Friedensgebet in der Russlandkrise: Dienstag in der Sankt Willehad-Kirche Wilhelmshaven.

Zu einem ökumenischen Friedensgebet wird am Dienstag, 26. Juli 2022, in die Wilhelmshavener Sankt WIllehad-Kirche eingeladen. Anlass sind der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, aber auch wachsende Spannungen mit China in Asien und die weltweite Klimakatastrophe.

Beginn der Andacht um 18:00 Uhr in der Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven. An der Liturgie beteiligt sind u.a. Pastoralreferentin Daniela Surmann, Ratsfrau Heidi Bosse, Lektorin Susanne Klenk, Pastor Frank Moritz und Bruder Franziskus. Florian Bargen spielt die Orgel.

Zu den Friedensandachten wird seit Kriegsbeginn im Februar von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael eingeladen. Sie finden an jedem letzten Dienstag im Monat n der Nordseestadt statt.

Russlandkrise: Ukraine-Friedensgebet der Wilhelmshavener Ökumene am Dienstag.

Die wöchentlich durchgeführten Ukraine-Friedensgebete in der Sankt Willehad-Kirche enden am Dienstag, 31. Mai, 18:00 Uhr. Die Andacht wird zusätzlich über den Youtube-Kanal der Gemeinde gestreamt. 

Seit dem Ausbruch des russischen Angriffskrieges haben die Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael dazu eingeladen und sich mit verschiedenen Vertreter*innen beteiligt. 

Künftig soll es einen monatlichen Friedensgottesdienst am letzten Dienstag im Monat geben. Der erste Termin ist am 28. Juni.

Ort: St. Willehadkirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.

Übersicht der Friedensgebete auf dem Youtube-Kanal der Sankt-Willehad-Gemeinde Wilhelmshaven.

Hier die Aufzeichnung des Friedensgebetes vom 31. Mai 2022:

Heide Grünefeld: Wir werden Kraft brauchen.

Großer Gott. Die Nachrichten fluten in unsere Wohnungen und in unsere Gedanken. Worte wie Invasion, Angriff, Raketen, Bomben, Flucht, Angst. Was für die einen kaum vorstellbar ist, ist für andere viel zu gut vorstellbar.

Heide Grünefeld (Bild: privat)

Die Menschen, die den 2. Weltkrieg hier noch erlebt haben, aber auch diejenigen, die zu uns geflohen sind vor anderen Kriegen, sehen in den täglichen Fernsehbildern ihre eigene Geschichte.

Viele Menschen sind in den letzten Jahren zu uns geflohen, aus Afghanistan, Irak, Syrien, Eritrea und vielen anderen Ländern. In ihren Ländern herrschte Gewalt, Terror, Chaos.

Die Angst und die Verzweiflung trieb sie von zuhause fort, nach Europa, dem sicheren, stabilen, reichen Europa. Dem Europa, das niemand mit Krieg und dem Elend vieler anderer Länder in Verbindung bringt. Einem Europa, in dem wir uns sicher wähnten. In dem wir Frieden und Gerechtigkeit, einklagbare Rechte und eine sichere Grundversorgung als selbstverständlich erachten. Einem Europa, in dem wir politische Spannungen und Auseinandersetzungen mit Sorge, aber mit dem festen Glauben an Diplomatie und Verhandlungen beobachten.

Und plötzlich ist Krieg, keine zwei Flugstunden von uns entfernt. Und die Bilder des Krieges sind Bilder, wie sie in jedem Krieg, in jedem Land, zu jeder Zeit zu sehen sind. Menschen, die fliehen, vor Gewalt und Waffen. Menschen, die verzweifelt sind, die Angst haben, die sich um Angehörige und Freunde sorgen, die dem Tod bereits begegnet sind. Und es ist letzten Endes egal, ob wir Bilder von 1940 oder 2022 sehen, ob es Bilder aus Deutschland, aus Afghanistan, aus Syrien oder aus der Ukraine sind. Das Leid und die Angst der Menschen sind immer dieselben. Und der Machthunger der Regierenden auch.

Die Menschen, die zu uns gekommen sind, als Flüchtlinge, um in Deutschland ein sicheres Zuhause zu finden, hatten gehofft, diese Bilder hier nicht mehr sehen zu müssen. Nun sind sie angespannt, hochgefahren, voller Schrecken. Sie kennen den Krieg. Sie wissen um seine Grausamkeit, sie wissen um die Gefährlichkeit von Raketen und Bomben, sie wissen, wie es ist, zu hungern und zu fliehen. Und sie wissen, dass die Verlierer stets die normalen Menschen sind.

Eine Syrerin sagte vor wenigen Tagen zu mir: „Diese Bilder im Fernsehen, ich kann sie nicht mehr sehen. Ich wollte sie nie wiedersehen, nicht hier. Ich bin kann nicht mehr, ich kann das nicht nochmal. Der Krieg darf nicht hierherkommen. Ich bin zu müde für einen neuen Krieg.

Ein anderer Syrer sagte: „Wieder Putin. Wir haben seinen Namen fürchten gelernt, als er das syrische Regime unterstützt hat. Und jetzt ist er wieder auf allen Bildschirmen. Ich wünschte, ich müsste seinen Namen nie wieder hören.

Ein Bekannter mit ukrainischer Familie sagt: „Mein Bruder ist geflohen. Er ist unterwegs. Ich weiss nicht, wo er ist. Grosser Gott. Es ist sehr schwer.

Ein eritreischer Flüchtling sagte mir: „Die Menschen sind so schlimm. Überall auf der Welt. Ich kann nicht mehr an das Gute glauben. Überall Tod und Waffen.

Großer Gott. Wir werden Kraft brauchen. Kraft, um die zu stützen, deren Wunden wieder aufbrechen, weil ein neuer Krieg so nahe ist. Kraft, um neue Menschen aufzunehmen und ihnen eine Heimat zu geben.

Kraft, um den Glauben an Diplomatie und Frieden nicht zu verlieren. Kraft, um neben der Klimakrise und der Corona–Pandemie eine neue, furchterregende Aufgabe anzugehen.

Ich habe keinen Krieg erlebt. Ich bin sicher und behütet aufgewachsen. Aber die Menschen, die vor anderen Kriegen hierher geflohen sind, haben mich gelehrt, wie sehr ich den Krieg fürchten muss und wie sehr ich unsere Freiheit und Demokratie schätzen und verteidigen muss.

Grosser Gott, ich will glauben, dass Du bei uns bist. Ich will glauben, dass Du bei denen bist, die fliehen, und bei denen, die die Nachrichten nicht mehr ertragen. Ich will glauben, dass Du bei denen bist, die weltweit demonstrieren und sich für den Frieden erheben. Ich will glauben, dass diejenigen, die Spenden sammeln, Hilfe anbieten und dem Nächsten die Hand reichen die Mehrheit sind. Ich will glauben, dass Du bei uns bist, alle Tage, bis an der Welt Ende.

Theologin Heide Grünefeld, Migrationsberaterin des Diakonischen Werks Friesland-Wilhelmshaven, im Ukraine-Friedensgebet am 1. März 2022 in der Sankt Willehad-Kirche Wilhelmshaven.

Hörbar: Die Ansprache von Heide Grünefeld im ökumenischen Friedensgebet am 1. März 2022 in der St. Willehad-Kirche zu Wilhelmshaven.


Die nächsten geplanten Rogate-Gottesdienste in Jever, Wilhelmshaven und Berln:

Jever, Friesland.

Wilhelmshaven, Niedersachsen.

  • Dienstag, 12. April 2022 | 18:00 Uhr, ökumenisches Friedensgebet anlässlich des Überfalls Russlands auf die Ukraine. emeindeglieder der Kirche St. Maria und St. Mauritius (Koptisch-orthodoxe Gemeinde) singen eine Friedensbitte. Die Friedensgebete werden getragen von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael. Ort: St. Willehadkirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.

Berlin, Schöneberg.

  • Ostersonntag, 17. April 2022 | 10:00 Uhr, Eucharistie. Predigt: Br. Franziskus. Lektorendienst: Jürgen Doster. Kirchdienst: Gesine Schmithals. Orgel: Harald Klaus. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.

Astrid Zaage: Die Welt ist zusammengerückt.

Frieden in Europa, bis vor einer Woche war dies für uns eine Selbstverständlichkeit, aber wir alle mussten mit Entsetzen feststellen, dass ein einziger machtgieriger Despot ausreicht, um unser Weltbild auf den Kopf zu stellen.

Bürgermeisterin Astrid Zaage (Wilhelmshaven) im ökumenischen Friedensgebet am 1. März 2022 (Bild: Screenshot Youtube-Kanal der Sankt Willehad-Gemeinde)

Krieg in Europa ist seit fünf Tagen eine Gewissheit, die für uns alle unfassbar ist. Unsere Gedanken sind bei den mutigen Menschen, bei den Frauen, Männern und jungen Erwachsenen die sich mutig der russischen Armee entgegenstellen und Frieden, Freiheit und Demokratie zu verteidigen. Menschen, die entschlossen für ihre Rechte kämpfen und sich verbittert gegen Unterdrückung und Machtherrschaft wehren.

Unsere Gebete gelten den Vätern, Müttern und Kinder, die in einen Angriffskrieg Putins hineingezogen wurden, wobei sie nur in Frieden leben wollten.

Das größte Land in Europa wird durch Granaten in Schutt und Asche gelegt. All das was die Menschen sich in Generationen aufgebaut haben, ist über Nacht verschwunden. Menschen verlieren ihr Leben in einem völlig sinnlosen Krieg. Es gibt keine Rechtfertigung für einen Krieg, im 21 Jahrhundert müssen Konflikte durch Diplomatie und niemals durch Waffen gelöst werden. 

Aber die Welt hat sich erhoben, und in einer beispiellosen Protestwelle wird rund um den Erdball für Frieden, Freiheit und ein Ende des Krieges in Europa demonstriert.

Die Welt ist zusammengerückt und steht Schulter an Schulter mit der Bevölkerung der Ukraine. Länder wie zum Beispiel Polen und Ungarn, die sich immer strikt geweigert haben, Flüchtlinge aufzunehmen, stehen jetzt an Ihren Landesgrenzen und empfangen die Geflüchteten mit offenen Armen.

Auch wir hier in unserer Stadt sind bereit, wir haben Platz und werden allen helfen, wo wir nur können.  

Der Krieg muss beendet werden sofort, Herr Putin ziehen sie Ihre Armee zurück, und lassen Sie die Menschen in Europa wieder in Frieden und Freiheit leben.

Bürgermeisterin Astrid Zaage (Wilhelmshaven) am 1. März 2022 im ökumenischen Friedensgebet in der Sankt Willehad-Kirche zu Wilhelmshaven. Die Friedensgebete werden getragen von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael.
Bürgermeisterin Astrid Zaage (Wilhelmshaven) am 1. März 2022 im ökumenischen Friedensgebet

Die nächsten Rogate-Gottesdienste und Gebete:

Wilhelmshaven, Niedersachsen.

  • Dienstag, 5. April 2022 | 18:00 Uhr, ökumenisches Friedensgebet anlässlich des Überfalls Russlands auf die Ukraine. Intervention: Ratsherr Martin Ehlers (CDU Wilhelmshaven). Liturgie: Pastor Frank Moritz (Banter Kirche), Kaplan George Thomas (Sankt Willehad), Monika Stamm (Caritas) und Br. Franziskus (Rogate-Kloster). Diakon Dr. Roushdy Tadros Michael und ein Gemeindechor von St. Maria und St. Mauritius (Koptisch-orthodoxe Kirchengemeinde) singen eine Friedensbitte. Die Friedensgebete werden getragen von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael. Ort: St. Willehadkirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.

Jever, Friesland. Termine des Demokratieprojektes „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“

Berlin, Schöneberg.

  • Ostersonntag, 17. April 2022 | 10:00 Uhr, Eucharistie. Predigt: Br. Franziskus. Lektorendienst: Jürgen Doster. Kirchdienst: Gesine Schmithals. Orgel: Harald Klaus. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.

Gottesdienst: Ukraine-Friedensgebet am Dienstag.

Das ökumenische Ukraine-Friedensgebet am Dienstag, 29. März, greift die ersten Erfahrungen auf, die nach Wilhelmshaven geflüchtete Menschen machen. Die Mitarbeitenden der mobilen Gemeinwesenarbeit der Diakonie Friesland-Wilhelmshaven, Alina Osterkamp und Tommaso Ippoliti, berichten in einer Intervention von ihrer Arbeit. Beide arbeiten seit Kriegsbeginn im Auftrag und enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung im Schwerpunkt in der lokalen Hilfe für aus der Ukraine-Geflüchtete. Als Ansprechpartner beantworten sie erste drängende Fragen, suchen und begleiten in die Unterkünfte, organisieren Erstausstattungen von Wohnungen und vermitteln medizinische Hilfen. Bruder Franziskus leitet das Team der Gemeinwesendiakonie aus dem Nachbarschaftsbüro Tonndeich-Südstadt in der Gökerstraße 96.

Das Friedensgebet beginnt um 18:00 Uhr in der St. Willehad-Kirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.

Die Liturgie gestalten Dechant Andreas Bolten (Sankt Willehad), Priester Gerrit Junge (Neuapostolische Kirche), Pfarrer Meik Barwisch (Alt-katholische Gemeinde) und Br. Franziskus (Rogate-Kloster). Die Orgel spielt Florian Bargen. Diakon Dr. Roushdy Tadros Michael und ein Gemeindechor von St. Maria und St. Mauritius (Koptisch-orthodoxe Kirchengemeinde) singen eine Friedensbitte, eine weitere soll in ukrainischer Sprache vorgebetet werden. Es wird eine Kollekte für die Ukraine-Nothilfe in Wilhelmshaven am Ausgang gesammelt.

Die Friedensandachten werden getragen von den Gemeinden der St. Willehad-Kirche, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche, der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael am Standort Wilhelmshaven.

Seit Beginn des von Russland geführten Angriffskrieges werden die Friedensgabete über den Youtubekanal der Sankt Willehad-Kirche live übertragen: youtube.com/c/sanktwillehad

Uwe Reese: Die Welt läßt die Ukraine nicht im Stich.

Moskau verlangt die Dardanellen„, „Anhaltend schwere Kämpfe von Ungarn bis Kurland„, „USA-Frontverläufe haben sich um das Dreifache erhöht„, „Ungeheure Feindbelastung durch den Mehrfrontenkrieg„, „Moskau inszeniert eine Kabinettskrise in Frankreich„, so die Schlagzeilen aus einer Zeitung für Wilhelmshaven und für das alte Amt Jever am 22. März 1945 also kurz vor Ende des 2. Weltkrieges.

Uwe Reese (Bild: Screenshot Sankt Willehad-Gemeinde)

Ukraine kämpft weiter um Mariupol„, „Russland Angriff auf die Ukraine„, „Tausende Soldaten in der Stadt„, „Millionen Flüchtlinge„, „Gesamte Infrastruktur zerstört„, „Deutschland stellt neue EU-Eingreiftruppe„, heißt es 77 Jahre später in der heutigen Ausgabe der „Wilhelmshavener Zeitung“.

Ich habe mir nicht vorstellen können und Sie vermutlich auch nicht, solche Schlagzeilen im 21. Jahrhundert lesen zu müssen. Geschichte wiederholt sich ganz offensichtlich. Haben wir uns in der Europäischen Union einfach zu sicher gefühlt?

Kriege, die waren weit weg, fanden in Korea, Vietnam, auf dem Balkan und in jüngster Zeit in Syrien und Afghanistan statt. Seit dem  24. Februar 2022 ist der Krieg in Europa zurück.

Russlands Angriff auf die Ukraine stellt einen eklatanten Bruch des Völkerrechts dar und ist ein Angriff auf die gesamte freiheitliche Weltordnung.

„Putin will nicht die Gebiete Donezk und Lugansk, sondern die ganze Ukraine.“ Das Zitat aus dem September 2014 stammt von dem damaligen ukrainischen Regierungschef Arsenij Jazenjuk als die Lage in der Ost-Ukraine eskalierte, nach dem die Städte Donezk und Lugansk sich als Volksrepubliken deklarierten und von Russland als solche anerkannt wurden.

Die Folge waren ständige Kampfhandlungen zwischen der Ukraine und Russland im Südosten der Ukraine. Acht Jahre später ist das Zitat aktueller denn je.

Der 69jährige Putin ist innen- und außenpolitisch auf der Höhe seiner Macht, und er nutzte sie zu einem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Mit dem Begriff „Spezialoperation“ tarnte Russland den Aufmarsch seiner Truppen an den Grenzen der Ukraine. Daraus ist ein Krieg geworden, der Europa bis ins Mark erschüttert. Fassungslos registrieren die Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Union Flüchtlingsbewegungen in Ausmaßen wie im 2. Weltkrieg. 

Der 24. Februar 2022 ist schon jetzt historisch, markiert er doch die Zeitenwende unseres Kontinents. Ein unabhängiges demokratisch geprägtes  Land wie die Ukraine von der Weltkarte tilgen zu wollen, stellt einen infamen Bruch des Völkerrechtes dar. Furchtbare Nachrichten dokumentieren seit Wochen den menschenverachtenden Überfall der Russen. Ich befürchte, die Welt wird am Ende des Krieges nie wieder so sein wie vor Beginn des Krieges

Leib und Leben geben wir für unsere Freiheit“, lautet eine Textzeile in der Nationalhymne der Ukraine, die die gesamte freie Welt bei dem Kampf um Freiheit an ihrer Seite weiß. Die Bürgerinnen und Bürger der Ukraine stemmen sich gegen den Einmarsch des übermächtigen Russlands in einer Weise, die die Russen völlig unterschätzt haben. Der Vormarsch gelang nicht in dem geplanten Zeitrahmen von 72 Stunden. Ein Ende der kriegerischen Handlungen ist nicht absehbar.

Gemeinsam mit den Allierten werden wir jeden Quadratmeter des Bündnisgebietes der NATO verteidigen“, sagte Bundeskanzler Scholz in einer Regierungserklärung. Sichtbare Zeichen setzen die NATO und die Bundeswehr, die in den letzten Wochen ihre Unterstützung der Ukraine durch Waffenlieferungen ausgeweitet haben.

Mehr Investitionen in Sicherheit, in Freiheit und in Demokratie – der russische Überfall ließ die Länder der freien Welt eng zusammen rücken. Die Welt läßt die Ukraine nicht im Stich und erhöhte den Druck auf Russland in einer so vielfältigen Weise, wie sie es noch nie gegeben hat. Sanktionsmaßnahmen zeigen Wirkungen. Eindrucksvolle Demonstrationen in allen deutschen Städten und eine Welle der Hilfsbereitschaft ist parallell dazu weltweit festzustellen.

Zwischenzeitlich sorgten Meldungen von Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine für Schlagzeilen in den Medien und weckten auch Hoffnungen auf eine Ende der kriegerischen Handlungen. Die Welt hofft, dass bei den Gesprächen zumindest ein Waffenstillstand erzielt würde, um die Katastrophe noch abwenden zu können und einen Despoten wie Putin zu stoppen.

Noch eine persönliche Bemerkung zum Schluss: Ich bin im November 1943, also noch zu Zeiten des 2. Weltkrieges, geboren worden. Meine Großelten und Eltern haben im vorigen Jahrhundert Elend und Leid des 1. und 2. Weltkrieges erlebt und sie haben kaum darüber gesprochen.

„Nie wieder Krieg!“ hieß es nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Jahre 1945. Für mich war die Aussage wie ein Dogma. Daran habe ich geglaubt bis zum 24. Februar 2022. 77 Jahre danach ist  plötzlich alles anders. Europa befindet sich wieder in einer Ausnahmesituation, die derzeit nicht beherrschbar erscheint.

Schauen wir einfach mal zurück in die Geschichte. Im August 1924 fanden um den 10. Jahrestag des Kriegsbeginns in ganz Deutschland Massendemonstrationen statt, zu denen – seit 1920 jedes Jahr – der Aktionsausschuss der „Nie wieder Krieg!“-Bewegung aufrief.

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg. Wer auf den Krieg vorbereitet ist, kann den Frieden am besten wahren. An den Frieden denken heißt, an die Kinder denken. Der ungerechteste Frieden ist immer noch besser als der gerechteste Krieg“ so Mahatma Gandhi.

Der Alterspräsident des Stadtrates und Ratsherr Uwe Reese (Wilhelmshaven) am 22. März 2022 im ökumenischen Friedensgebet in der Sankt Willehad-Kirche zu Wilhelmshaven. Die Friedensgebete werden getragen von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael.

Ratsherr Uwe Reese (Wilhelmshaven) am 22. März 2022 im ökumenischen Friedensgebet in der Sankt Willehad-Kirche zu Wilhelmshaven.

Die nächsten Ukraine-Friedensgebete in Wilhelmshaven:

  • Dienstag, 29. März 2022 | 18:00 Uhr, ökumenisches Friedensgebet anlässlich des Überfalls Russlands auf die Ukraine. Intervention: Alina Osterkamp und Tommaso Ipolitti (Mobile Gemeinwesenarbeit der Diakonie Friesland-Wilhelmshaven). Liturgie: Dechant Andreas Bolten (Sankt Willehad), Priester Gerrit Junge (Neuapostolische Kirche Wilhelmshaven), Pfarrer Meik Barwisch (Alt-katholische Gemeinde) und Bruder Franziskus (Rogate-Kloster). Orgel: Wolfgang Pude. Diakon Dr. Michael und Gemeindechor von St. Maria und St. Mauritius (Koptisch-orthodoxe Kirchengemeinde Wilhelmshaven). Die Friedensgebete werden getragen von den Gemeinden der St. Willehad-Kirche, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche, der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael. Ort: St. Willehad-Kirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.
  • Dienstag, 5. April 2022 | 18:00 Uhr, ökumenisches Friedensgebet anlässlich des Überfalls Russlands auf die Ukraine. Intervention: Ratsherr Martin Ehlers (CDU Wilhelmshaven). Ort: St. Willehadkirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.

Doris Möllenberg: Friede muss gewollt sein.

Viktoria Lelèka ist Musikerin. Bis zu ihrem 25. Lebensjahr lebte sie in der Ukraine. Nun lebt sie in Deutschland. „Ich bin zutiefst besorgt und unruhig. Meine Familie, meine Freunde sind in der Ukraine. Meine Musik hilft mir. Wenn ich ukrainische Lieder in Deutschland singe, dann wird ukrainische Kultur min-destens im Ausland gehört. Mein größter Wunsch jetzt ist, dass Russland mit seinen Angriffen aufhört.“

Es geht um ihre Heimat. Und um die Heimat von 41 Millionen Menschen.
Sie sind Mütter und Töchter und Schwestern, Brüder und Söhne und Väter. Sie wollen leben. Musizieren. Mit ihren Kindern auf den Spielplatz gehen. Morgens ins Büro fahren. Abends sich am Esstisch von ihrem Tag erzählen. Den Alltag leben, den wir auch leben. In einem freien Land.
Dieses Land ist nun schon seit 13 Tagen im Kriegszustand. Krieg auf europäischem Boden. Nach über 75 Jahren Frieden. Das geht unter die Haut. Meine Mutter, die als 7jährige im Januar 1945 aus Breslau geflüchtet ist, kann kaum Nachrichten schauen. Zu vieles kommt da hoch an Erinnerungen. Sie hat Angst, dass der Krieg sich ausweitet.

Auch ich kann die Bilder manchmal kaum aushalten. Sehe zerstörte Häuser und Städte, sehe dahinter zerstörte Träume und Leben. Menschen auf der Flucht. Frauen, die unterwegs ihr Baby zur Welt bringen. Was für eine schreckliche Vorstellung.
Krieg auf europäischem Boden. Realität von Gewalt und Angst. In den Nachrichten sehe ich ein Bild. Ein Kind hat es für seinen Vater gemalt. Der Vater ist ukrainischer Soldat. Das Bild hängt an seinem Spind. Dort wo er stationiert ist.

Was wird passieren?
Gewalt schreit nach Gegengewalt. Waffen auf der einen Seite rufen nach noch mehr auf der anderen. Drohung bedingt Gegendrohung nicht nur in der Ukraine, sondern überall in Europa. Eine tödliche Logik. Eine Sackgasse ohne erkennbaren Ausweg. Da kann man dran verzweifeln. Und es mit der Angst zu tun bekommen. Oder in der Not zu Gott beten: Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens (Lukas 1,79b).

Ein Gebet, wo die diplomatischen Gespräche gescheitert sind? Muss Gott mal wieder richten, was die Menschen verbockt haben? Doch Friede kann niemand verordnen. Friede muss gewollt sein. Menschengewollt und zwar von beiden Seiten. Frieden entsteht nur, wo die Beteiligten Schritte aufeinander zugehen. Sonst kann es keinen Frieden geben.

Gott kann und will das allein nicht machen. Darum sind die Worte aus dem Lobgesang des Zacharias achtsam gewählt: Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Sie sind Teil einer großartigen Friedenserzählung: Christus kommt wie ein Himmelslicht, vertreibt die Finsternis und löst die Schatten des Todes auf wie die Sonne den Nebel.

Aber er tut das nicht ohne uns. Sondern indem er die Füße der Menschen auf den Weg des Friedens ausrichtet und ihnen den Weg aus der Sackgasse zeigt. Christus kommt in die tiefste Dunkelheit. Er steht allen bei, die tödlich bedroht sind. Und auch denen, die fassungslos und ohnmächtig die Bilder des Krieges in der Ukraine in den Nachrichten sehen. Aber den Weg des Friedens müssen Menschen gehen. Schritt für Schritt. Ohne Abkürzung. Und mit Geduld und Beharrungsvermögen.

Und mit einem Gebet auf den Lippen: Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens, du Gott des Friedens. Amen.

Pastorin Doris Möllenberg, Lutherkirchengemeinde Wilhelmshaven, am 8. März 2022 anlässlich des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine im ökumenischen Friedensgebet in der Sankt Willehadkirche Wilhelmshaven

Zum Hören: Pastorin Doris Möllenberg, Lutherkirchengemeinde Wilhelmshaven, im ökumenischen Friedensgebet am 8. März 2022.


Willkommen zu unseren Andachten in dieser Woche:

Wilhelmshaven, Niedersachsen:

  • Dienstag, 22. März 2022 | 18:00 Uhr, ökumenisches Friedensgebet anlässlich des Überfalls Russlands auf die Ukraine. Der Alterspräsident des Rates der Stadt Wilhelmshaven, Uwe Reese, spricht. Liturgie: Pfarrer Kinzinger (Sankt Willehad), Bezirksevangelist Eike Rosentreter (Neuapostolische Kirche Wilhelmshaven) und Bruder Franziskus (Rogate-Kloster). Orgel: Herr Pude (Neuapostolische Kirche Wilhelmshaven). Diakon Dr. Michael und Gemeindechor von St. Maria und St. Mauritius (Koptisch-orthodoxe Kirchengemeinde Wilhelmshaven). Die Friedensgebete werden getragen von der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Gemeinde Wilhelmshaven, der Caritas Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven, Banter Kirche, der Luther-Kirche und dem Rogate-Kloster Sankt Michael. Ort: St. Willehadkirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.

Jever, Friesland. Ein Termin des Demokratieprojektes „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“:

Ökumenisches Ukraine-Friedensgebet am Dienstag.

Zu einem ökumenischen Ukraine-Friedensgebet anlässlich der Russlandkrise laden die Gemeinden der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche, der Luther-Kirche und der St. Willehad-Kirche, die Caritas, die Diakonie Friesland-Wilhelmshaven sowie das Rogate-Kloster Sankt Michael am Dienstag, 22. März 2022, ein.

Beginn ist um 18:00 Uhr in der Sankt Willehad-Kirche (Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven). Der Vorsitzende des Ausschusses für Soziales, Gesundhet und Integration, Uwe Reese, spricht als Vertreter der Stadt Wilhelmshaven. Liturgen sind Pfarrer Holger Kitzinger, Bezirksevangelist Eike Rosentreter, Diakon Dr. Michael und Bruder Franziskus. Die Voslapper Kirchengemeinde St. Maria und St. Mauritius beteiligt sich mit einem Gebet und einer Lesung in koptischer Sprache.

Die Andacht wird live über den Youtube-Kanal der St. Willehad-Gemeinde gestreamt: youtube.com/c/sanktwillehad


Die folgenden Rogate-Termine:

Bitte an die Kirchen: Den Krieg stoppen. Den Frieden suchen. Die Heizperiode jetzt beenden.

Das Rogate-Kloster ruft dazu auf, vorzeitig die Heizperiode in den Kirchen zu beenden. Um den russischen Angriffskrieg zu stoppen und um Energieimporte zu reduzieren sind wir alle an unseren jeweiligen Orten und unseren Verantwortlichkeiten gefordert. Viele Kirchen werden im Winterhalbjahr beheizt, uns selber fröstelt aber bei der Wärme, wenn die Energieimporte aus Russland dazu beitragen, den Krieg gegen die Ukraine indirekt zu finanzieren.

Suche Frieden und jage ihm nach! (Psalm 34,15)

Wir bitten von Herzen alle Verantwortlichen in Landeskirchen, Bistümern, Diozösen, Werken, Gemeinden, Pfarrräten und Kirchenvorständen darum, zu überlegen und zu prüfen, ob deutliche Energieeinsparungen sofort möglich sind und um so zu helfen, die finanziellen Überweisungen an Russland zu reduzieren. Der Krieg muss schnellstmöglich beendet werden, dazu können wir als Kirchen unseren Beitrag auch durch niedrigere Raumtemperaturen beitragen und auch etwas für den Klimaschutz leisten.

Bürgermeisterin Gesche Marxfeld zum Ukraine-Krieg: Dem Leid Mitgefühl entgegensetzen

Bürgermeisterin Gesche Marxfeld (Bild: privat)

Ich halte einen Augenblick inne….

Alle denken und fühlen und sagen zurzeit das Gleiche… es herrscht Fassungslosigkeit.

Dennoch möchte ich mich als Bürgermeisterin unserer Stadt heute auch mit ein paar Gedanken an Sie wenden.

Der Krieg zwingt Hunderttausende von Menschen ihre Heimat zu verlassen, überwiegend Frauen mit Kindern.

An den Grenzen der Ukraine gibt es seit mehr als einer Woche Bilder, wie sich ukrainische Flüchtlingsfamilien verabschieden, die Männer gehen zurück, um zu kämpfen. Im Alter von 18 bis 60 Jahren ist ihnen die Ausreise verboten.

Emotionale, familiäre Trennungsszenen ….

Der Aggression und der Zerstörung, dem Leid und dem Schmerz setzen wir Mitgefühl und Hilfe entgegen.

Auch in unserer Stadt ist die Hilfe grenzenlos…. Als Bürgermeisterin möchte ich allen, die sich beteiligen, ihre Solidarität zeigen, ihre Unterstützung anbieten und mit Hilfsgütern in die Grenzgebiete fahren, meinen Dank aussprechen.

Heute ist der 8. März, der internationale Frauentag ist dem Kampf für Frauenrechte, Frieden und Gleichberechtigung gewidmet. Und heute wichtiger denn je. Zum Thema Chancengleichheit und Gleichberechtigung ist schon viel geschafft, aber immer noch zu wenig wenn es um Frauen in Führungspositionen in Kultur und Medien, aber auch in der Sportwelt geht. Es hat sich viel geändert, aber lange noch nicht genug. Gleichheit für heute und für morgen!

Wie in den sozialen Medien heute berichtet, haben meine Amtskollegin Astrid Zaage und ich heute an der Windsbraut am Nassauhafen jeder Frau symbolisch einen Blumenstrauß überreicht.

Lasst uns gemeinsam für eine bessere und friedliche Zukunft weiterkämpfen. Wir verpflichten uns für soziale Gerechtigkeit und – viel wichtiger – für uns ist es Solidarität zu zeigen und ein deutliches Zeichen für den Frieden zu setzen.

Lasst uns beten für Frieden in der Ukraine und auf der ganzen Welt!

Herr, wir bitten um deinen Beistand für alle Menschen, die in den Krisengebieten unverschuldet großes Leid und große Angst ertragen müssen. Bitte behüte und beschütze uns die Menschen. Schenke ihnen Kraft, Trost und Hoffnung. Lass bitte die Menschen zur Vernunft kommen, damit dieser irrsinnige Krieg beendet wird. 

Ich werde mich nun auf den Weg zur Mahnwache auf den Rathausplatz machen…

Wir sind solidarisch mit unseren demokratischen Schwestern auf der ganzen Welt….

Bürgermeisterin Gesche Marxfeld (Wilhelmshaven) am Weltfrauentag, 8. März 2022, im ökumenischen Friedensgebet der St. Willehad-Gemeinde, Neuapostolische Kirche Wilhelmshaven, der Caritas, der Diakonie Friesland-Wilhelmshaven, der Banter Kirche und des Rogate-Klosters Sankt Michael.
Die Ansprache von Bürgermeisterin Marxfeld hier zum Anhören.