Fünf Fragen an: Bernd Mesovic, Abteilung Rechtspolitik von ProAsyl

2017 Bernd Mesovic C Philipp Eichler

Bernd Mesovic (Bild: Philipp Eichler/Pro Asyl)

Fünf Freitagsfragen an Bernd Mesovic, Leiter der Abteilung Rechtspolitik in der Menschenrechtsorganisation PRO ASYL, über Abschiebungen nach Afghanistan, Risiken im Lande und die Gefahr für konvertierte Christen vor Ort.

Bernd Mesovic befasst sich unter anderem mit der Analyse asylrechtlicher Praxis und der Situation in den Herkunftsländern. Als diplomierter Sozialarbeiter leitete er zuvor eine überregionale Flüchtlingsberatungsstelle eines Wohlfahrtsverbandes.

Rogate-Frage: Herr Mesovic, was genau ist Pro Asyl und wofür engagieren Sie sich?

Bernd Mesovic: PRO ASYL ist eine unabhängige Menschenrechtsorganisation, die sich für die Menschenrechte und den Schutz von Flüchtlingen in Deutschland und Europa einsetzt. Gegründet wurde PRO ASYL 1986 von Mitarbeitenden aus Flüchtlingsräten, Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Menschenrechtsorganisationen, um der sich damals ausbreitenden rechten und rassistischen Hetze gegenüber Asylsuchenden entgegenzutreten und für den Schutz von verfolgten Menschen zu kämpfen.

Rogate-Frage: Wie arbeitet Ihre Organisationen und wie wird sie finanziert?

Bernd Mesovic: PRO ASYL realisiert konkrete Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge, die Einzelfall- und Rechtshilfe sowie Projekte, Dokumentationen und Recherchen. Wir organisieren politische Kampagnen, die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung mit nationalen und internationalen Hilfs- und Menschenrechtorganisationen. Ermöglicht wird unser Einsatz von unseren vielen Fördermitgliedern, Spenderinnen und Spendern, Stifterinnen und Stiftern. Dank ihrer Unterstützung sind wir politisch und finanziell unabhängig.

Rogate-Frage: Wie stehen Sie zu den Bemühungen von Bund und Ländern, Menschen verstärkt nach Afghanistan abzuschieben?

Bernd Mesovic: Abschiebungen nach Afghanistan gefährden Menschenleben. Ungeachtet der sich immer weiter verschlechternden Sicherheitslage hat die Bundesregierung dennoch mit den ersten Sammelabschiebeflügen nach Kabul begonnen – ein Tabubruch, nachdem zwölf Jahre lang kaum Abschiebungen in dieses Kriegs- und Krisengebiet stattgefunden haben. Afghanistan ist kein sicheres Land für Flüchtlinge. Ein bundesweiter Abschiebestopp wäre das einzig Richtige.

Rogate-Frage: Wie ist die Lage in Afghanistan? Gibt es sichere Regionen?

Bernd Mesovic: Die Lage in Afghanistan hat sich 2016 nochmal deutlich verschlechtert: Der UNHCR stellt in seinem jüngsten Bericht fest, dass das gesamte Staatsgebiet Afghanistans von einem »innerstaatlichen bewaffneten Konflikt« im Sinne des europäischen Flüchtlingsrechtes betroffen sei. Aufgrund der sich ständig ändernden Sicherheitslage könne man gar nicht zwischen sicheren und unsicheren Regionen in dem Bürgerkriegsland entscheiden. Mit 11.418 zivilen Opfern der Kampfhandlungen wurde 2016 ein trauriger Rekordwert erreicht. Kämpfe und Gewalt in fast allen Teilen des Landes treiben Tausende Menschen in die Flucht. Mittlerweile dürfte die Gesamtzahl der Binnenvertriebenen innerhalb Afghanistans auf 1,8 Millionen angestiegen sein. Dazu kommen die Flüchtlinge, die seit vielen Jahren außer Landes in Iran oder in Pakistan ihr Dasein fristen und jetzt zunehmend unter Druck gesetzt werden, nach Afghanistan zurückzukehren. Von Afghanistan als »sicher« zu sprechen, wie die Bundesregierung das gebetsmühlenartig wiederholt, ist absurd und realitätsfern.

Rogate-Frage: Welche Risiken sind nach Afghanistan abgeschobene Menschen ausgesetzt, die hier getauft und so Christen wurden?

Bernd Mesovic: Zunächst einmal können die meisten Abgeschobenen in Afghanistan mit keinerlei Unterstützung rechnen. Dass Abschiebungen nach Afghanistan lebensbedrohlich sind, zeigt der Fall eines Betroffenen, der nur kurze Zeit nach seiner Abschiebung nach Kabul bei einem Selbstmordanschlag verletzt wurde. Für Angehörige religiöser Minderheiten wie beispielsweise Hindus oder Sikhs ist die Lage zusätzlich kritisch. Religiöse Minderheiten gibt es in Afghanistan kaum noch, weshalb es für betroffene Abgeschobene schwer werden dürfte, Anschluss an eine Community zu finden – für das Überleben in Afghanistan unabdingbar. Das zeigt auch der Fall eines kürzlich aus Deutschland nach Afghanistan abgeschobenen Hindus: Der Betroffene lebt weitestgehend isoliert und traut sich nicht auf die Straße.

Fälle der Konversion zum Christentum sind im Vergleich zu iranischen Flüchtlingen sehr viel seltener. In Afghanistan ist der Islam Staatsreligion, eine Abkehr vom Islam wird oft als massiver Verstoß gegen eine Grundregel des Islam angesehen. Ein Glaubenswechsel, ist, wenn er im Herkunftsland bekannt wird, ein erhebliches Risiko – zumal ja nach dem christlichen Selbstverständnis der Gläubige auch einen Auftrag hat, seine Glaubensüberzeugung nach außen zu bekunden. Deshalb sollten Abschiebungen von Konvertiten nach Afghanistan nicht stattfinden. Problematisch ist, das in einer Reihe von Fällen Bundesamt und Gerichte davon ausgehen, dass die Konversion nicht auf religiöser Überzeugung beruht.

Rogate: Vielen Dank, Herr Mesovic, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten und Terminen:

  • rogatekl_aushang-a4_lichtvesper2017_111116Sonnabend, 13. Mai 2017 |16:00 Uhr, Taufe. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Sonnabend, 20. Mai 2017 |18:00 Uhr, Lichtvesper, mit der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Sonntag Rogate, 21. Mai 2017 | 10:00 Uhr, Eucharistie, mit der Zwölf-Apostel-Gemeinde. Predigt: Bruder Franziskus. Predigttext: 1. Petrus 4, 7-10. Orgel: Kreiskantor Christoph Hagemann. Lektorin: Mechthild Rawert, MdB. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Himmelfahrt, Donnerstag, 25. Mai 2017 | 11:00 – 13:00 Uhr, Workshop „Am Anfang war die Sehnsucht. Erfahrungen bei der Suche nach einer Geistlichen Gemeinschaft„. Ort: Deutscher Evangelischer Kirchentag, Messegelände.
  • Himmelfahrt, Donnerstag, 25. Mai 2017 | 22:30 Uhr, Komplet, das Nachtgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.

Fünf Fragen an: Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich

Fünf Freitagsfragen an Pfarrer Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, über eine zupackende Zivilgesellschaft für geflüchtete Menschen, die Wahrung der Menschenwürde in der Krise und die Wechselwirkungen mit populistischer Politik.

2017-michael-chalupka-bild-luiza-puiu

Michael Chalupka (Bild: Luiza Puiu)

Michael Chalupka wurde 1960 in Graz/Österreich geboren und studierte evangelische Theologie in Wien und Zürich. Weitere Ausbildungen folgten in den Bereichen Erwachsenenbildung und NPO-Management. Nach einem zweijährigen Italienaufenthalt als Studienleiter am “Centro Ecumenico d’Agape” in Prali (Torino) arbeitete er von 1989 bis 1994 als evangelischer Pfarrer. Seit 1994 ist Michael Chalupka als Direktor der Diakonie Österreich tätig. Er ist Mitinitiator der Armutskonferenz (1995). Seit 2000 ist Michael Chalupka außerdem Präsident des „Österreichischen Komitees für Soziale Arbeit“ (ÖKSA) und seit 2006 auch Vorsitzender des Evangelischen Schulwerkes A.B. Wien.

Rogate-Frage: Herr Direktor Chalupka, wie geht es den geflüchteten Menschen heute in Österreich?

Michael Chalupka: Die Situation für die Geflüchteten hat sich, nach dem großen Flüchtlingszustrom 2015 mit über 88.000 Asylanträgen, weitestgehend normalisiert.
Das Positive, das wir aus 2015 mitnehmen können, war eine unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität, die jedoch weniger von der Regierung ausgegangen ist, sondern von der Zivilgesellschaft, die nach dem Motto: „Da muss man doch helfen!“ einfach zugepackt hat und unglaubliche Initiativen auf die Beine gestellt hat. Das hat sogar uns als professionelle Hilfsorganisation, die schon viele Jahre in der Flüchtlingsarbeit tätig ist, manchmal überrascht. Bis heute sind sehr viele ehrenamtliche MitarbeiterInnen und nach wie vor viele private Initiativen – mehr als jemals zuvor in der jüngeren Geschichte Österreichs – in der Flüchtlingsarbeit engagiert.

Rogate-Frage:  Wie sind in Österreich die Kirchen, Caritas und Diakonie auf die Situation mit den Herausforderungen umgegangen und was hat sich dadurch verändert?

Michael Chalupka: Es war natürlich auch für die angestammten Hilfsorganisationen eine große Herausforderung. Caritas und Diakonie haben versucht äußerst flexibel auf die Situation zu reagieren. Dennoch hat sich alleine in der Diakonie der MitarbeiterInnenstand in der Flüchtlingsarbeit sowohl bei den hauptamtlichen, als auch bei den ehrenamtlichen MitarbeiterInnen mehr als verdoppelt. Das bedeutet, dass auch viele Leitungsstrukturen im laufenden Betrieb permanent nachgebaut werden mussten.
Dennoch war es uns wichtig, nicht einfach unsere Qualitätsstandards zu begraben und die Menschenwürde, der uns anvertrauten Menschen auch in einer Zeit großen Andranges im Vordergrund stehen zu lassen. Viele MitarbeiterInnen im Flüchtlingsbereich sind in diesem Jahr an das Limit ihrer Belastbarkeit gestoßen. Vor allem aber auch deshalb, weil Politik und Verwaltung kein gutes Krisenmanagement geleistet haben und viele sehr schwierige Situationen vermeidbar gewesen wären.
Leider wurde die konstruktive Kritik sämtlicher Hilfsorganisationen am staatlichen Aufnahmesystem kaum aufgegriffen, sodass wir befürchten müssen, beim nächsten Zuzug einer größeren Zahl von Flüchtlingen wieder exakt vor den gleichen strukturellen Problemen zu stehen wie im Jahr 2015.

Rogate-Frage: Auch Österreich erlebt das Aufleben des rechten Populismus, das Erstarken der Identitären und eine schwierige Bundespräsidentenwahl… Was ist los in Ihrem Land?

Michael Chalupka: Es gibt in Österreich nach wie vor eine schweigende Mehrheit von Menschen, die das Gemeinsame vor das Trennende, die Nächstenliebe vor den Hass, das Positive vor das Negative stellt. Letztendlich wurde das auch im sehr deutlichen Ausgang der Bundespräsidentenwahl sichtbar.
Dieser Umstand ist aber für die Politik scheinbar schwer verständlich. Eine schweigende Mehrheit ist auch für sie weniger hörbar, als die sehr negativen, lauten, xenophoben bis rassistischen Töne, die auch gerne durch Boulevardmedien aufgegriffen und reproduziert werden.
Dadurch entsteht eine Wechselwirkung mit populistischer Politik, die ihrerseits glaubt durch symbolpolitische Verschärfungen der Gesetzeslage und Kürzungen von Leistungen einen politischen Vorteil erringen zu können. Oft wird dabei übersehen, dass es, sobald man auf diesen Zug aufspringt, keine Bremse mehr gibt. Es ist wie ein Karussell, das sich immer weiter dreht: Die Hetzer verlangen immer mehr und sozialpolitisch immer Abstruseres. Eine Politik, die in dieses Karussell einsteigt, verliert unweigerlich die Orientierung im eigenen Wertegerüst. Irgendwann gibt es im Asylrecht gar nichts mehr zu verschärfen, das noch menschenrechtlich kompatibel wäre. Doch die nächste Verschärfung muss her, man glaubt es dem Wählerwillen schuldig zu sein.
Ja, es gibt einen starken Zulauf zu rechtspopulistischer Politik, die einfachste Antworten auf komplexeste Fragen gibt.
Die wahre Frage ist jedoch, ob der Zulauf zu dieser Politik größer oder kleiner wäre, wenn christlich soziale und sozial demokratische PolitikerInnen sich mit der ganzen Kraft der Grundprinzipien ihrer Gesinnungsgemeinschaften entgegenstemmen würden.

Rogate-Frage: Wie können Christen und wie die Kirchen darauf reagieren?

Michael Chalupka: Viele Christinnen und Christen sind heute stark in ehrenamtlichen Projekten engagiert und engagieren sich auch für ihre Mitmenschen.
Wichtig ist, dass sie sich aber auch zu Wort melden und spürbar werden lassen, dass Nächstenliebe stärker ist als Hass, Neid und Missgunst.
Die evangelischen Kirchen in Österreich stehen seit vielen Jahren sehr deutlich auf der Seite der Flüchtlinge und es gibt kaum ein Jahr, in dem die Generalsynode keine Resolution mit einem klaren Bekenntnis zum Flüchtlingsschutz beschließt.
Die Flüchtlingsarbeit ist den Kirchen ein besonderes Anliegen in Österreich. Evangelische Kirche A und H.B. sind gemeinsam mit der Diakonie Österreich Trägerorganisationen des Diakonie Flüchtlingsdienstes. Dieser ist inzwischen die größte Rechtsberatungsorganisation für Flüchtlinge in Österreich. Angesichts der wenigen Evangelischen in Österreich ist das eine bemerkenswerte und für das Selbstverständnis der Kirchen wichtige Entwicklung.

Rogate-Frage: Was können wir in Deutschland von Österreich lernen, um die spürbare gesellschaftliche Spaltung und eine Gefährdung der Demokratie zu verhindern?

Michael Chalupka: Österreich hat seit mehr als 20 Jahren mit dem Phänomen des Rechtspopulismus zu tun. Es zeigt sich deutlich, dass die Strategie, der vormals großen Parteien, immer mehr Anliegen der FPÖ in die eigene Programmatik zu übernehmen in den Diskurs der Rechtspopulisten eingezahlt hat. Die Erwartungen, dass sich durch eine schärfere Rhetorik und Abschottungspolitik WählerInnen für die Parteien der Mitte halten ließen haben sich nicht erfüllt. Wir ÖsterreicherInnen blicken umgekehrt immer etwas neidisch nach Deutschland, weil wir glauben dort mehr Sachpolitik und doch eine Spur weniger Populismus und Symbolpolitik zu erkennen. Trotz aller Probleme – von Pegida bis hin zu brennenden Flüchtlingsheimen – existiert doch auch in Deutschland eine positive Grundstimmung in der Bevölkerung, wie jüngst eine Studie der EKD zur Haltung in der Flüchtlingsfrage gezeigt hat. Selbstverständlich ist die politische Lage in beiden Ländern sehr angespannt und ist es ein Auftrag an uns Christinnen und Christen, sehr wachsam zu sein und der Demagogisierung und Radikalisierung täglich entgegenzutreten.

Rogate: Vielen Dank, Herr Direktor Chalupka, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten:

Fünf Fragen an: Benjamin Melzer, Transgender-Mann

Bildschirmfoto 2016-03-20 um 13.04.29

Benjamin Melzer (Foto: privat)

Fünf Freitagsfragen an Benjamin Melzer, Transgender-Mann und „Men’s Health“-Covermodel, über den Weg von einer Frau zum Mann und die Notwendigkeit, öffentlich zu werden.

Ben Melzer stammt aus Nordrhein-Westfalen und arbeitet als freier Handelsvertreter.

Rogate-Frage: Herr Melzer, warum haben Sie Ihre Lebensgeschichte, den Weg von Yvonne zu Ben, öffentlich gemacht?

Benjamin Melzer: Als ich am Anfang meiner Reise stand, war dort niemand der mir Fragen beantworten, oder mich inspirieren hätte können. Dieser jemand möchte ich gerne sein! Ich möchte Mut machen und Hoffnung schenken!

Rogate-Frage: Wie und wann haben Sie gemerkt, dass Sie im falschen Körper geboren wurden?

Benjamin Melzer: Recht früh, im Alter von drei/vier Jahren wusste ich, dass etwas nicht stimmt. Was genau nicht stimmte, konnte ich in dem Alter allerdings noch benennen. Das erste Mal hörte vom Thema „transgender“ als ich 18 war. Leider hatte ich erst mit 23 Jahren die Kraft, den harten Weg zu bestreiten.

Rogate-Frage: Wie reagierte Ihr Umfeld und was hat Ihnen geholfen?

Benjamin Melzer: Da ich nie das typische Mädchen war, war eigentlich niemand so richtig überrascht. Ich wurde von Anfang an unterstützt und zwar von allen Seiten. Sowohl Familie, als auch Freunde. Sicherlich hängt das auch irgendwo mit meiner offenen Art zusammen.

Rogate-Frage: Was wünschen Sie sich von der Gesellschaft, den Medien, der Politik…?

Benjamin Melzer: Niemand hat sich dieses Schicksal ausgesucht und jeder sollte das verstehen. Aufklärung sowie Normalisierung des Themas finde ich wichtig. Menschen mit diesem Schicksal in die Medien zu holen, vor die Kamera zu stellen und zu zeigen, dass auch wir nur Menschen mit Träumen und Zielen sind.

Rogate-Frage: Haben Sie Erfahrung mit der Kirche gemacht? Wie sollten sich die Kirchen und ihren Gemeinden verhalten, um Transmenschen zu unterstützen?

Benjamin Melzer: Vielleicht könnte man darüber predigen und auch hier das Thema ganz offen und normal ansprechen. Wir sind alle Kinder Gottes und jeder hat das Recht glücklich zu sein!

Rogate: Vielen Dank, Herr Melzer, für das Gespräch.

Mehr über Benjamin Melzer finden Sie hier.

Mehr zum Thema:

  • Dr. Gerhard Schreiber, Dozent für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt, über Transsexualität als Thema der Theologie, den Variationsreichtum des Lebens und die wirkmächtige, aber problematische Lehre von den Schöpfungsordnungen.
  • Fotografin Kathrin Stahl über “Mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind”, ein Foto- und Textprojekt-Engagement über und für transidente Menschen. Ein Projekt, das mit einem Fotoshooting mit ihrer Tochter Marie begann, die einmal ihr Sohn war.


Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 5. April 16|19:00 Uhr, VESPER, Verkündigung des Herrn, in der Kapelle (Sakristei)
  • Rogate Kl_Aushang_Rogate Sonntag_090316-2 KopieDonnerstag, 7. April 16|19:30 Uhr, ANDACHT in der Osterzeit, in der Kapelle (Sakristei)
  • Dienstag, 12. April 16|19:00 Uhr, VESPER “Nächstenliebe“, in der Kapelle (Sakristei)
  • Donnerstag, 14. April 16|19:30 Uhr, EUCHARISTIE, mit Prozessionsgang durch die Kirche
  • Dienstag, 19. April 16|19:00 Uhr, VESPER “Liebeskummer“, das Abendgebet
  • Donnerstag, 21. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET „Vergeben“
  • Dienstag, 26. April 16|19:00 Uhr, VESPER „Hochzeit“, das Abendgebet
  • Donnerstag, 28. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET, Nachtgebet
  • Hier unser Aushang April 2016.

 

Aktuell: EKBO-Abendforen zur Gleichstellung von Traugottesdiensten

Wir möchten gern einer Bitte der Landeskirche nachkommen und auf die folgenden Veranstaltungen hinweisen:

Landeskirchenweite Abendforen zur rechtlichen und liturgischen Gleichstellung von Traugottesdiensten für Paare in eingetragener Lebenspartnerschaft mit Gottesdiensten aus Anlass einer Eheschließung

Wenn zwei eins werden wollen, dann gehört es zu den schönsten Aufgaben von Pfarrerinnen und Pfarrer, für Paare da zu sein, die um Gottes Segen bitten. Auch wenn sich Partnerschaft und Ehe in unserer Zeit immer wieder wandeln, so bleiben sie doch randvoll gefüllt mit Sehnsüchten, Hoffnungen und einem großen Versprechen. Darum feiern wir sie in unseren Kirchen, wissend, wie gefährdet und begrenzt gemeinsame Lebenszeit sein kann.

Ehepartner haben die Möglichkeit, in einem Traugottesdienst ihre gemeinsame Zukunft unter Gottes Gebot und Verheißung zu stellen. Gleichgeschlechtliche Paare lassen sich in Gottesdiensten für ihren gemeinsamen Lebensweg Gottes Segen zusprechen.

Propst Dr. Christian Stäblein (Bild: EKBO)

Propst Dr. Christian Stäblein (Bild: EKBO)

Die von der Landessynode der EKBO beabsichtigte rechtliche und liturgische Gleichstellung von Traugottesdiensten für Ehe als auch für gleichgeschlechtliche Partnerschaft hat gute Gründe. Ihnen ist der Diskurs verschiedener Abende gewidmet.

Reden Sie mit Propst Stäblein über das Vorhaben, Paare zu trauen, die als Mann und Mann oder Frau und Frau verbunden leben. An mehreren Abenden wird er dazu an verschiedenen Orten unserer Landeskirche bereit sein.

Abendforen im Sprengel Berlin:

  • Dienstag, 12. Januar 2016, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Breitscheidplatz, 10787 Berlin, 19-21 Uhr

Abendforen im Sprengel Potsdam:

  • Montag, 25. Januar 2016, Ev. Stadtkirche St. Nicolai, Havelstraße 28, 16515 Oranienburg, 19-21 Uhr
  • Montag, 22. Februar 2016, Ev. Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg, Klosterkirchplatz 20, 14797 Kloster Lehnin, 19-21 Uhr

Abendforen im Sprengel Görlitz:

  • Dienstag, 05. Januar 2016, Haus Plitt, Bauzener Straße 21, 02906 Niesky, 19-21 Uhr
  • Freitag, 22. Januar 2016, Kirchengemeinde Werben/Spreewald, Am Anger 2, 03096 Werben, 19-21 Uhr
  • Dienstag, 26. Januar 2016, Dom St. Marien, Domplatz 10, 15517 Fürstenwalde/Spree, 19-21 Uhr
  • Mittwoch, 17. Februar 2016, Ev. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Lübben, Paul-Gerhardt-Straße 2, 15907 Lübben, 19-21 Uhr

Fünf Fragen an: Josef Annen, Generalvikar Kantone Zürich und Glarus (Schweiz)

Generalvikar Josef Annen (Bild: Christoph Wider)

Generalvikar Josef Annen (Bild: Christoph Wider)

Fünf Freitagsfragen an Josef Annen, Generalvikar für die Kantone Zürich und Glarus (Bistum Chur/Schweiz), über die Notwendigkeit von eigenen Entschuldigungsbitten, die Schicksalsgemeinschaft der Kirchen und die Suche des Glaubens nach der Vernunft.

Geboren wurde Josef Annen 1945 in Küssnacht am Rigi. Nach dem Studium in Theologie und Philosophie in Chur und Tübingen erfolgte 1973 die Priesterweihe. Es folgte ein Promotionsstudium in Münster. Danach war er Vikar und Jugendseelsorger in Winterthur und Zürich, 1987 – 2000 Pfarrer in St. Peter und Paul in Winterthur, 2000 – 2009 Regens am Priesterseminar in Chur. Seit 2009 ist Josef Annen als Generalvikar der Stellvertreter des Bischofs von Chur für die Kantone Zürich und Glarus. Josef Annen wandert gern und liest viel.

Rogate-Frage: Herr Generalvikar Annen, im August 2015 haben Sie sich – zusammen mit dem Synodalrat – öffentlich für Ihre Kirche und diskriminierende Äußerungen von Bischöfen entschuldigt. Was hat Sie dazu bewogen?

Josef Annen: Ich habe mich für die Äusserung des Churer Bischofs Dr. Vitus Huonder, die er in Fulda gemacht hat, entschuldigt. Kritiker haben mir daraufhin entgegnet: Wie kann man sich für etwas entschuldigen, das man selber nicht getan hat? Die Frage ist berechtigt. Diese habe ich mir selber auch gestellt. Aber ich weiss mich mit meiner Kirche und meinem Bistum und auch mit dem Bischof verbunden. Ich sitze im selben Boot, wenn mein Bischof sich öffentlich äussert. Sein Wort betrifft mich und die ganze Öffentlichkeit. Homosexuelle Menschen, Seelsorger und engagierte Gläubige aus Pfarreien haben sich bei mir gemeldet. Sie waren verletzt. Als Repräsentant des Bischofs im Generalvikariat Zürich-Glarus konnte ich nicht anders, als diesen Menschen sagen: Es tut mir leid, ich entschuldige mich.

Rogate-Frage: Will die katholische Kirche in Ihrem Bistum mit homosexuellen Menschen Frieden schließen?

Josef Annen: Ich kann nur für mich sprechen, nicht für die katholische Kirche in meinem Bistum. Persönlich will ich den homosexuellen Menschen begegnen wie allen anderen Menschen: mit Respekt und Hochachtung. Gott selber gibt ihnen Würde und Ansehen. Wo immer Menschen ihr Leben in Verantwortung vor Gott und den Mitmenschen gestalten, habe ich ihren Lebensentwurf zu respektieren, selbst wenn mir dieser persönlich fremd bleiben mag. Homosexuelle Menschen sind wertvolle Glieder unserer Kirche und bringen nicht selten besondere Charismen in die kirchliche Gemeinschaft ein.

Rogate-Frage: Wie kann vor dem Hintergrund der katholischen Tradition ein Glaube gelebt werden, der das Gespräch mit der Vernunft sucht und vor ihr bestehen kann?

Josef Annen: „Fides quarens intellectum“ – Der Glaube sucht die Vernunft – hat Anselm von Canterbury im 11. Jahrhundert formuliert. Diese Aussage bleibt bis heute aktuell. Ein Glaube, der nur auf Erfahrung gründet und nicht nach Begründung für die Glaubenserfahrung sucht, gleitet leicht in Fideismus ab. Umgekehrt wirkt ein Glaube, der sich nur auf die Lehrsätze stützt, intellektualistisch und nicht überzeugend. Es ist gute Tradition der katholischen Kirche, Glaube und Vernunft stets miteinander ins Gespräch zu bringen. Nach 1 Petrus 3,15 sollen wir stets „bereit sein, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt“, die uns erfüllt. Heutige Zeitgenossen finden kaum Zugang zum Glauben, wenn ihnen dieser Glaube nicht einleuchtet und vor der Vernunft nicht bestehen kann. Nur ein Glaube, der überzeugt, hat Zukunft.

Rogate-Frage: Sie haben geschrieben: „Mit Sorge stellen wir fest, dass das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Kirche grossen Schaden nehmen.“ Wie kann verlorenes Vertrauen wiedergewonnen werden?

Josef Annen: Vertrauen gewinnt, wer Vertrauen schenkt.

Rogate-Frage: In Ihre Entschuldigungsbitte haben Sie zudem die Mitglieder der evangelisch-reformierten Kirche genannt. Warum?

Josef Annen: Wir sind im Kanton Zürich als Christen in säkularer Gesellschaft eine einzige Schicksalsgemeinschaft. Als katholische, evangelisch-reformierte und christkatholische Christen bilden wir miteinander (zusammen mit den orthodoxen Kirchen und den vielen freien christlichen Gemeinschaften) den einen Leib der Kirche Jesu Christi, der leider gespalten ist. Dennoch leiden alle Glieder, wenn ein Glied leidet. Unsere säkulare Welt unterscheidet nicht mehr zwischen katholisch und reformiert. Wenn ein Bischof sich in der Öffentlichkeit äussert, dann äussert sich für viele einfach die Kirche. So verzeichnet beispielsweise die reformierte Kirche auch Kirchenaustritte, wenn sich die katholische Kirche in nicht überzeugender Weise zu einer umstrittenen Frage verlautbaren lässt. Es gehört darum zu einem guten ökumenischen Miteinander, dass ich mich bei der Schwesterkirche entschuldige, wenn sie wegen Äusserungen der katholischen Kirche Schaden nimmt. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Tatsache, dass sich auch die jüdische Religionsgemeinschaft in Zürich über die Äusserungen des Bischofs beklagt hat.

Rogate: Vielen Dank, Herr Generalvikar Annen, für das Gespräch!

Mehr über römisch-katholische Kirche im Kanton Zürich finden Sie hier: zh.kath.ch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Kapelle der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Gottesdienstliche Winterpause bis zum 12. Januar. Wir besuchen in unseren Heinatgemeinden die Andachten und Feiern.
  • Dienstag, 12. Januar 16 | 19:00 Uhr, Eucharistie, in der Kapelle, ohne Gesang/Musik
  • Dienstag, 19. Januar 16 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 26. Januar 16 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Sonntag, 31. Januar 16 | 10:00 Uhr, Predigtgottesdienst. Liturgie: Bruder Willehad Kaleb RGSM
  • Dienstag, 2. Februar 16 | 19:00 Uhr, Eucharistie, in der Kapelle, mit Posaunenchor.
  • Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier.
  • Hier unser Monatsplan Dezember 15/Januar 16.

Fünf Fragen an: Volker Beck, Die Grünen

Fünf Freitagsfragen an Volker Beck, Mitglied des Deutschen Bundestages, über eine Geste des Respekts, homosexuelle Menschen als Gottes Ebenbild und genug Ehe für alle. Ein Beitrag zum Tag der Menschenrechte.

Bildschirmfoto 2015-12-10 um 11.30.55

MdB Volker Beck (Bild Fabian Stürtz)

Volker Beck ist seit 1994 Kölner Bundestagsabgeordneter. Als Parlamentarier hat Volker Beck für eine Reihe von wichtigen gesellschaftlichen Modernisierungsprojekten gekämpft, so z.B. für ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz, ein Informationsfreiheitsgesetz und ein modernes Zuwanderungsrecht. Auch eine angemessene Erinnerungskultur und Wiedergutmachung von geschehenem Unrecht ist ihm wichtig: Deshalb setzt er sich seit Jahren für die Entschädigung für alle Opfer des Nationalsozialismus und für ein würdiges Gedenken ein. Als Menschenrechtspolitiker tritt er für die universale Geltung der Menschenrechte ein.

Rogate-Frage: Herr Abgeordneter Beck, wieso ist für Sie der Paragraph 175 heute immer noch wichtig?

Volker Beck: Verurteilungen nach dem § 175 StGB nach 1945 sind bis heute nicht aufgehoben. Die Opfer des Paragraphen wurden bis heute nicht entschädigt.

Rogate-Frage: Was bedeutet eine Rehabilitation für die Betroffenen der nach dem §175 Verurteilten und für das Rechtssystem der Bundesrepublik?

Volker Beck: Es ist vor allem eine Geste des Respekts. Den zu Unrecht Verurteilten wird damit ihre Ehre wieder zurückgegeben und der Rechtsstaat Bundesrepublik Deutschland  gesteht ihnen gegenüber seine verheerenden Irrtümer ein.

Rogate-Frage: Wie kann sich Ihre Partei hier engagieren? Was fordern Sie?

Volker Beck: Wir fordern, dass die Bundesregierung endlich einen Gesetzentwurf vorlegt, der alle menschenrechtswidrigen Verurteilungen von Homosexuellen aufhebt und die Opfer entschädigt. Der Bundesjustizminister darf sich hier nicht mehr in fadenscheinige Ausreden flüchten. Die Fakten liegen auf dem Tisch.

Rogate-Frage: Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) wird künftig die Trauungen für homosexuelle Paare öffnen und gleichstellen. Die Bundesregierung zögert mit einer völligen Gleichstellung der registrierten Partnerschaften mit den Ehen. Ist die evangelische Kirche gesellschaftlich im Vergleich zum Staat weiter?

Volker Beck: Die Kirche sollte Frau Merkel ins Gebet nehmen: Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat erkannt, dass auch homosexuelle Menschen Gottes Ebenbild sind. Die Bundesregierung dagegen kann sich immer noch nicht dazu durchringen, die homosexuelle Identität in die Achtung der Menschenwürde und die daraus resultierende Gleichheit vor dem Gesetz zu integrieren. Hier ignoriert sie systematisch die Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts.

Rogate-Frage: Was wird aus der „Ehe für alle“?

Volker Beck: Der Gesetzentwurf des Bundesrates und meiner Fraktion liegt dem Bundestag vor. Nach dem vermurksten Herumdoktern am Lebenspartnerschaftsgesetz ist es Zeit für gleiche Rechte ohne wenn und aber. Das Eheschließungsrecht für gleichgeschlechtliche Paare nimmt niemand etwas weg. Es ist genug Ehe für alle da.

Rogate: Vielen Dank, Herr Beck, für das Gespräch!

Weitere Informationen hier: volkerbeck.de

Zum Thema haben wir weitere Freitagsfragen veröffentlicht:

  • Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, über Unrecht an homosexuellen Männern, die Schuld des Staates und die Öffnung der Ehe für alle.
  • Ansgar Dittmar, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Lesben und Schwule in der SPD, über den Einsatz für Gleichstellung in seiner Partei, Unrechtsurteile und politische Machbarkeiten in der Großen Koalition.
  • Georg Härpfer, Vorstandsmitglied der Schwulenberatung Berlin, über eine für manche tödliche Rechtssprechung, Verurteilungen in der jungen Bundesrepublik und den Verdacht, ein ‚175er‘ zu sein.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de
________________________________________________

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten (Auswahl) in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • 2015 12 13 Sternenkinder-GottesdienstSonntag, 3. Advent, 13. Dezember 2015 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pater Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg. Orgel: Dr. Julian Heigel.
  • Dienstag, 15. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Eucharistie
  • Gottesdienstliche Winterpause bis zum 12. Januar
  • Dienstag, 12. Januar 16 | 19:00 Uhr, Eucharistie, in der Kapelle, ohne Gesang/Musik und mit viel Stille
  • Dienstag, 19. Januar 16 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 26. Januar 16 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 2. Februar 16 | 19:00 Uhr, Eucharistie, in der Kapelle
  • Freitag, 15. Juli 2016 | 19:30 Uhr, Eröffnungsgottesdienst zum 24. Lesbisch-schwulen Stadtfest des Regenbogenfonds. Mit Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin Tempelhof-Schöneberg.
  • Hier unser Monatsplan Dezember 15/Januar 16. Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Ansgar Dittmar, Bundesvorsitzender der Schwusos

Fünf Freitagsfragen an Ansgar Dittmar, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Lesben und Schwule in der SPD, über den Einsatz für Gleichstellung in seiner Partei, Unrechtsurteile und politische Machbarkeiten in der Großen Koalition. Ein Beitrag zum Tag der Menschenrechte.

Ansgar Dittmar (Bild: privat)

Ansgar Dittmar, Bundesvorsitzender der Schwusos (Bild: privat)

Ansgar Dittmar wurde am 9. Februar 1971 in Frankfurt am Main geboren und wuchs in Langen auf. Rechtswissenschaften studierte er an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt. Ehrenamtlich ist er Vorsitzender des Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Frankfurt und Fachanwalt für Arbeitsrecht & Wirtschaftsmediator in Frankfurt/Main. Er gehört beratend dem Parteivorstand der SPD an.

Rogate-Frage: Herr Bundesvorsitzender Dittmar, was genau sind die Schwusos und wofür steht die Organisation?

Ansgar Dittmar: Die Arbeitsgemeinschaft der Lesben und Schwulen in der SPD (Schwusos) ist fester Bestandteil der SPD. Als Arbeitsgemeinschaft arbeiten wir im Inneren und Äußeren an der Auseinandersetzung und Verankerung von LSBTI-Themen in der SPD.
Unser Ziel ist eine Gesellschaft, die auch ohne Verfassungsauftrag begreift, dass sie verarmt, wenn sie Menschen ausgrenzt und sie sich somit selbst ihrer Zukunftschancen beraubt. Die Akzeptanz und der Respekt der Vielfalt sind wesentlich für eine Gesellschaft. Und daran arbeiten wird.

Rogate-Frage: Am 10. März 1994 hat der Deutsche Bundestag den Paragraphen 175 aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Warum ist es damit nicht erledigt?

Ansgar Dittmar: Der Paragraph ist gestrichen – aber die Urteile bestehen weiter. Der Umstand, dass die vor 1945 nach dem gleichen Gesetzestext Verurteilten problemlos rehabilitiert wurden, die danach verurteilt wurden, jedoch nicht sorgt für Unverständnis und ist nicht haltbar. Fadenscheinige Vorwände, eine Aufhebung der Unrechtsurteile nach den Paragrafen 175, 175a und in der DDR nach Paragraf 151 verurteilte Homosexuelle sei aus juristischen Gründen nicht möglich, können nicht mehr greifen.

Rogate-Frage: Warum ist die Rehabilitation der Verurteilten nach §175 für die Betroffenen wichtig und was tun Sie dafür?

Ansgar Dittmar: Wir sind es den Opfern unserer Unrechtsurteile schuldig, dass sie nicht als gebrandmarkte Verbrecher sterben. Eine Entschuldigung reicht nicht. Ich kämpfe hier in meiner Position für Klarheit und Gleichheit. Wir brauchen eine vollständige  Rehabilitation. Wer aktuell einer Rücknahme der Urteile verweigert, verurteilt die Betroffenen ein zweites Mal. Eine Entschädigung für das ergangene Unrecht ist aber ebenso wichtig im Rahmen dieser Rehabilitierung.

Rogate-Frage: Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) wird künftig die Trauungen für homosexuelle Paare gleich den Gottesdiensten für Heterosexuelle gestalten. Die Bundesregierung zögert mit einer völligen Gleichstellung der registrierten Partnerschaften mit den Ehen. Ist die evangelische Kirche gesellschaftlich weiter im Vergleich zum Staat?

Ansgar Dittmar: In der Großen Koalition ist es äußerst schwierig, auf dem Gebiet Verbesserungen zu erreichen. Die rückwärtsgewandte Union sperrt sich gegen jede noch so kleine Veränderung. Dennoch konnte die SPD einiges auch gegen den Widerstand der CDU/CSU durchsetzen. Aber es gibt noch viel zu tun. Neben der gesetzlichen Gleichstellung ist die gesellschaftliche Akzeptanz von Lesben und Schwulen immer noch eine wichtige Aufgabe. Ich bin der Überzeugung, dass Akzeptanz und Respekt in einer demokratischen Gesellschaft selbstverständlich und fundamental sind. Homophobie ist kein Thema, dass „nur“ eine Randgruppe betrifft, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Es geht hier um Artikel 3 unseres Grundgesetzes und damit um Gleichheit und Gerechtigkeit. Es wird Zeit, dass die Union dies erkennt und handelt.

Rogate-Frage: Was wird aus der „Ehe für alle“?

Ansgar Dittmar: Sie wird kommen, da bin ich mir sehr sicher. Das Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung hat unsere Auffassung bestätigt, dass eine einfachgesetzliche Regelung zur Öffnung der Ehe ausreicht. Wir brauchen nur den politischen Willen. CDU/CSU müssen diese gesellschaftliche Realität endlich akzeptieren – bevor sie erneut durch das Bundesverfassungsgericht gezwungen werden, diese Realität anzuerkennen. Das Grundgesetz ist keine Ausrede mehr für eine Blockade! Das sind maximal die ideologischen Scheuklappen – und die müssen endlich abgelegt werden.

Rogate: Vielen Dank, Herr Dittmar, für das Gespräch.

Weitere Informationen hier: schwusos.de

Zum Thema haben wir weitere Freitagsfragen veröffentlicht:

  • Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, über Unrecht an homosexuellen Männern, die Schuld des Staates und die Öffnung der Ehe für alle.
  • Volker Beck, Mitglied des Deutschen Bundestages, über eine Geste des Respekts, homosexuelle Menschen als Gottes Ebenbild und genug Ehe für alle.
  • Georg Härpfer, Vorstandsmitglied der Schwulenberatung Berlin, über eine für manche tödliche Rechtssprechung, Verurteilungen in der jungen Bundesrepublik und den Verdacht, ein ‚175er‘ zu sein.

Andere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten (Auswahl) in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg: