Einladung zum Vortrag: „Frieden und Toleranz im Humanismus“

Herzlich willkommen am Sonntag, 14. Juli, 15:00 Uhr, im Küstenmuseum Wilhelmshaven, Weserstraße 58. 

Am Sonntag wird Diplom-Soziologe Lutz Renken (49) wird den Humanismus als weltanschauliche Alternative zu den Religionen vorstellen und die herausragende Rolle der Religionsfreiheit für eine tolerante und friedliche Gesellschaft näher beleuchten. Sein Vortrag „Frieden und Toleranz im Humanismus“ findet im Rahmen der Ausstellung „Wihelmshaven glaubt. 150 Jahre religiöse Vielfalt an der Jade.“ im Küstenmuseum statt. 

Lutz Renken ist in Bad Zwischenahn aufgewachsen, wurde als Säugling getauft, als Jugendlicher konfirmiert und ist als Student aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Als junger Familienvater ist er dann zum Humanismus gekommen, um seiner nichtreligiösen Haltung einen positiven Rahmen zu geben. 

Lutz Renken (Bild: HVD)

Der Eintritt ins Museum und für den Vortrag beträgt 7,- Euro, ermäßigt 5,- Euro. Es gibt eine Flatrate-Vortrags- und Museumskarte für alle 23 Veranstaltungen der Reihe für 22.-/17.- Euro. Anmeldung: Telefon 04421.40 09 40 oder per Mail kuestenmuseum@wilhelmshavenglaubt.de

Die Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt.“ ist ein Projekt der AG „Religionenhaus Wilhelmshaven“ und des Demokratieprojektes „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“ des Förderprogramms „MITEINANDER REDEN“. Sie wird gefördert von Aktion Mensch, vom Ev.-luth. Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven, der Dr. Buhmann Stiftung, der Ja-Wir-Stiftung und dem Rogate-Kloster Sankt Michael.

Das Rahmenprogramm „Frieden und Toleranz“ findet in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Erwachsenenbildung Niedersachsen (EEB) und der Katholischen Erwachsenenbildung Wilhelmshaven Friesland Wesermarsch e.V. (KEB) statt.

Ort: Küstenmuseum Wilhelmshaven, Weserstraße 58 | 26382 Wilhelmshaven. Eintritt: Karte für alle 21 Vortragsveranstaltungen der Reihe „Frieden und Toleranz“ zur Ausstellung (inkl. Jahreskarte für das Küstenmuseum): 22,00 € / ermäßigt 17,00 €. Einzeleintritt: Vortragsveranstaltungen / ermäßigt 7,00 € / 5,00 € (Eintritt in das Museum ist enthalten).

Rückblick: Friedenspfahl-Enthüllung in Wilhelmshaven

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Vorlage der Agentur Nolte Kommunikation für die Friedensverse auf dem Pfahl vor dem Haus der Diakonie in Wilhelmshaven

Rückblick 2018: Mit einer Andacht übergab am 20. November Kreispfarrer Christian Scheuer den ersten Wilhelmshavener Friedenspfahl. Die Stele wurde von der Holzwerkstatt der VHS Wilhelmshaven und der Agentur Nolte Kommunikation gestaltet. Sie mahnt gemeinsam mit 250.000 Friedenspfählen in 191 Ländern in vielen verschiedenen Sprachen zum Frieden.

Ein Friedenspfahl wird, so erklärte Scheuer, nicht aufgestellt, sondern gepflanzt. So wie der Frieden nicht gesetzt werden könne, sondern wachsen müsse. Frieden sei ein Prozess und Arbeit. Niemals fertig im Sinne von abgeschlossen. So solle auch der Wilhelmshavener Friedenspfahl vorm Diakonischen Werk Ausgangspunkt aller werden, die sich für mehr Frieden einsetzen.
 
Der Friedenspfahl füge sich ein in die Versöhnungsarbeit in der Stadt Wilhelmshaven. Die beiden Weltkriege seien auch von Wilhelmshaven geführt worden und habe hier tiefe Wunden hinterlassen. Der holländische Friedenswunsch erinnere an die vielen niederländischen Zwangsarbeiter, die in Wilhelmshavener Lagern gelitten haben und gestorben sind.
 
Kritisch sieht Scheuer die aktuelle Tendenz weltweiten Wiederaufrüstens. Ein europäische Armee ist kein Fortschritt, mahnte der Kreispfarrer. Wir brauchen wirksame Schritte für einen globalen Frieden.
 
2018 11 20 FriedenspfahlenthüllungDie Aufstellung der Friedenspfähle wird von der Word Peace Prayer Society gefördert. Friedenspfähle gehen zurück auf eine Idee des japanischen Philosophen und Friedenskämpfers Masahisa Goi, der 1969 die ersten Gebetspfähle aufstellte.
 
Die Initiative zur Aufstellung des 1. Wilhelmshavener Friedenspfahls war von der Flüchlingsarbeit des Kirchenkreises Friesland-Wilhelmshaven ausgegangen und von der Stiftung Diakonie am Meer sowie vom Rogate-Kloster unterstützt worden. Der Pfahl trägt zudem die Logos des Kirchenkreises Friesland-Wilhelmshaven, der Stiftung Diakonie am Meer, der Diakonie Deutschland und des Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin.

Erster Friedenspfahl wird morgen in Wilhelmshaven enthüllt: „Friede sei mit euch!“

RogateKl_Postkarte A6_Friedenspfahl_301018 (verschoben) KopieDer 1. Wilhelmshavener Friedenspfahl wird am Dienstag, 20. November, vor dem Haus der Diakonie im Rahmen eines öffentlichen Friedensgebets enthüllt. „Friede sei mit euch!“ wird künftig in französischer, englischer, niederländischer und deutscher Sprache in vier Himmelrichtungen zu lesen sein.
   
Friedenspfähle haben ihren Ursprung im Jahr 1969. Der Japaner Masahisa Goi wollte so ein Friedensgebet an verschiedenen Orten sichtbar machen und verbreiten. Mittlerweile gibt es weltweit über 200.000 Friedenspfähle, die zu einem friedlichen Umgang miteinander einladen.
   
RogateKl_Postkarte A6_Friedenspfahl_RZ071118 (verschoben) 2 KopieAuf Anregung der Flüchtlingsarbeit des Kirchenkreises Friesland-Wilhelmshaven hatte die Stiftung Diakonie am Meer die Finanzierung des Denkmals zugesagt. Mit handwerklicher Unterstützung der VHS Wilhelmshaven konnte nun der zweieinhalb Meter hohe Eichenpfahl bearbeitet und vor der Diakoniezentrale aufgestellt werden. Das Rogate-Kloster hat das Projekt ebenfalls gefördert.

Zur öffentlichen Enthüllung durch Kreispfarrer Christian Scheuer und Stiftungsvorstand Klaus Lücken lädt die Stiftung Diakonie am Meer in die Weserstraße 192, Wilhelmshaven-Bant, ein. Beginn ist um 15 Uhr.

Fünf Fragen an: Kerstin Täubner-Benicke, BAG ChristInnen Bündnis90/Die Grünen

Fünf Fragen an Kerstin Täubner-Benicke, Sprecherin Bundesarbeitsgemeinschaft ChristInnen bei den Grünen, über Frieden als lokale und globale Aufgabe, die diesseitige Menschenfreundlichkeit Gottes und das Magnificat.

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Kerstin Täubner-Benicke (Foto: Hans-Jürgen Staudt)

Kerstin Täubner-Benicke lebt in Starnberg und arbeitet bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Sie studierte Germanistik und Psycholinguistik in München, ist verheiratet und hat vier Kinder und zwei Enkelkinder. Sie engagiert sich bei den Grünen auf Landes- und Bundesebene für Politik aus christlicher Verantwortung.

Rogate-Frage: Frau Täubner, warum engagieren Sie sich politisch und warum bei den Grünen?

Kerstin Täubner-Benicke: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Als politisch denkender Mensch möchte ich dazu beitragen, dass unsere Gesellschaft gerechter wird, dass wir unsere Lebensgrundlagen erhalten, dass wir uns aussöhnen mit unseren Mitgeschöpfen, dass wir unseren einzigartigen Planeten für unsere Nachkommen pfleglich behandeln, dass wir nachhaltig mit unseren Ressourcen umgehen, dass wir Konflikte in den Familien, in unseren Zusammenhängen lokal und global befrieden. Dies glaube ich, am besten bei den Grünen zu erreichen.

Rogate-Frage: Warum gibt es eine BAG Christinnen und Christen bei den Grünen und was passiert dort?

Kerstin Täubner-Benicke: Bundesarbeitsgemeinschaften bei den Grünen verstehen sich als Thinktanks und geben wichtige Impulse für die politische Arbeit und die Verankerung ihrer spezifischen Fachrichtung in Wahlprogrammatik und politischem Tagesgeschäft. Die BAG Christinnen ist bereits 1984 als erste BAG gegründet worden von kritischen Christinnen und Christen mit dem Ziel, das christliche Potential unserer Partei herauszustellen. Wir haben gesellschaftliche Diskussionen zu uns wichtigen Themen vorangetrieben: Friedenspolitik, Asylpolitik, Interreligiöser Dialog, zur Sozial- und Wirtschaftsethik, zur Neudefinition des Verhältnisses von Staat und Kirche und zur medizinischen Ethik (zum Beispiel zur Organspende, Sterbehilfe, PID) und zur Digitalisierung. Innerhalb der Partei wollen wir Steine des Anstoßes sein, in der Hoffnung das Nachdenken über die ethischen Grundlagen politischen Handelns anzustoßen.

Rogate-Frage: Welche Rolle spielt die Kirchen- und Religionspolitik in Ihrer Partei? Welche Erwartungen gibt es an die Kirchen?

Kerstin Täubner-Benicke: Die Grundsäulen bündnisgrüner Politik sind Bewahrung der Schöpfung, soziale Gerechtigkeit und Frieden. In diesen Fragen sind die Kirchen wichtige und geschätzte Bündnispartner. Viele Christinnen und Christen engagieren sich in den Kirchengemeinden und im bürgerschaftlichem Engagement für Geflüchtete, für Naturschutz, für Inklusion und bei den Grünen.
In den letzten zwei Jahren tagte eine eigens eingesetzte Kommission „Weltanschauungen, Religionsgemeinschaften und Staat“ mit der Frage, welcher Veränderungsbedarf im Verhältnis von Staat, Kirchen und Weltanschauungsgemeinschaften angesichts einer immer stärker säkularisierten Gesellschaft besteht. Der Abschlussbericht wurde im März 2016 vorgelegt. Beim nächsten Bundesparteitag in Münster wird es einen Leitantrag zu den dort getroffenen Grundsätzen und Veränderungsvorschlägen geben. Bei den Verhandlungen  war es wichtig, festzustellen, dass grüne Religionspolitik als Ziel hat, die Glaubensfreiheit in allen ihren drei Dimensionen (individuell, kollektiv, negativ) zu sichern. Die Grünen erkennen dabei die Neutralität des Staates gegenüber Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften unter Anerkennung ihres Selbstordnungsrechtes  an und entwickeln das kooperative Modell weiter. In den Feldern Arbeitsrecht und Kirchenfinanzen, hier insbesondere Transparenz, und dem verfassungsmäßig gebotenen Ablöseauftrag von Staatsleistungen stellen die Grünen Vorschläge vor. Dabei erhoffen wir von den Kirchen Dialogbereitschaft.

Rogate-Frage: Wie öffentlich, wie politisch ist Ihr Christsein? Kann Religion Privatsache sein?

Kerstin Täubner-Benicke: Religion zur Privatsache zu erklären, hieße eine wichtige Dimension des Menschseins, auch meiner persönlichen Individualität, zu verneinen. Meine Zugehörigkeit zu meiner Kirche, aber noch mehr zu meiner ganz persönlichen Gottesbeziehung ist ein Teil von mir, genauso wie meine politische Überzeugung ein wichtiger Teil meiner selbst ist. Dabei distanziere ich mich aber von einem wortwörtlichen Bibelverständnis, sondern sehe, dass Gottes Wort, das uns in unserem Alten und Neuen Testament überliefert ist, immer wieder neu interpretiert und Aussagen im damaligen Kontext gesehen und in unsere heutige Zeit übersetzt werden müssen. Zum Beispiel bedeutet das vierte Gebot heute, dass Familien auch in allen ihren jetzt üblichen Formen gefördert werden müssen.

Rogate-Frage: Und was ist Ihre Spiritualität?

Kerstin Täubner-Benicke: Unter der ersten Antwort auf Frage 1 klingt es schon an: Ich will, dass wir es schaffen, dass Gottes grundsätzliches Ja zu jedem einzelnen Menschen spürbar wird. Im Magnificat der Maria ertönt, dass die Mächtigen vom Thron gestoßen, die Niedrigen erhoben, die Hungrigen gesättigt werden. Das ist Utopie und Auftrag in einem. Als Christin kann ich nicht anders, als die Menschenfreundlichkeit Gottes schon im Diesseits zu suchen, zu befördern, dafür einzutreten. Dafür braucht es auch eine Heilung und Befriedung der Welt, der Natur mit all ihren Geschöpfen, der Beziehungen. Allein können wir das nicht bewerkstelligen, dazu braucht es das Wirken Gottes, Gebet und Gemeinschaft.

Rogate: Vielen Dank, Frau Kerstin Täubner-Benicke, für das Gespräch.

Weitere Informationen finden Sie hier: BAG ChristInnen.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

Fünf Fragen an: Fernando Enns, Professor für Friedenstheologie an der Universität Hamburg

Fünf Freitagsfragen an Fernando Enns, Professor an der Freien Universität Amsterdam, über die Mennoniten, ihre Kirche, Theologie und die Frage, ob Christen töten dürfen.

Prof. Dr. Fernando Enns

Dr. Fernando Enns ist Professor für (Friedens-)Theologie und Ethik an der Freien Universität Amsterdam und Leiter der „Arbeitsstelle Theologie der Friedenskirchen“ an der Universität Hamburg. Geboren ist er in Brasilien, studierte Evangelische Theologie in Heidelberg und Mennonitische Theologie in Elkhart/Indiana. F. Enns engagiert sich seit vielen Jahren vor allem im Weltkirchenrat für Frieden und Gerechtigkeit sowie für die Ökumene.

Rogate-Frage: Herr Prof. Dr. Enns, was macht die Mennoniten und Ihre Kirche aus? Woher kommt diese Konfession und wo findet man deren Gemeinden?

Fernando Enns: Mennoniten entstammen der Täuferbewegung der Reformation des 16. Jahrhunderts – manchmal auch als „linker Flügel“ der Reformation bezeichnet. Es ist die älteste Evangelische Freikirche in Deutschland. Mennonitengemeinden gibt es überall in Deutschland: im Norden eher die alten Stadtgemeinden, wie Hamburg oder Emden, im Süden eher in ländlichen Gebieten, der Pfalz oder in Bayern. Seit den 1970er Jahren sind viele Mennoniten aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen und haben vor allem in Nordrhein-Westfalen große Gemeinden gegründet.

Rogate-Frage: Was glaubt ein Mennonit? Welche Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten gibt es im Vergleich zu Lutheranern oder Katholiken?

Fernando Enns: Mit den anderen Kirchen der Reformation glauben die Mennoniten auch, dass der Mensch allein aus der Gnade Gottes zum Glauben an Christus kommt.

Im Unterschied zu anderen Traditionen taufen Mennoniten keine Babys, sondern Jugendliche und Erwachsene, die sich für den Glauben und die Mitgliedschaft in der Kirche aus freien Stücken entscheiden. Mennoniten stehen für eine klare Trennung von Kirche und Staat, zahlen daher keine Kirchensteuer, sondern überlassen dies der freiwilligen Einschätzung der Einzelnen.

Es gibt auch keine Kirchenhierarchien, das reformatorische „Priestertum aller Gläubigen“ wird tatsächlich gelebt. In der Ökumene engagieren wir uns seit vielen Jahrzehnten für ein förderliches Miteinander.

Rogate-Frage: Wie sind mennonitische Gottesdienste aufgebaut? Welche Rolle spielt der Kultus?

Fernando Enns: Der Gottesdienst am Sonntagmorgen ist der zentrale Treffpunkt der Gemeinde. In Liedern, Musik, Gebeten und Predigt findet die Gemeinde Stärkung, Tröstung und Orientierung.

Die Liturgie ist einfach gehalten. Wichtig ist der persönliche Austausch, die gegenseitige Anteilnahme und die gemeinsame Verantwortung für die Ortsgemeinde.

Rogate-Frage: Warum wissen sich mennonitische Christen in besonderer Form dem Frieden verpflichtet? Woher kommt der Begriff der Friedenskirche?

Fernando Enns: Wie bereits die Täufer des 16. Jahrhunderts, so meinen auch die Mennoniten heute, dass Christen nicht zuerst an ihren Worten, sondern vor allem an ihren Taten erkennbar sein sollten. Ein Leben in der Nachfolge Jesu bedeutet, den Lebensweg Jesu und seine Lehre (wie in der Bergpredigt) tatsächlich so ernst zu nehmen, dass man versucht, das eigene Leben entsprechend zu gestalten. Ein zentrales Element ist die Gewaltfreiheit. Sie meint nicht Passivität oder Rückzug aus der Gesellschaft, sondern aktive Suche und Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden, im nahen Umfeld wie auch in der globalen Menschheitsfamilie, und einen verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung. Da Mennoniten in Europa vor allem durch ihre Kriegsdienstverweigerung und Nothilfe für Andere bekannt sind, nannte man sie seit Anfang des 20. Jahrhunderts „historische Friedenskirche“ – neben den Quäkern und der Church of the Brethren.

Rogate-Frage: Dürfen Christen töten?

Fernando Enns: Nein. Die biblischen Zeugnisse im Alten wie Neuen Testaments sind hier eindeutig. Nicht nur darf der Mensch nicht andere Menschen töten, sondern er soll – so die Weisungen Jesu – sogar die Feinde lieben. Es ist der Respekt und die Anerkennung, dass das Leben Gott, dem Schöpfer, allein gehört und der Mensch, als Teil der Schöpfung, sich nicht zum „Herrn über Leben und Tod“ machen sollte.

Daher wird militärische Gewalt – auch als sogenannte „ultima ratio“ – im Allgemeinen abgelehnt. Stattdessen sollen Christen sich für einen aktiven Friedensdienst einsetzen, so weit es in ihrer Macht steht.

Aber: es gibt in Mennonitengemeinden keine bindende Vorschrift, dies so zu vertreten. Das freie Gewissen der Einzelnen wird stets geachtet.

Rogate-Frage: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat, zu Gottes Lob.“ (Brief an die Römer 15.7). Was sagt Ihnen dieses Bibelwort?

Fernando Enns: In Jesus Christus hat Gott gezeigt, wie er alle Menschen annimmt: in Liebe, die durch Vergebung befreit von aller Schuld, aber auch vor aller Selbstüberschätzung und Selbstüberforderung. Wie Jesus die Menschen annahm – meistens Menschen am Rande der Gesellschaft, Verpönte, Selbstgerechte, Arme, Hungrige, Ausländer, Männer und Frauen, ja sogar Feinde, so können auch wir uns gegenseitig annehmen – weil uns die Gewissheit der Liebe Gottes zu solch einem Leben befreit, die den Blick auf die Ängste und Nöte der Nächsten, auch der weit Entfernten, richten lässt.

Rogate: Vielen Dank, Herr Prof. Enns, für das Gespräch!

Weitere Information: Mehr zur Arbeitsstelle Theologie der Friedenskirchen finden Sie hier.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 5. Mai 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Donnerstag, 7. Mai 15 | 20:30 Uhr, Andacht mit Gedenken des Kriegsendes vor 70. Jahren und der Befreiung Deutschlands. Ansprache: Militärbischof Dr. Sigurd Rink.

    Donnerstag, 7. Mai 15 | 20:30 Uhr, Andacht mit Gedenken des Kriegsendes vor 70. Jahren und der Befreiung Deutschlands. Ansprache: Militärbischof Dr. Sigurd Rink.

    Donnerstag, 7. Mai 15 | 20:30 Uhr, Andacht mit Gedenken des Kriegsendes vor 70. Jahren und der Befreiung Deutschlands. Ansprache: Militärbischof Dr. Sigurd Rink. Mit Pastorin Ann-Katrin Bosbach, Victoria-Gemeinde. Orgel: Malte Mevissen.

  • Freitag, 8. Mai 15 | 18:15 Uhr, Andacht mit Gedenken des Kriegsendes vor 70. Jahren und der Befreiung Deutschlands, Dorfkirche, Alt-Schöneberg.
  • Sonntag, 10. Mai 15 | 10:00 Uhr, Eucharistie am Sonntag Rogate, Thema des Gottesdienstes “Spiritualität in der Pflege“, Predigt: Pastorin Dr. Astrid Giebel, Diakonie Deutschland. Anschließend Eröffnung der Fotoausstellung „Gepflegt in der Gegenwart“ des Paritätischen Berlin in den Seitenschiffen der Kirche. Sie läuft bis zum 2. Juni 2015. Öffnungszeiten: Offene Kirche, Sonnabends, 11:00 bis 15.00 Uhr und vor und nach den Gottesdiensten.
  • Unseren Mai-Plan finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Dr. Sigurd Immanuel Rink, Militärbischof der EKD

Fünf Fragen an Dr. Sigurd Immanuel Rink, Militärbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland, über die Nähe von Kirche und Militär, die Kritik an Margot Käßmann und das Beten in Kasernen. Dr. Rink wird heute, Montag, 8. September 2014, 19:00 Uhr, in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in sein Amt eingeführt.

Dr. Sigurd Immanuel RinkBischof Rink stammt aus Frankfurt am Main. Er war Gemeindepfarrer in Usingen und Königsstein-Falkenstein, Sprecher der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, Referent des Kirchenpräsidenten und Propst für Süd-Nassau. Er engagiert sich im ökumenischen Dialog mit der türkischen Religionsbehörde DITIB und mit der United Church of Christ in den USA.

Rogate-Frage: Herr Militärbischof, was macht Ihr Amt aus? Welche Aufgaben sind Ihnen von der Kirche und von der Bundesregierung anvertraut? Welche Schwerpunkte wollen Sie angehen?

Sigurd Rink: Meine drei Aufgaben sind: Begleitung der Geistlichen, Besuche in der Bundeswehr und Militärseelsorge und die öffentliche Stimme unserer Kirche zu Fragen der Seelsorge und Friedensethik. Als erste Arbeitsschwerpunkte habe ich gesetzt: die Einsatzkontingente der Bundeswehr kennen zu lernen, dafür zu sorgen, dass ich selbst und die Militärseelsorge in der friedensethischen Diskussion „auf Ballhöhe“ bleiben, und unser Seelsorgeprojekt für Einsatzrückkehrer und belastete Soldatinnen und Soldaten.

Rogate-Frage: Die Kritik an der in der Geschichte ja nicht selten vorkommenden Nähe von Kirche und Militär ist Ihnen bekannt. Wie geht das zusammen, Jesu Botschaft, Militärpfarrer und Einsatz in der Truppe?

Sigurd Rink: Oft gab es eine ungute Nähe von Kirche und Staat, zum Beispiel zum Beginn des Ersten Weltkriegs vor einhundert Jahren. Heute sind beide Institutionen deutlich getrennt – und das ist gut so. Der Militärseelsorgevertrag zwischen der Bundesrepublik und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nimmt eine sehr kluge Aufgabenverteilung vor, dass der Staat sich mit Finanzen und Organisation einbringt, dass die Kirchen aber inhaltlich in ihrer Arbeit völlig frei bleiben. Was die Haltung der Kirchen zur Bundeswehr angeht, überzeugt mich auch heute noch das Konzept der „kritischen Solidarität“, das in der Nachkriegszeit vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Diktatur und des Zweiten Weltkriegs entwickelt wurde.

Rogate-Frage: Sie sind der erste hauptamtliche Militärbischof der Nachkriegszeit, Ihre Vorgänger waren nebenamtlich beauftragt. Die EKD hat so das Arbeitsfeld der Militärseelsorge öffentlich und personell aufgewertet. Was steckt dahinter? Mehr Wertschätzung der evangelischen Kirche für Christen in Uniform? Eine Reaktion auf einen aufziehenden neuen kalten Krieg in Europa?

Sigurd Rink: Die Entscheidung steht am Ende eines längeren Denkprozesses in der EKD, der schon über mehr als zehn Jahre geht. Schon in den ersten Amtswochen sehe ich viele Vorteile dieser Entscheidung. Die Begleitung der Geistlichen, die Besuche in den Einsätzen und die Beschäftigung mit aktuellen Fragen erfordern so viel Zeit und Energie, dass ich mir eine nebenamtliche Beauftragung nicht vorstellen könnte. Ich habe großen Respekt für meine Vorgänger, die noch unter anderen Bedingungen arbeiten mussten.

Rogate-Frage: Bischöfin a.D. Margot Käßmann wurde insbesondere von konservativen Christen im Sommer massiv kritisiert, weil sie sich öffentlich eine Bundesrepublik ohne Armee vorstellte. Ist ihre Vorstellung für Christen abwegig? Was würden Sie ihr entgegnen?

Sigurd Rink: Die Kritik teile ich nicht. Im Gegenteil: Hier äußert sich eine reflektierte und gut informierte Geistliche deutlich und verantwortlich zu brennenden Fragen. Die Kirche braucht die prophetischen Stimmen, die uns das Ziel vor Augen stellen: den Zustand des gerechten Friedens, der das friedensethische Leitbild der evangelischen Kirchen ist. Übrigens ist auch Margot Käßmann der Gedanke, dass der Einsatz rechtserhaltender Gewalt – zum Beispiel im Konzept des „Just Policing“ – notwendig sein kann, um die Gewalt einzuhegen, nicht fremd.

Rogate-Frage: Wie gestaltet sich die Frömmigkeit eines Militärbischofs? Beten Sie mehr in Kasernen als in Kirchen? Wie gelingt Ihnen die Umstellung von der alten in die neue Aufgabe?

Sigurd Rink: Der Ort ist gar nicht so entscheidend, Gottesdienst ist Gottesdienst, den wir im Namen des dreieinigen Gottes feiern. Übrigens gibt es in Deutschland und bei den Bundeswehrkontingenten im Auslandseinsatz auch eine Reihe von Kirchen, Kapellen und Andachtsräumen innerhalb von Kasernen, so dass sich die Alternative nicht ergibt.

Wir haben von der Militärseelsorge gute Beziehungen zu bestimmten Kirchengemeinden, deren Gottesdiensträume wir regelmäßig nutzen. Hier in Berlin ist das zum Beispiel die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, in der meine Einführung stattfinden wird und ich die ich auch sehr gern zum Sonntagsgottesdienst gehe.

Rogate: Vielen Dank, Herr Bischof Rink, für das Gespräch!

Mehr Infos finden Sie hier: militaerseelsorge.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Andachten auf dem Neuen Zwölf-Apostel-KirchhofDienstag, 9. September 14 |19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 11. Sept. |19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachgebet
  • Sonnabend, 13. September 2014, 12:00 Uhr, Mittagsgebet und Andacht für Trauernde, Neuen-Zwölf-Apostel-Kirchhof, Werdauer Weg 5, S Schöneberg. Organist: Malte Mevissen.
  • Dienstag, 16. Sept. 14 |19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet