Fünf Fragen an: Stefan Wenzel, MdL Niedersachsen

Fünf Freitagsfragen an Stefan Wenzel, Mitglied des Landtages von Niedersachsen, über die Symbiose des Menschen mit der Pflanzen- und Tierwelt, die Notwendigkeit einer Weltverfassung und eine Ethik des Fleischkonsums.

Stefan Wenzel MdL

Stefan Wenzel (Bild: Grüne Fraktion)

Stefan Wenzel ist in Dänemark geboren und in Niedersachsen aufgewachsen. Er hat in Göttingen Agrarökonomie studiert, hat sich lange für ein Ende der Nutzung von Atomenergie engagiert und war fast fünf Jahre Umweltminister in Niedersachsen.

Rogate-Frage: Herr Abgeordneter Wenzel, wie dramatisch ist das Insekten- und Vogelsterben in Niedersachsen und welche Auswirkungen hat es?

Stefan Wenzel: Es gibt sehr wenige Untersuchungen. Die beste Untersuchung ist derzeit eine Studie von Wissenschaftlern aus Krefeld, die fast 30 Jahre lang Beobachtungen angestellt haben. Die Studie wurde auch im Wissenschaftsjournal Plus One veröffentlicht. Ergebnis sind Rückgänge bei den Insektenmenge von etwa 70 Prozent. Das sind dramatische Zahlen. Deshalb hat Niedersachsen eine Expertengruppe eingesetzt und die Umweltministerkonferenz hat die Bundesregierung gebeten zu handeln. Insekten sind die Tierart mit den allermeisten Tierarten. Sie haben eine essentielle unverzichtbare Bedeutung für die Bestäubung von Wild- und Nahrungspflanzen. Sie sind aber beispielsweise auch unverzichtbar für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Ohne Insekten kann der Mensch nicht überleben. Er lebt in einer Symbiose mit der Pflanzen- und Tierwelt und ist ein Teil des Ganzen.

Rogate-Frage: Was sind die Ursachen für diese dramatische Entwicklung und wer trägt die Schuld?

Stefan Wenzel: Die Ursachen sind noch umstritten. Deshalb soll das sogenannte Monitoring der Arten und die Forschung vorangetrieben werden. Wir können mit Gegenmassnahmen aber nicht warten, bis in einigen Jahren eindeutige Forschungsergebnisse vorliegen. Deshalb müssen wir auch dort ansetzen, wo eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass Massnahmen helfen. Das betrifft eine massive Reduzierung des Einsatzes von Insektiziden, Herbiziden und Fungiziden im Landbau. Die Beendigung der Überdüngung, die ohnehin dem Grundwasser schadet. Eine sehr extensive Weidehaltung auf den sogenannten Greening-Flächen der Bauern. Die Renaturierung der Bäche, Flüsse und Stillgewässer. Die drastische Reduzierung von künstlichen Lichtquellen in der Nacht. Auch die Energiewende ist sehr wichtig. Schnelle Klimaveränderungen können das Artensterben beschleunigen.

Rogate-Frage: Mikroplastik und riesige Teppiche von Müll in den Meeren, kaum intakte Flüsse und Bäche in Deutschland, Artensterben, Nitrat im Grundwasser…. Können wir die Entwicklung noch aufhalten?

Stefan Wenzel: Der wichtigste Schritt ist zu erkennen was ist. Da sind wir weltweit vorangekommen: Von „Laudato si2 bis zum Pariser Klimaabkommen und den UN Nachhaltigkeitszielen. Derzeit erleben wir das letzte Aufbäumen der alten Öl- und Kohlewelt. Auch die Atomkraft ist wirtschaftlich tot. Wer daran fest hält, will die Bombe. Deshalb brauchen wir ein globales Governance System und eine Weltverfassung.

Rogate-Frage: Was können wir als Bürger und Konsumenten konkret für die Umwelt und eine Verbesserung der Situation von Flora und Fauna tun?

Stefan Wenzel: Das Klimaabkommen wäre ohne die Best practice Beispiele der Bürgerinnen und Bürger, der Kommunen und den Druck der gesamten Zivilgesellschaft nicht gekommen. Das gilt ebenso auf vielen anderen Feldern. Wichtig ist, Mut zu machen beim konkreten Handeln und die eigene Kraft und deren Wirkung zu erkennen.

Rogate-Frage: Wie sinnvoll ist in ökologischer Hinsicht der Verzicht auf Fleisch und tierische Produkte?

Stefan Wenzel: Der Verzicht oder die Reduzierung ist ein zentraler Punkt für eine gute Zukunft. Ein sehr großer Teil der Weltagrarflächen wird für Fleischproduktion genutzt. Dafür wurden viel zu viele Wälder abgeholzt. Urwälder zerstört. Für mich ist Fleischkonsum auch eine ethische Frage. Tiere sind Geschöpfe, die diesen Planeten mit uns gemeinsam bewohnen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Wenzel, für das Gespräch.

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Kommende Rogate-Gottesdienste und Termine:

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Fünf Fragen an: Schwester Hannelore Huesmann, ambulanter Hospizdienst TAUWERK

Fünf Freitagsfragen an Schwester Hannelore Huesmann, Leiterin Hospizdienst TAUWERK e.V., über einen Liebhaber des Lebens, menschenwürdiges Sterben und ein anderes Gesicht von Kirche.

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Sr. Hannelore (Bild: privat)

Schwester Hannelore Huesmann stammt gebürtig aus dem Münsterland und ist von Beruf Krankenschwester mit Palliative Care-Zusatzqualifikation. Sie trat 1987 in die Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von Münster-Mauritz ein.
Seit 1992 lebt sie mit zwei Mitschwestern in Berlin und leitet den im Jahr 1997 von ihr mitgegründeten Hospizdienst TAUWERK e.V.

Rogate-Frage: Schwester Hannelore, warum haben Sie sich für ein Leben als Ordensfrau entschieden?

Schwester Hannelore: Ich habe durch die Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin, ein ganz bestimmtes Gottesbild vermittelt bekommen: ein Gott, der sich in Jesus bedingungslos jedem Menschen zuwendet und der ein „Liebhaber des Lebens“ ist.

Für mich stellte sich die Frage, ob das nur eine theoretische Erkenntnis ist oder auch Auswirkungen in meinem ganz konkreten Leben hat. Mit anderen Worten: wenn ich ernstnehme, dass Gott konkret mit mir zu tun haben will, dass die Frohe Botschaft seiner Liebe nicht nur in der Bibel zu lesen ist, sondern mich ganz persönlich meint und anspricht – welche Antwort gebe ich dann, was bewirkt diese Frohe Botschaft in meinem Leben als Christin?

Unter den vielen möglichen Lebensformen, in der Nachfolge Jesu zu leben, das heißt diese Liebe Gottes weiterzugeben, kam dann irgendwann auch die Lebensform im Orden in Betracht und ließ mich nicht mehr los. In der Tradition des Franz von Assisi habe ich meine spirituelle Heimat gefunden.

Rogate-Frage: Sie arbeiten in einem besonderen Zweig, einem ambulanten Hospizdienst. Wie kam es dazu?

Schwester Hannelore: Zu einem menschenwürdigen Leben gehört für mich auch ein menschenwürdiges Sterben. Ich mag „Leben“ und „Sterben“ nicht auseinanderdividieren! Sterben ist ein Teil des Lebens und sterbende Menschen sind zutiefst lebende Menschen – manchmal in einer unglaublichen Intensität lebende Menschen!

Ambulante Hospizarbeit ist Ausdruck einer lebens- und menschenbejahenden Haltung, die an jedem Lebensort konkret erlebbar sein muss: ob in den eigenen vier Wänden, im Krankenhaus, im Pflegeheim oder wo auch immer.

Es geht darum, dass Menschen – gerade auch in der Situation schwerer Erkrankung – die Erfahrung machen können, mit ihren Grenzen und Beeinträchtigungen ebenso angenommen, wertgeschätzt und gefördert zu werden wie mit ihren Fähigkeiten und Begabungen.

In meinem Beruf als Krankenschwester habe ich genau dafür Sorge zu tragen. Daher hat mich die Hospizarbeit immer schon angesprochen. Konkrete Erfahrungen mit Menschen, die eine HIV-Infektion hatten beziehungsweise bereits an den Folgen von AIDS erkrankt waren, führten dann dazu, dass wir einen ambulanten Hospizdienst in Berlin gegründet haben, um genau diese Menschen zu begleiten.

Rogate-Frage: Was genau ist Tauwerk?

Schwester Hannelore: TAUWERK ist der Name unseres ambulanten Hospizdienstes. Das TAU, ein griechischer Buchstabe, wurde von Franz von Assisi als Zeichen benutzt, um Menschen Segen und Heil zu wünschen. Es ist sozusagen das „franziskanische Markenzeichen“.

Im Hospizdienst TAUWERK e.V. haben sich Menschen zusammengeschlossen, denen es ein Anliegen ist, schwerkranke und sterbende Menschen mit AIDS im Sinne der Hospizidee zu unterstützen und zu begleiten.

Das heißt konkret: Wir besuchen schwerkranke und sterbende Menschen mit AIDS sowie die ihnen Nahestehenden und machen Gesprächsangebote in der jeweiligen Lebenssituation. Diese Besuche können auch eine 24stündige Anwesenheit bei einem sterbenden Menschen mit absichern helfen. Wir fragen, ob jemand unsere Hilfe bei der Gestaltung seines Alltags braucht, die über die Versorgung durch Pflegekräfte hinaus geht. Die Stützung sonstiger sozialer Kontakte ist unseren Mitarbeitenden ein Anliegen. In manchen unserer Begleitungen geht es um die Beratung in Fragen palliativer Versorgungsmöglichkeiten. Unsere hospizliche Begleitung endet nicht mit dem Tod des Patienten, sondern bietet den Angehörigen auch Unterstützung in der Zeit der Trauer an.

TAUWERK hat damit also nicht nur die erkrankten Menschen, sondern immer auch deren soziales Umfeld mit im Blick. Gerade sie brauchen oft Informationen, ein offenes Ohr oder tatkräftige Unterstützung, weil sie im Zusammenhang mit der Betreuung eines Menschen in der letzten Lebensphase vor viele Fragen gestellt sind.

In Ergänzung zu Pflegediensten möchten die Mitarbeitenden des TAUWERKs dazu beitragen, nach den je eigenen und individuellen Wünschen das Leben bis zuletzt gestalten zu können. Daher sieht die hospizliche Unterstützung individuell immer etwas anders aus.

Rogate-Frage: Wie arbeiten Sie und wie finanziert sich der Dienst?

Schwester Hannelore: TAUWERK ist ein Team aus zwei professionellen Fachkräften aus dem Bereich Krankenpflege und Psychologie, die hauptamtlich arbeiten, und inzwischen 35 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, die sich in einem Hospizhelferkurs auf diese Aufgabe vorbereitet haben.

Die Begleitung ist für die Betroffenen und deren Angehörigen vollkommen unentgeltlich. Dies bedeutet, dass die Menschen, die wir begleiten, keinerlei finanzielle Belastung durch die hospizliche Unterstützung zu erwarten haben und auch keiner Spendenerwartung ausgesetzt sind!

Man kann jederzeit formlos Kontakt aufnehmen, wenn man der Meinung ist, dass diese Form der Unterstützung jetzt hilfreich sein könnte. Die Kosten werden durch einen Personalkostenzuschuss der Krankenkassen und durch Spenden von Menschen gedeckt, die diese Arbeit nicht als Ehrenamtliche, sondern mit ihrer finanziellen Zuwendung unterstützen möchten. Damit sorgen sie dafür, den Rahmen für die Tätigkeit der haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen zu gewährleisten und damit den Menschen, die unseren Dienst in Anspruch nehmen, menschliche Zuwendung im Sinne der Hospizidee erfahrbar zu machen. Erfreulicherweise haben die Mittel bisher immer ausgereicht, um die Arbeit fortsetzen zu können.

Rogate-Frage: Sie kommen mit sehr unterschiedlichen Menschen zusammen, deren Identität beziehungsweise deren Leben nicht immer der Lehre der römisch-katholischen Kirche entspricht. Wie gehen Sie damit um? Wie gehen Menschen damit um, die durch Sie betreut werden?

Schwester Hannelore: Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch Gottes Ebenbild ist und von ihm geliebt wird. Ich freue mich an der Vielfalt und gleichzeitig Einmaligkeit der Menschen, denen ich begegnen darf.

Und ich frage mich: wie soll jemand erleben, als ganzer Mensch mit allem, was ihn oder sie ausmacht, angenommen und wertgeschätzt zu sein, wenn wir als Christen da plötzlich Abstriche machen und einen Menschen auf seine sexuelle Identität reduzieren?

Wenn „Schwester“ nicht bloß ein frommer Zusatz zum Ordensnamen sein soll, dann muß ich mich als Schwester begreifen und entsprechend verhalten. Und dann ist da kein Platz für Beurteilung geschweige denn Verurteilung oder Ausgrenzung.

Ich erlebe oft überraschte Gesichter, wenn ich diese Haltung im Gespräch mit einem unserer Patienten deutlich mache. Oft sind es Menschen, die diesbezüglich erheblich verletzt wurden und deshalb auf Distanz zur Kirche gegangen sind. Das schönste Kompliment, dass jemand uns gemacht hat, lautete: „Ich habe seit einer Woche ein anderes Gesicht von Kirche kennengelernt.“

Rogate: Vielen Dank, Schwester Hannelore, für das Gespräch.

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

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    Der Botkyrka Kammarkör (Bild: Chor)

    Sonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden. Orgel: Manuel Rösler

  • Donnerstag, 20. Oktober 2016 | 19:30 Uhr, Mitgliederversammlung des Fördervereins.
  • Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie  mit Bischof Dr. Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, Evangelische Kirche Berlin – Brandenburg – schlesische Oberlausitz (EKBO), Bezirksbürgermeisterin  Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde. Chor: „Mixed Martinis – Gospel & more“, Tegel. Orgel: Manuel Rösler
  • Sonntag, 3. Advent, 11. Dezember 2016 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pastor Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und N.N., Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde
  • Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Dr. Christoph Meyns, EKD-Beauftragter zu den evangelischen Kommunitäten

Fünf Freitagsfragen an Dr. Christoph Meyns, Beauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für den Kontakt zu den evangelischen Kommunitäten, über Orte geschwisterlicher Gemeinschaft, Schulen der Achtsamkeit und die Versuchung der Selbstabschließung.

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Landesbischof Christoph Meyns (Bild: LK BS)

Dr. Christoph Meyns stammt gebürtig aus Bad Segeberg. In Kiel und Tübingen studierte er Evangelische Theologie. Als Stipendiat der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche verbrachte er zwei Jahre bei der Evangelical Lutheran Church of Papua New Guinea. Nach dem Vikariat im Predigerseminar Breklum und in Husum war er Gemeindepastor in Bargum/Breklum-Nord, Krummesse und Oldenswort. Er ließ sich zum Geistlichen Begleiter bei der damaligen Communität Christusbruderschaft in Wülfinghausen ausbilden. Verschiedene Aufgaben im Kirchenamt in Kiel für die Evaluation des Reformprozesses der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche sowie als Organisations- und Personalentwickler im Kirchenkreis Dithmarschen folgten. 2013 promovierte er zum Doktor der Theologie im Fach Praktische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Seit Juni 2014 ist er Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig und seit Juni 2016 Beauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für den Kontakt zu den evangelischen Kommunitäten.

Rogate-Frage: Was verbinden Sie mit evangelischen Kommunitäten und Klöstern?

Christoph Meyns: Für mich stehen evangelische Kommunitäten und Klöster für eine Form des kirchlichen Lebens, in der Gottesdienst, Gebet und geschwisterliche Gemeinschaft in besonderer Intensität gepflegt werden. In einer Zeit, die von verwirrend vielen Möglichkeiten, Zerstreuung und Oberflächlichkeit gekennzeichnet ist, stehen sie ein für die Konzentration auf das Wesentliche, die Wertschätzung der Stille und das Eintauchen in die Fundamente unserer Existenz.

Rogate-Frage: Nicht selten müssen sich Angehörige evangelischer Klöster und Kommunitäten den Vorwurf anhören, ihre Lebensform sei „nicht evangelisch“. Was sagen Sie dazu?

Christoph Meyns: Die Reformation kritisierte die klösterliche Lebensform als Mittel der Werkgerechtigkeit und aufgrund der Lasten, die sich daraus für die Gesellschaft ergaben. Sie fokussierte die Aufmerksamkeit auf Familie und Beruf als gleichberechtigten Ort christlicher Existenz. Im Ergebnis führte diese „Entthronung“ mönchischer Lebensweisen zu ihrer Abschaffung. Damit wurde meines Erachtens das Kind mit dem Bade ausgeschüttet

Auch evangelische Christinnen und Christen können in der Begegnung mit dem Wort Gottes für sich Konsequenzen für die eigene Lebensführung ziehen, die sie in Anknüpfung an die Traditionen des Mönchtums in ein kommunitäres oder klösterliches Leben hinein führen.

Wichtig ist mir, dass nicht das eine gegen das andere ausgespielt wird. Beide Lebensformen haben ihre je eigenen geistlichen Vorzüge, Herausforderungen, Gefährdungen und Fehlformen.

Rogate-Frage: Welche Bedeutung haben Klöster und Geistliche Gemeinschaften in der EKD?

Christoph Meyns: Wir brauchen Orte des Rückzugs, der Stille, der Besinnung und der Kontemplation. Unsere Welt ist so laut, dass wir die leise Stimme Christi und die des eigenen Gewissens oft überhören. Kommunitäten und Klöster sind in besonderer Weise Schulen der Achtsamkeit, des Gebetes und der Liturgie. Sie leisten damit Widerstand gegen einen Zeitgeist, der mit Kopflastigkeit, Machbarkeitswahn, Leistungsdruck, Selbstüberforderung, Misstrauen und der Flucht vor Erfahrungen der Begrenztheit und Kontingenz des Lebens bis tief hinein ins kirchliche Leben Verunsicherung auslöst.

Rogate-Frage: Wie kann die Kirche ihre Klöster und deren geistliches Leben schützen und fördern?

Christoph Meyns: Ich bin noch zu wenig in meine neue Aufgabe eingearbeitet, um beurteilen zu können, was genau Klöster und Kommunitäten von der verfassten Kirche brauchen. Ein erster Schritt scheint mir darin zu liegen, ihnen Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu schenken und sie neben Ortsgemeinden, funktionalen Diensten, Kreisen, Initiativen, Vereinen, Verbänden und diakonischen Einrichtungen als wichtigen Teil des kirchlichen Lebens zu würdigen.

Wichtig scheint mir für unsere Kirche insgesamt zu sein, der Versuchung zu Selbstabschließung und Selbstgenügsamkeit entgegen zu wirken und an guten Beziehungen zwischen den verschiedenen Orten und Ebenen des kirchlichen Lebens zu arbeiten.

Rogate-Frage: Welchen Rat geben sie den Gemeinschaften auf den Weg für das Leben in, mit und für die Kirche?

Christoph Meyns: Da halte ich es mit Paulus: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Philipper 4,4

Rogate: Vielen Dank, Herr Landesbischof Dr. Meyns, für das Gespräch!

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Rogate Kl_Aushang_Eucharistie 22 Sonntag n Trinitatis_160616 Kopie.jpgSonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden. Orgel: Manuel Rösler
  • Donnerstag, 20. Oktober 2016 | 19:30 Uhr, Mitgliederversammlung des Fördervereins.
  • Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Ökumenisches Eucharistie  mit Bischof Dr. Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, EKBO, Bezirksbürgermeisterin  Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde. Chor: „Mixed Martinis – Gospel & more“, Tegel. Orgel: Manuel Rösler
  • Sonntag, 3. Advent, 11. Dezember 2016 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pastor Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirche
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Fünf Fragen an: Andrea Richter, Landespfarrerin für Spiritualität, Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schl. Oberlausitz

Fünf Freitagsfragen an Andrea Richter, Landespfarrerin für Spiritualität der EKBO, über eigene Frömmigkeit, Vertiefungswege zu Gott und große Weite in der geistlichen Begleitung.

Pfarrerin Andrea Richter

Andrea Richter, Jahrgang 1959, studierte Schulmusik an der Hochschule der Künste (HdK) Berlin, anschließend folgte das Theologiestudium an der Kirchlichen Hochschule und Predigerseminar in Berlin. Sie leistete ein Pfarrvikariat an der „Deutschen Gemeinde zu Jerusalem“, später 16 Jahre Pfarrdienst  in Frohnau und Konradshöhe-Tegelort.
Theologisch engagiert sie sich im „Jüdisch-christlichen Dialog“ und ist Sprecherin der „AG Judentum und Christentum in der EKBO“. Seit dem 1. April 2012 ist sie Beauftragte für Spiritualität in der EKBO.

Rogate-Frage: Frau Pfarrerin Richter, Sie sind Landespfarrerin für Spiritualität. Müsste nicht eigentlich jede Pfarrerin und jeder Pfarrer in dieser Frage spezialisiert und auch vermittelnd tätig sein?

Andrea Richter: Hoffentlich ist es genau so, wie Sie sagen, dass jede Pfarrperson ihre eigene Spiritualität lebt und auch auskunftsfähig ist. Aber natürlich kennt jeder erwachsene Mensch auch all die Fallstricke des Alltages, die uns daran hindern, still zu werden, uns auf Gott zu besinnen, die Bibel zu lesen und überhaupt achtsam mit Gott zu leben. Glücklicherweise wird es vielen aber auch bewusst, dass sie zu sehr an der Oberfläche des Alltagsgeschäftes und der kirchlichen „Verrichtungen“ leben und sie über längere Zeit die Sehnsucht nach Gott nicht mehr gespürt haben. Oft ist es so, dass Menschen sich dessen in der „Lebensmitte“ bewusst werden und nach neuer Vertiefung und Gottesbeziehung suchen. Über diese eigenen Prozesse zu sprechen und andere auf die Vertiefungswege mitzunehmen – das ist meines Erachtens ein ungemeiner Zuwachs an „spiritueller Kompetenz“ für uns Pfarrerinnen und Pfarrer.

Rogate-Frage: Was ist christliche Spiritualität?

Andrea Richter: Im Grunde ist sie etwas ganz und gar Ein-faches: Spiritualität (Frömmigkeit) ist die Weise, mit der ich mit Gott, an den ich glaube, auch lebe – und zwar im Hier & Jetzt. Es gibt die schöne Unterscheidung zwischen dem „Credo“ = Ich glaube an… und dem „Cor-do“ = Ich gebe mein Herz. Christliche Spiritualität sucht nach Traditionen und Wegen der Lebens- und Liebesbeziehung zu Gott.

Rogate-Frage: Welche Angebote macht die Landeskirche für Menschen, die Spiritualität suchen und sich in ihr üben wollen?

Andrea Richter: Da sind zum Einen die unterschiedlichen Angebote von Oasentage, Glaubenskursen und Meditationsangeboten in den einzelnen Kirchengemeinden.
Eine meiner zentralen Aufgaben als landeskirchliche Beauftragte ist der Aufbau und die Begleitung eines geistlichen Angebotes im „Zentrum Kloster Lehnin“.
Die ehemalige Zisterzienserabtei ist ein wunderbarer Ort für Rückzug – Stille – Gebet und geistliches Lernen. Zu meinen Angeboten gehören Einkehrzeiten und Exerzitien ebenso wie die Fortbildungen „Spiritualität Bilden“, die für Haupt- und ehrenamtliche kirchliche Mitarbeitende konzipiert sind.

Im nächsten Jahr beginnt eine weitere Langzeitfortbildung unter der Überschrift: „Exerzitien leiten und geistlich Begleiten“; eine ökumenische Ausbildung mit dem Karmel St. Teresa in Birkenwerder und Pater Reinhard Körner OCD. Das ist ein besonderes Highlight für unsere Landeskirche!

Rogate-Frage: Was ist Geistliche Begleitung und worin unterscheidet sie sich von der Seelsorge?

Andrea Richter: Bei der Beantwortung dieser Frage helfen mir zwei Formulierungen: Geistliche Begleitung ist „Seelsorge in kontemplativer Haltung“ – und sie ist „Wegbegleitung beim Lebensgespräch mit Gott“.  So merkt man schnell, dass das eine komplexe Frage ist. Die landeskirchliche Ausbildung in ‚Geistlicher Begleitung‘  soll Menschen dazu befähigen, andere in ihrem Wunsch nach Vertiefung ihrer Gottesbeziehung zu begleiten. Im Fokus der ‚Geistlichen Begleitung‘ steht das Lebensgespräch zwischen Gott und Mensch. Menschen werden dabei begleitet, ihr Leben im Licht des christlichen Glaubens zu bedenken und die eigene Lebenssituation glaubend zu erschließen. Der Begleiter oder die Begleiterin übernimmt den Dienst, dieses Gespräch zu unterstützen und zu fördern, aber auch auf Erkenntnisse und Irrwege aufmerksam zu machen.

Rogate-Frage: Was muss jemand mitbringen, die oder der geistlich begleitend tätig ist?

Andrea Richter: „Mitbringen“ – das hört sich so an, als hätte müsste man einen gepackten Koffer bei sich tragen…. Und auch die Frage nach dem „Müssen“ – da würde ich andere Schwerpunkte setzen: In aller Regel haben Menschen, die von anderen als geistliche Begleiter angefragt werden – und darauf kommt es eigentlich an! – eine große theologische Weite, eine spirituelle Offenheit, eine innere Gelassenheit, gesunde Selbsteinschätzung, Menschenkenntnis und vor allem viel Gottvertrauen!

Rogate: Vielen Dank, Frau Pfarrerin Richter, für das Gespräch!

Weitere Informationen über Landespfarrerin Andrea Richter finden Sie hier.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 14. April 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, danach Bibelgespräch
  • Donnerstag, 16. April 15 | 20:30 Uhr, Fürbitt-Andacht, in der Zwölf-Apostel-Kirche
  • Dienstag, 21. April 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, anschließend Mitgliederversammlung des Trägervereins
  • Donnerstag, 7. Mai 15 | 20:30 Uhr, Andacht mit Gedenken des Kriegsendes vor 70. Jahren und der Befreiung Deutschlands. Ansprache: Militärbischof Dr. Sigurd Rink.

    Donnerstag, 7. Mai 15 | 20:30 Uhr, Andacht mit Gedenken des Kriegsendes vor 70. Jahren und der Befreiung Deutschlands. Ansprache: Militärbischof Dr. Sigurd Rink.

    Donnerstag, 23. April 15 | 20:30 Uhr, Komplet, das Nachtgebet, Zwölf-Apostel-Kirche

  • Dienstag, 28. April 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, danach Bibelgespräch
  • Donnerstag, 30. April 15 | 20:30 Uhr, Meditative Andacht, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Dienstag, 5. Mai 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Donnerstag, 7. Mai 15 | 20:30 Uhr, Andacht mit Gedenken des Kriegsendes vor 70. Jahren und der Befreiung Deutschlands. Ansprache: Militärbischof Dr. Sigurd Rink. Orgel: Malte Mevissen.

Fünf Fragen an: Schwester Kerstin-Marie OP, Berufungspastoral der Orden

Fünf Freitagsfragen an Sr. Kerstin-Marie Berretz OP, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Berufungspastoral der Orden, über die eigene Berufung, die Geschichte vom „Tag des offenen Klosters 2014“ und eine ökumenische Perspektive. Ein Beitrag zum Jahr der Orden.

Sr.Kerstin-MarieSr. Kerstin-Marie Berretz OP stammt aus Nordrhein-Westfalen, wo sie nach Stationen in Rheinland-Pfalz und der Schweiz wieder in einem Konvent der Arenberger Dominikanerinnen in Oberhausen lebt. Sie studierte in Bochum und München katholische Theologie und machte im Bistum Trier die Ausbildung zur Pastoralreferentin. Von dort aus trat sie 2008 in die Gemeinschaft der Arenberger Dominikanerinnen ein, deren Mutterhaus in Koblenz ist.

Sr. Kerstin-Marie brennt für die alles rund um das Thema „Berufung“ und hat eine Ausbildung in Berufungscoaching WaVe® gemacht. Außerdem arbeitet sie beim Bistum Essen in der Diözesanstelle für Berufungspastoral und ist im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Berufungspastoral der Orden, einer AG der Deutschen Ordensobernkonferenz.

Rogate-Frage: Schwester Kerstin-Marie, im Mai 2014 haben Sie am bundesweiten „Tag der offenen Klöster“ mitgewirkt. Wie kam es zu dem Projekt und wie ist es auch zahlenmäßig gelaufen?

Sr. Kerstin-Marie: Die Initiative zu diesem Projekt ging von der Jahreskonferenz der Arbeitsgemeinschaft Berufungspastoral der Orden (AGBO) im Jahr 2012 aus. Einige Schwestern und Brüder hatten bereits gute Erfahrungen mit lokalen Tagen der offenen Klöster gemacht und brachten die Idee zu einem bundesweiten Tag der offenen Klöster ein. Schlussendlich beteiligten sich am 10. Mai letzten Jahres 354 Klöster, die Mitglieder der Deutschen Ordensobernkonferenz sind. Daneben öffneten auch andere Klöster und Gemeinschaften ihre Türen, die jedoch nicht von uns erfasst wurden.

Rogate-Frage: Welche Rückmeldungen haben Sie erhalten, wie es an den verschiedenen Orten gelaufen ist? Haben sich die Erwartungen erfüllt?

Sr. Kerstin-Marie: Bis auf ein oder zwei Stimmen waren die Rückmeldungen durchweg positiv. Für alle Beteiligten war es ein besonderer Tag, egal, ob an einem Ort drei oder 300 Gäste waren. Es war wohl überall eine besondere Energie und Stimmung spürbar, so dass sich die Erwartungen erfüllt haben.

Rogate-Frage: Wie viele geistlich betriebene Klöster gibt es derzeit in Deutschland beziehungsweise wie viele Orden werden von der Ordensoberen-Konferenz vertreten? Von welchen Zahlen gehen Sie bei Ordensangehörigen, auch geschätzt, aus?

Sr. Kerstin-Marie: Zur Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) gehören 430 Obere, die ungefähr 22.800 Ordensfrauen und -männer vertreten. Diese leben in ca. 2000 Niederlassungen jeglicher Art. Genauere Informationen findet man unter orden.de.

Rogate-Frage: Warum sind Sie selbst Ordensschwester geworden? Welche Erfahrungen machen Sie mit Ihrer Berufung?

Sr. Kerstin-Marie: Ich bin Ordensfrau geworden, weil es für mich die beste Antwort auf den liebenden Ruf Gottes ist, den ich immer deutlicher verspürt habe. Als Schwester kann ich immer mehr die werden, die ich eigentlich bin. Ich glaube, dass das Leben als Dominikanerin genau meine Berufung ist und für mich Leben in Fülle bedeutet. Natürlich gehören auch Durststrecken dazu und Zeiten, in denen nicht alles rosig ist. Aber kein Leben ist ja immer nur schön und da ich merke, dass meine Grundstimmung gut ist, bin ich davon überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein.

Da ich immer im Habit gehe und so als Schwester erkennbar bin, gibt es immer wieder interessante Begegnungen. Besonders hier im Ruhrgebiet, wo ich lebe und arbeite, nehmen die Menschen kein Blatt vor den Mund. Aber es gibt auch ein stilles Lächeln in der S-Bahn. Ich weiß, dass ich anders wahrgenommen werde, als wenn ich „in zivil“ unterwegs wäre, aber für mich ist der Satz aus dem 1. Petrusbrief wichtig: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“ (1 Petr 3,15)

Rogate-Frage: Die Initiatoren des „Tags des offenen Klosters“ haben eher römisch-katholische Einrichtungen im Blick gehabt. Die ökumenischen und evangelischen Klöster waren nicht mitgedacht oder eingeladen. Wie sieht die Zukunft aus? Wird es weitere offene Tage bundesweit geben? Werden diese auch ökumenisch begangen?

Sr. Kerstin-Marie: Als eine Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Ordensobernkonferenz haben wir bei den Vorbereitungen in erster Linie die Mitgliedsgemeinschaften im Blick gehabt. Im November 2013 hat dann die Generalsekretärin die evangelische „Parallelorganisation“ eingeladen, sich anzuschließen. Die evangelischen Schwestern und Brüder sahen den Zeitplan jedoch als zu eng an, um sich noch zu beteiligen und haben sich deswegen für dieses Mal dagegen entschieden. Von daher können wir von unserer Seite aus nicht sagen, dass die ökumenischen und evangelischen Klöster nicht mitgedacht oder mit eingeladen waren.

Es wird in der Zukunft sicher wieder einen bundesweiten Tag der offenen Klöster geben, allerdings steht derzeit noch nicht ganz genau fest, wann es der Fall sein wird. Aus den Erfahrungen wird es dann sicher auch eine frühere Kontaktaufnahme mit den evangelischen Schwestern und Brüdern geben. Ob es dann einen gemeinsamen bundesweiten Tag der offenen Klöster liegt, wird sich dann zeigen.

Rogate: Vielen Dank, Schwester Kerstin-Marie, für das Gespräch!

Weitere Informationen finden Sie hier: orden.de.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Dienstag, 3. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 10. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 17. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Donnerstag, 19. Februar 2015 | 20:30 Uhr, Komplet in der Kapelle der Kirche mit Austeilung des Aschekreuzes zu Beginn der Passionszeit.
  • Unseren Februar-Plan finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Frank Henkel, Senator für Inneres und Sport, Berlin

Fünf Freitagsfragen an Frank Henkel, Senator, über seine Spiritualität, seine Sicht auf das Kirchenasyl und die Bedeutung des „C“ im Namen seiner Partei.

Frank Henkel (Bildrechte: Tobias Schulte)Frank Henkel wurde am 16. November 1963 in Berlin geboren. Seit Dezember 2011 ist er Senator für Inneres und Sport und Bürgermeister von Berlin. Henkel ist zudem Landesvorsitzender der Hauptstadt-CDU und Vater eines zweijährigen Sohnes.

Rogate-Frage: Herr Senator Henkel, wie ist Ihr Verhältnis zur Kirche? Was schätzen Sie an Ihr?

Frank Henkel: Ich bin überzeugter katholischer Christ und verfolge die Entwicklungen und das Leben meiner Kirche mit großem Interesse. Nicht zuletzt durch den jetzigen Papst nehme ich eine Aufbruchsstimmung wahr, die deutlich macht, dass die Kirche Teil der Welt und kein weltfernes Konstrukt ist. Wenn es mir möglich ist, versuche ich, Gottesdienste zu besuchen. Das ist mir wichtig. Ich freue mich für jede und jeden, die einen solchen Anker haben – unabhängig von der Frage, ob oder welcher Kirche sie angehören.

Rogate-Frage: Zur Gesundheit gehört nach der WHO-Definition die Spiritualität. Wie würden Sie Ihre eigene persönliche Form beschreiben?

Frank Henkel: Ich versuche, so gut es geht auf mich zu achten. Als Politiker hat man es dabei nicht ganz so einfach. Ich habe einen sehr vollen Terminkalender und esse oft unregelmäßig. Vieles ist fremdbestimmt. Meine knapp bemessene Freizeit gehört der Familie. Ich bin Vater eines zweijährigen Sohnes und verbringe so viel Zeit wie nur möglich mit ihm. Wichtig ist ein angemessener Ausgleich zwischen Arbeit und Privatleben, der auch nicht immer gelingt. Ich schätze auch die Augenblicke, in denen ich allein bin und dann Zeit zum Nachdenken finde. In diesen Momenten versuche ich zur Ruhe zu kommen und auch mental aufzutanken.

Rogate-Frage: Wie erleben Sie kirchliches Engagement in Berlin und wo kommen Sie als Politiker damit in Berührung?

Frank Henkel: Die Berührungsmöglichkeiten mit Religionsgemeinschaften in unserer Stadt sind für mich vielfältig. Bei vielen Terminen und Begegnungen habe ich Kontakt zu den verschiedenen christlichen Kirchen, der jüdischen Gemeinde und Muslimen. Die katholische und evangelische Kirche erlebe ich sehr engagiert, etwa in sozial-caritativen Fragen. Ich denke auch an Krankenhäuser und Kindertagesstätten in kirchlicher Trägerschaft. Die konfessionellen Schulen gehören für mich und meine Partei unverzichtbar zum Bildungsangebot in unserer Stadt.

Rogate-Frage: Das Kirchenasyl hat eine lange Tradition und Bedeutung auch in unserer Zeit. Was denken Sie als Innensenator über diese besondere Form der Zuflucht?

Frank Henkel: Es stimmt, dass das Kirchenasyl eine lange Tradition hat und vor Willkür schützen soll. So konnten sich etwa Frauen vor Zwangsverheiratung schützen. In Deutschland wird das Kirchenasyl derzeit gelegentlich im Zusammenhang mit Flüchtlingen thematisiert. Der entscheidende Unterschied zu früheren Zeiten liegt darin, dass die Ausländerbehörden keine willkürlichen Entscheidungen treffen, sondern rechtlich begründete, gegen die wiederum der Rechtsweg offensteht. Es ist beileibe nicht so, dass ein Asylbewerber hilf- und rechtlos ein Verfahren über sich ergehen lassen muss. Hinzu kommt, dass über Härtefälle im Asylrecht auch eine besondere Kommission entscheidet. Ich denke also, dass die Instrumente abseits des Kirchenasyls ausreichend sind.

Rogate-Frage: Im vergangenen Europa-Wahlkampf sagte wieder mancher Kandidat: „Religion ist Privatsache“. Wie stehen Sie als Mitglied einer Partei mit dem „C“ im Namen zu dieser Aussage?

Frank Henkel: Der Glaube kann Maß und Richtschnur politischen Handelns sein. Ich verstehe das so, dass ich als Christ in dieser Welt stehe und in meinen politischen Ämtern für sie Verantwortung trage. Bei meiner Vereidigung zum Senator habe ich den Zusatz „so wahr mir Gott helfe“ verwandt. Ich habe meinen Glauben, aber auch ich bin mit meiner Gottsuche nicht am Ende. Papst Benedikt XVI hat auf die Frage, wie viele Wege es zu Gott gibt, geantwortet: so viele wie es Menschen gibt.

Rogate: Vielen Dank, Herr Senator Henkel, für das Gespräch!

Weitere Informationen: berlin.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

Zwischen dem 27. Dezember und dem 13. Januar 2015 halten wir eine gottesdienstliche Winterpause.

  • Dienstag, 13. Januar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 20. Januar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 27. Januar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 3. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 10. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 17. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Unseren Aushang mit den Gottesdienstterminen im Januar finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Martin Bindemann, Aktionsgruppe Stolpersteine Kleinmachnow

Fünf Freitagsfragen zum Volkstrauertag 2014 an Martin Bindemann, Diakon der Auferstehungs-Kirchengemeinde Kleinmachnow, über Recherchen in der jüngeren deutschen Geschichte, eine Mut machende Stele und überraschende Entdeckungen in der Ortschronik.

Martin BindemannMartin Bindemann wurde in Jena geboren und wuchs in Greifswald, Stralsund, Rostock, Eberswalde-Finow und Teltow auf. Er ist seit 1997 für den Bereich Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Auferstehungs-Gemeinde tätig. Er engagiert sich für Flüchtlinge und Migranten, für Arbeitslose, für den Erhalt der Natur und die Gemeinde. Die Aktionsgruppe Stolpersteine in Kleinmachnow leitet er.

Rogate-Frage: Herr Bindemann, Sie haben in der evangelischen Kirchengemeinde Kleinmachnow eine Projektgruppe Stolpersteine ins Leben gerufen. Wie ist es dazu gekommen?

Martin Bindemann: Es begann 1995. In einem Jugendgremium, dem Kreisjugendkonvent, hörten die Vertreterinnen und Vertreter unserer Gemeinde von dem Projekt. Damals wurde überlegt, ob es ein denkbares Projekt für Berlin-Zehlendorf sei. In unserer Jugendarbeit war die Überzeugung sofort da, dass dieses auch, oder gerade unser Thema sei. So erklärten sich fünf Jugendliche bereit, die ersten Schritte mit mir zu unternehmen. Wir berieten mit der Kirchengemeinde, gewannen den Heimatverein Kleinmachnow e.V. zur Kooperation und fanden mit dem damaligen Bürgermeister und heutigen Landrat Wolfgang Blasig einen Schirmherren.

Rogate-Frage: Bei Stolpersteinen und der Recherche von Adressen haben sie es nicht belassen, sondern sich auf die Suche nach „Stillen Helden“ begeben. Wie kam es zu der Ausweiterung Ihrer Arbeit?

Martin Bindemann: Während der Recherchen zu den Opfern und dem damit verbunden Recherchieren in den Geschichten des Ortes erfuhren wir nach und nach vom Überleben in Kleinmachnow, vom Versteckern und Verstecken. Drei Leute unserer Gruppe begannen, sehr akribisch zu suchen. Es zeigte sich, dass es einige hörenswerte Berichte aus unserem Ort gibt. Wir begannen, zu sammeln und zu analysieren. Gemeinsam mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und anderen Partnern, wie unter anderem dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv, fanden wir Dokumente, Zeugnisse und Zeugen und konnten beginnen aufzuarbeiten.

Rogate-Frage: Die Erinnerung und Erkenntnis wuchs und wurde zur Stele für Dr. Margarete Sommer. Wer war sie und was haben Sie über sie herausgefunden?

Martin Bindemann: Frau Dr. Margarete Sommer ist nur eine Person auf der Stele. Die Stele ist für allen Mut und alles Überleben. Unter dem Titel: „JA! Ich will eine Stele für den Mut und das Überleben!“ warben und informierten wir etwa 18 Monate lang. Frau Sommer, in der Tat eine Berühmtheit der Stillen Helden, lebte in Kleinmachnow. Sie war angestellt beim Bischöflichen Ordinariat Berlin. Ihr Auftrag, den Schutz und Hilfe für katholisch getaufte Juden, weitete sie aus. Sie organisierte Netzwerke der Hilfe. Sie sorgte für Verstecke, Lebensmittel, (falsche) Papiere und mehr. Sie erhielt mehrere Ehrungen, davon ist die Ehrung in Yad Vashem die wohl international bedeutendste. Darum war es für uns naheliegend, diesen Platz, an dem die Stele aufgestellt werden würde, nach ihr zu benennen. Aber gegen alle Missverständnisse: Die Stele steht für allen Mut und für alles Überleben.

Rogate-Frage: Im Mai 2014 gab es sogar einen großen Festakt für Dr. Sommer. Was war Ihnen wichtig im Gedenken an diese herausragende Persönlichkeit?

Martin Bindemann: Wir sind auf der Suche nach Vorbildern. Mit Frau Sommer haben wir ein solches Vorbild. Aber noch einmal: Es ging uns um alles Tun! Natürlich stand Frau Sommer auch während der Stelen-Übergabe in etwas besonderer Weise im Mittelpunkt. Schon weil die Platzbenennung eine eigene Würdigung darstellt. Dennoch, jede Hilfe, jedes gute Wort, jede Gabe über den Gartenzaun, jedes Begleiten auf Spaziergängen, jede Unterstützung aus Amtsstuben, jedes Vertuschen von zwangsweise geführten Zusatznamen bedeutete Mut und eigenes Risiko. Wer nachhaltig und dauerhaft half, stellte sich auf die Seite der Ausgegrenzten. Jeder Mut bedeutete auch sich selbst und seine Familie in Mitleidenschaft und persönliche Lebensgefahr zu ziehen. Das immer wieder zu sagen ist unserer Gruppe ein Herzensanliegen.

Rogate-Frage:  Warum ist es wichtig, dass christlich-kirchliche Gruppen die Erinnerung an Krieg, Terror und Unterdrückung wachhalten?

Martin Bindemann: Ich denke, gerade die Kirchen stehen in religiöser und gesellschaftlicher Verantwortung. Wir Gemeinden sind Wertevermittler. Zum Wert einer Gesellschaft gehört der Umgang mit Geschichte und Verantwortung. Die Generationen nach 1945 stehen nicht in der Verantwortung der Schuld, aber in der Verantwortung der Erinnerung. Darum, denke ich ist es wichtig, dass sich Kirche(n) dieser Zeit und diesem Thema stellen. Die Rolle der Kirche(n) ist zudem nur ungenügend aufgearbeitet. Bekenntnissynoden und deren Erklärungen, wie zum Beispiel in Barmen, waren sehr wichtig und zukunftweisend. Die Frage ist allerdings, werden diese Bekenntnisse heute noch mit Bedacht gesprochen, beherzigt und behandelt? Auch wenn es Landeskirchen gibt, die Pfarrerinnen und Pfarrer auf die theologischen Erklärung von Barmen ordinieren, steht Kirche auch in der Verantwortung der Erinnerung. Ein nächstes Vorhaben der Aktionsgruppe Stolpersteine wird sich auch damit befassen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Bindemann, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Einladung LichtvesperDienstag, 18. November 2014 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet, in der Kapelle der Kirche
  • Donnerstag, 20. November 2014 | 19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet, in der Kapelle der Kirche
  • Dienstag, 25. November 14 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet, in der Kapelle der Kirche
  • Donnerstag, 27. November | 19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet, in der Kapelle der Kirche
  • Sonnabend, 29. November 2014 | 18:00 Uhr, Lichtvesper, Kapelle Zwölf-Apostel-Kirche (mit der Alt-katholischen Gemeinde)