Fünf Fragen an: Lutz Müller, Pater der Societas Jesu

Fünf Freitagsfragen an Pater Lutz Müller, Societas Jesu, über seinen Weg in den Orden, den Märtyrer Frans van der Lugt und eine bunte Willkommenswohngemeinschaft in Essen.

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Pater Lutz Müller (Bild: Ulrich Püschmann)

Lutz Müller SJ stammt aus der Neustadt/Weinstraße in der Rheinpfalz, wurde Jesuit und Priester, studierte in München, Frankfurt und Chicago. Er engagiert sich für Menschen in Notlagen (psychisch, physisch, spirituell).

Rogate-Frage: Pater Müller, warum sind Sie Priester, Ordensmann und Jesuit geworden?

Lutz Müller: Mein geistlicher Weg führte über das Herz-Jesu-Kloster in Neustadt an der Weinstraße. Bei den Herz-Jesu-Priestern sah ich, wie ein überzeugendes Engagement für die Menschen aussah, grundgelegt durch eine Ausrichtung auf Gott, einer Arbeit in der Kirche und einem überzeugenden Lebensstil. Diese Männer hatten eine enorme Ausstrahlung! Ebenso lernte ich die KSJ (Katholische Studierende Jugend im BDKJ/Bund der katholischen Jugend) kennen, was eine einzigartige Erfahrung war, weil meine Kirche und mein Freundeskreis sich deckten. Wir feierten nicht nur viele Partys und machten tolle Ausflüge, sondern wir bereiteten auch Jugendgottesdienste vor, mit denen ich mich identifizieren konnte; und wir hatten viele Gruppenstunden, die richtig Spaß machten. Zusätzlich waren diese Gruppenstunden informativ, lernten wir doch viel über die Beziehungen zwischen reichen und armen Ländern. Die Themen Entwicklungshilfe und kirchliche Initiativen, Welthandel und Gerechtigkeit, Kirchenbilder und Glaubenswelten spielten eine große Rolle. Ich unterschätzte die Prägekraft dieser Aktivitäten völlig.

Als ich nämlich einige Zeit später eine Lehre zum Bankkaufmann in einer großen Geschäftsbank begann, wurde mir der Unterschied in den Wertewelten sofort klar. Ansagen wie „Das persönliche Konto ist das Persönlichste des Menschen!“, oder „Wir wollen das Beste unserer Kunden, nämlich ihr Geld!“ zeigten mir, dass ich in die Welt geraten war, die für die Ausbeutung der Armen in der Dritten Welt mitverantwortlich war. Auf einmal hieß es Umsatzsteigerung statt Solidarität und Profitorientierung anstelle von Nächstenliebe. Mir wurde klar: Ich hatte die Seiten gewechselt! Plötzlich arbeitete ich bei denen, die die Monokulturen in der Landwirtschaft förderten, Atomkraftwerke finanzierten und mit denjenigen politischen Eliten zusammenwirkten, die Demokratie aushebelten und die Rechte von Ureinwohnern, Slumbewohnern und Armen unterdrückten.

Ich geriet so in eine persönliche Krise. Zunächst musste ich mir klarmachen, dass eine abgebrochene Banklehre weder eine Antwort darstellte, noch irgendjemandem nützen würde. Also machte ich mit der Ausbildung weiter, besann mich aber auf meine Erfahrungen im Herz-Jesu-Kloster und begann, die Ordenslandschaft in Deutschland zu untersuchen. Ich war auf der Suche nach einer Lebensform, die meinen Glauben und die Fragen nach Gerechtigkeit miteinander vereinbaren konnte. Bei meinen Sondierungen unter den Männerorden stieß ich bald auf die Jesuiten. Ich war überzeugt, dass sie eine Perspektive für mein Leben darstellten. Nach dem Ende der Banklehre trat ich dort ein.

Ich wurde also zuallererst Ordensmann. Bei den Jesuiten sah ich meine Anliegen für Glaube und Gerechtigkeit, Spiritualität und Engagement, als Kirche um der Menschen willen, gut aufgehoben.

Der Jesuitenorden heißt Societas Jesu (daher das Ordenskürzel SJ), was auf Deutsch bedeutet: Gesellschaft Jesu. Die Männer in diesem Orden wissen sich zu Gefährten Jesu berufen. Als solche Männer sind sie zum Dienst an Anderen ausgesandt. Die Priesterweihe ist ein Ausdruck dieser Berufung. Sie ist eine Form des Dienstes in der Kirche. Ein solcher Gefährte Jesu zu sein, macht mich glücklich.

Rogate-Frage: Wie kommt es, dass sich Ihr Orden weltweit mit großem Engagement für Geflüchtete einsetzt?

Lutz Müller: Unser Ordensgeneral P. Pedro Arrupe SJ gründete 1980 den Jesuit Refugee Service (JRS), den Jesuitenflüchtlingsdienst. Dieser sollte auf die Zeichen der Zeit antworten, das heißt akut auf die Nöte der vietnamesischen Boat People eingehen. Unser Ordensgründer, Ignatius von Loyola (1491-1556), ließ sich auch zu seinen Lebzeiten von den Anforderungen seiner Zeit leiten. Er hatte nicht geplant, die Katholische Reform in Europa zu unterstützen, denn ihm hatte eher ein Wanderpredigerleben seiner Ordensbrüder vorgeschwebt. Aber die Kirche in Europa stöhnte unter den Folgen der Reformation, und sie litt unter ihren eigenen Defiziten. Ignatius erkannte, dass gut ausgebildete Priester hier helfen könnten. Also änderte er sein Konzept. Entsprechend formulierten die Jesuiten im 20. Jahrhundert, dass Jesuiten eher dorthin gehen sollten, wo andere nicht hingehen konnten oder wollten. Diese Haltung führte zur Gründung des JRS und zum Engagement für Geflüchtete. Diese Parteinahme geschieht auf verschiedenen Ebenen:

  1. Durch direkten Kontakt mit Flüchtlingen in den Lagern an der Front,
  2. die Sorge um menschliche Entwicklung, Ausbildung und Förderung in den Lagern (Erstaufnahme, Transit, Abschiebehaft),
  3. anwaltliche Vertretung und juristische Hilfen in Drittländern.

Das spiegelt das Grundanliegen des JRS wider: Serve, Accompany, Advocate.

Rogate-Frage: Sie haben eine Willkommenskommunität in Essen gegründet. Was steckt hinter dieser Idee? Warum haben Sie das Haus nach Pater Frans van der Lugt benannt?

Lutz Müller: Pater Frans van der Lugt SJ war ein Mitbruder aus den Niederlanden, am 10. April 1938 geboren in Den Haag. Er trat 1959 in den Orden ein, absolvierte von 1964-1966 seine Arabischstudien in Beirut/Libanon, wurde 1971 zum Priester geweiht und lebte von 1966 – 2014 in Damaskus und Homs, Syrien. Er war in Amsterdam aufgewachsen und ausgebildeter Psychotherapeut. In Homs arbeitete er unter anderem mit Menschen mit Behinderungen, obdachlosen Jugendlichen und Kindern mit seelischen Schwierigkeiten. Dort gründete der Jesuit in den 1980er Jahren das Zentrum Al-Ard (Die Erde), in der junge Menschen mit seelischen Problemen und Menschen mit Behinderungen in der Landwirtschaft arbeiten konnten. Damit eröffnete er in einer Umgebung, in der Menschen mit Behinderungen teilweise versteckt wurden, vielen von ihnen und ihren Familien neue Lebensperspektiven. Zur Gemeinschaft gehörte ein spirituelles Zentrum als Ort des interreligiösen Dialogs.

So half er Menschen, miteinander als Christen und Muslime unterwegs zu sein. Mit seiner Wanderbewegung „Al Maseer“ (Der Weg) organisierte „Abuna Frans“ (Unser Vater Frans = Pater Frans) regelmäßig mehrtägige Wanderungen, in der er Menschen unterschiedlicher Herkunft und politischer Ansichten, verschiedenen Glaubens und sozialen Status zusammenbrachte. Er war davon überzeugt, dass die Menschlichkeit und das gemeinsame Erleben der Natur alle mehr verbinden und letztlich stärker sind als alles, was wir Menschen uns an Trennendem ausdenken. „Am Ende jeder Wanderung stellen wir fest, dass es keinen Menschen gibt, der nicht geliebt ist“, sagte er.

Nach Beginn des Kriegs in Syrien blieb Frans van der Lugt in Homs, auch nachdem die UNO alle europäischen Staatsangehörigen aus der umkämpften Stadt evakuiert hatte, und die katholische Gemeinde statt früher 10.000 nur noch rund 60 Angehörige umfasste. Nach der Zerstörung von Al-Ard lebte er in der Altstadt und versuchte, Lebensmittel für die hungernden Einwohner der belagerten Stadt zu organisieren. „Die Menschen in Syrien haben mit mir ihre Schätze und ihre Freude geteilt, jetzt teile ich auch ihre Leiden und ihre Trauer“, sagte Frans van der Lugt über seine Entscheidung, in Homs zu bleiben. Am 7. April 2014 wurde er von maskierten Männern aus seiner Unterkunft in der Ordenszentrale gezerrt und auf der Straße mit gezielten Schüssen getötet.

Als Mann des Friedens und der Verständigung, der bis zuletzt nicht Partei für eine politische Seite einnahm, war er in Syrien sehr bekannt und bei vielen Menschen sehr beliebt. Sein Tod wurde von vielen Syrern, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit, in und außerhalb Syriens sehr betrauert.

Seine Idee, über das gemeinsame Wandern in der Natur Liebe und Frieden untereinander zu fördern, lebt durch seine Freunde aus Homs jetzt auch in Deutschland und Europa weiter: Jährlich laden sie alle Interessierten zum „FransWandern“ ein.

Dieser Mann mit all seinen Facetten scheint uns ein gelungenes Vorbild zu sein für Verständigung, Kommunikation und Versöhnung. Ein von ihm überliefertes Motto lautet: „Ich sehe keine Christen und Muslime, ich sehe nur Menschen!“ Ein solches Leitmotiv eignet sich sehr für das Abuna-Frans-Haus!

Nun bauen wir in Essen auch einen solchen Ort auf. Unter einem Dach leben Menschen unterschiedlichen Alters, verschiedener Religionen, Konfessionen, Nationalitäten und Sozialisationen zusammen. Die Form ist die einer Wohngemeinschaft, einer WG. Das heißt wir haben keine Angestellten, sondern alle Arbeiten im und rund ums Haus werden von allen Bewohnern getragen.

Rogate-Frage: Wie funktioniert das Zusammenleben und welche Herausforderungen begegnen Ihnen?

Lutz Müller: Wir wollen die Vielfalt in Religion, Lebensstil, Herkunft und Kommunikation leben und nicht einfach nur den kleinsten gemeinsamen Nenner suchen. Wir empfinden dies selbst als ehrgeizig, die Verschiedenheiten auszuhalten, zu tolerieren, wertzuschätzen und einzubringen. Unterschiede dürfen sein und werden nicht schnell aufgelöst. Das ist manchmal anstrengend. Es kostet Kraft, immer wieder Alltägliches zu erklären, kulturelle Barrieren wahrzunehmen und auszuloten. Während wir beiden Jesuiten natürlich Leitung praktizieren, bieten wir den Geflüchteten die Beziehung zu uns an, um sich besser zu integrieren. Wir begleiten Lernprozesse in Sprache, Kultur, Ausbildung, Festtraditionen und Alltag. Dazu kommen die in WGs üblichen Differenzen mit Blick auf Sauberkeit, Pünktlichkeit, Hygienestandards, Ordnungsvorstellungen. Wir leben in einer Wohngemeinschaft in Deutschland!

Wesentlich verkompliziert wird dies dadurch, dass wir mit traumatisierten Menschen zusammenleben. Fast alle haben Schlafschwierigkeiten, weil die Erinnerungen an Krieg, Flucht und Vertreibung sich nicht nur ins Bewusstsein eingebrannt haben, sondern auch noch über die sozialen Medien, die Smartphones und Tablets immer wieder aufgefrischt werden.

Und so ist das Zusammenleben mit fünf Herkunftskulturen eine Herausforderung! Mit uns leben zwei Guineer, zwei Kongolesen, zwei Syrer, ein Libanese, ein Iraner, zusammen also acht Männer. Die Altersspanne deckt ein Spektrum von 19 bis 68 Jahren ab. Die noch nicht erworbene Sprachkompetenz bildet natürlich eine Hürde. Vieles Interessante kann dadurch gar nicht besprochen werden, wie zum Beispiel religiöse Grundfragen. Sodann kommen die Unsicherheiten im Status dazu. Die Wartezeiten auf die Anhörung durch das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) sind sehr lang. Wenn es zu einer Ablehnung oder anderen Komplikationen kommt, stellen wir einen Rechtsbeistand zur Verfügung. Die Situation der Herkunftsfamilien in den Heimatländern beunruhigt die Bewohner zusätzlich. Kriegerische Ereignisse, Bürgerkriegszustände, Krankheiten bei zerstörter Infrastruktur vor Ort binden viel Aufmerksamkeit und ziehen sie von hier ab. Wenn dann auch noch eine fremde Kultur wahrgenommen, eine fremde Sprache gelernt und die Idee einer WG mit Fremden, auch noch unter der Leitung zweier katholischer Priester verstanden werden soll, dann überfordert das leicht unsere Mitbewohner.

Unsere Idee ist es, Gemeinschaft zu fördern. Das ist nicht immer das Ideal unserer Gäste. Von den Gemeinschaftsunterkünften kennen sie viele Situationen von Konkurrenz und Neid. Wenn wir dann über Kommunikation, Gemeinschaft, Vertrauen und gemeinsames Lernen reden, begegnen sie uns mit viel Skepsis! Beispielsweise ist vielen kaum einsichtig, dass wir miteinander essen könnten, was bedingt, dass wir füreinander kochen. Jeder ist hier ein Überlebenskünstler, sonst wäre er nicht hier. Ein Miteinander einzuführen, ohne familiäre Bindungen, ohne vorgegebene Loyalität, einfach so, ist ein eigenes Thema. Zu all diesem gehören auch die beruflichen Situationen: Ein Mitbewohner macht eine Lehre zum Bäcker, ein anderer eine Ausbildung zur Servicekraft im Restaurant; einer macht gerade seinen Führerschein, ein anderer ein Praktikum in einem Malergeschäft, gefördert vom Jobcenter. Unsere Leute kommen in Deutschland an, selbst wenn es mühsam ist.

Rogate: Vielen Dank, Pater Müller, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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RogateKl_Postkarte A6_Eucharistie Miserikordias Domini 150418_110118_2 KopieWillkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten und Veranstaltungen:

Das Rogate-Kloster im Mai: Nachtgebete, Eucharistiefeiern und Workshops

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten und Veranstaltungen:

  • rogatekl_aushang-a4_lichtvesper2017_111116Sonnabend, 13. Mai 2017 |16:00 Uhr, Taufe. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg. Orgel: Timo Hoth.
  • Sonnabend, 20. Mai 2017 |18:00 Uhr, Lichtvesper, mit der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Sonntag Rogate, 21. Mai 2017 | 10:00 Uhr, Eucharistie, mit der Zwölf-Apostel-Gemeinde. Predigt: Bruder Franziskus. Predigttext: 1. Petrus 4, 7-10. Orgel: Kreiskantor Christoph Hagemann. Lektorin: Mechthild Rawert, MdB. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • RogateKl_Aushang A4_Eucharistie RogateSo 210517_111116 Kopie.jpgHimmelfahrt, Donnerstag, 25. Mai 2017 | 11:00 – 13:00 Uhr, Workshop „Am Anfang war die Sehnsucht. Erfahrungen bei der Suche nach einer Geistlichen Gemeinschaft„, Ort: Deutscher Evangelischer Kirchentag, Halle 5.2b, Raum Kassel 1, Workshopraum, Messe Berlin, Charlottenburg (594 | E1) .
  • Himmelfahrt, Donnerstag, 25. Mai 2017 | 22:30 Uhr, Komplet, das Nachtgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Freitag, 26. Mai 2017 | 14:00 Uhr – 15:00 Uhr, Veranstaltung „Miteinander leben in der Großstadt Berlin: liturgische und praktische Beispiele für verbindliches Einstehen und Engagement füreinander„. Ort: Deutscher Evangelischer Kirchentag, Zelt der Begegnung, Messegelände.
  • Freitag, 26. Mai 2017 | 19:00 Uhr, Feierabendmahl. Orgel: Kreiskantor Christoph Hagemann.
  • Freitag, 26. Mai 2017 | 22:30 Uhr, Komplet, das Nachtgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Sonnabend, 27. Mai 2017 | 22:30 Uhr, Komplet, das Nachtgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.
  • Sonntag, 28. Mai 2017 | 12:00 Uhr, Eucharistie, Kleiner Saal der Zwölf-Apostel-Gemeinde. An der Apostel-Kirche 3. Predigt: Pfarrerin Andrea Richter, Beauftragte für Spiritualität in der EKBO

Die Übersicht für den Mai finden Sie hier.

Vorschau:

Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier.

 

Fünf Fragen an: Schwester Hannelore Huesmann, ambulanter Hospizdienst TAUWERK

Fünf Freitagsfragen an Schwester Hannelore Huesmann, Leiterin Hospizdienst TAUWERK e.V., über einen Liebhaber des Lebens, menschenwürdiges Sterben und ein anderes Gesicht von Kirche.

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Sr. Hannelore (Bild: privat)

Schwester Hannelore Huesmann stammt gebürtig aus dem Münsterland und ist von Beruf Krankenschwester mit Palliative Care-Zusatzqualifikation. Sie trat 1987 in die Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von Münster-Mauritz ein.
Seit 1992 lebt sie mit zwei Mitschwestern in Berlin und leitet den im Jahr 1997 von ihr mitgegründeten Hospizdienst TAUWERK e.V.

Rogate-Frage: Schwester Hannelore, warum haben Sie sich für ein Leben als Ordensfrau entschieden?

Schwester Hannelore: Ich habe durch die Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin, ein ganz bestimmtes Gottesbild vermittelt bekommen: ein Gott, der sich in Jesus bedingungslos jedem Menschen zuwendet und der ein „Liebhaber des Lebens“ ist.

Für mich stellte sich die Frage, ob das nur eine theoretische Erkenntnis ist oder auch Auswirkungen in meinem ganz konkreten Leben hat. Mit anderen Worten: wenn ich ernstnehme, dass Gott konkret mit mir zu tun haben will, dass die Frohe Botschaft seiner Liebe nicht nur in der Bibel zu lesen ist, sondern mich ganz persönlich meint und anspricht – welche Antwort gebe ich dann, was bewirkt diese Frohe Botschaft in meinem Leben als Christin?

Unter den vielen möglichen Lebensformen, in der Nachfolge Jesu zu leben, das heißt diese Liebe Gottes weiterzugeben, kam dann irgendwann auch die Lebensform im Orden in Betracht und ließ mich nicht mehr los. In der Tradition des Franz von Assisi habe ich meine spirituelle Heimat gefunden.

Rogate-Frage: Sie arbeiten in einem besonderen Zweig, einem ambulanten Hospizdienst. Wie kam es dazu?

Schwester Hannelore: Zu einem menschenwürdigen Leben gehört für mich auch ein menschenwürdiges Sterben. Ich mag „Leben“ und „Sterben“ nicht auseinanderdividieren! Sterben ist ein Teil des Lebens und sterbende Menschen sind zutiefst lebende Menschen – manchmal in einer unglaublichen Intensität lebende Menschen!

Ambulante Hospizarbeit ist Ausdruck einer lebens- und menschenbejahenden Haltung, die an jedem Lebensort konkret erlebbar sein muss: ob in den eigenen vier Wänden, im Krankenhaus, im Pflegeheim oder wo auch immer.

Es geht darum, dass Menschen – gerade auch in der Situation schwerer Erkrankung – die Erfahrung machen können, mit ihren Grenzen und Beeinträchtigungen ebenso angenommen, wertgeschätzt und gefördert zu werden wie mit ihren Fähigkeiten und Begabungen.

In meinem Beruf als Krankenschwester habe ich genau dafür Sorge zu tragen. Daher hat mich die Hospizarbeit immer schon angesprochen. Konkrete Erfahrungen mit Menschen, die eine HIV-Infektion hatten beziehungsweise bereits an den Folgen von AIDS erkrankt waren, führten dann dazu, dass wir einen ambulanten Hospizdienst in Berlin gegründet haben, um genau diese Menschen zu begleiten.

Rogate-Frage: Was genau ist Tauwerk?

Schwester Hannelore: TAUWERK ist der Name unseres ambulanten Hospizdienstes. Das TAU, ein griechischer Buchstabe, wurde von Franz von Assisi als Zeichen benutzt, um Menschen Segen und Heil zu wünschen. Es ist sozusagen das „franziskanische Markenzeichen“.

Im Hospizdienst TAUWERK e.V. haben sich Menschen zusammengeschlossen, denen es ein Anliegen ist, schwerkranke und sterbende Menschen mit AIDS im Sinne der Hospizidee zu unterstützen und zu begleiten.

Das heißt konkret: Wir besuchen schwerkranke und sterbende Menschen mit AIDS sowie die ihnen Nahestehenden und machen Gesprächsangebote in der jeweiligen Lebenssituation. Diese Besuche können auch eine 24stündige Anwesenheit bei einem sterbenden Menschen mit absichern helfen. Wir fragen, ob jemand unsere Hilfe bei der Gestaltung seines Alltags braucht, die über die Versorgung durch Pflegekräfte hinaus geht. Die Stützung sonstiger sozialer Kontakte ist unseren Mitarbeitenden ein Anliegen. In manchen unserer Begleitungen geht es um die Beratung in Fragen palliativer Versorgungsmöglichkeiten. Unsere hospizliche Begleitung endet nicht mit dem Tod des Patienten, sondern bietet den Angehörigen auch Unterstützung in der Zeit der Trauer an.

TAUWERK hat damit also nicht nur die erkrankten Menschen, sondern immer auch deren soziales Umfeld mit im Blick. Gerade sie brauchen oft Informationen, ein offenes Ohr oder tatkräftige Unterstützung, weil sie im Zusammenhang mit der Betreuung eines Menschen in der letzten Lebensphase vor viele Fragen gestellt sind.

In Ergänzung zu Pflegediensten möchten die Mitarbeitenden des TAUWERKs dazu beitragen, nach den je eigenen und individuellen Wünschen das Leben bis zuletzt gestalten zu können. Daher sieht die hospizliche Unterstützung individuell immer etwas anders aus.

Rogate-Frage: Wie arbeiten Sie und wie finanziert sich der Dienst?

Schwester Hannelore: TAUWERK ist ein Team aus zwei professionellen Fachkräften aus dem Bereich Krankenpflege und Psychologie, die hauptamtlich arbeiten, und inzwischen 35 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, die sich in einem Hospizhelferkurs auf diese Aufgabe vorbereitet haben.

Die Begleitung ist für die Betroffenen und deren Angehörigen vollkommen unentgeltlich. Dies bedeutet, dass die Menschen, die wir begleiten, keinerlei finanzielle Belastung durch die hospizliche Unterstützung zu erwarten haben und auch keiner Spendenerwartung ausgesetzt sind!

Man kann jederzeit formlos Kontakt aufnehmen, wenn man der Meinung ist, dass diese Form der Unterstützung jetzt hilfreich sein könnte. Die Kosten werden durch einen Personalkostenzuschuss der Krankenkassen und durch Spenden von Menschen gedeckt, die diese Arbeit nicht als Ehrenamtliche, sondern mit ihrer finanziellen Zuwendung unterstützen möchten. Damit sorgen sie dafür, den Rahmen für die Tätigkeit der haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen zu gewährleisten und damit den Menschen, die unseren Dienst in Anspruch nehmen, menschliche Zuwendung im Sinne der Hospizidee erfahrbar zu machen. Erfreulicherweise haben die Mittel bisher immer ausgereicht, um die Arbeit fortsetzen zu können.

Rogate-Frage: Sie kommen mit sehr unterschiedlichen Menschen zusammen, deren Identität beziehungsweise deren Leben nicht immer der Lehre der römisch-katholischen Kirche entspricht. Wie gehen Sie damit um? Wie gehen Menschen damit um, die durch Sie betreut werden?

Schwester Hannelore: Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch Gottes Ebenbild ist und von ihm geliebt wird. Ich freue mich an der Vielfalt und gleichzeitig Einmaligkeit der Menschen, denen ich begegnen darf.

Und ich frage mich: wie soll jemand erleben, als ganzer Mensch mit allem, was ihn oder sie ausmacht, angenommen und wertgeschätzt zu sein, wenn wir als Christen da plötzlich Abstriche machen und einen Menschen auf seine sexuelle Identität reduzieren?

Wenn „Schwester“ nicht bloß ein frommer Zusatz zum Ordensnamen sein soll, dann muß ich mich als Schwester begreifen und entsprechend verhalten. Und dann ist da kein Platz für Beurteilung geschweige denn Verurteilung oder Ausgrenzung.

Ich erlebe oft überraschte Gesichter, wenn ich diese Haltung im Gespräch mit einem unserer Patienten deutlich mache. Oft sind es Menschen, die diesbezüglich erheblich verletzt wurden und deshalb auf Distanz zur Kirche gegangen sind. Das schönste Kompliment, dass jemand uns gemacht hat, lautete: „Ich habe seit einer Woche ein anderes Gesicht von Kirche kennengelernt.“

Rogate: Vielen Dank, Schwester Hannelore, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

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    Der Botkyrka Kammarkör (Bild: Chor)

    Sonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden. Orgel: Manuel Rösler

  • Donnerstag, 20. Oktober 2016 | 19:30 Uhr, Mitgliederversammlung des Fördervereins.
  • Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie  mit Bischof Dr. Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, Evangelische Kirche Berlin – Brandenburg – schlesische Oberlausitz (EKBO), Bezirksbürgermeisterin  Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde. Chor: „Mixed Martinis – Gospel & more“, Tegel. Orgel: Manuel Rösler
  • Sonntag, 3. Advent, 11. Dezember 2016 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pastor Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und N.N., Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde
  • Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Alfred Herrmann, Autor „Gott suchen: Männerorden in Deutschland“, Bonifatius Buchverlag

Fünf Freitagsfragen an Alfred Herrmann, Autor von „Gott suchen: Männerorden in Deutschland„, über die Verschiedenheit der Männerklöster in Deutschland, die Freiheit zur Gottsuche und Hoffnung in „burning persons“ für die Zukunft der Orden.

Alfred Herrmann
Alfred Herrmann (Foto: Walter Wetzler)

Alfred Herrmann, geboren 1972 in Würzburg, studierte Literatur, Geschichte und Katholische Theologie in Berlin. Als Redakteur für Kirchenfragen und spirituelles Leben schrieb er zunächst für die katholische Wochenzeitung „Neue Bildpost“ und war anschließend Pressesprecher für das Spendenhilfswerk „Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken“. Heute lebt und arbeitet Herrmann als freier Journalist und Autor in Berlin.

Rogate-Frage: Herr Herrmann, wie sind Sie auf die Idee zum Ihrem Buch „Gott suchen: Männerorden in Deutschland“ gekommen?

Alfred Herrmann: Die Vielzahl von katholischen Männerorden, allein über 60 gibt es in Deutschland, hat mich fasziniert. Neben den bekannten Gemeinschaften wie Benediktinern, Franziskanern, Jesuiten leben Männer in Orden wie den Redemptoristen, den Augustiner Chorherren oder den Comboni-Missionaren nach den drei evangelischen Räten in Ehelosigkeit, Gehorsam und Armut. Doch wo liegen die Unterschiede? Welche spirituellen Wege beschreiten die Gemeinschaften? Wie sieht ihr Alltag aus? Wie engagieren sie sich in der Welt von heute? Was kann man als spiritueller Mensch von ihnen lernen? Diesen Fragen bin ich nachgegangen.

Rogate-Frage: Was war Ihnen bei diesem Buch besonders wichtig?

Alfred Herrmann: Gerade das Christentum bietet Wege tiefen geistlichen Lebens. Jede Ordensgemeinschaft steht für einen eigenen spirituellen Weg, jede beruft sich auf eine spirituelle Tradition. All diese unterschiedlichen Wege haben sich in einer fast 2.000-jährigen Geschichte historisch entwickelt. Sie gründeten sich als Antwortversuche auf die Probleme, Anliegen und Denkansätze ihrer Zeit. Das benediktinische Mönchtum, die franziskanischen Wanderprediger, die Innerlichkeit des teresianischen Karmels, der individuelle Charakter der Jesuiten, das aktive Handeln der Steyler-Missionare, an den Orden lässt sich die reiche Vielfalt an geistlichem Leben im Christum ablesen. Ein ungemeiner Schatz. Heute existieren diese Wege zeitgleich und können Antworten geben, auf die Situation dieser Zeit. Im Buch stehen die Wege nun nebeneinander. Und anhand einzelner Ordensmänner zeigt sich, wie sie konkret gelebt werden.

Rogate-Frage: Hat Sie etwas in der Recherche überrascht oder erstaunt?

Alfred Herrmann: Ordensleben macht frei, frei für die Gottsuche, frei für den Einsatz für andere. Die Ordensmänner, mit denen ich gesprochen habe, waren alles andere als weltfremde Menschen, die hinter Klostermauern weggeschlossen ein aufgezwungenes, stark reglementiertes Leben führen. Vielmehr lernte ich lebensfrohe Menschen kennen, die sich aufgrund ihrer Lebensentscheidung und mit der Unterstützung ihrer Gemeinschaft voll und ganz für die Ideale ihres Ordens einsetzen und ungemeines bewegen. Überrascht haben mich neue Gemeinschaften, Gründungen der letzten 30 Jahre, wie die „Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem“, die eine neue Interpretation monastischen Lebens mitten in europäischen Metropolen wie Köln und Paris wagen. Daneben war es das internationale Gesicht, das die Ordenslandschaft mittlerweile in Deutschland angenommen hat. So besiedelten vietnamesische Zisterziensermönche vor kurzem ein altes Kloster bei Rüdesheim, indische Vinzentiner betreiben Exerzitienzentren in Freudenstadt und Berlin, polnische Franziskaner-Minoriten übernahmen Konventstandorte der deutschen Provinz und so weiter. Zudem erstaunten mich Aufbrüche etablierter Orden, die sich mit innovativen Ansätzen den veränderten Voraussetzungen der heutigen Zeit stellen.

Rogate-Frage: Ihr Buch trägt den Titel „Gott suchen“. Wie viele Wege zu ihm haben Sie bei den Männerorden in Deutschland entdeckt?

Alfred Herrmann: Jeder Orden lebt seinen eigenen spirituellen Weg. Allerdings lassen sich zentrale Wege ausmachen. Da wären zum Beispiel die Mönche. Benediktiner, Trappisten, Zisterzienser, Kartäuser ziehen sich aus dieser Welt zurück und suchen Gott im Schweigen, in der Stille, in der Einsamkeit, in einem asketischen Leben, im gemeinsamen Lobpreis. Die augustinischen Orden suchen Gott in einem intensiven Gemeinschaftsleben. Sie wollen eine Gemeinschaft bilden, in der alle wie ein Herz und eine Seele sind. Sogenannte Bettelorden wie die Franziskaner und die Dominikaner suchen Gott im Nächsten und damit im Diesseits, in der Schöpfung, in der Wissenschaft, im notleidenden Mitmenschen. Karmeliten suchen Gott in ihrem eigenen Innern, in der Versenkung, die Jesuiten suchen ihn in allen Dingen. Ordenskongregationen die im 19. und 20. Jahrhundert entstanden sind, spüren Gott nach, indem sie mit ihrem aktiven Handeln vom Evangelium Zeugnis geben, in der Seelsorge, in der Flüchtlingshilfe, in Jugendhilfeeinrichtungen, in Schulen, in Obdachlosenküchen, in der Entwicklungshilfe.

Rogate-Frage: Sie haben sich intensiv mit den Orden in Deutschland beschäftigt. Welche Zukunft sehen Sie für die Klöster und Gemeinschaften in Deutschland?

Alfred Herrmann: Die starken Eintrittsjahrgänge aus Zeiten der katholischen Volkskirche sind in die Jahre gekommen. Deutlich weniger Männer traten in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland in einen Orden ein. Daher prägt heute Überalterung die Ordenslandschaft. Einige Gemeinschaften werden sich aus Deutschland zurückziehen, die meisten anderen sich deutlich verkleinern, Klöster und Niederlassungen schließen. Zahlreiche Orden gaben mittlerweile ihre großen Werke, wie Schulen, Krankenhäuser oder landwirtschaftliche Betriebe ab oder überführten sie in neue Trägerstrukturen. Dennoch, das Ordensleben hat Zukunft in Deutschland. Nur sieht diese anders aus, wie das bislang bekannte Bild, aber nicht weniger wirkmächtig. Wer heute in einen Orden eintritt, ist meist schon etwas älter. Er sucht sich sehr bewusst und ganz im Sinne einer individualistisch geprägten Gesellschaft seine Gemeinschaft aus. Statt großer, abgeschlossener Klöster gibt es schon heute mehr und mehr kleine Konvente in Mietwohnungen. Statt in ordenseigenen Betrieben zu arbeiten, sind Ordensmänner frei für neue Aufgaben, für Berufe im Alltag der Gesellschaft. Sie sind flexibler, um auf die Nöte der Zeit zu reagieren und an die Ränder der Gesellschaft zu gehen. Konvente entwickeln sich zu geistlichen Zentren in einer säkularen Gesellschaft und Ordensmänner zu „burning persons“ und Impulsgebern mitten unter den Menschen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Herrmann, für das Gespräch.

Das Buch „Gott suchen: Männerorden in Deutschland„ist im Bonifatius Buchverlag erschienen. Es hat 481 Seiten und kostet 29,90 Euro.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 26. April 16|19:00 Uhr, VESPER (in der Ordnung des Ev. Gesangbuchs Nr. 785), mit Gedenken an die Opfer der Kernkraftkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986
  • Donnerstag, 28. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET, Nachtgebet
  • Rogate Kl_Aushang_Rogate Sonntag_090316-2 KopieHier unser Aushang April 2016.
  • Sonntag Rogate, 1. Mai 16 | 10:00 Uhr, Eucharistie, Predigt: Prof. Dr. Dres. h.c. Christoph Markschies, Theologische Fakultät an der Humboldt-Universität
  • Dienstag, 3. Mai 16|19:00 Uhr, VESPER am Tag der Apostel Philippus und Jakobus das Abendgebet, in der Kirche
  • Donnerstag, 5. Mai 16|19:30 Uhr, EUCHARISTIE an Christi Himmelfahrt. Orgel: Manuel Rösler.
  • Dienstag, 10. Mai 16|19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 12. Mai 16|19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet

Fünf Fragen an: Holger Wicht, Pressesprecher der Deutschen AIDS-Hilfe

Fünf Karfreitagsfragen an Holger Wicht, Deutsche Aids-Hilfe, über den Sinn von HIV-Tests, eine zu erwartende fast normale Lebenserwartung für positive Menschen und welche Hoffnung er mit dem Jahr 2020 verbindet.

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Holger Wicht (Bild: privat)

Holger Wicht, geboren 1971 in Hannover, lebt seit 1992 in Berlin. Er ist Journalist und Moderator und war unter anderem Chefredakteur von Berlins queerem Stadtmagazin „Siegessäule“. Heute ist er Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher bei der Deutschen AIDS-Hilfe, dem Dachverband von 120 Organisationen und Einrichtungen in Deutschland.

Rogate-Frage: Herr Wicht, wie viele Menschen sind derzeit in Deutschland mit HIV infiziert, an Aids erkrankt und bereits gestorben?

In Deutschland leben zurzeit etwa 83.000 Menschen mit HIV. Die Neuinfektionszahlen liegen in Deutschland seit Jahren konstant bei 3.200. Das ist im europäischen Vergleich sehr wenig – ein Erfolg der Präventionsarbeit in Deutschland. Insgesamt sind seit den 80er Jahren ungefähr 28.000 Menschen an den Folgen der Infektion gestorben. Heute lässt sich eine Aidserkrankung zum Glück in aller Regel vermeiden, wenn jemand rechtzeitig von der HIV-Infektion erfährt und mit einer Therapie beginnt. Das Virus kann dann kaum noch Schaden im Körper anrichten. Kaum zu glauben, aber wahr: Wer sich heute infiziert, hat eine fast normale Lebenserwartung!

Rogate-Frage: Wie arbeitet die Aids-Hilfe? Hauptsächlich durch Lobbyarbeit und Beratung?

Unsere Arbeit ist sehr vielfältig. Zum einen machen wir Prävention für die am stärksten von HIV betroffenen Gruppen: schwule Männer, Drogenkonsumenten, Menschen in Haft, Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter und Menschen aus Ländern, in denen HIV besonders häufig vorkommt. Dafür bekommen wir Geld vom Staat. Ein Beispiel ist unsere Kampagne ICH WEISS WAS ICH TU für schwule Männer, die zum Beispiel auf CSDs im Einsatz ist. Es ist in der Prävention nämlich immer sehr wichtig, auch persönlich ins Gespräch zu kommen. Zum anderen setzen wir uns politisch für die Rechte der genannten Gruppen ein und vertreten die Interessen von Menschen mit HIV. Außerdem bieten wir Beratung an, fördern Selbsthilfeaktivitäten und vieles mehr. Nicht zuletzt informieren wir umfassend zu allen Themen rund um HIV, Geschlechtskrankheiten und Hepatitis. Bald starten wir aidshilfe.de im neuen Look.

Rogate-Frage: Wie ist die Situation von Menschen mit dem Virus in Deutschland? 

Die Situation von Menschen mit HIV hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm verbessert. Mit HIV kann man heute nicht nur alt werden, sondern auch ein erfülltes Leben führen – mit Sexualität, Beziehung, Familie und Job, ganz wie man möchte. Die Therapien machen’s möglich, denn sie verhindern die Vermehrung von HIV im Körper und auch die Weitergabe des Virus. Leider erleben Menschen mit HIV aber immer noch Diskriminierung, zum Beispiel am Arbeitsplatz oder in Krankenhäusern und Arztpraxen. Grund sind oft völlig veraltete Vorstellungen vom Leben mit HIV und irrationale Ängste vor einer Übertragung. Deswegen machen wir immer wieder deutlich: Von Menschen mit HIV geht keine Gefahr aus! Im Alltagsleben sowieso nicht, und beim Sex kann man sich schützen.

Rogate-Frage: Wie erleben Sie die Positionen der Kirchen in Deutschland und anderswo?

Das ist sehr unterschiedlich. Viele kirchliche Organisationen sind wichtige Partner für uns, sie leisten großartige und wertvolle Arbeit, etwa in der Flüchtlingshilfe und in der Drogenhilfe. Das franziskanische Haus Maria Frieden war das erste Aids-Hospiz in Deutschland – und leistet bis heute unverzichtbare Arbeit. Die ebenfalls franziskanischen Nonnen vom Hospizdienst Tauwerk sind in Berlin Teil der Community und haben für ihre offenherzige und unermüdliche Arbeit am Sterbebett von Menschen mit Aids letztes Jahr den Soul of Stonewall Award des Berliner CSD gewonnen! Wenn aber die Kirche oder manche ihrer Vertreterinnen und Vertreter homosexuelle Menschen nach wie vor herabwürdigen oder den Gebrauch von Kondomen untersagen, dann ist das respektlos und höchst schädlich – auch für die HIV-Prävention.

Rogate-Frage: Sie haben die Hoffnung, dass es ab 2020 nicht mehr zu Aids-Erkrankungen kommt. Wie soll das gehen?

Unser Verband will alles dafür tun, dass niemand mehr an Aids erkranken muss. Man muss sich vorstellen: Mehr als 1000 Menschen bekommen jedes Jahr in Deutschland Aids, obwohl es sich vermeiden ließe! Die allermeisten wissen bis dahin nicht, dass sie HIV-positiv sind. Sie haben sich nicht testen lassen – aus Angst vor dem Ergebnis oder vor Diskriminierung. Das wollen wir verändern. Wir möchten Menschen den Zugang zum HIV-Test und zur Therapie ermöglichen, sie dazu motivieren, um ihnen eine Aids-Erkrankung zu ersparen. Dafür müssen wir die Test-Hindernisse abbauen: indem wir vermitteln, dass man mit HIV heute gut leben kann, wenn man rechtzeitig davon erfährt. Und indem wir Diskriminierung abbauen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Wicht, für das Gespräch.

Weitere Informationen hier: aidshilfe.de, magazin.hiv und „AIDS ist auch nicht mehr, was es mal war“ – Unsere „Wussten Sie eigentlich?“- eine Kampagne erzählt Lebensgeschichten.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten Gottesdiensten:

  • Rogate Kl_Aushang_Kreuzweg_090316-2 KopieHeute, Karfreitag, 25. März 16 | 15:00 Uhr, Kreuzweg, Michaelskirche, Bessemer Straße 97/101, 12103 Berlin-Schöneberg, Bus 106 (Richtung Lindenhof)
  • Ostermontag, 28. März 16 | 11:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie, mit der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin, Zwölf-Apostel-Kirche, U Nollendorfplatz
  • Dienstag, 29. März 16 | 19:00 Uhr, Vesper, Zwölf-Apostel-Kirche

Fünf Fragen an: Pater Karl Hoffmann SDS, Salvatorianer

Fünf Freitagsfragen an Pater Karl Hoffmann SDS, Salvatorianer, über seine Berufung zum Priester, wie die Seele gesunden kann und die Barmherzigkeit im Glauben.

Pater Karl Hoffmann SDS im Rogate-Kloster (Bild: Rogate-Kloster)

Pater Karl Hoffmann wurde in Berlin 1940 geboren und ist in der zerstörten Heimatstadt zur Schule gegangen. Er absolvierte eine Ausbildung bei einer Bank in Berlin-Schöneberg. Danach trat er in die Ordensgemeinschaft der Salvatorianer ein. Es folgte ein Theologiestudium in Passau in Bayern, schließlich die Priesterweihe 1971. Als Seelsorger eingesetzt war er in Münster und anderen Niederlassungen der Salvatorianer. 2002 erfolgte die Rückkehr nach Berlin. Er ist tätig auf Bistumsebene als geistlicher Begleiter sowie in seinem Kloster in Berlin.

Rogate-Frage: Was hat Sie dazu bewogen Priester zu werden?

Karl Hoffmann: Das Motto des 78. Katholikentages 1958 in Berlin, an dem ich teilgenommen habe, hat mich sehr motiviert. Es lautete: Unsere Sorge der Mensch, Unser Heil der Herr. Dieses Motto hat mich bestärkt, Priester zu werden.

Rogate-Frage: Warum haben Sie sich für die „Gesellschaft des Göttlichen Heilandes“ als Ordensgemeinschaft entschieden?

Karl Hoffmann: Mir war es wichtig, in einer Gemeinschaft zu leben. Die Salvatorianer meiner Heimatgemeinde haben ein gutes Beispiel gegeben.

Rogate-Frage: Wie sieht die Ordensspiritualität der Salvatorianer konkret aus?

Karl Hoffmann: In einer unserer Ordensregeln heißt es: Wie unser Gründer, Pater Franziskus Jordan, suchen wir den Willen Gottes zu erfüllen, indem wir in der Treue zur Kirche leben und arbeiten und den Menschen dienen in Einfachheit und Bescheidenheit. Dadurch bezeugen wir der Welt die Güte und Liebe Gottes, unseres Heilandes.

Rogate-Frage: In der Liturgie sprechen wir ein Wort aus einem Dialog mit Jesus: „Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund!“ Was macht die Seele gesund?

Karl Hoffmann: Verlassen wir uns auf Jesus, der einmal die Worte sprach, die für uns sehr bedeutsam geworden sind: „Kommt alle zur mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen“ (Matthäus-Evangelium 11,28). Seine Nähe zu suchen sowie mit ihm im Gebet und Gespräch zu sein, stärkt unsere Seele, unsere Psyche.

Rogate-Frage: Papst Franziskus hat ein „Jahr der Barmherzigkeit“ für 2016 ausgerufen. Was ist Barmherzigkeit? Und wo kann die Kirche barmherzig sein?

Karl Hoffmann: Das Beispiel vom barmherzigen Samariter ist uns ein gutes Vorbild (Lukas-Evangelium 10,25-37). Das betont auch Papst Franziskus immer wieder und setzt auch Beispiele in seinem Handeln. In unserer Großstadt Berlin gibt es viele Schwierigkeiten und Nöte. Da sind wir alle gefragt in den Ordensgemeinschaften, in den Kirchengemeinden und jeder Einzelne von uns.

Rogate: Vielen Dank, Pater Hoffmann, für das Gespräch.

Weitere Informationen über den Orden hier: salvatorianer.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten Gottesdiensten:

  • Rogate Kl_Aushang_Kreuzweg_090316-2 KopieKarfreitag, 25. März 16 | 15:00 Uhr, Kreuzweg, Michaelskirche, Bessemer Straße 97/101, 12103 Berlin-Schöneberg, Bus 106 (Richtung Lindenhof)
  • Ostermontag, 28. März 16 | 11:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie, mit der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin, Zwölf-Apostel-Kirche, U Nollendorfplatz
  • Dienstag, 29. März 16 | 19:00 Uhr, Vesper, Zwölf-Apostel-Kirche

 

Fünf Fragen an: Frank Lilie, Evangelische Michaelsbruderschaft (EMB)

Pfarrer Dr. Frank Lilie (Bild: privat)

Fünf Freitagsfragen an Frank Lilie, Pfarrer und Bruder der Evangelischen Michaelsbruderschaft, über die Erneuerung der Kirche, ihre Glaubwürdigkeit und das Leben in einer geistlichen Bruderschaft.

Pfarrer Dr. Frank Lilie studierte Evangelische Theologie und Philosophie in Frankfurt/Main und Bonn. Er ist Schulpfarrer in Fritzlar und war Ältester der Evangelischen Michaelsbruderschaft (EMB) von 2004 bis 2013.

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Lilie, es heißt „Michaelsbrüder wollen der Kirche dienen und sie erneuern, indem sie diese Erneuerung an sich selbst beginnen lassen.“ Wie geht das?

Frank Lilie: Kritik zu üben ist einfach. Sätzen, die mit ‚Die Kirche muss …‘, , ‚Die Kirche sollte …‘ beginnen, gebührt daher ein gehöriges Misstrauen. Formulieren wir hingegen: ‚Ich als Christ möchte …‘ oder ‚Christsein bedeutet für mich …‘, so ist unsere eigene Glaubwürdigkeit und damit Authentizität gefordert. Was ich selbst als Christ nicht leben kann, darf ich auch nicht von anderen erwarten. Das ist die sehr schlichte klingende, aber letztlich tiefgreifende Entdeckung der Bruderschaft. Nicht: ‚Die Kirche ist nicht mehr fromm genug‘ muss es heißen, sondern: ‚Ich möchte frömmer werden.‘ Nicht: ‚In der Kirche wird zuwenig gebetet‘, sondern: ‚Ich möchte mein Gebetsleben ändern.‘ Unsere Spiritualität will die Frömmigkeit in den Alltag holen und für den einzelnen Christen die Gemeinschaft mit anderen erlebbar werden lassen.

Rogate-Frage: Die Frage der „glaubwürdigen Kirche“ hat die Michaelsbruderschaft beschäftigt. Wann ist Kirche glaubwürdig?

Frank Lilie: Wenn sie an Jesus Christus glaubt. Wenn sie das Vorletzte nicht mit dem Letzten verwechselt. Wenn sie nicht vor lauter Aktionismus die Mitte aus den Augen verliert. Wenn sie erkennen lässt, dass die Einzelkirchen Glieder der einen, heiligen, allgemeinen und apostolischen Kirche sind – in der Bruderschaft kommen Brüder aus acht verschiedenen Konfessionen zusammen. Wenn die eine Einzelkirche in der anderen eine Ergänzung und keine Konkurrenz sieht. Wenn sich Menschen in ihr geborgen fühlen. Wenn sie der Gegenwart Christi Raum lässt und dies in ihren Gottesdiensten zum Ausdruck kommt.

Rogate-Frage: Wie ist Ihre Bruderschaft organisiert und wie gestaltet sich eine Zugehörigkeit für den Einzelnen?

Frank Lilie: Das Leben der Brüder spielt sich in den zehn regionalen Konventen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich ab. Auch wenn die Orte dieser Treffen – es sind meist fünf bis sieben verpflichtende ein- bis mehrtägige Zusammenkünfte im Jahr mit einem festen Ablauf von Tagzeitengebeten, Evangelischen Messen, Vorträgen und Ausflügen – in der Region wechseln mögen, so sind diese Konvente doch Ausdruck der brüderlichen stabilitas loci. Höhepunkt des Jahres ist das mehrtägige Michaelsfest, das mehrere Konvente gemeinsam feiern, entweder im eigenen Einkehrhaus Kloster Kirchberg oder an einem anderen geeigneten Ort. In gewissen Abständen kommen wir auch zu Gesamtmichaelsfesten zusammen, so wieder 2016 in Neuendettelsau. Die regionalen Konvente sind ihrerseits in Nachbarschaften untergliedert, Kleingruppen von Brüdern, die sich regelmäßig rundum bei den Brüdern treffen. Jeder Konvent hat einen Ältesten (Leiter), einen Vikar (Stellvertreter), einen Diakon, einen Kantor und einen Probemeister. Diese Struktur wiederholt sich auf der Ebene der Gesamtbruderschaft. Nach einer mindestens zweijährigen Probezeit kann ein neuer Bruder aufgenommen werden. Er erhält einen sogenannten Helfer, der ihn seelsorgerlich begleitet und dem er einmal im Jahr vor dem Michaelsfest Rechenschaft über seine geistliche, berufliche und private Entwicklung ablegt. Der Rundbrief informiert über die Vorgänge in der Bruderschaft, die Quartalsschrift QUATEMBER bringt unsere Anliegen einer breiteren Öffentlichkeit nahe.

Rogate-Frage: Warum ist der Erzengel Michael Patron der Bruderschaft und welche „Rolle“ spielt er für Ihre Gemeinschaft?

Frank Lilie: Als die Bruderschaft 1931 gestiftet wurde, war der Zusammenhang zwischen dem Erzengel Michael und der Kirche in Deutschland noch weitaus geläufiger als heute. Daher rührt der Michel als Symbolfigur für den Deutschen. Auch wenn wir uns heute vor einer unkritischen Engelverehrung kaum zu retten vermögen, ist St. Michael dennoch eine wichtige Gestalt. Denn übersetzt wird dieser Name mit: „Wer ist wie Gott?“ Eigentlich kann die Antwort darauf nur „Christus“ lauten. Diese sperrige Bezeichnung hat uns eine Corporate Identity verschafft, die zum Anspruch an uns selbst wird: „Wie wird Christus durch Dich erkennbar?“ Die Berufung auf Michael und damit letztlich auf Christus erinnert auch so an die ursprüngliche Gemeinschaft der Einzelkirchen und ihrer Glieder, die längst vor aller Trennung schon besteht.

Rogate-Frage: Die Heiligung der Zeit durch das regelmäßige Gebet der einzelnen Brüder und durch Ordnungen für das gemeinsame regelmäßige Gebet ist Ihnen wichtig. Wie gestalten Sie selbst diese Zeiten?

Frank Lilie: Ich habe einen kleinen Raum zu einer Kapelle umgestalten können, in der ich die Stundengebete nach der Ordnung der Bruderschaft halte. Ein Altar aus einem Baumstumpf und einer Schieferplatte, darauf eine zu einem Kreuz umgebogene Patronenhülse aus Sierra Leone (ein Relikt des Diamantenkrieges) und ein Stück Stacheldraht aus dem KZ Buchenwald. Es könnten auch ganz andere Gegenstände sein; mich erinnern sie an unsere dauernde Bedrohung durch das Böse und an unseren Christenauftrag, dem Guten die Tür zu öffnen. Darüber hängt eine Christus-Ikone aus dem Höhlenkloster in Kiew. Aber das sind persönliche Vorlieben – wichtig ist, dass wir uns einen Ort schaffen, an dem wir regelmäßig beten, ohne vom Alltag unterbrochen werden zu können. Das könnte auch eine Kerze auf dem Schreibtisch leisten; nicht jeder hat den Luxus eines geeigneten Raumes. Zu den Gebetszeiten singe ich den Wochenpsalm und halte eine biblische Lesung. Ein Fürbittengebet mit dem Vaterunser schließt das Gebet ab. Morgens beziehe ich die Namen von Brüdern ein, die an diesem Tag Geburtstag feiern. Jeden Samstagabend um 21:00 Uhr beten alle Brüder an ihrem Ort das Brudergebet.

Rogate: Vielen Dank, Herr Pfarrer Dr. Lilie, für das Gespräch.

Weitere Informationen über das Erzbistum hier: Michaelsbruderschaft.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Kapelle der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Rogate Kl_Postkarte_Großes Herz1503_080316 KopieDienstag, 8. März 16 | 19:00 Uhr, PassionsvesperGroßes Herz. Sieben Wochen ohne Enge” mit Vikarin Tanja Pilger-Janßen, Zwölf-Apostel-Gemeinde, in der Kapelle (Sakristei)
  • Donnerstag, 10. März 16 | 19:30 Uhr, Komplet in der Passionszeit, Nachtgebet in der Kapelle (Sakristei)
  • Dienstag, 15. März 16 | 19:00 Uhr, PassionsvesperGroßes Herz. Sieben Wochen ohne Enge” mit Superintendent Uwe Simon, Kirchenkreis Oberes Havelland
  • Donnerstag, 17. März 16 | 19:30 Uhr, Komplet in der Passionszeit, Nachtgebet in der Kapelle (Sakristei)
  • Keine Vesper am Dienstag, 22. März 16 | 19:00 Uhr (Kirche wird von der Gemeinde genutzt)
  • Keine Andacht am Donnerstag, 25. März 16 | 19:30 Uhr (Kirche wird von der Gemeinde genutzt)
  • Rogate Kl_Aushang_Kreuzweg_090316-2 KopieKarfreitag, 25. März 16 | 15:00 Uhr, Kreuzweg, Michaelskirche, Bessemer Straße 97/101, 12103 Berlin-Schöneberg, Bus 106 (Richtung Lindenhof)
  • Ostersonntag, 27. März 16 | 6:30 Uhr, Ostermorgengottesdienst der Gemeinde Alt-Tempelhof (mit Beteiligung des Rogate-Klosters), Dorfkirche Tempelhof, Am Reinhardtplatz, 12103 Berlin-Tempelhof, U Alt-Tempelhof
  • Ostermontag, 28. März 16 | 11:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie, mit der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Dienstag, 29. März 16 | 19:00 Uhr, Vesper, Kirche
  • Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier. Hier unser Monatsplan März 2016.