Politikerkanzel: „Was mich treibt“. Altbundespräsident spricht in Wilhelmshaven in Demokratie-Sommerreihe.

Bundespräsident a.D. Christian Wulff hat eine Einladung des Rogate-Klosters Sankt Michael angenommen und wird im Sommer nach Wilhelmshaven kommen. Wuff spricht in der Reihe „Politikerkanzel: Was mich treibt.“ über seinen politischen Werdegang, die Bedeutung der Demokratie und warum das gesellschaftliches Engagement wichtig ist.

Die Kirchengemeinde Bant hat für die Sommerreihe ihre Räume dem Rogate-Kloster angeboten, die in Kooperation mit dem Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven und der Evangelischen Erwachsenenbildung Niedersachsen (EEB) durchgeführt wird.

Kommende Woche wird das Gesamtprogramm der Gottesdienstreihe vorgestellt.

Die Liste der beteiligten Politiker umfasst neben Christian Wulff vier Landesminister, drei Bundestagsabgeordnete, Landtagsabgeordnete und einen Ratsherrn. Bischof Thomas Adomeit, Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, wird die Reihe am 10. Juli eröffnen.

In Wilhelmshaven hatte Br. Franziskus zuvor in der Christus- und Garnisonkirche die Reihen „Der Mond ist aufgegangen“ (2017), „Zehn Reden für die Stadt“ (2018) sowie die Bundestagswahlreihe „Warum wählen?“ initiiert. Seine Idee zu einer „Politikerkanzel“ setzte er erstmals 2008 in Berlin – in Zusammenarbeit mit Kantor Christoph Hagemann – um. Prominente Redner waren damals SPD-Politiker wie Andrea Nahles und Johannes Kahrs sowie der frühere Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen.

politikerkanzel.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten:

  • Freitag, 24. Mai 2019|19:00 Uhr, Vesper (Abendgebet). Ort: Zwölf-Apostel-Kirche.
  • Sonntag, 26. Mai 2019|10:00 Uhr, Eucharistie am Sonntag Rogate. Orgel: Martin Küster. Musik: Eclectic Voices, London. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche.
  • Mittwoch, 10. Juli 2019|19:00 Uhr, Politikerkanzel: „Was mich treibt?“. Liturgie: Bischof Thomas Adomeit, Oldenburg. und Br. Franziskus. Orgel: Kirchenmusikdirektor Thorsten Ahlrichs, Ganderkesee. Ort: Banter Kirche, Werftstr. 75, Wilhelmshaven-Bant. Bus-Line 2, Haltestelle „Banter Kirche“. 
  • Mittwoch, 17. Juli 2019|19:00 Uhr, Politikerkanzel: „Was mich treibt?“. Orgel: Kirchenmusikdirektor Klaus Wedel, Jever. Ort: Banter Kirche, Werftstr. 75, Wilhelmshaven-Bant. Bus-Line 2, Haltestelle „Banter Kirche“.
  • Freitag, 19. Juli 2019|19:30 Uhr, ökumenischer Eröffnungsgottesdienst 27. lesbisch-schwules Stadtfest Berlin. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche. Musik: Hauke Renken, Solo Vibraphon. Mitwirkende: Marian Moldenhauer (Präsident des Fecht-Clubs Grunewald Berlin e.V.), Ratsherr Florian Wiese (Wilhelmshaven).
  • Mittwoch, 24. Juli 2019|19:00 Uhr, Politikerkanzel: „Was mich treibt?“, Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Ort: Banter Kirche, Werftstr. 75, Wilhelmshaven-Bant. Bus-Line 2, Haltestelle „Banter Kirche“.

Fünf Fragen an: Pfarrer Oliver Fischer, Ev.-luth. Kirche Cambridge

pfarrer oliver fischer
Pfarrer Oliver Fischer (Bild: privat)

Fünf Freitagsfragen an Pfarrer Oliver Fischer, Evangelische-Lutherische Kirche deutscher Sprache in Ostengland, über Unsicherheiten angesichts des anstehenden Brexits, die Auswirkungen auf die eigene Kirchengemeinde und die Suche nach Frieden in einem gespaltenen Land.

Oliver Fischer lebt in Cambridge, Vereinigtes Königreich. Er stammt aus Berlin, studierte Evangelische Theologie in Berlin, Rom und Heidelberg und engagiert sich dafür, dass fremde Menschen einander begegnen und wahr nehmen – damit lebendige Brücken entstehen können, über Grenzen hinweg, die längst nicht immer nur territoriale sind.

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Fischer, seit wann sind Sie in Großbritannien und worin unterscheidet sich das Pfarrerleben dort im Vergleich zu dem in Deutschland?

Oliver Fischer: Seit sechseinhalb Jahren lebt unsere Familie im schönen Cambridge, der traditionsreichen Universitätsstadt, die sehr international geprägt ist. Hier teilen meine Frau und ich uns den Dienst im Pfarramt der „Evangelisch-Lutherischen Kirche deutscher Sprache in Ostengland.“ Auf dem Gebiet von East Anglia, Bedfordshire und Essex betreuen wir eine Gemeinde deutschsprachiger Christinnen und Christen. Die Arbeit ist geprägt von intensiver persönlicher Kontaktpflege und Betreuung in den kleinen Gruppen, die sich an den verschiedenen Orten des Pfarrbereichs treffen. Zum Pfarrdienst gehört hier neben der Übernahme aller Aufgaben, die im Büro und dem Haus einer Gemeinde anfallen, auch viel Autofahren dazu.

Rogate-Frage: Welche Auswirkungen des nahenden Brexit nehmen Sie in Ihrer eigenen Gemeinde wahr?

Oliver Fischer: Die Unsicherheit im Blick auf die Zukunft wird spürbar stärker. Viele der berufstätigen Gemeindemitglieder haben im letzten Jahr die Einbürgerung in Großbritannien beantragt, aus Sorge vor den Folgen eines Austritts aus der Europäischen Union. Es gab auch schon einige, die aufgrund der steigenden Unsicherheit zurück nach Deutschland gezogen sind oder das immer stärker in Erwägung ziehen, weil sie entweder ganz persönlich Befürchtungen haben oder weil ihre Arbeitsverträge in international ausgerichteten Bereichen voraussichtlich nicht verlängert werden. Das ist zum Beispiel ein Riesenproblem für die internationalen Programme, in denen die Universität beteiligt ist.

Bei vielen älteren Gemeindemitgliedern, die oft schon seit Jahrzehnten im Lande leben, überwiegt eine eher abwartende Haltung: „Die werden mich schon nicht raus werfen“, hört man immer wieder.

Es gab seit dem Referendum leider auch vermehrt die Erfahrung fremdenfeindlicher Begegnungen. Auch wenn das im Fall von Deutschen bislang zwar meistens bei verbalen Äußerungen blieb, weckt das bei manchen Älteren ungute Erinnerungen an die Jahre nach dem Krieg, in denen eine feindselige Stimmung gegen Deutsche sehr verbreitet war.

Aber es gibt auch sehr deutliche und starke Gegenstimmen gegen diese Tendenzen. So haben wir als deutsche Gemeinde kurz nach dem Referendum gleich mehrere Solidaritätsbriefe von anderen Kirchen erhalten. Und ich höre sehr oft die Aussage: „Gottseidank, dass Ihr da seid! Es tut mir so leid, was in unserem Land geschieht.“

Rogate-Frage: Was hat sich nach Ihren Beobachtungen gesellschaftlich durch den Brexit in Ostengland verändert?

Oliver Fischer: Der Brexit hat ja vor allem gezeigt, dass eine tiefe Spaltung durch das gesamte Land geht, nicht selten mitten durch Familien hindurch. Das anfangs große Erschrecken darüber, zum Beispiel in der Anglikanischen Kirche, hat bislang allerdings noch nicht zu wahrnehmbaren Ansätzen geführt, wie sie überwunden werden können. Nach den kontroversen Abstimmungen dieser Woche im Parlament hat „Churches Together in Britain and Ireland“ (CTBI), eine Art ökumenischer Dachorganisation für das Vereinigte Königreich und Irland, alle Kirchen dazu aufgerufen, für dieses Land und vor allem seine Politiker zu beten, vor allem um Einheit. Auch das zeigt, wie zugespitzt der Streit ist, und die öffentliche Stimmung ist zunehmend gereizt.
Wie schon im Vorfeld des Referendums selbst liegt das absolute Übergewicht der Argumentationen bei finanziellen Fragen oder besser: den Fragen nach größerem finanziellen Gewinn. Andere, wie zum Beispiel die Rolle Europas für den Frieden oder manche sozialen Fragen, traten dagegen – jedenfalls in der öffentlichen Berichterstattung – stark zurück. Das geht Hand in Hand mit der Tendenz, alle Gesellschaftsbereiche marktförmig geschmeidig zu machen und möglichst gewinnbringend beziehungsweise verlustvermeidend umzubauen. Auch wenn Ostengland landesweit zu den eher besser gestellten Regionen zählt, ist diese Entwicklung auch hier zum Beispiel in Krankenhäusern und Schulen schon an vielen Stellen zu spüren. Das reiche Cambridge etwa wurde letztens sogar als „the most unequal city“, die Stadt mit der größten (sozialen) Ungleichheit identifiziert, in der für wenige der Reichtum stark wächst, aber immer mehr unter die Armutsgrenze fallen. So hat sich die Zahl derer vervielfältigt, die tägliche Mahlzeiten oder ihre Heizkosten nicht bezahlen können und darum auf gemeinnützige Initiativen wie die ehrenamtlich organisierte „foodbank“ angewiesen sind.Auch Notunterkünfte für Obdachlose sind durchgehend ausgelastet.

Rogate-Frage: Wie bereiten sich die Menschen in Ihrer Gemeinde auf die Auswirkungen vor? Und wie Ihre Kirchengemeinde?

Oliver Fischer: Manche erwägen tatsächlich einen Umzug nach Deutschland. Nicht wenige beantragen einen britischen Pass. Die meisten werden wohl eine permanente Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Hier hat die Regierung ein neues, schnelleres Verfahren zugänglich gemacht, das allerdings bislang nur (!) über ein Android Smartphone funktioniert! Für uns als Kirchengemeinde kann das bedeuten, dass wir zum Beispiel älteren Mitgliedern, die kein Smartphone besitzen, hier weiter helfen. Und natürlich ein Forum für Betroffene bieten, die sich hier unkompliziert austauschen können.

Als Kirchengemeinde selbst sind wir eine Organisation nach britischem Recht und rechnen daher erstmal nicht mit Veränderungen. Was die aus Deutschland entsendeten Pfarrpersonen angeht, werden natürlich neue Regeln zu berücksichtigen sein.

Rogate-Frage: Wie gehen Sie in den von Ihnen gehaltenen Gottesdiensten, Predigten und Gebeten mit der Lage um?

Oliver Fischer: Ich versuche wahrzunehmen, was die Menschen tatsächlich bewegt und darauf einzugehen. Ich versuche sicher nicht, Ängste zu schüren, aber ich denke, wir brauchen uns auch nicht zu scheuen anzusprechen, was Menschen verunsichert. Schon das Mit-teilen führt ja manchmal zum Mittragen.

Als Kirche können wir keine falschen Sicherheiten propagieren, die ja doch niemanden überzeugen oder gar trösten. Aber wir haben die wichtige Aufgabe, auch in verunsichernden Zeiten sozusagen den festen Boden zu finden, auf dem wir stehen können. Das ist nicht einfach ein Fleckchen Erde, gut abgeschirmt vom Rest der Welt, auf dem scheinbar alles bleibt, wie es immer war. Und wir können nicht aufhören danach zu suchen, was dem Frieden und der Gerechtigkeit dient.

Rogate: Vielen Dank, Herr Pfarrer Fischer, für das Gespräch!

Mehr über die Evangelische-Lutherische Kirche deutscher Sprache in Ostengland finden Sie hier: german-church.org/cambridge

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten: Alle Termine hier.

Foto-Ausstellung „Glaube, Liebe, Hoffnung. (M)eine Sicht auf Wilhelmshaven.“ ab dem 1. Advent

RogateKl_Postkarte A6 hoch_Wanderausstellung_151118-2Viele Menschen, die als Geflüchtete nach Wilhelmshaven kamen, haben in der Jadestadt ein neues Zuhause gefunden. Nordseestadt und Küstenregion sind ihnen zur Heimat geworden, in der sie sich eine neue Lebenswelt aufgebaut haben und diese gestalten. Doch mit welchem Blick sehen die Neubürger ihre neue Umgebung und wie nehmen sie die Stadt am Meer wahr? Gibt es Unterschiede zu Wilhelmshavenern, die vor Ort schon lange leben?

Die Flüchtlingsarbeit des Kirchenkreises Friesland-Wilhelmshaven entwickelte aus dieser Idee ein Fotoprojekt. Mit Unterstützung der Nordwest-Zeitung, der Diakonie Friesland-Wilhelmshaven, der Agentur Nolte Kommunikation und des Rogate-Klosters Sankt Michael konnte das Fotoprojekt „Glaube, Liebe, Hoffnung. (M)eine Sicht auf Wilhelmshaven“ realisiert werden. Als Schirmherr wurde der in Wilhelmshaven geborene Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, gewonnen.

Zehn geflüchtete und zehn in Wilhelmshaven geborene oder schon länger lebende Menschen wurden gebeten, ihre Sicht auf die Stadt festzuhalten. Mit Einmalkameras machten sie sich auf den Weg und schauten, welche Orte sie in dieser Ausstellung teilen wollen. Die Bilder sollen zeigen, was den Menschen wichtig ist – wie sie ihre Stadt sehen und was sie mögen. Die Aufnahmen zeigen u.a. Momentaufnahmen aus den Stadtteilen, vom Strand und Alltagsleben.

Die Ausstellung wird in der Friedenskirche erstmalig gezeigt und im Gemeindegottesdienst zum 1. Advent, am 2. Dezember, 10 Uhr, durch Pastor Kai Wessels eröffnet. Weitere Öffnungszeiten sind ab dem 3. Dezember von Montags bis Freitags von 9:00 bis 12:00 und von 14:00 bis 16:00 Uhr.

Mitte Dezember endet die Ausstellung in Fedderwardergroden. In Wilhelmshaven-Neuengroden ist sie dann in der Thomaskirche ab dem 5. Januar zu sehen.

 

Das Rogate-Kloster im Mai: Nachtgebete, Eucharistiefeiern und Workshops

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten und Veranstaltungen:

  • rogatekl_aushang-a4_lichtvesper2017_111116Sonnabend, 13. Mai 2017 |16:00 Uhr, Taufe. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg. Orgel: Timo Hoth.
  • Sonnabend, 20. Mai 2017 |18:00 Uhr, Lichtvesper, mit der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Sonntag Rogate, 21. Mai 2017 | 10:00 Uhr, Eucharistie, mit der Zwölf-Apostel-Gemeinde. Predigt: Bruder Franziskus. Predigttext: 1. Petrus 4, 7-10. Orgel: Kreiskantor Christoph Hagemann. Lektorin: Mechthild Rawert, MdB. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • RogateKl_Aushang A4_Eucharistie RogateSo 210517_111116 Kopie.jpgHimmelfahrt, Donnerstag, 25. Mai 2017 | 11:00 – 13:00 Uhr, Workshop „Am Anfang war die Sehnsucht. Erfahrungen bei der Suche nach einer Geistlichen Gemeinschaft„, Ort: Deutscher Evangelischer Kirchentag, Halle 5.2b, Raum Kassel 1, Workshopraum, Messe Berlin, Charlottenburg (594 | E1) .
  • Himmelfahrt, Donnerstag, 25. Mai 2017 | 22:30 Uhr, Komplet, das Nachtgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Freitag, 26. Mai 2017 | 14:00 Uhr – 15:00 Uhr, Veranstaltung „Miteinander leben in der Großstadt Berlin: liturgische und praktische Beispiele für verbindliches Einstehen und Engagement füreinander„. Ort: Deutscher Evangelischer Kirchentag, Zelt der Begegnung, Messegelände.
  • Freitag, 26. Mai 2017 | 19:00 Uhr, Feierabendmahl. Orgel: Kreiskantor Christoph Hagemann.
  • Freitag, 26. Mai 2017 | 22:30 Uhr, Komplet, das Nachtgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Sonnabend, 27. Mai 2017 | 22:30 Uhr, Komplet, das Nachtgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Sonntag, 28. Mai 2017 | 12:00 Uhr, Eucharistie, Kleiner Saal der Zwölf-Apostel-Gemeinde. An der Apostel-Kirche 3. Predigt: Pfarrerin Andrea Richter, Beauftragte für Spiritualität in der EKBO

Die Übersicht für den Mai finden Sie hier.

Vorschau:

Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier.

 

Das Rogate-Kloster im August: Feier der Eucharistie

Willkommen zum August-Gottesdienst in der Rogate Kl_Aushang_Eucharistie 11 Sonntag n Trinitatis_160616 Kopiegastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche Schöneberg:

Erreichbar ist die Zwölf-Apostel-Kirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4), per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29).

Fahrrad- und PKW-Stellplätze gibt es vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße. Adresse: An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.

Vorschau:

  • Sonntag, 4. September 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie zum Diakonie-Sonntag „Barmherzigkeit: Größer als unser Herz“, am 16. Sonntag nach Trinitatis, mit einer Ausstellungseröffnung
  • Montag, 3. Oktober 2016 | 15:00 Uhr, Rogate Kl_Postkarte_Mensch+Tier2016_080316 Kopie 2Gottesdienst für Mensch und Tier. Predigt: Pfarrerin Andrea Richter.
  • Sonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden
  • Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Gottesdienst mit Bischof Dr. Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Bezirksbürgermeisterin  Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, EKBO, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde.
  • Sonntag, 3. Advent, 11. Dezember 2016 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pastor Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirche.
  • Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Prof. Jacob Joussen, Rat der Ev. Kirche in Deutschland

Fünf Freitagsfragen an Prof. Dr. Jacob Joussen, Mitglied im Rat der EKD, über das Engagement in der Kirche, Hoffnungen an das Reformationsjubiläum und die Zukunft des Protestantismus.

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Jacob Joussen (Bild: Norbert Neetz/epd)

Prof. Dr. Jacob Joussen, geboren 1971 in Duisburg, studierte zunächst Latein und katholische Theologie, bevor er in die evangelische Kirche konvertierte und Rechtswissenschaft in Münster studierte. Nach Promotion und Habilitation hatte er verschiedene Lehrstühle inne und lehrt jetzt an der Ruhr-Universität in Bochum, sein Schwerpunkt ist das Arbeitsrecht, besonders auch das kirchliche Arbeitsrecht. Er lebt mit seinem Lebenspartner in Düsseldorf, ist dort in der Lutherkirche zuhause und stellvertretender Vorsitzender des Presbyteriums. Seit 2015 ist er Mitglied im Rat der EKD.

Rogate-Frage: Herr Prof. Joussen, was hat Sie zu einer Kandidatur für den Rat der EKD bewogen? 

Jacob Joussen: Zunächst einmal ganz einfach: die Anfrage des Nominierungsausschusses. Bischof Hein rief mich im September 2015 an und hat gefragt, ob ich zu einer Kandidatur bereit sei. Ich habe dann zu Hause mit meinem Partner darüber gesprochen, eine Nacht über die Kandidatur geschlafen – und zugesagt. Ich bin in meiner Gemeinde stellvertretender Vorsitzender des Presbyteriums und kann mich dort seit Jahren für meine Kirche einbringen. Und mit der Kandidatur sah ich eine Möglichkeit, mich auch auf dieser Ebene, der EKD, einbringen und meine Talente zur Verfügung stellen zu können. Das wollte ich sehr gerne. Die Vorstellung, mich auf diese Weise für meinen Glauben engagieren zu können – das fand ich ungemein reizvoll.

Rogate-Frage: Welche Erfahrungen machen Sie als Ratsmitglied? Ist die Kirche für Sie aus dieser Position heraus bewegend und beweglich?

Jacob Joussen: Noch bin ich ja in einer Lern- und Kennenlernphase, die Ratswahl liegt erst acht Monate zurück – doch erste Erfahrungen habe ich natürlich schon sammeln können. Die Ratsarbeit ist sehr beeindruckend – und beanspruchend. Beeindruckend ist sie, weil man mit den Herausforderungen, die sich für die Kirche stellen, in sehr direkter Weise in Berührung kommt. Man spricht in dem Gremium darüber, wie etwa auf die sinkenden Mitgliederzahlen zu reagieren ist, wie man angemessen an die Reformation vor 500 Jahren zurückdenken kann oder wie man als Glaubensgemeinschaft auf Akte sinnlosen Terrors reagieren kann. Beanspruchend ist sie, weil die Arbeit im Rat zum Teil sehr zeitintensiv ist – und sie ist auch nicht mit den Ratssitzungen erledigt. Viele Themen begleiten mich weit darüber hinaus im Alltag und im Denken. Insofern bewegt mich Kirche ganz unmittelbar. Dabei ist es gut zu sehen, dass der jetzige Rat eine sehr gute Arbeits- und freundschaftliche Umgehensweise entwickelt hat. Zusammen mit den Menschen, die im Kirchenamt der EKD tätig sind und die Ratsarbeit begleiten und vorbereiten, erlebe ich den Rat als sehr vielfältig und sehr gut aufgestellt. Insofern sind meine Erfahrungen bislang ausschließlich positiv – es macht einfach Freude, dort mitwirken zu dürfen!

Rogate-Frage: Welche Schwerpunkte erwarten Sie in den kommenden Jahren im Rat und wie wollen Sie sich einbringen?

Jacob Joussen: Naheliegenderweise ist DER erste große Schwerpunkt der kommenden Jahre das Reformationsjubiläum. Hierauf konzentriert sich zunächst auch die Arbeit des Rats in ganz besonderer Weise, und hier werde ich mich nach meinen Möglichkeiten auch einbringen, besonders auch im Hinblick darauf, wie wir dieses Jubiläum auch ökumenisch feiern können. Dies ist mir persönlich auch ein besonderes Anliegen. Danach – und das wird zeitlich den ganz überwiegenden Teil dieser Ratsperiode ausmachen – wird es aus meiner Sicht darum gehen, nicht in eine „Post-Festum-Lethargie“ zu verfallen, sondern den Schwung des Jubiläums aufzugreifen und umzusetzen. Hier sehe ich eine ganz besondere Herausforderung für alle, die in unserer Kirche Verantwortung tragen, und zwar ganz besonders auch auf der Ebene der Gemeinden. Meinen Schwerpunkt, auch und gerade in der Ratsarbeit, sehe ich darin, diese Perspektive nicht aus dem Blick zu verlieren: Wie können wir Menschen in Düsseldorf, Bochum, Sellin oder Tingen dafür begeistern, evangelischer Christ und evangelische Christin zu sein? Darum muss es gehen. Hier bringe ich mich mit meiner langjährigen und nach wie vor sehr viel Raum bei mir beanspruchenden Arbeit in meiner Heimatgemeinde ein. Schließlich wird es in einem weiteren Schwerpunkt darum gehen, damit umgehen zu lernen, dass wir bei einer kleiner werdenden Mitgliederzahl gleichwohl noch unsere diakonischen Aufgaben wahrnehmen zu können. Wie kann das gelingen, wenn doch immer weniger christliche Menschen in unseren diakonischen Einrichtungen arbeiten? Das sind gewichtige theologische, aber auch schwierige juristische Fragen. Meine Aufgabe sehe ich darin, gerade hier meinen Sachverstand einzubringen, wie ich überhaupt meine Ausbildung und juristischen Kenntnisse dem Rat zur Verfügung stellen möchte.

Rogate-Frage: In den letzten Jahren hat sich die evangelische Kirche für LGBTIQ geöffnet. In manchen Landeskirchen sind nun Traugottesdienste für Lesben und Schwule möglich. Doch die meisten Landeskirchen und auch die EKD sind noch nicht so weit und zögern. Bis wann wird es eine Akzeptanz und völlige Gleichbehandlung und – Berechtigung in allen Landeskirchen geben?

Jacob Joussen: Auch als Ratsmitglied verfügt man natürlich nicht über seherische Fähigkeiten… Aber über eine Hoffnung, die stark ist und die auch auf einer guten Grundlage beruht. Die von Ihnen angesprochene Öffnung begrüße ich ohne Einschränkungen, und ich bin sehr froh, dass immer mehr Landeskirchen sich an diesem Punkt öffnen. Sicher ist dies biographisch bedingt, die Segnung meiner Partnerschaft in Düsseldorfs ältester Kirche – übrigens in einem sehr kleinen Rahmen – stellt für mich einen ganz besonderen Höhepunkt in meinem Leben dar. Doch begrüße ich das nicht nur aus diesem Grund heraus, sondern auch deshalb, weil ich diesen Schritt für theologisch richtig halte und auch für biblisch begründet. Gerade dies aber sehen nach wie vor viele Menschen anders – auch im Rat meinte ja mancher Beobachter zu Beginn, eine gewisse Spannung zwischen verschiedenen Mitgliedern sehen zu können. Es hat sich aber gezeigt, dass gerade Michael Diener und ich sehr gut und vertrauensvoll in tiefem Respekt voreinander zusammenarbeiten können, was mich außerordentlich freut. Und so hoffe ich unverändert sehr darauf, dass bis zum Ende dieser Ratsperiode noch weitere Landeskirchen erkennen, dass es keinen Grund gibt, homosexuelle Menschen zurückzuweisen. Der Zuspruch Gottes gilt ihnen und ihrer Liebe in gleicher Weise – davon bin ich fest überzeugt.

Rogate-Frage: Wie sieht für Sie die Kirche der Zukunft aus? Wie wird die Ökumene die evangelische Kirche verändern?

Jacob Joussen: In Deutschland sehe ich die Kirche der Zukunft als eine Kirche in vielfältiger Form, die nicht mehr der Vorstellung entspricht, dass sich alle am Sonntag versammeln – davon ist sie ja ohnehin schon lange weit entfernt. Das wird aber durch die Vielfältigkeit anderer religiöser Lebensweisen noch deutlicher sichtbar. Das führt dazu, dass die Kirchen sich auf neue Rollen und neue Formen einstellen müssen, möglicherweise auch in ihrem Verhältnis zum Staat und im öffentlichen Diskurs, sie wird sich auch auf ein „weniger“ einstellen müssen – gerade in meiner Gemeinde in Düsseldorf gehen wir diesen Weg und trennen uns derzeit von einer unserer Predigtstätten, die uns doch so am Herzen liegt. Dass darin auch eine Chance liegen kann, ist häufig gesagt worden – das macht es aber nicht weniger richtig. Gerade hier vertraue ich indes darauf, dass der Geist Gottes uns nicht verlässt. Er wird diese, er wird seine Kirche auch durch diese Zeiten führen. Mit welchen Ergebnissen und auf welche Weise? Seien wir doch neugierig! Sicher aber auch, da bin ich ganz sicher, ökumenisch. Ich habe etwa große Sympathien dafür, gemeinsam Bauten und Räume zu nutzen – was spricht denn dagegen? In Düsseldorf tun wir das schon jetzt. Das halte ich für einen möglichen Baustein, mit den neuen Gegebenheiten zurecht zu kommen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Prof. Joussen, für das Gespräch.

Weitere Informationen finden Sie hier: Jacob Joussen (EKD) und hier (RUB).

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

Fünf Fragen an: Dr. Gerhard Schreiber, Goethe-Universität Frankfurt

Fünf Freitagsfragen an Dr. Gerhard Schreiber, Dozent für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt, über Transsexualität als Thema der Theologie, den Variationsreichtum des Lebens und die wirkmächtige, aber problematische Lehre von den Schöpfungsordnungen.

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Dr. theol. Gerhard Schreiber (Foto: Ralf Stieber/Ev. Akademie Baden)

Dr. theol. Gerhard Schreiber wurde 1978 in Neuendettelsau/Mittelfranken geboren. Auf ein Studium der Evangelischen Theologie in Neuendettelsau, München und Heidelberg folgte ein fünfjähriger Forschungsaufenthalt am Søren-Kierkegaard-Forschungszentrum in Kopenhagen. Seit 2009 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Systematische Theologie und Religionsphilosophie der Goethe-Universität Frankfurt. Er hat Lehraufträge für Philosophie und Theologie an den Universitäten in Bochum, Darmstadt, Düsseldorf und Reykjavík wahrgenommen. In einem gegenwärtigen Forschungsprojekt beschäftigt er sich mit dem Verhältnis von Sexualität und Identität aus theologischer und neurowissenschaftlicher Sicht.

Rogate-Frage: Herr Dr. Schreiber, wie sind Sie auf das Thema Transsexualität gekommen?

Gerhard Schreiber: Als Dozent für Systematische Theologie biete ich auch Lehrveranstaltungen zu Fragen der Sozialethik, einschließlich der Sexualethik an. In einem Seminar zum Thema „Kann denn Liebe Sünde sein? Sexualität und Sünde“ war im Januar 2015 die transsexuelle Pfarrerin Dorothea Zwölfer zu Gast, um einen Vortrag über Glaubensfragen, Ethik und Transsexualität zu halten. Bei der Vorbereitung auf diesen ebenso spannenden wie inspirierenden Vortrag wurde mir deutlich, dass es von Seiten der (Evangelischen) Theologie und Kirche noch immer so gut wie keine Stellungnahme oder Expertise zum Phänomen der Transsexualität sowie zum Umgang mit transsexuellen Menschen als Teil nicht nur der Gesellschaft, sondern auch der kirchlichen Gemeinschaft gibt. Diesem Desiderat der kirchlich-theologischen Reflexion wollte ich Anfang Februar 2016 mit einer Konferenz über Transsexualität an der Goethe-Universität Frankfurt begegnen. Expertinnen und Experten aus den Neuro-, Bio- und Rechtswissenschaften einerseits, Vertreterinnen und Vertreter von Theologie und Kirche andererseits sind in einen, wie sich zeigen sollte, erfreulich offen geführten Dialog sowohl miteinander als auch mit Betreffenden über einen ethisch, politisch und rechtlich angemessenen Umgang mit Transsexualität getreten. Zudem beschäftige ich mich in einem Forschungsprojekt mit dem Verhältnis von Sexualität und Identität aus theologischer und neurowissenschaftlicher Sicht, wofür das Phänomen der Transsexualität herausragende Bedeutung hat.

Rogate-Frage: Was genau ist Transsexualität? Ist sie angeboren und Teil der Schöpfung?

Gerhard Schreiber: Bei transsexuellen Menschen stimmen die körperlichen Geschlechtsmerkmale nicht mit der im Gehirn verankerten Geschlechtsidentität überein – und das von Geburt an. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft werden Strukturen und Funktionen des Gehirns als bestimmend für das subjektiv und objektiv entsprechende Geschlecht betrachtet. Milton Diamond, Professor für reproduktive Biologie an der Universität von Hawaii, hat das einmal so formuliert: „Unser wichtigstes Geschlechtsorgan haben wir nicht zwischen den Beinen, sondern zwischen den Ohren.“ Der mit dem Begriff „Transsexualität“ bezeichnete Sachverhalt hat aber nichts mit sexueller Orientierung oder Präferenz zu tun, sondern mit der Identität, mit dem Wesenskern eines Menschen. Man kann sich den Unterschied zwischen Transsexualität und z.B. Hetero- oder Homosexualität, salopp gesprochen, so verdeutlichen: Hetero- oder Homosexualität sagt etwas darüber aus, mit wem ich ins Bett gehen möchte. Transsexualität hingegen darüber, als wer ich mit jemandem ins Bett gehen möchte. Bei Letzterem geht es also um die Geschlechtsidentität als bestimmenden Faktor, weshalb verschiedentlich dem Begriff der „Transidentität“ der Vorzug gegeben wird.

Transsexuelle Menschen im angedeuteten Sinne besitzen ein tiefes inneres Wissen, zu welchem Geschlecht sie wirklich gehören, unabhängig davon, welches Geschlecht ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde und wie z.B. ihre Genitalien ausgeprägt sind. Die Genitalien sind bei transsexuellen Menschen in gewisser Weise geschlechtlich „diskrepant“ zum Gehirn, besitzen diese Menschen doch die unerschütterliche Gewissheit, ein Geschlecht zu haben, das ihnen bei der Geburt vorenthalten wurde. Der Geschlechtskörper ist insgesamt durch Inkongruenz charakterisiert. Von daher ist das explizite Bedürfnis vieler – keineswegs aller – Betreffenden nach Angleichung von Körper und Lebensweise an das eigentliche Geschlecht nur allzu verständlich und auch intersubjektiv gut nachvollziehbar. Transsexualität als solche hat nichts mit psychischer Erkrankung oder Störung zu tun, wie man lange Zeit glaubte. Als eine biologische Variante, als ein typisches Muster innerhalb der individuellen geschlechtlichen Vielfalt verdeutlicht uns das Phänomen der Transsexualität vielmehr eindrücklich, dass es, theologisch gesprochen, unter Gottes Regenbogen wesentlich mehr gibt als das, was wir zum Beispiel aufgrund der körperlichen Geschlechtsmerkmale als ‚den Mann‘ und ‚die Frau‘ klassifizieren.

Rogate-Frage: Welche Folgerungen ziehen Sie daraus für die Schöpfungstheologie und warum sollte sich die Theologie damit beschäftigen?

Gerhard Schreiber: Zur Feststellung des biologischen Geschlechts eines Menschen gibt es zwar objektive Kriterien, doch ist das biologische Geschlecht keineswegs immer eine eindeutige Größe. So kann zum Beispiel die Beschaffenheit der Genitalien – lange Zeit der einzige Anhaltspunkt für die Geschlechtszuweisung (Hebammengeschlecht) – durchaus ambivalent sein. Auch durch eine Chromosomenanalyse lässt sich das biologische Geschlecht eines Menschen nicht immer eindeutig klären. Die genetische Forschung hat längst nachgewiesen, dass es auch Menschen gibt, die ein männliches Erscheinungsbild aufweisen, deren beide Geschlechtschromosomen aber X-Chromosomen sind, während Menschen mit weiblichem Phänotyp auch einen XY-Karyotyp besitzen können. Solche intersexuellen Menschen (das heißt Menschen zwischen den Geschlechtern) passen ebenso wenig wie transsexuelle Menschen (das heißt Menschen unterwegs in den richtigen Körper) in ein binäres, zumal feststehendes Schema von „Mann“ und „Frau“, wie dieses die traditionelle theologische Lehre von den Schöpfungsordnungen nahelegt. Gottes Schöpfung ist wesentlich variantenreicher, als es den Anschein hat. Die Ansicht, das biologische Geschlecht eines jeden Menschen – geschweige denn das Geschlecht, dem er sich zugehörig fühlt – werde durch die Genitalien oder Chromosomen exakt und unzweideutig angezeigt, ist überholt. Dadurch ist aber nicht die zentrale Aussage des Schöpfungsberichts widerlegt, dass wir den Grund unseres Seins nicht in uns selbst, sondern von Gott her haben, zumal wir qualitativ verschiedene Deutungs- und Erklärungsebenen nicht miteinander vermischen dürfen. Die biologische Tatsache der geschlechtlichen Vielfalt des Menschen sollte uns allerdings dafür sensibilisieren, biblische Aussagen zu Leiblichkeit, Geschlechtlichkeit und Sexualität des Menschen, die den damaligen Wissens- und Erkenntnisstand widerspiegeln, nicht unreflektiert auf die heutige Lebenswirklichkeit zu übertragen. „Vielfalt“ bedeutet nicht „Beliebigkeit“, mithin auch kein „anything goes“, wenn es um Fragen und Formen des Zusammenlebens von Menschen geht. Doch wird geschlechtliche Vielfalt in einigen religiösen Kreisen geradezu als Kampfansage an die Schöpfungsordnung und als Bedrohung der menschlichen Ordnungsstrukturen betrachtet. Ich möchte diesen zum Teil mit abstrusen Argumenten befeuerten Ängsten und Befürchtungen mit den Worten Regina Ammicht Quinns entgegnen: „Warum verstört es uns so sehr, wenn Gott sich nicht an die von Menschen gemachten Gesetze hält?“ Warum kann Vielfalt nicht auch als heilsame Un-Ordnung und die Tatsache besonderer Schöpfungsvarianten als Bereicherung und Ergänzung zu unserem bisherigen Denken verstanden werden? Die wirkmächtige, aber problematische Lehre von den Schöpfungsordnungen ist zu revidieren. Überhaupt sollte in Bezug auf Geschlechtlichkeit weniger von Ordnungen als vielmehr von typischen Mustern gesprochen werden. Es bedarf hierzu einer prinzipiellen, systematisch- und praktisch-theologischen Aufarbeitung.

Rogate-Frage: Was kann und sollten die Kirchen und ihre Gemeinden tun? 

Gerhard Schreiber: Transsexuelle Menschen wurden jahrhundertelang benachteiligt, ausgegrenzt und diskriminiert. Die persönliche Überzeugung, einem anderen Geschlecht anzugehören als dem genital „festgelegten“, wurde als eine Art Wahn oder Ähnliches betrachtet. Der durch die neurobiologische Forschung ausgelöste Paradigmenwechsel bei der Beurteilung von Transsexualität ist mit Entpsychiatrisierung und Entpsychopathologisierung verbunden. Doch noch immer rechnet die gegenwärtig geltende Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Transsexualität als „Störung der Geschlechtsidentität“ zu den Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen. Ändern wird sich dies vermutlich erst 2017/18 mit der neuen Klassifikation ICD-11, in der Transsexualität als Inkongruenz (des Geschlechtskörpers) eingestuft wird.

Ähnlich problematisch wie die unhaltbare Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen ist deren damit einhergehende Bevormundung durch Medizin und Psychiatrie. Warum aber sollte nicht ein Betreffender selbst, der sein Wissen über sich selbst sozusagen aus erster Hand hat, der beste Experte über sein eigentliches Geschlecht sein können? Zur Benachteiligung, Ausgrenzung und Diskriminierung von transsexuellen Menschen auch in unserer Gesellschaft kommen nicht zuletzt finanzielle Sorgen und Nöte, da die Arbeitslosigkeit unter transsexuellen Menschen erschreckend hoch ist. Als gesellschaftlich noch immer wirkmächtiger Faktor muss die Kirche gegen jede Form der Diskriminierung und für Akzeptanz eintreten, alle Menschen als Geschöpfe Gottes unterschiedslos und unbesehen der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität willkommen heißen, die im besten Sinne nebensächlich ist (vergleiche Galater 3,28). Das Verhältnis der Kirche zu intersexuellen und transsexuellen Menschen bedarf dringend einer Revidierung.

Gewiss wird der Einwand nicht lange auf sich warten lassen, dass Menschen, deren sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität nicht der gängigen Norm entsprechen, doch „nur“ eine Minderheit in unserer Gesellschaft seien. Zunächst: Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (dgti) geht von etwa 250.000 transsexuellen und intersexuellen Menschen in Deutschland aus. Sodann: Am Umgang mit Minderheiten entscheidet sich nicht nur in einer Gesellschaft, sondern gleichermaßen auch in einer kirchlichen Gemeinschaft, wie offen sie ist und wofür sie wirklich einsteht. Der Umgang mit Minderheiten ist Prüfstein für die Botschaft der Kirche. Daher erscheint es mir angeraten, transsexuelle Menschen in den Fokus zu rücken und den ethisch, politisch und rechtlich angemessenen Umgang mit ihnen als eine paradigmatische Herausforderung zur gesellschaftlichen Akzeptanz geschlechtlicher Vielfalt zu verstehen. Den kirchlichen Gemeinden kommt hierbei eine Leuchtturmfunktion mit Ausstrahlungskraft zu.

Noch ein Weiteres ist von Gewicht: Der Prozess der Bewusstwerdung einer Diskrepanz zwischen äußerlich sichtbarem und innerlich bestimmendem, zwischen zugewiesenem und empfundenem Geschlecht kann sehr leid- und schmerzvoll sein. Die sich aufdrängende Frage, warum manche Geschöpfe Gottes diesen besonderen, oft langwierigen und beschwerlichen Weg der Selbst-Erkenntnis gehen müssen, ist müßig zu beantworten. Der Prozess der Transition hat gravierende Auswirkungen auch auf die Partnerschaften der Betreffenden und deren Familien. Deshalb ist es ungemein wichtig, auch die kirchlichen Seelsorger und die Telefonseelsorger dafür zu sensibilisieren, um transsexuelle Menschen auf ihrem Lebensweg gut und kompetent geistlich begleiten zu können.

Rogate-Frage: Gibt es eine spirituelle, geistliche Dimension in dieser Frage? 

Gerhard Schreiber: Gerade für religiöse Menschen hat der Transitionsprozess als Weg der Angleichung von Körper und Lebensweise an das eigentliche Geschlecht eine tiefe geistliche Dimension, wird dadurch die Frage des Mitseins Gottes doch auf radikale Weise neu gestellt. Joachim Neander hat in der zweiten Strophe des bekannten Kirchenliedes „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ gedichtet: „…der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?“ Wer aber ist dieses Ich, das dies verspüren soll? Selbst wenn bei transsexuellen Menschen, wie es in einer sehenswerten Dokumentation des Bayerischen Rundfunks in der Reihe „Brückenschlag“ von November 2014 heißt, „im Herzen alles gleichbleibt“, berührt der Transitionsprozess, der formal beziehungsweise äußerlich von einer Vornamensänderung bis hin zu chirurgischen geschlechtsangleichenden Maßnahmen reichen kann, selbstverständlich auch die spirituelle, geistliche Dimension des Lebens. Viele transsexuelle Menschen haben ein besonderes Bedürfnis nach seelsorglicher Begleitung und Zuspruch. Eine gegenwärtig diskutierte Frage ist jedoch, ob und inwieweit der Transitionsprozess über eine geistliche Lebensbegleitung hinausgehend zum Beispiel auch in einer kirchlichen Feier begleitet werden sollte und wie dem, was das Leben im Innersten ausmacht und betrifft, auch in kultisch-rituellen Formen Ausdruck verschafft werden sollte, um das Angenommensein durch Gott von Neuem beziehungsweise unter anderen Vorzeichen zu bejahen. Auch bei dieser Frage stehen wir in den Kirchen, Gemeinden, Kirchenleitungen und theologischen Fakultäten erst am Anfang und werden gut daran tun, die Bedürfnisse transsexueller Menschen wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben. Die bedingungslose Annahme durch Gott wird allerdings immer Indikativ sein und bleiben, auch wenn die kirchliche Begleitung der Gestaltung und Ausgestaltung privater Lebensformen in neuen Gesellschaftskontexten jeweils neu zu verantworten sein wird.

Rogate: Vielen Dank, Herr Dr. Schreiber, für das Gespräch!

Mehr über Dr. Gerhard Schreiber finden Sie hier.

Mehr zum Thema:

  • Benjamin Melzer, Transgender-Mann und „Men’s Health“-Covermodel, über den Weg von einer Frau zum Mann und die Notwendigkeit, öffentlich zu werden.
  • Fotografin Kathrin Stahl über “Mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind”, ein Foto- und Textprojekt-Engagement über und für transidente Menschen. Ein Projekt, das mit einem Fotoshooting mit ihrer Tochter Marie begann, die einmal ihr Sohn war.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Rogate Kl_Aushang_Rogate Sonntag_090316-2 KopieDienstag, 5. April 16|19:00 Uhr, VESPER, Verkündigung des Herrn, in der Kapelle (Sakristei)
  • Donnerstag, 7. April 16|19:30 Uhr, ANDACHT in der Osterzeit, in der Kapelle (Sakristei)
  • Dienstag, 12. April 16|19:00 Uhr, VESPER “Nächstenliebe“, in der Kapelle (Sakristei)
  • Donnerstag, 14. April 16|19:30 Uhr, EUCHARISTIE, mit Prozessionsgang durch die Kirche
  • Dienstag, 19. April 16|19:00 Uhr, VESPER “Liebeskummer“, das Abendgebet
  • Donnerstag, 21. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET „Vergeben“
  • Dienstag, 26. April 16|19:00 Uhr, VESPER „Hochzeit“, das Abendgebet
  • Donnerstag, 28. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET, Nachtgebet
  • Hier unser Aushang April 2016.