Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz: Propst Christian Stäblein zum neuen Bischof der EKBO gewählt

Amtsübergabe am 16. November 2019 in Berlin

Berlin, 5. April 2019 – Die Landessynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hat auf Ihrer Frühjahrstagung am 5. April 2019 den Propst der EKBO, Dr. Christian Stäblein, zum neuen Bischof der Landeskirche gewählt. Er folgt damit Bischof Dr. Markus Dröge nach, der im November nach Ablauf seiner zehnjährigen Amtszeit in den Ruhestand gehen wird. Christian Stäblein wurde im zweiten Wahlgang mit der nötigen Zweidrittelmehrheit gewählt. Er erhielt 76 der abgegebenen 113 Stimmen. Die Amtsübergabe wird im Rahmen eines Festgottesdienstes am 16. November 2019 in der St.-Marienkirche in Berlin Mitte stattfinden, der im rbb-Fernsehen übertragen wird.

Bild: Propst Stäblein (Mitte) besuchte am 2. Oktober 2015 einen Gedenkgottesdienst des Rogate-Klosters in der Zwölf-Apostel-Kirche

Bischof Dröge gratulierte dem designierten Nachfolger: „Ich sende meine herzlichen Glückwünsche an Propst Christian Stäblein zur Wahl als Bischof der EKBO. Möge Gottes Segen den neuen Bischof in diesem wunderbaren und herausfordernden Amt begleiten, das auszufüllen in unserer, lebendigen, bunten und vielfältigen Kirche viel Freude macht, wie ich in den vergangenen zehn Jahren voller Dankbarkeit erfahren durfte.“

Auch die Präses der Synode, Sigrun Neuwerth, freut sich über die Wahl und dankte den anderen Kandidaten: „Ich freue mich über die Wahl von Propst Christian Stäblein zum neuen Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und gratuliere von Herzen. Die Synode hatte die Wahl zwischen drei gleichermaßen hervorragend geeigneten, höchst respektablen Persönlichkeiten, denen ich für ihre Bereitschaft zur Kandidatur sehr herzlich danke. Die Synode hat nun entschieden, und wir freuen uns auf eine vertrauensvolle und fruchtbare gemeinsame Arbeit mit dem zukünftigen Bischof ab Mitte November. Möge Gottes Segen uns dabei begleiten!“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, gratulierte ebenfalls: „Zur Wahl zum Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gratuliere ich Christian Stäblein von Herzen. Ich habe Christian Stäblein als einen profunden Theologen und zugewandten Seelsorger kennengelernt, der umfangreiche Erfahrung auf den unterschiedlichen Ebenen kirchlichen Leitungshandelns mitbringt. Er wird das alles im neuen Amt segensreich einbringen.“

Dr. Christian Stäblein wurde 1967 in Bad Pyrmont geboren und wuchs in Hannover auf. Er studierte Evangelische Theologie sowie im Nebenfach Judaistik und Philosophie in Göttingen, Berlin und Jerusalem. Am Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Universität Göttingen arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent und wurde 2002 mit einer Arbeit über „Das jüdische Gegenüber in der evangelischen Predigtlehre nach 1945“ promoviert. Nach dem Vikariat in Grasdorf und der Ordination war er Gemeindepfarrer, zunächst in Lengede, später in der St. Martin-Kirche in Nienburg/Weser, ab 2008 dann Konventual-Studiendirektor des Predigerseminars der Hannoverschen Landeskirche im Kloster Loccum. Seit August 2015 ist er Propst des Konsistoriums der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). In dieser Funktion obliegt ihm die theologische Leitung im Konsistorium, er ist zuständig für theologische Grundsatzfragen und leitet die Abteilung 2 „Theologie und Kirchliches Leben“. Als Propst wirkt er in einer Vielzahl von Gremien in der EKBO mit und nimmt eine rege Predigt- und Vortragstätigkeit in Gemeinden und Konventen wahr. Der 51-jährige ist Mitherausgeber der Predigtstudien. Christian Stäblein ist verheiratet und hat vier Kinder.

Der Bischof vertritt die Landeskirche in der Ökumene und in der Öffentlichkeit. Zu seinen Aufgaben zählt, Theologinnen und Theologen zu ordinieren und landeskirchliche Einrichtungen und Werke zu visitieren. Er ist zugleich Vorsitzender der Kirchenleitung.

Hinweis zum Text: Übernahme der Pressemeldung der Pressestelle der EKBO.

Bischof Dr. Dröge: „Antisemitismus ist Gotteslästerung“

Grußwort von Bischof Dr. Markus Dröge, dass er heute Abend auf der Kundgebung „Berlin trägt Kippa“ halten wird. Er wird hier als Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sowie als Vertreter des Rates der EKD sprechen.

Berlin trägt KippaIch trage gerne die Kippa. Und nicht erst heute. Seit über 30 Jahren ziehe ich immer wieder dieses Zeichen der Demut vor Gott an, wenn ich eingeladen werde in eine Synagoge, oder zum Trauern und Gedenken auf einen jüdischen Friedhof. Für mich ist die Kippa ein Zeichen der Verbundenheit im Glauben an den einen Gott, vor dem wir als Juden und Christen gemeinsam demütig stehen.

Wir haben hier in Berlin eine wunderbare Gemeinschaft mit unseren jüdi­schen Geschwistern. Wir laden uns gegenseitig ein, zum Ge­denken und zum Feiern. Das gemeinsame theologische Forschen hat hier eine lange Tradition. Und wir freuen uns, dass das jüdische Leben in Berlin wieder neu aufgeblüht ist und dass viele junge Menschen aus Israel gerne hier in Berlin leben. Sie sind und sie bleiben alle herzlich willkom­men, hier in Berlin, in der Stadt der Freiheit – willkom­men, hier zu leben und sich wohl zu fühlen!

Umso erschreckender ist es, dass in unserer Stadt am helllichten Tag auf offener Straße ein junger Mann, nur weil er eine Kippa trug, angegriffen und be­schimpft wurde. Wir sind dadurch alarmiert. Wir müssen noch viel sensibler werden gegenüber jeder Form der Judenfeindschaft. Wir müssen noch viel deutlicher versteckten Antisemitismus thema­tisieren!

Ich bringe Ihnen heute die Grüße des Rates der EKD. Auf unserer Sitzung am vergangenen Freitag in Hannover haben wir die jüngsten antisemitischen Vorfälle und Übergriffe in Deutschland scharf verurteilt. Der Rat der EKD ruft mit folgenden Worten dazu auf, gemeinsam gegen Antisemitismus in Deutschland einzutreten:

„Fast täglich gibt es Berichte über Anfeindungen und Übergriffe gegen Juden in Deutsch­land. Das erfüllt uns mit großer Sorge und Scham. Wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland Gewalt und Beschimpfungen ausgesetzt sind und sich nicht mehr sicher fühlen, können wir das unter keinen Umständen hinnehmen. Nie wieder darf sich Antisemitismus in Deutsch­land ausbreiten oder gar salonfähig werden. Als Christinnen und Christen stehen wir unein­geschränkt an der Seite unserer jüdischen Ge­schwister. Aus theologischer Überzeugung sowie aus historischer Verantwortung für jahrhun­dertelanges kirchliches Versagen, sagt die Evangelische Kirche in Deutschland klar und unmissverständlich: Christlicher Glaube und Judenfeindschaft schließen einander aus. Antisemitismus ist Gotteslästerung.“

Fünf Fragen an: Erika Fischer, Evangelische Schwesternschaft Ordo Pacis

Fünf Fragen an Erika Fischer, Evangelische Schwesternschaft Ordo Pacis, über Geistliche Begleitung, Gottessuche und Gestaltung einer persönlichen Spiritualität im Alltag.

2017 Erika Fischer (Foto privat)
Erika Fischer (Bild: privat)

Erika Fischer: Geboren 1954 in der Schweiz, seit 1973 in Norddeutschland lebend. Ausbildung zur Heilerzieherin und langjährige Tätigkeit in der Arche-Bewegung. Zwei erwachsene Kinder. Zugehörig zur Evangelischen Schwesternschaft Ordo Pacis. 2006 – 2008 Ausbildung in Geistlicher Begleitung/Exerzitienbegleitung. Seit 2008 Tätigkeitsschwerpunkt in der Aus- und Fortbildung von Geistlich Begleitenden sowie in der Weitergabe von Kontemplativen Exerzitien.

Rogate-Frage: Was ist Geistliche Begleitung?

Erika Fischer: Geistliche Begleitung beschreibt ein spezifisches Angebot im Raum der Seelsorge. Das Wort „geistlich“ macht den Inhalt deutlich, um den es geht: Gottessuche und Gestaltung einer persönlichen Spiritualität im Alltag. Geistliche Begleitung ist demzufolge angelegt auf einen längeren Zeitraum und auf regelmäßige Gespräche.

Anlass für die Suche nach einem Geistlichr Begleitung können zum Beispiel sein: ein Lebensumbruch, eine wichtige zu treffende Entscheidung, die Sehnsucht nach Stille und Meditation im Alltag, der Wunsch, mit einem anderen Menschen über Glauben und Zweifel zu sprechen, eine allgemeine Suche nach Sinn…

Der Geistliche Begleiter oder die Geistliche Begleiterin ist dabei jemand, der zuhört, der einen eigenen geistlichen Weg geht und sich Zeit nimmt, mit der begleiteten Person zusammen zu schauen: auf den Alltag, den Lebensweg, auf das, was ist, was sein könnte und was Glaube an Gott bei all dem bedeutet.

Geistliche Begleitung geschieht im Bewusstsein der Gegenwart Gottes. Sie weiß kompetente Gesprächsführung zu verbinden mit den Schätzen der christlichen Tradition wie Heilige Schrift, geistliche Texte, Rituale wie Gebet, Segen und Beichte.

Geistlich Begleitende sind teils Hauptamtliche in ihren Gemeinden, teils Ehrenamtliche mit ganz verschiedenen beruflichen Hintergründen. Ihre Befähigung zu diesem Dienst erwerben sie durch ihren eigenen geistlichen Weg und durch eine entsprechende Weiterbildung.

Geistliche Begleitung geschieht in Nachbarschaft zu anderen Zweigen der Seelsorge und zur Supervision, ohne an ihre Stelle zu treten. Einen psychotherapeutischen Prozess kann sie nicht ersetzen, aber mitunter – in guter gegenseitiger Absprache – ergänzen.

Folgende Rahmenbedingungen für Geistliche Begleitung sind üblich:
Regelmäßige Treffen über einen längeren Zeitraum, ein halbes Jahr, ein ganzes oder länger. Alle vier bis sechs Wochen ein Gespräch in geschützter und gastlicher Atmosphäre, Verschwiegenheit und gegenseitiges Vertrauen sind Grundvoraussetzungen. Geistliche Begleitung ist in der Regel unentgeltlich. Manchmal wird um eine Spende für eine dem Begleiter wichtige Organisation gebeten.

Rogate-Frage: Welchen religiösen Ursprung hat diese Form der Begleitung?

Erika Fischer: Auf eine kurze Formel gebracht kann man sagen: Der Name ist neu, die Sache selber hat eine lange Tradition. Wann und wo immer Menschen sich in geistliches oder spirituelles Leben einüben wollen, suchen sie dafür ein Gegenüber, einen Anleiter, eine Lehrerin, jemanden, der oder die geistliches Leben aus eigener Erfahrung kennt und fähig ist, es zu vermitteln. Dies gilt auch für spirituelle Wege in anderen Religionen.

Im Bereich des Christentums findet sich die älteste systematische Praxis Geistlicher Begleitung bei den Wüstenvätern und Wüstenmüttern, etwa Ende drittes bis sechstes Jahrhundert. Wer neu in die strenge und asketische Lebensweise in der Wüste einstieg, merkte meistens sehr schnell, dass es nicht möglich war, solch ein Leben zu führen ohne regelmäßiges Gespräch mit einem erfahrenen Menschen. Es entwickelte sich eine präzise Methode der Begleitung und eine Form „kollegialer Intervision“, beides natürlich ohne die heutzutage dafür üblichen Begriffe. Ein reicher Erfahrungsschatz aus dieser Zeit ist vor allem in kurzen Geschichten und Sprüchen überliefert. Die Stärke dieser Worte und Geschichten bis heute hin liegt in der Tatsache, dass sie ein tiefes und differenziertes Wissen über das Wesen und das Herz des Menschen enthalten. Gleichzeitig ist bei ihnen – implizit oder explizit – immer sehr klar, dass Selbstfindung sich nicht in einem beziehungslosen Raum abspielt, sondern „im Angesicht Gottes“ stattfindet.

Die Weiterentwicklung dieser Anfänge von geistlicher Begleitung geschahen dann zum Beispiel im frühen Mönchtum, in der iro-schottischen und franziskanischen Tradition oder im Kontext mittelalterlicher Mystik, um einige Orte in der Westkirche zu nennen. In der Ostkirche waren es neben den Klöstern durch alle Jahrhunderte hindurch Starzen (Einzahl: Starez), geistlich erfahrene Männer oder Frauen, die oft als Einsiedler lebten und ihre geistliche Erfahrung mit Suchenden teilten.

In der beginnenden Neuzeit steht der Name des Basken und späteren Gründers des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola, für eine wegweisende Erneuerung Geistlicher Begleitung. Er befreite sie von strukturellen Verkrustungen und entfaltete sie neu als ein Instrument, das dem einzelnen Menschen Hilfe sein soll, Gottes Willen für das eigene Leben zu suchen und zu leben. Ignatius hat zwar später Theologie studiert und wurde zum Priester geweiht, aber die geistlichen Übungen und die darin vorgesehene Form geistlicher Begleitung hat er als Laie für Laien entwickelt, was ihm mehrere Verfahren der Inquisition eingetragen hat – dass später die Jesuiten selber zu einer Speerspitze der Gegenreformation wurden, zählt zu den tragischen Verwicklungen, wie das Lebenswerk eines Menschen sich manchmal in sein Gegenteil verkehren kann.
Die Sprache der „Geistlichen Übungen“ ist zeitkritisch zu sehen und bedarf unbedingt einer eigenen Hinführung und Übertragung. Ihre Hinweise sowohl für den geistlichen Weg als auch für die geistliche Begleitung sind dagegen zeitlos. Es ist ein großes Verdienst der Jesuiten, dass sie die überlieferten Exerzitien in der Zeit nach dem 2. Vatikanischen Konzil, also ab den 1960iger Jahren, konsequent für unsere heutige Zeit erschlossen haben und damit – zunächst auf katholischer Seite – die moderne Bewegung von Exerzitien und Geistlicher Begleitung begründet haben.
Anschlussfähig für evangelische Christen wurde die ignatianische Spiritualität durch zwei Grundansätze, die sich bei Ignatius sehr deutlich finden. Der erste: Ignatius war dezidiert der Überzeugung, dass jeder Christ selber die Bibel lesen und daraus Gewinn für sein Leben ziehen kann. Seine Exerzitien sind in weiten Teilen nichts anderes als was wir heute „biblische Betrachtungen“ nennen würden. Der zweite Grundansatz hängt eng mit diesem ersten zusammen: ein ernstzunehmendes geistliches Leben ist nach Ignatius nicht an die Lebensform des Klosters gebunden sondern für jeden Christen möglich. Auch damit stand er quer zu seiner Zeit.

Und heute: Im Rahmen der ökumenischen Bewegung seit den 1970iger Jahren haben evangelische Christinnen und Christen die Schätze bei den römisch-katholischen Geschwistern und das gemeinsame vorreformatorische Erbe neu entdeckt. Die römischen Geschwister haben ihre Erfahrungen großzügig geteilt. Geistliche Begleitung, so wie wir sie heute kennen, ist in der evangelischen Kirche also noch eine junge Bewegung. Als ich 2005 nach einer Langzeitfortbildung für Geistliche Begleitung suchte, gab es im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine einzige, das war bei der Communität Christusbruderschaft in Selbitz, in der Hannoverschen Landeskirche war gerade ein erster Kurs in Planung. Inzwischen gibt es in der EKD mehr als zehn Orte, an denen Kurse für Geistliche Begleitung angeboten werden, die meisten Landeskirchen sind als verantwortliche Träger oder durch Kooperationen involviert.

Rogate-Frage: Wo finde ich einen Geistlichen Begleiter?

Erika Fischer: Geistliche Begleitung ist von Anfang an und bis heute hin nie ganz in den Strukturen der verfassten Kirche aufgegangen. Das schafft ein notwendiges Stück Unabhängigkeit. Gleichzeitig bedeutet das den Verzicht auf ein „flächendeckendes Netz“, wie etwa die Ortsgemeinden es anbieten können. Man muss also immer ein bisschen suchen.
In der katholischen Kirche sind es meist die Exerzitienreferate der Diözesen, die Geistliche Begleiter ausbilden und vermitteln, auf evangelischer Seite sucht man am besten im Bereich der eigenen Landeskirche: die Arbeitsgemeinschaften oder Netzwerke in den Landeskirchen bilden Geistliche Begleiter aus und vermitteln sie. Auch die Klöster, Geistlichen Gemeinschaften oder Häuser der Stille in beiden großen Konfessionen können oft weiterhelfen. Auch was im Internet unter den entsprechenden Stichworten zu finden ist, ist im Wesentlichen brauchbar.

Rogate-Frage: Welche Voraussetzungen sollte eine Person mitbringen, die geistlich begleitet?

Erika Fischer: In einem von Martin Buber aufgezeichneten Midrasch drückt Gott sein Wohlgefallen Abraham gegenüber aus, indem er sagt: „Du hast mein Handwerk ergriffen.“ Geistliche Begleiterinnen und Begleiter sind Menschen, die das Handwerk Gottes ergriffen haben. Dabei ist das wichtigste Werkzeug in der Geistlichen Begleitung die Person des Begleiters/der Begleiterin selbst. Durch die Art, wie eine Geistliche Begleiterin den Suchenden begegnet, kann etwas von der Beziehungswilligkeit Gottes durchscheinen. Durch die Art, wie ein Begleiter andere aufnimmt, kann etwas davon deutlich werden, wie Gott die Brüchigkeit menschlichen Lebens nicht aufhebt, wohl aber sie zu verwandeln vermag. Das alles lässt sich nur bedingt in Kursen lernen und vermitteln. Über spirituelle Erfahrung lässt sich kein Zertifikat ausstellen. Wohl aber kann man christliche Übungswege kennen lernen und Kompetenz in Gesprächsführung sowie Wissen um biografische und spirituelle Prozesse erwerben. Erfahrungsräume dafür eröffnen entsprechen qualifizierte Weiterbildungen.

Die Arbeitsgemeinschaft Geistliche Begleitung in der Evangelischen Kirche in Deutschland listet folgende idealtypischen Voraussetzungen für Geistlich Begleitende auf:
– eigene längere Erfahrung auf dem geistlichen Weg,
– langjährig vollzogene und reflektierte geistliche Übung,
– Erfahrungswissen im Blick auf verschiedene Weisen der „Zwiesprache mit Gott“ und der Dynamiken geistlichen Lebens,
– selbst erfahrene geistliche Begleitung,
– Erfahrungswissen hinsichtlich des Widerfahrnisses geistlicher Krisen, der Anfechtung, die gerade der Raum der Selbstmitteilung Gottes ist (Martin Luther),
– professionelle Grundhaltungen für ein förderliches Gespräch,
– Wissen um Grenzen geistlicher Begleitung und Kenntnis anderer, Beratungs-/Begleitungs-/Therapieformen, auf die gegebenenfalls zu verweisen ist,
– absolute Verschwiegenheit und
– eigene Praxisbegleitung.

Aber auch mit all diesen Voraussetzungen bleibt: Geistlicher Begleiter/Geistliche Begleiterin ist kein Titel. Begleiter/Begleiterin werde ich dadurch, dass andere sich an mich wenden. So ist und bleibt Geistliche Begleitung ein Ineinander von sorgfältig zu erlernendem Handwerk auf der einen und unverfügbarem Charisma und Begegnungsgeschehen auf der anderen Seite.

Rogate-Frage: Wie sind sie zu dieser Form der Begleitung gekommen?

Erika Fischer: Meine eigene Geschichte mit geistlicher Erfahrung und geistlicher Begleitung beginnt 1970 in Taizé. Ich lernte dort eine ungemein befreiende und weite Spiritualität kennen. Die Stille berührte mich ganz tief und hat mich nicht wieder losgelassen. Wieder zu Hause fing ich für mich allein an, in der Stille zu beten – ich war 16, hatte keine Ahnung von Meditation und die Familie denkt, ich bin verrückt. Ich hatte so etwas wie ein mystisches Erlebnis: ganz eingehüllt in Licht. Auch wenn die Erfahrung allmählich verblasste, die unstillbare Sehnsucht, Gott in der Stille zu begegnen, durchzieht seither mein Leben.
Einige Monate später fuhr ich wieder nach Taizé und hatte dort mit einem der Brüder erstmals die Möglichkeit, über das zu sprechen, was mir widerfahren war. Das war eine erste und sehr hilfreiche Erfahrung von Geistlicher Begleitung. Ich erfuhr Ermutigung und Bestätigung, gleichzeitig auch wichtige Korrekturen: nicht um die besonderen, herausragenden Erfahrungen geht es, sondern um treues „Dranbleiben“. Als ich wenige Jahre später nach Hamburg umsiedelte, waren es wieder die Taizé-Kontakte, durch die ich auf eine kleine geistliche Gemeinschaft von Frauen aufmerksam wurde, der ich seit über 40 Jahren angehöre: die Evangelische Schwesternschaft Ordo Pacis. Die Geistliche Begleitung gehört von Anfang an zum Repertoire dieser Schwesternschaft. Ich wuchs also immer mehr hinein in eine selbstverantwortete Gestaltung eines geistlichen Lebens, ins Begleitet-werden. Ein wichtiger Schwerpunkt war in dieser Zeit die eigene geistliche Biografiearbeit: alles was war, durfte nach und nach ins heilende und befreiende Licht Gottes kommen.
Etwa 20 Jahre später lernte ich mit dem Weg der Kontemplativen Exerzitien von Franz Jalics zum ersten Mal eine systematische Methodik kontemplativen Betens kennen. Das eröffnete mir noch einmal ganz neue Möglichkeiten, an meine frühen Stille-Erfahrungen anzuknüpfen. In den zehntägigen Exerzitienkursen in Haus Gries lernte ich viel am Modell derer, die mich begleiteten.
Um andere begleiten zu können, ist es notwendig, die Erfahrung nicht nur zu erleben, sondern sie auch zu reflektieren und zu verstehen. Deshalb entschied ich mich, von 2006 – 2008 an einem zweijährigen Exerzitienleiterseminar teilzunehmen. 2007 wurde ich ins Leitungsteam der in der Nordkirche neu beginnenden Langzeitfortbildung für Geistliche Begleitung berufen. Seitdem darf ich in vielfältiger Weise Menschen auf ihren geistlichen Wegen begleiten und geistliche Begleiterinnen und Begleiter ausbilden.

Ein letztes noch: Christliche Spiritualität, richtig verstanden, ist keine weltabgewandte Innerlichkeit. Sie ist auch nicht die „Wellnessoase“, die gestresste Zeitgenossen so dringend meinen zu benötigen. Nur ein guter Baum kann gute Früchte tragen, und so ist es in unseren aktionsbetonten Kirchen eine notwendige Innenseite, sich um den ganzen Baum und sein gutes Ergehen zu kümmern. Aber der Baum unseres Lebens wird sich erst dann als guter Baum erweisen, wenn er Früchte trägt, d.h. wenn er sich nicht selbst genügt. Geistliche Begleitung hat immer beides im Blick.

Rogate: Vielen Dank, Frau Fischer, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten und Veranstaltungen:

 

Gebet: Fürbitte aus dem Gottesdienst zur Eröffnung des 25. Stadtfestes Berlin 2017

Großer Gott, wir danken Dir, dass wir geladen sind zum Fest des Lebens. Du hast uns gemacht, gestaltet wunderbar und rufst uns bei unserem Namen. Wir sagen Dank für alles Gute und das Gelingende in unserem Leben.

Gemeindevers: Nun lasst uns gehen und treten / mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben / bis hierher Kraft gegeben. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 1)

20046763_1772848566065337_5335927618255808222_nJesus Christus, unsere Wege kennen Höhen und Tiefen. Du weißt um unsere Schwächen und Stärken. Sei uns gnädig, Du Freund des Lebens.

Wir bitten für alle, die verheiratet oder verpartnert sind – und für die, die nun endlich heiraten dürfen, für die Frauen- und Männerpaare. Segne sie.

Gemeindevers: Wir gehen dahin und wandern / von einem Jahr zum Andern, wir leben und gedeihen / vom Alten bis zum Neuen (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 2)

Heiliger Geist, Du Tröster. Wir bitten Dich für alle, sich wegen ihrer Homosexualität verstecken müssen: ….in Russland, Uganda, im Iran, Sudan, Somalia, Mauretanien, Nigeria, Libyen, Ägypten – und Tschetschenien.

Du weißt wo geweint und gelitten wird. Erbarme Dich! Schenke Mut und Trost. Werde Anwalt des Lebens – für die Gefolterten.

Gemeindevers: durch so viel Angst und Plagen, / durch Zittern und durch Zagen, durch Krieg und große Schrecken, / die alle Welt bedecken. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 3)

Dreieiniger Gott, wir danken Dir für gute Eltern, die ihre Kinder gut durch das Coming Out bringen und sie vorbehaltlos lieben. Wir danken für unsere Freunde, die mit uns durch Leben gehen und uns vertraut und nahe sind.

Gemeindevers: Denn wie von treuen Müttern / in schweren Ungewittern die Kindlein hier auf Erden / mit Fleiß bewahret werden, (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 4)

20106769_1777153038968223_7203493836030336510_nGroßer Gott, Du schenkst uns Freiheit. Wir bitten für alle, die in Unfreiheit und in Ausgrenzung leben, weil ihre Identität oder ihr Glaube nicht akzeptiert wird und sie Ausgrenzung, Gewalt und Hass erfahren.

Gemeindevers: also auch und nicht minder / lässt Gott uns, seine Kinder, wenn Not und Trübsal blitzen, / in seinem Schoße sitzen. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 5)

Jesus Christus, schenke unserer Stadt ein sicheres Stadtfest. Schenke Du fröhliche Begegnungen, gesegnete Freundlichkeit und viel gemeinsames Lachen an diesem Wochenende. Lass es zum Fest des Lebens werden. Ein Fest für alle.

Gemeindevers: Ach Hüter unsres Lebens, / fürwahr, es ist vergebens mit unserm Tun und Machen, / wo nicht dein Augen wachen. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 6)

Heiliger Geist, wir danken Dir für das Engagement vieler für eine gerechte, solidarische und lebenswerte Welt. Segne Du die Arbeit der Einrichtungen und Gruppen, die sich für Menschen im Coming Out, für Jugendliche und für Ausgegrenzte einsetzen. Und segne unser Stadtfest an diesem Wochenende, dass es für viele zum Aufbruch in gelingendes Leben und eine bessere Welt werde. Amen.

Gemeindevers: Gelobet sei deine Treue, / die alle Morgen neue; Lob sei den starken Händen, / die alles Herzleid wenden. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 7)

Stadtfest: Feiern gegen Gewalt. Tanzen gegen Hass.

IMG_9259„Gleiche Rechte für Ungleiche?“ So lautete vergangenes Wochenende das Motto des großen Straßenfestes in der Hauptstadt: Das Motzstraßenfest. Offizieller Titel: Lesbisch-schwules Stadtfest Berlin. Mit über 350.000 Besuchern aus der ganzen Welt ist es unangefochten das größte Event seiner Art. Ein ganzer Kiez feiert Vielfalt, bunt und ausgelassen.

Der Ursprung des Festes vor 25 Jahren ist ernst: Gewalttätige Übergriffe in den Straßen auf homosexuelle Frauen und Männer. Die Anwohner wollten das nicht mehr hinnehmen und luden ein: Information gegen Unwissenheit, Feiern gegen Gewalt, Tanzen gegen Hass. Eine ungewöhnliche Reaktion, doch Fröhlichkeit, Wissen und Gemeinschaft machen stark gegen Ausgrenzung.

DSC08983Die Kirche feiert mit: Wir, das Rogate-Kloster, richten seit bald zehn Jahren den Eröffnungsgottesdienst aus. Wie vergangenen Freitag: Eine volle Kirche, Pastorin und Priester, Ordensfrauen und Bischof, Lektoren und ein Kiezorchester gestalteten einen Festgottesdienst. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sprach ein Grußwort und sagte von der Kanzel: „Erst, wenn wir alle die gleichen Rechte haben, sind wir alle frei.“

Mich erinnert es an folgende Liedverse („Wenn das Rote Meer grüne Wellen hat“): „Wenn unsre Tränen rückwärts fließen, dann bleiben wir hier, dann bleiben wir hier, weil sich das Land gewandelt hat. Wenn es dreizehn schlägt und die Zeit zerbricht, dann bleiben wir hier…“

Br. Franziskus

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Willkommen zu unseren nächsten Gottesdiensten:

  • Montag, 24. Juli 2017 | 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Alexander von Fintel, Bündnis 90/Die Grünen. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.
  • Montag, 31. Juli 2017, 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Dr. Holger Onken, Die Linken. Ort: Christus- und Garnisonkirche, Gemeindehaus, Wilhelmshaven.
  • Montag, 31. Juli 2017, 21:00 Uhr, Mondandacht zu „Der Mond ist aufgegangen”. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.
  • Montag, 6. August 2017, 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Udo Striess-Grubert, Freie Wähler. Ort: Christus- und Garnisonkirche, Gemeindehaus, Wilhelmshaven.
  • Montag, 6. August 2017 | 21:00 Uhr, Mondandacht zu „Wie ist die Welt so stille”, mit Prof. Dr. Jörg Schneider, Jade Hochschule. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.
  • Montag, 14. August 2017, 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Andreas Tönjes, Die Partei. Ort: Christus- und Garnisonkirche, Gemeindehaus, Wilhelmshaven.

Fünf Fragen an: Dr. Eva Högl, stellv. Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion

Fünf Fragen an Dr. Eva Högl, MdB und stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, über eine Strafanzeige gegen einen Weihbischof, ihren Einsatz gegen menschenverachtende Äußerungen und die Erwartungen an die Kirchen.

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MdB Dr. Eva Högl (Bild: SPD-Fraktion)

Dr. Eva Högl wurde 1969 in Osnabrück geboren, studierte Rechtswissenschaften in Osnabrück und im niederländischen Leiden. Sie ist evangelisch, verheiratet und lebt im Wedding in Berlin-Mitte. Seit 2009 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages und vertritt den Wahlkreis Berlin-Mitte als direkt gewählte Abgeordnete der SPD. Die Themen Frieden, soziale Gerechtigkeit und sozialer Zusammenhalt haben sie vor genau 30 Jahren zur SPD gebracht.

Rogate-Frage: Warum haben Sie einen Strafantrag gegen den Salzburger Weihbischof Laun gestellt.

Eva Högl: Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun hat am 24. März 2017 auf der Internetseite „kath.net“ einen als „Hirtenbrief“ bezeichneten Text veröffentlicht, der hetzerische und menschenrechtsverletzende Passagen und Vergleiche enthält. Bischof Laun bezeichnet darin Homosexuelle als „gestörte Männer und Frauen“ mit „anatomischer Missbildung“ und unterstellt ihnen, die Rechte des Artikels 6 Grundgesetz sowie die demokratische Grundordnung in „autoritärer“ Weise angreifen zu wollen. Zudem rückt er Homosexualität in die Nähe von Pädophilie. Darüber hinaus beschreibt Bischof Laun Homosexualität und Genderstudien, in ihren Handlungsweisen und Zielen, als auf einer Stufe mit dem Nationalsozialismus und seiner Rassen- und Vernichtungsideologie stehend. Er hängt damit homosexuellen Menschen Begriffe an, die sowohl für Christen*innen als auch für Nicht-Christen*innen als Hassbegriffe verständlich sind.

Solch homophobe und menschenverachtende Äußerungen müssen bestraft werden. Aus diesem Grund habe ich zusammen mit meinen Kollegen Karl-Heinz Brunner und Johannes Kahrs sowie dem stellvertretenden Landesvorsitzenden von SPDqueer in Berlin, Christopher Jäschke, Strafantrag gegen den Bischof und die Betreiber der Internetseite bei der Staatsanwaltschaft in Berlin gestellt.

Rogate-Frage: Ist ein Strafverfahren das richtige Instrument, um inhaltliche Auseinandersetzungen mit Kirchenleuten zu führen?

Eva Högl: Wenn jemand in einer Art und Weise gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen hetzt, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören und zum Hass gegen diese Gruppe aufstachelt, dann ist das keine inhaltliche Auseinandersetzung mehr, sondern strafbar. Wo Recht verletzt wird, müssen wir auch mit den Mitteln des Rechtsstaates reagieren.

Rogate-Frage: Auch an der Seite kath.net üben Sie Kritik und haben ebenfalls einen Strafantrag gestellt. Warum?

Eva Högl: Wir haben bei der Berliner Staatsanwaltschaft auch Strafantrag gegen die Betreiber*innen der Internetseite „kath.net“ mit Sitz in Linz und deren verantwortlichen Redakteur Roland Noé gestellt. Die Internetseite ist für deutsche Nutzer*innen ohne Einschränkung zugänglich und verbreitet nach unserer Auffassung Schriften, die zum Hass und zu Gewalt gegen Menschen aufstachelt. Wir Antragsteller*innen waren auch der Meinung, dass die Seite den Nationalsozialismus verharmlost und homosexuelle Menschen verächtlich macht sowie in der Öffentlichkeit herabwürdigt. Aus diesen Gründen haben wir bei der Staatsanwaltschaft beantragt, diese Sachverhalte zu prüfen.

Rogate-Frage: Sie kritisieren die Positionen des römisch-katholischen Bischofs. Welche Erwartungen haben Sie an die Kirche in Bezug auf LGBTIQ?

Eva Högl: Die Evangelische Kirche in Deutschland begrüßt die Ehe für alle. Der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, hat in der Vergangenheit die Gleichwertigkeit homosexueller Beziehungen verteidigt. Auf dem vergangenen Kirchentag in Berlin wurden homo- und heterosexuelle Paare öffentlich getraut. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz bietet zudem Trauungen für homosexuelle Paare an. Drei weitere Landeskirchen in Deutschland haben ähnliche Angebote und ich sehe die evangelische Kirche auf einem guten Weg.

Ich respektiere, dass die katholische Kirche eine andere Auffassung hat und die Ehe ein Sakrament ist. Jede Familienform verdient Anerkennung, Zuspruch und rechtliche Absicherung. Das sind sehr christliche Werte. Wir als Staat und Gesetzgeber stellen uns dieser Realität: Es gibt vielfältige Formen des Zusammenlebens. Und das sollten alle Kirchen akzeptieren.

Rogate-Frage: Nach und nach sind evangelische Landeskirchen dabei, die völlige Gleichstellung von Lesben und Schwulen umzusetzen. Wann werden der deutsche Staat und der Bundestag soweit sein?

Eva Högl: Der Deutsche Bundestag hat am 30. Juni 2017 mit dem Beschluss zur Ehe für alle den Weg zur vollständigen Gleichstellung Homosexueller freigemacht. Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) wird künftig stehen: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen“. Damit ist es Homosexuellen ab Inkrafttreten des Gesetzes möglich, eine Ehe auf den Standesämtern zu schließen – genau wie heterosexuelle Paare. Damit erlangen schwule oder lesbische Ehepaare auch das volle Adoptionsrecht, was bedeutet: Sie können gemeinsam Kinder adoptieren.

Die SPD hat sich lange für die Abstimmung eingesetzt, die der Koalitionspartner aber nicht wollte. Vier Jahre lang haben wir in der SPD-Bundestagsfraktion tagtäglich mit unserem Koalitionspartner geredet, argumentiert, diskutiert und harte Überzeugungsarbeit geleistet. Denn auf diese wichtige gesellschaftliche Entscheidung haben viele Menschen lange gewartet. 82 Prozent der Deutschen befürworten die Ehe für alle. Für mich war es eine nicht zu rechtfertigende Diskriminierung, hier nach dem Geschlecht zu unterscheiden.

Ich freue mich sehr, dass der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit für die Ehe für alle gestimmt hat. Die Diskriminierung homosexueller Paare wird endlich aufgehoben. Das ist ein Grund zum Feiern!

Rogate: Vielen Dank, Frau Dr. Högl, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Aktualisierung: Die Ermittlungsverfahren gegen Andreas Laun und Roland Noé sind im Mai 2017 durch die Staatsanwaltschaft Berlin eingestellt worden.

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Willkommen zu unseren nächsten Gottesdiensten:

  • Freitag, 14. Juli 2017 | 19:30 Uhr, Eröffnungsgottesdienst zum 25. Lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin. Predigt: Bischof Dr. Matthias Ring (Katholisches Bistum RogateKl_Aushang A4_Stadtfest2017_111116der Alt-Katholiken in Deutschland). Predigttext: 1. Petrus 4, 7-10. Weitere Mitwirkende: Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit), Die Schwestern des Hospizdienstes Tauwerk, Dekan Ulf-Martin Schmidt (Alt-Katholische Gemeinde Berlin), Pastorin Dagmar Wegener (Baptistische Gemeinde Schöneberg), Geschäftsführer Jörg Steinert (Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg, LSVD) und Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert (SPD).  Ort: RogateKl_DINlang_Wilhelmshaven_RZ140617_Front KopieZwölf-Apostel-Kirche. Orgel: Malte Mevissen. Kirchdienst: Christopher Chandler (Zwölf-Apostel-Gemeinde). Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, Berlin-Schöneberg.
  • Montag, 17. Juli 2017 | 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Achim Postert, AfD. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.
  • Montag, 24. Juli 2017 | 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Alexander von Fintel, Bündnis 90/Die Grünen. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.
  • Montag, 31. Juli 2017, 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Dr. Holger Onken, Die Linken. Ort: Christus- und Garnisonkirche; Gemeindehaus, Wilhelmshaven.
  • Montag, 31. Juli 2017, 21:00 Uhr, Mondandacht zu „Der Mond ist aufgegangen”. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.

Das Rogate-Kloster im Mai: Nachtgebete, Eucharistiefeiern und Workshops

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten und Veranstaltungen:

  • rogatekl_aushang-a4_lichtvesper2017_111116Sonnabend, 13. Mai 2017 |16:00 Uhr, Taufe. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg. Orgel: Timo Hoth.
  • Sonnabend, 20. Mai 2017 |18:00 Uhr, Lichtvesper, mit der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Sonntag Rogate, 21. Mai 2017 | 10:00 Uhr, Eucharistie, mit der Zwölf-Apostel-Gemeinde. Predigt: Bruder Franziskus. Predigttext: 1. Petrus 4, 7-10. Orgel: Kreiskantor Christoph Hagemann. Lektorin: Mechthild Rawert, MdB. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • RogateKl_Aushang A4_Eucharistie RogateSo 210517_111116 Kopie.jpgHimmelfahrt, Donnerstag, 25. Mai 2017 | 11:00 – 13:00 Uhr, Workshop „Am Anfang war die Sehnsucht. Erfahrungen bei der Suche nach einer Geistlichen Gemeinschaft„, Ort: Deutscher Evangelischer Kirchentag, Halle 5.2b, Raum Kassel 1, Workshopraum, Messe Berlin, Charlottenburg (594 | E1) .
  • Himmelfahrt, Donnerstag, 25. Mai 2017 | 22:30 Uhr, Komplet, das Nachtgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Freitag, 26. Mai 2017 | 14:00 Uhr – 15:00 Uhr, Veranstaltung „Miteinander leben in der Großstadt Berlin: liturgische und praktische Beispiele für verbindliches Einstehen und Engagement füreinander„. Ort: Deutscher Evangelischer Kirchentag, Zelt der Begegnung, Messegelände.
  • Freitag, 26. Mai 2017 | 19:00 Uhr, Feierabendmahl. Orgel: Kreiskantor Christoph Hagemann.
  • Freitag, 26. Mai 2017 | 22:30 Uhr, Komplet, das Nachtgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Sonnabend, 27. Mai 2017 | 22:30 Uhr, Komplet, das Nachtgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Sonntag, 28. Mai 2017 | 12:00 Uhr, Eucharistie, Kleiner Saal der Zwölf-Apostel-Gemeinde. An der Apostel-Kirche 3. Predigt: Pfarrerin Andrea Richter, Beauftragte für Spiritualität in der EKBO

Die Übersicht für den Mai finden Sie hier.

Vorschau:

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