Coronakrise und Beten? Zitate zum Sonntag Rogate 2020

„Vater unser im Himmelreich, der du uns alle heißest gleich. Brüder sein und dich rufen an. Und willst das Beten von uns han. Gibt, dass nicht bet allein der Mund. Hilf, daß es geh von Herzensgrund.

Geheiligt werd der Name dein. Dein Wort bei uns hilf halten rein, dass wir auch leben heiliglich, nach deinem Namen würdiglich. Behüt uns, Herr, vor falscher Lehr, dass arm verführet Volk belehr.“

Martin Luther, 1539, Lied „Vater unser im Himmelreich“, Evangelisches Gesangbuch, Nr. 344, 1+2

„Corona heißt für mich: Noch einsamer sein. Alleine zu Hause bin ich. Die Fernsehnachrichten machen mich traurig. Oft stelle ich schon den Fernseher aus, weil ich es nicht mehr ertrage. Ich muss viel weinen. Das Gebet fällt mir nicht leicht. Irgendwann dachte ich mir: Meine Tränen sind mein Gebet. Dann also habe ich viel gebetet. Ich hoffe auf Gott, dass er uns beisteht, mir aber auch allen Kranken in diesen Tagen.“

Anonym, Wilhelmshaven, Mai 2020

„Ich bin mir sicher, dass es für viele Menschen wichtiger gewesen wäre, Kirchen zu öffnen statt Baumärkte. Die Ruhe, der Frieden und Besinnung in dieser Zeit, die wie ein schwankendes Schiff ist, festigt. – Ich bin nicht sehr religiös. Die Ruhe und die Konzentration auf mich selbst und das Wesentliche habe ich weit abseits von dem nervösen panischen Geflirre gefunden. – Mit meinem Hund; draussen vor der Stadt. Der Wald und der Himmel über mir wie eine Kathedrale. 

Barbara Nolte, Berlin-Schöneberg, Mai 2020

„Es kommt dein Reich zu dieser Zeit und dort hernach in Ewigkeit. Der heilig Geist uns wohnet bei. Mit seinen Gaben mancherlei. Des Satans Zorn und groß Gewalt, zerbrich, vor ihm dein Kirch erhalt.“

Martin Luther, 1539, Lied „Vater unser im Himmelreich“, Evangelisches Gesangbuch, Nr. 344, 3
Schwester M. Stella (Bild: Wilhelmshavenglaubt)

„In der Zeit, als wir keine Gottesdienste haben konnten, hatten wir Öffnungszeiten für das stille Gebet in unseren Kirchen angeboten.

Man konnte sich  „verankern“. An dem Platz ,wo man gern in der Kirche sitzt, konnte man einen Anker anbringen und ihn gestallten; zum Beispiel mit Symbolen, etwas drauf schreiben, oder nur mit Namen versehen.

Eine Frau sagte: „Es gefällt mir sehr gut, diese Betstunde. Diese Ruhe, eine innere Gelassenheit macht sich breit. Man kann über alles nachdenken, über den grauen Alltag, der plötzlich viel heller wird. Ich spüre bei mir: Die Betstunde macht mich stark. Ich kann sie nur empfehlen! Lieber Gott, segne mich und meine Familie. Liebe Gottesmutter, ich vertraue auf Dich, Danke! Vielen Dank, für alles Gute, dass ich empfangen durfte!“

Schwester M. Stella, Marienschwester in Wilhelmshaven-Fedderwardergroden, Mai 2020

Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich, auf Erden und im Himmelreich. Gib uns Geduld in Leidenszeit, gehorsam sein in Lieb und Leid. Wehr und steur allem Fleisch und Blut, dass wider deinen Willen tut.

Martin Luther, 1539, Lied „Vater unser im Himmelreich“, Evangelisches Gesangbuch, Nr. 344, 4

„Täglich höre ich von Menschen, die sich in dieser Krise große Sorgen machen. Ihr Arbeitsplatz ist bedroht, nahe Angehörige oder auch sie selbst sind krank oder sie leiden unter der Einsamkeit durch die Kontaktbeschränkungen. Im Gebet bitte ich Gott um seinen Beistand für uns alle. Und danke für die vielen gerade auch in der Diakonie, die in dieser Zeit für andere da sind. Gott, bleib Du bei ihnen und gib uns allen Zuversicht.“

Pfarrerin Barbara Eschen, Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Mai 2020
Pfr. Andreas Erdmann (Bild: privat)

„Beten ist für mich wie atmen: Es gehört zu meiner Beziehung mit Gott schlicht dazu. Das war vor der Pandemie nicht anders als jetzt. Es tut mir gut, über das, was geschieht, mit Gott im Gespräch zu bleiben und gestärkt durch seinen Zuspruch an mich und seine Schöpfung diesen Zuspruch anderen zuteilwerden zu lassen. Dabei fühle ich gerade auch durch das gemeinsame Gebet in dieser Zeit eine starke Verbundenheit mit meinen christlichen Geschwistern im Glauben.“

Pfarrer Andreas Erdmann, Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Berlin, Mai 2020

„Ein brauchbares Zitat fällt mir zwar nicht ein, aber ich kann sagen, dass der Glaube auch in schwierigen Zeiten stärkt. Viel schlimmer als die Einschränkungen empfinde ich den Verlust jeglicher beruflichen Perspektive. Insbesondere erfüllt es mich mit Schrecken, wie viele Jobs in der Gastronomie verloren gehen.“

Michael Oberseider, Bayern, Mai 2020

„Mir geht es gut. Nach anfänglicher Sorge und Angst kann ich Gott danken, für die Kraft und Zuversicht, dass es mir auch weiterhin gut geht und bitte ihn auch für alle, die auf ihn vertrauen, sie zu stärken in dieser schweren Zeit. Meine Gedanken drehten sich um die Menschen, die ich in dieser außerordentlichen Zeit nicht im der Gemeinde treffen konnte. Wie kamen sie zurecht, wie fühlten sie sich, brauchten sie Unterstützung? Mit Anrufen, Grußkarten und später auch Besuchen hielten wir Kontakt im gegenseitigen Austausch. Als deine Kinder bist du immer für uns da. Danke, lieber Gott.“

Heidrun Helbich, Wilhelmshaven-Neuengroden, Mai 2020

„Gib uns heut unser täglich Brot und was man darf zur Leibesnot. Behüt uns, Herr, vor Unfried und Streit, vor Seuchen und vor teurer Zeit, dass wir in gutem Frieden stehn, der Sorg und Geizes müßig gehn.“

Martin Luther, 1539, Lied „Vater unser im Himmelreich“, Evangelisches Gesangbuch, Nr. 344, 5
Michael Feitel (Bild: privat)

„Mir ist (in dieser Zeit) das folgende Gebet eines anderen Schreibers wichtig geworden: Bleibe bei uns, Herr, in dieser Zeit, in der wir zweifeln, aber nicht verzweifeln wollen, Fragen stellen, ohne Antworten zu haben, Probleme sehen, ohne Lösungen zu kennen. Bleibe bei uns, wenn wir die Dunkelheit fürchten und lass uns den neuen Morgen, das neue Ostern, erwarten.“

Michael Feitel, Berlin, Mai 2020
Dekan Ulf-Martin Schmidt (Bild: privat)

„Angesichts der vielfältigen Dynamiken, die der Umgang mit Corona in unserer Gesellschaft ausgelöst hat (von Entschleunigung bis Aggression), fällt mir das freie Beten von Tag zu Tag schwerer und ich bin froh, dass ich auf verschriftlichte Gebete anderer Menschen und Gemeinschaften zurückgreifen kann. Als Pfarrer werden jeden Tag Gebetsanliegen an mich herangetragen, die ich bei Gott geborgen weiß wenn ich sie im-Namen-nennen vor ihn bringe – mein persönliches Bitten kann ich aber nicht mehr gut in Worte fassen und versuche im Meditieren innere Ruhe zu finden.“

Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-katholische Gemeinde Berlin, Mai 2020

„All unser Schuld vergib uns. Herr, dass sie uns nicht betrüben mehr. Wie wir auch unsern Schuldigern ihr Schuld und Fehl vergeben gern. Zu dienen mach uns all bereit, in rechter Lieb und Einigkeit.“

Martin Luther, 1539, Lied „Vater unser im Himmelreich“, Evangelisches Gesangbuch, Nr. 344, 6
Heide Grünefeld (Bild: Wilhelmshavenglaubt)

„Ich glaube, dass Wort „Corona“ ist in meinen Gebeten nicht ein einziges Mal gefallen. Meine eigenen Zwiegespräche mit Gott haben mit Corona eigentlich nichts zu tun. Ich sehe zur Zeit viele andere Menschen, die nicht an Corona, sondern an der Angst davor oder an Folgen der Pandemieregeln leiden. Aber ich bin nicht gut darin, lange Gebete in Ruhe zu sprechen. Ich bin eher diejenige, die sich nach einem Besuch wieder ins Auto setzt, verzweifelt und wütend über die erlebte Traurigkeit oder Perspektivlosigkeit o.ä. ist, und dann nach oben schaut und in sehr ungeduldigem Tonfall sagt: „Du siehst das, oder? Du hast ihn/sie im Blick? Und ich hoffe sehr, Du hast einen Plan und weisst, wozu diese ganzen Schwierigkeiten gut sind, denn ich sehe das nicht, und das geht da schief, hilf ihm/ihr, Du musst da hinsehen, bitte!!!“

Und nach einer Weile, wenn ich mich abgeregt habe, kann ich etwas ruhiger sagen „Ja, gut, ich vertraue Dir und ich versuche weiter mein Bestes.“ Und dann, weil ich es doch nicht lassen kann und lieber auf Nummer sicher gehe, sage ich in wieder energischem Tonfall noch ein weiteres Mal „…aber Du guck dahin! Danke.“

Ob das als Beten durchgeht, weiss ich nicht. Ich hoffe es. Und ich hoffe, Gott guckt dann da hin.“

Heide Grünefeld, Theologin und Sozialarbeiterin, Hooksiel (Wangerland, Friesland), Mai 2020

„Führ uns, Herr, in Versuchung nicht, wenn uns der böse Geist anficht. Zur linken und zur rechten Hand, hilf uns tun starken Widerstand. Im Glauben fest und wohlgerüst und durch des heilgen Geistes Trost.“

Martin Luther, 1539, Lied „Vater unser im Himmelreich“, Evangelisches Gesangbuch, Nr. 344, 7

„In der Corona-Krise sitze ich vor einem Arbeitsberg, der einfach nicht kleiner wird. Durch das Zuhause-Arbeiten im Homeoffice fällt es mir noch schwerer, wirklich Feierabend oder Wochenende zu machen und abzuschalten. Die Ruhe des Gebets würde mir hier sehr guttun. Aber mir diese Ruhe zu geben, fällt mir schwer.“

Anonym, Berlin, Mai 2020
Rechts: Edmund Mangelsdorf (Bild: privat)

„Unser Vater im Himmel weiß, was er uns auf der Erde zumutet und zumuten kann, um unserer Entwicklung willen. So bitte ich nicht um Einzelnes, sondern nur: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden!“ und denke dabei auch an Corona. Und wo ich mein persönliches ewiges Leben dann verbringen soll, ob nun hier oder drüben, das überlasse ich Seiner Weisheit.“

Edmund Mangelsdorf, Berlin-Schöneberg, Mai 2020

„Von allem Übel uns erlös, es sind die Zeit und Tage bös. Erlös uns vom ewigen Tod und tröst uns in der letzten Not. Bescher uns auch ein seligs End. Nimm unser Seel in deine Händ.

Martin Luther, 1539, Lied „Vater unser im Himmelreich“, Evangelisches Gesangbuch, Nr. 344, 8
Pfr. Burkhard Bornemann (Bild: privat)

„Ich weiß, wie privilegiert und geborgen ich diese Krise erleben darf. Aber das war und ist auch Verantwortung. Wie viele Gespräche mit sehr unglücklichen, verstörten, psychisch zutiefst verletzten Menschen habe ich in den letzten Wochen geführt, in der offenen Kirche oder anderen Orten, manchmal auch einfach, wenn ich mit dem Mopsduo unterwegs war. Aber immer fühlte ich mich geführt auf der rechten Straße um seines Namens willen – im Namen von Glaube, Hoffnung und Liebe. Im Namen von Trost, Zuwendung und Halt.“

Pfarrer Burkhard Bornemann, Evangelische Zwölf-Apostel-Gemeine, Berlin-Schöneberg, Mai 2020

Amen, das ist: Es werde wahr. Stärk unsern Glauben immerdar. Auf das wir ja nicht zweifeln dran, dass wir hiemit gebeten han. Auf dein Wort in dem Namen dein, so sprechen wir das Amen fein.“

Martin Luther, 1539, Lied „Vater unser im Himmelreich“, Evangelisches Gesangbuch, Nr. 344, 9

Hinweis zu dieser Zitatesammlung: Zum Sonntag Rogate 2020 haben wir verschiedene Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Berufsgruppen um einen Beitrag zu „Coronakrise und das Beten“ angefragt. Die aufgeführten Zitate fanden Eingang in den Gemeindegottesdienst des Rogate-Klosters Sankt Michael zu Berlin am 17. Mai 2020 in der Zwölf-Apostel-Kirche zu Berlin-Schöneberg und werden hier dokumentiert. Ursprünglich war für den fünften Sonntag nach Ostern eine ökumenische Eucharistie gemeinsam mit der Alt-katholischen Gemeinde Berlin geplant. Diese konnte aufgrund der Einschränkungen der Gottesdienste in der Pandemie nicht stattfinden, daher fand ein Gottesdienst ohne Abendmahl statt.

Fünf Fragen an: Pfarrer Andreas Blum, Gemeinde St. Bonifatius London

Fünf Fragen an Pfarrer Andreas Blum, Deutschsprachige Katholische Gemeinde St. Bonifatius London, über die Leere der Kirchen an Ostern, die Bedeutung persönlicher Begegnung in einer Auslandsgemeinde und existentielles Reden von Gott.

Pfarrer Andreas Blum (Bild: A. Karpinski)

Pfarrer Andreas Blum (53) stammt aus Bensberg bei Köln und studierte in Bonn und Canterbury Katholische Theologie. Nach vielen Jahren als Schulseelsorger und Geistlicher Mentor Theologiestudierender im Erzbistum Köln, wurde er 2017 Pfarrer der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde St. Bonifatius in London. Er engagiert sich darüber hinaus für die „Arche“ (Lebensgemeinschaften für Menschen mit und ohne geistige Behinderungen) sowie in der Exerzitienbegleitung (Schwerpunkt: Film).

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Blum, wie haben Sie dieses Jahr Ostern feiern können?

Die Kirchen im Vereinigten Königreich müssen in diesen Tagen geschlossen bleiben und dürfen auch nicht für das Gebet Einzelner zugänglich gemacht werden. Diese Leere der Kirchen hat etwas von einem andauernden Karsamstag. Am Ostermorgen habe ich mich dann vor allem in der Klage der Maria von Magdala wiedergefunden: „Man hat meinen Herrn weggenommen.“ (Johannes-Evangelium 20,13). In diesem Jahr fehlte der Leib Christi in Gestalt der versammelten Gemeinde (1. Korintherbrief 12,27), und mit Maria habe ich zu verstehen versucht, was es heißen kann, nicht an dem Vertrauten und Liebgewonnenen festhalten zu sollen, sondern das österliche Leben im ganz anderen wiederzufinden. Die Antwort wird reifen müssen.

Rogate-Frage: Was hat sich durch die Corona-Pandemie für Ihre Gemeinde und Sie verändert und wie gehen Sie damit um?

Andreas Blum: In einer Auslandsgemeinde ist die Zusammenkunft und das Teilen von Sprache, Kultur und Speisen aus der Heimat ein wesentlicher Grundvollzug. Sich als Gruppe zu erleben, bietet Halt und Sicherheit in fremder Umgebung. Da unsere Gemeindemitglieder weit verstreut im Großraum London leben, haben wir Erfahrung im Umgang mit räumlicher Distanz, aber wir wissen eben auch um die Bedeutung einer Begegnung, die nicht durch Telefon und Bildschirm ersetzt werden kann.

Besonderes Augenmerk gilt in diesen Tagen unseren Senioren und ihrer Versorgung, sowie denen, die unter Einsamkeit und Zukunftsängsten leiden. Sie werden regelmäßig kontaktiert. Wir haben eine Sonderausgabe unseres Pfarrbriefs mit nützlichen Hinweisen, Anregungen und Ermutigungen erstellt, nicht zuletzt für jene, die digital nicht leicht zu erreichen sind. Wir bieten auf unserer Homepage eigene Gottesdienstvorschläge für jeden Sonntag an und haben zu Ostern ein Video montiert, in dem sich die Gemeinde mit Gebeten und Liedern von Haus zu Haus grüßt. Wir versuchen, in konkreter Verbindung zu bleiben.

Rogate-Frage: Wie nehmen Sie die aktuelle Situation in London wahr und wie geht die Bevölkerung damit um?

Andreas Blum: Bis vor kurzem galt das Vereinigte Königreich noch als gespaltenes Land (Stichwort: Brexit). Erstaunlich schnell und einmütig hat man sich jetzt jedoch hinter den Institutionen des Landes versammelt. Den regierungsamtlichen Anordnungen und Empfehlungen wird willig Rechnung getragen, beim Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) meldet sich ein Heer von freiwilligen Helfern und die Queen ordnet in ihrer unangefochtenen Autorität den historischen Moment für die ganze Nation ein. Direkte Kontakte in zwei große Krankenhäuser im Zentrum der Stadt berichten davon, dass die Anspannung groß sei – aber von einer Überforderung oder gar einem Kollaps des Systems, wie er in manchen deutschen Medien an die Wand gemalt wird, kann zur Stunde glücklicherweise nicht die Rede sein. Auf der Straße kommen jetzt eingeübte Tugenden wie das geduldige Schlangestehen oder die aus Höflichkeit bewahrte Distanz voll zum Tragen.

Rogate-Frage: Was können wir als europäische Christen aus der Situation lernen und in die Zukunft tragen?

Andreas Blum: Mitten in einer Krisenbewältigung mit unbekanntem Ausgang ist es kaum möglich, bereits nachhaltige Rückschlüsse für die Zukunft zu formulieren. Wo die einen noch hoffen, möglichst bald zu ihrem früheren Leben zurückzukehren, glauben andere, dass nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. Die Wahrheit mag irgendwo dazwischen liegen, aber das kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keiner wissen. Auf den Prüfstand wird unser Verhältnis zur Schöpfung gehören, das sich weder in Ausbeutung noch Schwärmerei verlieren darf. Die Erkenntnis, dass auch der moderne Mensch nicht der Herr allen Lebens ist, führt uns vielleicht zu neuer Demut und Dankbarkeit. Nicht zuletzt aber verlangt eine existentielle Krise von uns Christen auch ein existentielles Reden von Gott. Mit Schweigen oder Floskeln wird es nicht getan sein.

Rogate-Frage: Würden Sie uns ein Gebet schenken?

Andreas Blum:

Statt Angst – das „Fürchtet euch nicht“ des Auferstandenen.
Statt Strafe – die Barmherzigkeit und Vergebung Gottes.
Statt Tod – das Leben.
Das ist Ostern.

Guter Gott,
lass dein österliches Licht auch in diesen Tagen leuchten,
in denen wir voll Sorge in eine ungewisse Zukunft schauen.
Du hast dich über unzählige Generationen
als der Gott an der Seite des Menschen erwiesen.
Stärke, führe und begleite auch uns
durch Leben und Tod
in Christus, unserem Herrn.
Amen.

Rogate: Amen. Vielen Dank, Herr Pfarrer Blum, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Angesichts der Corona-Pandemie können wir leider keine verlässlichen Angaben machen, wann wir wieder zu Rogate-Gottesdiensten und Veranstaltungen wie dem Wangerlandsofa einladen können. Die nächsten geplanten Termine finden Sie hier.

Coronakrise: Bischof Stäblein ruft jeden Tag um 12 Uhr zum gemeinsamen Gebet auf

Berlin, 19. März 2020 – Christian Stäblein, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), lädt angesichts der Coronakrise dazu ein, jeden Tag um 12:00 Uhr zeitgleich mit ihm zu beten.

In einem Brief, der an alle Gemeinden der Landeskirche verschickt wurde, schreibt er: „Gott erspart uns nicht alle Bedrängnisse des Lebens. Aber er hat uns verheißen, bei uns zu sein. Ich vertraue darauf, dass Gott uns trägt.“

Jeden Mittag um 12 Uhr wird Bischof Stäblein nun innehalten und im Gebet zu Gott für all die bitten, die sich sorgen, die krank sind und Kranke pflegen. Das Gebet schließt mit einem Vaterunser und dem Segen. „Ich lade Sie ein, mit in dieses Gebet zu gehen, wo immer Sie sind“, so Bischof Stäblein. So entfalte das Gebet Kraft und wir könnten beieinander sein, auch wenn wir Abstand halten müssen. 

Das Mittags-Gebet von Bischof Stäblein wird täglich aufgenommen und ist auf der EKBO-Homepage ekbo.de und auf Facebook  zu sehen. Um 12:00 Uhr wird das Gebet täglich auf Radio Paradiso zu hören sein.

Erster Friedenspfahl wird morgen in Wilhelmshaven enthüllt: „Friede sei mit euch!“

RogateKl_Postkarte A6_Friedenspfahl_301018 (verschoben) KopieDer 1. Wilhelmshavener Friedenspfahl wird am Dienstag, 20. November, vor dem Haus der Diakonie im Rahmen eines öffentlichen Friedensgebets enthüllt. „Friede sei mit euch!“ wird künftig in französischer, englischer, niederländischer und deutscher Sprache in vier Himmelrichtungen zu lesen sein.
   
Friedenspfähle haben ihren Ursprung im Jahr 1969. Der Japaner Masahisa Goi wollte so ein Friedensgebet an verschiedenen Orten sichtbar machen und verbreiten. Mittlerweile gibt es weltweit über 200.000 Friedenspfähle, die zu einem friedlichen Umgang miteinander einladen.
   
RogateKl_Postkarte A6_Friedenspfahl_RZ071118 (verschoben) 2 KopieAuf Anregung der Flüchtlingsarbeit des Kirchenkreises Friesland-Wilhelmshaven hatte die Stiftung Diakonie am Meer die Finanzierung des Denkmals zugesagt. Mit handwerklicher Unterstützung der VHS Wilhelmshaven konnte nun der zweieinhalb Meter hohe Eichenpfahl bearbeitet und vor der Diakoniezentrale aufgestellt werden. Das Rogate-Kloster hat das Projekt ebenfalls gefördert.

Zur öffentlichen Enthüllung durch Kreispfarrer Christian Scheuer und Stiftungsvorstand Klaus Lücken lädt die Stiftung Diakonie am Meer in die Weserstraße 192, Wilhelmshaven-Bant, ein. Beginn ist um 15 Uhr.

Gebet: Fürbitte aus dem Gottesdienst zur Eröffnung des 25. Stadtfestes Berlin 2017

Großer Gott, wir danken Dir, dass wir geladen sind zum Fest des Lebens. Du hast uns gemacht, gestaltet wunderbar und rufst uns bei unserem Namen. Wir sagen Dank für alles Gute und das Gelingende in unserem Leben.

Gemeindevers: Nun lasst uns gehen und treten / mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben / bis hierher Kraft gegeben. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 1)

20046763_1772848566065337_5335927618255808222_nJesus Christus, unsere Wege kennen Höhen und Tiefen. Du weißt um unsere Schwächen und Stärken. Sei uns gnädig, Du Freund des Lebens.

Wir bitten für alle, die verheiratet oder verpartnert sind – und für die, die nun endlich heiraten dürfen, für die Frauen- und Männerpaare. Segne sie.

Gemeindevers: Wir gehen dahin und wandern / von einem Jahr zum Andern, wir leben und gedeihen / vom Alten bis zum Neuen (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 2)

Heiliger Geist, Du Tröster. Wir bitten Dich für alle, sich wegen ihrer Homosexualität verstecken müssen: ….in Russland, Uganda, im Iran, Sudan, Somalia, Mauretanien, Nigeria, Libyen, Ägypten – und Tschetschenien.

Du weißt wo geweint und gelitten wird. Erbarme Dich! Schenke Mut und Trost. Werde Anwalt des Lebens – für die Gefolterten.

Gemeindevers: durch so viel Angst und Plagen, / durch Zittern und durch Zagen, durch Krieg und große Schrecken, / die alle Welt bedecken. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 3)

Dreieiniger Gott, wir danken Dir für gute Eltern, die ihre Kinder gut durch das Coming Out bringen und sie vorbehaltlos lieben. Wir danken für unsere Freunde, die mit uns durch Leben gehen und uns vertraut und nahe sind.

Gemeindevers: Denn wie von treuen Müttern / in schweren Ungewittern die Kindlein hier auf Erden / mit Fleiß bewahret werden, (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 4)

20106769_1777153038968223_7203493836030336510_nGroßer Gott, Du schenkst uns Freiheit. Wir bitten für alle, die in Unfreiheit und in Ausgrenzung leben, weil ihre Identität oder ihr Glaube nicht akzeptiert wird und sie Ausgrenzung, Gewalt und Hass erfahren.

Gemeindevers: also auch und nicht minder / lässt Gott uns, seine Kinder, wenn Not und Trübsal blitzen, / in seinem Schoße sitzen. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 5)

Jesus Christus, schenke unserer Stadt ein sicheres Stadtfest. Schenke Du fröhliche Begegnungen, gesegnete Freundlichkeit und viel gemeinsames Lachen an diesem Wochenende. Lass es zum Fest des Lebens werden. Ein Fest für alle.

Gemeindevers: Ach Hüter unsres Lebens, / fürwahr, es ist vergebens mit unserm Tun und Machen, / wo nicht dein Augen wachen. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 6)

Heiliger Geist, wir danken Dir für das Engagement vieler für eine gerechte, solidarische und lebenswerte Welt. Segne Du die Arbeit der Einrichtungen und Gruppen, die sich für Menschen im Coming Out, für Jugendliche und für Ausgegrenzte einsetzen. Und segne unser Stadtfest an diesem Wochenende, dass es für viele zum Aufbruch in gelingendes Leben und eine bessere Welt werde. Amen.

Gemeindevers: Gelobet sei deine Treue, / die alle Morgen neue; Lob sei den starken Händen, / die alles Herzleid wenden. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 7)

Gebet: Fürbitten im Allerheiligen-Gottesdienst

Das Fürbittengebet (Text Pfarrerin Andrea Richter) aus dem Gottesdienst an Allerheiligen 2016 zur Anerkennung des Rogate-Klosters durch das Katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland:

Du, Heiliger Gott. An diesem Festtag danken wir Dir für das Leben aller heiligen Frauen und Männer, die sich aus Liebe zu Dir in diese zerbrechliche Welt haben rufen lassen. Mit ihrem Leben haben sie dich bezeugt. Mit ihrem Engagement haben sie Deiner Güte eine Gestalt gegeben. Mit ihrer Hingabe im Leben und im Sterben haben die Heiligen ein Zeichen dafür gesetzt, dass Du diese Welt nicht aufgegeben hast.

Wir bitten dich: Lass uns ihr Vorbild achten und ihnen nacheifern. Hilf uns zum achtsamen Hinhören, wenn Du uns rufst und sagst: „Ich bin heilig und auch Ihr sollt heilig sein!“ (Levitikus)

Du, Vater aller Menschen. Wir danken Dir auch für das Fest der Gemeinschaft, das wir heute feiern. Unsere Ökumene – Dein Haus mit den vielen Wohnungen!

Du sehnst Dich danach, bei uns zu wohnen und mit uns zusammen zu sein. Es ist Dein Wunsch, dass wir untereinander einig sind.

Wir bitten Dich: hilf uns und allen Menschen in den Konfessionen und Religionen zu mehr Wertschätzung und Anerkennung. Schenk uns Freude an unserer Unterschiedlichkeit. Lehre uns das Schmunzeln anstatt das Stirnrunzeln. Lass uns sinnlos Trennendes geduldig überwinden und hilf uns zu befreiten miteinander Lachen, Beten und Dich loben.

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Vereinbarug zur Anerkennung durch das Bistum

Du, Dreieiner Gott! Geistliches Leben bildet Gemeinschaft! Wir freuen uns über die Anerkennung des Rogate-Klosters Sankt Michael als einer ökumenischen-geistlichen Gemeinschaft.

Wir bitten Dich für alle, die zu „Rogate“ gehören, für ihr Miteinander und für ihren Dienst. Bestärke sie in ihrem Tun. Schenke ihnen ein hörendes Herz. Lass sie miteinander und aneinander wachsen und sich nicht überfordern.

Und halte in ihnen und in uns allen das Bewusstsein dafür wach, dass vor all unserem richtigen Tun deine Nähe und deine Liebe stehen.

Lebendiger Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! In diesen Tagen besuchen wir die Friedhöfe und bedecken die Gräber mit Tannengrün. Wir entzünden Lichter und erinnern uns an Menschen, die nicht mehr unter uns sind.

Für unsere Verstorbenen bitten wir dich nicht. Sie sind ja längst schon bei Dir: in deiner Nähe und in deinem Licht – geborgen wie Kinder im Schoß ihrer Mutter.

Wir bitten aber für uns und für alle Menschen, die sich vor dem Abschiednehmen und dem Sterben eines nahen Menschen fürchten. Wir bitten auch für die, die sich selbst vor Krankheit und Tod fürchten.

Steh uns bei! Du bist uns ja zur Seite! Lass und das spüren! Lehre uns schon im Leben, dir aus tiefster Seele zu vertrauen und uns dir zu überlassen.

Alle unsere unausgesprochenen Gedanken, unsere Freuden, unsere Sorgen und Sehnsüchte sagen wir dir in der Stille….

Gemeinsam beten wir: Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

24. Lesbisch-schwules Stadtfest Berlin: Fürbittengebet aus dem Eröffnungsgottesdienst

Gestern Abend, 15. Juli 2016, feierten wir den Eröffnungsgottesdienst des 24. Lesbisch-schwulen Stadtfestes Berlin. Daraus hier das Fürbittengebet:

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Mitwirkende des Eröffnungsgottesdienstes 2016

Die Mitwirkenden des Stadtfestgottesdienstes 2016

In der Gemeinde Gottes teilen wir miteinander Freude und Schmerz, wir stehen zusammen vor Gott. Lasst uns miteinander und füreinander beten.

Barmherziger Gott, du hast deine Kirche erbaut aus Verstoßenen und gering Geachteten und uns damit ein Beispiel der Liebe und Offenheit gegeben. Doch in deiner Kirche haben Menschen immer wieder Verletzung und Ablehnung erfahren, haben sich enttäuscht abgewandt. Für sie und für uns bitten wir um Heilung und Versöhnung und rufen zu dir:

Gemeindekehrvers: „O Gott, du schöner Morgenstern, gib was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.“ (EG Lied 440, 2)

Friedliebender Gott, du preist diejenigen selig, die Frieden stiften – doch wir leben in einer friedlosen Welt. Gewalt und Ungerechtigkeit beengen und zerstören Leben. In Orlando, aber auch vielen anderen Orten der Welt, auch hier bei uns erfahren gerade LGBTQI Hass und Diskriminierung. Für sie und alle, die sich dennoch weiter unermüdlich für mehr Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, bitten wir um deine Kraft und deinen Geist und rufen zu dir:

Gemeindekehrvers: „O Gott, du schöner Morgenstern, gib was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.“ (EG Lied 440, 2)

Tröstender Gott, du hast uns als deine Ebenbilder geschaffen. Jeder Mensch ist ein Zeichen deiner Liebe. Doch immer noch ist es für viele ein schmerzhafter Prozess, zu sich selbst zu finden und zu stehen. Das Coming out vor sich und den Mitmenschen erfordert Kraft, Mut und viel zu häufig auch Trost. Wir bitten dich für alle, die diesen Schritt wagen und für alle die ihnen beistehen, schenke deinen Trost, lass sie deine Nähe und Liebe spüren. Wir rufen zu dir:

Gemeindekehrvers: „O Gott, du schöner Morgenstern, gib was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.“ (EG Lied 440, 2)

Liebender Gott, du hast uns gelernt, dass wo Menschen teilen, viele satt werden. Doch in dieser Welt gibt es eine unermessliche Kluft zwischen Überfluss und tödlicher Armut. Wir bitten dich für alle, die vergessen in den Armuts- und Krisengebieten der Welt auf unsere Hilfe hoffen und wir bitten dich für alle, die auch unter uns im Verborgenen in Not geraten. Wir bitten dich, wecke, rüttle auf, sende deinen Geist der Solidarität, Fürsorge und Nächstenliebe. Wir rufen zu dir:

Gemeindekehrvers: „O Gott, du schöner Morgenstern, gib was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.“ (EG Lied 440, 2)

Inspirierender Gott, die Gemeinschaft der Nachfolger*innen Jesu zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass sie miteinander feierten und das Brot brachen. Sie zeigten durch ihre Gemeinschaft etwas von der Fülle deiner Gegenwart. Wir bitten für alle, die in den kommenden Tagen feiern – lass das Stadtfest ein Ort der Freude, der gegenseitigen Achtung und des Respekts sein. Schenke Raum für inspirierende Gespräche und ermutigende Begegnungen. Wir rufen zu dir:

Gemeindekehrvers: „O Gott, du schöner Morgenstern, gib was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.“ (EG Lied 440, 2)

Gott, wir vertrauen auf dein offenes Ohr und dein Erbarmen, mit dem du uns begegnest durch Jesus Christus in Ewigkeit. Amen.

Text von Pfarrerin Anna Trapp

Vorbeter am Abend waren: Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin Tempelhof-Schöneberg, Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirche, MdB Volker Beck, Bündnis 90/Die Grünen, Pfarrerin Anna Trapp, Wunderblutkirche Bad Wilsnack, Geschäftsführer Jörg Steinert, Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg.

Fünf Fragen an: Kerstin Täubner-Benicke, BAG ChristInnen Bündnis90/Die Grünen

Fünf Fragen an Kerstin Täubner-Benicke, Sprecherin Bundesarbeitsgemeinschaft ChristInnen bei den Grünen, über Frieden als lokale und globale Aufgabe, die diesseitige Menschenfreundlichkeit Gottes und das Magnificat.

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Kerstin Täubner-Benicke (Foto: Hans-Jürgen Staudt)

Kerstin Täubner-Benicke lebt in Starnberg und arbeitet bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Sie studierte Germanistik und Psycholinguistik in München, ist verheiratet und hat vier Kinder und zwei Enkelkinder. Sie engagiert sich bei den Grünen auf Landes- und Bundesebene für Politik aus christlicher Verantwortung.

Rogate-Frage: Frau Täubner, warum engagieren Sie sich politisch und warum bei den Grünen?

Kerstin Täubner-Benicke: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Als politisch denkender Mensch möchte ich dazu beitragen, dass unsere Gesellschaft gerechter wird, dass wir unsere Lebensgrundlagen erhalten, dass wir uns aussöhnen mit unseren Mitgeschöpfen, dass wir unseren einzigartigen Planeten für unsere Nachkommen pfleglich behandeln, dass wir nachhaltig mit unseren Ressourcen umgehen, dass wir Konflikte in den Familien, in unseren Zusammenhängen lokal und global befrieden. Dies glaube ich, am besten bei den Grünen zu erreichen.

Rogate-Frage: Warum gibt es eine BAG Christinnen und Christen bei den Grünen und was passiert dort?

Kerstin Täubner-Benicke: Bundesarbeitsgemeinschaften bei den Grünen verstehen sich als Thinktanks und geben wichtige Impulse für die politische Arbeit und die Verankerung ihrer spezifischen Fachrichtung in Wahlprogrammatik und politischem Tagesgeschäft. Die BAG Christinnen ist bereits 1984 als erste BAG gegründet worden von kritischen Christinnen und Christen mit dem Ziel, das christliche Potential unserer Partei herauszustellen. Wir haben gesellschaftliche Diskussionen zu uns wichtigen Themen vorangetrieben: Friedenspolitik, Asylpolitik, Interreligiöser Dialog, zur Sozial- und Wirtschaftsethik, zur Neudefinition des Verhältnisses von Staat und Kirche und zur medizinischen Ethik (zum Beispiel zur Organspende, Sterbehilfe, PID) und zur Digitalisierung. Innerhalb der Partei wollen wir Steine des Anstoßes sein, in der Hoffnung das Nachdenken über die ethischen Grundlagen politischen Handelns anzustoßen.

Rogate-Frage: Welche Rolle spielt die Kirchen- und Religionspolitik in Ihrer Partei? Welche Erwartungen gibt es an die Kirchen?

Kerstin Täubner-Benicke: Die Grundsäulen bündnisgrüner Politik sind Bewahrung der Schöpfung, soziale Gerechtigkeit und Frieden. In diesen Fragen sind die Kirchen wichtige und geschätzte Bündnispartner. Viele Christinnen und Christen engagieren sich in den Kirchengemeinden und im bürgerschaftlichem Engagement für Geflüchtete, für Naturschutz, für Inklusion und bei den Grünen.
In den letzten zwei Jahren tagte eine eigens eingesetzte Kommission „Weltanschauungen, Religionsgemeinschaften und Staat“ mit der Frage, welcher Veränderungsbedarf im Verhältnis von Staat, Kirchen und Weltanschauungsgemeinschaften angesichts einer immer stärker säkularisierten Gesellschaft besteht. Der Abschlussbericht wurde im März 2016 vorgelegt. Beim nächsten Bundesparteitag in Münster wird es einen Leitantrag zu den dort getroffenen Grundsätzen und Veränderungsvorschlägen geben. Bei den Verhandlungen  war es wichtig, festzustellen, dass grüne Religionspolitik als Ziel hat, die Glaubensfreiheit in allen ihren drei Dimensionen (individuell, kollektiv, negativ) zu sichern. Die Grünen erkennen dabei die Neutralität des Staates gegenüber Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften unter Anerkennung ihres Selbstordnungsrechtes  an und entwickeln das kooperative Modell weiter. In den Feldern Arbeitsrecht und Kirchenfinanzen, hier insbesondere Transparenz, und dem verfassungsmäßig gebotenen Ablöseauftrag von Staatsleistungen stellen die Grünen Vorschläge vor. Dabei erhoffen wir von den Kirchen Dialogbereitschaft.

Rogate-Frage: Wie öffentlich, wie politisch ist Ihr Christsein? Kann Religion Privatsache sein?

Kerstin Täubner-Benicke: Religion zur Privatsache zu erklären, hieße eine wichtige Dimension des Menschseins, auch meiner persönlichen Individualität, zu verneinen. Meine Zugehörigkeit zu meiner Kirche, aber noch mehr zu meiner ganz persönlichen Gottesbeziehung ist ein Teil von mir, genauso wie meine politische Überzeugung ein wichtiger Teil meiner selbst ist. Dabei distanziere ich mich aber von einem wortwörtlichen Bibelverständnis, sondern sehe, dass Gottes Wort, das uns in unserem Alten und Neuen Testament überliefert ist, immer wieder neu interpretiert und Aussagen im damaligen Kontext gesehen und in unsere heutige Zeit übersetzt werden müssen. Zum Beispiel bedeutet das vierte Gebot heute, dass Familien auch in allen ihren jetzt üblichen Formen gefördert werden müssen.

Rogate-Frage: Und was ist Ihre Spiritualität?

Kerstin Täubner-Benicke: Unter der ersten Antwort auf Frage 1 klingt es schon an: Ich will, dass wir es schaffen, dass Gottes grundsätzliches Ja zu jedem einzelnen Menschen spürbar wird. Im Magnificat der Maria ertönt, dass die Mächtigen vom Thron gestoßen, die Niedrigen erhoben, die Hungrigen gesättigt werden. Das ist Utopie und Auftrag in einem. Als Christin kann ich nicht anders, als die Menschenfreundlichkeit Gottes schon im Diesseits zu suchen, zu befördern, dafür einzutreten. Dafür braucht es auch eine Heilung und Befriedung der Welt, der Natur mit all ihren Geschöpfen, der Beziehungen. Allein können wir das nicht bewerkstelligen, dazu braucht es das Wirken Gottes, Gebet und Gemeinschaft.

Rogate: Vielen Dank, Frau Kerstin Täubner-Benicke, für das Gespräch.

Weitere Informationen finden Sie hier: BAG ChristInnen.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

Gebet: Gott, breite Deinen Frieden aus über Frankreich.

Entsetzen füllt unser Herz.
Gott, höre unsere Klage,
und sieh auf das Leid unserer Freunde in Frankreich.
Gott, höre unsere Klage,
und komm mit Deiner Hilfe.
Gott, sieh auf unsere Trauer
und schweige nicht zu den kaltblütigen Morden.
Nimm unter Deinen Schutz die,
die wir nicht schützen konnten:
die Jungen, die sangen und tanzten,
die Paare, die sich trafen,
die Freunde, die Fußball guckten,
die Jungen und Alten,
Frauen und Männer.
Sühne Du ihren Mord.
Gott, höre unser Rufen
und behüte die Verletzten,
die Davongekommenen,
die unter Schock Stehenden.
Umhülle mit Deiner Gegenwart die Trauernden.
Gott, höre unser Gebet,
verbirg Dich nicht.
Komm mit Deinem Trost und Leben.
Im Namen Jesu Christi bitten wir Dich.
Breite Deinen Frieden aus über Frankreich,
in den Herzen der Trauernden, in unserer Mitte.
Amen.

(Text: Katharina Wiefel-Jenner für die VELKD)

Gebet: Für auf der Flucht gestorbene Menschen und das Leben der Lebenden.

Sammelaktion: EIn Vortragekreuz für das Rogate-Kloster.Herr Gott, barmherziger Vater,

so viele Menschen auf dieser Erde sind auf der Flucht.
Unzählige Männer, Frauen und Kinder fliehen vor Krieg und Verfolgung,
nehmen kaum vorstellbare Strapazen auf sich, setzen ihr Leben aufs Spiel.
Unzählige Menschen mussten fliehen oder sind aufgebrochen in der verzweifelten Hoffnung, so an einen Ort zu gelangen, wo sie in Sicherheit sind
und wo ihr Leben eine Zukunft hat.

Wir denken jetzt besonders an diejenigen,
die auf der Flucht ihr Leben gelassen haben:
verdurstet in der Sahara, ertrunken im Mittelmeer, erstickt in Fahrzeugen skrupelloser Schlepper, an Krankheiten oder Verletzungen zugrunde gegangen.

In das Trauerläuten der Glocken hinein verbinden wir uns im Gebet mit den vielen,
die so wie wir erschüttert sind durch dies Leiden und Sterben all dieser Menschen.
Betroffen und hilflos legen wir dir die Toten ans Herz.
Ganz gleich, in welcher Weise wir jeweils an dich glauben,
und ob uns das ansonsten auch vertraut ist oder eher fremd:
Jetzt bitten wir dich, dass du die Toten aus allem Leid und aller Angst
aufnimmst in die Weite deines Friedens.
Und wir bitten dich für ihre Angehörigen,
dass du ihnen beistehst in ihrem Schmerz
und dass du ihre Seele bewahrst vor Verzweiflung.

Wir bitten dich um deinen Beistand für alles, was aufrichtig versucht wird,
um Krieg und Gewalt einzudämmen
und um Menschen in ihren Heimatländern neue Perspektiven zu eröffnen.

Wir bitten dich für die Millionen und Abermillionen von Menschen
in den Flüchtlingslagern Afrikas und im Nahen Osten,
und ganz besonders für die Kinder, die dort leben:
dass ihr Leben eine Zukunft hat und sie sich nicht in Verzweiflung und Hass verlieren.

Wir bitten dich für alle, die dort zu helfen suchen, in den Lagern,
oder auch auf den Fluchtwegen nach Europa, in Griechenland, in Italien,
an so vielen Orten: um Kraft und Ausdauer im Wissen, gebraucht zu werden.

Wir bitten dich für die Menschen, die jetzt hier bei uns ankommen,
dass ihre Seele schon bald ein wenig zur Ruhe finden kann,
so schwierig die Umstände auch erst einmal sind.
Dass sie nicht länger in Angst leben müssen,
sondern Menschlichkeit erfahren und Orientierung bekommen.
Und dass es gelingt, ihnen Spielräume und Möglichkeiten zu eröffnen,
wie sie hier, auf Zeit oder sogar auf Dauer, ein sinnvolles Leben finden können.

Dankbar denken wir an die vielen, die sich jetzt von der Nächstenliebe leiten lassen,
die helfen und hinschauen, wo ihre Hilfe gebraucht wird.
Und besonders an all diejenigen, die Initiativen gründen und leiten,
die für Kommunikation sorgen und Unterstützung mobilisieren,
und ohne deren Engagement es ganz vieles nicht gäbe,
was die ankommenden Flüchtlinge brauchen.
Gib Kreativität und Geduld und langen Atem;
befördere das Zusammenspiel von Herz und Verstand.
Und lass auch uns selbst erkennen, wo wir gebraucht werden,
lass uns das Erkannte tun und lass uns darin Sinn und Hoffnung finden.

Dankbar denken wir an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Behörden,
im Gesundheitswesen, bei Polizei und Verkehrsbetrieben und Bundeswehr,
alle, die jetzt in ihrem Beruf tun, was in ihren Kräften steht, und nicht selten mehr als dies. Bestärke und erhalte sie darin, trotz aller organisatorischen Probleme und Unzulänglichkeiten.

Politikerinnen und Politikern, die jetzt das Nötige und von der Nächstenliebe Gebotene tun und die Schritt für Schritt nach Lösungen suchen,
lass zu ihrem Handeln weiter den nötigen Rückhalt in der Bevölkerung finden.
Gib und erhalte die Freiheit zu lösungsorientiertem Handeln
und zu unkonventionellen Lösungen.
Gib und erhalte aber auch Augenmaß und Verantwortung
im Blick auf die Auswirkungen aktueller Entscheidungen.
Im richtigen und notwendigen Streit über das richtige und notwendige Tun
lass es in Politik und öffentlicher Meinung nicht zu Polarisierungen kommen,
bei denen die Menschlichkeit nationalen oder Gruppenegoismen zum Opfer fällt.

Bei allem lass es uns Christinnen und Christen nicht vergessen:
Du selbst, Gott, bist denen Freund, die einsam und fremd und verlassen sind.
Dein Sohn Jesus musste als kleines Kind schon mit seinen Eltern fliehen vor denen, die ihm nach dem Leben trachteten, und verbrachte Jahre in einem fremden Land,
bis die Gefahr vorbei war.
Später hat er vom Mitleid des Samariters erzählt, der den unter die Räuber gefallenen Fremden erblickte und sich spontan zur Hilfe gedrängt sah, und hat gesagt: Geh hin und tu desgleichen! Wichtigeres als dies gibt es nicht!

So gib, dass solche Nächstenliebe immer wieder unser Grundimpuls im Handeln sei – auch da, wo es um staatliches Handeln und um die Entwicklung der Gesellschaft geht.
Um der Menschen willen, die du liebst und die allesamt unsere Schwestern und
Brüder sind, woher sie auch kommen mögen.

Mit ihnen und für sie beten wir:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Das „Gebet zum Läuten der Totenglocken für auf der Flucht gestorbene Menschen“ wurde in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, am 2. Oktober 2015, 20.10 Uhr, von Pfarrer Martin Germer gesprochen. Er hat es auch formuliert.