Einladung zum Vortrag „Frieden und Toleranz im Liberalen Judentum“ am 8. August

Im Rahmen der Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt. 150 Jahre religiöse Vielfalt an der Jade.“ wird am Donnerstag, 8. August 2019, Irith Michelsohn einen Vortrag zu Frieden und Toleranz im Liberalen Judentum“ halten. Die Veranstaltung beginnt um 19:00 Uhr im Küstenmuseum Wilhelmshaven, Weserstraße 58.

Die Jüdische Gemeinschaft in Deutschland wird seit 30 Jahren von der Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion geprägt, so dass das deutsche Judentum, welches bis zur Machtergreifung Hitlers existierte, sich komplett gewandelt hat. Die Jüdischen Gemeinden stehen vor vielfältigen und zum Teil kaum noch leistbaren Aufgaben. Außerdem sind die Gemeinden, ihre Amtsträger und Mitglieder einem immer mehr erstarkenden Antisemitismus ausgesetzt.

Referentin Irith Michelsohn ist seit 16 Jahren Generalsekretärin der Union progressiver Juden in Deutschland. Sie ist zudem Geschäftsführerin des Landesverbandes progressiver jüdischer Gemeinden in Nordrhein-Westfalen sowie seit zwanzig Jahren ehrenamtliche Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld. Zudem hat sie sich für humalitäre Hilfe in Russland engagiert und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Zum Gelingen der Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt.“ hat sie durch die Bereitstellung wertvoller Exponate, wie eine Torarolle von 1716, beigetragen. Diese und weitere Leihgaben sind im Küstenmuseum noch bis zum 15. September zu sehen.

Generalsekretärin Irith Michelsohn (Bild: privat)

Anmeldung: Für die Teilnahme an Veranstaltungen des Rahmenprogramms bittet das Museum um Anmeldung: Telefon 04421.40 09 40 oder per Mail kuestenmuseum@wilhelmshavenglaubt.de

Eintritt: Es wird eine Vortrags-Flatrate-Karte für alle 21 Veranstaltungen der Reihe „Frieden und Toleranz“ angeboten. Diese kostet 22,00 Euro (ermäßigt 17,00 Euro). Darin enthalten ist eine Jahreskarte für das Küstenmuseum. Der Einzeleintritt beträgt bei Vortragsveranstaltungen sieben Euro, ermäßigt fünf Euro. Informationen: wilhelmshavenglaubt.de

Das Rahmenprogramm „Frieden und Toleranz“ findet in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Erwachsenenbildung Niedersachsen (EEB) und der Katholischen Erwachsenenbildung Wilhelmshaven Friesland Wesermarsch e.V. (KEB) statt.

Die Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt.“ ist ein Projekt der AG „Religionenhaus Wilhelmshaven“ und des Demokratieprojektes „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“ des Förderprogramms „MITEINANDER REDEN“. Sie wird gefördert vom Ev.-luth. Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, Aktion Mensch, der Ja-Wir-Stiftung, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven, der Dr. Buhmann Stiftung und dem Rogate-Kloster Sankt Michael.

Interreligiöses Zusammenleben: Das Berliner House of One – eine Idee für Wilhelmshaven?

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Die Geistlichen des Berliner House of One (Bild: Klemens Renner).

In Berlin werden Juden, Muslime und Christen miteinander ein großes Haus bauen, das „House of One„. Darin soll es eine Synagoge, eine Moschee und eine Kirche geben. Zwischen den Gebäudeteilen wird es gemeinsam genutzte Räume zum Lernen und zur Begegnung geben.

Konzept-Verwaltungsdirektor Roland Stolte aus Berlin wird am Montag, 4. Juni, im Gemeindehaus der Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven, Kirchplatz 1, die Idee vorstellen.  Mit Vertreterinnen und Vertretern von Religionen und Konfessionen soll anschließend überlegt werden, ob ein „Drei-Religionen-Haus“ eine Projekt für Friesland und Wilhelmshaven sein könnte. Beginn ist um 19 Uhr.

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Roland Stolte (Bild: Klemens Renner)

Der Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, die Evangelische Familien-Bildungsstätte und das Rogate-Kloster St. Michael laden zu der Veranstaltung ein, die von Jannes Wiesner und Bruder Franziskus Aaron geleitet wird. Kreispfarrer Christian Scheuer wird den Abend eröffnen. Weitere Informationen: dreireligionenhaus.de

Termin: Montag, 19:00 – 21:00 Uhr, Gemeindehaus, Christus- und Garnisonkirche, Am Kirchplatz 1, Wilhelmshaven

Bild oben mit den Berliner Geistlichen, Pfarrer Gregor Hohberg, Rabbi Andreas Nachama und Imam Kadir Sanci.

Bischof Dr. Dröge: „Antisemitismus ist Gotteslästerung“

Grußwort von Bischof Dr. Markus Dröge, dass er heute Abend auf der Kundgebung „Berlin trägt Kippa“ halten wird. Er wird hier als Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sowie als Vertreter des Rates der EKD sprechen.

Berlin trägt KippaIch trage gerne die Kippa. Und nicht erst heute. Seit über 30 Jahren ziehe ich immer wieder dieses Zeichen der Demut vor Gott an, wenn ich eingeladen werde in eine Synagoge, oder zum Trauern und Gedenken auf einen jüdischen Friedhof. Für mich ist die Kippa ein Zeichen der Verbundenheit im Glauben an den einen Gott, vor dem wir als Juden und Christen gemeinsam demütig stehen.

Wir haben hier in Berlin eine wunderbare Gemeinschaft mit unseren jüdi­schen Geschwistern. Wir laden uns gegenseitig ein, zum Ge­denken und zum Feiern. Das gemeinsame theologische Forschen hat hier eine lange Tradition. Und wir freuen uns, dass das jüdische Leben in Berlin wieder neu aufgeblüht ist und dass viele junge Menschen aus Israel gerne hier in Berlin leben. Sie sind und sie bleiben alle herzlich willkom­men, hier in Berlin, in der Stadt der Freiheit – willkom­men, hier zu leben und sich wohl zu fühlen!

Umso erschreckender ist es, dass in unserer Stadt am helllichten Tag auf offener Straße ein junger Mann, nur weil er eine Kippa trug, angegriffen und be­schimpft wurde. Wir sind dadurch alarmiert. Wir müssen noch viel sensibler werden gegenüber jeder Form der Judenfeindschaft. Wir müssen noch viel deutlicher versteckten Antisemitismus thema­tisieren!

Ich bringe Ihnen heute die Grüße des Rates der EKD. Auf unserer Sitzung am vergangenen Freitag in Hannover haben wir die jüngsten antisemitischen Vorfälle und Übergriffe in Deutschland scharf verurteilt. Der Rat der EKD ruft mit folgenden Worten dazu auf, gemeinsam gegen Antisemitismus in Deutschland einzutreten:

„Fast täglich gibt es Berichte über Anfeindungen und Übergriffe gegen Juden in Deutsch­land. Das erfüllt uns mit großer Sorge und Scham. Wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland Gewalt und Beschimpfungen ausgesetzt sind und sich nicht mehr sicher fühlen, können wir das unter keinen Umständen hinnehmen. Nie wieder darf sich Antisemitismus in Deutsch­land ausbreiten oder gar salonfähig werden. Als Christinnen und Christen stehen wir unein­geschränkt an der Seite unserer jüdischen Ge­schwister. Aus theologischer Überzeugung sowie aus historischer Verantwortung für jahrhun­dertelanges kirchliches Versagen, sagt die Evangelische Kirche in Deutschland klar und unmissverständlich: Christlicher Glaube und Judenfeindschaft schließen einander aus. Antisemitismus ist Gotteslästerung.“

Fünf Fragen an: Wolfgang Seibert, Jüdische Gemeinde Pinneberg

Fünf Freitagsfragen an Wolfgang Seibert, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Pinneberg, über die Motive, Fremden Schutz zu gewähren, die Zusammenarbeit mit den Kirchen und das Gemeindeleben in Schleswig-Holstein.

Wolfgang Seibert stammt aus Frankfurt am Main, wo er auch studierte. Er engagiert sich für Flüchtlinge, interreligiösen Dialog und gegen Rechts. Als erste und bislang einzige jüdische Gemeinde in Deutschland hat seine Gemeinde in den vergangenen Jahren bereits mehreren Schutzbedürftigen ungeachtet ihrer Religion in ihren Räumen Asyl geboten. Im Mai erhielt er den Menschenrechtspreis 2017 der Stiftung PRO ASYL.

Rogate-Frage: Herr Gemeindevorsitzender Seiber, Ihre Gemeinde hat in den vergangenen Jahren bereits mehreren Schutzbedürftigen, ungeachtet ihrer Religion, in ihren Räumen Asyl geboten. Wie kam es dazu?
Wolfgang Seibert: Wir wurden vor einigen Jahren gefragt, ob wir bereit seien Flüchtlinge in das Synagogenasyl zu nehmen. Wir haben das circa fünf Minuten im Vorstand disikutiert und Ja gesagt. Als gläubige Juden war die Leitlinie aus dem 2. Buch Mose 22,20: „Du sollst den Fremdling nicht bedrücken“  und aus dem 3. Buch Mose 19,34 „Du sollst den Fremden lieben wie Dich selbst“.
Rogate-Frage: Gibt es Unterschiede zwischen dem Synagogen- und Kirchenasyl?
Wolfgang Seibert: Es gibt wohl keine Unterschiede zwischen Synagogen- und Kirchenasyl. Wir haben uns auch bei kirchlichen Organisationen darüber informiert wie so etwas gemacht werden muss. In der Zeit des Synagogenasyls gabe es auch eine enge Zusammenarbeit mit den beiden christlichen Kirchen und auch der muslimischen Gemeinde. Diese Zusammenarbeit hat uns gestärkt.
Rogate-Frage: Wie läuft ein Synagogenasyl ab und was passiert da?
Wolfgang Seibert: Es gibt eine Menge behördlicher Dinge zu tun: Mitteilung an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Mitteilung an die zuständige Ausländerbehörde uund so weiter. Das ist wichtig, da der Flüchtling auch während der Zeit des Asyls in unserer Gemeinde eine „ladungsfähige Anschrift“ haben muss, wenn er die nicht hat, gilt er als „untergetaucht“ und das verändert Fristen und verlängert sie. Es muss die Verpflegung organisiert werden, ein Besuchsdienst muss organisiert werden, damit sich Leute um den Flüchtling kümmern, während er bei uns ist.
Rogate-Frage: Wie reagiert Ihre Gemeinde darauf?
Wolfgang Seibert: Die Gemeinde hat sehr positiv reagiert. Der schon erwähnte Besuchsdienst stand innerhalb weniger Stunden. Menschen gingen in die Gemeinde, redeten mit den Flüchtlingen, spielten Gesellschaftspiele mit ihnen, brachten Lebensmittel und sehr viele Süssigkeiten.
Rogate-Frage: Wie sieht jüdisches Leben in Schleswig-Holstein und in Pinneberg aus?
Wolfgang Seibert: Nach 1945 gab es in Schleswig-Holstein nur zwei Jüdische Gemeinden, in Kiel und Lübeck. Nach 1989 wurden dann, wegen der Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion, neue Gemeinde gegründet. Mittlerweile gibt es neun Jüdische Gemeinden bei uns. Die Gemeinden veranstalten natürlich Gottesdienste am Schabbat und den jüdischen Feiertagen. Wir machen Religionsunterricht, veranstalten Deutschkurse, machen Seniorenbetreuung, besuchen Kranke und machen Sterbebegleitung. Also nicht anders als auch bei den christlichen Kirchen.
Rogate: Vielen Dank, Herr Seibert, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten und Terminen:

Fünf Fragen an: Präses Manfred Rekowski, Evangelische Kirche im Rheinland

Fünf Fragen an Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, über die Ablehnung der Judenmission, die Ehe als „weltlich Stand“ und die Zukunft Europas.

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Präses Manfred Rekowski (Bild: EKiR)

Dass er einmal höchster Repräsentant der zweitgrößten EKD-Gliedkirche werden würde, war dem 1958 in Polen geborenen Wahl-Wuppertaler nicht in die Wiege gelegt: „Wahrscheinlicher war damals, dass ich Landwirt in den Weiten Masurens werde“, sagt Manfred Rekowski. Aber als der Junge fünf Jahre alt war, verließ seine Familie ihren Bauernhof und siedelte in die Bundesrepublik über. Rekowsky studierte in Bethel, Marburg, Bochum und Wuppertal Evangelische Theologie. 1982 begann er das Vikariat und trat 1986 seine erste Pfarrstelle in der Gemeinde Wichlinghausen an. 1993 wurde er zum Superintendenten des Kirchenkreises Barmen, 2005 zum Superintendenten des Kirchenkreises Wuppertal gewählt. Die Landessynode berief ihn 2011 als Oberkirchenrat in die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland und wählte ihn im Januar 2013 zum Präses.

Rogate-Frage: Herr Präses, was steckt hinter der sogenannten Judenmission und warum sind Sie dagegen?

Manfred Rekowski: Es gibt unserer Erkenntnis nach zwei Wege zu Gott, den christlichen und den jüdischen. Ich möchte aus dem Beschluss der jüngsten EKD-Synode zitieren: „Christen sind nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen. Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels.“ Die rheinische Kirche vertritt diese Position bereits seit 1980. Im Blick auf die Judenmission und daraus abgeleitete Zwangskonversionen gibt es zudem eine lange und furchtbare christliche Schuldgeschichte, das theologische Nein zur Judenmission verbindet sich mit unserer Verantwortung nach der Shoa.

Rogate-Frage: Ihre Landeskirche hat Trauungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare ermöglicht. Warum?

Manfred Rekowski: Nach evangelischem Verständnis ist die Ehe ein „weltlich Stand“, so Martin Luther. Sie – und entsprechend die Lebenspartnerschaft – wird vor dem Standesamt geschlossen, und nicht vor dem Altar. Die evangelische Trauung ist daher „ein Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung, in dem die eheliche Gemeinschaft unter Gottes Wort und Segen gestellt wird. Dabei bekennen die Eheleute, dass sie einander aus Gottes Hand annehmen, und versprechen, ihr Leben lang in Treue beieinander zu bleiben und sich gegenseitig immer wieder zu vergeben.“ So sagt es die Kirchenordnung der Evangelischen Kirche im Rheinland, dessen Artikel seit dem Frühjahr 2016 auch auf Eingetragene Lebenspartnerschaften Anwendung. Mit dieser Gleichstellung reagieren wir auf Veränderungen im Zivilrecht für Eingetragene Lebenspartnerschaften. Mit der Eingetragenen Lebenspartnerschaft hat der Gesetzgeber im Jahr 2001 eine Regelung für gleichgeschlechtliche Partnerinnen und Partner geschaffen, die gleiche Rechtsfolgen wie eine Ehe mit sich bringt, derzeit ausgenommen noch das Adoptionsrecht. Maßgeblich für diese Entwicklung ist der Gleichheitsgrundsatz gewesen sowie die Einsicht, dass der besondere Schutz der Ehe keine Benachteiligung anderer Lebensformen erfordert.

Rogate-Frage: Welche Erfahrungen haben Sie in den Diskussionen um die Gleichstellung von Lesben und Schwulen gemacht und wie soll es nun weitergehen?

Manfred Rekowski: Wie gesagt: Das kirchenleitende Gremium, die Landessynode, hat den Beschluss, gleichgeschlechtliche Paare in eingetragener Lebenspartnerschaft bei der Trauung gleichzustellen, mit überzeugender Mehrheit gefasst. Dem voraus ging die Möglichkeit einer sogenannten Gottesdienstlichen Begleitung für gleichgeschlechtlich Liebende, die die rheinische Synode schon im Jahr 2000 eröffnet hat – noch bevor der Gesetzgeber Eingetragene Lebenspartnerschaften möglich machte. Nach dem heute gültigen Beschluss können Pfarrerinnen und Pfarrer die Trauung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerinnen und -partnern aus Gewissensgründen ablehnen. Haben Presbyterien vor 16 Jahren die Durchführung Gottesdienstlicher Begleitungen von Lebenspartnern abgelehnt, können sie diesen Beschluss aufrechterhalten. In beiden Fällen ist die Gemeindeleitung aber verpflichtet, mit Hilfe der Superintendentin oder des Superintendenten dafür zu sorgen, dass die Trauung des Paares in einer anderen Kirchengemeinde stattfindet. Mit diesen Regelungen trägt die Synode dem unterschiedlichen Bibelverständnis zum Thema Homosexualität Rechnung.

Rogate-Frage: Seit einiger Zeit erleben wir in der Bundesrepublik eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft und zunehmenden Populismus, die sich auch in Wahlerfolgen der AfD spiegeln. Was ist die Aufgabe der Kirche in dieser Zeit und wie reagieren die Landeskirchen darauf?

Manfred Rekowski: Um es mit den Worten des einstigen Bundespräsidenten Johannes Rau aus der rheinischen Kirche zu sagen: „Versöhnen statt spalten!“ Und ein kompromissloses Einstehen für gelebte Nächstenliebe sowie für Errungenschaften und Werte wie Demokratie und Menschenrechte. Dabei ist mir der Einsatz für Menschen, die um ihr Leben fürchten und Schutz in Deutschland suchen, besonders wichtig. Wer die Menschenwürde von Flüchtlingen missachtet oder Menschen anderer Religionen nicht die Religionsfreiheit zubilligt, wie das einige Vertreter der AfD tun, der spielt mit dem Feuer und gefährdet den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Dem werden wir massiv entgegentreten.

Rogate-Frage: Die politischen Entwicklungen beispielsweise in Polen, Ungarn und in der Türkei sind beunruhigend. Der Brexit, nationalistische Tendenzen in vielen Ländern … Was wird aus Europa und wie sollten wir Christen uns in dieser Situation verhalten?

Manfred Rekowski: Europa ist die Reaktion auf zwei Weltkriege, ein Friedensprojekt, eine Wertegemeinschaft. Die Kirchen in den Ländern Europas haben längst Netzwerke gebildet, die abseits der politischen Bündnisse, mit oder ohne Brexit halten. Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) als ökumenische Organisation der orthodoxen, anglikanischen, alt-katholischen und evangelischen Kirchen beispielsweise wurde zu Zeiten des Kalten Krieges gegründet. Eine kleine Schar kirchenleitender Menschen machte sich damals dafür stark, die Kirchen in den verschiedenen europäischen Ländern mit ihren unterschiedlichen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systemen miteinander ins Gespräch zu bringen. Ihr Ziel war es, den Kirchen Europas zu helfen, eine Vermittlerrolle für Frieden und Verständigung zu übernehmen. Dieses Ziel verfolgen die Kirchen bis heute. Sie tun auf ihrem Terrain viel dafür, das Friedensprojekt Europa zu stärken.

Rogate: Vielen Dank, Präses Rekowski, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg: