Fünf Fragen an: Hans-Christian Biallas, Präsident der Klosterkammer Hannover

Fünf Freitagsfragen an Hans-Christian Biallas, Präsident der Klosterkammer Hannover, über eine Sonderbehörde des Landes Niedersachsen, eine moderne Stiftungsverwaltung und rechtlich verbindliche Beziehungen zu fünfzehn belebten evangelischen Frauenklöstern.

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Hans-Christian Biallas (Bild: Thomas Damm)

Hans-Christian Biallas, geboren in Hannover, studierte Ev. Theologie in Göttingen, Amsterdam und Kiel, war unter anderem Gemeindepastor in Cuxhaven-Altenbruch, Mitglied des Niedersächsischen Landtages und ist seit 2011 Präsident der Klosterkammer Hannover.

Rogate-Frage: Herr Präsident Biallas, der Name „Klosterkammer“ verspricht Spiritualität und Glaube. Was steckt wirklich dahinter?

Hans-Christian Biallas: Die Klosterkammer Hannover ist eine Sonderbehörde des Landes Niedersachsen und verwaltet das Vermögen von vier öffentlich-rechtlichen Stiftungen. Die Stiftungen sind aus ehemals kirchlichem Vermögen entstanden. Aus ihren Erträgen unterhält die Klosterkammer mehr als 800 Gebäude, viele davon sind denkmalgeschützt, sowie rund 12.000 Kunstobjekte. Weitere Mittel in Höhe von rund drei Millionen Euro stellt sie pro Jahr für mehr als 200 kirchliche, soziale und bildungsbezogene Maßnahmen in ihrem Fördergebiet zur Verfügung.

Rogate-Frage: Wie ist es zur Gründung der Klosterkammer vor 200 Jahren gekommen?

Hans-Christian Biallas: Bis Anfang des 19. Jahrhunderts bestand das Klostervermögen im Kurfürstentum Hannover ausschließlich aus den Vermögen der Klöster, die in der Reformation 1542/43 aufgelöst oder in Damenstifte umgewandelt worden waren. Zu einem ersten Vermögenszuwachs kam es, als König Georg III. im Jahr 1802 als Kurfürst von Hannover die Regierung des Fürstbistums Osnabrück übernahm und Besitz von den geistlichen Gütern ergriff. Im Jahr 1803 fielen aufgrund der Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses die Vermögen des Benediktinerinnenklosters Gertrudenberg in Osnabrück, des Kollegiatstifts St. Johann in Osnabrück, des Benediktinerinnenklosters Malgarten, des Benediktinerinnenklosters Oesede, des Zisterzienserinnenklosters Rulle, des Benediktinerklosters Iburg, der Johanniterkommende Lage, des Stifts und vormaligen Zisterzienserinnenklosters Bersenbrück an das Kurfürstentum Hannover. Dieser erhebliche Vermögenszuwachs war zugleich Anlass, die Verwaltung dieses Vermögens im Gründungspatent des Prinzregenten Georg IV. für AHK und Klosterkammer vom 8. Mai 1818 förmlich zu regeln und diese Aufgabe einer ausschließlich für diesen Zweck errichteten Behörde, der Klosterkammer, zu übertragen.

Rogate-Frage: Wie ist die Klosterkammer aufgebaut und wie arbeitet sie?

Hans-Christian Biallas: Die Klosterkammer arbeitet wie eine moderne Stiftungsverwaltung, die bis heute ihren Stiftungsgrundsatz, das Stiftungsvermögen zu wahren und zu mehren, treu geblieben ist. Die Klosterkammer ist die größte Erbbaurechtsausgeberin in Deutschland. Auf der Einnahmeseite vergibt die Abteilung Liegenschaften Grundstücke im Erbbaurecht und verpachtet landwirtschaftliche Flächen sowie 15 Klostergüter. Die Klosterforsten bewirtschaften 26.600 Hektar Wald. Auch ausgegründete Betriebe tragen mit zu unseren Einnahmen bei. Auf der anderen Seite erhalten wir mehr als 800 Baudenkmale und rund 12.000 Kunstgegenstände. Außerdem unterstützen wir jedes Jahr mit mehr als drei Millionen Euro Förderprojekte in weiten Teilen Niedersachsens. Außerdem hat die Klosterkammer neun Beteiligungen. Der Allgemeine Hannoversche Klosterfonds ist an neun privatrechtlichen Gesellschaften als Allein- oder Mehrheitsgesellschafter beteiligt.

Rogate-Frage: Was fördert die Klosterkammer und in welchen Regionen?

Hans-Christian Biallas: Wir unterstützen qualitätvolle, wegweisende und nachhaltige Projekte in den Bereichen Kirche, Schule und Soziales. Die geförderten Vorhaben sollen auf einen konkreten Bedarf reagieren und ihm Idealfall einen beispielhaften Charakter haben. Dabei beschränkt sich unser Fördergebiet aus historischen Gründen auf die Teile des Landes Niedersachsen, die früher zum Königreich beziehungsweise der preußischen Provinz Hannover gehört haben.

Rogate-Frage: Welches Leitbild steht hinter der Förderung des geistlichen Lebens durch Ihre Organisation?

Hans-Christian Biallas: Die Klosterkammer Hannover erfüllt als staatliche Behörde nicht selbst geistliche Aufgaben, kann aber Kirchengemeinden, anderen kirchlichen Institutionen sowie Klöstern und geistlichen Gemeinschaften die Möglichkeit zu kirchlicher Arbeit eröffnen und die äußeren, auch finanziellen Voraussetzungen dafür schaffen. Das geschieht zum einen durch Projektförderung, zum anderen aber auch durch die besondere, auch rechtlich verbindliche Beziehung der Klosterkammer zu den fünfzehn belebten evangelischen Frauenklöstern und -stiften, die zum Teil komplett von uns finanziert werden. Fünf der Klöster – die so genannten Calenberger Klöster – Barsinghausen, Mariensee, Marienwerder, Wennigsen und Wülfinghausen – gehören sogar zum Stiftungsvermögen des Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds, der größten von der Klosterkammer verwalteten Stiftung.

Rogate: Vielen Dank, Herr Biallas, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Die nächsten Rogate-Gottesdienste und Termine:

 

Rückschau: „Europa in Schutt und Asche“ – Andacht zum 70. Jahrestag des Kriegsendes in Berlin

Presse-Information der Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr:

„Christen des Berliner Rogate-Klosters St. Michael erinnern an Weltkriegsende vor 70 Jahren“

Ansprache des Militärbischofs Dr. Rink (Bild: Militärseelsorge/Roger Töpelmann)

Mit einer Andacht zum Gedenken an das Weltkriegsende in Europa haben am Vorabend des 8. Mai Christen des Berliner Rogate-Klosters St. Michael auf die Befreiung Deutschlands vor 70 Jahren aufmerksam gemacht.

In die Zwölf-Apostel-Kirche des Klosters im Bezirk Schöneberg hatten sie Militärbischof Dr. Sigurd Rink eingeladen, der sagte, bei jeder Erinnerung gehe es geistlich ums Beten, das sich die Gottesdienstgemeinschaft mit dem Namen Rogate („Betet“) zur Aufgabe gemacht habe. Seine eigene Familie habe Wurzeln in Schöneberg, wo sein Großvater bis 1945 Pfarrer gewesen sei. Immerhin neun Kinder hätten die Großeltern in den 20er und 30er Jahren großgezogen. Doch der 2. Weltkrieg habe die Familie schwer gezeichnet: Zwei der Söhne seien gefallen, ein anderer emigrierte nach Amerika, wo er sich das Leben nahm. Ein Vierter kam schwer verwundet zurück. Die Mutter sei durch die Kriegsfolgen völlig entkräftet auf der Flucht gestorben. Diese Miniatur der Kriegsereignisse mache verstehbar, welche existentielle Not im Leben der Menschen damals geherrscht habe. 70 Jahre nach der Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem europäischen Kontinent lasse sich der Tag als Befreiung und Erlösung verstehen. Die Schicksale seiner Familie machten zugleich deutlich, wie schwer Menschen durch die düsteren Ereignisse gezeichnet gewesen seien. Hass, Verfolgung und Rassenwahn hätten Millionen von Menschen das Leben gekostet. „Am Ende lagen Europa, auch die eigene Heimat in Schutt und Asche“, erinnerte der Bischof seine Zuhörer. Bei aller schweren Erinnerung wolle er aber zugleich auf den Neuaufbruch aufmerksam machen, den die Kirchen in ökumenischer Gemeinschaft hätten seitdem gestalten können. Das Gebet sei dabei ein verbindendes Zeichen der Hoffnung für eine Zukunft in Frieden.

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Fürbittengebet (Bild: Militärseelsorge/Roger Töpelmann)

Im Ablauf der Liturgie hatten die schwedische Geistliche Ann Kathrin Bosbach, die Brüder des Rogate-Klosters Willehad und Franziskus sowie der Schöneberger Bezirksverordnete Matthias Steuckardt Gebete und Lesungen gesprochen, die Klagen und Bitten, aber auch das Vertrauen in einen friedensstiftenden Gott zum Ausdruck brachten.

Text und Fotos: Roger Töpelmann

Fünf Fragen an: Manfred Gailus, Zentrum für Antisemtismusforschung an der TU Berlin

Fünf Freitagsfragen an Manfred Gailus, außerplanmäßiger Professor im Zentrum für Antisemtismusforschung an der TU Berlin, über die Anfälligkeit der Protestanten für den Nationalsozialismus, eine „Synagoge am Nollendorfplatz“ und ihre gespaltene Gemeinde.

MANFRED GAILUSManfred Gailus, geboren in Winsen/Luhe (Niedersachsen), studierte Geschichtswissenschaft und Politischen Wissenschaften an der FU Berlin. 1988 Promotion zum Dr. phil. an der TU Berlin. 1999 ebenda Habilitation. Seine Forschungsschwerpunkte sind:  Sozialer Protest und soziale Bewegungen, Politik- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Geschichte des Nationalismus im 19. und 20. Jahrhundert, Protestantismus und Nationalsozialismus, Antijudaismus und Antisemitismus sowie Religionsgeschichte im 20. Jahrhundert.

Rogate-Frage: Herr Professor Gailus, was machte die Protestanten so anfällig für die Ideologie der Nationalsozialisten und warum haben bei den Kirchenwahlen am 23. Juli 1933 in fast allen Kirchengemeinden die „Deutschen Christen“ (DC) die Mehrheit gewonnen?

Manfred Gailus: Die große Anfälligkeit der Protestanten resultierte vor allem aus ihrer starken Neigung zum Nationalismus; spätestens im Ersten Weltkrieg war ein großdeutscher Nationalismus zur zweiten, politischen Religion der deutschen Protestanten geworden. Das Völkische empfanden sie als sehr attraktiv, dort schlossen sie sich an. Gegen Ende der Weimarer Republik gingen dann die protestantischen Optionen von der stark schrumpfenden DNVP zur NSDAP über. Das Jahr 1933 empfanden sie als eine religiös-politische Erweckung und fügten sich vielfach freudig ein in den „nationalen Aufbruch“.

Rogate-Frage: Große Teile der Berliner Pfarrerschaft wollten eine völkische Umwandlung. Was hat die Mehrheit der evangelischen Pfarrer der Berliner Kirche dazu getrieben? Und warum waren römisch-katholische Priester weniger anfällig für diese Ideologie?

Manfred Gailus: Was generell für die Protestanten zutraf, das lässt sich allemal für die evangelischen Theologen, die Pfarrer, sagen. Als Deutsche Christen waren sie auf doppelte Weise gläubig – Christen waren sie und wollten sie bleiben, zugleich glaubten sie an Hitler und den Nationalsozialismus als wahre Erlösung der leidgeprüften Deutschen. Katholiken, insbesondere Priester, waren Bestandteil der von Rom aus geleiteten, übernationalen Weltkirche. Politischer Nationalismus hatte hier wenig Geltung. In der streng hierarchisch aufgebauten katholischen Kirche konnte sich eine Massenbewegung wie die Deutschen Christen nicht ausbreiten. Es gab zwar auch einige „braune Priester“, aber im Vergleich mit den Protestanten blieb ihr Anteil verschwindend gering. Das schloss nicht aus, dass in rein katholischen Regionen wie Süd- und Südwestdeutschland die katholische Bevölkerung ebenfalls weitgehend am NS teilnahm und mitmachte, siehe München!

Rogate-Frage: Die Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirche wurde in Nazi-Kreisen auch „Synagoge am Nollendorfplatz“ genannt. Warum?

Manfred Gailus: Dieser Name resultierte aus dem Wirken von Pfarrer Adolf Kurtz und seiner „nichtarischen“ Ehefrau; sie zeigten viel Zuwendung gegenüber den Verfolgten, so dass das Pfarrhaus Kurtz für ganz Berlin den Ruf erhielt: hier erhalten Juden und andere „Nichtarische“ Hilfe. Es lassen sich eine Reihe von Beispielen für diese Hilfe aufzählen, das wird Hartmut Ludwig in seinem Vortrag sicher berichtet haben. „Synagoge am Nollendorfplatz“ war für die Nazis ein herabwürdigender Spottbegriff, um diese – in ihren Augen unerwünschten – Tätigkeiten zu denunzieren.

Rogate-Frage: Sie sagten in einem Vortrag, dass es sich bei Zwölf-Apostel um eine „gespaltene Gemeinde“ handelte. Wie war es möglich, dass überhaupt Widerstand deutlich wurde. Wie konnte man im Nationalsozialismus in dieser Kirchengemeinde offen streiten, wo doch der Staat auf der Seite der Deutschen Christen stand?

Manfred Gailus: „Gespaltene Gemeinde“ war die Gemeinde, weil die zwei Richtungen – Deutsche Christen und Bekennende Kirche (BK) – hier präsent waren und gegeneinander um Geltung und Vorherrschaft stritten. Die Haltung der BK bedeutete nicht Widerstand gegen den Nationalsozialismus, sondern Opposition in der Kirche gegen den Machtanspruch der Deutschen Christen, die man als Häretiker, als Irrlehrer, ansah. Gespalten war auch das evangelische Berlin insgesamt durch diesen Kirchenstreit, so dass die Verhältnisse der Zwölf-Apostel-Gemeinde das Geschehen in der Reichshauptstadt insgesamt widerspiegeln.

Rogate-Frage: Sie beschreiben die Sicht der meisten Protestanten kurz vor dem Beginn der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 so: „Verbreitete Ängste vor Überfremdung, vor den Folgen angeblich schrankenloser Freiheit und Verweltlichung, vor dem Verfall von Glaube, Moral und Sitte, eine drohende Vorherrschaft der so genannten „Gottlosen“ – alles dies gehörte zu den Grundmustern konservativ-kirchlicher Wahrnehmung in einer dynamischen Metropole wie Berlin um 1930.“ Inwiefern ist diese Sicht nicht auch ähnlich mit dem Weltbild von christlichen Fundamentalisten, Populisten und Protestwählern unserer Tage?

Manfred Gailus: Ja, manche Ähnlichkeiten könnte man wohl sehen, aber heute sind es doch Minoritäten, kleinere Gruppen, die sich so stark von Überfremdung, Säkularisierung et cetera bedroht fühlen. Um 1930 dachte die gesamte Kirche – von wenigen Ausnahmen abgesehen – so oder ähnlich. Heute haben wir – Gott sei Dank – eine ganz andere Kirche. Sie macht nicht bei Pegida mit, sondern stellt sich mit anderen gegen Pegida und gegen die gefährlichen Ressentiments, die durch solche aktuellen Bewegungen bedient werden.

Rogate: Vielen Dank, Herr Prof. Gailus, für das Gespräch!

Weitere Informationen: Zentrum für Antisemtismusforschung an der TU Berlin sowie über Manfred Gailus hier: manfred-gailus.de.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 24. März 15 | 19:00 Uhr, Vesper. Wir beten für die Opfer des Absturzes von 4U9525‬ und ihre Angehörigen. Später dann unser Bibelgespräch.
  • Donnerstag, 26. März 15 | 20:30 Uhr, Meditative Passionsandacht, in der Kapelle
  • Sonnabend, 28. März 2015 | 18:00 Uhr, ökumenische Vesper in der Kirche, mit der Alt-katholischen Gemeinde
  • Sonntag Palmarum, 29. März 15 | 10:00 Uhr, Gottesdienst in der Michaelskirche, Bessemer Straße 97/101, 12103 Berlin-Schöneberg, Bus 106 (Richtung Lindenhof, Haltestelle Bessemer Straße)
  • Unseren März-Plan finden Sie hier. Den April-Plan hier.

Fünf Fragen an: Martin Bindemann, Aktionsgruppe Stolpersteine Kleinmachnow

Fünf Freitagsfragen zum Volkstrauertag 2014 an Martin Bindemann, Diakon der Auferstehungs-Kirchengemeinde Kleinmachnow, über Recherchen in der jüngeren deutschen Geschichte, eine Mut machende Stele und überraschende Entdeckungen in der Ortschronik.

Martin BindemannMartin Bindemann wurde in Jena geboren und wuchs in Greifswald, Stralsund, Rostock, Eberswalde-Finow und Teltow auf. Er ist seit 1997 für den Bereich Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Auferstehungs-Gemeinde tätig. Er engagiert sich für Flüchtlinge und Migranten, für Arbeitslose, für den Erhalt der Natur und die Gemeinde. Die Aktionsgruppe Stolpersteine in Kleinmachnow leitet er.

Rogate-Frage: Herr Bindemann, Sie haben in der evangelischen Kirchengemeinde Kleinmachnow eine Projektgruppe Stolpersteine ins Leben gerufen. Wie ist es dazu gekommen?

Martin Bindemann: Es begann 1995. In einem Jugendgremium, dem Kreisjugendkonvent, hörten die Vertreterinnen und Vertreter unserer Gemeinde von dem Projekt. Damals wurde überlegt, ob es ein denkbares Projekt für Berlin-Zehlendorf sei. In unserer Jugendarbeit war die Überzeugung sofort da, dass dieses auch, oder gerade unser Thema sei. So erklärten sich fünf Jugendliche bereit, die ersten Schritte mit mir zu unternehmen. Wir berieten mit der Kirchengemeinde, gewannen den Heimatverein Kleinmachnow e.V. zur Kooperation und fanden mit dem damaligen Bürgermeister und heutigen Landrat Wolfgang Blasig einen Schirmherren.

Rogate-Frage: Bei Stolpersteinen und der Recherche von Adressen haben sie es nicht belassen, sondern sich auf die Suche nach „Stillen Helden“ begeben. Wie kam es zu der Ausweiterung Ihrer Arbeit?

Martin Bindemann: Während der Recherchen zu den Opfern und dem damit verbunden Recherchieren in den Geschichten des Ortes erfuhren wir nach und nach vom Überleben in Kleinmachnow, vom Versteckern und Verstecken. Drei Leute unserer Gruppe begannen, sehr akribisch zu suchen. Es zeigte sich, dass es einige hörenswerte Berichte aus unserem Ort gibt. Wir begannen, zu sammeln und zu analysieren. Gemeinsam mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und anderen Partnern, wie unter anderem dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv, fanden wir Dokumente, Zeugnisse und Zeugen und konnten beginnen aufzuarbeiten.

Rogate-Frage: Die Erinnerung und Erkenntnis wuchs und wurde zur Stele für Dr. Margarete Sommer. Wer war sie und was haben Sie über sie herausgefunden?

Martin Bindemann: Frau Dr. Margarete Sommer ist nur eine Person auf der Stele. Die Stele ist für allen Mut und alles Überleben. Unter dem Titel: „JA! Ich will eine Stele für den Mut und das Überleben!“ warben und informierten wir etwa 18 Monate lang. Frau Sommer, in der Tat eine Berühmtheit der Stillen Helden, lebte in Kleinmachnow. Sie war angestellt beim Bischöflichen Ordinariat Berlin. Ihr Auftrag, den Schutz und Hilfe für katholisch getaufte Juden, weitete sie aus. Sie organisierte Netzwerke der Hilfe. Sie sorgte für Verstecke, Lebensmittel, (falsche) Papiere und mehr. Sie erhielt mehrere Ehrungen, davon ist die Ehrung in Yad Vashem die wohl international bedeutendste. Darum war es für uns naheliegend, diesen Platz, an dem die Stele aufgestellt werden würde, nach ihr zu benennen. Aber gegen alle Missverständnisse: Die Stele steht für allen Mut und für alles Überleben.

Rogate-Frage: Im Mai 2014 gab es sogar einen großen Festakt für Dr. Sommer. Was war Ihnen wichtig im Gedenken an diese herausragende Persönlichkeit?

Martin Bindemann: Wir sind auf der Suche nach Vorbildern. Mit Frau Sommer haben wir ein solches Vorbild. Aber noch einmal: Es ging uns um alles Tun! Natürlich stand Frau Sommer auch während der Stelen-Übergabe in etwas besonderer Weise im Mittelpunkt. Schon weil die Platzbenennung eine eigene Würdigung darstellt. Dennoch, jede Hilfe, jedes gute Wort, jede Gabe über den Gartenzaun, jedes Begleiten auf Spaziergängen, jede Unterstützung aus Amtsstuben, jedes Vertuschen von zwangsweise geführten Zusatznamen bedeutete Mut und eigenes Risiko. Wer nachhaltig und dauerhaft half, stellte sich auf die Seite der Ausgegrenzten. Jeder Mut bedeutete auch sich selbst und seine Familie in Mitleidenschaft und persönliche Lebensgefahr zu ziehen. Das immer wieder zu sagen ist unserer Gruppe ein Herzensanliegen.

Rogate-Frage:  Warum ist es wichtig, dass christlich-kirchliche Gruppen die Erinnerung an Krieg, Terror und Unterdrückung wachhalten?

Martin Bindemann: Ich denke, gerade die Kirchen stehen in religiöser und gesellschaftlicher Verantwortung. Wir Gemeinden sind Wertevermittler. Zum Wert einer Gesellschaft gehört der Umgang mit Geschichte und Verantwortung. Die Generationen nach 1945 stehen nicht in der Verantwortung der Schuld, aber in der Verantwortung der Erinnerung. Darum, denke ich ist es wichtig, dass sich Kirche(n) dieser Zeit und diesem Thema stellen. Die Rolle der Kirche(n) ist zudem nur ungenügend aufgearbeitet. Bekenntnissynoden und deren Erklärungen, wie zum Beispiel in Barmen, waren sehr wichtig und zukunftweisend. Die Frage ist allerdings, werden diese Bekenntnisse heute noch mit Bedacht gesprochen, beherzigt und behandelt? Auch wenn es Landeskirchen gibt, die Pfarrerinnen und Pfarrer auf die theologischen Erklärung von Barmen ordinieren, steht Kirche auch in der Verantwortung der Erinnerung. Ein nächstes Vorhaben der Aktionsgruppe Stolpersteine wird sich auch damit befassen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Bindemann, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Einladung LichtvesperDienstag, 18. November 2014 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet, in der Kapelle der Kirche
  • Donnerstag, 20. November 2014 | 19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet, in der Kapelle der Kirche
  • Dienstag, 25. November 14 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet, in der Kapelle der Kirche
  • Donnerstag, 27. November | 19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet, in der Kapelle der Kirche
  • Sonnabend, 29. November 2014 | 18:00 Uhr, Lichtvesper, Kapelle Zwölf-Apostel-Kirche (mit der Alt-katholischen Gemeinde)

Predigt zur „Euthanasie“-Ausstellung: „Keiner gehört in eine besondere Ecke“

Pfarrerin Barbara Eschen im Gespräch mit dem Initiator der Ausstellung, Michael Gollnow

Schirmherrin Pfarrerin Barbara Eschen predigte zur Eröffnung der Ausstellung „Töten aus Überzeugung“ am 20. Juli 2014 im Rogate-Kloster St. Michael zu Berlin. Wir dokumentieren hier die Ansprache der Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz:

„Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde. Und Gott sah, dass es gut war“, lautete 1979 die Jahreslosung aus dem 1. Buch Mose. Dazu schrieb der Autor Fredi Saal seine Gedanken auf. Er frage sich, „wie viele Christen […] sich wohl in Verbindung mit der Existenz von Behinderten des Sprengstoffes in diesem Bibelwort bewusst“ seien. Denn noch immer gelte es „in weiten Kreisen als unumstößliche Ansicht, der behinderte Mensch verdiene wegen seines Schicksals in besonders hohem Maße das Mitgefühl seiner Umwelt […] Da ist vom ‚schrecklichen’, ja ‚grausamen’ Schicksal die Rede, von ‚schwerer Last’ – und natürlich von Krankheit und Leid. Ohne im Geringsten auf die begleitenden Umstände zu achten, gilt der Behinderte von vornherein als mitleidens- und bedauernswert.“ Dieser Umstand sei erstaunlich. Denn angesichts der Einschätzung, dass die Schöpfung des Menschen gut war, grenze die genannte Ansicht an eine Gotteslästerung. Die Auffassung jedenfalls, „Behinderung müsse a priori mit Leid verbunden sein“ sei „ausschließlich in der Phantasie der Unbetroffenen angesiedelt“. Er jedenfalls leide trotz seiner Bewegungseinschränkungen und seines gehemmten Sprachvermögens nicht mehr als andere Menschen. Erst recht sehe er keinen Anlass für die Sehnsucht, ein anderer zu sein. „Und wie sollte ich auch?! Um nicht behindert zu sein, müsste ich ja jemand anders ein wollen. Nicht dieser Fredi Saal. Eine reichlich absurde Idee! Zu meiner Existenz, die ich mit niemandem teile, gehört notwendigerweise meine Behinderung. Sonst wäre ich nicht dieser eine bestimmte Mensch, der ich bin, sondern ein x-beliebiger anderer.“ Das Leiden jedenfalls „liegt nicht an der Behinderung; es wird von dem verursacht, der mich wegen der Behinderung in die Leidensecke stellt und eifrig darüber wacht, dass ich sie nicht verlasse“. Die Pointe des ersten Schöpfungsberichts jedenfalls weise in eine ganz andere Richtung: Sie ermutigt Menschen mit Behinderung, sich nicht so sehr als leidgeprüft und genauso wenig als Schöpfungspanne zu verstehen. „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde? – Ich jedenfalls fühle mich als Spastiker als eine Schöpfung Gottes – und zumindest die Christen sollten es auch tun!“

Ein beeindruckendes Bekenntnis! Wer kann das schon mitsprechen: „Ich fühle mich als Geschöpf Gottes, und das ist gut?! Die meisten von uns sind doch eher mit sich unzufrieden: Da stören Falten beim morgendlichen Blick in den Spiegel, die Pfunde auf der Waage, die geringe Frustrationstoleranz und … Wer mag schon von sich sagen: „Ich bin Geschöpf Gottes, ich bin gut wie ich bin.“ Und so empfinde ich die Worte des Fredi Saal als ein ermutigendes Glaubenszeugnis: Ich bin ein Geschöpf Gottes und Gottes Schöpfung ist gut.

Aber: Mit diesem starken Selbstverständnis, Geschöpf Gottes zu sein, verbindet Fredi Saal den Appell: Stellt mich als behinderten Menschen nicht in die Leidensecke!

Menschen mit Behinderungen sind nicht leidgeprüft, sind erst recht keine Schöpfungspanne, sind nicht zu bedauern.

Was heißt: Leidensecke? – Bis Jahresende habe ich in der Hephata Diakonie in Hessen mit Menschen mit einer geistigen Behinderung, mit Lernschwierigkeiten oder mit chronischen psychischen Erkrankungen gearbeitet. Mehrfach habe ich von Gästen dabei die Reaktion geerntet: „Eure Arbeit ist toll. Aber ich könnte das niemals. Das viele Leid, mit dem ihr zu tun habt. Das könnte ich nicht aushalten.“

Fredi Saal sagt: Ich leide nicht mehr als andere Menschen auch. Diese Haltung habe ich auch bei den Menschen der Hephata Diakonie wahrgenommen. Sie widersprechen dem Gedanken, „arm dran zu sein“. Warum? Weil sie ernst und für voll genommen werden wollen. Weil sie nicht klein gemacht werden wollen, als angewiesen, hilfebedürftig, Opfer, an den Rand der Gesellschaft, in die Leidensecke geschoben. So auch der Appell von Fredi Saal: Stellt mich nicht in die Leidensecke!

Die Leidensecke ist ein ganz gefährlicher Ort! Das wird uns die Ausstellung „Töten aus Überzeugung“ vor Augen führen.

Die Ermordungen des NS-Regimes bauten dabei auf zwei wesentlichen Zeitströmungen auf: Euthanasie und Eugenik.

Euthanasie, die Tötung auf Verlangen

Ende des 19. Jahrhunderts bereits dachte man zunehmend: Behinderung ist Leid, Behinderung ist Last, Behinderung muss vermieden werden, Menschen mit Behinderung müssen von der Last ihres Lebens befreit werden, wenn sie das wollen. Sie müssen das Recht auf einen guten Tod, auf Selbstmord haben. Damit waren behinderte Menschen in die Leid-Ecke gestellt.

Aber schon im ersten Weltkrieg mischten sich in das Mitleid bald andere Motive: Man wollte und musste Geld sparen. Die Versorgungsprobleme der Zivilbevölkerung wuchsen und man wollte das Geld lieber für die Starken ausgeben als für Menschen, die als nicht leistungsfähig galten.

Eugenik und die Forderung von Sterilisation und Abtreibung

Und dann kam mit der Eugenik, der Pflege des Erbgutes, ein neuer Gedanke aus dem Wissenschaftsbereich auf: Behinderung und soziale Unangepasstheit wurden als vererbte Belastung für die anderen, für die Volksgemeinschaft gesehen. Im Interesse der Volksgesundheit, einer starken Gesellschaft sollte verhindert werden, dass chronische Erkrankungen, Behinderungen und sozial unangepasstes Verhalten weitervererbt werden.

Diesem Gedanken war auch die Innere Mission aufgeschlossen. 1931 sprachen sich führende Vertreter der Inneren Mission für umfassende Sterilisationen – auf freiwilliger Basis – aus. Dabei waren sie durchaus von einem völkischen Denken bewegt. D.h. es ging nicht um die Betroffenen, sondern um die Interessen der Mehrheitsgesellschaft – „Volkskörper, Volksgesundheit“.

An beide Strömungen konnte Hitler 1933 leicht sein Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses anknüpfen, das die Zwangssterilisation von 400 000 Menschen veranlasste, und auch viele Schwangerschaftsabbrüche (ab 1933/35).

Mit Euthanasie, der Tötung auf Verlangen, und Eugenik, der Unterbindung der Fortpflanzung, war der Weg für die Massenmorde des Naziregimes geebnet. Hitler und sein Regime haben das eugenische Denken für ihren Rassewahn genutzt. Nicht mehr nur Pflege des Erbgutes, sondern Reinhaltung der Rasse!

Die Ausstellung zeigt, dass Krankenmorde, die Ermordung von Menschen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen, sozial unangepasstem Verhalten, auf verschiedene Weise geschehen ist. Vielfach verdeckt, vor allem den Angehörigen verborgen. Auf fünf Wegen wurden die Krankenmorde durchgeführt:

In Kinderfachabteilungen und psychiatrischen Krankenhäusern durch Giftspritzen. Durch Sonderkommandos in den Ostprovinzen durch Erschießungen und Nahrungsverweigerung.

Später als Ermordung von arbeitsunfähigen Häftlingen in KZs und als wilde Euthanasie in Anstalten ebenfalls durch Nahrungsverweigerung.

In der T4 Aktion als systematisches Mordprogramm. In sechs Gasmordanstalten wurden Menschen systematisch, quasi automatisiert ermordet. 70 000 Menschen. Mit grauen Bussen transportiert, mehrfach verlegt, um Spuren zu verwischen, mit gefälschten Todesnachrichten an die Angehörigen.

Weil dies nicht geheim blieb, regte sich hier Widerstand. Auch von evangelischen Vertretern der Inneren Mission vor allem auf sogenanntem diplomatischen Weg in direkter Auseinandersetzung mit NS-Vertretern (z.B. Pfarrer Paul Gerhard Braune, Lobetal, der Material über die Tötungsaktionen gesammelt hatte und eine Denkschrift erstellte, die er 1940 in der Reichskanzlei vorlegte, vermutlich ohne große Wirkung.)

Wirkung hatten eher die Predigten von Bischof Clemens Graf von Galen in Münster, der 1941 eine Brandpredigt hielt, in der er die Krankenmorde geißelte: „Die kranken Menschen, die im Sinne des Regimes zu nichts mehr nütze seien, würden wie Maschinen behandelt. Und was tut man mit solch alter Maschine? Sie wird verschrottet. So dürfe man Menschen, die doch Mitmenschen seien, nicht behandeln.“

Bischof von Galen holt mit seiner Predigt die Menschen aus der Ecke, in die sie vom NS-Staat geschoben wurden, die Leidensecke, die zur Todeszelle wurde. Und er macht deutlich: Jeder Mensch mit Behinderung, jeder Kranke ist einer von uns. Bischof Galen nimmt die Gottebenbildlichkeit ernst. Jeder Mensch ist Geschöpf Gottes. Provokativ weist Galen darauf hin, dass die kriegsversehrten Soldaten auch zu den „Unproduktiven“ zählen, und deutet damit an, dass sie Euthanasieopfer werden können.

Die T4 Aktionen wurden auch aufgrund von Druck aus dem Ausland offiziell eingestellt. Tatsächlich ging das Morden weiter. Mindestens 200 000 Menschen wurden durch Krankenmorde ums Leben gebracht.

Es ist eine unfassbare Zahl. Unvorstellbar die Not der Betroffenen, das Unrecht ihrer nicht gelebten Leben. Wie viele Menschen haben als Angehörige gelitten! Es gibt hier keinen Trost und keine Erklärung, keine Entschuldigung, nur Entsetzen!

Unfasslich auch, dass die Krankenmorde bis in die 1980er Jahre verschwiegen wurden. Auch in diakonischen Einrichtungen. Weil die Menschen meist mehrfach verlegt wurden und über staatliche Einrichtungen in die Gaskammern kamen, fühlte man sich nicht beteiligt. In der Hephata Diakonie wurde seit 1981 geforscht und Ende der 90er Jahre ein Mahnmal errichtet, das an 388 Opfer erinnert, die von dort verlegt wurden. Es war schwierig und mühsam, die Wege der Einzelnen aufzufinden und nachzuweisen. Das Mahnmal steht im Zentrum des Hephata-Geländes, neben der Kirche. Eingefügt sind Holzbohlen, Stufen des Wohnhaushauses, aus dem die meisten frühmorgens abgeholt und in die grauen Busse gezwungen wurden. Jedes Jahr wird in einem Gottesdienst dort am Mahnmahl an die Ermordeten gedacht. Gemeinsam beten dort Menschen mit Behinderungen, Schüler, Mitarbeiter, Gäste. Halten Stille, wie nie im ganzen Jahr sonst.

Was wir Heutigen tun können, ist gedenken, unseren Respekt zeigen, beten und uns darauf besinnen: Jeder Mensch ist, wie er ist, Geschöpf Gottes. Fredi Saal zeigt uns, dass wir gut bedenken müssen was das heißt: Gottes Ebenbild. Wir sind nicht Gottes Ebenbilder, weil wir vollkommen wären, begabt, intelligent. Wir sind nicht Gottes Ebenbilder, weil wir seine Liebe und Güte abbilden könnten. Wir sind seine Ebenbilder, weil er uns nimmt, wie wir sind, unvollkommen, zerbrechlich, jeder von uns. Gott bleibt mit uns in Beziehung auch in den dunkelsten Stunden.

Die Leidensecke ist für Menschen mit einer Behinderung gefährlich. Zum Glück hat sich inzwischen viel geändert. Wir sind viel aufmerksamer. Ja, sicher. Aber auch heute werden Menschen mit einer geistigen oder seelischen Behinderung manchmal gesondert behandelt. Beispielsweise werden sie häufig als „Neutren“ betrachtet oder als „ewige Kinder“. Sexuelle Bedürfnisse werden ihnen nicht zugestanden. Ihre Sexualität wird tabuisiert. Dass wir in der Hephata Diakonie Sexualseminare für Menschen mit Behinderungen angeboten haben, dass wir eine Partnervermittlung organisiert haben, wurde von der Bevölkerung und auch von den Eltern teilweise skeptisch beäugt. “Muss das sein?“ Auch dass Menschen mit Behinderungen als Paare zusammenleben. Und dass Frauen nicht ungefragt und gegen ihren Willen einfach Verhütungsmittel gegeben werden dürfen. „Muss das sein?“ Ja, unbedingt, ja. Denn jeder Mensch ist Geschöpf Gottes mit allen seinen Seiten, und seine und ihre Persönlichkeitsrechte sind uneingeschränkt zu schützen.

Keiner gehört in eine besondere Ecke, auch nicht in gut gemeinte Ecken. Deshalb ist Inklusion unaufgebbares Ziel. Das bedeutet: Jeder gehört dazu. Von Anfang an und bis zuletzt ist Leben unantastbar! Jeder muss dabei sein können. Jeder für sich selbst sprechen können. Nichts ohne uns, über uns – fordern Menschen mit Behinderung. Recht haben sie. Auch deshalb finde ich es gut, mir von Fredi Saal sagen zu lassen, dass jeder Mensch Geschöpf Gottes ist.“

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Hinweise zur Ausstellung:

Die Ausstellung ist bis zum 30. August im Rogate-Kloster St. Michael in der Zwölf-Apostel-Kirche zu sehen: Mittwochs und donnerstags, von 10:00 bis 12:00 Uhr, sonnabends von 11:00 bis 15:00 Uhr sowie zeitlich eingeschränkt vor und nach den Gottesdiensten.

Erreichbar ist die Zwölf-Apostel-Kirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln und über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). PKW-Stellplätze sind vorhanden vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße.

Weitere Informationen: Das Plakat zur Ausstellung finden Sie hier. Hier der Einladungsflyer zur Ausstellung “Töten aus Überzeugung”. Ein Interview mit dem Initiator Michael Gollnow finden Sie hier.

Information zur Ausstellung in polnischer Sprache:

W niedzielę, 20 lipca, zostanie otwarta wystawa objazdowa pod tytułem „Zabijanie z przekonania“, która informuje w trzech językach (polskim, niemieckim oraz angielskim) o morderstwach narodowych socjalistów w ramach akcji „eutanazja“ na 300 000 osobach umysłowo upośledzonych lub psychicznie chorych w Niemczech i w Europie. Wstęp na wystawę jest bezpłatny.

Nabożeństwo otwierające wystawę odbędzie się w niedzielę, 20 lipca, o 10 godz. w Kościele Dwunastu Apostołów (Zwölf-Apostel-Kirche) przy ulicy An der Apostelkirche 1 (10783 Berlin), niedaleko stacji metra Nollendorfplatz. Wystawę będzie można zwiedzać w Kościele Dwunastu Apostołów do 30 sierpnia br., w środy i czwartki od 10 do 12 godz., a w soboty od 11 do 15 godz. oraz przed i po nabożeństwach.

Wystawa „Zabijanie z przekonania“ została przygotowana przez Pinel gemeinnützige Gesellschaft mbH z Berlina, która razem z Klasztorem Rogate Św. Michała w Berlinie organizuje ww. wystawę w Kościele Dwunastu Apostołów. Wystawa została umożliwiona przez finansowe wsparcie Der Paritätische Berlin, berlińskiej organizacji obejmującej ponad 700 niezależnych organizacji pożytku publicznego.