Andacht „Gebet für die Stadt – in der Coronakrise“ an Himmelfahrt

Die Coronapandemie stellt in Folge mit Zunahme der Depressionen und Ängste, Einschränkungen der sozialen Kontakte, Vereinsamungen, Abstrichen und Testungen, Quarantäneanordnungen, Abstandsregelungen, ständig wechselnden Erlassen und Bestimmungen mit Verunsicherung der Bevölkerung, Impfpriorisierungen und -organisation eine hohe Herausforderung an das Gesundheitswesen und den Menschen dar.

Die Reihe „Gebet in der Stadt – in der Coronakrise“ nimmt an Himmelfahrt die medizinische Situation in Wilhelmshaven in den Blick. Klaus-Peter Schaps wird seine Eindrücke in Form einer Klage in der ökumenischen Andacht in der Sankt Willehad-Kirche, Bremer Str. 53, schildern.

Schaps, Facharzt für Innere Medizin, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Wilhelmshaven und Ärztlicher Leiter des Impfzentrums Wilhelmshaven, ist seit 2004 in hausärztlicher Praxis in Voslapp niedergelassen und versucht die komplexe und herausfordernde Situation aus ärztlicher Sicht darzustellen.

Die Liturgie gestalten Pastoralreferentin Daniela Surmann (Sankt Willehad) und Br. Franziskus (Rogate-Kloster). Die Andacht wird live auf dem Youtube-Kanal der St. Willehad-Gemeinde gestreamt.

Die Daten: Himmelfahrt, Donnerstag, 13. Mai 2021 | 18:30 Uhr, Gebet für die Stadt – in der Coronakrise. Mit Klaus-Peter W. Schaps, Facharzt für Innere Medizin. Liturgie: Pastoralreferentin Daniela Surmann und Br. Franziskus. Ort: Sankt Willehad-Kirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven. Hier der Link zum Livestream.

Der darauf folgende Termin des Gebets für die Stadt: Donnerstag, 20. Mai 2021 | 18:30 Uhr, Gebet für die Stadt – in der Coronakrise: Mit Oberbürgermeister Carsten Feist, Stadt Wilhelmshaven. Liturgie: Dechant Andreas Bolten und Br. Franziskus. Ort: Sankt Willehad-Kirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven. Hier der Link zum Livestream.

Andacht „Gebet für die Stadt – zum Gedenken an das Kriegsende in Wilhelmshaven“ am 6. Mai

Das „Gebet für die Stadt“ wird am Donnerstag, 6. Mai 2021, das Kriegsende 1945 in Wilhelmshaven zum zentralen Inhalt haben. Beginn ist 18:30 Uhr in der Sankt Willehad-Kirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.

Die Kapitulation wurde in Wilhelmshaven bereits am 6. Mai 1945, zwei Tage vor der allgemeinen Kapitulation Deutschlands, unterschrieben.

Liturgen sind Dechant Andreas Bolten, Bruder Franziskus sowie Pastor Frank Moritz, der zugleich den „Arbeitskreis Historisches Gedenken“ vertritt. Oberbürgermeister Carsten Feist wird in der Andacht sprechen.

Wir gedenken des Kriegsendes in Wilhelmshaven vor 76 Jahren. Aus diesem Anlass möchte ich die solidarischen Grüße des Arbeitskreises Historisches Gedenken übermitteln. Diesem Arbeitskreis gehören unter dem Dach des Kulturbüros der Stadt Wilhelmshaven Vertreter*innen der evangelischen und katholischen Kirche, des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Volkshochschule, des Stadtarchivs, sowie der Museen und Kultureinrichtungen unserer Stadt an.

Solidarität tut not in diesen Zeiten, in denen wir uns darauf besinnen, wie unverzichtbar die Demokratie ist, die uns allen ein Leben in Freiheit gewährt. Wir haben im Arbeitskreis seit vielen Jahren dafür Sorge getragen, dass dieser besondere Tag öffentlich bewusst gemacht wird. Der 6. Mai 1945, der dieser zerstörten Stadt endlich den Frieden brachte, bedeutete einen Neuanfang, eine große Chance.

Dieser Tag bedeutete aber auch den entsetzlichen Endpunkt eines unvorstellbaren menschenfeindlichen Größenwahns. Der verbrecherische Wahnsinn des Nationalsozialismus hatte geistige Vorläufer in den Verschwörungstheorien.

Ich empfinde es persönlich als äußerst beunruhigend, dass dieses alte Gift seine Wirkung auch in unseren Tagen entfaltet. Scheinbar einfache Antworten in einer komplizierten und globalisierten Welt üben eine große Anziehungskraft aus. Die sogenannte „Querdenkerbewegung“, die sich in keinster Weise gegen Rechtsextreme oder Reichsbürger abgrenzt, speist sich auch aus solchen Quellen und äußert sich in einer Grundskepsis gegenüber unserem demokratischen Staatswesen, der sogenannten„Coronadiktatur“.

Wer aber unterstellt, finstere Mächte hätten sich verschworen, entwickelt bald auch Aggressionen nicht nur gegen die öffentlichen Medien. Die Angriffe auf Vertreter*innen unseres demokratischen Staatswesens, die Todeslisten, sind Warnzeichen, die wir äußerst ernst nehmen müssen. Der Mord an Walter Lübcke ist ein erschütterndes Beispiel unserer Tage, wie aus krudem Denken furchtbares Handeln wird. Die Weimarer Demokratie scheiterte daran, dass zu wenige Menschen mit ihr solidarisch waren. Das darf sich so nicht wiederholen.

Der 6. Mai 1945 mahnt uns, dass wir zu viel zu verlieren haben. So verstehe ich unsere Andacht für die Stadt als einen solidarischen Appell an unseren Verstand und an unser Herz. Dass Menschen gleich welchen Glaubens, welcher Weltanschauung, welcher Herkunft oder Hautfarbe solidarisch zusammenstehen in dem festen Willen, dass sich solch ein Tag nie wiederholen darf.

Pastor Frank Moritz, Arbeitskreis Historisches Gedenken, Wilhelmshaven

Die Daten: Donnerstag, 6. Mai 2021 | 18:30 Uhr, Gebet für die Stadt – zum Gedenken an das Kriegsende in Wilhelmshaven. Mit Oberbürgermeister Carsten Feist, Stadt Wilhelmshaven. Liturgie: Dechant Andreas Bolten, Pastor Frank Moritz und Br. Franziskus. Ort: Sankt Willehad-Kirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven. Hier geht es zur Live-Übertragung der Andacht.

Die Übertragung per Livestream ist hier zu sehen:

Die nächsten Rogate-Andachten:

Andacht „Gebet für die Stadt – in der Coronakrise“ am 29. April

Die Kulturbranche ist seit März 2020 mit Museen-, Theater- und Konzerthausschließungen sehr stark von der Corona-Pandemie betroffen. Dabei ist vor allem – und trotz aller staatlichen Hilfsmaßnahmen – die Existenz freiberuflicher Künstler*innen, Schauspieler*innen und Musiker*innen bedroht. Aber auch die Gesellschaft vermisst kulturellen Input, der nicht nur über Bildschirme, sondern physisch vermittelt wird und sich besonders aus der persönlichen Begegnung von Kunst und Publikum speist.

Die Reihe „Gebet in der Stadt – in der Coronakrise“ nimmt am Donnerstag die Situation der Kultur in Wilhelmshaven in den Blick. Petra Stegmann wird ihre Eindrücke in Form einer Klage in der ökumenischen Andacht in der Sankt Willehadkirche, Bremer Str. 53, schildern. Stegmann leitet seit Ende 2018 die Kunsthalle Wilhelmshaven. Zuvor war die gebürtige Bremerin und studierte Kunsthistorikerin als freie Kuratorin in Berlin, Potsdam, im Baltikum und Skandinavien tätig.

Die Liturgie gestalten Pastoralreferentin Daniela Surmann (Sankt Willehad) und Br. Franziskus (Rogate-Kloster). Die Andacht wird live auf dem Youtube-Kanal der St. Willehad-Gemeinde gestreamt.

Die Daten: Donnerstag, 29. April 2021 | 18:30 Uhr, Gebet für die Stadt – in der Coronakrise: Die Situation der Kultur in Wilhelmshaven. Mit Petra Stegmann, Kunsthalle Wilhelmshaven. Musik: Florian Bargen Liturgie: Pastoralreferentin Daniela Surmann und Br. Franziskus. Ort: Sankt Willehad-Kirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven. Hier gehts zum Livestream der Andacht.

Die folgenden Termine des Gebets für die Stadt sind:

Andacht „Gebet für die Stadt – in der Coronakrise“ am 22. April

Die aktuelle Situation der Wilhelmshavener Kindertagesstätten steht am Donnerstag im Mittelpunkt einer Andacht in der Pfarrkirche Sankt Willehad. Die Leiterinnen der Kindertagesstätte Christus König in Fedderwardergroden, Sandra Neugebauer, und der Kindertagesstätte Arche Noah in Heppens, Daniela Cordes, werden stellvertredend im „Gebet für die Stadt – in der Coronakrise“ ihre pädagogische Arbeit, Herausforderungen und Unmöglichkeiten in der Pandemie beschreiben. Dechant Andreas Bolten und Bruder Franziskus gestalten die Liturgie. Beginn ist um 18:30 Uhr.

Die St. Willehad-Gemeinde und das Rogate-Kloster Sankt Michael setzen ihre gemeinsame Gottesdienstreihe bis Pfingsten mit fünf weiteren ökumenischen Andachten in die Pfarrkirche St. Willehad fort. Die Coronakrise und die Auswirkungen der Pandemie auf verschiedene Bereiche in Wilhelmshaven bilden den inhaltlichen Schwerpunkt. Die Übertragung im Livestream auf dem Youtube-Kanal der St. Willehad-Gemeinde ist geplant.

Termin: Donnerstag, 22. April 2021 | 18:30 Uhr, Gebet für die Stadt – in der Coronakrise: Die Situation der Kitas in Wilhelmshaven. Mit Sandra Neugebauer, Kindertagesstätte Christus König, und Daniela Cordes, Kindertagesstätte Arche Noah. Liturgie: Dechant Andreas Bolten und Br. Franziskus. Ort: Sankt Willehad-Kirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven. Hier gehts zum Livestream der Andacht.

Hinweis: Die Gemeinde St. Willehad weist auf das aktuell geltende Hygienekonzept hin. Vor dem Besuch der Kirche besteht eine Anmeldepflicht vor Ort. Es sind medizinische Masken (OP- oder FFP2-Masken) zu tragen. Weitere Informationen hängen vor Ort aus sowie auf Willehad.de zu finden.

Bianca Bolle: Die „Klage“ im „Gebet für die Stadt – in der Coronakrise“

Die römisch-katholische Kirchengemeinde Sankt Willehad und das ökumenische Rogate-Kloster Sankt Michael haben mit der dreiteiligen Andachtsreihe „Gebet für die Stadt – in der Coronakrise“ an die Herausforderungen und das Leid durch die Pandemie und deren Folgen in der Stadtgesellschaft Wilhelmshaven erinnert. Menschen, die ganz unterschiedlich durch die Coronafolgen betroffen sind, kamen im „Gebet für die Stadt“ selber zu Wort und schilderten ihre Situation seit dem Beginn der Pandemie. Sie berichteten über die eigene Not, Existenzängste und den Umgang damit.

Am 11. März 2021 war die Pflegedienstleiterin der Diakoniestation Wilhelmshaven, dem ambulanten Pflegedienst der evangelisch-lutherischen Kirche in der Nordseestadt, an die Situation der Gepflegten, des Dienstes und der Mitarbeitenden seit dem Anfang der Pandemie erinnert. Die Liturgie sah einen Klageteil vor. Hier dokumentieren wir den Beitrag von Bianca Bolle:

Im Haus der Diakonie in Wilhelmshaven (Niedersachsen) hat die von Bianca Bolle geleitete Diakoniestation ihren Sitz (Bild: Rogate-Kloster)

Anfang 2020: Corona hat Deutschland erreicht, während in Süddeutschland bereits ein hohes Ausbruchsgeschehen herrscht, ist es im Norden noch relativ ruhig. Der Übertragungsweg ist schnell klar, Tröpfcheninfektion wie auch bei Erkältungskrankheiten. Das Virus verbreitet sich schnell. Das Robert Koch Institut empfiehlt: „Abstand halten und Kontakte meiden“. Die ambulanten Pflegedienste versorgen die Risikogruppen, oft hochbetagte Menschen mit Vorerkrankungen. Abstandhalten in der Pflege? Wie soll das gehen? Gar nicht.

Hygieneregeln sind für uns nichts Neues, die Händedesinfektion vor und nach Patientenkontakt Routine. Ein großes Problem trat auf: die Preise für Desinfektionsmittel explodierten. Es waren Preissteigerungen von 300 Prozent zu beobachten. Auch die Preise für weitere Schutzkleidung stiegen ungebremst. Ein medizinischer Mundnasenschutz, ein 15 Cent Artikel wurde mit 3,50 Euro gehandelt. Eine Packung Handschuhe stiegt von ihrem ursprünglichen Preis von drei Euro auf 15 Euro an. Eingeschritten ist hier niemand, das nennt sich freie Marktwirtschaft, die Nachfrage regelt den Preis.

Bereits bevor die Regierung die Pflicht zum Tragen eines Mundnasenschutzes beschlossen hat, haben wir uns dazu entschlossen, sie zum Schutz unserer Patient:innen und Mitarbeitenden zu tragen. Aber woher nehmen? Der Markt ist leergefegt. Lieferzeiten bis zu zwei Monate. Im privaten Umfeld umgehört, wer kann uns ausreichend Behelfsmasken zur Überbrückung nähen? Kollegen, Familie und sogar neunzigjährige Patienten machen sich an die Arbeit.

Im März 2020 dann ein Lichtblick, die Regierung verspricht alle Krankenhäuser und Pflegeinrichtungen mit Masken zu beliefern, vorrangig die Krankenhäuser und die Pflegeheime. Ja, auch wir haben welche erhalten, Anfang Dezember 2020, mit einem Brief vom Gesundheitsminister, datiert auf den 26. März 2020.

Die Ängste wachsen, viele Patienten stellen aus Angst vor Ansteckung ihre Versorgung ein, die Medien schüren die Ängste und verkünden, das Pflegepersonal sei der Überträger.

Es folgt der erste Lockdown. Die Pflegedienste arbeiten weiter, still und unerkannt, sieben Tage die Woche. Selbst durch Vorerkrankungen gefährdete Kolleg:innen machen weiter. Zusätzliche Belastungen kommen hinzu, die Kindertagesstätten und Schulen schließen. In der ambulanten Pflege arbeiten zum größten Teil Frauen in Teilzeit, mit Kindern. Wohin mit dem Kind, wenn ich arbeiten muss? Das Pflegepersonal wird plötzlich als systemrelevant eingestuft. Eine Notbetreuung der Kinder muss von den Einrichtungen gewährleistet werden.

Beim Anmelden der Notbetreuung in einer Kinderkrippe erhielt eine Mitarbeiterin die Aussage: „Ja, aber nur für systemrelevante Berufe!“ Traurig. Wir sind in den Augen der Bevölkerung nicht systemrelevant. Immer wieder hören wir Aussagen wie: „Wann macht Ihr denn wieder auf? Seid ihr auch im Homeoffice? Ach so, ihr arbeitet auch im Lockdown?“ Ja, die ambulanten Pflegedienste arbeiten immer, an 365 Tagen im Jahr arbeiten … und ja…  wir arbeiten auch an Weihnachten, Silvester und während einer Pandemie!

Dann endlich ein Schreiben der Niedersächsischen Landesregierung, das Hilfe verspricht. Die Ernüchterung ist schnell da. Erste Anweisung: „Die Versorgung der Patienten ist unter allen Umständen aufrecht zu erhalten! Sollten hohe Mitarbeiterausfälle auftreten: Stellen Sie mehr Personal ein! Ist dieses nicht möglich, fragen Sie in anderen Einrichtungen nach, ob diese aushelfen können…“

Von weiteren Vorschlägen möchte ich hier gar nicht sprechen…Wir leben seit Jahren in einem Pflegenotstand, Personal auf dem freien Markt gab es schon vor Corona nicht.

Der Toilettenpapierwahnsinn nimmt seinen Lauf. Haben Sie schon einmal in das verzweifelte Gesicht einer schwer kranken neunzigjährigen Frau, geblickt, die Ihnen verzweifelt und den Tränen nahe berichtet, dass sie den Kampf um Toilettenpapier verloren hat und nichts mehr hat? Also wieder an private Kontakte anknüpfen, bis sich ein Geschäft findet, was uns Toilettenpapier für unsere Patienten reserviert. Abzuholen bitte möglichst kurz vor Geschäftsschließung, im Dunkeln, mit Begleitservice bis zum Auto, damit ja nichts passiert…

Der Sommer kommt. Die Pflegedienste arbeiten weiter. Personal fehlt noch mehr als zuvor, da jetzt jede kleine Erkältung zu einer Krankschreibung von sieben Tagen führt, obwohl diese häufig schon nach zwei Tage vorüber ist. Häufiges Einspringen aus dem „Frei“ ist die Folge. Zumindest gibt es wieder Schutzausrüstungen, die Preise weiter extrem hoch, aber zumindest lieferbar. Schnell wird in der zweiten Welle aus dem Tragen einer Behelfsmaske die Pflicht, einen medizinischen Mundschutz in der Pflege zu tragen, kurze Zeit später die Verpflichtung zur FFP 2 Maske umzusetzen in den Einrichtungen innerhalb von wenigen Tagen.

Mitarbeitende mit Lungenerkrankungen wie zum Beispiel Asthma bekommen durch diese Masken kaum Luft, die ersten Ohren sind wund, offene Stellen hinter den Ohren keine Seltenheit, die FFP 2 Maske muss eng anliegen. Die Mitarbeitende der ambulanten Pflege arbeiten weiter, ungesehen von vielen, klagen nicht und sind für Ihre Patient:innen da.

An Corona erkrankte Patienten müssen versorgt werden, in voller Schutzkleidung, die einem kaum die Luft zum Atmen lässt… So wie man es aus dem Fernsehen kennt. Das Risiko, sich trotzdem zu infizieren, schwebt immer über einem. Coronapatient:innen, die alleine zu Hause leben, die Angehörigen weit entfernt, müssen versorgt werden. Die Mitarbeitenden der ambulanten Pflegedienste sind oft die einzigen Ansprechpartner.

Eine Mitarbeitenden-Teststrategie wird von der Regierung festgelegt, umzusetzen in drei Tagen. Durchführen dürfen sie nur examinierte Pflegekräfte nach einer ärztlichen Schulung – in Testzentren darf es jeder, der eine Schulung erhalten hat. Die Schulung ist über die Krankenkasse abzurechnen, trotzdem verlangt ein Arzt knapp 700 Euro für eine einstündige Schulung. Wieder organisieren, es ist kurz vor Weihnachten 2020, viele Ärzte schon im Urlaub. Das Gesundheitsamt wird eingeschaltet. Dreimal pro Woche müssen alle Mitarbeitende verpflichtend getestet werden, auch wenn Feiertag ist, Tests sind Mangelware… Es ist alles genau zu dokumentieren.

Im Januar 2021 dann geht Niedersachsen den Alleingang: Tägliche Testung der Mitarbeitenden in der ambulanten Pflege an sieben Tagen in der Woche. In keinem anderen Bundesland ist dieses erforderlich. Soziale Kontakte gibt es eh schon lange nicht mehr. Dieses heißt täglich bis zu 15 Mitarbeitende testen: Schutzkleidung anlegen, Schutzkittel, Haube, Handschuhe, Schutzvisir , FFP2 Maske…Test durchführen, 15 Minuten auf das Ergebnis warten und hoffen, dass alles gut ausgeht… Fünfzehnmal hintereinander… wir haben ja auch sonst nichts zu tun.

Aber jetzt wird alles besser, es wird ja geimpft, Nachdem bereits im Dezember angefangen wurde, den Bedarf in Krankenhäusern und Pflegeheimen zu ermitteln, und im Januar die ersten Impfungen starteten, fiel dann Anfang März auf: Ach ja, die ambulante Pflege gibt es ja auch noch… Ja, auch wir gehören zur höchsten Priorität und sind systemrelevant, auch wenn man uns nicht sieht und wahrnimmt… oder wussten Sie, dass wir in Wilhelmshaven 18 verschiedene ambulante Pflegedienste haben?

Bianca Bolle, Pflegedienstleiterin der Diakoniestation Wilhelmshaven, am 11. März im „Gebet für die Stadt – in der Coronakrise“ in der Pfarrkirche Sankt Willehad Wilhelmshaven.

Kollektenergebnis: In unserer dreiteiligen Andachtsreihe „Gebet für die Stadt – in der Coronakrise“ wurde jeweils eine Kollekte für die Arbeit von United4Rescue gesammelt. Das Diakonische Werk Friesland-Wilhelmshaven e.V., der Förderverein Rogate-Kloster und wir sind Bündnismitglieder. Die drei Sammlungen erbrachten insgesamt 283,20 Euro. Vielen Dank an alle Unterstützer:innen!

Andacht „Gebet für die Stadt – in der Coronakrise“ am 18. März

Die Sankt-Willehad-Gemeinde und das Rogate-Kloster Sankt Michael laden am Donnerstag, 18. März, zum zweiten „Gebet für die Stadt – in der Coronakrise“. Diesmal wird besonders die Situation der lokalen Gastronomie und der Hotelbetriebe während der Pandemie in den Blick genommen. Gastredner sind Heike Fürstenwerth und Daniel Dorsch, Inhaber des Hotel Fürstenwerth und Café MORGÆN. Beginn ist um 18:30 Uhr in der Pfarrkirche Sankt Willehad, Bremer Str. 53, Wilhelmshaven.

Einladungsplakat für das „Gebet in der Stadt – in der Coronakrise.“ (Agentur Nolte Kommunikation, Berlin)

Die katholische Kirchengemeinde und das ökumenische Kloster wollen mit der Andachtsreihe an die Herausforderungen und das Leid durch die Pandemie und deren Folgen in der Stadtgesellschaft Wilhelmshaven erinnern. Menschen, die ganz unterschiedlich durch die Coronafolgen betroffen sind, kommen im „Gebet für die Stadt“ selber zu Wort und schildern ihre aktuelle Situation. Sie berichten über die eigene Not und den Umgang damit.

Heike Fürstenwerth: „Wir haben zu Beginn des ersten Lockdowns gelitten. Sehr, sehr sogar, weil wir absolut überrascht worden sind. Uns wurde förmlich der Boden unter den Füßen weggerissen. Nach einigen Wochen hat sich der tosende Ozean an Emotionen gelegt und wir trieben auf ihn, an einer Planke haltend, und erlebten den Ozean als eine ruhige Naturgewalt. Mit Sonnenaufgängen und tollen Tieren. Uns konnte er erstmal nichts mehr anhaben.“ Daniel Dorsch ergänzt: „Wir sind grundsätzlich voller Zuversicht, dass sich alles wieder zum Guten wendet. Wir tragen ein positives Grundgefühl in uns. Wir haben viele Lehren draus ziehen können und sind dran gewachsen. Und das sehen wir als Hauptaugenmerk im Leben: an Geschehnissen und Erlebten zu wachsen.

Termin: Donnerstag, 18. März 2021 | 18:30 Uhr, Gebet für die Stadt – in der Coronakrise. Mit Heike Fürstenwerth und Daniel Dorsch, Hotel Fürstenwerth und Café MORGÆN Wilhelmshaven. Musik: Andreas Marth. Liturgie: Dechant Bolten und Br. Franziskus. Ort: Sankt Willehad-Kirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven. Das Gebet für die Stadt wird live auf dem Youtube-Kanal der Gemeinde gestreamt.

Hinweis: Die Gemeinde St. Willehad weist auf das geltende Hygienekonzept hin. Vor dem Besuch der Kirche besteht eine Anmeldepflicht vor Ort. Es sind medizinische Masken (OP- oder FFP2-Masken) zu tragen. Weitere Infos hängen vor Ort aus sowie auf Willehad.de.

Das Gebet für die Stadt wird live auf dem Youtube-Kanal der Gemeinde gestreamt.

Andacht „Gebet für die Stadt – in der Coronakrise“ am 11. März

Am Donnerstag startet die Andachtsreihe „Gebet für die Stadt – in der Coronakrise“ mit einem besonderem Blick auf die Situation der ambulanten Pflegedienste. Bianca Bolle, Pflegedienstleiterin der Diakoniestation Wilhelmshaven, dem ambulanten Pflegedienst der evangelischen Kirche, wird sprechen. Beginn ist um 18:30 Uhr in der Pfarrkirche Sankt Willehad, Bremer Str. 53.

Einladungsplakat für das „Gebet in der Stadt – in der Coronakrise.“ (Agentur Nolte Kommunikation, Berlin)

Die römisch-katholische Pfarrgemeinde Sankt Willehad in Wilhelmshaven und das ökumenische Rogate-Kloster Sankt Michael wollen mit der Andachtsreihe an die Herausforderungen und das Leid durch die Pandemie und deren Folgen in der Stadtgesellschaft Wilhelmshaven erinnern.

Pfarrer Andreas Bolten: „Wir wissen, dass viele ältere und pflegebedürftige Menschen mit wenig Kontakten oder allein zuhause sind. Wie ergeht es ihnen in dieser Pandemie? Wie ergeht es den Pflegenden und Betreuenden? Sie übernehmen einen wichtigen Dienst in unserer Gesellschaft.“

Bruder Franziskus ergänzt: „Die mediale und politische Öffentlichkeit ist während der Pandemie stark auf Krankenhäuser und Pflegeheime und die Lage dort fokussiert. Wir wollen hingegen im „Gebet für die Stadt“ hören, was Corona in den ambulanten Pflegediensten verändert hat und wie die Mitarbeitenden mit den Herausforderungen umgehen.“ “

Das besondere der neuen Andachtsform: Menschen, die ganz unterschiedlich durch die Coronafolgen betroffen sind, kommen im „Gebet für die Stadt“ selber zu Wort und schildern ihre Situation. Sie berichten über die eigene Not und die Lage ihrer Patienten oder Mitarbeitenden und Kollegen*innen.

Termin: Donnerstag, 11. März 2021 | 18:30 Uhr, Gebet für die Stadt – in der Coronakrise. Mit Bianca Bolle, Diakoniestation Wilhelmshaven. Musik: Stadtkantor Markus Nitt. Liturgie: Dechant Bolten und Br. Franziskus. Ort: Sankt Willehad-Kirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.

Die Gemeinde St. Willehad weist auf das geltende Hygienekonzept hin. Vor dem Besuch der Kirche besteht eine Anmeldepflicht vor Ort. Es sind medizinische Masken (OP- oder FFP2-Masken) zu tragen. Weitere Infos hängen vor Ort aus sowie auf Willehad.de.

Fünf Fragen an: Apl. Prof. Dr. Ursula Rudnick

Fünf Fragen an Apl. Prof. Dr. Ursula Rudnick, Beauftragte für Kirche und Judentum im Haus für kirchliche Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, über eine Religionen verbindende Kampagne der Kirchen, Gemeinsamkeiten von Pfingsten und Schwawout sowie Plakate, die ab sofort in vielen Schaukästen zu sehen sind.

Ursula Rudnick stammt aus Hannover und studierte Theologie und Judaistik in Göttingen, Tübingen, Jerusalem und New York, wo sie am Jewish Theological promovierte. Sie engagiert sich seit vielen Jahren im christlich-jüdischen Dialog.

Apl. Prof. Dr. Ursula Rudnick (Bild: privat)

Rogate-Frage: Frau Professorin Rudnick, unter dem Titel „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“ startet in diesem Monat eine Kampagne der katholischen und evangelischen Kirche. Was soll damit erreicht und welche Botschaften vermittelt werden?

Ursula Rudnick: Mit der Kampagne #jüdisch-beziehungsweise-christlich soll die Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum vergegenwärtigt werden. Die kurzen Texte auf den Monatsplakaten laden zum Nach-denken und Nach-fragen ein. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Ostern und Pessach? Wie wird Pessach gefeiert? Wichtig ist uns dabei, dass zum einen die engen Verbindungen wahrgenommen werden und zugleich respektvoll die „dignity of difference“, die Würde der Verschiedenheit, wie Rabbiner Jonathan Sacks sie nannte, gewahrt bleibt.

Rogate-Frage: Wie kam es zu der Idee und an welche Zielgruppe richtet sich das Projekt?

Ursula Rudnick: Die Idee dieser Share-Kampagne entstand in Berlin. Dann wurde sie an verschiedenen Orten, so auch in Niedersachsen aufgegriffen und weiterentwickelt. Daher ist die Kampagne jetzt eine ökumenische Kampagne, die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) unterstützt wird. In Niedersachsen ist auch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACKN) dabei. Die Plakate sind in Schaukästen von Gemeinden zu finden und richten sich an alle, die an diesen Schaukästen vorbeikommen. Darüber hinaus finden sie sich auf den Internetseiten von Kirchen und Kirchengemeinden und richten sich an Gemeindemitglieder. In den vergangenen Jahrzehnten hat das christlich-jüdische Gespräch bedeutende Fortschritte gemacht. Zugleich sehen wir, dass die Einsichten zum Beispiel von Nostra Aetate und der zahlreichen Synodalerklärungen noch nicht in allen Kirchengemeinden angekommen sind. Das Verhältnis von Kirche zum Judentum ist ein lebendiges Verhältnis. Jede Generation steht vor der Aufgabe, es neu zu gestalten und mit Leben zu füllen.

Rogate-Frage: Geht es mehr um die Vergleichbarkeit der großen Feste beider Religionen oder was soll konkret durch „#beziehungsweise“ vermittelt werden?

Ursula Rudnick: Ausgangspunkt ist das Festjahr. Es gilt den Blick zum Beispiel von Pfingsten auf Schawuot zu richten. So wie Schawuot 40 Tage nach Pessach gefeiert wird, so wird Pfingsten 40 Tage nach Ostern gefeiert. Hier gibt es Parallelen in der Struktur und auch im Inhalt. Manchmal gibt es Parallelen in der Struktur, aber Unterschiede im Inhalt, so wie zum Beispiel bei Purim und Karneval. Die Bezüge und Beziehungen sind vielfältig und komplex. Sie zu entdecken, helfen die Hntergrundinformationen auf der Internetseite #jüdisch-beziehungsweise-christlich. Darüber gibt es monatlich stattfindende Dialoge von jüdischen und christlichen Gelehrten, an denen jede/r kostenfrei teilnehmen kann. Wer sich auf der Homepage anmeldet, erhält den Link für die Online-Teilnahme.

Rogate-Frage: Warum ist der Interreligiöse Dialog für Sie so wichtig?

Ursula Rudnick: Als Christ*innen sehen wir alle Menschen als Geschöpfe Gottes. In unserer globalisierten und vernetzen Welt ist es wichtig, dass wir miteinander im Gespräch sind. Der christlich-jüdische Dialog ist für Christ*innen aus mehreren Gründen unverzichtbar: zunächst um der eigenen Integrität willen. Judenfeindschaft durchzieht die Geschichte der Kirche von ihren Anfängen an. Sie ist so tief in unserer relgiösen Tradition und Kultur verwurzelt und wir erleben ein neues Aufflammen von Judenfeindschaft. Es gilt auf vielfältigen Ebenen sich ihr entgegenzustellen: in der Bildungsarbeit, in der politischen Arbeit und auch im Alltag. Zum anderen ist mir der christlich-jüdische Dialog wichtig, weil es spannend ist, zu sehen, wie die jüdische Tradition die Bibel liest. Hier habe ich viel gelernt und viel entdeckt. Und: eine wichtige Frucht des Dialogs sind vielen Freundschaften, die ich im christlich-jüdischen um im interreligiösen Dialog habe schließen dürfen.

Rogate-Frage: Wie sieht der Dialog der Religionen in der Zukunft aus? Was wünschen Sie sich von den Dialogbeteiligten?

Ursula Rudnick: Ich bin keine Hellsehrerin, deshalb kann ich nicht sagen, wie der Dialog in der Zukunft aussehen wird. Ich wünsche Zusammenarbeit und Austausch auf vielfältige Weise: beim Lesen der Bibel, beim Einsatz für Gerechtigkeit und auch bei Fragen der Klimakrise. Es gibt bereits zahlreiche Aktivitäten: Ich wünsche mir, dass sie weiter zunehmen.

Rogate: Vielen Dank, Frau Prof. Rudnick, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Aufgrund der Corona-Pandemie finden im Moment nur wenige Rogate-Gottesdienste statt. Die nächsten geplanten Termine sind:

Willkommen: Gottesdienst für Mensch und Tier am Franziskustag

Das Rogate-Kloster lädt am Sonnabend, 3. Oktober 2020, zum traditionellen Gottesdienst für Mensch und Tier ein. Anlass ist der jährliche Gedenktag an den Heiligen Franziskus von Assisi, der als erster Tierschützer gilt. Der ökumensiche Gottesdienst beginnt um 15 Uhr in der Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirche (An der Apostelkirche 1). Das Rogate-Kloster richtet seit 2011 regelmässig Tiersegnungsgottedienste aus.

Die Predigt hält in diesem Jahr Julia Enxing aus Dresden. In ihrer Forschung lässt sie sich die Theologieprofessorin herausfordern von Fragen wie dem Verhältnis von menschlichem zu tierischem Leben.

Der Gottesdienst wird musikalisch von Felicitas Eickelberg gestaltet. Sie wird die Orgel besonders leise und damit besonders tierfreundlich spielen. Beteiligt sind zudem Pfarrvikarin Ruth Tuschling, Alt-katholische Gemeinde Berlin, und Bruder Franziskus vom Rogate-Kloster.

Prof. Dr. theol. Julia Enxing mit Lucy (Bild: Amac Garbe)

Die Predigerin: Prof. Dr. theol. Julia Enxing (Jg. 1983) studierte katholische Theologie und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen, Frankfurt a. M., und promovierte 2012 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 2017 habilitierte sie an der Hochschule St. Georgen. Seit 2020 ist sie Professorin für Systematische Theologie an der Technischen Universität Dresden.

Termin: Sonnabend, 3. Oktober 2020 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier zum Franziskustag. Predigt: Prof. Dr. Julia Enxing, Dresden. Liturgie: Pfarrvikarin Ruth Tuschling, Alt-katholische Gemeinde Berlin, und Bruder Franziskus, Rogate-Kloster. Grußwort: MdB Mechthild Rawert. Lektor*innen: Petra Meyer-Machtemes und Florian Wiese. Ministranten: Uta Willers-Urban, Andrea Fleischer und Markus Beckmann. Orgel: Felicitas Eickelberg. Tür-Begrüßung und Eintrag in die Corona-Listen: Pfarrer Burkhard Bornemann. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche Berlin-Schöneberg.

Corona-Pandemie: Der Gottesdienst findet unter Corona-Bedingungen statt: Die Namen und Anschriften müssen hinterlassen werden. Ein Mund-Nase-Schutz ist zu tragen. Im Gottesdienst darf im Sinne der Pandemie-Vorsorge derzeit leider nicht gesungen werden.

Zitat: Mein theologisches Nachdenken, Fragen, Sprechen und Schreiben ist ein gegenwartsinspirierter Prozess. Zweifel und Fragen des Lebendigen in dieser Zeit sind es, die mich zur (wissenschaftlichen) Reflexion anregen und zum Thema meiner Theologie werden.

Ich setze mich für eine Überwindung der Diskrepanz zwischen gedachter und gelebter Theologie ein. Dabei ist mir ein intensiver ökumenischer und internationaler Austausch besonders wichtig. Für mich ist Theologie ein partizipatives, inklusives, kritisches, lebensnahes, unabgeschlossenes und politisches Geschehen.

Als Theologin erhebe ich meine Stimme gegen rassistische, antisemitische, speziesistische und anderweitige Diskriminierungstendenzen.

Julia Enxing, Dresden

Fünf Fragen an: Pfarrer Andreas Blum, Gemeinde St. Bonifatius London

Fünf Fragen an Pfarrer Andreas Blum, Deutschsprachige Katholische Gemeinde St. Bonifatius London, über die Leere der Kirchen an Ostern, die Bedeutung persönlicher Begegnung in einer Auslandsgemeinde und existentielles Reden von Gott.

Pfarrer Andreas Blum (Bild: A. Karpinski)

Pfarrer Andreas Blum (53) stammt aus Bensberg bei Köln und studierte in Bonn und Canterbury Katholische Theologie. Nach vielen Jahren als Schulseelsorger und Geistlicher Mentor Theologiestudierender im Erzbistum Köln, wurde er 2017 Pfarrer der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde St. Bonifatius in London. Er engagiert sich darüber hinaus für die „Arche“ (Lebensgemeinschaften für Menschen mit und ohne geistige Behinderungen) sowie in der Exerzitienbegleitung (Schwerpunkt: Film).

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Blum, wie haben Sie dieses Jahr Ostern feiern können?

Die Kirchen im Vereinigten Königreich müssen in diesen Tagen geschlossen bleiben und dürfen auch nicht für das Gebet Einzelner zugänglich gemacht werden. Diese Leere der Kirchen hat etwas von einem andauernden Karsamstag. Am Ostermorgen habe ich mich dann vor allem in der Klage der Maria von Magdala wiedergefunden: „Man hat meinen Herrn weggenommen.“ (Johannes-Evangelium 20,13). In diesem Jahr fehlte der Leib Christi in Gestalt der versammelten Gemeinde (1. Korintherbrief 12,27), und mit Maria habe ich zu verstehen versucht, was es heißen kann, nicht an dem Vertrauten und Liebgewonnenen festhalten zu sollen, sondern das österliche Leben im ganz anderen wiederzufinden. Die Antwort wird reifen müssen.

Rogate-Frage: Was hat sich durch die Corona-Pandemie für Ihre Gemeinde und Sie verändert und wie gehen Sie damit um?

Andreas Blum: In einer Auslandsgemeinde ist die Zusammenkunft und das Teilen von Sprache, Kultur und Speisen aus der Heimat ein wesentlicher Grundvollzug. Sich als Gruppe zu erleben, bietet Halt und Sicherheit in fremder Umgebung. Da unsere Gemeindemitglieder weit verstreut im Großraum London leben, haben wir Erfahrung im Umgang mit räumlicher Distanz, aber wir wissen eben auch um die Bedeutung einer Begegnung, die nicht durch Telefon und Bildschirm ersetzt werden kann.

Besonderes Augenmerk gilt in diesen Tagen unseren Senioren und ihrer Versorgung, sowie denen, die unter Einsamkeit und Zukunftsängsten leiden. Sie werden regelmäßig kontaktiert. Wir haben eine Sonderausgabe unseres Pfarrbriefs mit nützlichen Hinweisen, Anregungen und Ermutigungen erstellt, nicht zuletzt für jene, die digital nicht leicht zu erreichen sind. Wir bieten auf unserer Homepage eigene Gottesdienstvorschläge für jeden Sonntag an und haben zu Ostern ein Video montiert, in dem sich die Gemeinde mit Gebeten und Liedern von Haus zu Haus grüßt. Wir versuchen, in konkreter Verbindung zu bleiben.

Rogate-Frage: Wie nehmen Sie die aktuelle Situation in London wahr und wie geht die Bevölkerung damit um?

Andreas Blum: Bis vor kurzem galt das Vereinigte Königreich noch als gespaltenes Land (Stichwort: Brexit). Erstaunlich schnell und einmütig hat man sich jetzt jedoch hinter den Institutionen des Landes versammelt. Den regierungsamtlichen Anordnungen und Empfehlungen wird willig Rechnung getragen, beim Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) meldet sich ein Heer von freiwilligen Helfern und die Queen ordnet in ihrer unangefochtenen Autorität den historischen Moment für die ganze Nation ein. Direkte Kontakte in zwei große Krankenhäuser im Zentrum der Stadt berichten davon, dass die Anspannung groß sei – aber von einer Überforderung oder gar einem Kollaps des Systems, wie er in manchen deutschen Medien an die Wand gemalt wird, kann zur Stunde glücklicherweise nicht die Rede sein. Auf der Straße kommen jetzt eingeübte Tugenden wie das geduldige Schlangestehen oder die aus Höflichkeit bewahrte Distanz voll zum Tragen.

Rogate-Frage: Was können wir als europäische Christen aus der Situation lernen und in die Zukunft tragen?

Andreas Blum: Mitten in einer Krisenbewältigung mit unbekanntem Ausgang ist es kaum möglich, bereits nachhaltige Rückschlüsse für die Zukunft zu formulieren. Wo die einen noch hoffen, möglichst bald zu ihrem früheren Leben zurückzukehren, glauben andere, dass nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. Die Wahrheit mag irgendwo dazwischen liegen, aber das kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keiner wissen. Auf den Prüfstand wird unser Verhältnis zur Schöpfung gehören, das sich weder in Ausbeutung noch Schwärmerei verlieren darf. Die Erkenntnis, dass auch der moderne Mensch nicht der Herr allen Lebens ist, führt uns vielleicht zu neuer Demut und Dankbarkeit. Nicht zuletzt aber verlangt eine existentielle Krise von uns Christen auch ein existentielles Reden von Gott. Mit Schweigen oder Floskeln wird es nicht getan sein.

Rogate-Frage: Würden Sie uns ein Gebet schenken?

Andreas Blum:

Statt Angst – das „Fürchtet euch nicht“ des Auferstandenen.
Statt Strafe – die Barmherzigkeit und Vergebung Gottes.
Statt Tod – das Leben.
Das ist Ostern.

Guter Gott,
lass dein österliches Licht auch in diesen Tagen leuchten,
in denen wir voll Sorge in eine ungewisse Zukunft schauen.
Du hast dich über unzählige Generationen
als der Gott an der Seite des Menschen erwiesen.
Stärke, führe und begleite auch uns
durch Leben und Tod
in Christus, unserem Herrn.
Amen.

Rogate: Amen. Vielen Dank, Herr Pfarrer Blum, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Angesichts der Corona-Pandemie können wir leider keine verlässlichen Angaben machen, wann wir wieder zu Rogate-Gottesdiensten und Veranstaltungen wie dem Wangerlandsofa einladen können. Die nächsten geplanten Termine finden Sie hier.