Fünf Fragen an: Dr. Friedemann Green, Vorsteher Stiftung Das Rauhe Haus

Fünf Freitagsfragen an Dr. Friedemann Green, Vorsteher der Stiftung Das Rauhe Haus in Hamburg, über die Verbindung von Johann Hinrich Wichern mit dem Adventskranz, eine kleine christliche Predigt ohne Worte und das Ziel einer vollständigen Teilhabegerechtigkeit.

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Dr. Friedemann Green (Bild: Rauhes Haus)

Dr. Friedemann Green ist 1954 in Eckernförde geboren und aufgewachsen. Nach Schulbesuch, Zivildienst und sozialem Freiwilligendienst in England und den USA studierte er von 1978 bis 1985 Evangelische Theologie in Berlin und Hamburg. Nach seinem Vikariat in Hamburg-Lurup wurde er zunächst Gemeindepastor in der Hauptkirche St. Michaelis. Von 1988 bis 1992 arbeitete er als Pastor und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Arbeitsstelle Kirche und Stadt der Universität Hamburg und promovierte zum Thema „Kirche und Stadtentwicklung“. 1992 wurde er Pastor in Sörup, Kirchenkreis Angeln, 1999 Propst des Kirchenkreises Eiderstedt. Seit Januar 2009 ist Pastor Dr. Friedemann Green Vorsteher des Rauhen Hauses.

Rogate-Frage: Herr Pastor Dr. Green, was verbindet das Rauhe Haus mit dem Adventskranz?

Friedemann Green: Der Adventskranz steht im Mittelpunkt mehrerer Rituale, die wir jährlich um den 1. Advent im Rauhen Haus herum feiern: Zum Beispiel übergibt eine Klasse unserer Wichern-Schule jedes Jahr am Nachmittag des 1. Advent einen großen Adventskranz – in diesem Jahr mit der möglichen Höchstzahl von 28 Kerzen ! – im Hamburger Rathaus. Während der gesamten Adventszeit steht er im Foyer des Rathauses im Aufgang zum Büro des Bürgermeisters und erinnert die Besucher daran: der Adventskranz kommt aus Hamburg. Anschließend feiern wir den Adventsgottesdienst in Deutschlands einziger schwimmender Kirche, der Flussschifferkirche in der Speicherstadt des Hamburger Hafens. Außerdem werden im ursprünglichen, reetgedeckten Alten Haus, in der Schulkapelle und an anderen Orten auf dem Stiftungsgelände um den Adventskranz herum Andachten gefeiert, in denen der Kranz immer auch an die Ursprungssituation des Rauhen Hauses Wohnort für Kinder aus armen Familien erinnert.

Rogate-Frage: Welche Bedeutung hat der Adventskranz für Sie als Pastor und Christ?

Friedemann Green: Der Adventskranz ist ein wunderbares Symbol für die biblische Adventsbotschaft: Während die Tage immer kürzer und dunkler werden, erscheint insbesondere der originale Wichern`sche Adventskranz sozusagen antizyklisch jeden Tag und mit jeder Kerze ein bisschen heller. „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein helles Licht“. Die prophetische Ankündigung der Ankunft Gottes durchbricht die Dunkelheiten dieser Welt und kündigt Heil an mitten in Erfahrungen des Unheils hinein. Die biblische Heilsweissagung wird von denen am stärksten herbeigesehnt und wohl auch am aufmerksamsten gehört, die Lasten zu tragen haben und die – symbolisch gesprochen – von Dunkelheit umgeben und bedroht sind: die Hirten im Stall, das Flüchtlingspaar Maria und Joseph und andere. So gesehen ist der Adventskranz – auch wenn er in der Bibel gar nicht vorkommt – eine kleine christliche Predigt ohne Worte.

Rogate-Frage: Für manche Zeitgenossen beginnt irgendwann im November die „Weihnachtszeit“. Das Bachsche Weihnachtsoratorium erklingt an vielen Stellen vor dem 1. Advent, also viele Wochen vor Weihnachten. Manche Kirchengemeinde veranstaltet am Totensonntag einen Weihnachtsmarkt. Verschwindet der Advent aus unseren Traditionen? Welche Unterschiede zwischen Advent und Weihnachten machen Sie als Pastor?

Friedemann Green: Der vor einigen Jahren kreierte Slogan aus der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit „Advent ist im Dezember“ hat den Nagel auf den Kopf getroffen. In der Tat droht die Adventszeit mit ihrer eigenen inhaltlichen Bedeutung unter die Räder der allgemeinen und schon im Spätherbst einsetzenden Weihnachtsaufregung zu geraten. Geduld und Warten-können zählt nicht gerade zu den stärksten Tugenden unseres öffentlichen Lebens, sondern man möchte möglichst schnell zum großen Höhepunkt des Weihnachtsfestes gelangen. Dabei wird jedoch leicht übersehen, dass der Hinweg zum großen Fest und dessen Vorbereitung genauso zum Fest selbst dazu gehört wie – im Nachhinein – auch die Erinnerung daran. Es ist wie mit den Ferien oder dem Urlaub, die ihre schöne Wirkung auch bereits in der Vorfreude und vor dem ersten Ferientag entfalten. Aber gegen diesen Kaltstart in den Weihnachtsmodus ab spätestens Ende November ist nur schwer gegenan zu reden, ohne in die Ecke der Spaßbremse gedrängt zu werden. Es muss wohl jeder selbst die Erfahrung machen, dass ein zu lang ausgedehnter festlicher Höhepunkt ganz automatisch verflacht und sich selbst entwertet und dass auf der anderen Seite auch eine bewusst gestaltete Vorbereitungszeit ihren wichtigen Platz im gesamten Spannungsbogen hat. Die vielen kirchlichen Angebote, soweit sie nicht auch selbst auch zu früh in den Weihnachtsmodus schalten, sondern eigene thematische Akzente setzen, können dafür eine willkommene Hilfe sein.

Rogate-Frage: Johann Hinrich Wichern hat nicht nur den Adventskranz erfunden. Was können wir heute von ihm lernen? Welches Erbe gilt es zu bewahren?

Friedemann Green: Johann Hinrich Wichern war in vielen seiner gesellschaftlichen Einsichten ein Kind seiner Zeit und für unser heutiges Lebens- und Glaubensverständnis nur bedingt wegweisend. Besonders in pädagogischen Fragen war er jedoch seiner Zeit weit voraus und es gibt Facetten seines Denkens und Wirkens, die bis heute wegweisend sind: dazu gehört zum Beispiel die hohe Sensibilität für die individuelle Entwicklung jedes einzelnen Kindes. Ihm war daran gelegen, dass jedes Kind Lebensbedingungen vorfindet, in denen es an Leib und Seele gut gedeihen und sich als selbstbewusstes Mitglied der Gesellschaft entfalten kann. Mit großem Interesse lesen insbesondere Sozialpädagogen heute wieder über Wicherns Überzeugungen, dass auch die seelische und religiöse Entwicklung der Kinder unbedingt zu beachten und aktiv zu fördern ist. Heute sprechen wir in der Sozialpädagogik von Ressourcenorientierung und von Religions- und Kultursensibilität als Leitbegriffe einer Pädagogik, die vielfach belastete Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung stärken will. Was für Wichern selbstverständlich war, nämlich dass die Gewissheit, ein geliebtes Geschöpf Gottes zu sein, der kindlichen Entwicklung sehr förderlich ist, dass entdeckt nach Jahrzehnten weitgehender religiöser Sprachlosigkeit die Sozialpädagogik jetzt wieder neu.

Rogate-Frage: Der Berliner Aktivist Raúl Krauthausen kämpft gegen das vor kurzem vom Bundestag beschlossene Bundesteilhabegesetz (BTHG). Sie auch?

Friedemann Green: Das BTHG wird vom Rauhen Haus jetzt, wo es beschlossen ist, nicht offen bekämpft. In der Entwicklungsphase haben unsere Fachleute jedoch an verschiedenen Stellen, zusammen mit Fachverbänden und teilweise durchaus mit Erfolg versucht, Einfluss zu nehmen mit dem Ziel, möglichst viel Teilhabegerechtigkeit für die Menschen mit Beeinträchtigungen zu erreichen. In seiner jetzt vorliegenden Fassung ist das Gesetz gewiss ein großer Schritt in die richtige Richtung, wobei die Ausführungsbestimmungen vieler Details auf Länderebene noch nicht komplett vorliegen. Diesen Prozess werden wir aufmerksam verfolgen und uns daran beteiligen. Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen bleibt immer noch das große und längst nicht abgeschlossene Projekt einer weiteren und möglichst vollständigen Teilhabegerechtigkeit und eines entsprechenden barrierefreien gesellschaftlichen Miteinanders aller Menschen, unabhängig vom Grad der Beeinträchtigung Einzelner.

Rogate: Vielen Dank, Herr Dr. Green, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten:

Berlin-Schöneberg:

  • Sonnabend, 17. Dezember 2016 | 12:00 Uhr, Mittagsgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg

Kloster Lehnin, Brandenburg:

Fünf Fragen an: Prälat Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerks

Fünf Freitagsfragen an Prälat Georg Austen, Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, über eine fröhliche Provokation, eine weihnachtsmannfreie Zone und das Beispiel des Heiligen Bonifatius.

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Prälat Georg Austen (Bild: Bonifatiuswerk)

Georg Austen, 1958 geboren, ist Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken und Sekretär des Diaspora-Kommissariates der deutschen Bischöfe. Als Sekretär des XX. Weltjugendtages war er maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung des Glaubensfests beteiligt. Papst Benedikt XVI. ernannte ihn 2008 zum päpstlichen Ehrenkaplan. Austen ist zudem Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, im Konsultoren-Kollegium des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung sowie Berater in der Unterkommission für Missionsfragen der Deutschen Bischofskonferenz.

Rogate-Frage: Herr Prälat Austen, was haben Sie gegen den Weihnachtsmann?

Georg Austen: Ich habe nichts gegen den Weihnachtsmann, ich mag ihn als gemütlichen Typen in der Weihnachtszeit. Aber für mich gibt es nur ein Original und das ist der Heilige Nikolaus.

Den Weihnachtsmann sehe ich eher als eine Märchen- und Werbefigur. Der Heilige Nikolaus steht als Glaubenszeuge für unsere wertvollen christlichen Werte wie Nächstenliebe, solidarisches Handeln und Uneigennützigkeit und ist für mich ein wichtiges Vorbild, das sicherlich nicht nur den Kindern für die heutige Zeit viel zu sagen hat.

Rogate-Frage: Darum die Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“?

Georg Austen: Mit der Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“ möchten wir als Bonifatiuswerk die wertvollen Traditionen des Nikolausfestes wieder in den Mittelpunkt der Menschen rücken. Zugleich möchten wir einer Verwechslung mit der populären Werbefigur des Weihnachtsmannes entgegen wirken. Unsere Aktion sollte man aber sicherlich mit einem Augenzwinkern betrachten. Unsere Botschaft ist eine fröhliche Provokation. Ich glaube, dass die Menschen wieder werte- und traditionsbewusster werden. Viele suchen nach einem tieferen Sinn und Orientierung im Leben, wobei uns der Heilige Nikolaus den Weg weisen kann.

Rogate-Frage: Welche adventliche Botschaft verbinden Sie mit dem Nikolaus?

Georg Austen: Inzwischen lese ich immer häufiger auf Weihnachtsmärkten oder Karten die Worte ‚Happy Holiday‘ statt ‚gesegnete oder frohe Weihnachten‘. Unsere wertvolle christliche Botschaft verblasst so häufig zu einer sinnentleerten Floskel, wodurch wir unsere eigenen christlichen Wurzeln kappen. Bewusst setzen wir mit unserer Nikolausaktion einen Kontrapunkt gegen diesen amerikanischen Trend, der immer mehr zu uns nach Europa herüberschwappt. Es gilt, die Menschen wieder dafür zu sensibilisieren, dass die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest seine eigene Zeit hat. Wir wollen, dass die Freude und das Schöne, das Sinnliche und das Besinnliche unserer Traditionen lebendig bleiben und unser Weihnachtsfest als das Fest der Menschwerdung den Menschen von heute etwas zu sagen hat.

Rogate-Frage: Welche Aufgaben hat das Bonifatiuswerk heute und wo sind Sie aktiv?

Georg Austen: Als Hilfswerk für den Glauben und der Solidarität nehmen wir uns ein Beispiel am Heiligen Bonifatius und handeln in seinem Sinne. Wir unterstützen Katholiken überall dort, wo sie in der Diaspora leben. Gerade die Katholiken in einer extremen Minderheitensituation brauchen die Solidarität ihrer Mitchristen, um eine lebendige Glaubensgemeinschaft zu erleben. Ebenso möchten wir die Menschen wieder auf den Geschmack des Evangeliums bringen. Mit unseren vier Hilfsarten der Bau-, der Verkehrs-, der Glaubens- und der Kinder- und Jugendhilfe unterstützen wir Katholiken in den Regionen Nord- und Ostdeutschlands, in Nordeuropa und im Baltikum. Im Bonifatiuswerk spüren wir deutlich, dass wir uns auf neue Formen von Diaspora einstellen müssen. Alleine in Ostdeutschland gehören mehr als 75 Prozent der Bevölkerung keiner christlichen Konfession mehr an. Auch in katholischen Regionen wächst die Zahl derer, die sich von Glaube und Kirche entfernen. Diese Entwicklung ist für uns jedoch kein Grund zur Resignation, sondern ein Auftrag missionarisch und solidarisch zu wirken.

Rogate-Frage: Wie ökumenisch ist Arbeit Ihres Werkes ausgerichtet und welche Rolle wird angesichts der Säkularisierung Europas die Zusammenarbeit der Kirchen in der Zukunft spielen?

Georg Austen: In den Projekten, die wir unterstützen, ist auch der Blick auf eine ökumenische Verbundenheit selbstverständlich geworden. Gerade in Nordeuropa erfahren wir eine praktische und gelebte Ökumene, die sich in den einzelnen Regionen unterschiedlich gestaltet. Das Zeugnis für Jesus Christus in einer modernen, säkularisierten Gesellschaft verlangt nach der tiefen Verbundenheit der christlichen Kirchen. Das können auch wir in Deutschland deutlich spüren. Es reicht ein Blick nach Wittenberg. 2017 begehen wir das Reformationsgedenken mit dem Auftrag, gemeinsam nach Versöhnung zu suchen und ein gemeinsames christliches Zeugnis zu geben. Heute leben in Wittenberg die Christen insgesamt in der Diaspora. Gerade einmal 17 Prozent der Einwohner gehören einer christlichen Kirche an, eine typisches Bild für Ostdeutschland, wo mehr als 75 Prozent der Bevölkerung weder christlich getauft sind, noch sich zu einer anderen Religion bekennen. Eine Gesellschaft, die vergessen hat, dass sie Gott vergessen hat, fragt nicht danach, ob jemand einer Konfession angehört. Eine Gesellschaft, in der die Mehrheit nur wenig weiß vom Evangelium, fragt, wenn überhaupt: Wird der Glaube authentisch gelebt und welchen „Mehrwert“ gibt mir der Glaube für mein Leben? Für die Kirchen heißt das, noch intensiver zusammenzuarbeiten, um im Respekt vor der eigenen Glaubensgeschichte gemeinsam Zeugnis zu geben für das Evangelium. Als Bonifatiuswerk sehen wir unseren Auftrag aber darin, unsere Glaubensbrüder zu unterstützen bei der Suche einer Beheimatung in unserer Kirche.

Rogate: Vielen Dank, Prälat Austen, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

Fünf Fragen an: Claudia Goede, Pfarrerin Weihnachtskirche zu Spandau

Fünf Freitagsfragen an Claudia Goede, Pfarrerin an der Weihnachtskirche zu Berlin-Spandau, über den gestrigen Heiligen Abend, das Leben als „Weihnachtsfrau“ und Gott, der mitten in der Nacht zu uns kommt.

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Claudia Goede (Bild: Weihnachtskirchengemeinde)

Claudia Goede, 1962 geboren, studierte Theologie zuerst an der Kirchlichen Hochschule in Berlin (KIHO) und wechselte dann zur Ruprechts-Karls Universität in Heidelberg. 1. Theologisches Examen im Herbst 1989 in Berlin, 2. Theologisches Examen Herbst 1992 in Berlin. Ordination am 20.12.1992 in der St. Marienkirche. Seit Dezember 1992 Pastorin im Hilfsdienst und seit April 1996 Pfarrerin in der evangelischen Weihnachtskirchengemeinde in Berlin-Haselhorst. 2006 folgte eine Ausbildung zur Mediatorin am Amt für Kirchliche Dienste in Berlin.

Rogate-Frage: Frau Pfarrerin Goede, frohe und gesegnete Weihnachten Ihnen! Wie haben Sie den Heiligen Abend verbracht und was kommt an den Weihnachtstagen auf Sie zu?

Claudia Goede: Vor allem in der Kirche. Um 14.30 Uhr begann der erste Gottesdienst mit einem Krippenspiel, das unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden gestaltet haben. Das musste ich natürlich sehen. Diesen Gottesdienst hat mein Kollege gehalten. Dann habe ich zwei Gottesdienste gehalten, den einen mit einem Krippenspiel, in dem Kinder und Eltern mitgespielt haben, und in dem anderen hat unser Chor mitgewirkt. Beide Gottesdienste waren auf ihre Art schön – der eine, in dem sich Kinder in Engel verwandeln und der andere mit viel Musik.

Ich habe mich gefreut, in den Gottesdiensten viele bekannte Gesichter zu sehen, darunter auch viele ehemalige Konfirmanden und Konfirmanden. Das ist immer schön zu hören, was sie gerade machen und wie es ihnen geht. Nach den drei Gottesdiensten haben wir gegessen und um 22.00 Uhr war ich wieder in der Kirche, diesmal zu einem besinnlichen Gottesdienst, den mein Kollege gehalten hat. Ich genieße diese Gottesdienste mit ihrer besonderen Atmosphäre.

Heute werde ich noch einen Gottesdienst halten, in dem wir viele Weihnachtslieder singen und in dem es auch um ein Weihnachtslied geht: „Es ist ein Ros entsprungen„.

Rogate-Frage: Was ist Weihnachten theologisch, kirchlich und persönlich für Sie?

Claudia Goede: Theologisch ist mir wichtig, dass Gott im Kleinen zu uns kommt, im Alltäglichen. Gott kommt zu Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Mitten in der Nacht, im Dunkeln entsteht Neues. Auch in der Schöpfung entsteht neues Leben im Dunkeln, auch in der hebräischen Bibel beginnt der neue Tag mit dem Abend, da wurde aus Abend und Morgen der erste Tag, heißt es da. „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsere Nacht nicht dunkel sein“, wird in einem modernen Lied gesungen. In einem Taize-Lied heißt es: „Inmitten unsrer Nacht entzünde ein Feuer, das nie mehr erlischt.“ Das hat für mich eine große symbolische Bedeutung.

Und drittens waren Joseph und Maria mit ihrem Kind darauf angewiesen, aufgenommen zu werden sowohl in Bethlehem als auch in auf ihrer Flucht nach Ägypten. Darum wird es in den Gottesdiensten, die ich halte, auch gehen – um Mitmenschlichkeit in Notsituationen und darauf, dass Jesus gleich zu Beginn seines Lebens mit auf die Flucht musste.

Rogate-Frage: Wie kam es zu dem Namen Ihrer Gemeinde beziehungsweise der Weihnachtskirche und wie lebt es sich damit? 

Claudia Goede: Die Weihnachtskirche sollte zu Weihnachten 1935 eröffnet werden. Sie wurde am Epiphaniastag 1936 eingeweiht – mit einer kleinen Verspätung- beim Namen blieb es trotzdem. Der Name ist ziemlich einmalig, es gibt nur noch eine Weihnachtskirche und die befindet sich in Bethlehem. Einmalig zu sein, ist doch nett.

Bis Anfang der 90er Jahre arbeiteten drei Pfarrer in der Weihnachtskirche. Dass sie auch als „Weihnachtsmänner“ tituliert wurden, gefiel ihnen allerdings wenig. Ich finde es dagegen nett, „Weihnachtsfrau“ genannt zu werden.

Manchmal frage ich Kinder nach ihren Ideen, warum wir Weihnachtskirche genannt werden. Sie meinen, dass unsere Kirche nur zu Weihnachten geöffnet hat. Doch das wäre recht wenig.

Rogate-Frage: Jede Woche gibt es bei Ihnen ein Weihnachtscafé. Erinnert irgendwie an die Erzählung „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ von Heinrich Böll, oder?

Claudia Goede: Ein Techniker fragte neulich, ob bei uns wohl ständig Weihnachten sei. Nein, auch im Weihnachtscafé, das jeden Mittwoch stattfindet, gibt es nicht dauernd Stollen. Ehrenamtliche Frauen backen jede Woche andern Kuchen. In der Sommerzeit sitzen wir gerne im Garten und genießen die Sonne. Nein, auch in der Weihnachtskirche wird Weihnachten nur in der Weihnachtszeit gefeiert.

Rogate-Frage: Welche Themen haben Ihre Gemeinde und Sie in diesem Jahr besonders beschäftigt und worauf freuen Sie sich im kommenden Jahr?

Claudia Goede: Anfang des Jahres haben wir einen Imam in die Gemeinde eingeladen, um von ihm einen Vortrag über den Islam zu hören. Eigentlich wollten wir in den folgenden Monaten eine Moschee besuchen, aber das haben wir immer wieder verschoben.

Natürlich hat uns auch die Flüchtlingsthematik beschäftigt. Wir haben im Stadtteil gemeinsam mit dem Gemeinwesenverein Kleidung wie auch Spielzeug, Schulsachen, Schuhe und vieles andere mehr gesammelt, was jede Woche in ein Heim gefahren wurde. In Haselhorst soll im nächsten Jahr ein Flüchtlingsheim aufgebaut werden. Da werden wir auch Kontakte knüpfen.

Eine weitere Thematik war der Prozess Spandau 2020. Hier sollen mehrere Gemeinden in unserem Kirchenkreis eine Region bilden mit circa 10 000 Gemeindegliedern. Da Gemeinden nur noch in der Lage sind, Teilzeitstellen zu besetzen, können Gemeinden, die sich zusammentun, ganze Stellen besetzen. Damit kann verhindert werden, dass prekäre Arbeitsverhältnisse geschlossen werden. Der Prozess der Regionenbildung ist für unsere Gemeinde noch nicht abgeschlossen. Wir haben aber schon viele Gespräche mit unseren Nachbargemeinden geführt. Mit dem neuen Sollstellen 2016-2020 gehen Personal-Einsparungen einher. Keiner unserer Mitarbeitenden hat eine ganze Stelle bei uns. Unsere Sozialpädagogin mussten wir mit 50 Prozent abordnen. Sie arbeitet nun mit 50 Prozent in einem Beratungsladen für ausländische Frauen. Unser Haus- und Kirchwart hat auch nur noch eine halbe Stelle. Diese Einschnitte mussten wir erst einmal verkraften.

In diesem und im nächsten Jahr arbeitet ein Pfarrer in der Entsendung bei uns. Er hat viele neue Ideen eingebracht. Abendgebete, Bibelgesprächskreis, Abendgottesdienste kamen dazu. Das hat viel Spaß gemacht. Eine unserer Kitas wurde umgebaut, im Januar ist das hoffentlich überstanden und die Kita sieht hell und ansprechend aus.

Ich freue mich, im nächsten Jahr interreligiöse Gespräche weiter zu führen und mit meinem Kollegen zusammenzuarbeiten. Ich freue mich, die Weihnachtskirchengemeinde mit unserem kleinen Team der Weihnachtskirche, mit unserem Gemeindekirchenrat und mit den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch die Zeiten zu schippern. Ich freue mich auf viele Begegnungen und auf Gespräche über den Glauben.

Das ist ja das Schöne am Pfarrberuf, dass man vielen Menschen begegnet, etwas von ihrer Lebensgeschichte oder Lebensweise erfährt und gemeinsam mit anderen Gemeinde gestalten kann.

Rogate: Vielen Dank, Frau Pfarrerin Goede, für das Gespräch und Ihnen eine gesegnete Weihnachtszeit!

Mehr über die Weihnachtskirchengemeinde Spandau finden Sie hier: ev-weihnachtskirche.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Kapelle der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Gottesdienstliche Winterpause bis zum 12. Januar
  • Dienstag, 12. Januar 16 | 19:00 Uhr, Eucharistie, in der Kapelle, ohne Gesang/Musik
  • Dienstag, 19. Januar 16 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle
  • Dienstag, 26. Januar 16 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle
  • Sonntag, 31. Januar 16 | 10:00 Uhr, Predigtgottesdienst, in der Zwölf-Apostel-Kirche. Liturgie: Bruder Willehad Kaleb RGSM
  • Dienstag, 2. Februar 16 | 19:00 Uhr, Eucharistie, in der Kapelle, mit Posaunenmusik
  • Dienstag, 9. Februar 16 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle
  • Dienstag, 16. Februar 16 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle
  • Dienstag, 23. Februar 16 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle
  • Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier.
  • Hier unser Monatsplan Dezember 15/Januar 16.

Feiertag: Christi Himmelfahrt.

Das Fest Christi Himmelfahrt ist als selbständiges Fest erst im 4. Jahrhundert bezeugt, wurde aber schnell zu einem Fest von großem Ansehen, an dem Prozessionen begangen wurden und die Himmelfahrt durch Hochziehen einer Christusfigur veranschaulicht wurde. Später trat noch eine Vigil hinzu und endlich auch eine Oktav.
Die protestantische Kirche übernahm dieses Fest und behielt teilweise die bildliche Darstellung der Himmelfahrt bei. Erst in der Aufklärung wurde das Fest regelrecht gefährdet, aber es kam höchstens zu Verlegungen auf den Sonntag Exaudi, nicht aber zur Abschaffung des Festtages.
Das Wort Jesu: „Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“ (Joh 20, 17) ist nun verwirklicht. Er, der Auferstandene, erfüllt mit seiner Herrschaft Himmel und Erde, er umspannt alles Sichtbare und Unsichtbare.
Christi Himmelfahrt ist das Fest der Thronbesteigung Christi. Er tritt seine Herrschaft an zur rechten Hand Gottes, ist einerseits mitten in seiner Kirche, der er sich in Brot und Wein gibt, und andererseits kann er nicht mit der Größe des Weltalls erfaßt werden.
Der Tag wird aber erst vollständig mit der Verheißung in Apg 1, 11: „Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“ – Wir sehen nicht hinter dem fortgehenden Jesus her, sondern können und sollen dem kommenden Jesus entgegensehen!
Im Gottesdienst wird die in der Osternacht entzündete Osterkerze, die Zeichen für die Gegenwart des Auferstandenen unter den Menschen ist, nach der Verlesung der Himmelfahrtsgeschichte gelöscht. Die Jünger verharren ängstlich und unwissend über das Kommende in ihren Behausungen. Sie warten auf den ihnen verheißenen Geist; diese Erwartung wird auch in den Gebeten dieses Tages und des kommenden Sonntags Exaudi ausgesprochen. Noch 10 Tage dauert es, bis diese Erwartung erfüllt wird.

Jesu Himmelfahrt (Lukas 24)
50 Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. 51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. 52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude 53 und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

Quelle: Das Kirchenjahr.

Feiertag: Beten als Glaubensbekenntnis. Gedanken zum Predigttext am Sonntag Rogate.

5 Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; 6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, 7 und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. 8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf. 9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. 11 Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete? 12 Oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete? 13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

Ein Privatsender wollte es wissen. Vor Jahren schickte er kurz vor dem Heiligen Abend ein Paar an die Türen zweier Pfarrhäuser und eines Klosters. Ein Test mit versteckter Kamera. Mal sehen, wie Kirchenleute auf eine Hochschwangere in Not und Schneegestöber reagieren. Gegen Mittagnacht klingelte man die Pfarrer raus: „Unser Zug ist abgefahren, haben kein Geld und brauchen eine Unterkunft!“
Test-Pfarrer 1 rief nach langer Zeit aus dem Fenster: „Der Pfarrer ist nicht da. Kommt morgen wieder! Die Tür ist zugeschlossen. Ich liege schon zu Bett und kann nicht aufstehen!“ Fremdschämen war angesagt, als er sich später vor der Kamera erklärte.
Pfarrer 2 öffnete und teilte knapp und entschieden mit: „Helfen kann ich euch nicht!“
Die Klosterbrüder hatten schließlich den Braten gerochen, denn dort gibt es keinen Bahnhof. Die Geschichte konnte nicht stimmen. Sie boten Mahlzeit und ein Bett für die Nacht. Und sie waren schließlich froh, dass sie beim Kirchen-Test gewonnen hatten…. hier weiterlesen…

Sie finden den Text von Frater Franziskus in der Wochenzeitung „Die Kirche“ vom 29.5.2011 in voller Länge hier.

Willkommen zu unseren Rogate-Gottesdiensten am Wochenende: Sonnabend, 28. Mai, 12.oo Mittagsgebet. 18.oo Uhr Vesper. Sonntag, 29. Mai, 10.oo Uhr Evangelische Messe.

Feiertag: Jubilate. Dritter Sonntag nach Ostern.

Der Name des Sonntags Jubilate leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: Jubilate Deo, omnis terra! (Psalm 66, 1).
Am Sonntag Jubilate wird das Evangelium von Jesus als dem Weinstock gelesen. Das Thema „Die neue Schöpfung“ wird jedoch nicht ohne weiteres in diesem Evangelium deutlich, sondern in den anderen Lesungen, worin auf die Veränderungen hingewiesen wird, die durch Jesu Auferstehung bewirkt wurden und werden. Interessant ist die Wahl der priesterlichen Schöpfungsgeschichte als alttestamentlicher Lesung: hier wird das, was das Volk Israel schon lange erkannt hat, aufgegriffen: Gott hat die Schöpfung gut geschaffen, ohne Fehl und Tadel. Das zahreiche Elend ist auf das Versagen des Menschen zurückzuführen, den Willen Gottes auszuführen. Durch Christus sind wir nun dazu befähigt.

Das Evangelium des Sonntags Jubilate:

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.  Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.  Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Das Wochenlied des Sonntags Jubilate: