Fünf Fragen an: Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich

Fünf Freitagsfragen an Pfarrer Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, über eine zupackende Zivilgesellschaft für geflüchtete Menschen, die Wahrung der Menschenwürde in der Krise und die Wechselwirkungen mit populistischer Politik.

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Michael Chalupka (Bild: Luiza Puiu)

Michael Chalupka wurde 1960 in Graz/Österreich geboren und studierte evangelische Theologie in Wien und Zürich. Weitere Ausbildungen folgten in den Bereichen Erwachsenenbildung und NPO-Management. Nach einem zweijährigen Italienaufenthalt als Studienleiter am “Centro Ecumenico d’Agape” in Prali (Torino) arbeitete er von 1989 bis 1994 als evangelischer Pfarrer. Seit 1994 ist Michael Chalupka als Direktor der Diakonie Österreich tätig. Er ist Mitinitiator der Armutskonferenz (1995). Seit 2000 ist Michael Chalupka außerdem Präsident des „Österreichischen Komitees für Soziale Arbeit“ (ÖKSA) und seit 2006 auch Vorsitzender des Evangelischen Schulwerkes A.B. Wien.

Rogate-Frage: Herr Direktor Chalupka, wie geht es den geflüchteten Menschen heute in Österreich?

Michael Chalupka: Die Situation für die Geflüchteten hat sich, nach dem großen Flüchtlingszustrom 2015 mit über 88.000 Asylanträgen, weitestgehend normalisiert.
Das Positive, das wir aus 2015 mitnehmen können, war eine unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität, die jedoch weniger von der Regierung ausgegangen ist, sondern von der Zivilgesellschaft, die nach dem Motto: „Da muss man doch helfen!“ einfach zugepackt hat und unglaubliche Initiativen auf die Beine gestellt hat. Das hat sogar uns als professionelle Hilfsorganisation, die schon viele Jahre in der Flüchtlingsarbeit tätig ist, manchmal überrascht. Bis heute sind sehr viele ehrenamtliche MitarbeiterInnen und nach wie vor viele private Initiativen – mehr als jemals zuvor in der jüngeren Geschichte Österreichs – in der Flüchtlingsarbeit engagiert.

Rogate-Frage:  Wie sind in Österreich die Kirchen, Caritas und Diakonie auf die Situation mit den Herausforderungen umgegangen und was hat sich dadurch verändert?

Michael Chalupka: Es war natürlich auch für die angestammten Hilfsorganisationen eine große Herausforderung. Caritas und Diakonie haben versucht äußerst flexibel auf die Situation zu reagieren. Dennoch hat sich alleine in der Diakonie der MitarbeiterInnenstand in der Flüchtlingsarbeit sowohl bei den hauptamtlichen, als auch bei den ehrenamtlichen MitarbeiterInnen mehr als verdoppelt. Das bedeutet, dass auch viele Leitungsstrukturen im laufenden Betrieb permanent nachgebaut werden mussten.
Dennoch war es uns wichtig, nicht einfach unsere Qualitätsstandards zu begraben und die Menschenwürde, der uns anvertrauten Menschen auch in einer Zeit großen Andranges im Vordergrund stehen zu lassen. Viele MitarbeiterInnen im Flüchtlingsbereich sind in diesem Jahr an das Limit ihrer Belastbarkeit gestoßen. Vor allem aber auch deshalb, weil Politik und Verwaltung kein gutes Krisenmanagement geleistet haben und viele sehr schwierige Situationen vermeidbar gewesen wären.
Leider wurde die konstruktive Kritik sämtlicher Hilfsorganisationen am staatlichen Aufnahmesystem kaum aufgegriffen, sodass wir befürchten müssen, beim nächsten Zuzug einer größeren Zahl von Flüchtlingen wieder exakt vor den gleichen strukturellen Problemen zu stehen wie im Jahr 2015.

Rogate-Frage: Auch Österreich erlebt das Aufleben des rechten Populismus, das Erstarken der Identitären und eine schwierige Bundespräsidentenwahl… Was ist los in Ihrem Land?

Michael Chalupka: Es gibt in Österreich nach wie vor eine schweigende Mehrheit von Menschen, die das Gemeinsame vor das Trennende, die Nächstenliebe vor den Hass, das Positive vor das Negative stellt. Letztendlich wurde das auch im sehr deutlichen Ausgang der Bundespräsidentenwahl sichtbar.
Dieser Umstand ist aber für die Politik scheinbar schwer verständlich. Eine schweigende Mehrheit ist auch für sie weniger hörbar, als die sehr negativen, lauten, xenophoben bis rassistischen Töne, die auch gerne durch Boulevardmedien aufgegriffen und reproduziert werden.
Dadurch entsteht eine Wechselwirkung mit populistischer Politik, die ihrerseits glaubt durch symbolpolitische Verschärfungen der Gesetzeslage und Kürzungen von Leistungen einen politischen Vorteil erringen zu können. Oft wird dabei übersehen, dass es, sobald man auf diesen Zug aufspringt, keine Bremse mehr gibt. Es ist wie ein Karussell, das sich immer weiter dreht: Die Hetzer verlangen immer mehr und sozialpolitisch immer Abstruseres. Eine Politik, die in dieses Karussell einsteigt, verliert unweigerlich die Orientierung im eigenen Wertegerüst. Irgendwann gibt es im Asylrecht gar nichts mehr zu verschärfen, das noch menschenrechtlich kompatibel wäre. Doch die nächste Verschärfung muss her, man glaubt es dem Wählerwillen schuldig zu sein.
Ja, es gibt einen starken Zulauf zu rechtspopulistischer Politik, die einfachste Antworten auf komplexeste Fragen gibt.
Die wahre Frage ist jedoch, ob der Zulauf zu dieser Politik größer oder kleiner wäre, wenn christlich soziale und sozial demokratische PolitikerInnen sich mit der ganzen Kraft der Grundprinzipien ihrer Gesinnungsgemeinschaften entgegenstemmen würden.

Rogate-Frage: Wie können Christen und wie die Kirchen darauf reagieren?

Michael Chalupka: Viele Christinnen und Christen sind heute stark in ehrenamtlichen Projekten engagiert und engagieren sich auch für ihre Mitmenschen.
Wichtig ist, dass sie sich aber auch zu Wort melden und spürbar werden lassen, dass Nächstenliebe stärker ist als Hass, Neid und Missgunst.
Die evangelischen Kirchen in Österreich stehen seit vielen Jahren sehr deutlich auf der Seite der Flüchtlinge und es gibt kaum ein Jahr, in dem die Generalsynode keine Resolution mit einem klaren Bekenntnis zum Flüchtlingsschutz beschließt.
Die Flüchtlingsarbeit ist den Kirchen ein besonderes Anliegen in Österreich. Evangelische Kirche A und H.B. sind gemeinsam mit der Diakonie Österreich Trägerorganisationen des Diakonie Flüchtlingsdienstes. Dieser ist inzwischen die größte Rechtsberatungsorganisation für Flüchtlinge in Österreich. Angesichts der wenigen Evangelischen in Österreich ist das eine bemerkenswerte und für das Selbstverständnis der Kirchen wichtige Entwicklung.

Rogate-Frage: Was können wir in Deutschland von Österreich lernen, um die spürbare gesellschaftliche Spaltung und eine Gefährdung der Demokratie zu verhindern?

Michael Chalupka: Österreich hat seit mehr als 20 Jahren mit dem Phänomen des Rechtspopulismus zu tun. Es zeigt sich deutlich, dass die Strategie, der vormals großen Parteien, immer mehr Anliegen der FPÖ in die eigene Programmatik zu übernehmen in den Diskurs der Rechtspopulisten eingezahlt hat. Die Erwartungen, dass sich durch eine schärfere Rhetorik und Abschottungspolitik WählerInnen für die Parteien der Mitte halten ließen haben sich nicht erfüllt. Wir ÖsterreicherInnen blicken umgekehrt immer etwas neidisch nach Deutschland, weil wir glauben dort mehr Sachpolitik und doch eine Spur weniger Populismus und Symbolpolitik zu erkennen. Trotz aller Probleme – von Pegida bis hin zu brennenden Flüchtlingsheimen – existiert doch auch in Deutschland eine positive Grundstimmung in der Bevölkerung, wie jüngst eine Studie der EKD zur Haltung in der Flüchtlingsfrage gezeigt hat. Selbstverständlich ist die politische Lage in beiden Ländern sehr angespannt und ist es ein Auftrag an uns Christinnen und Christen, sehr wachsam zu sein und der Demagogisierung und Radikalisierung täglich entgegenzutreten.

Rogate: Vielen Dank, Herr Direktor Chalupka, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten:

Fünf Fragen an: Schwester Hannelore Huesmann, ambulanter Hospizdienst TAUWERK

Fünf Freitagsfragen an Schwester Hannelore Huesmann, Leiterin Hospizdienst TAUWERK e.V., über einen Liebhaber des Lebens, menschenwürdiges Sterben und ein anderes Gesicht von Kirche.

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Sr. Hannelore (Bild: privat)

Schwester Hannelore Huesmann stammt gebürtig aus dem Münsterland und ist von Beruf Krankenschwester mit Palliative Care-Zusatzqualifikation. Sie trat 1987 in die Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von Münster-Mauritz ein.
Seit 1992 lebt sie mit zwei Mitschwestern in Berlin und leitet den im Jahr 1997 von ihr mitgegründeten Hospizdienst TAUWERK e.V.

Rogate-Frage: Schwester Hannelore, warum haben Sie sich für ein Leben als Ordensfrau entschieden?

Schwester Hannelore: Ich habe durch die Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin, ein ganz bestimmtes Gottesbild vermittelt bekommen: ein Gott, der sich in Jesus bedingungslos jedem Menschen zuwendet und der ein „Liebhaber des Lebens“ ist.

Für mich stellte sich die Frage, ob das nur eine theoretische Erkenntnis ist oder auch Auswirkungen in meinem ganz konkreten Leben hat. Mit anderen Worten: wenn ich ernstnehme, dass Gott konkret mit mir zu tun haben will, dass die Frohe Botschaft seiner Liebe nicht nur in der Bibel zu lesen ist, sondern mich ganz persönlich meint und anspricht – welche Antwort gebe ich dann, was bewirkt diese Frohe Botschaft in meinem Leben als Christin?

Unter den vielen möglichen Lebensformen, in der Nachfolge Jesu zu leben, das heißt diese Liebe Gottes weiterzugeben, kam dann irgendwann auch die Lebensform im Orden in Betracht und ließ mich nicht mehr los. In der Tradition des Franz von Assisi habe ich meine spirituelle Heimat gefunden.

Rogate-Frage: Sie arbeiten in einem besonderen Zweig, einem ambulanten Hospizdienst. Wie kam es dazu?

Schwester Hannelore: Zu einem menschenwürdigen Leben gehört für mich auch ein menschenwürdiges Sterben. Ich mag „Leben“ und „Sterben“ nicht auseinanderdividieren! Sterben ist ein Teil des Lebens und sterbende Menschen sind zutiefst lebende Menschen – manchmal in einer unglaublichen Intensität lebende Menschen!

Ambulante Hospizarbeit ist Ausdruck einer lebens- und menschenbejahenden Haltung, die an jedem Lebensort konkret erlebbar sein muss: ob in den eigenen vier Wänden, im Krankenhaus, im Pflegeheim oder wo auch immer.

Es geht darum, dass Menschen – gerade auch in der Situation schwerer Erkrankung – die Erfahrung machen können, mit ihren Grenzen und Beeinträchtigungen ebenso angenommen, wertgeschätzt und gefördert zu werden wie mit ihren Fähigkeiten und Begabungen.

In meinem Beruf als Krankenschwester habe ich genau dafür Sorge zu tragen. Daher hat mich die Hospizarbeit immer schon angesprochen. Konkrete Erfahrungen mit Menschen, die eine HIV-Infektion hatten beziehungsweise bereits an den Folgen von AIDS erkrankt waren, führten dann dazu, dass wir einen ambulanten Hospizdienst in Berlin gegründet haben, um genau diese Menschen zu begleiten.

Rogate-Frage: Was genau ist Tauwerk?

Schwester Hannelore: TAUWERK ist der Name unseres ambulanten Hospizdienstes. Das TAU, ein griechischer Buchstabe, wurde von Franz von Assisi als Zeichen benutzt, um Menschen Segen und Heil zu wünschen. Es ist sozusagen das „franziskanische Markenzeichen“.

Im Hospizdienst TAUWERK e.V. haben sich Menschen zusammengeschlossen, denen es ein Anliegen ist, schwerkranke und sterbende Menschen mit AIDS im Sinne der Hospizidee zu unterstützen und zu begleiten.

Das heißt konkret: Wir besuchen schwerkranke und sterbende Menschen mit AIDS sowie die ihnen Nahestehenden und machen Gesprächsangebote in der jeweiligen Lebenssituation. Diese Besuche können auch eine 24stündige Anwesenheit bei einem sterbenden Menschen mit absichern helfen. Wir fragen, ob jemand unsere Hilfe bei der Gestaltung seines Alltags braucht, die über die Versorgung durch Pflegekräfte hinaus geht. Die Stützung sonstiger sozialer Kontakte ist unseren Mitarbeitenden ein Anliegen. In manchen unserer Begleitungen geht es um die Beratung in Fragen palliativer Versorgungsmöglichkeiten. Unsere hospizliche Begleitung endet nicht mit dem Tod des Patienten, sondern bietet den Angehörigen auch Unterstützung in der Zeit der Trauer an.

TAUWERK hat damit also nicht nur die erkrankten Menschen, sondern immer auch deren soziales Umfeld mit im Blick. Gerade sie brauchen oft Informationen, ein offenes Ohr oder tatkräftige Unterstützung, weil sie im Zusammenhang mit der Betreuung eines Menschen in der letzten Lebensphase vor viele Fragen gestellt sind.

In Ergänzung zu Pflegediensten möchten die Mitarbeitenden des TAUWERKs dazu beitragen, nach den je eigenen und individuellen Wünschen das Leben bis zuletzt gestalten zu können. Daher sieht die hospizliche Unterstützung individuell immer etwas anders aus.

Rogate-Frage: Wie arbeiten Sie und wie finanziert sich der Dienst?

Schwester Hannelore: TAUWERK ist ein Team aus zwei professionellen Fachkräften aus dem Bereich Krankenpflege und Psychologie, die hauptamtlich arbeiten, und inzwischen 35 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, die sich in einem Hospizhelferkurs auf diese Aufgabe vorbereitet haben.

Die Begleitung ist für die Betroffenen und deren Angehörigen vollkommen unentgeltlich. Dies bedeutet, dass die Menschen, die wir begleiten, keinerlei finanzielle Belastung durch die hospizliche Unterstützung zu erwarten haben und auch keiner Spendenerwartung ausgesetzt sind!

Man kann jederzeit formlos Kontakt aufnehmen, wenn man der Meinung ist, dass diese Form der Unterstützung jetzt hilfreich sein könnte. Die Kosten werden durch einen Personalkostenzuschuss der Krankenkassen und durch Spenden von Menschen gedeckt, die diese Arbeit nicht als Ehrenamtliche, sondern mit ihrer finanziellen Zuwendung unterstützen möchten. Damit sorgen sie dafür, den Rahmen für die Tätigkeit der haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen zu gewährleisten und damit den Menschen, die unseren Dienst in Anspruch nehmen, menschliche Zuwendung im Sinne der Hospizidee erfahrbar zu machen. Erfreulicherweise haben die Mittel bisher immer ausgereicht, um die Arbeit fortsetzen zu können.

Rogate-Frage: Sie kommen mit sehr unterschiedlichen Menschen zusammen, deren Identität beziehungsweise deren Leben nicht immer der Lehre der römisch-katholischen Kirche entspricht. Wie gehen Sie damit um? Wie gehen Menschen damit um, die durch Sie betreut werden?

Schwester Hannelore: Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch Gottes Ebenbild ist und von ihm geliebt wird. Ich freue mich an der Vielfalt und gleichzeitig Einmaligkeit der Menschen, denen ich begegnen darf.

Und ich frage mich: wie soll jemand erleben, als ganzer Mensch mit allem, was ihn oder sie ausmacht, angenommen und wertgeschätzt zu sein, wenn wir als Christen da plötzlich Abstriche machen und einen Menschen auf seine sexuelle Identität reduzieren?

Wenn „Schwester“ nicht bloß ein frommer Zusatz zum Ordensnamen sein soll, dann muß ich mich als Schwester begreifen und entsprechend verhalten. Und dann ist da kein Platz für Beurteilung geschweige denn Verurteilung oder Ausgrenzung.

Ich erlebe oft überraschte Gesichter, wenn ich diese Haltung im Gespräch mit einem unserer Patienten deutlich mache. Oft sind es Menschen, die diesbezüglich erheblich verletzt wurden und deshalb auf Distanz zur Kirche gegangen sind. Das schönste Kompliment, dass jemand uns gemacht hat, lautete: „Ich habe seit einer Woche ein anderes Gesicht von Kirche kennengelernt.“

Rogate: Vielen Dank, Schwester Hannelore, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

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    Der Botkyrka Kammarkör (Bild: Chor)

    Sonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden. Orgel: Manuel Rösler

  • Donnerstag, 20. Oktober 2016 | 19:30 Uhr, Mitgliederversammlung des Fördervereins.
  • Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie  mit Bischof Dr. Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, Evangelische Kirche Berlin – Brandenburg – schlesische Oberlausitz (EKBO), Bezirksbürgermeisterin  Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde. Chor: „Mixed Martinis – Gospel & more“, Tegel. Orgel: Manuel Rösler
  • Sonntag, 3. Advent, 11. Dezember 2016 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pastor Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und N.N., Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde
  • Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Benjamin Melzer, Transgender-Mann

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Benjamin Melzer (Foto: privat)

Fünf Freitagsfragen an Benjamin Melzer, Transgender-Mann und „Men’s Health“-Covermodel, über den Weg von einer Frau zum Mann und die Notwendigkeit, öffentlich zu werden.

Ben Melzer stammt aus Nordrhein-Westfalen und arbeitet als freier Handelsvertreter.

Rogate-Frage: Herr Melzer, warum haben Sie Ihre Lebensgeschichte, den Weg von Yvonne zu Ben, öffentlich gemacht?

Benjamin Melzer: Als ich am Anfang meiner Reise stand, war dort niemand der mir Fragen beantworten, oder mich inspirieren hätte können. Dieser jemand möchte ich gerne sein! Ich möchte Mut machen und Hoffnung schenken!

Rogate-Frage: Wie und wann haben Sie gemerkt, dass Sie im falschen Körper geboren wurden?

Benjamin Melzer: Recht früh, im Alter von drei/vier Jahren wusste ich, dass etwas nicht stimmt. Was genau nicht stimmte, konnte ich in dem Alter allerdings noch benennen. Das erste Mal hörte vom Thema „transgender“ als ich 18 war. Leider hatte ich erst mit 23 Jahren die Kraft, den harten Weg zu bestreiten.

Rogate-Frage: Wie reagierte Ihr Umfeld und was hat Ihnen geholfen?

Benjamin Melzer: Da ich nie das typische Mädchen war, war eigentlich niemand so richtig überrascht. Ich wurde von Anfang an unterstützt und zwar von allen Seiten. Sowohl Familie, als auch Freunde. Sicherlich hängt das auch irgendwo mit meiner offenen Art zusammen.

Rogate-Frage: Was wünschen Sie sich von der Gesellschaft, den Medien, der Politik…?

Benjamin Melzer: Niemand hat sich dieses Schicksal ausgesucht und jeder sollte das verstehen. Aufklärung sowie Normalisierung des Themas finde ich wichtig. Menschen mit diesem Schicksal in die Medien zu holen, vor die Kamera zu stellen und zu zeigen, dass auch wir nur Menschen mit Träumen und Zielen sind.

Rogate-Frage: Haben Sie Erfahrung mit der Kirche gemacht? Wie sollten sich die Kirchen und ihren Gemeinden verhalten, um Transmenschen zu unterstützen?

Benjamin Melzer: Vielleicht könnte man darüber predigen und auch hier das Thema ganz offen und normal ansprechen. Wir sind alle Kinder Gottes und jeder hat das Recht glücklich zu sein!

Rogate: Vielen Dank, Herr Melzer, für das Gespräch.

Mehr über Benjamin Melzer finden Sie hier.

Mehr zum Thema:

  • Dr. Gerhard Schreiber, Dozent für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt, über Transsexualität als Thema der Theologie, den Variationsreichtum des Lebens und die wirkmächtige, aber problematische Lehre von den Schöpfungsordnungen.
  • Fotografin Kathrin Stahl über “Mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind”, ein Foto- und Textprojekt-Engagement über und für transidente Menschen. Ein Projekt, das mit einem Fotoshooting mit ihrer Tochter Marie begann, die einmal ihr Sohn war.


Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 5. April 16|19:00 Uhr, VESPER, Verkündigung des Herrn, in der Kapelle (Sakristei)
  • Rogate Kl_Aushang_Rogate Sonntag_090316-2 KopieDonnerstag, 7. April 16|19:30 Uhr, ANDACHT in der Osterzeit, in der Kapelle (Sakristei)
  • Dienstag, 12. April 16|19:00 Uhr, VESPER “Nächstenliebe“, in der Kapelle (Sakristei)
  • Donnerstag, 14. April 16|19:30 Uhr, EUCHARISTIE, mit Prozessionsgang durch die Kirche
  • Dienstag, 19. April 16|19:00 Uhr, VESPER “Liebeskummer“, das Abendgebet
  • Donnerstag, 21. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET „Vergeben“
  • Dienstag, 26. April 16|19:00 Uhr, VESPER „Hochzeit“, das Abendgebet
  • Donnerstag, 28. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET, Nachtgebet
  • Hier unser Aushang April 2016.

 

Fünf Fragen an: Holger Wicht, Pressesprecher der Deutschen AIDS-Hilfe

Fünf Karfreitagsfragen an Holger Wicht, Deutsche Aids-Hilfe, über den Sinn von HIV-Tests, eine zu erwartende fast normale Lebenserwartung für positive Menschen und welche Hoffnung er mit dem Jahr 2020 verbindet.

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Holger Wicht (Bild: privat)

Holger Wicht, geboren 1971 in Hannover, lebt seit 1992 in Berlin. Er ist Journalist und Moderator und war unter anderem Chefredakteur von Berlins queerem Stadtmagazin „Siegessäule“. Heute ist er Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher bei der Deutschen AIDS-Hilfe, dem Dachverband von 120 Organisationen und Einrichtungen in Deutschland.

Rogate-Frage: Herr Wicht, wie viele Menschen sind derzeit in Deutschland mit HIV infiziert, an Aids erkrankt und bereits gestorben?

In Deutschland leben zurzeit etwa 83.000 Menschen mit HIV. Die Neuinfektionszahlen liegen in Deutschland seit Jahren konstant bei 3.200. Das ist im europäischen Vergleich sehr wenig – ein Erfolg der Präventionsarbeit in Deutschland. Insgesamt sind seit den 80er Jahren ungefähr 28.000 Menschen an den Folgen der Infektion gestorben. Heute lässt sich eine Aidserkrankung zum Glück in aller Regel vermeiden, wenn jemand rechtzeitig von der HIV-Infektion erfährt und mit einer Therapie beginnt. Das Virus kann dann kaum noch Schaden im Körper anrichten. Kaum zu glauben, aber wahr: Wer sich heute infiziert, hat eine fast normale Lebenserwartung!

Rogate-Frage: Wie arbeitet die Aids-Hilfe? Hauptsächlich durch Lobbyarbeit und Beratung?

Unsere Arbeit ist sehr vielfältig. Zum einen machen wir Prävention für die am stärksten von HIV betroffenen Gruppen: schwule Männer, Drogenkonsumenten, Menschen in Haft, Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter und Menschen aus Ländern, in denen HIV besonders häufig vorkommt. Dafür bekommen wir Geld vom Staat. Ein Beispiel ist unsere Kampagne ICH WEISS WAS ICH TU für schwule Männer, die zum Beispiel auf CSDs im Einsatz ist. Es ist in der Prävention nämlich immer sehr wichtig, auch persönlich ins Gespräch zu kommen. Zum anderen setzen wir uns politisch für die Rechte der genannten Gruppen ein und vertreten die Interessen von Menschen mit HIV. Außerdem bieten wir Beratung an, fördern Selbsthilfeaktivitäten und vieles mehr. Nicht zuletzt informieren wir umfassend zu allen Themen rund um HIV, Geschlechtskrankheiten und Hepatitis. Bald starten wir aidshilfe.de im neuen Look.

Rogate-Frage: Wie ist die Situation von Menschen mit dem Virus in Deutschland? 

Die Situation von Menschen mit HIV hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm verbessert. Mit HIV kann man heute nicht nur alt werden, sondern auch ein erfülltes Leben führen – mit Sexualität, Beziehung, Familie und Job, ganz wie man möchte. Die Therapien machen’s möglich, denn sie verhindern die Vermehrung von HIV im Körper und auch die Weitergabe des Virus. Leider erleben Menschen mit HIV aber immer noch Diskriminierung, zum Beispiel am Arbeitsplatz oder in Krankenhäusern und Arztpraxen. Grund sind oft völlig veraltete Vorstellungen vom Leben mit HIV und irrationale Ängste vor einer Übertragung. Deswegen machen wir immer wieder deutlich: Von Menschen mit HIV geht keine Gefahr aus! Im Alltagsleben sowieso nicht, und beim Sex kann man sich schützen.

Rogate-Frage: Wie erleben Sie die Positionen der Kirchen in Deutschland und anderswo?

Das ist sehr unterschiedlich. Viele kirchliche Organisationen sind wichtige Partner für uns, sie leisten großartige und wertvolle Arbeit, etwa in der Flüchtlingshilfe und in der Drogenhilfe. Das franziskanische Haus Maria Frieden war das erste Aids-Hospiz in Deutschland – und leistet bis heute unverzichtbare Arbeit. Die ebenfalls franziskanischen Nonnen vom Hospizdienst Tauwerk sind in Berlin Teil der Community und haben für ihre offenherzige und unermüdliche Arbeit am Sterbebett von Menschen mit Aids letztes Jahr den Soul of Stonewall Award des Berliner CSD gewonnen! Wenn aber die Kirche oder manche ihrer Vertreterinnen und Vertreter homosexuelle Menschen nach wie vor herabwürdigen oder den Gebrauch von Kondomen untersagen, dann ist das respektlos und höchst schädlich – auch für die HIV-Prävention.

Rogate-Frage: Sie haben die Hoffnung, dass es ab 2020 nicht mehr zu Aids-Erkrankungen kommt. Wie soll das gehen?

Unser Verband will alles dafür tun, dass niemand mehr an Aids erkranken muss. Man muss sich vorstellen: Mehr als 1000 Menschen bekommen jedes Jahr in Deutschland Aids, obwohl es sich vermeiden ließe! Die allermeisten wissen bis dahin nicht, dass sie HIV-positiv sind. Sie haben sich nicht testen lassen – aus Angst vor dem Ergebnis oder vor Diskriminierung. Das wollen wir verändern. Wir möchten Menschen den Zugang zum HIV-Test und zur Therapie ermöglichen, sie dazu motivieren, um ihnen eine Aids-Erkrankung zu ersparen. Dafür müssen wir die Test-Hindernisse abbauen: indem wir vermitteln, dass man mit HIV heute gut leben kann, wenn man rechtzeitig davon erfährt. Und indem wir Diskriminierung abbauen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Wicht, für das Gespräch.

Weitere Informationen hier: aidshilfe.de, magazin.hiv und „AIDS ist auch nicht mehr, was es mal war“ – Unsere „Wussten Sie eigentlich?“- eine Kampagne erzählt Lebensgeschichten.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten Gottesdiensten:

  • Rogate Kl_Aushang_Kreuzweg_090316-2 KopieHeute, Karfreitag, 25. März 16 | 15:00 Uhr, Kreuzweg, Michaelskirche, Bessemer Straße 97/101, 12103 Berlin-Schöneberg, Bus 106 (Richtung Lindenhof)
  • Ostermontag, 28. März 16 | 11:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie, mit der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin, Zwölf-Apostel-Kirche, U Nollendorfplatz
  • Dienstag, 29. März 16 | 19:00 Uhr, Vesper, Zwölf-Apostel-Kirche

Fünf Fragen an: Sr. Thekla Schönfeld, Missionsärztliche Schwestern Berlin

Fünf Freitagsfragen an Sr. Thekla Schönfeld MMS, Missionsärztliche Schwestern Berlin, über das Leben mit Gott, den Einklang im gelebtem Apostolat und Orientierungsangebote für Frauen.

Sr. Thekla Schönfeld (Bild: MMS)

Thekla Schönfeld stammt aus Berlin, arbeitet als Lehrerin für Sonderpädagogik an einem katholischen Förderzentrum und engagiert sich in der Begleitung von jungen Frauen auf ihrem Berufungsweg.

Rogate-Frage: Schwester Thekla, warum sind Sie Ordensfrau geworden?

Thekla Schönfeld: Es war ein längerer Suchweg, der mich zum Ordensleben geführt hat. Ein Leben mit Gott hat mich schon immer fasziniert, – aber dafür in einen Orden eintreten? Und doch hatte ich immer wieder das Gefühl, dass es noch mehr geben muss als eine gute Arbeit, eine schöne Wohnung und liebe Freunde. Und diese Sehnsucht nach einem Mehr an Leben hat mich so gelockt, dass ich es schließlich doch gewagt habe. Bis heute freue ich mich über diese Entscheidung.

Rogate-Frage: Warum haben Sie sich für die Missionsärztlichen Schwestern als Gemeinschaft entschieden?

Thekla Schönfeld: Ich habe die MMS als eine Gemeinschaft von Frauen kennengelernt, die bei aller Vielfalt und Unterschiedlichkeit eine große Lebendigkeit ausstrahlen. Das hat mich angesprochen. Auch der Einklang von gelebtem Apostolat, Gebet und Gemeinschaftsleben kam mir sehr entgegen. Ich musste kein neuer Mensch werden, um einzutreten, sondern konnte mich mit allem, was ich an Fähigkeiten habe in die Gemeinschaft einbringen. Außerdem habe ich gespürt, dass die Spiritualität der Heilung auch etwas mit mir und meinem Leben zu tun hat.

Rogate-Frage: Wie würden Sie Ihre Ordensspiritualität beschreiben?

Thekla Schönfeld: Als Missionsärztliche Schwestern wollen wir, da wo wir sind, Gottes heilende Liebe leben und selbst daraus Kraft schöpfen. Unsere Gründerin, die österreichische Ärztin Dr. Anna Dengel, hat damals auf die medizinische Not von muslimischen Frauen eine konkrete Antwort gegeben – bis heute hat sich daraus das Charisma unserer Gemeinschaft entwickelt, „eine heilende Präsenz zu sein am Herzen einer verwundeten Welt“. Dies leben wir weltweit in unterschiedlichen Berufen und dies teilen auch unsere Assoziierten Mitglieder. Gebet und Arbeit fließen dabei ineinander, so sind Aktion und Kontemplation lebendige Aspekte unserer Spiritualität.

Rogate-Frage: Ihr Orden stellt sich unter anderem so vor: „In Zusammenarbeit mit gleichgesinnten PartnerInnen und Organisationen setzen wir uns ein für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Ein solcher Einsatz führt zu einem aktiven Bemühen um die Gewährleistung der Würde und der Rechte einzelner Menschen und Gruppen. Er beinhaltet auch das Engagement für eine gerechtere Welt- und Wirtschaftsordnung. Gemeinsam mit anderen Organisationen und Netzwerken versuchen wir, das Bewusstsein zu schärfen für ungerechte Strukturen, die Menschen ausbeuten und entrechten und das Leben auf unserem Planeten gefährden.“ Wie äußert sich das konkret? 

Thekla Schönfeld: Unsere Gemeinschaft ist weltweit mit Menschen unterwegs, die am Rand der Gesellschaft stehen, Menschen in materieller Not, deren Rechte missachtet werden, Menschen die in sozialer Armut leben oder in Krisen stecken. Dieser Ungerechtigkeit versuchen wir zu begegnen, indem wir einerseits konkret mit den betroffenen Menschen arbeiten, zum Beispiel in Indien Frauen in Selbsthilfegruppen ermutigen, eigene Existenzwege zu gehen oder in einer Ambulanz für Wohnungslose in Frankfurt ausgegrenzten Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglichen, indem wir indigenen Gruppen in Lateinamerika helfen, für ihre Landrechte einzustehen oder hier in Berlin mit Frauen in Krisensituationen gemeinsam Auswege suchen.

Auf der anderen Seite verstehen wir uns als Partner in Netzwerken wie Oikocredit oder Südwind, sind aktiv im ethischen Investment und wollen – auch im Rahmen unserer Vertretung bei der UN – politische Wege gehen, um auf Unrecht aufmerksam zu machen und mit Gleichgesinnten alternative Wege zum bestehenden Weltwirtschaftssystem zu suchen.

Darüber hinaus wollen wir auch persönlich in einer bewussten Lebensweise und einem einfachen Lebensstil zur Bewahrung der Schöpfung beitragen.

Rogate-Frage: Sie laden Frauen ein zu einem „Orientierungsjahr – Du zeigst mir den Weg zum Leben“. Was passiert da und wer ist eingeladen?

Thekla Schönfeld: Das Orientierungsjahr haben wir 2015 zum zweiten Mal angeboten. Es ist ein Jahr, in dem Frauen eingeladen sind, Gottes Spuren auf ihrem Lebensweg nachzugehen, sie zu vertiefen und nach ihrer Sehnsucht zu fragen. Gemeinsam ist die Gruppe an vier Wochenenden in einem Jahr unterwegs. Hierbei tauschen sich die Frauen untereinander und gemeinsam mit dem Team aus, erhalten Impulse zu verschiedenen Themen und erleben Weggemeinschaft. Unser Team besteht aus Schwestern und Assoziierten Mitgliedern, die in verschiedenen Lebensformen ihre Berufung leben. Gemeinsam auf dem Weg zu sein, um die eigene Berufung zu entdecken oder eine bestehende zu vertiefen, erfahre ich auch als Bereicherung auf meinem persönlichen Glaubensweg.

Rogate: Vielen Dank, Sr. Thekla, für das Gespräch!

Mehr über die Missionsärztliche Schwestern finden Sie hier: MMS. Zum Orientierungsjahr für Frauen gibt es einen Flyer.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der Kapelle der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 27. Oktober 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 3. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 10. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 17. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 24. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 1. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 8. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • 2015 12 13 Sternenkinder-GottesdienstSonntag, 3. Advent, 13. Dezember 2015 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pater Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg.

Noch morgen zu sehen: Ausstellung „Gepflegt in der Gegenwart“ / Grußwort von Jasenka Villbrandt

IMG_2417Die Fotoausstellung „Gepflegt in der Gegenwart“ des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin ist noch morgen, Sonnabend, 30. Mai, von 11:00 Uhr bis 15:00 Uhr in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, zu sehen.

Zur Ausstellung erreichte uns ein Grußwort von Jasenka Villbrandt, Sozialpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin:

Jasenka Villbrandt: Ich gratuliere dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, dem Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin, den ehrenamtlichen FotografInnen und allen Mitwirkenden zu der beeindruckenden Fotoausstellung „Gepflegt in der Gegenwart“. Vielen Dank für Ihr Engagement, welches diese Eindrücke einer größeren Öffentlichkeit zugänglich macht.

Die Ausstellung zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass Wärme und Zuwendung Bestandteil guter Pflege sind. Andererseits wird auch deutlich, was Gepflegte den Pflegenden zurückgeben können. Ein vertrauensvolles Verhältnis auf Augenhöhe ist sowohl Ausgangspunkt, als auch das Ergebnis guter Pflege.

In den Statements der Beteiligten werden aber auch die Probleme deutlich: Es fehlt oftmals an Zeit, um den Ansprüchen einer menschlichen Pflege gerecht zu werden. Und es fehlt an gesellschaftlicher Anerkennung für diese wichtige Tätigkeit.

Doch das ist nur ein Teil des Problems. Wir alle wissen, dass in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern längst ein Personalnotstand eingetreten ist und die ambulanten Pflegedienste oft keine MitarbeiterInnen mehr finden. Die PflegerInnen sind völlig überlastet, dementsprechend ist die Verweildauer im Beruf erschreckend gering. Bis 2030 werden in Berlin schätzungsweise 20.000 Pflegekräfte in Vollzeittätigkeiten fehlen. So können wir den Herausforderungen des demografischen Wandels auf keinen Fall begegnen.

Oft werden diese Tatsachen benannt, und doch geschieht viel zu wenig, sowohl auf der Bundes-, als auch auf der Landesebene. Wir von Bündnis 90/Die Grünen schlagen Alarm und werden nicht müde, die schlimmen Zustände anzuprangern. Es braucht eine bessere Finanzierung der Pflegekosten, eine Willkommenskultur für ausländische Pflegekräfte, ein durchlässiges Ausbildungssystem und generell eine hohe Wertschätzung der Pflege. Dafür müssen jetzt alle an einem Strang ziehen.

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 2. Juni 15 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 4. Juni 15 | 20:30 Uhr, EUCHARISTIE, Konventamt
  • Dienstag, 9. Juni 15 | 19:00 Uhr , VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 11. Juni 15 | 20:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Dienstag, 16. Juni 15 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 18. Juni 15 | 20:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Freitag, 19. Juni 15 | 19:30 Uhr, Eröffnungsgottesdienst des 23. lesbisch-schwulen Stadtfestes des Regenbogenfonds e.V., Predigt: Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg. Mit dem Friedenauer Posaunenchor,  Bezirksbürgermeisterin Angelika SchöttlerDekan Ulf-Martin Schmidt und Vikarin Anna Trapp. Orgel: Malte Mevissen.
  • Sonnabend & Sonntag, 20. und 21. Juni 15, Teilnahme mit einem Info-Stand auf dem “23. Stadtfest des Regenbogenfonds“, Schöneberg

Ausstellungseröffnung: „Gepflegt in der Gegenwart“ morgen in Schöneberg. Grußwort von Mechthild Rawert.

Eröffnung der Fotoausstellung „Gepflegt in der Gegenwart“ des Paritätischen Berlin im Rogate-Kloster am 10. Mai 2015

Grußwort der Bundestagsabgeordneten Mechthild Rawert, Berichterstatterin für Pflege der SPD-Bundestagsfraktion, anlässlich der Eröffnung der Fotoausstellung „Gepflegt in der Gegenwart“ des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin am Sonntag Rogate in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

Unsere Gesellschaft wird bunter und älter und gerade in Berlin steigt die Zahl der Singlehaushalte. Und wir werden insgesamt gesünder älter. Doch die Sorge, im Alter pflegebedürftig zu werden, beschäftigt uns alle. Jede und jeder sollte sich damit auseinandersetzen, dass unsere letzte Lebensphase wahrscheinlich von Pflegebedürftigkeit geprägt sein wird. Jeder zweite Mann und zwei von drei Frauen werden pflegebedürftig sein. Im Falle von Pflegebedürftigkeit wünschen wir uns, so lange wie möglich selbstbestimmt im eigenen Zuhause leben zu können. Schon jetzt werden zwei Drittel der Pflegebedürftigen zu Hause gepflegt.

Gute Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie geht uns alle an. Zu oft werden die Pflege und die hier Beschäftigten in den Medien negativ dargestellt. Pflege gilt als schlecht bezahlte Knochenarbeit. Die professionelle Leistung der Pflegefachkräfte erfährt noch immer nicht die notwendige gesellschaftliche Wertschätzung und Anerkennung. Das wird der Arbeit der Pflegefachkräfte und dem Engagement vieler Ehrenamtlicher in keiner Weise gerecht.

Umso mehr freue ich mich, dass auf Initiative des Rogate-Klosters die Ausstellung „Gepflegt in der Gegenwart“ in der Zwölf-Apostel-Kirche gezeigt wird. In der Ausstellung wird das tagtägliche Engagement der Pflegekräfte in den Blickpunkt gerückt. Gezeigt werden Fotos von Pflegenden und Pflegebedürftigen aus den Einrichtungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin. Es wird sehr deutlich, dass wir die Arbeit der Beschäftigten mehr anerkennen und wertschätzen müssen.

Die Pflege ist eine Zukunftsbranche mit sicheren Arbeitsplatzperspektiven. Hier sind   viele sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse entstanden und viele werden noch entstehen. Und es steigt der Fachkräftebedarf. Noch immer pflegen vor allem Frauen. Pflegeberufe müssen durch gute Arbeit und gute Bezahlung attraktiver gestalten, auch für Männer.

Es ist wichtig, dass wir als ganze Gesellschaft über die Pflege reden und uns für das Recht auf ein würdevolles Leben in der Pflege einsetzen. Dafür gilt es die richtigen Weichen zu stellen. Pflegende Angehörige müssen entlastet und die professionelle Pflege attraktiver gemacht und aufgewertet werden. Flexible Lösungen für pflegende Berufstätige sind dringend geboten.

Mit dem Ersten Pflegestärkungsgesetz ist seit Anfang 2015 der erste wichtige Schritt getan. Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz und der Neuausrichtung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs plant die Große Koalition weitere Verbesserungen der Situation von Pflegebedürftigen und Angehörigen. Auch ist eine Reform der Pflegeausbildung geplant.

Ich freue mich auf meinem Besuch der Ausstellung am 28. Mai um 19:00 Uhr und dem anschließenden Gespräch zu den Herausforderungen der ambulanten Pflege.

Mit solidarischen Grüßen

Mechthild Rawert

Willkommen:

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Sonntag, 10. Mai 15 | 10:00 Uhr, Eucharistie am Sonntag Rogate

Sonntag, 10. Mai 15 | 10:00 Uhr, Eucharistie am Sonntag Rogate, Thema des Gottesdienstes “Spiritualität in der Pflege“, Predigt: Pastorin Dr. Astrid Giebel, Diakonie Deutschland. Anschließend Eröffnung der Fotoausstellung „Gepflegt in der Gegenwart“ des Paritätischen Berlin in den Seitenschiffen der Kirche. Sie läuft bis zum 2. Juni 2015. Öffnungszeiten: Offene Kirche, Sonnabends, 11:00 bis 15.00 Uhr und vor und nach den Gottesdiensten.

Erreichbar ist die Kirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln und über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). PKW-Stellplätze vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße.

Die weiteren Gottesdienste in der kommenden Woche:

  • Dienstag, 12. Mai 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, danach Bibelgespräch
  • Himmelfahrt, Donnerstag, 14. Mai 15 | 20:30 Uhr, EUCHARISTIE AN HIMMELFAHRT, Abendmahlsgottesdienst, Zwölf-Apostel-Kirche. Organist: Manuel Rösler.

Fünf Fragen an: Ulrike Kostka, Direktorin der Caritas im Erzbistum Berlin

Fünf Freitagsfragen an Prof. Dr. Ulrike Kostka, Direktorin der Caritas im Erzbistum Berlin, über die Spiritualität ihres Verbandes, eine christlich geprägte Umgangs- und Führungskultur und verunsicherte Spender.

Prof. KostkaProf. Dr. Ulrike Kostka stammt aus Niedersachen, studierte Katholische Theologie in Münster und Gesundheitswissenschaften in Bielefeld und engagiert sich für Bildungschancen für benachteiligte Kinder und eine zukunftsfähige Flüchtlingspolitik.

Rogate-Frage: Frau Professorin Kostka, gibt es eine Spiritualität der Caritas? Und wenn ja, wie würden Sie sie beschreiben?

Ulrike Kostka: Es gibt eine Spiritualität der Caritas. Uns trägt das Beispiel Jesu, der nicht nur gepredigt hat, sondern auch Kranke geheilt hat. Durch ihn sind Menschen am Rande wieder zu Menschen im Sinne des Reiches Gottes geworden. Das fasziniert uns. Unsere Arbeit wäre ohne den Glauben nicht denkbar.

Rogate-Frage: Sogar die Weltgesundheitsorganisation sagt, dass zur Gesundheit Spiritualität dazu gehöre. Wie können die konfessionellen Wohlfahrtsverbände in ihrer Arbeit diesem Anspruch gerecht werden?

Ulrike Kostka: Es geht darum, dass die biblische Botschaft mitten in die Organisation kommt. Der Glaube sollte für die ehrenamtlichen und beruflichen Mitarbeitende erfahrbar sein durch entsprechende vielfältige spirituelle Angebote, eine christlich geprägte Umgangs- und Führungskultur und eine sozialethische Reflexion bei Entscheidungen. Wir verstehen uns als Kirche und fühlen uns eng verbunden mit dem Erzbistum, den Pfarrgemeinden und allen, die Kirche mit uns sind.

Rogate-Frage: Die professionelle Arbeit eines Wohlfahrtsverbands wie der Caritas ist beispielsweise in der ambulanten Pflege stark dem Markt und dem Kostendruck unterworfen. Zeit ist Geld und mehr Zuwendung wird nicht durch die Kostenträger refinanziert. Wie gehen Ihre Mitarbeitenden in der Caritas und Sie damit um?

Ulrike Kostka: Das ist ein großes Problem. Die Kirchensteuermittel und Spenden helfen uns sehr, dass wir viele Projekte machen können, die sonst nur wenige machen wie zum Beispiel die Ambulanz für Wohnungslose am Bahnhof Zoo oder auch Hospizarbeit. Der finanzielle Druck ist sehr hoch und wirkt sich auch auf die Arbeit aus. Wir spüren ihn täglich und geraten dadurch in Dilemmata, wenn zum Beispiel Pflegebedürftige einsam sind und viel mehr Unterstützung bräuchten als zeitlich und finanziell möglich ist. Hier helfen uns viele Ehrenamtliche.

Rogate-Frage: Das Engagement von Ordensfrauen und -männern ist für die Ausgestaltung der Caritas wichtig. Was bringen Schwestern und Brüder im Ordensstand in die Caritas ein? Was ist an ihrer Arbeit anders im Vergleich zum Dienst von zivilen Mitarbeitern?

Ulrike Kostka: Es gibt nicht mehr viele Ordensleute im aktiven Dienst der Caritas. Aber die Präsenz jeder auch älteren Ordensschwester zum Beispiel im Krankenhaus ist ein Segen. Wir haben einen engen Kontakt zu vielen Ordensgemeinschaften aufgebaut und ich habe im Frühjahr alle Ordensschwestern zu uns eingeladen. Ordensleute sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Caritas. Sie sind sichtbare Zeugen Christi. Ich freue mich sehr, dass wir eine junge Ordensschwester jetzt für unsere Wohnungslosenambulanz gewinnen konnten.

Rogate-Frage: Die Ereignisse in Limburg und die Berichterstattung über den Bischofssitz von Tebartz-van Elst haben in einigen kirchlichen Organisationen zu einem geringerem Spendeneingang geführt. Welche Auswirkungen hatte es für die Caritas im Erzbistum Berlin?

Ulrike Kostka: Noch spüren wir keine großen Auswirkungen, aber es hat dem Image der Kirche schwer geschadet. Und die Spender sind verunsichert. Aber Gott sei Dank erhalten wir sehr viel Unterstützung durch Zeitspenden, Sach- und Geldspenden.

Rogate: Vielen Dank, Frau Professorin Kostka für das Gespräch!

Mehr Infos finden Sie hier: dicvberlin.caritas.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Dienstag, 10. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 17. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche, anschließend Rogate-Bibelgespräch
  • Donnerstag, 19. Februar 2015 | 20:30 Uhr, Komplet in der Kapelle der Kirche mit Austeilung des Aschekreuzes zu Beginn der Passionszeit.
  • Dienstag, 24. Februar 15 | 19:00 Uhr, Eucharistie, in der Kapelle der Kirche.
  • Donnerstag, 26. Februar 2015 | 20:30 Uhr, Passionsandacht in der Kapelle der Kirche.
  • Unseren Februar-Plan finden Sie hier.

 

Fünf Fragen an: Kathrin Stahl, Fotografin und Projektleiterin „Max ist Marie“

Fünf Freitagsfragen an Kathrin Stahl, Fotografin, über „Mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind“, ein Foto- und Textprojekt-Engagement über und für transidente Menschen. Ein Projekt, das mit einem Fotoshooting mit ihrer Tochter Marie begann, die einmal ihr Sohn war.

Kathrin StahlKathrin Stahl lebt mit ihrem Mann, ihren drei Kindern, Hund und Katze in Hamburg. Als Lifestyle-Fotografin ist sie in ganz Europa unterwegs. Sie liebt Spaziergänge im Wald, Lachen mit ihren Kindern, Abende mit Freunden, Schwimmen und die Sonne.
Mit ihrer freien dokumentarischen Arbeit „Max ist Marie oder mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind“ setzt sie sich dafür ein, dass die Thematik „Transidentität“ aus der Zoo-ähnlichen Exotik befreit und als das Alltägliche wahrgenommen wird, das es ist.

Rogate-Frage: Frau Stahl, Sie haben mit großem Gespür und behutsam das Fotoprojekt „Max ist Marie oder mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind“ ins Leben gerufen. Wie beschreiben Sie es jemandem, der von dem Thema noch nie etwas gehört hat?

Kathrin Stahl: „Max ist Marie“ ist ein Foto- und Text-Projekt für und über transidente Menschen. Es begann mit einem Fotoshooting meiner eigenen Tochter, die bis vor kurzem noch mein Sohn war.

„Max ist Marie“ handelt von Menschen, die im falschen Geschlecht geboren wurden. Menschen, die meist bereits als Kind merkten, dass sie anders sind, als all die anderen Jungs, all die anderen Mädchen, mit denen sie sich eigentlich doch identifizieren sollten. Mit denen sie spielen wollten und es doch nur konnten, wenn sie sich verstellten. Menschen, denen das „Sich-Verstellen“, das „Sich-Anpassen“ an das Geschlecht, in dem sie geboren wurden, ein Lebensmuster wurde, das unbeschreiblich viel Kraft kostet und aus dem sie irgendwann ausbrechen müssen, um überleben zu zu können.

Als Fotografin nähere ich mich dem Thema in Bildern. Ich zeige transidente Menschen in ihrem Umfeld, mit dem was ihnen wichtig ist im Leben. Es sind Menschen jeden Alters. Menschen, die sich mit 16 geoutet haben oder mit 63: „Ich lebe ab sofort als das, was ich bin – nicht mehr als Frau, sondern als Mann; nicht mehr als Mann, sondern als Frau.“
Für „Max ist Marie“ besuche ich transidente Menschen, die diesen Schritt gegangen sind, sei es vor Jahren, sei es vor kurzem. Meine Bilder zeigen die Menschen, die hinter der großen, für viele unbekannten Thematik „Transidentität“ (früher: „Transsexualität“) stehen. Menschen, die ganz normale Leben führen, wie wir alle, die nicht zu etwas Exotischem werden, dadurch, dass sie transident sind. Es sind Menschen, die studiert haben oder nicht, die Familie haben oder alleine leben, die den Trubel der Großstadt lieben oder die Ruhe auf dem Land: Sie alle darf ich für „Max ist Marie“ fotografieren und so in Bildern porträtieren. Die Bilder werden unterstützt von Texten. Sie erzählen mir und uns einerseits von beeindruckenden Lebenswegen, denen wir nur größten Respekt zollen können, andererseits aber auch von Alltäglichem, mit dem wir Menschen uns eben so beschäftigen.
In „Max ist Marie“ geht es mir darum, die trans* Thematik als das “Normale” zu zeigen, das es eben ist. Als etwas, das Menschen, die sich vorher nicht damit beschäftigt haben, verstehen können wollen und sollen. Etwas, das ganz einfach da ist, so wie es ist.

In diesem Projekt habe ich mich für eine schwarz-weiße Bildsprache entschieden. Diese spiegelt unser aller Schwarz-weiß-Denken wider, dass wir manchmal haben, wenn es um ein Anderssein geht. Auch soll nichts ablenken von dem, was wichtig ist und den Menschen ausmacht. Die Texte sollen einfühlsam den Menschen hinter der Geschichte zeigen.

Rogate-Frage: Wie war es, als Sie als Mutter erfuhren, dass ihr Sohn sich in seinem Körper und in seiner Rolle nicht zuhause fühlt? Was hat Ihnen geholfen?

Kathrin Stahl: Vor ein paar Jahren begann unser Kind, von dem wir dachten, es sei unser Sohn, nur noch geschminkt aus dem Haus zu gehen. Zum Ausgehen warf es sich in kurze Röcke und stöckelte auf High Heels davon. Anfangs dachten wir, er wolle uns damit provozieren.
Mit der Zeit wurde uns klar, dass das, was da geschah, mit Provokation nichts zu tun hatte: Unser Sohn war nicht unser Sohn, sondern unsere Tochter. Und das war keine Phase, die sich irgendwann wieder legen würde. Das „Verkleiden“ war kein Verkleiden, sondern das Leben der eigenen Identität. Es war also nicht so, dass wir irgendwann „erfuhren“, dass wir eine Tochter haben; vielmehr war es eine Entwicklung. Es war ein Weg, der uns am Anfang nicht leicht fiel; es gab Momente, in denen ich dachte, „alles hätte so einfach sein können“, nicht nur für uns, sondern besonders für unser Kind. Aber wer sagt denn, dass es einfacher gewesen wäre, wenn unser Sohn unser Sohn geblieben wäre. Es hätte so vieles andere passieren können.
Heute ist dieser Weg einer, den wir eben gehen, der für uns als Familie so vorgesehen war. Einer, der uns bereichert und uns den Blick für das Wesentliche im Leben öffnet. Schmerzvoll ist es, wenn das eigene Kind fast täglich von neuen Verletzungen erzählt. Verletzungen der Seele durch Menschen, die verletzend sind, weil sie kein Interesse daran haben, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, das nicht in ihre Welt gehört.

Am meisten hat mir auf diesem Weg Maries Offenheit geholfen. Wir haben viel geredet und tun das noch immer. Weder damals noch heute bin ich zu Beratungsstellen gegangen und war auch nicht in Internetforen unterwegs. Gespräche mit Freunden waren und sind sehr wertvoll, auch und gerade wenn sie sich selber bisher gar nicht mit dem Thema Transidentität befasst haben. Sie lenken den Blick auf das Menschliche, weg vom Thema „Transidentität“ und das ist es doch eigentlich worum es geht.

Rogate-Frage: Was war der Anfang des Fotoprojektes und was macht es mit Ihnen und Ihrer Familie?

Kathrin Stahl: Wir, und insbesondere natürlich unsere Tochter, hatten, seit „Transidentität“ Teil unserer Familie ist, so viel erlebt. So viel Verletzendes musste unsere Tochter erfahren, nicht nur durch Menschen, sondern auch durch Institutionen wie der Krankenkasse.
Es musste doch eine Möglichkeit geben muss, wenigstens etwas Kleines zu bewegen. Der Gedanke, dass man der Welt irgendwie zeigen müsse, wie es Transgender-Menschen (er)geht, ließ mich nicht mehr los. Da Bilder meine Sprache sind, entwickelte sich die Idee zu einem einfühlsamen Fotoprojekt. Unterlegt mit Texten. Anfang des Jahres fragte ich unsere Tochter, was sie davon hielte, wenn ich ein Fotoprojekt zum Thema „Transgender“ machen würde. Ich glaube, Marie freute sich darüber, dass ich mit „ihrem Thema“ derart intensiv auseinander setzen wollte. Gleichzeitig hatte sie Bedenken, dass sich nicht genügend transidente Menschen finden würden, die bereit wären, sich fotografieren und interviewen zu lassen. Und sie hatte Sorge, dass sich das Projekt negativ auf meine Buchungen als Kinder- und Hochzeitsfotografin auswirken könnte.

Wir begannen vorsichtig mit einer Bildstrecke über Marie. Und waren und sind völlig überwältigt von dem, was nach der Veröffentlichung im Blog passierte: In den Stunden danach explodierte mein Maileingang förmlich. Viele „meiner“ Brautpaare schrieben mir wunderschöne anerkennende Zeilen. Es gab Interviewanfragen von verschiedensten Seiten. Über 50 transidente Menschen schrieben mir und möchten unser Projekt mit ihrem Porträt unterstützen. Es gab unzählige Kommentare unter dem Blogeintrag. Kein einziges negatives Wort.
Die Gespräche, die ich bisher mit anderen transidenten Menschen führen durfte, bewegen mich sehr. Sie zeigen mir, wieviel Kraft manche Menschen zum Leben brauchen. Es sind sehr hoffnungsvolle Gespräche mit einem nach vorne gerichteten Blick. Ich bin sehr dankbar dafür, so viel Offenheit erleben zu dürfen. Marie und mich hat das Projekt noch näher zusammen geführt. Der ganzen Familie hilft es, sich noch intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen und besser zu verstehen, was Marie bewegt und wie wir sie unterstützen können.

Rogate-Frage: Wie ist es für Menschen mit transidentem Hintergrund, sich in unserer Gesellschaft zu bewegen? Was könnte gesellschaftlich helfen, um das Thema Transgender besser zu transportieren und um zur Akzeptanz beizutragen?

Kathrin Stahl: Die Menschen, die ich bisher für  „Max ist Marie“ kennenlernen durfte, berichten viel von Unterstützung aus ihrem Umfeld. Auch von völlig unerwarteter Seite bekommen sie Akzeptanz und Anerkennung. Viele Menschen sind offen und neugierig, möchten mehr wissen, fragen nach.

Leider ist aber auch zu häufig die Rede von Freunden, die den Weg nicht mitgehen konnten, von Eltern, die die „Verwandlung“ als persönlichen Angriff verstanden und von ihrem Kind nichts mehr wissen möchten, von Geschwistern, die sich abwendeten. Von Freunden, die den Weg nicht mitgehen konnten. Offensichtlich haben wir Menschen die Tendenz das Anderssein eines Menschen als Bedrohung zu empfinden. Die Abwehr erfolgt in Form von Ausstoßen.
Das Gefühl der Bedrohung entsteht wohl zumeist aus Unwissenheit heraus. Wer glaubt, ein Mann, der „beschließt zur Frau“ zu werden, tue das aus einer freien Entscheidung heraus, kann nicht verstehen, welche Kämpfe in diesem Menschen vor sich gehen. Es fehlt das Wissen, dass transidente Menschen sich diesen Weg nicht ausgesucht haben. Das einzige, was hier helfen kann, ist Aufklärung. Einige transidente Menschen sind auf dem Gebiet der Aufklärung sehr aktiv unterwegs; den meisten aber fehlt die Kraft dazu, da der Kampf um die eigene Identität zuviel Lebensenergie frisst. Die, die Kraft noch haben, kämpfen nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene, sondern auch und vor allem in der Politik: Viel Leiden wird verursacht durch Gesetzestexte, die Behandlungen verweigern, die entwürdigende Gutachten fordern.
Um nur einen kleinen Einblick in einen der Missstände zu geben, möchte ich an dieser Stelle eine der Transfrauen zitieren, die sich von mir für „Max ist Marie“ hat porträtieren lassen: „Das deutsche Gesetz zur Personenstandsänderung ist eine Katastrophe. Es entspricht nicht den Vorgaben der EU. Auch hat das Bundesverfassungsgericht fast das komplette sogenannte Transsexuellengesetz wegen Verfassungswidrigkeit in den meisten Paragraphen für ungültig erklärt und den Gesetzgeber zum Handeln aufgefordert. Das wurde schon häufig angemahnt und nichts ist passiert. So reicht es bis heute nicht aus, mit den entsprechenden Diagnosen und Indikationen von Ärzten und Psychologen, die für medizinische Massnahmen und operative Eingriffe erforderlich sind, eine Vornamens- und Personenstandsänderung (VÄ/PÄ) vor Gericht amtlich bestätigt zu bekommen. Der Staat benötigt zusätzliche Gutachten, die man in Größenordnungen von bis zu 4000,- EUR selbst bezahlen muss. Die Bedingungen für medizinische Massnahmen, die die Krankenkassen übernehmen und die bereits schon recht restriktiv sind, stehen in keinem Verhältnis zu den Bedingungen für eine VÄ/PÄ. “
Ausnahmslos jeder der transidenten Menschen, mit denen ich bisher geredet habe, erzählt außerdem von Schikanen durch ihre oder seine Krankenkasse. Gesetzlich mögliche, seelisch aber unvertretbare Zeitspannen werden ausgereizt, für das seelische Wohlergehen notwendige Behandlungen werden verweigert. Es ist die Rede von Krankenkassenmitarbeiter, die schikanieren, die auf Paragraphen herumreiten, an Stellen, an denen sie Spielraum hätten. Erzählt wird von Psychologen, die Gutachten nicht rechtzeitig fertig stellen. Von Endokrinologen, die notwendige Medikamente nicht verschreiben. Wieviel Energie der Kampf mit diesen Schikanen kostet, kann man sich nicht vorstellen. Da muss sich ganz viel ändern.

Mit „Max ist Marie“ möchte ich zusammen mit allen transidenten Menschen, die sich an diesem Projekt beteiligen, einen Schritt gehen, um die gesellschaftliche Akzeptanz durch Verständnis zu erhöhen. Unser Projekt soll ein zartes, mitfühlendes sein, fern aller Polemik. Aus den Bildstrecken und Interviews wird ein Bildband entstehen (ein Verleger wird noch gesucht), auch Ausstellungen möchte ich realisieren. Wenn die Bilder und Texte helfen, dass eine Mutter ihr transidentes Kind versteht und es so annehmen kann, wie es ist, dass ein Freund unterstützen kann, weil er die Hintergründe sieht, dass ein Krankenkassenmitarbeiter einen Antrag genehmigt, weil er das Leid und den Menschen hinter dem Antrag sieht, wenn jemand, der sich noch nie mit dem Thema Transidentität beschäftigt hat, neugierig wird auf und offen für Menschen, die diesen Weg gehen (müssen), hat das Projekt das erreicht, was wir uns erhofft haben.

Rogate-Frage: Welche Erfahrungen haben Sie mit der Kirche in dieser Frage gemacht und was wünschen Sie sich von der Kirche?

Kathrin Stahl: Wir sind sehr positiv überrascht von einzelnen Aktionen, die von der Kirche durchgeführt werden, um den Hass auf ein Anderssein zu thematisieren. Sicher werden durch Diskussionskreise Menschen aufgeweckt und mitgenommen, die sonst wohl nicht offen für solche Themen wären.
Ansonsten haben wir eher den Eindruck von einem „Dass nicht sein kann, was nicht sein darf“. Hier würden wir uns natürlich eine klare offene Linie von der Kirche als Gesamtheit wünschen, eine, die in den Gemeinden vertreten wird, die noch mehr Menschen neugierig macht auf die Vielfalt der Menschheit.

Rogate: Vielen Dank, Frau Stahl, für das Gespräch!

Mehr Informationen finden Sie hier: Max ist Marie

Mehr zum Thema hier:

  • Dr. Gerhard Schreiber, Dozent für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt, über Transsexualität als Thema der Theologie, den Variationsreichtum des Lebens und die wirkmächtige, aber problematische Lehre von den Schöpfungsordnungen.
  • Benjamin Melzer, Transgender-Mann und „Men’s Health“-Covermodel, über den Weg von einer Frau zum Mann und die Notwendigkeit, öffentlich zu werden.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Sonnabend, 8. November 2014 | 12:00 Uhr, Andacht für Trauernde: Mit Eucharistie Andacht für Trauerndeund Gräbersegnung, Neuer-Zwölf-Apostel-Kirchhof, Werdauer Weg 5, S Schöneberg. Mit der Alt-katholischen Gemeinde Berlin. Organist: Malte Mevissen. Predigt: Dekan Ulf-Martin Schmidt.
  • Dienstag, 11. November 2014 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet, in der Kapelle der Kirche
  • Donnerstag, 13. November 2014 | 19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet, in der Kapelle der Kirche
  • Dienstag, 18. November 2014 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet, in der Kapelle der Kirche

Fünf Fragen an: Christina Obermüller, Online-Suizidprävention [U25] der Caritas Berlin

Christina Obermüller. Foto: Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V.Fünf Fragen an Christina Obermüller, Online-Suizidprävention [U25] im
Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V., zum Welttag der Suizidprävention am 10. September, über die zweithäufigste Todesursache junger Menschen und Auswege aus den Abschiedsgedanken.

Christina Obermüller kam in Sachsen-Anhalt zur Welt und studierte in Hildesheim Soziale Arbeit.

Rogate-Frage: Frau Obermüller, von welchen Zahlen gehen Sie aus, wenn es um versuchte und vollzogene Selbsttötungen in Berlin und im Bundesgebiet geht?

Christina Obermüller: Etwa 10 000 Menschen nehmen sich in Deutschland jedes Jahr das Leben. Es gibt eine hohe Dunkelziffer. Experten schätzen 100 000 – 200 000 Suizidversuche pro Jahr. In Berlin verlieren wir jedes Jahr etwa 350 Menschen durch Selbsttötung.

Rogate-Frage: Was ist „[U25] Berlin“?

Christina Obermüller: „[U25] Berlin“ ist eine Online-Beratungsstelle für suizidgefährdete Jugendliche unter 25 Jahren. Hier beraten allerdings keine professionellen Berater sondern junge Ehrenamtliche, die selbst erst zwischen 16 und 25 Jahre sind und speziell für die Beratung ausgebildet werden. Das Angebot ist anonym und der Kontakt findet ausschließlich per Mail statt.

Rogate-Frage: Was ist das Besondere an dieser Arbeit mit jungen Menschen? Und warum engagiert sich die Caritas hier besonders?

Christina Obermüller: Nur Wenige wissen, dass Suizid die zweithäufigste Todesursache junger Menschen unter 25 in Deutschland ist. Jeden Tag versuchen nach Expertenschätzungen etwa 40 Unter-25-Jährige, sich das Leben zu nehmen. [U25] ist ein, auf diese Altersgruppe zugeschnittenes Angebot, wo dank der völligen Anonymität vieles ausgesprochen werden kann, was woanders keine Platz hätte. An den Nutzerzahlen von [U25] Berlin sieht man, dass das Angebot die jungen Menschen erreicht: Wir beraten monatlich etwa 50 Ratsuchende.

Rogate-Frage: Allgemein wird gelegentlich behauptet, dass ein Suizid nicht zu verhindern sei bei Menschen, die ihn tatsächlich vorhaben. Was ist an dieser Aussage dran?

Christina Obermüller: Nur die wenigsten Menschen mit Suizidgedanken gelangen für sich zu einem klaren Entschluss für den Suizid. In den allermeisten Fällen ist bis zum Suizidversuch eine starke Ambivalenz vorhanden und oftmals handelt es sich nicht einmal um den expliziten Wunsch, tot zu sein als vielmehr um die Sehnsucht, das bisherige Leben nicht mehr weiterführen zu müssen.

Die Beraterinnen und Berater bei [U25] Berlin greifen häufig genau diese Ambivalenz auf und versuchen gemeinsam mit den Ratsuchenden zu schauen, ob es neben dem Suizid und der Weiterführung des bisherigen Lebens eventuell noch einen anderen Weg gibt.

Rogate-Frage: Am kommenden Mittwoch, am 10. September, beteiligen Sie sich an einer Aktion vor dem Brandenburger Tor anlässlich des Welttages der Suizidprävention. Das Rogate-Kloster unterstützt die Aktion „600Leben“. Was ist dort geplant und welche Aussage soll die Öffentlichkeit erreichen?

Christina Obermüller: Jährlich sterben in Deutschland ca. 600 junge Menschen durch eigene Hand. Wir finden, dass das eine erschreckend hohe Zahl ist. Die Aktion am 10. September 2014 soll auf diesen in der Öffentlichkeit kaum präsenten Fakt aufmerksam machen und läuft folgerichtig unter dem Titel „600 Leben – Gemeinsam 600leben.deSuizide verhindern“. Konkret ist geplant, dass sich 600 Menschen symbolisch zu Boden sinken lassen, um die schiere Zahl „600“ zu versinnbildlichen. Über eine zugehörige Aktionswebseite sollen Fakten und Hintergrundinformationen gegeben sowie zum täglichen „Nicht-Wegschauen“ angeregt werden. Weitere Informationen gibt es auf 600leben.de.

Rogate: Vielen Dank, Frau Obermüller, für das Gespräch!

Mehr Infos finden Sie hier: u25-berlin.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Donnerstag, 4. Sept. 14 |19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Sonnabend, 6. September |18:00 Uhr, musikalische Vesper mit dem «Gamle Oslo kro og kirkekor». Gemeinsam veranstaltet mit der Norwegischen Kirche in Berlin (Sjømannskirken).
  • Dienstag, 9. September 14 |19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 11. Sept. |19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachgebet