Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz: Propst Christian Stäblein zum neuen Bischof der EKBO gewählt

Amtsübergabe am 16. November 2019 in Berlin

Berlin, 5. April 2019 – Die Landessynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hat auf Ihrer Frühjahrstagung am 5. April 2019 den Propst der EKBO, Dr. Christian Stäblein, zum neuen Bischof der Landeskirche gewählt. Er folgt damit Bischof Dr. Markus Dröge nach, der im November nach Ablauf seiner zehnjährigen Amtszeit in den Ruhestand gehen wird. Christian Stäblein wurde im zweiten Wahlgang mit der nötigen Zweidrittelmehrheit gewählt. Er erhielt 76 der abgegebenen 113 Stimmen. Die Amtsübergabe wird im Rahmen eines Festgottesdienstes am 16. November 2019 in der St.-Marienkirche in Berlin Mitte stattfinden, der im rbb-Fernsehen übertragen wird.

Bild: Propst Stäblein (Mitte) besuchte am 2. Oktober 2015 einen Gedenkgottesdienst des Rogate-Klosters in der Zwölf-Apostel-Kirche

Bischof Dröge gratulierte dem designierten Nachfolger: „Ich sende meine herzlichen Glückwünsche an Propst Christian Stäblein zur Wahl als Bischof der EKBO. Möge Gottes Segen den neuen Bischof in diesem wunderbaren und herausfordernden Amt begleiten, das auszufüllen in unserer, lebendigen, bunten und vielfältigen Kirche viel Freude macht, wie ich in den vergangenen zehn Jahren voller Dankbarkeit erfahren durfte.“

Auch die Präses der Synode, Sigrun Neuwerth, freut sich über die Wahl und dankte den anderen Kandidaten: „Ich freue mich über die Wahl von Propst Christian Stäblein zum neuen Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und gratuliere von Herzen. Die Synode hatte die Wahl zwischen drei gleichermaßen hervorragend geeigneten, höchst respektablen Persönlichkeiten, denen ich für ihre Bereitschaft zur Kandidatur sehr herzlich danke. Die Synode hat nun entschieden, und wir freuen uns auf eine vertrauensvolle und fruchtbare gemeinsame Arbeit mit dem zukünftigen Bischof ab Mitte November. Möge Gottes Segen uns dabei begleiten!“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, gratulierte ebenfalls: „Zur Wahl zum Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gratuliere ich Christian Stäblein von Herzen. Ich habe Christian Stäblein als einen profunden Theologen und zugewandten Seelsorger kennengelernt, der umfangreiche Erfahrung auf den unterschiedlichen Ebenen kirchlichen Leitungshandelns mitbringt. Er wird das alles im neuen Amt segensreich einbringen.“

Dr. Christian Stäblein wurde 1967 in Bad Pyrmont geboren und wuchs in Hannover auf. Er studierte Evangelische Theologie sowie im Nebenfach Judaistik und Philosophie in Göttingen, Berlin und Jerusalem. Am Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Universität Göttingen arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent und wurde 2002 mit einer Arbeit über „Das jüdische Gegenüber in der evangelischen Predigtlehre nach 1945“ promoviert. Nach dem Vikariat in Grasdorf und der Ordination war er Gemeindepfarrer, zunächst in Lengede, später in der St. Martin-Kirche in Nienburg/Weser, ab 2008 dann Konventual-Studiendirektor des Predigerseminars der Hannoverschen Landeskirche im Kloster Loccum. Seit August 2015 ist er Propst des Konsistoriums der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). In dieser Funktion obliegt ihm die theologische Leitung im Konsistorium, er ist zuständig für theologische Grundsatzfragen und leitet die Abteilung 2 „Theologie und Kirchliches Leben“. Als Propst wirkt er in einer Vielzahl von Gremien in der EKBO mit und nimmt eine rege Predigt- und Vortragstätigkeit in Gemeinden und Konventen wahr. Der 51-jährige ist Mitherausgeber der Predigtstudien. Christian Stäblein ist verheiratet und hat vier Kinder.

Der Bischof vertritt die Landeskirche in der Ökumene und in der Öffentlichkeit. Zu seinen Aufgaben zählt, Theologinnen und Theologen zu ordinieren und landeskirchliche Einrichtungen und Werke zu visitieren. Er ist zugleich Vorsitzender der Kirchenleitung.

Hinweis zum Text: Übernahme der Pressemeldung der Pressestelle der EKBO.

Fünf Fragen an: Thomas Lienau-Becker, Propst in Kiel

Fünf Freitagsfragen an Propst Thomas Lienau-Becker, Kirchenkreis Altholstein, über die Aufgaben seines Amtes, die Aufgabe seiner Leitungstätigkeit und die Spiritualität im Norden.

Thomas Lienau-Becker
Propst Thomas Lienau-Becker (Foto: Anna Leste-Matzen)

Thomas Lienau-Becker wurde („gut lutherisch“) an einem Reformationstag in Hamburg geboren. Zum Studium der Theologie kam er durch „guten Religionsunterricht“ und studierte Ev. Theologie in Hamburg und Marburg. Nach dem Studium machte er ein einjähriges Praktikum in Paris gemacht, im „Centre du Christ Libérateur“, einem Beratungs- und Seelsorgezentrum für sexuelle Minderheiten. Die Arbeit als Vikar in Norderstedt bei Hamburg und dann als Gemeindepastor in Hamburg-Wilhelmsburg und Kiel schlossen sich an. Seit 2007 ist Lienau-Becker als Propst dort tätig. Ab September 2018 wird er als Pastor in der AIDS-Seelsorge „positiv leben und lieben“ in Hamburg arbeiten. Er lebt seit 1984 mit dem Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Dr. Heiko Schulze zusammen.

Rogate-Frage: Propst Lienau-Becker, was verbirgt sich hinter dieser Amtsbezeichnung in der Nordkirche und welche Aufgaben stehen dahinter?

Thomas Lienau-Becker: In der Nordkirche sind die Pröpstinnen und Pröpste jeweils die leitenden Geistlichen einer Region. In anderen evangelischen Landeskirchen werden sie Dekane/innen oder Superintendent/inn/en genannt. . Sie sind unmittelbare Dienstvorgesetzte der Pastorinnen und Pastoren. Sie visitieren die Kirchengemeinden, beraten und begleiten sie, und wirken bei der Wahl und Einführung von Pastorinnen und Pastoren mit.

Außerdem vertreten Pröpstinnen und Pröpste die Evangelische Kirche in der Öffentlichkeit ihrer jeweiligen Region. Dies hat in der Landeshauptstadt Kiel, wo ich seit 2007 Propst bin, natürlich eine besondere Bedeutung. Viele große Organisationen haben hier ihren Sitz, und ich vertrete unsere Kirche im Dialog mit ihnen.

Rogate-Frage: Sie werden nach zehn Jahren im Amt als Propst des Kirchenkreises Altholstein zurücktreten. Warum? 

Thomas Lienau-Becker: Zunächst einmal sind kirchenleitende Ämter – wie andere übergemeindliche Pfarrstellen – auf Zeit vergeben. Darin drückt sich aus, dass es sich auch bei Leitungsämtern um pastorale Dienste handelt, die ihre Legitimation durch eine Wahl erhalten. Ich kann es auch anders sagen: Ein Propst ist für mich kein „höherer“ oder „besserer“ Pastor als andere. Natürlich wird es eine große Umstellung sein, demnächst nicht mehr in einem Leitungsamt zu arbeiten. Andererseits finde ich meine künftige Aufgabe als Pastor in der Aids-Seelsorge in Hamburg genauso spannend und attraktiv wie mein jetziges Amt. Ich denke da wirklich nicht hierarchisch, auch wenn ich weiß, dass es für den Weg, den ich jetzt gehe, nicht viele Vorbilder gibt. Aber ich freue mich auf die Veränderung!

Dass ich diesen Weg gehe, hängt auch mit meinem Lebenspartner zu tun, der chronisch erkrankt ist und gerade in den Ruhestand gegangen ist. Wir möchten zusammen etwas Neues beginnen.

Rogate-Frage: Wie viel Barmherzigkeit ist in einem leitenden Amt in der Kirche möglich und ‑ durch Jesu Auftrag – nötig?

Thomas Lienau-Becker: Sicher ist der begriff der Barmherzigkeit nicht der erste, den man im Zusammenhang mit einem kirchlichen Leitungsamt nennt. Denn auch in der Kirche gibt es Regeln, die eingehalten werden sollen. Damit hatte ich als Propst natürlich viel zu tun. Gelegentlich kann die Anwendung von Regeln natürlich auch schwer fallen. In aller Regel habe ich aber mich mit den Regeln, für deren Durchsetzung ich sorgen musste, gut identifizieren können. Sonst hätte ich ein kirchliches Leitungsamt sicher nicht wahrgenommen.

Barmherzigkeit im Sinne einer guten Zuwendung zu anderen Menschen finde ich jedoch außerordentlich wichtig. Für mich ist der Respekt vor Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit und mit ihren jeweiligen Gaben die Grundlage für jeden Umgang miteinander. Solchen Respekt auszudrücken, halte ich für die wichtigste Aufgabe in der Wahrnehmung eines Leitungsamts schlechthin. Und dieser Respekt gilt jedem Menschen, unabhängig von allen dienstlichen Hierarchien. Um solchen Respekt habe ich mich immer sehr bemüht, er ist für mich das A und O jedes Leitungshandelns. .

Rogate-Frage: Wie wirkt sich das Leben im Norden auf Glauben und Spiritualität von Gemeinden und Menschen aus?

Thomas Lienau-Becker: Schleswig-Holstein ist ein Bundesland mit einer vergleichsweise hohen Kirchenmitgliedschaft. Generell würde ich aber sagen: „Der Norddeutsche an sich“ ist kein sonderlich religiöser Mensch.

In Kiel aber ist die Kirchenmitgliedschaft gering, wie in den meisten Großstädten. Ich denke aber, dass es in dieser Stadt noch einen eigenen Grund dafür gibt. Die Stadt Kiel war und ist immer geprägt gewesen durch Zuwanderung – von Arbeitenden, Studierenden oder Geflüchteten. Heimat – in jedem Sinn – müssen sich viele Menschen in Kiel folglich erst suchen. Dies schließt auch eine geistliche Heimat ein. Und immer mehr Menschen finden solche „geistliche Heimat“ eben nicht in der Kirche oder der christlichen Spiritualität. Ich habe den Eindruck, dass Menschen in Kiel in religiöser Hinsicht besonders stark Verstreute, Suchende oder Vagabundierende sind. Und leider sind viele auch schlicht desinteressiert. Aber auch das gilt es ernst zu nehmen und zu respektieren.

Rogate-Frage: Sie werden neuer Pastor für Menschen mit HIV und Aids in Hamburg. Was erhoffen Sie sich von der neuen Stelle und welche Erwartungen haben Sie?

Thomas Lienau-Becker: Die Lebenswelten vieler Menschen mit HIV und Aids sind mir nicht fremd. Insofern freue ich mich, an viele Erfahrungen meines Lebens wieder anknüpfen zu können, die in den letzten Jahren weniger im Vordergrund standen. Mir ist wichtig, unterschiedliche Lebenswelten (nicht nur von schwulen Männern, sondern auch anderen aus der LGBT-Community sowie von Drogenkonsumenten und Sexarbeitern) in der Kirche sichtbar zu machen. Und in die andere Richtung hin ist mir wichtig, diesen Menschen gegenüber die große Liebe Gottes glaubhaft zu bezeugen. Ich glaube, ich bringe für beides ganz gute Voraussetzungen mit. Und damit will ich dann auch gern weiterführen, was in der AIDS-Seelsorge unter der Überschrift „positiv leben und lieben“ in den vergangenen Jahren gewachsen ist.

Rogate: Vielen Dank, Herr Propst Linau-Becker, für das Gespräch.

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Die nächsten Rogate-Gottesdienste und Termine:

 

Trauer: Rogate-Ehrenmitglied Pfarrer i.R. Gerhard Fischer verstorben.

2017 10 Trauer-Gerhard FischerDas Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin trauert um sein am 9. Oktober 2017 verstorbenes Ehrenmitglied Pfarrer i.R. Gerhard Fischer.

Er war als Geistlicher u.a. an der Paul-Gerhardt-Kirche bzw. der Dorfkirche in Alt-Schöneberg tätig.

Pfarrer Fischer war uns geistlicher Freund, liturgischer Ratgeber und im Gebet verbunden. Wir sind dankbar, dass wir ihn kennenlernen und erleben durften. Seine Frömmigkeit, ökumenische Weite und sein Glaube haben uns tief beeindruckt und unser Kloster mitgeprägt. Dafür sind wir dankbar.

Der Herr gebe ihm die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihm. Der Herr lasse ihn ruhen in Frieden. Amen.

Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin

Die verbleibenden Ehrenmitglieder des Rogate-Klosters sind Alt-Oberin Ruth Sommermeyer, Pater Klaus Mertes SJ und der Bischof von Saltillo, José Raúl Vera López.

Fünf Fragen an: Superintendent Uwe Simon, Kirchenkreis Oberes Havelland

Fünf Freitagsfragen an Uwe Simon, Superintendent im Kirchenkreis Oberes Havelland, über Ärger mit dem Bundesgrenzschutz, Irritationen in Brandenburger Gemeinden und den Sinn von internationaler Partnerschaftsarbeit.

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Superintendent Uwe Simon (Bild: Rogatekloster)

Uwe Simon stamt aus Berlin. Er studierte Evangelische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Berlin. Seit 2002 war er Superintendent erst des Kirchenkreises Templin-Gransee, seit 2011 ist er in dieser Funktion  leitender Pfarrer des neu gebildeten Kirchenkreises Oberes Havelland mit Wohn- und Dienstsitz in Gransee. Simon ist zudem Stellvertretender der Generalsuperintendentin im Sprengel Potsdam.

Rogate-Frage: Herr Superintendent Simon, Sie sind im Moment nicht gut auf die Bundespolizei zu sprechen. Warum?
Uwe Simon: Am 19. August erwarteten wir eine aus sechs Teilnehmer*innen bestehende Gruppe aus Simbabwe zur jährlichen Partnerschaftsbegegnung in unserem Kirchenkreis. Trotz ausgestellter Visa, einer im Original vorliegenden Einladung, einer Verpflichtungserklärung, Hin- und Rückflugtickets, einer Krankenversicherung und einer Kostenübernahmeerklärung verhinderte ein Bundespolizist, der auf dem Flughafen Johannesburg als Einreise- und Visaberater tätig ist, die Weiterreise nach Deutschland und machte die Visa in den Reisedokumenten nach unserer Auffassung rechtswidrig ungültig. Die Gruppe war in seinen Augen unglaubwürdig, weil sie nach seiner Auskunft ärmlich gekleidet, mit nur wenig Gepäck und ohne Bargeld ausgestattet war. Die Dokumente sah er ohne wirkliche Prüfung als Fälschung an. Die Reisenden wurden an der Weiterreise gehindert und auf dem Flughafen in Johannesburg sich selbst überlassen.
Rogate-Frage: Wie reagieren Ihre Pfarrer und Gemeinden in Brandenburg auf das Verbot der Einreise Ihrer Gäste? Und wie die Zurückgewiesenen?
Uwe Simon: Neben der Enttäuschung, nach all den Vorbereitungen und Planungen für einen dreiwöchigen Aufenthalt die Gäste nicht begrüßen zu können, ist die Empörung über die erlebte Willkür ebenso groß wie die Unsicherheit unserer Freunde aus Simbabwe, ob in Zukunft partnerschaftliche Begegnungen noch möglich sein werden. In den Gemeinden wird lebhaft diskutiert, warum die Tätigkeit von Einreise- und Visaberatern weltweit so wenig bekannt ist. Sie haben ja offensichtlich den Auftrag schon an den möglichen Ausgangspunkten die Weiterreise beziehungsweise Einreise möglicher Flüchtlinge und Asylbewerber nach Deutschland zu verhindern. Was bedeutet dies dann für das grundgesetzlich garantierte Asylrecht, aber auch für alle Begegnungspartnerschaften und ökumenischen Begegnungen mit Gästen aus afrikanischen Ländern? Lassen wir uns von einem grundsätzlichen Misstrauen in unserem Handeln bestimmen oder von einer Offenheit allen gegenüber unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem sozialen Status?
Rogate-Frage: Was war geplant mit Ihren Gästen aus der Partnerkirche?
Uwe Simon: Neben Hospitationen in Kindergärten, landwirtschaftlichen Betrieben, Schulen und Werkstätten waren private Begegnungen mit wechselnden Gastfamilien, gemeinsame Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen, aber auch Beratungen über die zukünftigen Partnerschaftsprojekte und Benefizkonzerte geplant, mit denen für Hungerhilfe- und Brunnenbauprojekte geworben und Spendenmittel eingeworben werden sollten.
Rogate-Frage: Wozu gibt es die Partnerschaften mit Kirchen in anderen Ländern?
Uwe Simon: Wir verstehen unsere Partnerschaft als eine Hilfs- und Begegnungspartnerschaft. Entwicklungshilfe und ökumenische Kontakte sind gleichermaßen  Anliegen dieser Partnerschaft. Wir leben unseren Glauben gemeinsam und lernen uns in unseren unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten kennen und verstehen.
Rogate-Frage: Wie soll es nun weitergehen? Was planen Sie?
Uwe Simon: Wir halten daran fest, dass Begegnungen in Simbabwe und Deutschland stattfinden und werden alles versuchen, den verhinderten Besuch im nächsten Jahr zu ermöglichen. Dazu ist es aber nicht nur erforderlich, dass alle Sperrvermerke der abgewiesenen Gäste gelöscht, sondern auch der entstandene Schaden, der bei circa 10.000 Euro liegt von den veranwortlichen Stellen wieder gutgemacht wird. Denn es sind überwiegend Spendengeldern, aus denen die Kosten zur Beantragung und Erstellung der Visa und die Flugtickets finanziert wurden. Und es fehlen für die nächsten Projekte Spenden, die eingeworben werden sollten.

ISSN 2367-3710
ISSN 2367-3710

Rogate: Vielen Dank, Herr Superintendent Simon, für das Gespräch.

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten und Veranstaltungen:

Fünf Fragen an: Dr. Eva Högl, stellv. Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion

Fünf Fragen an Dr. Eva Högl, MdB und stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, über eine Strafanzeige gegen einen Weihbischof, ihren Einsatz gegen menschenverachtende Äußerungen und die Erwartungen an die Kirchen.

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MdB Dr. Eva Högl (Bild: SPD-Fraktion)

Dr. Eva Högl wurde 1969 in Osnabrück geboren, studierte Rechtswissenschaften in Osnabrück und im niederländischen Leiden. Sie ist evangelisch, verheiratet und lebt im Wedding in Berlin-Mitte. Seit 2009 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages und vertritt den Wahlkreis Berlin-Mitte als direkt gewählte Abgeordnete der SPD. Die Themen Frieden, soziale Gerechtigkeit und sozialer Zusammenhalt haben sie vor genau 30 Jahren zur SPD gebracht.

Rogate-Frage: Warum haben Sie einen Strafantrag gegen den Salzburger Weihbischof Laun gestellt.

Eva Högl: Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun hat am 24. März 2017 auf der Internetseite „kath.net“ einen als „Hirtenbrief“ bezeichneten Text veröffentlicht, der hetzerische und menschenrechtsverletzende Passagen und Vergleiche enthält. Bischof Laun bezeichnet darin Homosexuelle als „gestörte Männer und Frauen“ mit „anatomischer Missbildung“ und unterstellt ihnen, die Rechte des Artikels 6 Grundgesetz sowie die demokratische Grundordnung in „autoritärer“ Weise angreifen zu wollen. Zudem rückt er Homosexualität in die Nähe von Pädophilie. Darüber hinaus beschreibt Bischof Laun Homosexualität und Genderstudien, in ihren Handlungsweisen und Zielen, als auf einer Stufe mit dem Nationalsozialismus und seiner Rassen- und Vernichtungsideologie stehend. Er hängt damit homosexuellen Menschen Begriffe an, die sowohl für Christen*innen als auch für Nicht-Christen*innen als Hassbegriffe verständlich sind.

Solch homophobe und menschenverachtende Äußerungen müssen bestraft werden. Aus diesem Grund habe ich zusammen mit meinen Kollegen Karl-Heinz Brunner und Johannes Kahrs sowie dem stellvertretenden Landesvorsitzenden von SPDqueer in Berlin, Christopher Jäschke, Strafantrag gegen den Bischof und die Betreiber der Internetseite bei der Staatsanwaltschaft in Berlin gestellt.

Rogate-Frage: Ist ein Strafverfahren das richtige Instrument, um inhaltliche Auseinandersetzungen mit Kirchenleuten zu führen?

Eva Högl: Wenn jemand in einer Art und Weise gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen hetzt, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören und zum Hass gegen diese Gruppe aufstachelt, dann ist das keine inhaltliche Auseinandersetzung mehr, sondern strafbar. Wo Recht verletzt wird, müssen wir auch mit den Mitteln des Rechtsstaates reagieren.

Rogate-Frage: Auch an der Seite kath.net üben Sie Kritik und haben ebenfalls einen Strafantrag gestellt. Warum?

Eva Högl: Wir haben bei der Berliner Staatsanwaltschaft auch Strafantrag gegen die Betreiber*innen der Internetseite „kath.net“ mit Sitz in Linz und deren verantwortlichen Redakteur Roland Noé gestellt. Die Internetseite ist für deutsche Nutzer*innen ohne Einschränkung zugänglich und verbreitet nach unserer Auffassung Schriften, die zum Hass und zu Gewalt gegen Menschen aufstachelt. Wir Antragsteller*innen waren auch der Meinung, dass die Seite den Nationalsozialismus verharmlost und homosexuelle Menschen verächtlich macht sowie in der Öffentlichkeit herabwürdigt. Aus diesen Gründen haben wir bei der Staatsanwaltschaft beantragt, diese Sachverhalte zu prüfen.

Rogate-Frage: Sie kritisieren die Positionen des römisch-katholischen Bischofs. Welche Erwartungen haben Sie an die Kirche in Bezug auf LGBTIQ?

Eva Högl: Die Evangelische Kirche in Deutschland begrüßt die Ehe für alle. Der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, hat in der Vergangenheit die Gleichwertigkeit homosexueller Beziehungen verteidigt. Auf dem vergangenen Kirchentag in Berlin wurden homo- und heterosexuelle Paare öffentlich getraut. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz bietet zudem Trauungen für homosexuelle Paare an. Drei weitere Landeskirchen in Deutschland haben ähnliche Angebote und ich sehe die evangelische Kirche auf einem guten Weg.

Ich respektiere, dass die katholische Kirche eine andere Auffassung hat und die Ehe ein Sakrament ist. Jede Familienform verdient Anerkennung, Zuspruch und rechtliche Absicherung. Das sind sehr christliche Werte. Wir als Staat und Gesetzgeber stellen uns dieser Realität: Es gibt vielfältige Formen des Zusammenlebens. Und das sollten alle Kirchen akzeptieren.

Rogate-Frage: Nach und nach sind evangelische Landeskirchen dabei, die völlige Gleichstellung von Lesben und Schwulen umzusetzen. Wann werden der deutsche Staat und der Bundestag soweit sein?

Eva Högl: Der Deutsche Bundestag hat am 30. Juni 2017 mit dem Beschluss zur Ehe für alle den Weg zur vollständigen Gleichstellung Homosexueller freigemacht. Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) wird künftig stehen: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen“. Damit ist es Homosexuellen ab Inkrafttreten des Gesetzes möglich, eine Ehe auf den Standesämtern zu schließen – genau wie heterosexuelle Paare. Damit erlangen schwule oder lesbische Ehepaare auch das volle Adoptionsrecht, was bedeutet: Sie können gemeinsam Kinder adoptieren.

Die SPD hat sich lange für die Abstimmung eingesetzt, die der Koalitionspartner aber nicht wollte. Vier Jahre lang haben wir in der SPD-Bundestagsfraktion tagtäglich mit unserem Koalitionspartner geredet, argumentiert, diskutiert und harte Überzeugungsarbeit geleistet. Denn auf diese wichtige gesellschaftliche Entscheidung haben viele Menschen lange gewartet. 82 Prozent der Deutschen befürworten die Ehe für alle. Für mich war es eine nicht zu rechtfertigende Diskriminierung, hier nach dem Geschlecht zu unterscheiden.

Ich freue mich sehr, dass der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit für die Ehe für alle gestimmt hat. Die Diskriminierung homosexueller Paare wird endlich aufgehoben. Das ist ein Grund zum Feiern!

Rogate: Vielen Dank, Frau Dr. Högl, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Aktualisierung: Die Ermittlungsverfahren gegen Andreas Laun und Roland Noé sind im Mai 2017 durch die Staatsanwaltschaft Berlin eingestellt worden.

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Willkommen zu unseren nächsten Gottesdiensten:

  • Freitag, 14. Juli 2017 | 19:30 Uhr, Eröffnungsgottesdienst zum 25. Lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin. Predigt: Bischof Dr. Matthias Ring (Katholisches Bistum RogateKl_Aushang A4_Stadtfest2017_111116der Alt-Katholiken in Deutschland). Predigttext: 1. Petrus 4, 7-10. Weitere Mitwirkende: Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit), Die Schwestern des Hospizdienstes Tauwerk, Dekan Ulf-Martin Schmidt (Alt-Katholische Gemeinde Berlin), Pastorin Dagmar Wegener (Baptistische Gemeinde Schöneberg), Geschäftsführer Jörg Steinert (Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg, LSVD) und Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert (SPD).  Ort: RogateKl_DINlang_Wilhelmshaven_RZ140617_Front KopieZwölf-Apostel-Kirche. Orgel: Malte Mevissen. Kirchdienst: Christopher Chandler (Zwölf-Apostel-Gemeinde). Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, Berlin-Schöneberg.
  • Montag, 17. Juli 2017 | 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Achim Postert, AfD. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.
  • Montag, 24. Juli 2017 | 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Alexander von Fintel, Bündnis 90/Die Grünen. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.
  • Montag, 31. Juli 2017, 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Dr. Holger Onken, Die Linken. Ort: Christus- und Garnisonkirche; Gemeindehaus, Wilhelmshaven.
  • Montag, 31. Juli 2017, 21:00 Uhr, Mondandacht zu „Der Mond ist aufgegangen”. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.

Fünf Fragen an: Prälatin Gabriele Arnold Ev. Landeskirche in Württemberg

Fünf Fragen an Prälatin Gabriele Arnold, Prälatur Stuttgart der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, über die Rolle als CSD-Schirmfrau, die Ehe für alle und den schmerzhaften Auszug von LSBTTIQ aus der Kirche.

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Prälatin Gabriele Arnold (Bild: Landeskirche)

Gabriele Arnold ist 1961 in Stuttgart geboren. Sie hat in Tübingen, Mainz und Berlin evangelische Theologie studiert und in Laichingen (Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen) und Berlin ihr Ausbildungsvikariat gemacht. Nach Pfarrstellen in Hengstfeld (Kirchenbezirk Blaufelden) und Stuttgart war sie seit 2009 geschäftsführende Pfarrerin in Bad Mergentheim (Kirchenbezirk Weikersheim). Gabriele Arnold engagierte sich auch über ihre Kirchengemeinde hinaus. So war sie vier Jahre stellvertretende Dekanin und ist seit 2007 Vorsitzende der Evangelischen Mütterkurheime. Außerdem gehört sie dem Präsidium der Evangelischen Frauen in Württemberg (efw) an. In ihrer Freizeit sind ihr die Familie und der Freundeskreis wichtig. Zu ihren Hobbys zählt sie Lesen – „aber keine Krimis!“ –, Gartenarbeit, Reisen im Mittelmeerraum auf den Spuren der Antike, Kochen sowie Shoppen mit Schwiegertochter und Freundinnen.

Rogate-Frage: Frau Prälatin Arnold, der Stuttgarter CSD hat Sie angefragt, ob Sie Schirmherrschaft des diesjährigen CSD übernehmen. Wie ist es dazu gekommen und welche Gedanken haben Sie dabei bewegt?

Gabriele Arnold: Diese Anfrage kam im Jahr des Reformationsjubiläums; der CSD Stuttgart hat mit dem Leitwort des Perspektivwechsel einen Perspektivwechsel innerhalb der Kirche anregen wollen aber auch einen Perspektivwechsel innerhalb der Community auf die Kirche hin initiieren wollen.

Da ich in der Community einige Freunde und Bekannte habe und schwule Kollegen, die im CSD engagiert sind, wussten die Organisatoren des CSD sicher von meiner Einstellung zu LSBTTIQ.

Meine Zusage habe ich gerne gegeben, denn der CSD als bürgerschaftliche Bewegung hilft Menschenrechtsverletzungen aufzuzeigen und ermutigt alle, die sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung einsetzen, in welcher Gruppe, in welcher Partei in welchem Verein auch immer und eben auch in der Kirche. Die CSD-Bewegung hat schon viel erreicht und das gesellschaftliche Klima nachhaltig verändert.

Rogate-Frage: Welche Botschaft wollen Sie mit Ihrer Schirmherrschaft an Kirche, Gesellschaft und LGBTIQ-Community senden?

Gabriele Arnold: Vor 500 Jahren begann mit der Reformation ein ganz entscheidender Perspektivwechsel, der die Kirche aber auch die mittelalterliche Gesellschaft zutiefst verändert hat. Daran erinnern wir uns in diesem Jahr und feiern die Reformation.“… da ist Freiheit“ – so lautet das Motto des Reformationsjubiläums in der württembergischen Landeskirche. Damit dieser Satz aus dem Neuen Testament aber nicht nur ein frommer Wunsch ist, sind wir alle immer neu gefordert. Der Geist der Freiheit gibt Vorurteilen und Ausgrenzung keinen Raum. Er ermutigt uns, vorgefasste Denkmuster und Einstellungen in Frage zu stellen. So wie Martin Luther das in Bezug auf den Glauben und die Beziehung der Menschen zu Gott und damit immer auch zu den anderen gedacht und gelebt hat. Der CSD passt hervorragend zu diesem Motto der Landeskirche. Denn auch in der Kirche wurden Lesben, Schwule und LSBTTIQ ausgeschlossen oder verachtet und viele lesbische und schwule Christen mussten sich verstecken und ihre Sexualität verleugnen. Nicht wenige haben deshalb die Kirche verlassen. Das tut mir sehr leid. Aber es tut sich etwas.  Für den Perspektivwechsel und den Geist der Freiheit gegen Vorurteile und Verschweigen, Weggucken und Doppelmoral fanden und finden sich viele Unterstützerinnen und Unterstützer in vielen Teilen der Gesellschaft und damit auch der Kirche.

Schon im Jahr 2000 wurde eine Studie („Gesichtspunkte im Blick auf die Situation homosexueller kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“) der württembergischen Landeskirche veröffentlicht in der es unter anderem heißt:

  • Die Kirche muss deutlich machen, dass entgegen früheren Verhaltensweisen und Vorbehalten auch homosexuelle Menschen fraglos zu unserer Kirche gehören und dieselbe Liebe und Zuwendung Gottes empfangen wie alle anderen Mitglieder der Kirche auch“.
  • „Unsere württembergische Landeskirche anerkennt, dass sie an der Diskriminierungs- und Verfolgungsgeschichte homosexueller Menschen einen Schuldanteil zu übernehmen hat. Sie ist sich bewusst, dass manche Schwule und Lesben durch belastende Erfahrungen in der Kirche in schwere Lebens- und Glaubenskrisen geraten sind. Sie bittet alle Schwulen und Lesben, an denen sie schuldig geworden ist, um Vergebung“.
  • „Die Landeskirche bringt zum Ausdruck, dass die gemeinsame Zugehörigkeit von Homo- und Heterosexuellen zur Kirche keine Bedrohung, sondern Bereicherung ist.“

Rogate-Frage: Ungewöhnlich scharf haben manche Kreise auf Ihre positive Haltung und Akzeptanz sexueller Minderheiten reagiert. Was entgegnen Sie Ihren Kritikern?

Gabriele Arnold: Gerade Menschen, die dem CSD kritisch gegenüber stehen, will ich ermutigen sich, auf einen Perspektivwechsel einzulassen. Wir müssen den Perspektivwechsel miteinander einüben. Miteinander werden wir überlegen: Wie kann es gelingen, dass Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen miteinander reden statt übereinander? Wie können wir lernen, den anderen, die andere mit ihren eigene Erfahrungen ernst zu nehmen und wert zu schätzen? Wie schaffen wir ein Klima der Akzeptanz und nicht der Intoleranz? Diese Fragen bewegen uns im Hinblick auf viele gesellschaftliche Themen. Ich bin froh, dass der CSD hier seinen Beitrag leistet.
Rogate-Frage: Am Freitag stimmt der Deutsche Bundestag über die Ehe für alle ab. Welche Bedeutung hat diese Entscheidung für Kirche und Gesellschaft?
Gabriele Arnold: Die Entscheidung für die Ehe für alle ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Akzeptanz. Aber zunächst einmal handelt es sich dabei ja um eine staatliche Angelegenheit. Aber diese Entscheidung wird das Bewusstsein der Menschen in unserem Land verändern. In den Kirchenleitungen und Synoden muss auf diesem Hintergrund sicher nachgedacht werden, ob und was das für die kirchliche Trauung bedeutet. Im ökumenischen Kontext wird das viele Fragen aufwerfen.
Rogate-Frage: Wann und wie kann eine Gleichstellung lesbischer und schwuler Paare in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg folgen?
Gabriele Arnold: Lesben und Schwule können in unseren kirchlichen Ämtern – Haupt und Ehrenämtern arbeiten. Es gibt Gemeinden, in denen lesbische und schwule Pfarrer/innen mit ihren Partner/innen im Pfarrhaus leben. An der Frage der Segnung arbeiten unsere synodalen und kirchenleitenden Gremien. Auch in vielen Gemeinden finden Gespräche darüber statt.
 Rogate: Vielen Dank, Frau Prälatin Arnold, für das Gespräch!

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Willkommen zu unseren nächsten Gottesdiensten:

Meinung: Trauung für alle

cw 9511 1 RegenbogenfahneDie Glocken der Kirchen läuten in diesen Wochen besonders häufig. Ab Mai bis in den August wird viel geheiratet. Viele suchen sich einen Heiratstermin in der schönen Jahreszeit, wenn alles blüht und die Feste sogar draußen gefeiert werden können – sofern das Wetter mitspielt. Zumindest ist die Chance auf schöne Hochzeitsfotos größer.

Wir Menschen sehen uns nach Nähe. Sich zu verlieben ist wunderbar – ein Traum, wenn die Liebe erwidert wird. Der Wunsch nach Verbindlichkeit und Ritualen ist groß. Viele erfahren zudem, Gottes Segen beflügelt, stärkt die Verbindung und das Miteinander.

Doch stellen Sie sich mal vor, Ihnen wäre es verboten zu heiraten. Wie fühlt es sich an, wenn Staat und Kirche sagen: „Ihr dürft nicht!“ Lesbischen und schwulen Paaren ging es lange so. Ihnen ist weiter die staatliche Ehe untersagt. Viele fordern lange schon gleiche Rechte und die Öffnung zu einer Ehe für alle. Dadurch würde niemanden etwas genommen werden. Keiner heiratet weniger, weil andere heiraten dürfen.

Lange genug waren die Kirchen nicht Teil der Lösung, sondern haben durch Ausgrenzung von Lesben und Schwulen schwere Schuld auf sich geladen. Die evangelische Kirche ist einen langen Weg gegangen: In der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) ist die Gleichberechtigung hergestellt. Die Synode der Oldenburger Kirche hat vergangene Woche beschlossen, die Diskriminierung zu beenden und gleichgeschlechtliche Paare in allen Rechtstexten gleich zu stellen. Dazu gehört die „Trauung für alle“, die Öffnung der Traugottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare.

Gesellschaft und die Kirche werden lebenswerter, wenn alle gleichberechtigt sind, volle Bürgerrechte haben, Liebe Respekt erfährt und Vielfalt als Bereicherung verstanden wird. Vielleicht hören wir künftig noch öfter Hochzeitsglocken. Frauen- und Männerpaare heiraten und bitten um Gottes Segen bitten. Eingeladen sind sie. Es gibt genug „Trauung für alle“. Und das ist gut so.

Ein Meinungsbeitrag von Bruder Franziskus Aaron RGSM

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten und Terminen: