Grußwort von Senator Dr. Klaus Lederer zum Eröffnungsgottesdienst des 27. Stadtfestes Berlin

Grußwort zum Eröffnungsgottesdienst des 27. Lesbisch-schwulen Stadtfests am Freitag, 19. Juli 2019, 19.30 Uhr, Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin

Dr. Klaus Lederer (Foto: DiG/Trialon)

Wenn wir an diesem Wochenende das lesbisch-schwule Stadtfest feiern, wird hier in Schöneberg wieder die ganze Vielfalt der queeren Community unserer wunderbaren Metropole Berlin, dieser Hochburg des von der Hetero-Norm Abweichenden, zusammenkommen.

So mannigfaltig wie die sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten innerhalb der queeren Community sind auch die von uns gehegten und gelebten religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen und Zugehörigkeiten.

In der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und inter* Community wissen wir darum, dass diese Vielfalt eine Stärke ist, dass sie unser Zusammenleben bereichert und spannend macht. Für die religiöse und weltanschauliche Vielfalt Berlins gilt das genauso.

Deshalb müssen wir, wenn wir gegen gesellschaftliche Spaltungen, Diskriminierung und Intoleranz ankämpfen wollen, den interreligiösen, religionsübergreifenden Dialog stärken, aber natürlich auch den intra-religiösen Dialog und Austausch über die Diversität innerhalb der jeweiligen Glaubens- und Weltanschauungsgemeinschaften.

Der heutige Gottesdienst, der inzwischen selbst schon eine kleine Tradition ist, ist ein tolles Zeichen für mehr

Sichtbarkeit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in der christlichen Ökumene und ein wichtiger Beitrag zur Selbstverständigung einer Kirche über ihre Werte und Normen in der heutigen Zeit.

Aus all diesen Gründen und weil ich weiß, mit wie viel Herzblut und Hingabe das Rogate-Kloster diesen Gottesdienst jedes Mal aufs Neue gestaltet, freue ich mich sehr, heute wieder bei Ihnen und euch sein zu dürfen und im Namen des Regierenden Bürgermeisters und des Senats von Berlin die besten Grüße zu überbringen.

Wir alle wissen, dass viele Religionsgemeinschaften sich auch heute noch extrem schwer tun mit der Akzeptanz von Homo-, Bi-, Trans- oder Intersexualität.

Und wenngleich ich als für Religions- und Weltanschauungsfragen zuständiges Senatsmitglied die staatliche Neutralität in Bezug auf die Konfessionen zu wahren habe, will ich mir zumindest die eine Anmerkung erlauben, dass ich es durchaus bemerkenswert finde, dass die EKBO gleichgeschlechtlichen Paare in Berlin und Brandenburg seit Juli 2016 die kirchliche Trauung ermöglicht – und damit dem deutschen Bundestag ein gutes Stück voraus war. Auch die Präsenz mit eigenem Stand auf dem Motzstraßenfest unterstreicht, dass diese Hinwendung zur queeren Community ernst gemeint ist.

Das nötigt mir Respekt ab – und ich gebe zu, dass es mich durchaus freuen würde, wenn dieses Klima der Akzeptanz auch bei anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften inzwischen so eine Selbstverständlichkeit geworden wäre.

Apropos Selbstverständlichkeit: Auch wenn ich mich als schwuler Mann hier bei Ihnen und Euch unter Freundinnen und Freunden weiß, so besorgt mich doch das gesamtgesellschaftliche Klima der letzten Jahre, wenn hier und in nicht wenigen unserer Nachbarländer Gegnerinnen und (mehrheitlich männliche) Gegner der Gleichstellung großen Zuspruch erfahren, wenn völlig abstruse Attacken auf die Gender Studies und auf alles Nicht-Heteronormative medial eine erschreckend hohe Aufmerksamkeit erhalten.

Wenn man mir dann allenthalben erzählt, man müsse doch deren „Ängste“ vor zu rascher Modernisierung der Lebensweisen ernstnehmen, dann will ich zumindest, dass meine Angst davor, mich als schwuler Mann in diesem Land (wieder) vor Übergriffen und homophoben Hassverbrechen fürchten zu müssen, genauso ernst genommen wird wie deren Angst vor gleichen Rechten (die im Übrigen niemandem etwas wegnehmen außer einem symbolischen Privileg).

Hier gilt es, uns als queere Community nicht auseinanderdividieren zu lassen, denn auch ein halbes Jahrhundert nach Stonewall ist die Akzeptanz unserer gleichen Rechte leider keine Selbstverständlichkeit.

Noch immer werden HIV-positive Menschen stigmatisiert, noch immer leiden Transmenschen an einem hoffnungslos überkommenen, entmündigenden Transsexuellengesetz – der vorliegende Gesetzentwxurf der Bundesregierung bedeutet statt Selbstbestimmung für die Betroffenen nach wie vor eine einzige Schikane –, und noch immer sind lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und inter* Menschen in vielen Ländern staatlicher Repression und Verfolgung bis hin zur Todesstrafe – Brunei hat die Todesstrafe für gleichgeschlechtlichen Sex sogar 2019 extra eingeführt.

Für alle, die aus unterschiedlichsten Regionen vor solcher Verfolgung fliehen und bei uns Zuflucht suchen, müssen unsere Städte sichere Häfen sein. Berlin hat seine Bereitschaft dazu erklärt und wird sich gegenüber dem Bund weiter dafür einsetzen. Ich freue mich, die Kirchen in dieser humanitären Frage klar an unserer Seite zu wissen!

Uns allen wünsche ich jetzt noch einen schönen Gottesdienst, ein buntes und friedliches Stadtfest in Schöneberg und nächste Woche einen kämpferischen und lauten Christopher Street Day. Happy Pride!

Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa

Stadtfest Berlin 2019: Willkommen zum Eröffnungsgottesdienst „Seligpreisung queer.0“

Willkommen am Freitag, 19. Juli 2019|19:30 Uhr, zu einem ökumenischen Eröffnungsgottesdienst in der Zwölf-Apostel-Kirche zum 27. lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin.

Es predigt Pfarrer Sebastian Wolfrum aus Veitshöchheim.

Musik: Hauke Renken, Solo Vibraphon. Orgel: Felicitas Eickelberg.

Mitwirkende: Bürgermeister und Kultursenator Dr. Klaus Lederer (Die Linke), MdB Sven Lehmann (Bündnis 90/Die Grünen), Marian Moldenhauer (Präsident des Fecht-Clubs Grunewald Berlin e.V.), Ratsherr Florian Wiese (Wilhelmshaven), Michael Feitel, Andrea Fleischer, Uta Willers-Urban und Dr. Christian Meier.

Stadtfest-Eröffnung: Grußwort von Bürgermeister und Senator Klaus Lederer

Folgendes Grußwort hat der Bürgermeister und Senator für Kultur und Europa des Landes Berlin, Klaus Lederer, am Freitag auf Einladung des Rogate-Klosters im ökumenischen Eröffnungsgottesdienst zum 26. Lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin 2018 gehalten:

Liebe Schwestern verschiedenen Geschlechts und unterschiedlicher sexueller Orientierungen,

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Klaus Lederer im Rogate-Kloster (Bild. Marcel Talartsik)

morgen werden viele von uns einander wieder begegnen. Morgen ab 11 Uhr wird hier in Schöneberg das 26. Lesbisch-schwule Stadtfest Berlin gefeiert. Wenn wir an die medialen Darstellungen von CSD und Stadtfest in Berlin denken, sind Gottesdienste nicht das erste, was uns durch den Kopf geht in dieser Stadt, in der – wenn ich als Konfessionsloser mir dieses Wort borgen darf – die Schöpfung sich von ihrer buntesten Seite zeigt. Dass sowohl am Vorabend des Stadtfests als auch nächste Woche am Vorabend des CSD neben den allgegenwärtigen Partys auch Gottesdienste zur Eröffnung stattfinden, zeigt uns die Vielfalt auch innerhalb der queeren Communities unserer Stadt. Und das war vor nicht allzu langer Zeit so kaum vorstellbar. Traugott Roser hat das in seiner Predigt vorhin sehr anschaulich geschildert.

Im Jahr 2017 hat die Initiative HuK – Homosexuelle und Kirche – ihr 40. Jubiläum gefeiert. Sie mussten sich unter ihresgleichen durchsetzen, nicht selten scheel beäugt von den nichtkonfessionellen Queers.

Der heutige Gottesdienst ist eine tolle Initiative der inzwischen traditionsreichen alt-katholisch-evangelischen Ökumene im Rogate-Kloster.

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Stadtfesteröffnung am 20. Juli 2018. 3.v.l: Klaus Lederer. (Bild. Marcel Talartsik)

Als für Religions- und Weltanschauungsfragen zuständiges Senatsmitglied habe ich die staatliche Neutralität in Bezug auf die Konfessionen zu wahren; selbst keinem Glauben anzugehören kann dabei vielleicht manchmal hilfreich sein. Erlaubt sei mir an dieser Stelle daher nur der Hinweis, dass ich es enorm schätze, wie das Rogate-Kloster für Werte eintritt, die Sie aus Ihrem christlichen Glauben ableiten, andere tun das aus anderen Quellen und Gründen: für Respekt und Akzeptanz, für Freiheit und Menschenrechte, für Empathie, Barmherzigkeit, Solidarität.

Wir bekommen in diesen Tagen wieder sehr deutlich vorgeführt, welchen Unterschied ums Ganze es machen kann, ob Menschen den christlichen Glauben, auf den sie sich berufen, ernst nehmen oder nicht. Wenn jemand, der allergrößten Wert auf das „C“ legt, sich zu seinem Geburtstag über abgeschobene Geflüchtete freuen kann und auch sonst keinen Zweifel daran lässt, jeden Rest von Mitgefühl und Anstand aus Gründen der politischen Opportunität abgelegt zu haben, dann freue ich mich über die deutlichen Widerworte aus den Kirchen.

Egal ob wir unsere Werte christlich oder aus einem anderen Glauben oder humanistisch begründen: Ich bin davon überzeugt, dass Berlin ein sicherer Hafen sein muss für Menschen, die in ihrer Heimat nicht mehr bleiben können, sei es, weil sie für ihre politischen Ansichten verfolgt werden, aufgrund ihres Glaubens, ihrer geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung.

Berlin als Stadt, deren Herz keine Mauern kennt und keine Grenzzäune, die Notleidende aufnimmt, die keine*n zurücklässt und jeden Menschen nach ihrer oder seiner Façon glücklich werden lässt: Wenn wir als Stadt diesen Anspruch ernst nehmen und unser Handeln danach ausrichten, dann haben wir es verdient, Berlin und seine Vielfalt zu feiern – das tun wir dieses Wochenende bei unserem Stadtfest, und nächste Woche beim CSD.

Gestatten Sie mir noch eine Anmerkung zum heutigen Datum. Es ist der 20. Juli, der Tag, an dem wir des Widerstandes gegen das Naziregime aus allen gesellschaftlichen Schichten, quer über politische Überzeugungen hinweg, konfessionslose und gläubige Menschen gedenken. Deutschland hat sich nicht selbst vom Nationalsozialismus befreit, und für die Homosexuellen war, wie der Historiker Julius H. Schoeps einmal anmerkte, 1945 das Dritte Reich nicht zu Ende. Wenn wir in diesen Pride Weeks feiern, so ist das auch ein Moment von Selbstbehauptung, und wir sollten immer daran denken, dass das Erkämpfte, Erreichte, niemals dauerhaft garantiert ist, sondern immer wieder neu errungen werden muss. In diesem Sinne will ich angesichts der aktuellen politischen Entwicklungstrends in unserer Gesellschaft auf das „Niemals vergessen!“ und „Nie wieder!“ verweisen, das das uns hinterlassene Vermächtnis ist.

Ich wünsche uns allen ein friedliches, buntes, anregendes, durchaus auch kämpferisches Stadtfest und eine ebensolche Pride Week!

Stadtfest Berlin 2018: Eröffnungsgottesdienst am Freitag

Willkommen zur Eröffnung des 26. lesbisch-schwulen Stadtfestes Berlin!

2018 07 20 StadtfestgottesdienstAm Freitag, 20. Juli 2018 | 19:30 Uhr, ökumenischer Eröffnungsgottesdienst zum 26. Lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin 2018.

Ort: Zwölf-Apostel-Kirche. Predigt: Prof. Dr. Traugott Roser, Münster. Orgel: Kantor Christoph Hagemann (Zwölf-Apostel-Gemeinde). Chor: Männer-Minne, Schwuler Männerchor Berlin, Leitung: Holger Perschke.

Weitere Mitwirkende: Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (Tempelhof-Schöneberg), Gemeindepastorin Dagmar Wegener (Baptisten Schöneberg), Superintendent Michael Raddatz (Evangelischer Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg), Dekan Ulf-Martin Schmidt (Alt-katholischen Gemeinde), Geschäftsführer Jörg Steinert (Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg), Ratsherr Florian Wiese (Die Linke Wilhelmshaven), Mitglieder der „iwi – erste queere Jugendgruppe in der Kirche“, Prädikant Sven Steinbach und Pfarrer Burkhard Bornemann (Zwölf-Apostel-Gemeinde).

Ministranten: Ministranten: Michaela Abromeit (Oberministrantin und Thuriferarin), Claudia Hackel (Navikularin), Uta Willers-Urban (Ceroferarin), Andrea Fleischer (Ceroferarin) und Dr. Christian Meier (Kruziferar).

Begrüßung: Gaby Tupper (MISS*ter CSD Berlin 2018), Melanie Hochwald und Michael Feitel. Kirchdienst: Heiko Hinrichs (Zwölf-Apostel-Gemeinde).

Anschließend Beisammensein im Seitenschiff und vor der Kirche, es gibt einen Getränkestand (Team Andrea & Klaus Borrmann).

Fünf Fragen an: Petra Weitzel, Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.

Fünf Fragen an Petra Weitzel, 1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V., über die Trans*-Definition, das Geschlecht als Kontinuum und warum dies ein Thema für Kirche und Gemeinden sein sollte.

2017 Petra Weitzel

Petra Weitzel (Bild: privat)

Petra Weitzel, 57, Dipl. Ing (FH), verheiratet (Lebenspartnerschaft), engagiert sich in der „Projektgemeinde nicht nur für Schwule und Lesben“ in Frankfurt am Main seit 2004. In der Trans*Beratung ist sie seit 2009 tätig. Seit Juli 2017 ist sie 1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.

Rogate-Frage: Frau Weitzel, was ist Transidentität und was Transsexualität?

Petra Weitzel: Transsexualität und Transidentität bedeutet für die Träger_innen dieser Eigenschaften das Wissen, nicht oder nicht ganz dem ihnen bei der Geburt zugewiesenem Geschlecht anzugehören.

Der Begriff Transsexualität wurde von Magnus Hirschfeld, Deutschlands bekanntestem Sexualwissenschaftler um 1920 geprägt und meint, dass Psyche und Körper geschlechtlich verschieden sind, eines davon „trans“ also jenseits vom anderen liegt. Es geht also um das Sein und nicht um das Tun.

Transidentität wurde Mitte der 1980er Jahre von Transidentitas e.V., unserem Vorgängerverein, und Medizinern im Rhein-Main Gebiet geprägt und betont eben genau einen Zustand und nicht sexuelles Handeln, woran bei „transsexuell“ uninformierte Menschen gewöhnlich zuerst denken.

Heute wird Transidentität tendenziell von Fachkräften, die up-to-date sind, häufiger benutzt als Transsexualität. Beispiele sind die Institutsambulanz der Universitätsklinik Frankfurt mit der „Transidenten Sprechstunde“ und zahlreiche Veröffentlichungen von Dr. Udo Rauchfleisch, Dr. Meyenburg und vielen anderen.

Es gibt Menschen, die beide oder einen der Begriffe als Bezeichnung für sich aus sehr unterschiedlichen Gründen ablehnen und deshalb neue Begriffe kreieren oder einfach nur als Mann oder Frau bezeichnet werden wollen. Auf der anderen Seite ist „transident“ nicht exklusiv Menschen vorbehalten, die zum Beispiel eine geschlechtsangleichende Operation wünschen.

Rogate-Frage: Welche Aufgaben hat die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualiät dgti e.V. und wer engagiert sich in ihr?

Petra Weitzel: Die dgti e.V. widmet sich seit 20 Jahren der Beratung transidenter/transsexueller Menschen, der Aufklärung von Pädagogen und Erziehern sowie medizinischem und betreuendem Personal.

Diese Beratung von gleich zu gleich ist eine sozialrechtliche- und Antidiskriminierungsberatung. Hier geht es um alles von A wie „Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz“ bis Z wie „Zuspruch“.

Neu hinzugekommen sind eine umfangreiche Aus- und Fortbildungsreihe für unsere Beratenden sowie Ärzte und Therapeuten und Publikationen und Filmprojekte wie „Reformation für Alle*„, die bestimmte gesellschaftspolitisch relevante Aspekte behandeln, mit dem Ziel, die Akzeptanz transidenter Menschen zu steigern.

Rogate-Frage: Von wie vielen Geschlechtern gehen Sie aus?

Petra Weitzel: Das Geschlecht eines Menschen ist genetisch betrachtet ein Kontinuum. Nicht nur dass das Gehirn unser wichtigstes Geschlechtsorgan ist (nach Prof. Milton Diamond) und zu einem unterschiedlichem Zeitpunkt wie der Rest des Körpers während der Schwangerschaft durch Sexualhormone geprägt wird, sondern auch viele andere Merkmale wie Größe, Körperform und so weiter, sind einer großen Bandbreite unterworfen, die vielen nicht bewusst ist. Das Vorhandensein einer bestimmten statistischen Durchschnittsgröße entsprechenden primärer Geschlechtsmerkmale bei der Geburt, sagt ohne Gentest und ohne dass der betreffende Mensch sich schon äußern könnte, nichts über das Geschlecht dieses Menschen aus.

Schon im Alter von drei Jahren können transidente Kinder merken, dass sie mit der Zuweisung und/oder dem Körper nicht übereinstimmen. In der Pubertät können intergeschlechtliche Menschen sekundäre Geschlechtsmerkmale entwickeln, die sich entgegengesetzt den primären Geschlechtsmerkmalen entwickeln oder sie kommen schon mit nicht eindeutigen Merkmalen auf die Welt.

Wir können daher nur von den Polen männlich und weiblich und jeder möglichen Zwischenstufe mit Bezeichnungen wie zum Beispiel nicht-binär sprechen. Folgerichtig, wenn beide rechtlich vorhandenen Geschlechter tatsächlich auch rechtlich überall gleichgestellt wären, könnten man im Idealfall auf eine „amtliche“ Sortierung des Geschlechts verzichten und damit jeder Person die Freiheit lassen, sich in einer Kategorie wohl zu fühlen oder nicht.

Rogate-Frage: Warum ist Transidentität und Transsexualität Thema für die Kirche?

Petra Weitzel: Kirche, dass sind im Falle der römisch-katholischen und evangelischen Landeskirchen in Deutschland in weltlicher Hinsicht Institutionen, die derzeit circa 60 Prozent der deutschen Bevölkerung auf sich vereinen. Das hat uns veranlasst uns mit der evangelischen Kirche zu beschäftigen, da wir hier schon viele Samenkörner sehen, aus denen etwas gutes wachsen kann.

Kirche ist für alle da. In dem Moment wo sie das nicht ist, hört sie auf Kirche zu sein.

In jeder Kirchengemeinde gibt es welche, die bei Abneigung gegen eine bestimmte Personengruppe, das passende Bibelzitat finden und wenn das nicht klappt, darauf vertrauen, dass ein wörtliches Zitat aus der Bibel, die Unkenntnis des hebräischen Urtextes vorausgesetzt, schon die gewünschte Wirkung hat.

So kommt es, dass uns „Gott schuf Mann und Frau, nach seinem Bilde“, vorgehalten wird. Der zweite Halbsatz wird weggelassen sowie die Tatsache, dass im hebräischen Adam, Mensch bedeutet und es dort männlich UND weiblich heißt. Als männlich und weiblich schuf er sie (die Menschen). Aus dem Urtext ist klar erkennbar: Am Anfang waren die Menschen beides. Etwas später gab Gott diesem Menschen eine Gefährtin. Aber heißt das nun, dass diese beiden Geschöpfe keine Anteile vom jeweils anderen haben dürfen?

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Cover der Broschüre „Reformation für Alle*“

Hat Gott nur Tag und Nacht geschaffen und Abendrot, Morgendämmerung sowie den Übergang nicht?

Wie könnten diese Geschöpfe zusammenkommen, wäre da keine Seelenverwandtschaft?

Über die Jahrhunderte hat sich die Kirche, seit der Reformation, immer wieder darauf besonnen, dass sie für alle da ist.

Ohne Luther, wo wären da Frauen in der Kirche heute? Die Ordination von Frauen, Segnung und Trauung gleichgeschlechtlicher Paare sind Errungenschaften der letzten 70 Jahre. Mit der Aufklärung nimmt die Inklusion zu. Die Kirche reformiert sich weiter, ecclesia semper reformanda, und dass muss sie auch.

Menschen als krank zu bezeichnen, die eine Eigenschaft haben, die man nicht verstehen kann, das hat in der Geschichte der Menschheit Tradition. Fugitivismus nannte man einst im 19. Jahrhundert die Tendenz von Sklaven, fliehen zu wollen. Es gab bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts christliche Glaubensgemeinschaften, die die Messlatte, wer in der Gemeinde akzeptiert ist, auf der Höhe der Hautfarbe angesiedelt haben. Auch dafür hatte man eine theologisch überzeugende Begründung. Darüber sind wir inzwischen weitestgehend hinweg und dies weist uns Weg.

Niemand hat es sich ausgesucht, transident zu sein. Es wurde uns mitgegeben und wir haben als transidente Menschen die Aufgabe verantwortungsvoll aber eigenverantwortlich damit umzugehen. Gott hat den Menschen die Fähigkeiten verliehen, hier etwas hinzuzulernen und das kann auch dazu benutzt werden den Körper der Seele anzupassen. Gott kann in die Herzen der Menschen hineinsehen und wird es verstehen.

Rogate-Frage: Was wünschen Sie sich von den Kirchen und den Kirchengemeinden?

Petra Weitzel: Das Annehmen des Anderseins als etwas Schönes und Gottgegebenes, dass wäre meine Definition von Reformation im 21. Jahrhundert. Jeder Mensch, gleich welcher Herkunft, Alter, Leistungsfähigkeit, sozialem Status, geschlechtlichem Zustand oder sexueller Orientierung sollte gleich in den Kirchengemeinden willkommen sein. Jeder Mensch ist anders, mal mehr oder weniger offensichtlich. Das zu Begreifen ist eine Herausforderung, aber es gibt einen Lohn dafür, der sich nicht berechnen lässt und sich in Frieden, Freiheit und Glück ausdrückt.

Rogate: Vielen Dank, Frau Weitzel, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

In folgenden Youtube-Video kommen Menschen, die mit der Kirche verbunden sind, zum Thema „Kirche und Transsexualität“ zu Wort.  Er wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Reformationsjubiläums gefördert.

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten und Veranstaltungen:

Gebet: Fürbitte aus dem Gottesdienst zur Eröffnung des 25. Stadtfestes Berlin 2017

Großer Gott, wir danken Dir, dass wir geladen sind zum Fest des Lebens. Du hast uns gemacht, gestaltet wunderbar und rufst uns bei unserem Namen. Wir sagen Dank für alles Gute und das Gelingende in unserem Leben.

Gemeindevers: Nun lasst uns gehen und treten / mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben / bis hierher Kraft gegeben. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 1)

20046763_1772848566065337_5335927618255808222_nJesus Christus, unsere Wege kennen Höhen und Tiefen. Du weißt um unsere Schwächen und Stärken. Sei uns gnädig, Du Freund des Lebens.

Wir bitten für alle, die verheiratet oder verpartnert sind – und für die, die nun endlich heiraten dürfen, für die Frauen- und Männerpaare. Segne sie.

Gemeindevers: Wir gehen dahin und wandern / von einem Jahr zum Andern, wir leben und gedeihen / vom Alten bis zum Neuen (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 2)

Heiliger Geist, Du Tröster. Wir bitten Dich für alle, sich wegen ihrer Homosexualität verstecken müssen: ….in Russland, Uganda, im Iran, Sudan, Somalia, Mauretanien, Nigeria, Libyen, Ägypten – und Tschetschenien.

Du weißt wo geweint und gelitten wird. Erbarme Dich! Schenke Mut und Trost. Werde Anwalt des Lebens – für die Gefolterten.

Gemeindevers: durch so viel Angst und Plagen, / durch Zittern und durch Zagen, durch Krieg und große Schrecken, / die alle Welt bedecken. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 3)

Dreieiniger Gott, wir danken Dir für gute Eltern, die ihre Kinder gut durch das Coming Out bringen und sie vorbehaltlos lieben. Wir danken für unsere Freunde, die mit uns durch Leben gehen und uns vertraut und nahe sind.

Gemeindevers: Denn wie von treuen Müttern / in schweren Ungewittern die Kindlein hier auf Erden / mit Fleiß bewahret werden, (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 4)

20106769_1777153038968223_7203493836030336510_nGroßer Gott, Du schenkst uns Freiheit. Wir bitten für alle, die in Unfreiheit und in Ausgrenzung leben, weil ihre Identität oder ihr Glaube nicht akzeptiert wird und sie Ausgrenzung, Gewalt und Hass erfahren.

Gemeindevers: also auch und nicht minder / lässt Gott uns, seine Kinder, wenn Not und Trübsal blitzen, / in seinem Schoße sitzen. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 5)

Jesus Christus, schenke unserer Stadt ein sicheres Stadtfest. Schenke Du fröhliche Begegnungen, gesegnete Freundlichkeit und viel gemeinsames Lachen an diesem Wochenende. Lass es zum Fest des Lebens werden. Ein Fest für alle.

Gemeindevers: Ach Hüter unsres Lebens, / fürwahr, es ist vergebens mit unserm Tun und Machen, / wo nicht dein Augen wachen. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 6)

Heiliger Geist, wir danken Dir für das Engagement vieler für eine gerechte, solidarische und lebenswerte Welt. Segne Du die Arbeit der Einrichtungen und Gruppen, die sich für Menschen im Coming Out, für Jugendliche und für Ausgegrenzte einsetzen. Und segne unser Stadtfest an diesem Wochenende, dass es für viele zum Aufbruch in gelingendes Leben und eine bessere Welt werde. Amen.

Gemeindevers: Gelobet sei deine Treue, / die alle Morgen neue; Lob sei den starken Händen, / die alles Herzleid wenden. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 58, 7)

Stadtfest: Feiern gegen Gewalt. Tanzen gegen Hass.

IMG_9259„Gleiche Rechte für Ungleiche?“ So lautete vergangenes Wochenende das Motto des großen Straßenfestes in der Hauptstadt: Das Motzstraßenfest. Offizieller Titel: Lesbisch-schwules Stadtfest Berlin. Mit über 350.000 Besuchern aus der ganzen Welt ist es unangefochten das größte Event seiner Art. Ein ganzer Kiez feiert Vielfalt, bunt und ausgelassen.

Der Ursprung des Festes vor 25 Jahren ist ernst: Gewalttätige Übergriffe in den Straßen auf homosexuelle Frauen und Männer. Die Anwohner wollten das nicht mehr hinnehmen und luden ein: Information gegen Unwissenheit, Feiern gegen Gewalt, Tanzen gegen Hass. Eine ungewöhnliche Reaktion, doch Fröhlichkeit, Wissen und Gemeinschaft machen stark gegen Ausgrenzung.

DSC08983Die Kirche feiert mit: Wir, das Rogate-Kloster, richten seit bald zehn Jahren den Eröffnungsgottesdienst aus. Wie vergangenen Freitag: Eine volle Kirche, Pastorin und Priester, Ordensfrauen und Bischof, Lektoren und ein Kiezorchester gestalteten einen Festgottesdienst. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sprach ein Grußwort und sagte von der Kanzel: „Erst, wenn wir alle die gleichen Rechte haben, sind wir alle frei.“

Mich erinnert es an folgende Liedverse („Wenn das Rote Meer grüne Wellen hat“): „Wenn unsre Tränen rückwärts fließen, dann bleiben wir hier, dann bleiben wir hier, weil sich das Land gewandelt hat. Wenn es dreizehn schlägt und die Zeit zerbricht, dann bleiben wir hier…“

Br. Franziskus

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Willkommen zu unseren nächsten Gottesdiensten:

  • Montag, 24. Juli 2017 | 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Alexander von Fintel, Bündnis 90/Die Grünen. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.
  • Montag, 31. Juli 2017, 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Dr. Holger Onken, Die Linken. Ort: Christus- und Garnisonkirche, Gemeindehaus, Wilhelmshaven.
  • Montag, 31. Juli 2017, 21:00 Uhr, Mondandacht zu „Der Mond ist aufgegangen”. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.
  • Montag, 6. August 2017, 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Udo Striess-Grubert, Freie Wähler. Ort: Christus- und Garnisonkirche, Gemeindehaus, Wilhelmshaven.
  • Montag, 6. August 2017 | 21:00 Uhr, Mondandacht zu „Wie ist die Welt so stille”, mit Prof. Dr. Jörg Schneider, Jade Hochschule. Ort: Christus- und Garnisonkirche Wilhelmshaven.
  • Montag, 14. August 2017, 19:00 Uhr, Gebet für Stadt und Land. Anschließend: „Warum wählen?“, im Gespräch mit Andreas Tönjes, Die Partei. Ort: Christus- und Garnisonkirche, Gemeindehaus, Wilhelmshaven.