Ökumene: Alt-Katholisches Bistum erkennt Rogate-Kloster an

Das Katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland erkennt zum 1. November das 2010 gegründete Rogate-Kloster St. Michael zu Berlin als ökumenische geistliche Gemeinschaft an.

Bildschirmfoto 2014-07-08 um 12.21.27

Bischof Dr. Matthias Ring (Bild: Bistum der Alt-Katholiken)

Bischof Dr. Matthias Ring: „Diese Anerkennung ist einerseits Zeichen gelebter Ökumene und andererseits Ausdruck der gewachsenen vertrauensvollen Gemeinschaft zwischen dem alt-katholischen Bistum, seiner Gemeinde Berlin und dem Rogate-Kloster Sankt Michael.“

Mit der Anerkennung verbunden ist das Recht des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken auf Visitation des Klosters. Finanzielle Verpflichtungen seitens des Katholischen Bistums bestehen nicht. Die bereits getroffenen Vereinbarungen seitens der EKBO mit dem Rogate-Kloster werden mit der Vereinbarung nicht aufgehoben.

Die öffentliche Unterzeichnung der Vereinbarung erfolgt an Allerheiligen, 1. November 2016, in einer Ökumenischen Eucharistie, an der Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Kirchen, aus der Ökumene, aus Politik und verschiedenen Organisationen teilnehmen.

Bereits 2013 hatte die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) die Gemeinschaft anerkannt. Seit der Gründung ist das Kloster im Verbund des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Das Kloster besteht aus einer Gottesdienstgemeinschaft von Christen, die aus lutherischer, reformierter und katholischer Tradition kommen. Sie zielt darauf, einen Konvent gemeinsamen Lebens und Arbeitens zu entwickeln. Es will „gegenseitig und den Einzelnen dabei unterstützen, den Weg mit Gott zu gehen“. Die Gemeinschaft ist zu Gast in der Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, wo sie zu öffentlichen Gottesdiensten einlädt.

WillkommenAllerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie mit Bischof Dr. Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, Evangelische Kirche Berlin – Brandenburg – schlesische Oberlausitz (EKBO), Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, Tempelhof-Schöneberg, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert, Tempelhof-Schöneberg, und Bundestagsabgeordnerter Volker Beck, Köln. Chor: „Mixed Martinis – Gospel & more“, Tegel. Orgel: Manuel Rösler

2016-11-01-einladung

Pressespiegel: „Berliner Klöster – Diesseits von Eden“, rbb-Fernsehen

Am Sonnabend, 28. Mai 2016, sendete der Rundfunk Berlin-Brandenburg um 18:32 Uhr in seinem Fernseh-Programm:

Die rbb Reporter – Berliner Klöster – Diesseits von Eden
Ein Film von Dagmar Bednarek und Antje Tiemeyer

Bildschirmfoto 2016-05-28 um 22.01.26In der Hauptstadt gibt es neben den traditionellen, katholischen Ordensgemeinschaften der Franziskaner und Dominikaner auch evangelische und sogar ökumenische Klöster, in denen Familien, Singles, Studenten und zölibatäre Patres und Schwestern zusammen wohnen. Die rbb Reporter der Abendschau stellen verschiedene Klostergemeinschaften vor, wie das Stadtkloster Segen im Prenzlauer Berg sowie das Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin in Schöneberg.
Das Wort „Kloster“ kommt von „claustrum“ – einem verschlossenen Raum. Diese Art Kloster gibt es in Berlin nur vereinzelt. Die Steyler Anbetungsschwestern gehören dazu. Die Ordensgemeinschaft lebt gänzlich abgeschieden von der Welt in ihrem Kloster in Westend.

Den Film finden Sie in voller Länge hier.

TV-Tipp: „Berliner Klöster – Diesseits von Eden“, rbb, 28. Mai, 18:30 Uhr

Am Sonnabend, 28. Mai 2016, sendet der Rundfunk Berlin-Brandenburg um 18:32 Uhr in seinem Fernseh-Programm:

„Die rbb Reporter – Berliner Klöster – Diesseits von Eden
Ein Film von Dagmar Bednarek und Antje Tiemeyer

Bildschirmfoto 2016-03-21 um 21.21.58

Teile des Films zeigte der rbb bereits zu Ostern

In der Hauptstadt gibt es neben den traditionellen, katholischen Ordensgemeinschaften der Franziskaner und Dominikaner auch evangelische und sogar ökumenische Klöster, in denen Familien, Singles, Studenten und zölibatäre Patres und Schwestern zusammen wohnen. Die rbb Reporter der Abendschau stellen verschiedene Klostergemeinschaften vor, wie das Stadtkloster Segen im Prenzlauer Berg sowie das Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin in Schöneberg.
Das Wort „Kloster“ kommt von „claustrum“ – einem verschlossenen Raum. Diese Art Kloster gibt es in Berlin nur vereinzelt. Die Steyler Anbetungsschwestern gehören dazu. Die Ordensgemeinschaft lebt gänzlich abgeschieden von der Welt in ihrem Kloster in Westend.

Weitere Informationen hier.

Fünf Fragen an: Dr. Heiner Koch, Erzbischof des Erzbistums Berlin

Fünf Freitagsfragen an Dr. Heiner Koch, Erzbischof von Berlin, über die Begegnung mit trans- und homosexuellen Flüchtlingen, das Verhältnis der katholischen Kirche zu ihnen und das Engegament seines Bistums gegen Gewalt.

2015-07-09_EB-Koch-Portrait_154n

Erzbischof Dr. Heiner Koch (Bild: Erzbistum Berlin)

Erzbischof Dr. Koch stammt aus Düsseldorf. Seine Promotion trägt den Titel: „Befreiung zum Sein als Grundperspektive christlicher Religionspädagogik“. Nach seiner Priesterweihe am 13. Juni 1980 arbeitete er zunächst in der Seelsorge, bevor er ins Erzbischöfliche Generalvikariat Köln wechselte. Dort war er erst in der Erwachsenenseelsorge tätig und dann Leiter der Hauptabteilung Seelsorge. Papst Johannes Paul II. ernannte Koch am 19. September 1993 zum Kaplan Seiner Heiligkeit (Monsignore), und am 10. Februar 1996 zum Päpstlichen Ehrenprälaten. Nach seiner Priesterweihe am 13. Juni 1980 arbeitete er zunächst in der Seelsorge, bevor er ins Erzbischöfliche Generalvikariat Köln wechselte. Von 2002 bis 2005 leitete Heiner Koch als Generalsekretär die Vorbereitung und Durchführung des Weltjugendtags in Köln.

Seit Februar 2010 ist Dr. Heiner Koch als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Katholische Deutsche Auslandsseelsorge zuständig. Seit Januar 2013 war er der 49. Bischof des Bistums Dresden-Meißen. Zum Erzbischof von Berlin ernannt am 8. Juni 2015. Als zehnter Bischof des Erzbistums Berlin hat Verbindungen zu dreien seiner Vorgänger: Mit Kardinal Woelki zusammen war er Weihbischof im Erzbistum Köln unter Kardinal Meisner. Mit Kardinal Sterzinsky arbeitete er schon als Weihbischof in der Familienkommission der Deutschen Bischofskonferenz, ihm folgte er als Vorsitzender dieser Kommission nach.

Rogate-Frage: Herr Erzbischof Dr. Koch, Sie haben sich im Januar mit geflüchteten trans- und homosexuellen Menschen im Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule (MILES) getroffen. Wie kam es zu dieser besonderen Begegnung?

Heiner Koch: Nach meinem Einführungsgottesdienst in Berlin sprach mich ein Mann an, der aus seiner Heimat wegen der kriegerischen Zustände und wegen seiner homosexuellen Prägung fliehen musste. Es sei ihm nicht mehr möglich, in seiner Heimat in Menschenwürde und Freiheit zu überleben und zu leben. Diese Begegnung wurde in mir wieder lebendig, als ich vom Engagement unseres Caritas-Verbandes für die Flüchtlinge und auch für homosexuelle Menschen erfuhr. Es war mein Anliegen, die betroffenen Menschen zu treffen und von ihrem Leben zu hören.

Rogate-Frage: Was hat Sie bewegt?

Heiner Koch: Die Schilderung der kriegerischen Auseinandersetzung und die Dramatik der Flucht vieler Flüchtlinge sind erschütternd. Es hat mich aber auch zutiefst bewegt, wenn Menschen mir erzählen, dass sie aufgrund ihrer sexuellen Prägung von Mitflüchtlingen verbal und tätlich angegangen werden und für ihre besondere Notsituation auch bei unseren Behörden und Sicherheitskräften oft nur ein geringes Verständnis finden. Es hat mich sehr bewegt, dass eine junge Frau an meiner Seite bei diesem Gespräch einen Weinkrampf bekam.

Rogate-Frage: Was muss sich ändern, damit sich die Situation dieser Flüchtlingsgruppe verbessert? Was können Sie als Bischof und katholische Kirche konkret tun?

Heiner Koch: Ich habe mir vorgenommen, Politik und Kirche auf die besondere Problematik solcher Flüchtlinge hinzuweisen. Unsere Caritas will sich dafür einsetzen, dass die Betreiber von Unterkünften sowie Sicherheitsfirmen auf die Probleme homosexueller und transgeschlechtlicher Flüchtlinge Rücksicht nehmen.

Rogate-Frage: Das Verhältnis der römisch-katholischen Kirche zu Menschen mit homosexueller Identität ist nicht einfach. Wird sich daran etwas spürbar ändern?

Heiner Koch: Die katholische Kirche vertritt ein ganzheitliches Verständnis menschlicher Sexualität: Sie gehört zum Wesen des Menschen und Persönlichkeit. Sie ist in ihrer Polarität auf besondere Lebensgemeinschaft von Mann und Frau ausgerichtet und ist integriert in die wachsende und reifende Verbindlichkeit zweier Menschen: Je tiefer diese Verbindlichkeit wird, umso intensiver soll auch die Sexualität gelebt werden, Sexualität soll nicht unverbindlich sein. Sexualität ist für uns Christen auch Teilhabe an der Schöpfungswirklichkeit Gottes und dient auch der Weitergabe des menschlichen Lebens. Die Sexualität zwischen zwei Menschen soll ihre größte Dichte erfahren, wenn zwei Menschen sich ihre größte Verbindlichkeit versprechen: Du kannst Dich auf mich ein Leben lang verlassen. Wenn zwei Menschen in ihrer größten Freiheit dieses Versprechen einander geben und ihre Sexualität die größte Tiefe erreicht, ist der Punkt gekommen, dass zwei Menschen auch die geistliche Dimension der Sexualität leben und sich das Ehesakrament spenden: In ihrer Liebe ist Christus gegenwärtig und sie leben in ihrer Ehe und Familie die Gegenwart Christi und der Kirche in dieser Welt. Ich weiß, dass dieses ganzheitliche Verständnis von Sexualität von vielen Menschen in unserer Gesellschaft nicht geteilt wird. Diese Differenz sehe ich aber zu vielen Menschen heterosexueller Prägung genauso zu vielen Menschen homosexueller Prägung. Auf jeden Fall aber gilt, dass die Würde eines Menschen unantastbar ist, unabhängig von seiner sexuellen Prägung. Dazu stehen wir Christen, gerade weil wir in jedem Menschen Christus sehen und wir ihn als gutes Geschöpf Gottes hochachten. Dass auch Christen und die Kirche im Hinblick auf trans- und homosexuelle Menschen Schuld auf sich geladen haben, ist unbezweifelbar. Allerdings darf dies nicht missverstanden werden in dem Sinne, dass wir alle Weisen der Menschen, ihre Sexualität zu gestalten, gleichermaßen wertschätzen. Hier wird es auch in Zukunft deutliche Auseinandersetzungen geben. Sie in gegenseitiger Hochachtung und Wertschätzung zu führen, ist die Herausforderung.

Rogate-Frage: Manche evangelischen Kirchen haben sich zu einer Schuld an der Verfolgung und Ausgrenzung von trans- und homosexuellen Menschen in Vergangenheit und Gegenwart bekannt und um Vergebung gebeten. Ist so etwas von römisch-katholischer Seite denkbar?

Heiner Koch: Schon Papst Johannes Paul II hat unmissverständlich klar gemacht, dass da, wo Menschen wegen ihrer sexuellen Neigung oder Identität verfolgt, vertrieben, eingesperrt oder sogar mit dem Tode bedroht sind, die katholische Kirche ihre Stimme erheben und widersprechen muss. Das ist der Maßstab unseres Handelns.

Rogate: Vielen Dank, Herr Erzbischof Dr. Koch, für das Gespräch!

Weitere Informationen finden Sie hier: Erzbistum Berlin

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 1. März 16 | 19:00 Uhr, Eucharistie „Brot und Liebe“, in der Kapelle (Sakristei)
  • Donnerstag, 3. März 16 | 19:30 Uhr, Andacht “Die sieben Worte Jesu am Kreuz”, in der Kapelle (Sakristei)
  • Dienstag, 8. März 16 | 19:00 Uhr, PassionsvesperGroßes Herz. Sieben Wochen ohne Enge” mit Vikarin Tanja Pilger-Janßen, Zwölf-Apostel-Gemeinde
  • Donnerstag, 10. März 16 | 19:30 Uhr, Komplet in der Passionszeit, Nachtgebet in der Kapelle (Sakristei)
  • Dienstag, 15. März 16 | 19:00 Uhr, PassionsvesperGroßes Herz. Sieben Wochen ohne Enge” mit Superintendent Uwe Simon, Kirchenkreis Oberes Havelland.
  • Hier unser Monatsplan März 2016. Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Dr. Heiner Koch, Erzbischof im Erzbistum Berlin

Fünf Freitagsfragen an Erzbischof Dr. Heiner Koch, Erzbistum Berlin, über den Ruf eines Kölners in die Hauptstadt, die Angst vor Fremden und das Verständnis des römisch-katholischen Ehesakramentes.

Erzbischof Dr. Heiner Koch (Bild: Erzbistum Berlin)

Bischof Dr. Koch stammt aus Düsseldorf. Seine Promotion trägt den Titel: „Befreiung zum Sein als Grundperspektive christlicher Religionspädagogik“. Nach seiner Priesterweihe am 13. Juni 1980 arbeitete er zunächst in der Seelsorge, bevor er ins Erzbischöfliche Generalvikariat Köln wechselte. Dort war er erst in der Erwachsenenseelsorge tätig und dann Leiter der Hauptabteilung Seelsorge. Papst Johannes Paul II. ernannte Koch am 19. September 1993 zum Kaplan Seiner Heiligkeit (Monsignore), und am 10. Februar 1996 zum Päpstlichen Ehrenprälaten. Nach seiner Priesterweihe am 13. Juni 1980 arbeitete er zunächst in der Seelsorge, bevor er ins Erzbischöfliche Generalvikariat Köln wechselte. Von 2002 bis 2005 leitete Heiner Koch als Generalsekretär die Vorbereitung und Durchführung des Weltjugendtags in Köln.

Seit Februar 2010 ist Dr. Heiner Koch als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Katholische Deutsche Auslandsseelsorge zuständig. Seit Januar 2013 war er der 49. Bischof des Bistums Dresden-Meißen. Zum Erzbischof von Berlin ernannt am 8. Juni 2015. Als zehnter Bischof des Erzbistums Berlin hat Verbindungen zu dreien seiner Vorgänger: Mit Kardinal Woelki zusammen war er Weihbischof im Erzbistum Köln unter Kardinal Meisner. Mit Kardinal Sterzinsky arbeitete er schon als Weihbischof in der Familienkommission der Deutschen Bischofskonferenz, ihm folgte er als Vorsitzender dieser Kommission nach.

Rogate-Frage: Herr Bischof Dr. Koch, Segens- und Glückwünsche Ihnen zur Ernennung zum Erzbischof von Berlin! Muss man eigentlich mal im Erzbistum Köln gewesen sein, um in der Kirche Karriere zu machen? Und verstehen Sie die Kritik von Bischof Dr. Gerhard Feige an den drei Wechseln in der Leitung ostdeutscher Bistümer?

Heiner Koch: Jahrzehntelang wurde kein Kölner in das Amt eines Diözesanbischofs berufen. Wenn heute Domkapitel einen Kölner als Bischof wählen, so bin ich überzeugt, dass sie es nicht tun, weil der Betreffende ein Kölner ist, sondern weil sie überzeugt sind, dass dieser geeignet für die Leitung ihres Bistums ist. Was meine Berufung nach Berlin betrifft, so liegt ein wesentlicher Unterschied zu früheren Berufungen darin, dass ich nicht aus dem Osten Deutschlands weggerufen werde, sondern im Osten Deutschlands bleibe. Mir wurde die Leitung der einzigen Kirchenprovinz anvertraut, der nur ostdeutsche Diözesen angehören, von denen ich bislang eine selbst leitete. Wenn das kein Zeichen für Kontinuität ist! Sicherlich, ich wäre auch gerne in Dresden geblieben bei den Menschen, die mich sehr herzlich aufgenommen haben und mit denen zusammen ich noch vieles auf den Weg bringen wollte. Nichtsdestoweniger sehe ich meiner neuen Aufgabe in Berlin nun mit tiefer Bereitschaft und großer Spannung entgegen.

Rogate-Frage: Sie haben in Dresden das zeitweise Erstarken von Pegida erlebt. Aktuell gibt es in Ihrem Bundesland vermehrt Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte. Warum ist die Angst vor Fremden und Minderheiten in Sachsen so groß und wie können Kirche und Christen darauf reagieren?

Heiner Koch: Ich weiß nicht, ob die Angst vor Fremden und Minderheiten in Sachsen viel größer ist als in anderen Bundesländern. Zu den wöchentlichen Pegida-Demonstrationen in Dresden kamen Busse aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Bei diesen zusammengeführten Großdemonstrationen konnte man sich in Dresden der bundesweiten Medienaufmerksamkeit sicher sein. Leider wurde aber bundesweit kaum über die vielen Aktionen in Sachsen für Fremde und Migranten berichtet. Auch unsere Kirchengemeinden waren da sehr aktiv. Nichtsdestoweniger: Die Angst und die Ablehnung von Fremden macht mir große Sorge. Aber Angst ist nicht zu überwinden durch einen moralischen Zeigefinger oder durch politischen Druck. Da muss man einfühlsam in die Tiefe der Seelen der Menschen gehen. Das ist mühsamer als die Abgabe großer Erklärungen.

Rogate-Frage: Ihre neue Heimat Berlin gilt als liberal und weltoffen. Die kirchliche Landschaft ist zwar vielfältig, aber die Stadt und ihre Menschen gelten als kirchenfern. Mit welchem Ansatz wollen Sie den Berliner Bischofssitz einnehmen und die Kirche prägen? 

Heiner Koch: Als liberal und weltoffen versteht sich auch meine frühere Wirkungsstadt Köln. Dies ist ohnehin eine Grundhaltung, die voll im Mainstream liegt, zu dem jeder gehören will. Ich freue mich aber auf diese Haltung der Menschen in Berlin, weil sie uns als Christen in der Minderheit auch die Möglichkeit eröffnet, offen und aufmerksam wahrgenommen zu werden, auch mit unserem Profil und unseren Einstellungen, die viele nicht teilen. Mir haben allerdings auch manche Berliner schon gesagt, dass ich in Berlin nicht mit der Großherzigkeit der Rheinländer und der Sachsen rechnen könnte. Aber ich hoffe auf sie. Im Übrigen komme ich nicht mit einem fertigen Konzept. Ich werde zunächst auf die Erfahrungen und Überlegungen der Katholiken in Berlin, Brandenburg und Vorpommern hören und meine Erfahrungen in unser Miteinander einbringen. Ich komme aus dem Bistum Dresden-Meißen, in dem es prozentual nicht einmal halb so viele Katholiken gibt wie in der Stadt Berlin. Ich bin voller Erwartung, von den Berliner Katholikinnen und Katholiken zu erfahren, wie sie mit dieser großen Zahl Katholiken in ihrer Stadt und auch im Zusammenwirken mit den evangelischen Christen den Auftrag erfüllen, den Jesus in seinen letzten Worten den Jüngern damals und uns heute anvertraut hat: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ (Mt. 28,19 bis 20). Ich bin gespannt zu sehen, welche Erfahrungen sie mit diesem Auftrag gemacht haben. Mindestens genauso interessiert bin ich aber daran, wie die kleine Zahl der Katholiken in Vorpommern und Brandenburg, die nun wirklich Diaspora in der Diaspora sind, ihre Sendung erfüllen.

Rogate-Frage: Aktuell wird die Öffnung der staatlichen Ehe diskutiert und die „Ehe für Alle“ gefordert. Kardinal-Staatssekretär Parolin aus dem Vatikan nannte das irische Ja eine „Niederlage für die Menschheit“. Die Mitglieder der Berliner CDU haben sich jüngst mehrheitlich gegen eine Eheöffnung ausgesprochen. Ist es nicht ein Widerspruch, dass die Kirche für andere Minderheiten (zum Beispiel Flüchtlinge, ethnische Gruppen etc.) gleiche Rechte und Schutz fordert, aber für gleichgeschlechtliche Paare eine staatliche Gleichbehandlung vehement ablehnt? Warum?

Heiner Koch: Was verstehen Sie unter dem Begriff „Ehe“? Für uns Katholiken ist die Ehe ein Sakrament, das sich Mann und Frau spenden, die bereit sind, Vater und Mutter für ihre Kinder zu werden, sofern es ihnen möglich ist, und die sich ein Leben lang Zeit nehmen, miteinander als Eheleute und Familie lieben zu lernen. Dieses unser Verständnis der Ehe unterscheidet sich wesentlich vom Verständnis der Ehe der meisten Bundesbürger. Manche halten eine lebenslange Bindung für die Ehe nicht für wesentlich, andere wollen grundsätzlich nicht Vater oder Mutter werden, wieder andere sagen, in der Ehe müssten auch nicht Mann und Frau zusammengefügt sein. Solange wir so unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was der Begriff Ehe eigentlich meint, werden wir auch zu konkret unterschiedlichen politischen und rechtlichen Schlussfolgerungen kommen. Das Wort „Ehe“ ist heute so undifferenziert gebraucht, dass es für differenzierte Diskussionen kaum noch geeignet ist: Zu viele verstehen zu viel Unterschiedliches unter diesem Begriff. Ich bin für Differenzierung. Das Differenzierte soll auch differenziert bezeichnet und behandelt werden. Es lebe die Differenz! Das hat nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern mit der Vielfalt des Lebens.

Rogate-Frage: Papst Franziskus hat ein Jahr der Barmherzigkeit für das kommende Kirchenjahr ausgerufen. Was ist Barmherzigkeit für Christen? Kann die Kirche barmherzig sein? Wie?

Heiner Koch: Die Barmherzigkeit ist ein Wesenszug Gottes, wie ihn Jesus Christus gezeigt und gelebt hat: Mensch, du fällst nie aus der Liebe meines Herzens heraus. Ich habe ein Herz für dich, jetzt in deinem Leben und in der Stunde deines Todes. Auch dann lasse ich dich nicht fallen, deshalb wirst du in Ewigkeit leben. Die Barmherzigkeit ist in unserem Glauben also zunächst das Leben, das wir von Gott geschenkt bekommen. In unserem Leben als Christen und als Kirche versuchen wir ein wenig von dieser Barmherzigkeit Gottes in die Welt zu tragen. Auch wenn Jesus die Menschen hart angegangen hat und oft deutliche Forderungen an sie stellte, die sie nicht hören wollten oder sie ablehnten, so tat er dies doch aus Barmherzigkeit. Barmherzigkeit ist also keine süße Soße nach dem Motto: alles ist gut. Barmherzigkeit ist anspruchsvoll.

Rogate: Vielen Dank, Herr Bischof Dr. Koch, für das Gespräch!

Weitere Informationen finden Sie hier: Erzbistum Berlin

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

Fünf Fragen an: Andreas Philipp, Glockensachverständiger für das Erzbistum Berlin

Fünf Freitagsfragen an Andreas Philipp, Glockensachverständiger für das Erzbistum Berlin, über den Alltag in Kirchtürmen, gute Läuteordnungen und ein Kulturgut aus Metall und mit Geschichte.

Andreas Philipp stammt aus Niedersachsen und hat in Freiburg im Breisgau Physik studiert. Später absolvierte er beim Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen die Ausbildung zum Glockensachverständigen.

Rogate-Frage: Herr Philipp, wie wird man Glockensachverständiger eines Bistums?

Andreas Philipp: Im Fall des Erzbistums Berlin war das so, dass ich in den Jahren 2001 und 2002 im Auftrag des Erzbischöflichen Ordinariates alle Geläute der Erzdiözese inventarisiert und inspiziert habe. Ziel war es, einen Überblick über den Glockenbestand zu gewinnen und zu überlegen, was in den nächsten Jahren zur Erhaltung und Verbesserung getan werden musste oder sollte. Das kann der Austausch minderwertiger Eisenhartgussglocken ebenso sein wie die Umstellung auf Armaturen (Joche und Klöppel) und Antriebstechnik nach dem heutigen Kenntnisstand der Glockenkunde. Nachdem dieser Auftrag erfüllt war, bot es sich an, dass ich auch die Betreuung der Sanierungsfälle übernahm, weil ich die Anlagen bereits kannte und wusste, was zu tun war.

Rogate-Frage: Wie gestaltet sich Ihr Alltag als Sachverständiger? Sicher sportlich, oder?

Andreas Philipp: Mein Alltag als Glockensachverständiger führt mich in die Glockenstuben, um den Bestand zu sichten und Pläne zu fassen. Da gibt es einerseits sichere, fast bequeme Zuwegungen über Treppen, aber als Gegenpol auch abenteuerliche Leitern, die überhaupt nicht den Sicherheitsbestimmungen entsprechen und längst hätten entsorgt werden sollen. Ein wenig gefestigt muss man da schon sein. Ich sitze aber auch oft am Schreibtisch, um für die Kirchengemeinden Berichte mit Kostenschätzungen zu schreiben oder Leistungsverzeichnisse aufzusetzen, auf denen meist drei Fachfirmen, also Glockengießereien oder Montagebetriebe, Angebote abgeben. Die werte ich dann aus, um den Entscheidungsträgern Preisspiegel und Vergabevorschlag vorlegen zu können. Nach dem Guss von Glocken führt mich mein Weg in die Glockengießerei, wo ich prüfen muß, ob meine Vorgaben hinsichtlich des Klangs und die Wünsche der Kirchengemeinden bezüglich Zier und Inschriften erfüllt worden sind. Sind die Glocken dann montiert, überprüfe ich im Kirchturm die Güte der Montage und stelle gemeinsam mit der ausführenden Firma das Geläute musikalisch und technisch optimal ein. Leider zu selten komme ich auch zu archivalischen Forschungen, die dann mehr in den Bereich der Campanologie, der Glockenkunde, reichen. Dafür bleibt angesichts des täglichen Geschäftes aber nur wenig Zeit.

Rogate-Frage: Manche Glockenfreunde sagen, dass was die Kriege am Bestand nicht zerstörten die elektrischen Läutemaschinen nun vollbringen würden: Die Glocken und ihren Klang gefährden. Teilen Sie diese Sicht?

Andreas Philipp: Diese Ansicht habe ich so extrem noch nicht gehört. Ich teile solch eine Auffassung auch nicht, denn elektrische Läutemaschinen sind vor über hundert Jahren entwickelt worden und inzwischen sehr gut ausgereift. Es kommt auf die richtige Intonation an. Selbstverständlich dürfen Glocken nicht überbeansprucht werden, aber für jedes System aus Glocke, Joch und Klöppel gibt es einen optimalen Läutewinkel, den es zu finden gilt und den moderne Läutetechnik ohne weiteres aufrechterhalten kann. Vielleicht bezieht sich die Besorgnis aber auch auf den Verfall von Läutesitten. Da kann man allerdings sagen, dass zur Zeit des Handläutens bewusster mit Einzelglocken gearbeitet wurde und man sich genau überlegt hat, zu welchen Anlässen man eine größere Glocke als üblich oder mehrere Glocken läuten wollte – schließlich mussten die Läuter entlohnt werden. Die Schalttafel in der Sakristei verleitet hingegen dazu, allzu oft alle Glocken einzuschalten.

Rogate-Frage: Wie sieht eine gute, zeitgemäße Läuteordnung für eine Kirchengemeinde unserer Tage aus und wie hört sich ein gutes An- und Abläuten an?

Andreas Philipp: Eine gute Läuteordnung zeichnet sich durch Systematik und Differenzierung aus. Es ist wichtig, dass die Hörer genau erkennen können, zu welcher Art von Gebet oder Gottesdienst gerade eingeladen wird. Dabei muss man sich nach den Möglichkeiten richten, die jedes Geläute bietet – sie hängen entscheidend von der Anzahl der Glocken und der Disposition, also der Tonfolge, ab. Die natürliche Musikalität der Hörer sollte keinesfalls unterschätzt werden. Selbstverständlich wird nicht jeder sagen können, welche Tonfolge er gerade hört und ob das Dur oder Moll ist, aber die Stimmung können die meisten empfinden, und das reicht völlig aus. Man singt schließlich auch im Advent andere Choräle als in der Osterzeit. Wichtig wäre, dass sich Pfarrer und Kirchenvorstände darüber im Klaren sind, dass das den Kirchen zugebilligte umfassende Recht zum liturgischen Läuten auch die Verpflichtung nach sich zieht, verantwortungsvoll mit dem Geläute und seinen Möglichkeiten umzugehen. Abwechslungsreich und nicht zu lange zu läuten gehört dazu. Dann darf es gerne auch etwas öfter sein. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sollte man die Glocken von der kleinsten zur größten hin ein- und ausschalten. Wenn die kleinste Glocke beginnt und die größeren im Abstand von einigen Sekunden nacheinander dazu einsetzen, können die Hörer den Aufbau des Teilmotivs oder des Vollgeläutes am besten verfolgen und spüren auch eine Steigerung zu immer größerer Wirkung. Beim Ausschalten muss die größte Glocke das letzte Wort sprechen. Das Argument, sie läute schließlich ohnehin am längsten nach, gilt nicht. Ein schönes Ausläuten wird man nur durch gestaffeltes Ausschalten erreichen, das bei der kleinsten Glocke beginnt.

Rogate-Frage: Was empfinden Sie als Glockenprofi beim Glockengeläut? Welche Geläute und welche Glocken im Bistum Berlin hören Sie besonders gern?

Andreas Philipp: Nach wie vor freue ich mich immer wieder, Glocken zu hören. Das geht mir nicht anders, seit ich mich beruflich mit der Thematik beschäftige. Ich habe ein Steckenpferd zum Beruf machen können und bin dankbar dafür, dass das möglich war. Mit der Benennung einzelner Glocken oder Geläute tue ich mich schwer. Es gibt so unterschiedliche Geläute wie es Kirchen gibt. Die kleine Glocke im Dachreiter einer Kapelle kann da ebenso schön klingen wie ein großes Geläute einer Stadtkirche. Ich höre das kleine Geläute in Altentreptow nicht weniger gerne als das eine Oktave tiefere in Berlin-Kaulsdorf.

Rogate: Herr Philipp, vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen über das Erzbistum hier: Erzbistumberlin.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 21. Juli 15 | 19:00 Uhr, VESPER, mit Fürbitte für verstorbene Rogate Kl_Postkarte_Mond_RZ080615_Web (verschoben) 1 KopieDrogenabhängige.
  • Donnerstag, 23. Juli | 20:30 Uhr, Andacht zum Jahr der Orden: “Der Mond ist aufgegangen. Musik – Wort – Sommerabendsegen”. Impuls: P. Karl Hoffmann, Salvatorianer, zu „Wir spinnen Luftgespinste“. Orgel: Manuel Rösler. Hier die Liturgie des Abends.
  • Dienstag, 28. Juli 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet
  • Donnerstag, 30. Juli | 20:30 Uhr, Andacht: “Der Mond ist aufgegangen. Musik – Wort – Sommerabendsegen”. Impuls: Pfarrer Dr. Josef Wieneke, St. Matthias-Kirchengemeinde zu Schöneberg, zu „Lass uns einfältig werden“. Orgel: Malte Mevissen.
  • Dienstag, 4. August 15 | 19:00 Uhr, Eröffnungsgottesdienst zur Ausstellung “Max ist Marie – Mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind”,  ein Foto- und Textprojekt-Engagement der Hamburger Fotografin Kathrin Stahl über und für transidente Menschen. Grußwort von MdB Harald Petzold, Oranienburg. Die Ausstellung ist bis zum 13. September sonnabends, zwischen 11:00 und 15:00 Uhr, während der “Offenen Kirche” sowie vor und nach den Gottesdiensten zu sehen.
  • Unseren Juli-Plan finden Sie hier. Den Fördervereinsflyer finden Sie hier.

Die Glocken der Zwölf-Apostel-Kirche:

Fünf Fragen an: Michael Birkner, Geschäftsführer St. Benno Verlag, Leipzig

Fünf Freitagsfragen an Michael Birkner, Geschäftsführer St. Benno-Verlag Leipzig, über die Herausgabe einer Kirchenzeitung aus pastoralen Gründen, die Auflagenentwicklung in Berlin und ein Printprodukt als adäquates Kommunikationsmittel zur Beheimatung in der Ortskirche.

Geschäftsführer Michael BirknerGesprächspartner: Michael Birkner, Jahrgang 1963, Ausbildung zum Verlagskaufmann. Ab Mai 1984 Mitarbeiter in der Vertriebsabteilung des St. Benno Verlages, ab Juni 1987 war er Assistent der Geschäftsführung. Im April 1992 wurde er Prokurist. 1992 erfolgte schließlich die Berufung zum Geschäftsführer des Leipziger Verlages. Der Verlag produziert die Kirchenzeitung „TAG DES HERRN“.

Rogate-Frage: Herr Birkner, angesichts der intensiven Nutzung elektronischer Medien und von bundesweit steigenden Kirchen-Austrittszahlen, lohnt sich für den St. Benno-Verlag die Herausgabe einer gedruckten Kirchenzeitung noch?

Michael Birkner: Die Frage stellt sich für uns so nicht. Der St. Benno-Verlag ist ein Unternehmen, welches sich zu 100 Prozent im Besitz der Diözesen Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg befindet. Zu unserer Aufgabenstellung gehört die Veröffentlichung der Kirchenzeitung „Tag des Herrn“. Eine Kirchenzeitung ist für den herausgebenden Verlag und für die Herausgeber kein wirtschaftliches Investment, welches ergebnisorientiert betrieben wird, sondern erfolgt grundsätzlich aus pastoralen Gründen. Im Gegensatz zur Kirchenzeitung „Tag des Herrn“ unterstützen genau aus diesem Grund zahlreiche andere Diözesen ihre Kirchenzeitungen mit teils erheblichen Zuschüssen. Der St. Benno-Verlag stellt seine Herausgeber von Zuschüssen für die Kirchenzeitung frei. Solange die Herausgeber davon überzeugt sind, dass eine Kirchenzeitung eines der zur Verfügung stehenden Mittel für die innerkirchliche Kommunikation ist, wird von ihnen von dieser Option sicher auch Gebrauch gemacht.

Hinzu kommt, dass die Kirchenzeitung „Tag des Herrn“ für den St. Benno-Verlag einen Umsatzanteil von circa drei Prozent des Unternehmensumsatzes darstellt. Von daher sind wir auch wirtschaftlich auf die Kirchenzeitung „Tag des Herrn“ nicht angewiesen und können uns darauf konzentrieren, dass die gemeinsame Kirchenzeitung für die (Erz-)Diözesen Berlin, Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg hier in der Region Ost in erster Linie ein geeignetes pastorales Kommunikationsmittel ist und kein wirtschaftlich relevantes Engagement.

Rogate-Frage: Was ist in Ihrer Zeitung in der Gestaltung redaktioneller Inhalte unverzichtbar? Papstbilder und -zitate? Bischofsworte?

Michael Birkner: Unverzichtbar in der Kirchenzeitung „Tag des Herrn“ sind weder Papstbilder, noch Papstzitate oder Bischofsworte. Unverzichtbar ist, die Interessen und Anliegen sowohl der Herausgeber als auch der Abonnenten zu bedienen. Das gelingt auf unterschiedliche Weise. Dazu gehört ein breites Themenspektrum, welches dienlich ist, um Hilfestellungen im Glaubensalltag hier in unserer Diasporasituation zu geben.

Rogate-Frage: Was ist das besondere an Ihrer Kirchenzeitung? Was schätzen Sie an ihr? Warum lohnt sich der Kauf oder das Abo aus Ihrer Sicht?

Michael Birkner: Ein Abonnement der Kirchenzeitung lohnt sich für diejenigen, die ihr Glaubensleben und ihre Zugehörigkeit zur katholischen Kirche nicht als Privatangelegenheit verstehen, sondern sich einbringen wollen in das Leben der Gemeinde und der Kirche vor Ort. Besonders für die Beheimatung in der Ortskirche ist eine Kirchenzeitung ein adäquates Kommunikationsmittel, um über den Tellerrand des eigenen Pfarrei-Horizontes zu schauen und sich unabhängig von säkularen Medien eine Meinung zu bilden zu kirchlichen Themen, Angeboten und Aktivitäten.

Rogate-Frage: Wer liest den „Tag des Herrn“? Wie hat sich die Auflage entwickelt und welche Ziel streben Sie zahlenmässig an?

Michael Birkner: Der „Tag des Herrn“ hat derzeit circa 26.000 Abonnenten. Statistisch wird jedes Abonnement-Exemplar von 3,2 Lesern rezipiert. Sowohl im Verhältnis zu den Gottesdienst-Besucherzahlen als auch in Bezug auf die Katholikenzahlen in den Diözesen Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg nimmt der „Tag des Herrn“ damit einen Spitzenplatz im Vergleich zu allen anderen Kirchenzeitungen in Deutschland ein. Die Abonnement-Auflage der Kirchenzeitung „Tag des Herrn“ sinkt deutlich langsamer als die Katholikenzahlen in den genannten Diözesen. Somit steigt sogar die „Marktdurchdringung“. Für das Erzbistum Berlin gelten diese Kriterien allerdings nicht. Bekanntlich wechselte der Erzbischof von Berlin als Herausgeber erst zum 1. April 2014 zur Kirchenzeitung „Tag des Herrn“. In den vorangegangenen Jahren ist die Auflage der früheren Katholischen Sonntagszeitung für das Erzbistum Berlin aus verschiedenen Gründen massiv gesunken. Derartige Verluste werden wir auch nicht wettmachen können, da es sehr viel leichter ist, Abonnenten zu halten, als neu zu gewinnen. Allerdings gehen wir davon aus, dass es möglich wird, die jetzigen Auflagenzahlen im Wesentlichen zu stabilisieren.

Rogate-Frage: Wie (kirchen-)kritisch oder liberal darf eine römische-katholische Kirchenzeitung sein? Hat sich durch Papst Franziskus etwas verändert?

Michael Birkner: Die Aufgabe einer Kirchenzeitung besteht weder darin, kirchenkritisch zu sein, noch liberal, in der Annahme, dass mit diesen beiden Begrifflichkeiten tendenzielle Klischees verbunden werden. Eine Kirchenzeitung ist zur Meinungsbildung hilfreich und genau darin besteht auch ihre Möglichkeit, nicht übliche Erwartungen der einen oder anderen Fraktion zu bedienen, sondern so objektiv wie möglich zu informieren und dabei deutlich zu machen, dass es innerhalb der Katholischen Kirche sehr viel mehr Möglichkeiten für Vielfalt gibt, als von manchem Mitglied angenommen wird. Der „Tag des Herrn“ unterliegt hier auch keinen Vorgaben der Herausgeberdiözesen. Aber natürlich wissen wir, wo unser Platz ist, unabhängig vom jeweils aktuellen Pontifex. Und natürlich öffnet sich auch eine Kirchenzeitung Fragen und Anliegen, die nicht zuletzt durch ein Pontifikat mitbestimmt werden. Insofern ist es sicher so, dass die Leser den heutigen „Tag des Herrn“ als vielfältiger empfinden als vielleicht vor zwei oder zwölf Jahren.

Rogate: Vielen Dank, Herr Birkner, für das Gespräch!

Mehr Informationen finden Sie hier: TAG-DES-HERRN.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstags ist Vespertag.

    Dienstag, 24. Februar 15 | 19:00 Uhr, Eucharistie, in der Kapelle der Kirche.

  • Donnerstag, 26. Februar 2015 | 20:30 Uhr, Passionsandacht in der Kapelle der Kirche.
  • Sonnabend, 28. Februar 2015 | 12:00 Uhr, Trauerandacht für ELEONORA MARIA THERESIA KASTNER (Oma Ella)
  • Sonnabend, 28. Februar 2015 | 18:00 Uhr, ökumenische Vesper in der Kapelle der Kirche, mit der Alt-katholischen Gemeinde
  • Sonntag, 1. März 2015 | 10:00 Uhr, EUCHARISTIE, Gottesdienst der Zwölf-Apostel-Gemeinde am Sonntag Reminiszere, mit dem Zwölf-Apostel-Chor.
  • Den März-Plan finden Sie hier.

Erreichbar ist die Kirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln und über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). PKW-Stellplätze vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße.