Fünf Fragen an: Dr. Rainer Hagencord, Institut für Theologische Zoologie Münster

Dr. Rainer Hagencord I Foto: © Tatjana Jentsch

Fünf Freitagsfragen an Dr. Rainer Hagencord, Mitgründer und Leiter des Instituts für Theologische Zoologie in Münster, über schöpfungsgemäße Spiritualität, die Massentierhaltung als Sünde und die Frage, ob Tiere in den Himmel kommen.

Dr. Rainer Hagencord, geboren 1961 in Ahlen (Westfalen), hat von 1980 bis 1985 Theologie in Münster und Fribourg (Schweiz) studiert, wurde 1987 zum Priester geweiht und hat nach vierjähriger seelsorglicher Arbeit Biologie und Philosophie in Münster studiert und mit dem Staatsexamen abgeschlossen. Schwerpunkt seines Studiums war die Verhaltensbiologie.

Von 1996 bis 2000 hat er als Hochschulpfarrer in Münster schwerpunktmäßig das interdisziplinäre Gespräch zwischen Theologie und Biologie in der Gemeinde etabliert.

Rogate-Frage: Herr Dr. Hagencord, was erforschen und erarbeiten Sie in Ihrem Institut?

Rainer Hagencord: Der Begriff „Theologische Zoologie“ ist  Programm: In diesem interdisziplinären Projekt geht es darum, das Verhältnis des Menschen zur „Mehr-als-menschlichen-Welt“ als Brennpunkt der Theologie zu erarbeiten. Zugleich darum, eine schöpfungsgemäße Spiritualität in das kirchliche und öffentliche Bewusstsein zu transportieren.
Die geschieht in drei Arbeitsfeldern: Wissenschaft und Forschung / Pädagogik und Katechese / Projekte und Kooperationen.

Rogate-Frage: Wie kam es zu dieser Einrichtung und wie wird Ihre Arbeit von der Kirche angenommen?

Rainer Hagencord: Es war die Erkenntnis, das es neben einer theologischen Anthropologie bislang kein ähnliches Projekt gibt, dass die Mitgeschöpfe des Menschen und die Erfahrungen mit ihnen theologisch würdigt.
Es ist doch erstaunlich, dass sich die Tiere in der Bibel fast auf jeder Seite tummeln, die Theologie sich aber mehr oder weniger ausschweigt. Und dass obwohl sie unter anderem die Zuerst-Gesegneten der Schöpfung sind, beseeltes Gegenüber des Adam, bevor Eva ins Spiel kommt, Bündnispartner Gottes nach der Flut, Lehrerinnen und Lehrer für Hiob, Bileam und Jesus selbst. Was bedeutet das für die Theologie und Spiritualität? Das ist die Frage, die an Brisanz zunimmt.
Der Ansatz wird immer stärker gewürdigt und angefragt, auch die Medienpräsenz ist groß. Und immerhin hat der Bischof von Münster mich für diese Arbeit freigestellt.

Rogate-Frage: Kommen Tiere in den Himmel? Und welche Folgen sollte diese Erkenntnis für uns haben?

Rainer Hagencord: Wohin denn sonst, wenn nicht in den Himmel? Es ist doch eine merkwürdige Vorstellung, an einen Gott zu glauben, den die Bibel den Liebhaber des Lebens nennt, der nur ein Geschöpf aus der unendlichen Fülle der Geschöpfe am Ende zu sich zieht. Es ist die Friedensvision des Jesaja, die mich ermutigt: In Jesaja 11,1-9 macht der Prophet deutlich, dass Gott eine Welt ohne Gewalt – den Himmel also – will, und dort freunden Kuh und Bärin sich an, ebenso wie Wolf und Lamm.
Also undenkbar: Das Heil OHNE Tiere!
Und es ist die fast vergessene Zusage des Bundes vonseiten Gottes mit Mensch und Tier. Wenn sie die Dritten im Bunde sind, können wir nicht mehr daran festhalten, die Erde sei für uns da.
Diese Erkenntnis kann alles verändern: Vom Gebetsleben über die Würdigung des Tierisch-Tierlichen in uns bis in die Einkaufs- und Ernährungspraxis.

Rogate-Frage: Darf man für Tiere beten? Und was erbittet man? Beten Sie für sie?

Rainer Hagencord: Ich komme immer mehr dahin, von ihnen zu lernen, was meine Spiritualität bedeutet: Mehr im Augenblick und in der Wahrnehmung sein; die schweren Fragen, wie ich gemeint bin und was ich tun soll, immer wieder loslassen. Ganz wie die „Vögel des Himmels und die Lilien auf dem Felde“. Für mich ist Beten das Üben der Sehnsucht nach Gott und Ausdruck einer Solidarität vor allem mit denen „am Rande“. Jedes mal wenn mir auf einer Straße ein Schweinetransporter begegnet und ich einen Blick der Tiere erhasche, kann ich nicht anders als beten: In der Hoffnung, dass dieses Elend eines Tages aufhört.

Rogate-Frage: Ist Massentierhaltung Sünde? Warum?

Rainer Hagencord: Kennzeichnend für dieses System ist es, dass es fast nur Verlierer gibt: Die Tiere selbst, unsere Landschaften, das Klima und das Grundwasser, Ökosysteme in Lateinamerika, woher die Futtermittel kommen, die Berufe des Landwirts und des Metzgers. Es gewinnen: die Fleisch- und die Pharmaindustrie. Da liegt es nahe, von „struktureller Sünde“ zu sprechen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Dr. Hagencord, für das Gespräch!

Mehr über das Institut für Theologische Zoologie finden Sie hier: theologische-zoologie.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • 10402807_1063246967025504_1821165481048264438_nFreitag, 2. Oktober 2015 | 20:00 – 20:15 Uhr, Totenläuten zum Gebet für auf der Flucht gestorbene Flüchtlinge. Hier ein Schaukastenaushang für sich beteiligende Kirchengemeinden.
  • Freitag, 2. Oktober 2015 | 20:15 Uhr, Ökumenischer Gedenkgottesdienst für auf der Flucht gestorbene Menschen. Mit Bischof Anba Damian, Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Propst Dr. Christian Stäblein, EKBO, Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg, Pfarrerin Beate Dirschauer, Flüchtlingskirche Kreuzberg, und Br. Franziskus, Rogate-Kloster. Orgel: Manuel Rösler.
  • Samstag, 3. Oktober 2015 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier. Predigt: Pater Engelbert Petsch. Orgel: Dr. Julian Heigel.
  • Dienstag, 6. Oktober 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 13. Oktober 15 | 19:00 Uhr, Vesper

Gottesdienst: Rogate-Fürbitten für den kommenden Sonntag.

Guter Gott, bewege die Kriegparteien in Syrien, der Ukraine, Afghanistan, Somalia und dem Irak, und an vielen anderen Orten unserer Welt mit dem Töten aufzuhören. Christus höre uns.

Christus erhöre uns.

Bewege die Regierungen Europas nach einer gemeinsamen Lösung für die Flüchtlinge zu suchen, wo nicht die Grenzabschottung im Vordergrund steht, sondern die Ermöglichung von Zugängen, wo es um die gerechte Verteilung von Lasten geht. Christus höre uns.

Christus erhöre uns.

Hilf den Politikern unseres Landes einen klaren Kopf zu bewahren, damit angemessene vernünftige Lösungen gefunden werden. Christus höre uns.

Christus erhöre uns.

Stärke das Personal in den Behörden, die in diesen Wochen logistisch und persönlich hervorragende Arbeit leisten und oft ihre Belastungsgrenzen hinaus gehen, gib ihnen Kraft. Christus höre uns.

Christus erhöre uns.

Erleuchte uns Christen, dass erkennen was wir tun können: in der Nachbarschaft, in der Politik, durch Spenden, durch Kontakte mit Flüchtlingsheimen und Geflüchteten. Christus höre uns.

Christus erhöre uns.

Herr unser Gott, wir brauchen einen klaren Kopf und ein einfühlsames Herz, um zu erkennen was gut und richtig ist. So bitten wir Dich: Sende uns Deinen Geist! Amen.

10273430_1121679404515593_5993426779733338908_nWillkommen im Rogate-Kloster in der Zwölf-Apostel-Kirche am Sonntag, 20. September 15 | 10:00 Uhr, zum Gottesdienst zum Monat der Diakonie: Eucharistie am 16. Sonntag nach Trinitatis: “Liebe den Fremden, wie dich selbst“. Hier werden die Fürbitten gelesen. Der Text ist von Pater Hillebrand SJ.

Predigt: Pater Ludger Hillebrand SJ, vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst – Jesuit Refugee Service – (JRS).

Musik: Antonín Dvořák: Messe in D op. 86, mit der Lichtenrader Kantorei, Leitung: Andreas Harmjanz. Orgel: Kreiskantor Christoph Hagemann.

Weitere Beteiligte: MdB Mechthild Rawert und MdB Azize Tank.

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

Gebet für heute: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

603634_199648293516152_425322597_nFürbitte für den 13. Sonntag nach Trinitatis

Du siehst uns an, Gott,
und wir begegnen Deinem Blick
in den Augen der Menschen, die uns nahe kommen.
Lass uns dort nicht vorübergehen,
wo Du uns erwartest
und nach uns fragst.

Du siehst uns an mit den Augen der Flüchtlinge
an Europas Grenzen,
in Auffanglagern, in Niemandslandstreifen und auf dem Meer.
Du siehst uns an
mit den Augen all derer,
die bei uns Heimat suchen und Lebensperspektiven,
die auf unsere Offenheit und die Bereitschaft zu teilen hoffen.

Du siehst uns an mit den Augen der Menschen um uns,
deren Lebensentwürfe zerbrochen sind,
die von anderen enttäuscht oder verletzt wurden,
die folgenreiche Fehler gemacht haben,
die sich selbst im Wege stehen und nicht mehr weiter wissen,
die auf unsere Aufmerksamkeit und unsere Unterstützung warten.

Du siehst uns an mit den Augen der Menschen,
die nicht mehr hoffen können,
die durch den Tunnel von Depressionen irren,
die niemanden haben, der ihnen zuhört,
oder die niemanden mehr bei sich dulden können,
und die in ihrer Einsamkeit doch unsere Nähe ersehnen.

Du siehst uns an mit den Augen von Kindern,
mit ihren neugierigen,
suchenden und ihren ängstlichen Blicken,
wenn ein neues Schuljahr beginnt und Anforderungen wachsen.
Du siehst uns an mit den Augen all der Kinder,
denen niemand Freunde am Neuen vermittelt,
die verwahrlosen,
die Gewalt und Mißbrauch erleiden,
die Angst haben,
die sich früh schon fremd im eigenen Leben fühlen müssen,
die auf unsere Zuneigung und unser Vertrauen hoffen.

Du siehst uns an,
liebender Gott.
Lass uns dort nicht vorübergehen,
wo Du uns erwartest und nach uns fragst.
Sei uns gnädig,
dass wir Deinem Sohn Jesus Christus nachfolgen können
in der Liebe zu unseren Nächsten und zu Dir.

Amen.

„Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25,40)

Gebet: VELKD

Rückschau: „Europa in Schutt und Asche“ – Andacht zum 70. Jahrestag des Kriegsendes in Berlin

Presse-Information der Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr:

„Christen des Berliner Rogate-Klosters St. Michael erinnern an Weltkriegsende vor 70 Jahren“

Ansprache des Militärbischofs Dr. Rink (Bild: Militärseelsorge/Roger Töpelmann)

Mit einer Andacht zum Gedenken an das Weltkriegsende in Europa haben am Vorabend des 8. Mai Christen des Berliner Rogate-Klosters St. Michael auf die Befreiung Deutschlands vor 70 Jahren aufmerksam gemacht.

In die Zwölf-Apostel-Kirche des Klosters im Bezirk Schöneberg hatten sie Militärbischof Dr. Sigurd Rink eingeladen, der sagte, bei jeder Erinnerung gehe es geistlich ums Beten, das sich die Gottesdienstgemeinschaft mit dem Namen Rogate („Betet“) zur Aufgabe gemacht habe. Seine eigene Familie habe Wurzeln in Schöneberg, wo sein Großvater bis 1945 Pfarrer gewesen sei. Immerhin neun Kinder hätten die Großeltern in den 20er und 30er Jahren großgezogen. Doch der 2. Weltkrieg habe die Familie schwer gezeichnet: Zwei der Söhne seien gefallen, ein anderer emigrierte nach Amerika, wo er sich das Leben nahm. Ein Vierter kam schwer verwundet zurück. Die Mutter sei durch die Kriegsfolgen völlig entkräftet auf der Flucht gestorben. Diese Miniatur der Kriegsereignisse mache verstehbar, welche existentielle Not im Leben der Menschen damals geherrscht habe. 70 Jahre nach der Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem europäischen Kontinent lasse sich der Tag als Befreiung und Erlösung verstehen. Die Schicksale seiner Familie machten zugleich deutlich, wie schwer Menschen durch die düsteren Ereignisse gezeichnet gewesen seien. Hass, Verfolgung und Rassenwahn hätten Millionen von Menschen das Leben gekostet. „Am Ende lagen Europa, auch die eigene Heimat in Schutt und Asche“, erinnerte der Bischof seine Zuhörer. Bei aller schweren Erinnerung wolle er aber zugleich auf den Neuaufbruch aufmerksam machen, den die Kirchen in ökumenischer Gemeinschaft hätten seitdem gestalten können. Das Gebet sei dabei ein verbindendes Zeichen der Hoffnung für eine Zukunft in Frieden.

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Fürbittengebet (Bild: Militärseelsorge/Roger Töpelmann)

Im Ablauf der Liturgie hatten die schwedische Geistliche Ann Kathrin Bosbach, die Brüder des Rogate-Klosters Willehad und Franziskus sowie der Schöneberger Bezirksverordnete Matthias Steuckardt Gebete und Lesungen gesprochen, die Klagen und Bitten, aber auch das Vertrauen in einen friedensstiftenden Gott zum Ausdruck brachten.

Text und Fotos: Roger Töpelmann

Fünf Fragen an: Manfred Stolpe, Bundesminister und Ministerpräsident a.D.

Fünf Freitagsfragen an Dr. h.c. Manfred Stolpe, Bundesminister a.D. und Ministerpräsident a.D., über öffentlich wirkenden Glauben, die Bergpredigt und die Feindesliebe.

Manfred StolpeManfred Stolpe wurde am 16. Mai 1936 in Stettin geboren. Nach dem Jura-Studium in Jena war er von 1959 bis 1969 bei der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg tätig, wo er seit 1962 Leiter der Geschäftsstelle der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen in der DDR war. Von 1969 bis 1981 leitete er das Sekretariat des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR, von 1982 bis 1990 war er als Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg tätig und war stellvertretender Vorsitzender des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR. Manfred Stolpe ist seit Juli 1990 Mitglied der SPD und wurde im selben Jahr Ministerpräsident des Landes Brandenburg, von dessen Amt er 2002 zurücktrat. In der Folge, von 2002 bis 2005, war er Bundesminister für Verkehr, Bau und Wohnungswesen sowie Beauftragter der Regierung für die neuen Bundesländer. Er besitzt die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald, der Theologischen Fakultät der Universität Zürich, der wissenschaftlichen Fakultät der Universität Stettin und der Toyoda-Universität Tokio.

Rogate-Frage: Herr Stolpe, im Bundestagswahlkampf hat eine kleine Partei plakatiert: „Glaube ist Privatsache“. Auch SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz hat im Europawahlkampf das Abhängen von religiösen Symbolen aus öffentlichen Gebäuden wieder ins Gespräch gebracht. Wie öffentlich oder wie privat ist der Glaube an Gott?

Manfred Stolpe: Der Glaube wird privat getragen, aber er muss öffentlich wirken können.

Rogate-Frage: Geht ein Christ anders an politische Fragen heran? Welche Konsequenzen hat der christliche Glaube für Politiker in Deutschland heute? 

Manfred Stolpe: Für mein Verständnis sind Glaube und politisches Handeln nicht zu trennen. Ein christlicher Politiker sollte bei seinem Handeln die Bergpredigt nicht außer Acht lassen. Ich bedauere, dass viele Politiker dies anders sehen.

Rogate-Frage: Die Vergebung soll für Christen eine wichtige Übung sein. Sie haben als Christ viele Erfahrungen in der DDR gemacht, die sicher andere Herausforderungen bedeuteten. Konnten Sie damals Ihre Feinde lieben? Wie gingen Sie mit Christi Gebot der Feindesliebe in der Theorie und Praxis um?

Manfred Stolpe: Ich habe mich bemüht, in den Menschen die mir als Feinde gegenüberstanden, zuallererst den Mitmenschen, das Geschöpf Gottes zu sehen und zu respektieren. So verstehe ich Feindesliebe, die keinen Hass aufkommen lassen durfte, damals und heute.

Rogate-Frage: Wie gestaltet sich das Glaubensleben eines Ministerpräsidenten in der Praxis? Andachten in der der Staatskanzlei oder eine Kapelle wird es nicht gegeben haben. Beten Sie heute mehr?

Manfred Stolpe: Gott sei Dank, habe ich es durchhalten können, keinen Tag ohne Gebet und Meditation – in der Regel morgens – zu leben. Das gilt in jedem Gesellschaftssystem.

Rogate-Frage: Was ist für Sie „evangelisch“? Was macht den evangelischen Glauben aus?

Manfred Stolpe: Mein evangelischer Glaube erfreut sich der Toleranz, des gleichberechtigten, nicht hierarchisch geordneten Zusammenlebens in der Gemeinde.

Rogate: Vielen Dank, Herr Stolpe, für das Gespräch!

Mehr von Manfred Stolpe finden Sie hier: manfred-stolpe.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Dienstag, 20. Januar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 27. Januar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 3. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 3. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.

 

Fünf Fragen an: Susanne Niemeyer, Autorin „Brot und Liebe. Wie man Gott nach Hause holt“

Fünf Freitagsfragen an Susanne Niemeyer, Autorin von „Brot & Liebe. Wie man Gott nach Hause holt“, über Erinnerungen an das Paradies, die Buchstabierung christlichen Glaubens und Gott in allen Dingen.

Susanne NiemeyerSusanne Niemeyer, geboren 1972, war langjährige Redakteurin beim ökumenischen Verein Andere Zeiten. Heute arbeitet sie als freie Autorin für den Kreuz-Verlag, ist Kolumnistin und Bloggerin (freudenwort.de). Als Begleiter für die Adventszeit ist gerade  im Herder-Verlag erschienen: „Jesus klingelt. Neue Weihnachtsgeschichten.“ Susanne Niemeyer lebt in Hamburg, sieht von ihrem Schreibtisch den Himmel und hört die Schiffe tuten.

Rogate-Frage: Frau Niemeyer, der Untertitel Ihres Buches lautet: „Wie man Gott nach Hause holt“. Muss man ihn holen? Ist er nicht schon da, überall?

Susanne Niemeyer: Ja, wahrscheinlich ist das so. Aber oft fühlt es sich nicht so an. Manchmal vergisst man, dass die schönen Sachen ganz nah sind und ständig verfügbar. Die sonnige Straßenseite. Lindenblütenduft. Komplimente, die man bekommt oder macht. Erinnerungen ans Paradies. Ich hole sie in mein Blickfeld. Ich öffne die Tür meiner Aufmerksamkeit und lasse sie hinein.

Rogate-Frage: Es gibt im Norden die schöne Tradition, neuen Nachbarn Salz und Brot zu bringen, um ihnen Segen und Glück zu wünschen. Was bringt Lesenden das Buch „Brot und Liebe“ ins Haus?

Susanne Niemeyer: Die Chance auf ein paar Wunder, die unerkannt am Straßenrand legen. Die Erinnerung, dass man mit Gott ringen kann – und manchmal ringen muss. Die Erkenntnis, man glauben kann, obwohl das Leben voller Widersprüche ist. Und Gott ist nur einer davon. Aber das ist nicht schlimm. Es ist sogar ganz spannend, damit zu leben. Es hält wach.

Rogate-Frage: Sie haben zusammen mit Ihrem Ko-Autor Matthias Lemme über alle Texte zusammen intensiv gedacht & diskutiert. Nach welchen Kriterien haben Sie schließlich entschieden?

Susanne Niemeyer: Wir wollten christlichen Glauben buchstabieren. Dabei haben wir uns zuallererst die Frage gestellt: Was glauben wir selbst? Dann haben wir geschaut: Was sagen die alten Texte, die Bibel, aber auch die Glaubenden, die vor uns gewesen sind? Dabei haben wir viele Glaubens- und Denkverwandte gefunden. Überraschend schöne, interessante, auch mutige Texte, die hundert oder sogar tausend Jahre alt sind und auch heute eine große Relevanz haben. Wir haben unsere Überzeugungen und Erfahrungen neben die alten gestellt und waren oft verblüfft, wie gut sich das ergänzt. Aber wir haben auch radikal weggelassen, was wir selber nicht glauben. Auch wenn es von einem Martin Luther oder einer Theresa von Avila stammt.

Rogate-Frage: Christliche Hausbücher haben ja eine lange Tradition – Sie legen hier eine neue, moderne Fassung vor. Was gehört aus Ihrer Erfahrung heute in ein Hausbuch und was nicht?

Susanne Niemeyer: Genau das gleiche, was auch in ein Haus gehört: Das, was im Alltag wirklich wesentlich ist. Eine Spaghettizange ist ganz hübsch, aber man kann auch ganz gut ohne leben.
Wir hatten erst viel mehr Begriffe, aber weil unser Hausbuch kein sechsbändiges Werk werden sollte, das im Regal verstaubt, haben wir versucht, die ganz großen Themen des christlichen Glaubens zu wählen. „Existenzangst“ fiel beispielsweise raus, wir fanden sie in der Überschrift „Sinn“ wieder. Aber „Liebe“, „Zweifel“, „Lust“, „Tischgebet“, „Weihnachten“, „Gott“ und auch der „Teufel“ sind dabei.

Rogate-Frage: Sie haben – auch in anderen Büchern – ein wunderbares Sprachvermögen und eine großes Geschick gezeigt, berührend und empfindsam vom Glauben und der Liebe zu schreiben. Wie nähren Sie Ihren Glaube, Ihre spirituelle Sehnsucht, Ihre Suche nach Gott? Durch Meditation, durch den Gottesdienst?

Susanne Niemeyer: Ich mag den Gedanken, dass Gott in allen Dingen ist. Daran versuche ich mich immer wieder zu erinnern; angesichts des nervigen Bettlers in der Fußgängerzone, einer Graffitto, der Stille, eines gregorianischen Gesangs, mir selbst, der Spinne, vor der ich mich ekle oder den Mohnblüten am Straßenrand. „Handle, als stünde Gott vor dir.“ Das gibt dem Alltag einen Glanz, selbst den Abgründen. Oft gelingt es nicht. Aber es ist eine hübsche Aufgabe. Sie macht Sinn. Und sie erfüllt.

Rogate: Vielen Dank, Frau Niemeyer, für das Gespräch!

Über das Buch: Susanne Niemeyer, Matthias Lemme, Ariane Camus (Illu.) „Brot & Liebe – Wie man Gott nach Hause holt“, Verlag Kreuz, Aufl./Jahr: 1. Aufl. 2013, Format: 13,5 x 21,5 cm, 224 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-451-61177-3, €[D] 18,99

Mehr über Susanne Niemeyer finden Sie in ihrem Blog hier: freudenwort.de.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Einladung LichtvesperSonnabend, 25. Oktober 2014 | 18:00 Uhr, Lichtvesper, Zwölf-Apostel-Kirche (mit der Alt-katholischen Gemeinde). Mit Kreiskantor Christoph Hagemann.
  • Dienstag, 28. Oktober 14 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 30. Oktober | 19:30 Uhr, Komplet, das Nachtgebet
  • Dienstag, 4. November 14 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet, in der Kapelle der Kirche
  • Donnerstag, 6. November 2014 | 19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet (Kapelle)

 

Gottesdienst: Gedenken an die Toten des 1. Weltkrieges am Sonnabend.

2014 10 11 Rogate Weltkrieg NK KopieDie Kirchhöfe der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde Schöneberg und das Rogate-Kloster laden am Sonnabend, 11. Oktober 2014, zu einem Gedenkgottesdienst für die Schöneberger Opfer des 1. Weltkrieges ein. Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler wird während der Feier eine Totenehrung vornehmen. Anschließend ist ein Gang zu den Gräbern der Weltkriegsopfer auf dem Neuen-Zwölf-Apostel-Kirchhof vorgesehen.

In der Andacht wird zudem für die Menschen gebetet, die heute von Kriegen, Terror und Gewalt betroffen sind und der Toten gedacht, für die keine Trauerfeier stattgefunden hat. Der Gottesdienst beginnt um 12:00 Uhr auf dem Friedhof am Werdauer Weg 5, neben der S-Bahnstation Schöneberg.

Ebenso wie der Alte St.-Matthäus-Kirchhof war auch der Neue Zwölf-Apostel-Kirchhof von den Planungen Albert Speers zur Umgestaltung Berlins zur Welthauptstadt Germania betroffen. Im Januar 1939 wurde zunächst der mittlere und südliche – 26.000 m² umfassende – Teil des Friedhofs für den Bau des Südbahnhofs gebraucht. Die „Entwidmung“ betraf zwei Drittel des gesamten Areals, wodurch der Kirchhof erheblich an Substanz verlor. Die Räumung sollte bis Oktober 1939 beendet, und die Gräber von 7000 Toten sodann dem Stahnsdorfer Friedhof eingefügt sein. Eine Umsetzung nach dem Restteil des Neuen Zwölf-Apostel-Kirchhofs war nicht vorgesehen, da auch dieser später geräumt werden sollte. Der Kriegsbeginn im September 1939 stoppte die weitere Vernichtung des Friedhofs.

Termin: Sonnabend, 11. Oktober 2014 | 12:00 Uhr, Mittagsgebet und Andacht für Trauernde, Neuer-Zwölf-Apostel-Kirchhof, Werdauer Weg 5, S Schöneberg. Mit Gedenken an die Toten des 1. Weltkrieges. Mit Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, Tempelhof-Schöneberg. Orgel: Martin Schmidt.