heidrun Helbich (Ev.-luth. Thomaskirchengemeinde, Neuengroden) und N.N. Ort: Lutherkirche.
  • Donnerstag, 26. August 2021 | 20:15 Uhr, Demokratie-Reihe „Wen wähle ich?“ – Interview zur Bundestagswahl 2021 mit MdB Siemtje Möller (SPD). Ort: Lutherkirche.

Mehr Informationen zum Demokratieprojekt „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“ finden Sie hier.

Reihe zur Bundestagswahl: Donnerstag mit Hans-Henning Adler (DIE LINKE)

In der Demokratiereihe „Wen wählen? Interviews zur Bundestagswahl 2021“ ist am Donnerstag (19. August) der Kandidat der Partei DIE LINKE für den Wahlkreis 26, Hans-Henning Adler, zu Gast. Der Oldenburger Politiker stellt sich den Fragen von Br. Franziskus (Rogate-Kloster).

Hans-Henning Adler (Bild: privat)

Der 71jährige Adler ist Rechtsanwalt und seit 1996 Mitglied im Rat der Stadt Oldenburg und Fraktionsvorsitzender der LINKEN. 2008 – 2013 war er Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag, dort zuletzt ebenfalls als Fraktionsvorsitzender. Sein Buch „Kapitalmacht wirksam bändigen – Gedanken zu einem Sozialismus mit Durchsetzungschancen“ veröffentlichte der VSA-Verlag 2020.

Wetterabhändig findet die Veranstaltung im Garten oder unter der Empore der Lutherkirchengemeinde statt. Beginn ist um 19:45 Uhr in der Brommystraße 71, Wilhelmshaven-Villenviertel.

Zuvor wird um 19:00 Uhr zu einem „Gebet für die Stadt“ in die Lutherkirche eingeladen. Traugott Böhlke spielt die Orgel. Lektoren sind Heidrun Helbich und Florian Wiese.

Die Reihe „Wen wählen?“ gehört zum Demokratieformat „FrieslandVisionen“ des Rogate-Klosters Sankt Michael. Dieses wird im Rahmen des Förder- und Qualifizierungsprogramms „MITEINANDER REDEN“ für Akteur/-innen in ländlichen Räumen durch die Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

In der kommenden Woche, Donnerstag, 26. August 2021, wird um 20:15 Uhr, die Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller (SPD) zum Interview erwartet. Seit Ende Juli waren bereits Anne Janssen (CDU), Sina Beckmann (Bündnis 90/Die Grünen) und Hendrick Theemann (FDP) Interviewgäste des Klosters in den Räumen der Lutherkirchengemeinde.

Informationen: FrieslandVisionen.de

Fünf Fragen an: Sina Beckmann, Grünen-Kandidatin im Bundestagswahlkreis 26

Fünf Freitagsfragen an Sina Beckmann, Kandidatin von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis 26 für die Bundestagswahl 2021, über ihren Weg in die Politik, Vorbilder und wie sie morgen leben will. Ein Interview im Rahmen des Rogate-Demokratieprojekts „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“.

Sina Beckmann (Bild: privat)

Beckmann ist gelernte Hotelfachfrau und Unternehmerin in Jever. Politisch setzt sie Schwerpunkte in den Feldern Tourismus, Mobilität, Küstenschutz und klimafreundlicher Wirtschaft.

Rogate-Frage: Frau Beckmann, was hat Sie motiviert, sich politisch zu engagieren und für den Deutschen Bundestag zu kandidieren?

Sina Beckmann: Seit 2009 bin ich nun selbstständig, bis 2017 sehr stark eingebunden. Zwar bin ich schon immer politisch interessiert, aber leider gab es kein Zeitfenster, sich auch politisch zu engagieren. 2018 änderte sich dann unsere berufliche Situation und es eröffnete sich ein freies Zeitfenster – dieses fülle ich seitdem mit politischer Arbeit. Ausschlaggebend war der Dürresommer 2018, da habe ich gedacht „Du musst was tun!“ 

Nicht reden, sondern machen ist eines meiner Credos und so möchte ich in Berlin im Bundestag mit anpacken.

Rogate-Frage: Warum haben Sie sich für Bündnis 90/Die Grünen als Ihre Partei entschieden?

Sina Beckmann: Ich stehe zu 100 Prozent zu erneuerbaren Energien, bin auch in dem Bereich selbstständig.

Wir haben eine lebensbedrohliche Klimakrise und ich bin der Meinung, dass wir hier klar agieren müssen, damit wir und alle weiteren Generationen ein gutes Leben haben können. Für mich sind die Grünen da ganz klar alternativlos. Das ist meine Partei!

Rogate-Frage: Sie nahmen als Interviewpartnerin einer Veranstaltung der „FrieslandVisionen“ teil. Wir nehmen die Frage auf: Wie wollen Sie, Frau Beckmann, morgen leben?

Sina Beckmann: So wie heute, würde ich Ihnen gerne antworten. Ich weiß, dass ich sehr privilegiert aufgewachsen bin: In einem Rechtsstaat, frei und ohne Kriege. Ich wurde nie vertrieben, mir ist nie Gewalt angetan worden und ich musste nie Hunger leiden. Für morgen möchte ich, dass wir das so beibehalten können. Und ich möchte in einer intakten Natur mit viel Biodiversität und Artenvielfalt leben. Die Erde ist die einzige, die wir haben. Schützen wir endlich, was wir zum Leben brauchen.

Rogate-Frage: Welche politischen Vorbilder haben Sie und wie bilden Sie sich Ihre Meinung?

Sina Beckmann: Meine Meinung bilde ich mir, wie würden wir heute sagen, klassisch. Über Nachrichtensendungen im Fernsehen wie die „Tagesschau“, die „Tagesthemen“ oder das „Heute Journal“. Außerdem habe ich ein Online-Abo unserer drei Zeitungen in der Region, also „Jeversches Wochenblatt“, „Wilhelmshavener Zeitung“ und „Anzeiger für Harlingerland„. Wenn ich die Zeit finde, lese ich auch gerne Hintergrund-Artikel in der „taz“ und der „Zeit„.

Die Frage zu den politischen Vorbildern ist gut. Ich lebe nicht so sehr in der Vergangenheit, sondern im Moment und für die Zukunft. Deshalb sind meine politischen Vorbilder all diejenigen, die sich aktiv für die Demokratie einsetzen. Ganz besonders möchte ich da allen ehrenamtlich Tätigen danken – ihr seid alle so wichtig! Ich mag Menschen, die eine Meinung haben und sie auch vertreten. Wir brauchen wieder mehr Typen in der Politik – natürlich sind hier alle Geschlechter angesprochen.

Rogate-Frage: Was bedeuten Ihnen Religion, Glaube, Spiritualität und die Kirche?

Sina Beckmann: Der Glaube beflügelt, stärkt, kann viel Positives hervorrufen. Ich bewundere Menschen mit starkem Glauben, sie sind immer ganz besonders fokussiert. Religion und Kirche sind nicht ganz so mein Ding. Ich war mal katholisch, aber mein Leben passt nicht dazu. Ich bin ausgetreten. Spiritualität ist für mich mit Glaube gleichzusetzen. Ich denke, ich bin dafür zu sachlich, aber ich finde Menschen toll, die das so ausleben.

Rogate: Vielen Dank, Frau Beckmann, für das Gespräch!

Weitere Interviews in der Reihe Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.


Die noch folgenden Termine der Reihe „Wen wählen? Fünf Interviews zur Bundestagswahl 2021“:

  • Donnerstag, 19. August 2021 | 19:00 Uhr, Abendgebet. Ort: Lutherkirche, Brommystraße 71, 26384 Wilhelmshaven-Villenviertel. Orgel: Traugott Böhlke (St. Martinskirchengemeinde, Voslapp) Lektor:innen: Heidrun Helbich (Ev.-luth. Thomaskirchengemeinde, Neuengroden) und Florian Wiese (Rogate-Kloster). Ort: Lutherkirche.
  • Donnerstag, 19. August 2021 | 19:45 Uhr, Demokratie-Reihe „Wen wähle ich?“ – Interview zur Bundestagswahl 2021 mit Hans-Henning Adler (DIE LINKE.). Ort: Lutherkirche.
  • Donnerstag, 26. August 2021 | 19:00 Uhr, Abendgebet. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Lektorinnen: Heidrun Helbich (Ev.-luth. Thomaskirchengemeinde, Neuengroden) und N.N. Ort: Lutherkirche.
  • Donnerstag, 26. August 2021 | 19:45 Uhr, Demokratie-Reihe „Wen wähle ich?“ – Interview zur Bundestagswahl 2021 mit MdB Siemtje Möller (SPD). Ort: Lutherkirche.

Mehr Informationen zum Demokratieprojekt „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“ finden Sie hier.

Reihe zur Bundestagswahl: Donnerstag mit Hendrik Theemann (FDP)

In der dritten Veranstaltung von „Wen wählen? Interviews zur Bundestagswahl 2021“ ist am Donnerstag (12. August) FDP-Kandidat für den Wahlkreis 26, Hendrik Theemann, zu Gast. Der Friesländer Politiker stellt sich den Fragen von Br. Franziskus (Rogate-Kloster).

Wetterabhändig findet die Veranstaltung im Garten oder unter der Empore der Lutherkirchengemeinde statt. Beginn ist um 19:45 Uhr in der Brommystraße 71, Wilhelmshaven-Villenviertel.

Zuvor wird um 19:00 Uhr zu einem „Gebet für die Stadt“ in die Lutherkirche eingeladen. Traugott Böhlke spielt die Orgel. Lektorinnen sind Heidrun Helbich und Petra Mayer-Machtemes.

Die Reihe „Wen wählen?“ gehört zum Demokratieformat „FrieslandVisionen“ des Rogate-Klosters Sankt Michael. Dieses wird im Rahmen des Förder- und Qualifizierungsprogramms „MITEINANDER REDEN – Gespräche gestalten – Gemeinsam handeln“ für Akteur/-innen in ländlichen Räumen durch die Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

Die noch folgenden Termine der Reihe „Wen wählen? Fünf Interviews zur Bundestagswahl 2021“:

Informationen: FrieslandVisionen.de

FrieslandVisionen-Rückblick: „Wen wählen? Interview mit Sina Beckmann zur Bundestagswahl 2021“

Wen wähle ich?“ fragte am Donnerstag, 5. August, das Rogate-Kloster in der Lutherkirchengemeinde Wilhelmshaven, beim zweiten Termin der Bundestagswahl-Reihe der „FrieslandVisionen„. Diesmal war die Kandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Sina Beckmann, zu Gast. Die 40jährige stellte sich dem Interesse des Interviewers Br. Franziskus sowie weiteren eingereichten Fragen aus dem Publikum.

Beckmann ist gelernte Hotelfachfrau und Unternehmerin in Jever. Politisch setzt sie Schwerpunkte in den Feldern Tourismus, Mobilität, Küstenschutz und klimafreundlicher Wirtschaft. Es sind Themen, die auch das Rogate-Kloster in den „FrieslandVisionen“ bewegt: Wie mit der Klimakatastrophe umgehen? Wie das Leben an der Nordseeküste, trotz steigendem Meeresspiegel, gestalten? Doch erst einmal ging es um die Person Beckmann selbst.

Nach ihren politischen Anfängen befragte Br. Franziskus die Kandidatin: „Ich war schon immer politisch interessiert“, gab Beckmann zu, „aber es gab kein Zeitfenster, sich auch politisch zu engagieren“. Das habe sich 2018 geändert. Ausschlaggebend sei der Dürresommer gewesen, da habe sie gedacht: „Du musst was tun!“

Sina Beckmann (Bild: privat)

Was andere an ihr schätzen würden, wollte der Geistliche wissen und wie sie in der Zukunft leben möchte. „Als Unternehmerin möchte ich aktiv sein. Ich möchte Dinge umsetzen, genauso halte ich es bei der Politik. Ich möchte weniger reden um des Reden Willens, sondern mehr machen.“ Und weiter: „Ich bin direkt, ehrlich und gerade heraus. Das finde ich praktisch, denn so weiß man immer voran man ist. Aber ich weiß auch, dass diese Art manchmal zu direkt ist.“ so Beckmann. „Wie ich morgen leben möchte? So wie heute. Ich weiß, dass ich sehr privilegiert aufgewachsen bin. In einem Rechtsstaat, frei und ohne Kriege. Ich wurde nie vertrieben, mir ist nie Gewalt angetan worden und ich musste nie Hunger leiden. Für morgen möchte ich, dass wir das so beibehalten können. Und ich möchte in einer intakten Natur mit viel Biodiversität und Artenvielfalt leben.“

Die Erde ist die einzige, die wir haben, so Beckmann: „Schützen wir endlich, was wir zum Leben brauchen.“

Zum Abschluss eine Schnellrate-Runde. Sina Beckmann entschied sich fürs Zelt anstatt Hotel, für Hunde statt Katzen und für Tee statt Kaffee.

Welchen Start sich Beckmann bei einer erfolgreichen Wahl wünsche, hatte Br. Franziskus noch zum Abschluss gefragt: „Der Bundestag an sich ist ein guter Anfang – gerne mit Perspektive auf das Klimaschutz-Ministerium.“


Die noch folgenden Termine der Reihe „Wen wählen? Fünf Interviews zur Bundestagswahl 2021“:

Vor der Veranstaltung wird jeweils um 19:00 Uhr zu einem „Gebet für die Stadt“ in die Lutherkirche eingeladen.

Die „FrieslandVisionen“ werden bis Ende 2023 durch das Förder- und Qualifizierungsprogramm „MITEINANDER REDEN – Gespräche gestalten – Gemeinsam handeln“ für Akteur*innen in ländlichen Räumen durch die Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

Fünf Fragen an: Anne Janssen, CDU-Kandidatin im Bundestagswahlkreis 26

Fünf Freitagsfragen an Anne Janssen, CDU-Kandidatin im Wahlkreis 26 für die Bundestagswahl 2021, über ihren eigenen Weg in die Politik, den Wahrheitsgehalt in sozialen Medien und die Bedeutung gemeinsamen Singens. Ein Interview im Rahmen des Rogate-Demokratieprojekts „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“.

Anne Janssen (Bild: privat)

Anne Janssen wurde 1982 in Jever geboren. Sie lebt mit ihrem Mann, der eine Druckerei führt, und ihren drei Kindern in Wittmund. Nach dem Abitur und einer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin im Wittmunder Krankenhaus, hat sie in Oldenburg Lehramt studiert und ist nun Lehrerin an der Finkenburgschule in Wittmund. Besonders liegen ihr die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum, die Perspektiven der Landwirtschaft, die regionale Wirtschaft, die örtlichen Bundeswehrstandorte, der Tourismus und die Situation von Familien am Herzen.

Rogate-Frage: Frau Janssen, was hat Sie motiviert, sich politisch zu engagieren und für den Deutschen Bundestag zu kandidieren?

Anne Janssen: Ich war schon immer politisch interessiert und habe meinem Mann in den letzten zehn Jahren den Rücken für seine politische Arbeit in der Kommunalpolitik freigehalten. Als dann im vergangenen Jahr die Corona-Pandemie aufkam und grade der Gesundheitsbereich und der Bereich der Bildung sehr stark in den Fokus rückten und wir alle miteinander feststellen mussten, dass es in unserem Land noch erhebliche Defizite gibt, habe ich gemeinsam mit meiner Familie entschieden, diesen Schritt zu gehen, da ich als Lehrerin und Krankenschwester für diese Bereiche auf Bundesebene aktiv werden möchte.

Rogate-Frage: Warum haben Sie sich für die CDU als Ihre Partei entschieden?

Anne Janssen: Weil die CDU als Volkspartei der Mitte für das steht, was mir wichtig ist: Christliche und demokratische Werte. Aber auch das Prinzip Fördern und Fordern ist mir als Lehrerin nicht unbekannt. Diejenigen weiterbringen und fordern, die Ideen für unser Land haben und uns mit ihrem Know-how nach vorne bringen. Auf der anderen Seite aber auch die nicht vergessen, die auf Hilfe und Unterstützung in bestimmten Lebenssituationen angewiesen sind.

Rogate-Frage: Sie nahmen als Interviewpartnerin einer Veranstaltung der „FrieslandVisionen“ teil. Wir nehmen die Frage auf: Wie wollen Sie, Frau Janssen, morgen leben?

Anne Janssen: In einer Welt, die jeden so annimmt, wie man ist. Völlig egal, welche politische Ausrichtung, welchen Glauben, welche schulische Bildung oder welche Definition von Familie man für sich wählt, so lange es mit unserem Demokratieverständnis in Einklang zu bringen ist. In einer Welt, die auf konstruktiven Dialog setzt und gemeinsame Ziele für die Zukunft unserer Erde verfolgt.

Wir können die Augen vor dem Klimawandel nicht verschließen, müssen aber auch die Wirtschaft handlungsfähig bleiben lassen. Jedem müssen alle Wege und Chancen offenstehen.

Rogate-Frage: Welche politischen Vorbilder haben Sie und wie bilden Sie sich Ihre Meinung?

Anne Janssen: Ein richtiges politisches Vorbild in dem Sinne habe ich nicht. Meine Kindheit und Jugend wurden aber maßgeblich durch Helmut Kohl geprägt. Er wurde 1982 Bundeskanzler, in dem Jahr wurde ich geboren und er begleitete mich damit die ersten 16 Jahre meines Lebens. Rückblickend hat Angela Merkel die letzten 16 Jahre meines Lebens begleitet. Dies zeigt auch welche Stabilität unsere Partei mit sich bringt. Ich informiere mich und bilde mir meine Meinung über die üblichen Kanäle, Printmedien oder Fernsehen.

Bei Socialmedia bin ich immer etwas vorsichtig, da oft nur schwer nachzuvollziehen ist, woher die Informationen stammen und welchen Wahrheitsgehalt sie haben. Da muss man immer sehr differenziert schauen. Ich diskutiere aber auch gern mit anderen und versuche andere Meinungen und Sichtweisen zu hören, einzuordnen und mit meinen Ansichten zu vergleichen.

Rogate-Frage: Was bedeuten Ihnen Religion, Glaube, Spiritualität und die Kirche?

Anne Janssen: Im Laufe meines Lebens haben diese Dinge immer mehr an Bedeutung gewonnen. Ich gehe inzwischen regelmäßig in die Kirche. Gerade das gemeinsame Singen und in der Stille bei sich sein zu können, geben mir Kraft für neue Aufgaben. Als Krankenschwester, aber auch im privaten Umfeld kam und komme ich in Situationen, in denen man Abschied nehmen muss und gerade hier hilft mir der Gedanke, dass die Menschen, die uns verlassen müssen, nicht allein „im Himmel“ sind.

In Gesprächen mit Kindern wird mir immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, seine Werte und seinen Glauben so in Worte zu fassen, das Kinder die Inhalte begreifen können. Das hilft auch mir, mir immer bewusst zu machen, was Religion und Glaube für mich sind und welche Bedeutung sie für mich haben.

Rogate: Vielen Dank, Frau Janssen, für das Gespräch!

Weitere Interviews in der Reihe Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.


Mehr Informationen zum Demokratieprojekt „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“ finden Sie hier.

Informationen zur Reihe „Wen wählen? Fünf Interviews zur Bundestagswahl 2021“ in der Lutherkirchengemeinde Wilhelmshaven (Juli/August 2021):

Mit der CDU-Wahlkreiskandidatin Anne Janssen startete am Donnerstag, 29. Juli, die Reihe „Wen wählen? Fünf Interviews zur Bundestagswahl 2021“ in der Lutherkirchengemeinde Wilhelmshaven. Veranstalter ist das Rogate-Kloster Sankt Michael mit seinem Demokratie-Programm „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“.

Die Kandidierenden der im Bundestag vertretenden demokratischen Parteien aus dem Wahlkreis 26 sind zu einzelnen Rogate-Abenden eingeladen. Bis zum 26. August werden die jeweiligen Gäste durch Br. Franziskus in Form von Interviews über ihren Weg in die Politik, gesellschaftliche Vorstellungen und ethische Maßstäbe befragt.

Vor der Veranstaltung wird jeweils um 19:00 Uhr zu einem „Gebet für die Stadt“ in der Lutherkirche eingeladen.

Die noch folgenden Termine der Reihe:

Die „FrieslandVisionen“ werden bis Ende 2023 durch das Förder- und Qualifizierungsprogramm „MITEINANDER REDEN – Gespräche gestalten – Gemeinsam handeln“ für Akteur*innen in ländlichen Räumen durch die Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

Jan-Marco Luczak: Grußwort zur Verleihung der Berliner Ehrennadel

Im vergangenen Jahr wurde Bruder Franziskus die „Berliner Ehrennadel für besonderes soziales Engagement“ zuerkannt. Pröpstin Christina-Maria Bammel (EKBO), die Bundestagsabgeordneten Mechthild Rawert (SPD) und Jan-Marco Luczak (CDU) sowie Prof. Markus Beckmann (2. Vorsitzender Rogate-Kloster) hatten ihn dafür vorgeschlagen.

Dr. Jan-Marco Luczak vor der Zwölf-Apostel-Kirche, in der die Feier begangen wurde. (Bild: Büro MdB Luczak)

Die Verleihung im Roten Rathaus fiel in Folge der Pandemie aus. Die Übergabe wurde gestern, Donnerstag, 27. Mai, in der Zwölf-Apostel-Kirche nachgeholt.

Anwesend waren u.a. Dr. Jan-Marco Luczak, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates der Zwölf-Apostel-Kirche, Carsten Schmdt, die Landespfarrerin für Spiritualität, Andrea Richter, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Gemeindeglieder der Zwölf-Apostel-Kirche und Mitglieder des Rogate-Klosters.

Dr. Jan-Marco Luczak sprach in der Feier ein Grußwort. Es wird hier dokumentiert:

Lieber Professor Beckmann, lieber Pfarrer Bornemann, 
vielen Dank für Ihre einleitenden Worte und ihre – wie immer – herzliche Gastfreundschaft. 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde und des Rogate-Klosters Sankt Michael zu Berlin, 

Ein altes Sprichwort sagt, „der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an, und handelt“ und auch wenn sich die Gelehrten bis heute uneins darüber sind, welcher klugen Feder diese Zeilen wohl entsprungen sein mögen – die einen sagen Wolfgang Goethe, die anderen schreiben sie dem italienischen Dichter und Philosophen, Dante Alighieri, zu – so könnte doch die Aussage für unseren heutigen Ehrenträger, für Sie, lieber Bruder Franziskus, kaum trefflicher sein.

Denn Abwarten, das ist wahrlich nicht Ihre Stärke. Im Gegenteil, Sie packen an. Sie Handeln. 

Seit Jahren setzen Sie sich in Schöneberg und weit darüber hinaus unermüdlich für notleidende Menschen, für Toleranz und Offenheit sowie für die Verständigung über Kulturgrenzen hinweg ein. 
Hervorheben möchte ich dabei beispielhaft ganz besonders Ihr Engagement und Einsatz für die queeren Menschen in unserer Stadt. 

Der von Ihnen ins Leben gerufene ökumenische Gottesdienst zum alljährlichen schwul-lesbischen Stadtfest in Berlin – dem größten seiner Art in ganz Europa – ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Festprogramms geworden, der weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt ist und international große Anerkennung findet. 

Er ist zu einem Sinnbild für Toleranz und Offenheit geworden. Zu einem Ort, wo Vielfalt über Grenzen hinweg verbindet und nicht spaltet. Viele Menschen haben Sie damit, lieber Bruder Franziskus, auch dem Glauben und der Kirche wieder näher gebracht. 

Im vergangenen Jahr, dem Jahr Ihrer Auszeichnung mit der Berliner Ehrennadel, konnten wir bereits das zehnjährige Bestehen dieses wohl einzigartigen Gottesdienstes begehen – wenngleich pandemiebedingt auch hier anders, als wir uns das alle gewünscht hätten. 

Lassen Sie mich daher heute die Gelegenheit ergreifen, Ihnen auch dafür noch einmal persönlich meine Anerkennung und meinen Dank auszusprechen. 

Ich hoffe und wünsche mir, dass wir auch diesen Gottesdienst bald alle wieder gemeinsam zusammen begehen und ein Fest voller Nächstenliebe und Vielfalt feiern können. 

Lieber Bruder Franziskus, ich weiß aber auch um Ihre Bescheidenheit. Ihr Antrieb ist nicht das Rampenlicht, sondern die Liebe zu den Menschen. Für Sie ist Handeln und Helfen keine Besonderheit, sondern eine Selbstverständlichkeit. 

Ich bin dankbar, dass es Menschen wie Sie, Bruder Franziskus, in unserer Stadt gibt. 
Mit Ihrer Arbeit tragen Sie dazu bei, dass unsere Welt jeden Tag ein bisschen besser wird. 

Sie versöhnen, trösten und verbinden, Sie geben Hoffnung und Zuversicht über alle gesellschaftlichen, konfessionellen und kulturellen Grenzen hinweg. 
Damit sind Sie ein leuchtendes Beispiel für ehrenamtliches Engagement, ohne das unsere Gesellschaft so viel ärmer wäre. 

Am heutigen Abend stehen Sie damit zu Recht im Rampenlicht. Sie haben unseren Dank und unsere Anerkennung mehr als verdient. 
Die Berliner Ehrennadel ist Ausdruck der Wertschätzung aller Berlinerinnen und Berliner für Ihre Arbeit und Ihre Person. Sie können Sie mit Stolz tragen. 

Lieber Bruder Franziskus, Ich freue mich auf viele weitere gemeinsame Projekte und Veranstaltungen mit Ihnen in den kommenden Jahren. 
Denn gerade die vergangenen Monate haben uns eines gelehrt, wir können die Welt ändern, wenn wir alle gemeinsam anpacken und handeln.

MdB Dr. Jan-Marco Luczak

Grußwort: Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert zum Franziskustag

Zum Franziskustag feierten wir gestern unseren ökumenischen „Gottesdienst für Mensch und Tier“ in der Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirche. Bereits seit zehn Jahren ist er bei uns Tradition. Mindestens einmal im Jahr wird zu dieser besonderen Segnungsfeier eingeladen, oft am 3. Oktober. Auch im Coronajahr 2020 wollten wir nicht darauf verzichten. Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert sprach zu Beginn ein Grußwort an die Gemeinde. Wir dokumentieren es hier:

MdB Mechthild Rawert (Bild: Marcel Talartsik)

Wie wir sehen, sind vor dem Altar Erntedank-Gaben aufgestellt. Alles ist vorbereitet, um am ersten Sonntag im Oktober das Erntedankfest zu feiern. Das freut mich: Da ich selbst „Bauerstochter“ bin, hat der Tag für mich eine besondere Bedeutung. Mit dem Erntedankfest feiern wir unsere Dankbarkeit für den Ertrag in Landwirtschaft und Gärten. Wir erinnern dabei auch an den engen Zusammenhang zwischen Mensch und Natur.  Wir alle sind Teil der einen Schöpfung.

Auch anlässlich des morgigen Franziskustages erinnern wir uns daran, dass es nur eine ganzheitliche Ökologie gibt, die Umwelt, Tier und Menschen auf der ganzen Erde umfasst. In Erinnerung an den Heiligen Franziskus von Assisi haben Sie heute ihre Wegbegleiter – ich sehe viele Hunde – mitgebracht.

Für mich bedeutet dieser Tag, innezuhalten und sich bewusst zu machen: Tiere sind Geschöpfe Gottes. Tiere sind nicht einfach Nutzprodukte in Bezug auf die Landwirtschaft. Anzuprangern ist der „Kommerz“, zum Beispiel durch illegalen Welpenhandel. Fakt ist: Es geht uns alle etwas an, wenn Tiere nicht artgerecht gehalten werden – sei es in den Ställen oder auch in Wohnungen.

Tiere haben einen „Eigenwert“, der menschlichen Nutzungsinteressen Grenzen setzt. Das Tierwohl ist eine weitreichende Verpflichtung. Tieren dürfen keine vermeidbaren Schmerzen und Leiden zugefügt werden. Unsere gesamte Gesellschaft ist für die Umsetzung der moralisch gebotenen Achtung des Tierwohls verantwortlich.

Für das Tierwohl trägt also auch die Politik Mit-Verantwortung. Der Agrarhaushalt ist sowohl im europäischen als auch im deutschen Finanzhaushalt immer einer der größten. Immer mehr Politiker*innen, Landwirte als auch Verbraucher*innen wollen die faire Umstellung der Fördergelder an ein umwelt- und klimaschonendes als auch ein tierwohlgerechtes Wirtschaften.

Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung ist dabei, sich zu verändern. Tiere werden längst nicht mehr als Produkt sondern als Lebewesen gesehen. Wir Sozialdemokrat*innen wollen ein verpflichtendes Tierwohllabel – das wollen leider noch nicht alle Fraktionen, die Regierungsverantwortung tragen. Dabei sind wir alle eine Umwelt – wir sind einem aktiven Klima-, Umwelt und Tierwohlschutz verpflichtet, sind zu ethischem und verantwortungsvollem Handeln angehalten.

Diejenigen unter uns, die hier heute mit einem Tier sitzen oder die zuhause ein Haustier halten, haben sich dafür entschieden, Verantwortung zu übernehmen. Ich selbst habe mich aus Verantwortung gegen die Haltung eines Tieres entschieden, da ich aus Zeitgründen gar nicht in der Lage wäre, artgerecht für das Wohl eines Tieres zu sorgen.

Für viele von Ihnen ist das anders. Im Münsterland gibt es einen Satz „Das letzte Kind trägt Fell.“ Dieser saloppe Spruch verweist auf etwas, was über Verantwortung hinausgeht: Auf die Liebe zwischen Mensch und Tier, auf die Liebe zwischen diesem einen Menschen und diesem einen ganz besonderen Tier. Wir werden darüber gleich noch mehr von Frau Prof. Enxing hören.

Mögen wir alle unsere Schöpfung wertschätzen und sie kostbar behandeln. Wir alle gemeinsam haben nur diese eine.

Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert, Tempelhof-Schöneberg

Vorschau 2021: Sonntag, 3. Oktober 2021 | 11:00 Uhr, Erntedank-Gottesdienst für Mensch und Tier zum Franziskusfest. Predigt: N.N.. Liturgie: Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Gemeinde, und Bruder Franziskus, Rogate-Kloster. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche Berlin-Schöneberg.