25 Fragen zum Gottesdienst: 25 Antworten heute hier.

Wikipedia definiert „Gottesdienst“ so:

Ein Gottesdienst ist eine Zusammenkunft von Menschen mit dem Zweck, mit Gott in Verbindung zu treten, mit ihm Gemeinschaft zu haben, Opfer zu bringen, Sakramente zu empfangen bzw. eine auferlegte religiöse Pflicht zu erfüllen. Er kann in einer eigens vorgesehenen Räumlichkeit (Kirche, Synagoge, Moschee, Pagode, Tempel etc.) stattfinden, wie auch im häuslichen Bereich oder in freier Natur.

Das deutsche Wort Gottesdienst entspricht dem lateinischen Begriff cultus (Kultus, „Verehrung“) und bezieht sich vornehmlich auf religiöse Feiern im Christentum, wird jedoch auch für andere Religionsgemeinschaften verwendet, die gemeinsame Gebete verrichten, wie das Judentum und den Islam.

Oft folgt ein Gottesdienst einem Ritus, der durch einen überlieferten Ablauf oder durch Festsetzung durch eine geistliche Instanz vorgegeben ist, wie etwa die katholische Liturgie der katholischen Kirche und der orthodoxen Kirchen oder die evangelische Agende. Bei entsprechender Zielsetzung werden jedoch auch spontane oder wenig strukturierte Zusammenkünfte als Gottesdienst bezeichnet.

An diesem Freitag, 15. April 2016, setzen in unserer „Freitagsfragen“-Reihe einen Schwerpunkt „Gottesdienst“ mit folgenden Interviewpartnern hier auf unserem Rogate-Kloster-Blog:

  • Um 9:15 Uhr: Fünf Freitagsfragen an Anita Christians-Albrecht, Plattdeutschbeauftragte der Landeskirche Hannovers, über ‚Gott up Platt – Wat sall dat?‘, ‚Gott sien Lüüd‘ und „Gott deep mitföhlen deit“.
  • Um 11:15 Uhr: Fünf Freitagsfragen an Prof. Dr. Alexander Deeg, Universität Leipzig, über gute Gottesdienste, überzeugende Feierformen und die Wertschätzung der Eucharistie.
  • Um 13:15 Uhr: Fünf Freitagsfragen an Landesbischof Gerhard Ulrich, Nordkirche und Leitender Bischof der VELKD, über die Definition eines lutherischen Gottesdienstes, situationsgemäße Liturgie und die Relevanz der Tradition.
  • Um 15:15 Uhr: Fünf Freitagsfragen an Kirchenrat Klaus Rieth, Evangelische Landeskirche in Württemberg, über die Reaktion der Gemeinden im Ländle auf den Zustrom geflüchteter Menschen und eine bundesweit gefragte mehrsprachige Gottesdienst-Hilfe.
  • Um 18:45 Uhr: Fünf Freitagsfragen an Prof. Dr. Stephan Weyer-Menkhoff, Universität Mainz, über den Unterschied von Gottesdienst, Andacht und Stundengebet, wie das Evangelium gottesdienstlich den Einzelnen trägt und das Stehen in den Horen.
  • Weitere bisher veröffentlichte Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.

Fünf Fragen an: Anders Arborelius OCD, Bischof von Stockholm

Fünf Freitagsfragen an Bischof Anders Arborelius, Bistum Stockholm, über das Leben in der post-protestantischen Diaspora, die Spiritualität eines Ordensmannes und der kirchliche Einsatz für Flüchtlinge in Schweden.

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Bischof Anders Arborelius OCD  (Bild: Bistum Stockholm)

Lars Anders Arborelius, aus einer schwedischen Familie stammend, und während einer Reise seiner Familie in der Schweiz geboren, wuchs im südschwedischen Lund auf und konvertierte im Alter von 20 Jahren zum katholischen Bekenntnis. Als er 22 Jahre alt war, trat er in das Karmeliterkloster von Norraby in Tågarp ein, unweit von Landskrona. Er studierte Philosophie in Brügge und Rom. Bischof Hubertus Brandenburg spendete ihm am 8. September 1979 in Malmö die Priesterweihe. Am 17. November 1998 wurde Arborelius von Papst Johannes Paul II. zum ersten schwedischstämmigen Bischof des katholischen Bistums Stockholm berufen. Die Bischofsweihe spendete ihm am 29. Dezember 1998 sein Amtsvorgänger Hubert Brandenburg; Mitkonsekratoren waren William Kenney CP, Weihbischof in Birmingham, und Alfons Nossol, Bischof von Oppeln. Seit 2005 ist er Vorsitzender der Nordischen Bischofskonferenz.

Rogate-Frage: Herr Bischof Arborelius, wie lebt es sich als römisch-katholischer Christ in Schweden und damit in der Diaspora?

Anders Arborelius: Als Katholiken leben wir als kleine Minderheit – etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung – in einem post-protestantischen Land. Die meisten von uns kommen aus anderen Ländern, aus der ganzen Welt. Darum ist es eine sehr internationale – und katholische – Gemeinschaft. In größeren Städten gibt es katholische Kirchen, doch woanders kann es sehr weit zur Kirche sein. Ich bewundere viele Menschen, die sich Mühe machen, einen weiten Weg zu fahren, um zur Messe zu kommen. Es gibt so viele, die tief verbunden mit Christus leben und auch Zeugnis von ihrem Glauben geben. Natürlich gibt es auch Menschen, die in dieser säkularisierten Gesellschaft von der Kirche verschwinden. Es ist erfreulich, dass auch Andersgläubige jetzt mehr Interesse für die katholische Kirche zeigen, Papst Franziskus hat viel Sympathie unter den Menschen gewonnen.

Rogate-Frage: Was ist Ihre persönliche Spiritualität und wird diese durch Ihr Leben in Skandinavien und als Ordensmann beeinflusst?

Anders Arborelius: Als Karmelit versuche ich auch im Alltagsleben eines Bischofs in einer Atmosphäre von Gebet und Gottesgemeinschaft zu leben. Ich war 27 Jahre im Kloster und das hat mir geholfen, um in Gottes Anwesenheit zu verweilen auch unter anderen Aufgaben. Nun bin ich 17 Jahre Bischof und man muss immer aufs Neue sich bekehren und versuchen Gott näher zu kommen, um dann auch Gott an die Menschen zu vermitteln. Gebet und Arbeit gehören zusammen für mich, aber ich habe auch große Not in stillen und einsamen Stunden.

Rogate-Frage: Wie gestaltet sich die ökumenische Zusammenarbeit, Gastfreundschaft und Geschwisterlichkeit zwischen Kirchen und Klöstern in Schweden?

Anders Arborelius: In Schweden gibt es eine gute ökumenische Atmosphäre. Etwa 26 verschiedene Kirchen arbeiten zusammen in der ökumenischen Zentralorganisation SKR. In Fragen über Spiritualität, Hilfe an Notleidende und Umweltfragen gibt es viel Zusammenarbeit. Als Katholiken können wir auch protestantische Kirchengebäude für unsere Gottesdienste nutzen, weil wir nicht genug eigene Kirchen haben. Dadurch entstehen ökumenische Freundschaften. Unsere Klöster werden auch von vielen evangelischen Christen besucht.

Rogate-Frage: Wie reagieren die Kirchen in Schweden auf den Zustrom geflüchteter Menschen nach Schweden?

Anders Arborelius: Die Kirchen haben sich gemeinsam sehr offen gezeigt für Flüchtlinge und in vielen Gemeinden haben Gläubige sich freiwillig eingesetzt, um ihnen zu helfen.

Rogate-Frage: Wie beurteilen Sie die Flüchtlingspolitik der schwedischen Regierung? Ist das Schließen der Grenzen für Menschen auf der Flucht ethisch vertretbar und geboten?  

Anders Arborelius: Es ist sehr schade, dass die schwedische Regierung ihre offene Politik geändert hat. Die Kirchen versuchen zusammen die Politiker zu bewegen, eine mehr offene Tür für die Flüchtlinge zu haben.

Rogate: Vielen Dank, Herr Bischof Arborelius, für das Gespräch!

Mehr über Bischof Anders Arborelius OCD finden Sie hier.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der Kapelle der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Rogate Kl_Postkarte_Großes Herz1503_080316 KopieDienstag, 15. März 16 | 19:00 Uhr, PassionsvesperGroßes Herz. Sieben Wochen ohne Enge” mit Superintendent Uwe Simon, Kirchenkreis Oberes Havelland
  • Donnerstag, 17. März 16 | 19:30 Uhr, Komplet in der Passionszeit, Nachtgebet in der Kapelle (Sakristei)
  • Keine Vesper am Dienstag, 22. März 16 | 19:00 Uhr (Kirche wird von der Gemeinde genutzt)
  • Keine Andacht am Donnerstag, 25. März 16 | 19:30 Uhr (Kirche wird von der Gemeinde genutzt)
  • Karfreitag, 25. März 16 | 15:00 Uhr, Kreuzweg, Michaelskirche, Bessemer Straße Rogate Kl_Aushang_Kreuzweg_090316-2 Kopie97/101, 12103 Berlin-Schöneberg, Bus 106 (Richtung Lindenhof)
  • Ostersonntag, 27. März 16 | 6:30 Uhr, Ostermorgengottesdienst der Gemeinde Alt-Tempelhof (mit Beteiligung des Rogate-Klosters), Dorfkirche Tempelhof, Am Reinhardtplatz, 12103 Berlin-Tempelhof, U Alt-Tempelhof
  • Ostermontag, 28. März 16 | 11:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie, mit der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Dienstag, 29. März 16 | 19:00 Uhr, Vesper, Kirche

Fünf Fragen an: Sieghard Wilm, Pastor in Hamburg-St. Pauli

Fünf Freitagsfragen an Pastor Sieghard Wilm über Nothilfe für Flüchtlinge aus Afrika, Kirche im sozialen Brennpunkt und die Sehnsucht nach Stille mitten auf St. Pauli in Hamburg.

Pastor Sieghard WilmSieghard Wilm ist seit 2002 Pastor in Hamburg-St. Pauli. 1965 in Bad Segeberg geboren, studierte er in Heidelberg, Accra/Ghana und Hamburg Ev. Theologie und Ethnologie. Er ist Landessynodaler der Nordkirche und wurde 2014 für sein Engagement in der Flüchtlingsarbeit mit dem „Helmut-Frenz-Preis für Mitmenschlichkeit“ ausgezeichnet.

Rogate-Frage: Herr Pastor Wilm, Ihre St. Pauli-Kirchengemeinde und Sie wurden bundesweit durch die humanitäre Nothilfe für afrikanische Flüchtlinge bekannt. Wie ist es zu dieser Maßnahme gekommen?

Sieghard Wilm: Es war die unmittelbare Not der Menschen, die vor unserer Kirchentür standen: Nässe und Kälte ausgesetzt, hustend und hungrig, müde und schutzlos.

Es ist eigentlich so einfach und naheliegend, die Kirche für die Flüchtlinge zu öffnen. Ich bin meinem Herzen gefolgt – aber natürlich habe ich mich mit dem Kirchengemeinderat abgestimmt.

Rogate-Frage: Über Wochen hinweg haben Sie mit den Flüchtlingen gelebt und Sie unterstützt. Was haben Sie in dieser Zeit gelernt?

Sieghard Wilm: Ein halbes Jahr war unsere Kirche 24 Stunden am Tag geöffnet – im Oktober bekamen wir dann endlich die Genehmigung für die Container des Winternotprogramms. Diese Maßnahme endete am 2. Juni, ein Jahr nachdem wir die Nothilfe begonnen hatten. Ich habe gelernt, dass es gut ist, eine Sache anzufangen von der ich überzeugt bin – auch wenn ich nicht überblicken kann, ob alles gut gehen wird. In diesem Moment des Kontrollverlusts steckt die schönste Gotteserfahrung. Wir haben improvisiert im freien Fall und immer wieder erfahren, dass wir getragen werden.

Rogate-Frage: Hat sich für die Kirchengemeinde etwas verändert? Was ist heute anders in der St. Pauli-Gemeinde?

Sieghard Wilm: Die Hilfe ist noch nicht beendet, aber mittlerweile strukturiert und verstetigt. Wir sind noch am Sortieren, was das für uns hier vor Ort bedeutet. Als Kirche im sozialen Brennpunkt wird Flucht und Migration für uns weiterhin ein wichtiges Thema sein.

Wir haben viele Ehrenamtliche gewonnen und sind deutlich mehr geworden in den Gottesdiensten.

Rogate-Frage: Sie legen großen Wert darauf, dass es kein Kirchenasyl war. Worin liegt der Unterschied?

Sieghard Wilm: Kirchenasyl ist eine Möglichkeit, um einem Menschen zu helfen, dessen rechtliche Lage schon geklärt ist. Hier gilt es dann, Zeit zu gewinnen, um Rechtsmittel einlegen zu können. Die Flüchtlinge, die zu uns kamen, sind keine Asylantragssteller. Ihre grundsätzliche Schutzbedürftigkeit ist schon von der italienischen Republik festgestellt worden.

Rogate-Frage: Hat sich Ihre eigene Spiritualität durch die Nothilfe verändert? Wenn ja, wie?

Sieghard Wilm: Wir haben ja ein sehr lautes Jahr erlebt – da entsteht schon eine tiefe Sehnsucht nach Stille. Aktion und Kontemplation muss immer wieder eine Balance finden. Wir bitten: Gott segne unser Tun und unser Lassen. Gerade den Engagierten rate ich, nicht heißzulaufen im Einsatz für andere und dann auszubrennen. Das Lassen will genauso gesegnet werden.

Und noch etwas: Wir sind immer so schön strukturiert und durchorganisiert. Etwas mehr Gottvertrauen, dass sich der heilige Geist auch im Chaos zurechtfindet würde uns alle von Zwanghaftigkeit erlösen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Pastor Wilm!

Mehr über die St. Pauli-Kirchengemeinde hier: stpaulikirche.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de. Dabei auch ein Gespräch mit Pastorin Fanny Dethloff, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche, über humanitäre Aufnahme von Flüchtlingen, Asyl in der Kirche und die Bibel als Buch der Migranten.

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Sonnabend, 9. August 2014, 12:00 Uhr, Mittagsgebet und Andacht für Trauernde, Neuen-Zwölf-Apostel-Kirchhof, Werdauer Weg 5, S Schöneberg. Orgel: Malte Mevissen
  • Dienstag, 12. August 14 |19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 14. August 14 |19:30 Uhr, Konventsamt
  • Dienstag, 19. August 14 |19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 21. August 14 |19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Unseren August-Plan finden Sie hier.