Fünf Fragen an: Pfarrer Lothar Vierhock, St. Elisabeth-Gemeinde Moskau

Fünf Freitagsfragen an Pfarrer Lothar Vierhock, St. Elisabeth-Gemeinde Moskau, über die Vorteile digitaler Kirche, orthodoxe Ostern in der Coronakrise und die Erreichbarkeit der Herzen der Gemeindeglieder.

Pfarrer Lothar Vierhock (Bild: privat)

Lothar Vierhock, 1956 geboren in Gera (Thüringen). Beruf: Facharbeiter für Bergbautechnologie, Bausoldat bei der NVA, Studium der Theologie/Philosophie am Philosophisch-Theologischen Studium in Erfurt. Priesterweihe 1984 in Dresden; Wirkungsstätten in Zwickau/Sachsen, Erfurt, Dresden, Leipzig und Hongkong. Jetzt Pfarrer der Deutschsprachigen Katholischen St. Elisabeth-Gemeinde in Moskau und Religionslehrer an der Deutschen Schule Moskau. Engagiert beim Malteser-Hilfsdienst Moskau.

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Vierhock, wie sieht kirchliches Leben in Ihrer Gemeinde aktuell aus?

Lothar Vierhock: Seit reichlich vier Wochen können auch wir in Moskau aufgrund der Corona-Pandemie keine öffentlichen Gottesdienste und Veranstaltungen abhalten. Das Verständnis für diese Maßnahme ist sehr groß. Nunmehr feiern wir unsere Gottesdienste über das Internet, also online. Der „Vorteil“: Auch unsere Gemeindemitglieder, die derzeit nicht in Moskau sind, können an der Heiligen Messe und am anschließenden Gemeindeplausch teilnehmen, ebenfalls unsere Kranken, vor allem unsere älteren Menschen, die nicht mehr zum Gottesdienst kommen können. Natürlich leiden viele darunter, nur „geistlich“ kommunizieren zu können.

Jeweils Mittwochs „treffen“ wir uns online zu Begegnung und Austausch. Täglich um 19.00 Uhr beten wir das Gebet des Herrn und bitten darin für die an Corona Erkrankten und Infizierten, für ihre Angehörigen und für alle Helferinnen und Helfer. Wir bitten, dass Gott diese Geisel bald von uns nehmen möge. Natürlich bleiben die privaten Kontakte – auf Distanz gehalten – weiterhin erhalten.

Rogate-Frage: Die Russisch-orthodoxe Kirche feierte vor wenigen Tagen das Osterfest. Wie anders wurden die Feiertage in Moskau begangen und welche Einschränkungen gibt es aktuell?

Lothar Vierhock: Wie wir, so konnten auch unsere orthodoxen Geschwister ihr Osterfest am vergangenen Sonntag nicht öffentlich miteinander feiern. Aus der Christ-Erlöser-Kirche, der Hauptkirche der Orthodoxie in Russland, wurde der feierliche Gottesdienst im Fernsehen übertragen. Viele Gläubigen haben diese Feier mitverfolgen können. Am Morgen des orthodoxen Ostersonntags habe ich viele Grüße erhalten: „Christus ist auferstanden!“ – „Christus ist wahrhaft auferstanden!“

Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu vermeiden gilt: Kontakt zum Nächsten nur mit 1,5 Metern Abstand. Man kann sich von seiner Wohnung aus im Umkreis von 100 Metern frei bewegen, um Wichtiges zu erledigen: Einkauf, Bank, Arzt und Apotheke. Weitere Wege, die durchaus bedeutsam sind, müssen beantragt werden. Das funktioniert meines Wissens unbürokratisch.

Rogate-Frage: Was beschäftigt Sie persönlich im Moment besonders und wie hat sich Ihr Leben verändert?

Lothar Vierhock: Mich beschäftigt sehr, wie wir als Gemeinde weiterhin gut vernetzt bleiben. Niemand soll sich am Virus infizieren und erkranken. Da ich auch als Religionslehrer an der Deutschen Schule in Moskau tätig bin, unterrichte ich online meine Schülerschaft. Ich bin ein durchaus sozialer Mensch. Mir fehlt der direkte Kontakt zu meinen Mitmenschen. Mir fehlt die gemeinsame Feier der Gottesdienste. Die Sorgen von Gemeindemitgliedern bewegen mich ebenso.

Rogate-Frage: Welche Hoffnung trägt Sie durch diese Zeit und was können Sie Ihrer Gemeinde mitgeben?

Lothar Vierhock: Mich trägt in dieser Zeit vor allem mein Glaube. Manchmal wird er auch durch verschiedene Umstände kritisch hinterfragt. Da ermutigt mich das Beispiel vieler Mitmenschen und Freunde, die mich durch ihr Vorbild widerum ermutigen. Das verbindende Gebet trägt in dieser Zeit. Ich schreibe einmal in der Woche einen Newsletter an die Gemeinde. Darin versuche ich, im Glauben zu ermutigen, neue Chancen und Möglichkeiten zu sehen und sie zu realisieren. Was ich nicht kann, was ich aber sehr gut vorbereite, ist, durch den Gottesdienst die Herzen der Gemeindemitglieder mit Freude und Hoffnung in Jesus Christus zu erfüllen.

Rogate-Frage: Würden Sie uns ein Gebet schenken?

Lothar Vierhock: Allmächtiger Gott, dir ist nichts verborgen. Du kennst uns und unsere Sorgen und Nöte. Du hast dich uns als der „Gott mit uns“ geoffenbart, vor allem in Jesus Christus, deinem Sohn. Er war besonders für die Menschen da, die seiner Hilfe bedurften. In seiner Auferweckung hast du uns Zeugnis gegeben, dass du ein Gott des Lebens bist. In der Sendung des Heiligen Geistes, schenkst du uns Hoffnung und Stärke. Dafür danken wir dir aus ganzem Herzen.

Herr, unser Gott, unser guter Wille reicht nicht aus und unsere Hände für eine wirksame Hilfe greifen mitunter zu kurz. Stärke unsere Hoffnung in dieser Krise. Beende in Kürze die Pandemie. Sei allen Kranken und Leidenden, besonders den am Corona-Virus Erkrankten, nahe. Hilf dort, wo Menschen nicht mehr weiterwissen. Unterstütze alle Bemühungen um Frieden und um mehr Gerechtigkeit in unserer Welt. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus im Heiligen Geist.

Rogate: Amen. Vielen Dank, Herr Pfarrer Vierhock, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Angesichts der Corona-Pandemie können wir leider keine verlässlichen Angaben machen, wann wir wieder zu Rogate-Gottesdiensten in Berlin oder Veranstaltungen wie dem Wangerlandsofa in Friesland einladen können. Der Eröffnungsgottesdienst zum diesjährigen Stadtfest des Regenbogenfonds ist abgesagt. Die nächsten (geplanten) Rogate-Termine finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Schwester Agnes Grasböck, Ashwood in Südafrika

Fünf Fragen an Schwester Agnes Grasbröck, Convent Mariannhill Ashwood/Südafrika, über Engagement in Südafrika in der Corona-Pandemie, die Versorgung der Menschen vor Ort und die Hoffnung auf das Wiedersehen in der Gemeinde.

Schwester Agnes Grasbröck (Bild: privat)

Schwester Agnes Grasbröck wurde 1938 in Oberösterreich geboren. Sie arbeitete als Fürsorgerin in Wels. 1962 trat sich ins Missionskloster Wernberg in Kärnten/Österreich ein. Seit 1981 lebt sie in Südafrika und arbeitet als als Religionslehrerin in der deutschen Schule. Sie setzt sich für das ökumenische Engagement in den Gemeinden in Pinetown ein, dazu gehört die Sorge für die Armen durch die monatliche Lebensmittelausgabe und interreligiöse Kommunikation.

Rogate-Frage: Schwester Agnes, wie ist es gekommen, dass Sie als Ordensfrau in Südafrika leben und wirken?

Sr. Agnes Grasböck: Beim Eintritt in das Missionskloster Wernberg war es mein Wunsch in die Mission zu gehen, um den Menschen zu Gott zu führen. Zuerst war ich bis 1981 als Religionslehrerin in Österreich tätig und kam dann hier nach Mariannhill. Hier konnte mich dann pastoral, auch sozial in der deutschsprachigen Gemeinde und darüber hinaus einsetzen.

Rogate-Frage: Wie sieht gemeindliches Leben bei Ihnen vor Ort normalerweise aus und was hat sich durch die Corona-Pandemie verändert?

Sr. Agnes Grasböck: Mit der deutschsprachigen Gemeinde feiern wir monatlich einen Gottesdienst in deutscher Sprache. Zwischendurch besuche ich Familien, Alleinstehende, kranke und ältere Leute. Zurzeit sind wir „eingesperrt“. Zuerst sollte es nur bis zum 17. April sein, nun wurde „Lockdown“ noch für zwei Wochen verlängert.

Wir versuchen, telefonisch und über Mails in Verbindung zu bleiben. Gottesdienste können über Fernsehen mitgefeiert werden. Online gibt es Anleitungen zu Hausgottesdiensten. In uns lebt die Hoffnung, auf ein gesundes Wiedersehen…. Hoffentlich bald.

Rogate-Frage: Wie ist das Gesundheitswesen in Ihrer Region aufgestellt und wie gehen die Menschen mit den Einschränkungen um?

Sr. Agnes Grasböck: In Südafrika wurde gute Vorsorge getroffen: Es gibt ein Ausgehverbot, nur Lebensmittel und Arznei dürfen geholt werden. Die Todesfälle durch Corona sind hier im Verhältnis niedrig, aber das kann noch steigen. Für Menschen die positiv, aber nicht krank sind, werden Quarantäneplätze gesucht, zum Beispiel in Hotels und Gästehäusern et cetera.

Durch die Einschränkungen gibt es viele Arbeitslose, die Einbrüche steigen und viele Menschen wissen nicht, wie sie sich noch länger versorgen können. Es gibt aber auch eine Reihe von Hilfsaktionen, nur erreichen sie nicht alle, die Lebensmittel brauchen würden.

Rogate-Frage: Was macht Ihnen Hoffnung und was möchten Sie gern nach der Pandemie tun?

Sr. Agnes Grasböck: Hoffnung macht mir der große Glaube und das Gebet so vieler Menschen, auch der Zusammenhalt auch über äußere Entfernungen. Wir von der deutschsprechenden Gemeinde freuen uns, auf den nächsten möglichen Gottesdienst. Hoffentlich ist er am 10. Mai und wir werden in Dankbarkeit einander ansehen und miteinander Gott für die Rettung danken.

Rogate-Frage: Schenken Sie uns ein Gebet?

Sr. Agnes Grasböck: Guter Gott, du hast uns alle erschaffen und willst unser Wohlergehen und unser Glück. Schau auf unser in dieser Not. Lass uns aus dieser Krise neu herausgehen. Wir loben und preisen dich und möchten dir und einander in Liebe, Wertschätzung und Aufmerksamkeit dienen. Amen.

Rogate: Amen. Vielen Dank, liebe Schwester Agnes, für das Gespräch.

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Fünf Fragen an: Pfarrer Stephan Gras, Pfarrei St. Albertus Magnus Barcelona

Fünf Freitagsfragen an Pfarrer Stephan Gras, Deutschsprachige katholische Pfarrei Sankt Albertus Magnus, über die aktuelle Situation in Barcelona, Ärzte, die kaum noch schlafen können, und über die praktizierte geistliche Kommunion in der Coronakrise.

Pfr. Stephan Grass (Bild: Benjamin Dahlhoff)

Seit September 2018 ist Stephan Gras Pfarrer von Sankt Albertus Magnus in Barcelona. Geboren 1967, aufgewachsen in Bad Soden am Taunus. Studium in Frankfurt am Main und in München. Weihe zum Diakon 1992 in Braunfels an der Lahn. Priesterweihe 1993 im Limburger Dom. Kaplan in drei Frankfurter Gemeinden: Schwanheim, Goldstein und Bornheim. Nach seiner Kaplanszeit arbeitete Gras 1999 mehrere Monate in Argentinien in der Urwaldprovinz Misiones in einer Pfarrei direkt an der Grenze zu Brasilien. “Eine meiner Leidenschaften sind rege Kontakte nach Lateinamerika, wo ich auch unterschiedliche Länder bereist habe”, sagt Gras. 2000 bis 2018 war Stephan Gras Pfarrer der spanischsprachigen Gemeinde für den Westteil des Bistums Limburg mit Sitz in Wiesbaden. Darüber hinaus war er über 11 Jahre Priesterlicher Leiter des Pastoralen Raums Oestrich-Winkel im Rheingau mit vier Pfarreien. 2012 bis 2018 war Stephan Gras stellvertretender Stadtdekan von Wiesbaden.

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Gras, seit wann und wie hat die Corona-Pandemie Ihr Leben verändert und wie gehen Sie damit um?

Stephan Gras: Gerade Spanien und insbesondere die beiden größten Städte Madrid und Barcelona sind hart von der Corona-Pandemie betroffen. Seit 13. März gilt eine strikte Ausgangssperre. Nur Einkäufe in Lebensmittelgeschäften, Apotheken und Tabakwarenläden sind möglich, und auch die nur unter Auflagen. Es gibt viele Polizeikontrollen, da man das eigene Stadtviertel praktisch nicht verlassen darf. Um zur Arbeit zu gelangen, werden Passierscheine benötigt.

Vieles am Leben hier in Barcelona hat sich massiv verändert. Das Leben der Stadt pulsiert nicht mehr. Die Straßen sind fast leer.

Für mich als Pfarrer ist es schon sehr ungewohnt, praktisch keine täglichen Begegnungen im Umfeld der Gemeinde zu haben. Anfangs waren noch unsere beiden Freiwilligen mit vor Ort, die hier nach dem Abitur einen „Anderen Dienst im Ausland“ geleistet haben; aber die mussten dann nach Deutschland zurück.

Rogate-Frage: Wie ist die Situation an Ihrem Wohnort und wie ist das Gesundheitssystem in Ihrer Region aufgestellt?

Stephan Gras: Ich wohne drei Blocks von der Sagrada Familia entfernt. Normalerweise ist dieses Viertel von Touristen geprägt und sehr lebendig. Aber schon seit Wochen sind die zahlreichen Bars, Restaurants und alle Geschäfte, die nicht der sogenannten Grundversorgung dienen, geschlossen.

Gerade hier in Spanien findet das Leben auf der Strasse, in den zahlreichen Parks und in den Bars statt. Auch viele Senioren und Nachbarn treffen sich hier. Manche von den älteren Mitbürgern, die nur eine geringe Rente haben, bringen sich dann auch ihr belegtes Brot von zu Hause mit und bestellen sich nur den Kaffee; das ist hier in traditionellen Bars üblich. All das findet derzeit nicht statt.

Insbesondere im Blick auf die gesamte Tourismus- und Gastronomiebranche werden hier harte Zeiten bevorstehen. Es ist eine offene Frage, wie viele das wirtschaftlich überstehen. Die Ausgaben für die Miete faktisch nicht genutzter Gewerbeflächen laufen ja weiter.

Das Gesundheitssystem hier in Barcelona ist an der Grenze der Belastbarkeit, sogar teilweise schon darüber. Es gibt Krankenhäuser in der Stadt, die zusätzliche Gebäude, etwa leerstehende Hotels, mitnutzen, um Patienten versorgen zu können.

Das medizinische Personal ist ausgepowert, so deutlich muss man es sagen. Ich kenne Ärzte, die kaum noch schlafen können.

Auch die Situation in den Seniorenheimen ist nicht besser. Ich stehe in Kontakt mit Bewohnern, die seit Wochen ihre Zimmer nicht mehr verlassen dürfen, weil das Virus bereits im Haus ist. Auch Besuche sind ebenso wie in Krankenhäusern nicht möglich. Ich kann das Pflegepersonal und die Ärzteschaft nur bewundern. Der abendliche Applaus von den Balkonen und Fenstern der Stadt ist hochverdient.

Rogate-Frage: Wie findet in dieser Zeit noch Gemeindeleben statt und was beschäftigt aktuell die Mitglieder Ihrer Gemeinde?

Stephan Gras: Das Leben in unserer deutschsprachigen katholischen Gemeinde findet derzeit vor allem in den einzelnen Häusern und Wohnungen statt. Kontakte sind praktisch nur virtuell oder telefonisch möglich. Es ist hier in Spanien im Gegensatz zu einigen deutschen Bundesländern nicht erlaubt, Spaziergänge im Kreis derer, die sich eine Wohnung teilen, zu unternehmen. Faktisch bedeutet dies, dass Familien, die in einer Stadtwohnung ohne Garten leben, schon seit Wochen kreativ sein müssen, damit die häusliche Beschulung der Kinder, das Homeoffice der Eltern und alles weitere funktionieren.

Für die Seelsorge in der Gemeinde bedeutet dies vor allem Kontakt über Telefon und digitale Medien. Die Liturgie der Osternacht haben wir virtuell stattfinden lassen: Menschen aus der Gemeinde haben Videoclips der Lesungen, Fürbitten et cetera erstellt, und wir haben daraus einen Film gemacht. Auf diese Weise kamen zum Beispiel Lektoren, Ministranten und Firmlinge zu Wort, obwohl wir uns ja persönlich nicht begegnen dürfen. Dieser Film wurde in der Osternacht mehr als 90 Mal abgerufen.

Die Mitglieder der Gemeinde beschäftigt die Frage, was nach dem Lockdown sein wird. Wann wird eine Rückkehr zur Normalität möglich sein? Wie wird sich diese sogenannte Normalität gestalten? Viele befürchten eine Pleitewelle rund um die Tourismusbranche und einen Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Auch gibt es zum Beispiel viele Großeltern, denen die Begegnung mit ihren Enkelkindern fehlt. Besonders an Ostern war das für viele schmerzlich spürbar.

Die Erstkommunion mussten wir von Pfingsten in den September verlegen. Normalerweise bietet unsere Gemeinde auch Sommerfreizeiten für Kinder und Jugendliche an. Wir haben ein eigenes Haus mit 60 Betten etwa 100 Kilometer von der Stadt entfernt im Landesinneren. Ob und wie das in diesem Sommer genutzt werden kann, ist völlig offen.

Und dann steht natürlich der massive Wunsch der Menschen in der Gemeinde im Raum, sich endlich wieder zu begegnen: zum Gottesdienst mit anschließendem Café im Pfarrsaal und bei den verschiedenen Aktivitäten.

Rogate-Frage: Was wollen Sie nach der Pandemie machen? Haben Sie Pläne?

Stephan Gras: Erst einmal einen Dankgottesdienst feiern. Alles Weitere findet sich.

Rogate-Frage: Gibt es Lieder, Texte oder Bibelstellen, die Ihnen in dieser Zeit besonders wichtig geworden sind?

Stephan Gras: Es gibt hier in Spanien sozusagen eine Hymne um durchzuhalten: „Resistiré„. Das ist ein Lied aus den Achtzigern und heißt in etwa: „Ich halte durch“

Mir persönlich wichtig geworden, ist der Gedanke der sogenannten „geistlichen Kommunion“; also der innigen Gemeinschaft mit Christus ohne an der Eucharistie teilnehmen zu können. Faktisch ist das hier ja für die Mitglieder unserer Gemeinde derzeit nicht möglich.

Darüber hinaus ist für mich entscheidend, die Hoffnung nicht zu verlieren und ein Stück Humor zu bewahren. Meinen Primizspruch habe ich vor mehr als 26 Jahren dem ersten Petrusbrief (1. Petrus 3,15) entnommen: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“ Den habe ich neu schätzen gelernt.

Rogate: Vielen Dank, Herr Pfarrer Gras, für das Gespräch.

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Angesichts der Corona-Pandemie können wir leider keine verlässlichen Angaben machen, wann wir wieder zu Rogate-Gottesdiensten in Berlin und Veranstaltungen wie dem Wangerlandsofa in Friesland einladen können. Der Eröffnungsgottesdienst zum diesjährigen Stadtfest des Regenbogenfonds ist abgesagt. Die nächsten (geplanten) Rogate-Termine finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Pfarrer Andreas Blum, Gemeinde St. Bonifatius London

Fünf Fragen an Pfarrer Andreas Blum, Deutschsprachige Katholische Gemeinde St. Bonifatius London, über die Leere der Kirchen an Ostern, die Bedeutung persönlicher Begegnung in einer Auslandsgemeinde und existentielles Reden von Gott.

Pfarrer Andreas Blum (Bild: A. Karpinski)

Pfarrer Andreas Blum (53) stammt aus Bensberg bei Köln und studierte in Bonn und Canterbury Katholische Theologie. Nach vielen Jahren als Schulseelsorger und Geistlicher Mentor Theologiestudierender im Erzbistum Köln, wurde er 2017 Pfarrer der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde St. Bonifatius in London. Er engagiert sich darüber hinaus für die „Arche“ (Lebensgemeinschaften für Menschen mit und ohne geistige Behinderungen) sowie in der Exerzitienbegleitung (Schwerpunkt: Film).

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Blum, wie haben Sie dieses Jahr Ostern feiern können?

Die Kirchen im Vereinigten Königreich müssen in diesen Tagen geschlossen bleiben und dürfen auch nicht für das Gebet Einzelner zugänglich gemacht werden. Diese Leere der Kirchen hat etwas von einem andauernden Karsamstag. Am Ostermorgen habe ich mich dann vor allem in der Klage der Maria von Magdala wiedergefunden: „Man hat meinen Herrn weggenommen.“ (Johannes-Evangelium 20,13). In diesem Jahr fehlte der Leib Christi in Gestalt der versammelten Gemeinde (1. Korintherbrief 12,27), und mit Maria habe ich zu verstehen versucht, was es heißen kann, nicht an dem Vertrauten und Liebgewonnenen festhalten zu sollen, sondern das österliche Leben im ganz anderen wiederzufinden. Die Antwort wird reifen müssen.

Rogate-Frage: Was hat sich durch die Corona-Pandemie für Ihre Gemeinde und Sie verändert und wie gehen Sie damit um?

Andreas Blum: In einer Auslandsgemeinde ist die Zusammenkunft und das Teilen von Sprache, Kultur und Speisen aus der Heimat ein wesentlicher Grundvollzug. Sich als Gruppe zu erleben, bietet Halt und Sicherheit in fremder Umgebung. Da unsere Gemeindemitglieder weit verstreut im Großraum London leben, haben wir Erfahrung im Umgang mit räumlicher Distanz, aber wir wissen eben auch um die Bedeutung einer Begegnung, die nicht durch Telefon und Bildschirm ersetzt werden kann.

Besonderes Augenmerk gilt in diesen Tagen unseren Senioren und ihrer Versorgung, sowie denen, die unter Einsamkeit und Zukunftsängsten leiden. Sie werden regelmäßig kontaktiert. Wir haben eine Sonderausgabe unseres Pfarrbriefs mit nützlichen Hinweisen, Anregungen und Ermutigungen erstellt, nicht zuletzt für jene, die digital nicht leicht zu erreichen sind. Wir bieten auf unserer Homepage eigene Gottesdienstvorschläge für jeden Sonntag an und haben zu Ostern ein Video montiert, in dem sich die Gemeinde mit Gebeten und Liedern von Haus zu Haus grüßt. Wir versuchen, in konkreter Verbindung zu bleiben.

Rogate-Frage: Wie nehmen Sie die aktuelle Situation in London wahr und wie geht die Bevölkerung damit um?

Andreas Blum: Bis vor kurzem galt das Vereinigte Königreich noch als gespaltenes Land (Stichwort: Brexit). Erstaunlich schnell und einmütig hat man sich jetzt jedoch hinter den Institutionen des Landes versammelt. Den regierungsamtlichen Anordnungen und Empfehlungen wird willig Rechnung getragen, beim Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) meldet sich ein Heer von freiwilligen Helfern und die Queen ordnet in ihrer unangefochtenen Autorität den historischen Moment für die ganze Nation ein. Direkte Kontakte in zwei große Krankenhäuser im Zentrum der Stadt berichten davon, dass die Anspannung groß sei – aber von einer Überforderung oder gar einem Kollaps des Systems, wie er in manchen deutschen Medien an die Wand gemalt wird, kann zur Stunde glücklicherweise nicht die Rede sein. Auf der Straße kommen jetzt eingeübte Tugenden wie das geduldige Schlangestehen oder die aus Höflichkeit bewahrte Distanz voll zum Tragen.

Rogate-Frage: Was können wir als europäische Christen aus der Situation lernen und in die Zukunft tragen?

Andreas Blum: Mitten in einer Krisenbewältigung mit unbekanntem Ausgang ist es kaum möglich, bereits nachhaltige Rückschlüsse für die Zukunft zu formulieren. Wo die einen noch hoffen, möglichst bald zu ihrem früheren Leben zurückzukehren, glauben andere, dass nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. Die Wahrheit mag irgendwo dazwischen liegen, aber das kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keiner wissen. Auf den Prüfstand wird unser Verhältnis zur Schöpfung gehören, das sich weder in Ausbeutung noch Schwärmerei verlieren darf. Die Erkenntnis, dass auch der moderne Mensch nicht der Herr allen Lebens ist, führt uns vielleicht zu neuer Demut und Dankbarkeit. Nicht zuletzt aber verlangt eine existentielle Krise von uns Christen auch ein existentielles Reden von Gott. Mit Schweigen oder Floskeln wird es nicht getan sein.

Rogate-Frage: Würden Sie uns ein Gebet schenken?

Andreas Blum:

Statt Angst – das „Fürchtet euch nicht“ des Auferstandenen.
Statt Strafe – die Barmherzigkeit und Vergebung Gottes.
Statt Tod – das Leben.
Das ist Ostern.

Guter Gott,
lass dein österliches Licht auch in diesen Tagen leuchten,
in denen wir voll Sorge in eine ungewisse Zukunft schauen.
Du hast dich über unzählige Generationen
als der Gott an der Seite des Menschen erwiesen.
Stärke, führe und begleite auch uns
durch Leben und Tod
in Christus, unserem Herrn.
Amen.

Rogate: Amen. Vielen Dank, Herr Pfarrer Blum, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Angesichts der Corona-Pandemie können wir leider keine verlässlichen Angaben machen, wann wir wieder zu Rogate-Gottesdiensten und Veranstaltungen wie dem Wangerlandsofa einladen können. Die nächsten geplanten Termine finden Sie hier.

Einladung zum Vortrag „Frieden und Toleranz in der römisch-katholischen Militärseelsorge“ am 5. September

Über „Frieden und Toleranz in der römisch-katholischen Militärseelsorge“ wird am Donnerstag, 5. September, Militärdekan Msgr. Bernward Mezger im Küstenmuseum Wilhelmshaven sprechen. Mezger steht als Geistlicher dem Katholischen Militärpfarramt Hamburg II in der Führungsakademie der Bundeswehr vor. Er vertritt Militärdekan Rainer Schadt aus Kiel, der ursprünglich als Referent angekündigt war.

Militärdekan Msgr Bernward Mezger (Bild: privat)

Der Vortragsveranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms zur Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt. 150 Jahre religiöse Vielfalt an der Jade.“ Sie beginnt um 19:00 Uhr in der ehemaligen Jahnhalle, Weserstraße 58. Einlass ist ab 18:30 Uhr.

Das Rahmenprogramm „Frieden und Toleranz“ findet in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Erwachsenenbildung Niedersachsen (EEB) und der Katholischen Erwachsenenbildung Wilhelmshaven Friesland Wesermarsch e.V. (KEB) statt.

Die Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt.“ ist ein Projekt der AG „Religionenhaus Wilhelmshaven“ und des Demokratieprojektes „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“ des Förderprogramms „MITEINANDER REDEN“. Sie wird gefördert vom Ev.-luth. Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, Aktion Mensch, der Volksbank Wilhelmshaven eG, der Ja-Wir-Stiftung, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven, der Dr. Buhmann Stiftung und dem Rogate-Kloster Sankt Michael.

Informationen: wilhelmshavenglaubt.de

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Willkommen zu unseren nächsten Gottesdiensten:

  • Mittwoch, 11. September 2019|19:00 Uhr, Politikerkanzel: „Was mich treibt?“ mit Bundestagsabgeordneter Lars Klingbeil (SPD-Generalsekretär). Liturgie: Bischof Matthias Ring, Bonn, und Br. Franziskus. Lektor*innen: Ingrid Klebingat und Carsten Feist. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Ort: Banter Kirche, Werftstr. 75, Wilhelmshaven-Bant. Bus-Line 2, Haltestelle „Banter Kirche“.
  • Donnnerstag, 12. September 2019 | 10:30 Uhr, Tiersegnung (Segnung der Bienen), Liturgie: Bischof Matthias Ring, Bonn. Ort: Haus der Diakonie, Wilhelmshaven.
  • Sonntag St. Michaelistag, 29. Sept. 2019|10:00 Uhr, Eucharistie zum Monat der Diakonie. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche.
  • Mittwoch, 3. Oktober 2019 | 15:00 Uhr, Segensgottesdienst für Mensch und Tier. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche. Zusammen mit der Alt-katholischen Gemeinde Berlin.

Einladung zum Vortrag „Frieden und Toleranz in der Römisch-Katholischen Kirche“ am 29. August

Über „Frieden und Toleranz in der Römisch-Katholischen Kirche“ wird am Donnerstag, 29. August, Offizial und Weihbischof Wilfried Theising im Küstenmuseum Wilhelmshaven sprechen. Der Vortrag ist Teil des Rahmenprogramms zur Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt. 150 Jahre religiöse Vielfalt an der Jade.“ Die Veranstaltung beginnt um 19:00 Uhr in der ehemaligen Jahnhalle, Weserstraße 58.

Offizial und Weihbischof Wilfried Theising (Bild: Bischöflich Münstersches Offizialat) 

Theising repräsentiert seit 2016 die bischöfliche Amtsgewalt des Diözesanbischofs im Offizialatsbezirk Oldenburg und ist Leiter der kirchlichen Oberbehörde „Bischöflich Münstersches Offizialat“ (BMO) in Vechta.

Das Rahmenprogramm „Frieden und Toleranz“ findet in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Erwachsenenbildung Niedersachsen (EEB) und der Katholischen Erwachsenenbildung Wilhelmshaven Friesland Wesermarsch e.V. (KEB) statt.

Die Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt.“ ist ein Projekt der AG „Religionenhaus Wilhelmshaven“ und des Demokratieprojektes „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“ des Förderprogramms „MITEINANDER REDEN“. Sie wird gefördert vom Ev.-luth. Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, Aktion Mensch, der Ja-Wir-Stiftung, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven, der Dr. Buhmann Stiftung und dem Rogate-Kloster Sankt Michael.

Informationen: wilhelmshavenglaubt.de

Pressespiegel: „Wie Menschen in Wilhelmshaven seit 150 Jahren glauben“

Kirche + Leben

Screenshoot Kirche+Leben

„Vielleicht ist das anrührendste Ausstellungsstück: eine Bibel auf Vietnamesisch. Wie kommt sie in die Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt. 150 Jahre religiöse Vielfalt an der Jade“? Flüchtlinge aus Vietnam haben sie leihweise zur Verfügung gestellt, Katholiken, die vor 40 Jahren vor dem Terror der kommunistischen Regierung flohen – in kleinen Booten aufs Meer. „Boat people“ hießen sie damals. Sie hofften, dass Retter sie aufnehmen würden.“

Den Artikel vom 3. August 2019 finden Sie hier.

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten:

  • Mittwoch, 21. August 2019|19:00 Uhr, Politikerkanzel: „Was mich treibt?“ mit der Präsidentin des Niedersächsischen Landtages, Dr. Gabriele Andretta (SPD). Lektor*innen: Ingrid Klebingat und Carsten Feist. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Ort: Banter Kirche, Werftstr. 75, Wilhelmshaven-Bant. Bus-Line 2, Haltestelle „Banter Kirche“.
  • Mittwoch, 28. August 2019|19:00 Uhr, Politikerkanzel: „Was mich treibt?“ mit Bundestagsabgeordneter Katja Keul (Bündnis 90/Die Grünen). Lektor*innen: Brigitte Mittelstädt und Christoph Ehlers. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Ort: Banter Kirche.
  • Mittwoch, 4. September 2019|19:00 Uhr, Politikerkanzel: „Was mich treibt?“ mit Ratsherr Dr. Michael von Teichman (FDP). Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Lektor*innen: Florian Wiese und Hilke Schwarting-Boer. Ort: Banter Kirche.
  • Mittwoch, 11. September 2019|19:00 Uhr, Politikerkanzel: „Was mich treibt?“ mit Bundestagsabgeordneter Lars Klingbeil (SPD-Generalsekretär). Liturgie: Bischof Matthias Ring, Bonn. und Br. Franziskus. Lektor*innen: Ingrid Klebingat und Carsten Feist. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Ort: Banter Kirche.

Informationen: Politikerkanzel.de

Fünf Fragen an: Lutz Müller, Pater der Societas Jesu

Fünf Freitagsfragen an Pater Lutz Müller, Societas Jesu, über seinen Weg in den Orden, den Märtyrer Frans van der Lugt und eine bunte Willkommenswohngemeinschaft in Essen.

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Pater Lutz Müller (Bild: Ulrich Püschmann)

Lutz Müller SJ stammt aus der Neustadt/Weinstraße in der Rheinpfalz, wurde Jesuit und Priester, studierte in München, Frankfurt und Chicago. Er engagiert sich für Menschen in Notlagen (psychisch, physisch, spirituell).

Rogate-Frage: Pater Müller, warum sind Sie Priester, Ordensmann und Jesuit geworden?

Lutz Müller: Mein geistlicher Weg führte über das Herz-Jesu-Kloster in Neustadt an der Weinstraße. Bei den Herz-Jesu-Priestern sah ich, wie ein überzeugendes Engagement für die Menschen aussah, grundgelegt durch eine Ausrichtung auf Gott, einer Arbeit in der Kirche und einem überzeugenden Lebensstil. Diese Männer hatten eine enorme Ausstrahlung! Ebenso lernte ich die KSJ (Katholische Studierende Jugend im BDKJ/Bund der katholischen Jugend) kennen, was eine einzigartige Erfahrung war, weil meine Kirche und mein Freundeskreis sich deckten. Wir feierten nicht nur viele Partys und machten tolle Ausflüge, sondern wir bereiteten auch Jugendgottesdienste vor, mit denen ich mich identifizieren konnte; und wir hatten viele Gruppenstunden, die richtig Spaß machten. Zusätzlich waren diese Gruppenstunden informativ, lernten wir doch viel über die Beziehungen zwischen reichen und armen Ländern. Die Themen Entwicklungshilfe und kirchliche Initiativen, Welthandel und Gerechtigkeit, Kirchenbilder und Glaubenswelten spielten eine große Rolle. Ich unterschätzte die Prägekraft dieser Aktivitäten völlig.

Als ich nämlich einige Zeit später eine Lehre zum Bankkaufmann in einer großen Geschäftsbank begann, wurde mir der Unterschied in den Wertewelten sofort klar. Ansagen wie „Das persönliche Konto ist das Persönlichste des Menschen!“, oder „Wir wollen das Beste unserer Kunden, nämlich ihr Geld!“ zeigten mir, dass ich in die Welt geraten war, die für die Ausbeutung der Armen in der Dritten Welt mitverantwortlich war. Auf einmal hieß es Umsatzsteigerung statt Solidarität und Profitorientierung anstelle von Nächstenliebe. Mir wurde klar: Ich hatte die Seiten gewechselt! Plötzlich arbeitete ich bei denen, die die Monokulturen in der Landwirtschaft förderten, Atomkraftwerke finanzierten und mit denjenigen politischen Eliten zusammenwirkten, die Demokratie aushebelten und die Rechte von Ureinwohnern, Slumbewohnern und Armen unterdrückten.

Ich geriet so in eine persönliche Krise. Zunächst musste ich mir klarmachen, dass eine abgebrochene Banklehre weder eine Antwort darstellte, noch irgendjemandem nützen würde. Also machte ich mit der Ausbildung weiter, besann mich aber auf meine Erfahrungen im Herz-Jesu-Kloster und begann, die Ordenslandschaft in Deutschland zu untersuchen. Ich war auf der Suche nach einer Lebensform, die meinen Glauben und die Fragen nach Gerechtigkeit miteinander vereinbaren konnte. Bei meinen Sondierungen unter den Männerorden stieß ich bald auf die Jesuiten. Ich war überzeugt, dass sie eine Perspektive für mein Leben darstellten. Nach dem Ende der Banklehre trat ich dort ein.

Ich wurde also zuallererst Ordensmann. Bei den Jesuiten sah ich meine Anliegen für Glaube und Gerechtigkeit, Spiritualität und Engagement, als Kirche um der Menschen willen, gut aufgehoben.

Der Jesuitenorden heißt Societas Jesu (daher das Ordenskürzel SJ), was auf Deutsch bedeutet: Gesellschaft Jesu. Die Männer in diesem Orden wissen sich zu Gefährten Jesu berufen. Als solche Männer sind sie zum Dienst an Anderen ausgesandt. Die Priesterweihe ist ein Ausdruck dieser Berufung. Sie ist eine Form des Dienstes in der Kirche. Ein solcher Gefährte Jesu zu sein, macht mich glücklich.

Rogate-Frage: Wie kommt es, dass sich Ihr Orden weltweit mit großem Engagement für Geflüchtete einsetzt?

Lutz Müller: Unser Ordensgeneral P. Pedro Arrupe SJ gründete 1980 den Jesuit Refugee Service (JRS), den Jesuitenflüchtlingsdienst. Dieser sollte auf die Zeichen der Zeit antworten, das heißt akut auf die Nöte der vietnamesischen Boat People eingehen. Unser Ordensgründer, Ignatius von Loyola (1491-1556), ließ sich auch zu seinen Lebzeiten von den Anforderungen seiner Zeit leiten. Er hatte nicht geplant, die Katholische Reform in Europa zu unterstützen, denn ihm hatte eher ein Wanderpredigerleben seiner Ordensbrüder vorgeschwebt. Aber die Kirche in Europa stöhnte unter den Folgen der Reformation, und sie litt unter ihren eigenen Defiziten. Ignatius erkannte, dass gut ausgebildete Priester hier helfen könnten. Also änderte er sein Konzept. Entsprechend formulierten die Jesuiten im 20. Jahrhundert, dass Jesuiten eher dorthin gehen sollten, wo andere nicht hingehen konnten oder wollten. Diese Haltung führte zur Gründung des JRS und zum Engagement für Geflüchtete. Diese Parteinahme geschieht auf verschiedenen Ebenen:

  1. Durch direkten Kontakt mit Flüchtlingen in den Lagern an der Front,
  2. die Sorge um menschliche Entwicklung, Ausbildung und Förderung in den Lagern (Erstaufnahme, Transit, Abschiebehaft),
  3. anwaltliche Vertretung und juristische Hilfen in Drittländern.

Das spiegelt das Grundanliegen des JRS wider: Serve, Accompany, Advocate.

Rogate-Frage: Sie haben eine Willkommenskommunität in Essen gegründet. Was steckt hinter dieser Idee? Warum haben Sie das Haus nach Pater Frans van der Lugt benannt?

Lutz Müller: Pater Frans van der Lugt SJ war ein Mitbruder aus den Niederlanden, am 10. April 1938 geboren in Den Haag. Er trat 1959 in den Orden ein, absolvierte von 1964-1966 seine Arabischstudien in Beirut/Libanon, wurde 1971 zum Priester geweiht und lebte von 1966 – 2014 in Damaskus und Homs, Syrien. Er war in Amsterdam aufgewachsen und ausgebildeter Psychotherapeut. In Homs arbeitete er unter anderem mit Menschen mit Behinderungen, obdachlosen Jugendlichen und Kindern mit seelischen Schwierigkeiten. Dort gründete der Jesuit in den 1980er Jahren das Zentrum Al-Ard (Die Erde), in der junge Menschen mit seelischen Problemen und Menschen mit Behinderungen in der Landwirtschaft arbeiten konnten. Damit eröffnete er in einer Umgebung, in der Menschen mit Behinderungen teilweise versteckt wurden, vielen von ihnen und ihren Familien neue Lebensperspektiven. Zur Gemeinschaft gehörte ein spirituelles Zentrum als Ort des interreligiösen Dialogs.

So half er Menschen, miteinander als Christen und Muslime unterwegs zu sein. Mit seiner Wanderbewegung „Al Maseer“ (Der Weg) organisierte „Abuna Frans“ (Unser Vater Frans = Pater Frans) regelmäßig mehrtägige Wanderungen, in der er Menschen unterschiedlicher Herkunft und politischer Ansichten, verschiedenen Glaubens und sozialen Status zusammenbrachte. Er war davon überzeugt, dass die Menschlichkeit und das gemeinsame Erleben der Natur alle mehr verbinden und letztlich stärker sind als alles, was wir Menschen uns an Trennendem ausdenken. „Am Ende jeder Wanderung stellen wir fest, dass es keinen Menschen gibt, der nicht geliebt ist“, sagte er.

Nach Beginn des Kriegs in Syrien blieb Frans van der Lugt in Homs, auch nachdem die UNO alle europäischen Staatsangehörigen aus der umkämpften Stadt evakuiert hatte, und die katholische Gemeinde statt früher 10.000 nur noch rund 60 Angehörige umfasste. Nach der Zerstörung von Al-Ard lebte er in der Altstadt und versuchte, Lebensmittel für die hungernden Einwohner der belagerten Stadt zu organisieren. „Die Menschen in Syrien haben mit mir ihre Schätze und ihre Freude geteilt, jetzt teile ich auch ihre Leiden und ihre Trauer“, sagte Frans van der Lugt über seine Entscheidung, in Homs zu bleiben. Am 7. April 2014 wurde er von maskierten Männern aus seiner Unterkunft in der Ordenszentrale gezerrt und auf der Straße mit gezielten Schüssen getötet.

Als Mann des Friedens und der Verständigung, der bis zuletzt nicht Partei für eine politische Seite einnahm, war er in Syrien sehr bekannt und bei vielen Menschen sehr beliebt. Sein Tod wurde von vielen Syrern, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit, in und außerhalb Syriens sehr betrauert.

Seine Idee, über das gemeinsame Wandern in der Natur Liebe und Frieden untereinander zu fördern, lebt durch seine Freunde aus Homs jetzt auch in Deutschland und Europa weiter: Jährlich laden sie alle Interessierten zum „FransWandern“ ein.

Dieser Mann mit all seinen Facetten scheint uns ein gelungenes Vorbild zu sein für Verständigung, Kommunikation und Versöhnung. Ein von ihm überliefertes Motto lautet: „Ich sehe keine Christen und Muslime, ich sehe nur Menschen!“ Ein solches Leitmotiv eignet sich sehr für das Abuna-Frans-Haus!

Nun bauen wir in Essen auch einen solchen Ort auf. Unter einem Dach leben Menschen unterschiedlichen Alters, verschiedener Religionen, Konfessionen, Nationalitäten und Sozialisationen zusammen. Die Form ist die einer Wohngemeinschaft, einer WG. Das heißt wir haben keine Angestellten, sondern alle Arbeiten im und rund ums Haus werden von allen Bewohnern getragen.

Rogate-Frage: Wie funktioniert das Zusammenleben und welche Herausforderungen begegnen Ihnen?

Lutz Müller: Wir wollen die Vielfalt in Religion, Lebensstil, Herkunft und Kommunikation leben und nicht einfach nur den kleinsten gemeinsamen Nenner suchen. Wir empfinden dies selbst als ehrgeizig, die Verschiedenheiten auszuhalten, zu tolerieren, wertzuschätzen und einzubringen. Unterschiede dürfen sein und werden nicht schnell aufgelöst. Das ist manchmal anstrengend. Es kostet Kraft, immer wieder Alltägliches zu erklären, kulturelle Barrieren wahrzunehmen und auszuloten. Während wir beiden Jesuiten natürlich Leitung praktizieren, bieten wir den Geflüchteten die Beziehung zu uns an, um sich besser zu integrieren. Wir begleiten Lernprozesse in Sprache, Kultur, Ausbildung, Festtraditionen und Alltag. Dazu kommen die in WGs üblichen Differenzen mit Blick auf Sauberkeit, Pünktlichkeit, Hygienestandards, Ordnungsvorstellungen. Wir leben in einer Wohngemeinschaft in Deutschland!

Wesentlich verkompliziert wird dies dadurch, dass wir mit traumatisierten Menschen zusammenleben. Fast alle haben Schlafschwierigkeiten, weil die Erinnerungen an Krieg, Flucht und Vertreibung sich nicht nur ins Bewusstsein eingebrannt haben, sondern auch noch über die sozialen Medien, die Smartphones und Tablets immer wieder aufgefrischt werden.

Und so ist das Zusammenleben mit fünf Herkunftskulturen eine Herausforderung! Mit uns leben zwei Guineer, zwei Kongolesen, zwei Syrer, ein Libanese, ein Iraner, zusammen also acht Männer. Die Altersspanne deckt ein Spektrum von 19 bis 68 Jahren ab. Die noch nicht erworbene Sprachkompetenz bildet natürlich eine Hürde. Vieles Interessante kann dadurch gar nicht besprochen werden, wie zum Beispiel religiöse Grundfragen. Sodann kommen die Unsicherheiten im Status dazu. Die Wartezeiten auf die Anhörung durch das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) sind sehr lang. Wenn es zu einer Ablehnung oder anderen Komplikationen kommt, stellen wir einen Rechtsbeistand zur Verfügung. Die Situation der Herkunftsfamilien in den Heimatländern beunruhigt die Bewohner zusätzlich. Kriegerische Ereignisse, Bürgerkriegszustände, Krankheiten bei zerstörter Infrastruktur vor Ort binden viel Aufmerksamkeit und ziehen sie von hier ab. Wenn dann auch noch eine fremde Kultur wahrgenommen, eine fremde Sprache gelernt und die Idee einer WG mit Fremden, auch noch unter der Leitung zweier katholischer Priester verstanden werden soll, dann überfordert das leicht unsere Mitbewohner.

Unsere Idee ist es, Gemeinschaft zu fördern. Das ist nicht immer das Ideal unserer Gäste. Von den Gemeinschaftsunterkünften kennen sie viele Situationen von Konkurrenz und Neid. Wenn wir dann über Kommunikation, Gemeinschaft, Vertrauen und gemeinsames Lernen reden, begegnen sie uns mit viel Skepsis! Beispielsweise ist vielen kaum einsichtig, dass wir miteinander essen könnten, was bedingt, dass wir füreinander kochen. Jeder ist hier ein Überlebenskünstler, sonst wäre er nicht hier. Ein Miteinander einzuführen, ohne familiäre Bindungen, ohne vorgegebene Loyalität, einfach so, ist ein eigenes Thema. Zu all diesem gehören auch die beruflichen Situationen: Ein Mitbewohner macht eine Lehre zum Bäcker, ein anderer eine Ausbildung zur Servicekraft im Restaurant; einer macht gerade seinen Führerschein, ein anderer ein Praktikum in einem Malergeschäft, gefördert vom Jobcenter. Unsere Leute kommen in Deutschland an, selbst wenn es mühsam ist.

Rogate: Vielen Dank, Pater Müller, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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RogateKl_Postkarte A6_Eucharistie Miserikordias Domini 150418_110118_2 KopieWillkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten und Veranstaltungen:

Fünf Fragen an: Gundula Gause, Co-Moderatorin des „heute journal“

Fünf Freitagsfragen an Gundula Gause, Co-Moderatorin ZDF-„heute journal“, über ihren Weg in den Journalismus, den professionellen Umgang mit bewegenden Nachrichten und Hoffnung für eine gerechte Zukunft.

2018 Gundula Gause ZDF Klaus Weddig

Gundula Gause (Bild: ZDF/Klaus Weddig)

Gundula Gause, M.A., 1965 in Berlin geboren, studierte Politikwissenschaft, Mittlere und Neuere Geschichte und Publizistik in Paris und Mainz. Seit 1989 ist sie als Redakteurin und Moderatorin beim ZDF tätig. Ihre Stationen dort: 1989 – 1993 in der heute-Redaktion in Kombination mit Nachrichtenmoderation, 1992 – 1994 Moderation des gesellschaftspolitischen Magazins „Nachbarn“, 1992 – 1998 des ZDF-morgenmagazins, seit 1993 Co-Moderatorin im ZDF-heute-journal. Neben der Moderation von Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen engagiert sie sich ehrenamtlich, z.B. als Schirmherrin für das katholische Hilfswerk „missio“, jahrelang im Kuratorium der ekhn-Stiftung oder für Menschen mit Sehbinderungen als Schirmherrin der „Woche des Sehens“ und die Stiftung Lesen. Seit Dezember 2015 hat sie die Schirmherrschaft für den Menschenrechtspreis der Stadt Weimar übernommen. Für ihr ehrenamtliches Engagement erhielt sie 2013 das Bundesverdienstkreuz von Bundespräsident Gauck. Gundula Gause ist verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Kindern.

Rogate-Frage: Frau Gause, was hat Sie in den Journalismus und in das heute journal getrieben?

Gundula Gause: Schon in meiner Jugend faszinierte mich der Journalismus. Ich interessierte mich „schon immer“ für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Zeitgeschehen in nah und fern. Heute sprechen viele junge Leute ja davon, „irgendwas mit Medien“ machen zu wollen, – „imm“ wie wir verkürzt gerne sagen. In den 80er Jahren, als ich in das Berufsleben startete, waren die Bedingungen natürlich völlig andere. Zugleich lassen sich aber Parallelen zu heute ziehen, denn damals wie heute gab es massive Veränderungen im Medien- und Kommunikationsumfeld. Heute ist es die Digitalisierung – vor 30 Jahren kamen die privaten Sender auf. Das Privatradio „Rheinland-Pfälzischer Rundfunk“, kurz RPR inserierte in unserer Lokalzeitung – ich bewarb mich und hatte die einzige Festanstellung meines Lebens. Als Redaktionsassistentin konnte ich als junge Frau gut Einblick in die Arbeit des Senders und seiner Redaktionen erhalten. „Learning by doing“ führte zu redaktionellen Erfahrungen und auch ersten Schritten in der Moderation. Dann ging es recht schnell über die Flure der „Anstalt für Kabelkommunikation“ in Ludwigshafen zu SAT.1, wo ich als Programm-Moderatorin 1988/89 dann auch Fernseherfahrung sammeln konnte.

Zugleich hatte ich an der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität ein Studium der Politikwissenschaft, mittleren und neuen Geschichte sowie der Publizistik aufgenommen – und war dann 1997 doch recht froh, neben meiner Arbeit beim ZDF einen guten alten Magister Artium geschafft zu haben. Denn über „Mund zu Mund-Propaganda“ von Radiokollegen hatte ich einen Kontakt zum ZDF, das Ende der 80er Jahre Nachrichtenmoderatoren suchte, weil das Programm über Mittags- und später das Morgenmagazin über den ganzen Tag ausgeweitet wurde. Wie viele Leser kenne ich ja auch noch die Zeiten, als ARD und ZDF und die Dritten Programme erst nachmittags anfingen zu senden – tempi passati… Somit sei Ihre Frage nach dem Berufseinstieg in Kürze beantwortet mit den drei „L“: Lust auf den Job, Leidenschaft für die redaktionelle Tätigkeit – und letztendlich auch Leistungsbereitschaft, doppelt und dreifach zu arbeiten.

Rogate-Frage: Welche journalistische Ethik leitet Sie?

Gundula Gause: Mit vielen Journalisten und Kollegen in verschiedenen Redaktionen fühle ich mich dem Pressekodex verpflichtet, der Kriterien auflistet, die für eine ehrliche und sorgfältige Berichterstattung gelten: Achtung der Menschenwürde, Einhaltung von Persönlichkeitsrechten, das Prüfen aller Informationen sowie absolute Objektivität in der Bewertung der Fakten. Diese Wertehaltung haben wir alle verinnerlicht und setzen sie unabhängig und bewusst um, – in jedem Satz, bei jedem Bild.

Rogate-Frage: Wann fallen Ihnen in der Sendung Meldungen schwer und wie gehen Sie damit um?

Gundula Gause: Leider haben Nachrichten bekanntermaßen überwiegend negative Ereignisse zum Inhalt. Wir müssen über Kriege, Konflikte, Krisen berichten – von Unglücken, Anschlägen und immer wieder auch von terroristischen Attacken. Wann immer sinnlose Gewalt unschuldige Menschen zu Opfern macht, sind wir alle im Team betroffen und zugleich wahren wir alle journalistische Distanz zu den jeweiligen Themen. Der berühmte Satz des von uns allen verehrten Hanns Joachim FriderichsMache Dich nie gemein mit einer Sache.“ hilft auch. Mir persönlich gehen Meldungen über Opfer von sexueller Gewalt besonders nahe. Bei diesen Nachrichten – sowie bei allen Nachrichten über Gewalt – muss man sich auch persönlich zusammenreißen und sich um einen professionellen Umgang bemühen.

Rogate-Frage: Was bedeutet Ihnen Gott, Glaube und der Gottesdienstbesuch?

Gundula Gause: Mir persönlich ist mein Glaube wichtig. Religion hat für mich identitätsstiftenden Charakter, – prägt den Menschen in seinem Umfeld. Man kann sich ja nicht allein stellen – und denken. Wir sind Teil einer Gesellschaft, in der Regeln das Miteinander leichter machen. Eine von vielen Regeln kann da auch die Religion sein. Als Protestantin bin ich mit einem Katholiken verheiratet – mit der Familie besuche ich den katholischen Gottesdienst. Seit Jahren engagiere ich mich für das katholische Hilfswerk „missio“ – und zugleich war ich im vergangenen Jahr als Botschafterin für das Reformationsjubiläum aktiv. Dieses ehrenamtliches Tun erfüllt mich – ebenso wie jeder Gottesdienstbesuch, der „weiß Gott“ zu selten ist – mit Zuversicht und guter Hoffnung. Da wir alle in der Familie recht viel arbeiten – und mit Leidenschaft auch familiäre Verpflichtungen übernehmen, sind auch die Wochenenden häufig derart belegt, dass wir es leider nur alle paar Wochen in den Gottesdienst „schaffen“. So leben wir unseren Glauben privat – jeder für sich. Diese Freiheit, die das Christentum lässt, ist wunderbar – und lässt sich von Theologen gewiss mit „Gottes Größe“ auch begründen. Darf ich als Laie mir erlauben, dies so zu behaupten?

Rogate-Frage: Dürfen Sie! Welche Nachrichten würden Sie gern am Ende dieses Jahres verlesen? 

Gundula Gause: Erleben würde ich gerne folgendes, was mehr als nur eine gute Nachricht wäre: „Afrika ist gleichberechtigter Handelspartner von EU, China, USA und Russland. Die Wirtschaft auf dem Kontinent kommt in Schwung, Entwicklungsländer werden zum Konjunkturmotor, Arbeitsplätze entstehen. Millionen Menschen entkommen Hunger und Armut, haben eine Perspektive in ihrer Heimat.“ Dafür setzt sich missio übrigens seit über 100 Jahren ein. – Eine andere wichtige Nachricht wäre die von einem Ende des Krieges in Syrien, der in diesen Tagen vor sieben Jahren begann.

Rogate: Vielen Dank, Frau Gause, für das Gespräch!

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Presseschau: „Warum kam Bischof Yohanna nicht nach Deutschland?“ auf Katholisch.de

Donnerstag, 21. September 2017 |katholisch.de

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Screenshoot Katholisch.de

„Uwe Simon, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Oberes Havelland, berichtete bereits Anfang des Monats von einem Vorfall mit einer Gruppe aus Simbabwe. Diese habe zu einem Treffen mit dem Kirchenkreis nach Deutschland reisen wollen, sei jedoch in Südafrika an der Weiterreise in die Bundesrepublik gehindert worden. „Trotz ausgestellter Visa, einer im Original vorliegenden Einladung, einer Verpflichtungserklärung, Hin- und Rückflugtickets, einer Krankenversicherung und einer Kostenübernahmeerklärung verhinderte ein Bundespolizist, der auf dem Flughafen Johannesburg als Einreise- und Visaberater tätig ist, die Weiterreise nach Deutschland und machte die Visa in den Reisedokumenten nach unserer Auffassung rechtswidrig ungültig“, so Simon in einem Interview mit dem Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin.“

Den Artikel von Steffen Zimmermann auf katholisch.de finden Sie hier.

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Willkommen zu unserem nächsten Gottesdienst: