Voting für Demokratie-Projekt „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“

Mit unserem Demokratie-Projekt „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“ bewerben wir uns im Rahmen eines Vereinsvotings seit heute um eine (finanzielle) Unterstützung der Landesparkasse zu Oldenburg.

Freuen würde uns, wenn Sie uns mit Ihrer Stimme bzw. Ihrem Voting unterstützen würden.

Hier kommen Sie direkt auf unsere Vorstellungsseite mit der Möglichkeit zur Stimmabgabe.

Vielen Dank!

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Eine Auswahl der nächsten (geplanten) Rogate-Termine finden Sie hier:

Zehn Jahre Rogate-Eröffnungsgottesdienste: Grußwort von Senator Klaus Lederer

Dr. Klaus Lederer (Foto: DiG/Trialon)

Es hätte so schön sein können. Wir hätten im Juli das 28. Lesbisch-schwule Stadtfest im Schöneberger Regenbogenkiez gefeiert, und schon zum zehnten Mal den ökumenischen Eröffnungsgottesdienst zu diesem Fest der Vielfalt. Verhindert wurde unser Zusammenkommen nicht von fundamentalistischen Feinden der Vielfalt – obwohl diese in den vergangenen zehn Jahren auch einiges versucht haben, um den Organisator*innen des Festgottesdienstes Knüppel zwischen die Beine zu werfen –, sondern von einer globalen Pandemie, die Hunderttausende Tote weltweit verursacht und unser soziales Leben radikal umgekrempelt hat. 

Dass in diesem Jahr Vieles anders ist, das klingt nach Monaten des Corona-Wahnsinns fast schon wie eine Worthülse. Aber es ist so – für alle ist eine völlig neue Situation entstanden.

Und immer gibt es die, die es besonders trifft: Gerade in der queeren Community sind die momentan geschlossenen Clubs und andere Kulturorte häufig weit mehr als „nur“ Freiräume.

Sie sind Orte des Austauschs, mehr noch als in der Mehrheitsgesellschaft, Orte der Begegnung und für viele – leider immer noch nötige – sichere Schutz- und Rückzugsorte.

Schutzräume, in denen die Akzeptanz und Toleranz da ist, die trotz aller über die Jahrzehnte erkämpften Rechte und Fortschritte längst nicht überall gegeben ist.

Dabei brauchen wir diese Schutzräume heute ganz besonders. Leider erleben wir in vielen Ländern der Welt, durchaus auch hierzulande, einen beunruhigenden Anstieg von Anfeindungen, Hass, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Unbedingt müssen wir daher wachsam bleiben gegenüber allen Tendenzen, die das Erreichte und mühsam Erkämpfte wieder zerstören wollen. Kämpfen wir weiter für unsere Rechte, für die Rechte aller!

Und feiern wir im Juli 2021, dann mit noch größerer Vorfreude als sonst, einen wunderbar bunten Stadtfest-Gottesdienst und ein vielfältiges, friedliches und solidarisches Motzstraßenfest in der Regenbogenstadt Berlin.

Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa, Berlin

Ein Ausschnitt aus dem Rogate-Eröffnungsgottesdienst 2011:


Fünf Fragen an: Hans-Joachim Janßen

Fünf Freitagsfragen an Hans-Joachim Janßen, einer der fünf Initiatoren des Volksbegehrens Artenvielfalt Niedersachsen, über die dramatische Gefährdung von Vögeln und Insekten, den Fahrplan für mehr Artenschutz und die Kritik an Absichtserklärungen.

Hans-Joachim Janßen (Bild: Sven Brauers)

Dipl-Ing. Hans-Joachim Janßen, geboren 1960, lebt am Jadebusen (Nordsee) und ist dort auch aufgewachsen. Er studierte an der Universität Hannover Landespflege und Naturschutz, dem sich ein Referendariat für den Verwaltungsdienst anschloss. Auch danach ist er weiterhin eng mit Naturschutzthemen verbunden: Beruflich schlossen sich Tätigkeiten unter anderem im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und in der Naturschutzbehörde des Landkreises Wesermarsch an, politisch war er in seiner Zeit als Landtagsabgeordneter (2013 bis 2017) und ist aktuell als Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen auch mit Naturschutzthemen befasst. Er ist unter anderem Mitglied beim NABU, dem BUND und der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte-Weser-Ems.

Rogate-Frage: Herr Janßen, wie steht es um den Artenschutz und die Artenvielfalt in Niedersachsen?

Hans-Joachim Janßen: Wie weltweit ist auch die Artenvielfalt in Niedersachsen dramatisch gefährdet. Von rund 360 Wildbienenarten stehen mehr als 60 Prozent auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten, von rund 11.000 untersuchten Tier- und Pflanzenarten sind rund 50 Prozent gefährdet. Feldvögel sind besonders im Rückgang begriffen: Bekassine und Uferschnepfe – zwei Arten, die auf Wiesen und Weiden brüten – haben in den vergangenen 35 Jahren Brutbestandsrückgänge von 81 beziehungsweise 67 Prozent erlitten.

Rogate-Frage: Sie haben eine Initiative für ein neues niedersächsisches Naturschutzgesetz gestartet. Was versprechen Sie sich davon?

Hans-Joachim Janßen: Mit dem Volksbegehren wollen wir das Niedersächsische Naturschutzgesetz sowie das niedersächsische Wasser- und das Waldgesetz so ändern, dass die Vielfalt unserer Arten in Niedersachsen ausreichend Lebensraum finden. Nur dann können unsere niedersächsischen Tier- und Pflanzenarten auch überleben. Konkret bedeutet das: Saumstrukturen wie Weg- und Feldraine, Hecken, Fledgehölze und Alleen, aber auch wertvolles Grünland und Gewässerränder werden geschützt. Pestizideinsatz wird in Schutzgebieten begrenzt, der Ökolandbau als eine Form der Landwirtschaft, die nachweislich der Artenvielfalt dient, soll ausgebaut werden. Eine naturverträgliche Bewirtschaftung des Landeswaldes wird vorgeschrieben,  die Versiegelung von Flächen soll bis 2030 halbiert und ab 2050 nur in dem Umfang zulässig sein, wie an anderer Stelle entsiegelt wird.

Rogate-Frage: Wer steht hinter Ihrem Bündnis und wie finanziert sich die Initiative?

Hans-Joachim Janßen: Das Volksbegehren Artenvielfalt wird getragen von den drei Organisationen Deutscher Berufs- und Erwerbs-Imker-Bund e.V. (DBIB), Bündnis 90/Die GRÜNEN Niedersachsen und NABU Niedersachen e.V.. Unterstützt wird das Volksbegehren von nunmehr über 180 Bündnispartnern: Organisationen, Verbände, Unternehmen, etc. Es kommen täglich mehr Unterstützer hinzu. Eine aktuelle Übersicht findet sich online unter hier.
Das Volksbegehren finanziert sich aus Spenden und Mitteln der Trägerorganisationen.

Rogate-Frage: Wie funktioniert das „Volksbegehren Artenvielfalt“?

Hans-Joachim Janßen: Wir haben am 29. April 2020 das Volksbegehren bei der niedersächsischen Landeswahlleiterin angemeldet. Am 13. Mai 2020 ist im Niedersächsischen Ministerialblatt das Volksbegehren bekannt gemacht worden und ist damit offiziell gestartet. In einer Vorphase müssen zunächst 25.000 Unterschriften innerhalb von sechs Monaten gesammelt werden. Wird die Unterschriftenzahl erreicht, beantragt der Initiatorenkreis die Zulassung bei der Landesregierung. Diese prüft, ob die hinterlegten Gesetze rechtskonform und verfassungsgemäß sind. Lässt die Landersregierung das Volksbegehren zu, müssen in den dann folgenden sechs Monaten insgesamt 610.000 Unterschriften zusammenkommen, das sind zehn Prozent der Wahlberechtigten in Niedersachsen. Dabei werden die Unterschriften aus der ersten Vorphase mitgezählt. Werden die 610.000 Unterschriften erreicht, ist das Volksbegehren erfolgreich und der Niedersächsische Landtag muss über die Gesetze des Volksbegehrens entscheiden. Nimmt der Landtag die Gesetze so wie vorgelegt oder mit geringen Änderungen an, ist das Verfahren erfolgreich abgeschlossen und besserer Natur- und Artenschutz wird Gesetz. Lehnt der Landtag die Gesetze des Volksbegehrens ab, ist innerhalb von sechs Monaten ein Volksentscheid durchzuführen, in dem alle Wahlberechtigten in Niedersachsen über die Volksbegehrensgesetze abstimmen. Das Volksbegehren ist angenommen, wenn die Mehrheit der Abstimmenden und mindestens 25 Prozent aller Wahlberechtigten für das Volksbegehren votiert.

Rogate-Frage: Wie beurteilen Sie den unter anderem von Umweltminister Olaf Lies initiierten „Niedersächsischen Weg“? Könnte dadurch das Volksbegehren überflüssig werden?

Hans-Joachim Janßen: Der Niedersächsische Weg ist eine reine Absichtserklärung, mehr aber auch nicht. Artenschutz braucht aber bindende gesetzliche Regelungen! Nur weil der Bauernverband zusammen mit der Landesregierung und Umweltverbänden eine Vereinbarung unterschreibt, wird kaum jemand darauf verzichten, am Gewässerrand zu düngen und zu spritzen oder Grünland, auf dem Wiesenvögel brüten, zu früh zu mähen sowie Hecken zu beseitigen oder in Naturschutzgebieten Pestizide einzusetzen. Es bleibt erlaubt, also wird es gemacht. Erst dauerhaft geltende und verbindliche Regelungen werden die Tiere und Pflanzen in Niedersachsen besser schützen. Die Absichtserklärung „Niedersächsischer Weg“ enthält – oft noch etwas vage formuliert – vieles, was wir mit unserem Volksbegehrensgesetz auch fordern. Es ist jetzt an der Landesregierung und den Fraktionen von SPD und CDU, einen entsprechend wirksamen Gesetzesvorschlag durch den Landtag zu bringen. Am einfachsten wäre es, sie würde unser fachlich und juristisch präzise ausformuliertes Gesetz zum Volksbegehren umsetzen. Solange kein wirksames Gesetz vorliegt, sammeln wir weiter Unterschriften für das Volksbegehren Artenvielfalt. Jetzt! 

Rogate: Vielen Dank, Herr Janßen, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Eine Auswahl der nächsten (geplanten) Rogate-Termine finden Sie hier:

Zehn Jahre Rogate-Eröffnungsgottesdienste: Grußwort von MdB Mechthild Rawert

Mit Liebe den Regenbogen zum Leuchten bringen 

Es tut gut, dass Jubiläen gefeiert werden – normalerweise natürlich in natura, aber die Corona-Zeit hat viele von uns fit gemacht in der Online-Kommunikation.

Mechthild Rawert (Bild: privat)

Zehn Jahre Eröffnungsgottesdienst zum Lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin

– bedeutet, zehn Jahre deutlich sichtbares Zusammenleben in Vielfalt, 

– bedeutet, die Würde einer jeden einzelnen Person in den Mittelpunkt stellen, 

– bedeutet, sich aktiv für gleiche Rechte, gleiche Chancen und gleichen Respekt einzusetzen, 

– bedeutet, sich eindeutig gegen Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung zu positionieren.

Ein Markenkern des Eröffnungsgottesdienstes des Rogate-Klosters Sankt Michael zu Berlin war und ist der Regenbogen. Als Mitglied der katholischen Kirche kann ich mir lebhaft vorstellen, wie schwierig es auch in anderen Konfessionen (gewesen) ist, die bunten Farben als Ausdruck für die Akzeptanz aller Mitglieder der LGBTTIQ*-Community zum Leuchten zu bringen. Dabei tut es gut wahrzunehmen, wie Vertreter*innen zahlreicher Glaubens- und Weltanschauungsgemeinschaften mit diesem gemeinsamen Eröffnungsgottesdienst signalisieren, dass die Liebe zählt und dass es keine Liebe gibt, die wertvoller ist als eine andere. Dem Gemeindekirchenrat der Evangelischen Zwölf-Apostel-Kirche gebührt mein großer Dank.

Der Gottesdienst eröffnet das Lesbisch-schwule Stadtfest Berlin, welches längst eine weit über Schöneberg hinausreichende Institution ist. Politisch und in Feierlaune steht es Jahr für Jahr für Akzeptanz, Offenheit und Vielfalt – und das ist gut so. Ich begrüße es sehr, dass die Veranstaltenden das Zurschaustellen oder Tragen von Symbolen mit Bezug zur rechtsextremen Szene absolut nicht dulden.

Das Coronabedingt nun ins kommende Jahr getragene Motto „Wenn ich ein Engel wäre, dann…“ des diesjährigen Gottesdienstes taugt auch als Jahresmotto. Viele von uns denken doch in so manchen Situationen „da habe ich einen Schutzengel gehabt“. Nun wird uns bis zum Eröffnungsgottesdienst am Freitag, 16. Juli 2021, aufgetragen, selber ein Engel zu sein. Welcher Engel will ich sein – können diese doch zahlreiche Gestalten annehmen. Für wen möchte ich ein himmlisches Wesen sein? Welchem Leben möchte ich Zeichen schenken? Aufgabe über Aufgabe.

Wir werden es im Eröffnungsgottesdienst 2021 erfahren. Ich freue mich auf das Zusammenkommen vieler Engelswesen.

Mechthild Rawert, Mitglied des Deutschen Bundestages, SPD
Rückblick: Eröffnungsgottesdienst 2011

Zehn Jahre Rogate-Eröffnungsgottesdienste: Grußwort Lesben und Schwule in der Union Berlin (LSU)

Dieses Jahr ist ein besonderes Jahr. Durch die Corona-Pandemie können wir am Wochenende leider nicht das 28. Lesbisch-schwule Stadtfest gemeinsam feiern. Auch der festliche Eröffnungsgottesdienst kann diesmal nicht stattfinden. Die schweren wirtschaftlichen Folgen für das bunte Leben unserer Stadt spüren in diesen Monaten besonders die Bars, die Restaurants und Clubs auch im Regenbogenkiez rund um den Nollendorfplatz.

Mario Röllig, Landesvorsitzender der LSU Berlin (Bild.privat)

Trotzdem sind viele von uns enger zusammengerückt, unterstützen sich, sprechen anderen Mut zu. Ich selbst habe viel Solidarität in der Community erlebt. Auch innerhalb unseres Teams der LSU Berlin waren wir einerseits traurig, dass wir unsere Pläne für die Pride Weeks in diesem Jahr nicht so umsetzen konnten, wie erhofft. Andererseits nutzten wir so die Zeit, neue technische Möglichkeiten der Kommunikation und des persönlichen Austausches auszutesten. Viele Ideen sind entstanden und wurden von uns umgesetzt, um unseren Mitgliedern, unseren Freunden und der LGBTIQ-Community unter diesen veränderten Bedingungen zu zeigen, wir sind für Euch da. Wir bewegen etwas. Wir sind sichtbar.

Nein, einsam oder eingesperrt fühlte ich mich in dieser Zeit überhaupt nicht. Meine freiheitlichen Grundrechte fand ich auch nicht eingeschränkt, oder außer Kraft gesetzt vom Staat, wie dies so manche Aluhütchenträger lautstark in den letzten Monaten äußerten.

Vor genau 33 Jahren war dies ganz anders. Ich war 19, total verliebt in einen Mann in West-Berlin. Meine erste große Liebe, für die ich alles riskierte. In diesem heißen Sommer 1987 saß ich nach einem misslungenen Fluchtversuch in Einzelhaft im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen in Ost-Berlin. Völlig rechtlos, mit der großen Angst, dort nie wieder rauszukommen. Ich wurde gedemütigt, schikaniert und psychisch gefoltert, nur weil ich schwul war und nicht davon abzubringen zu meinem Freund in den Westen zu wollen. Das war mein Verbrechen. Hinter in der Ausweglosigkeit dieser Mauern hatte ich aber auch den festen Willen, mich nicht brechen zu lassen und wenn ich dort raus komme, immer aufrecht zu bleiben. Und ich hatte Glück. Durch den Einsatz meiner Eltern und Freunde bekam ich die Chance für ein neues Leben, den Neuanfang im Westen. Damals, als ich im März 1988 im Notaufnahmelager Berlin-Marienfelde als Flüchtling aus der DDR ankam, mit einer kleinen Tasche mit dem Allernötigsten drin, fühlte ich mich willkommen. Ich war sogar ein Held. Denn in dieser Zeit kamen nur wenige Flüchtlinge von drüben an.

Ich sprach die selbe Sprache, der wichtigste Schritt für die Integration. Sofort bekam ich meinen ersten West-Berliner Reisepass, wurde in der Krankenkasse aufgenommen und beim Arbeitsamt registriert. Mein erstes Bankkonto konnte ich bei der Berliner Sparkasse eröffnen. Und schon sechs Wochen später bekam ich meinen ersten richtigen Job als Kellner in der Bristol-Bar im Hotel Kempinski am Ku-Damm. Trotz der Wohnungsnot, erhielt ich ganz selbstverständlich mit einem Wohnberechtigungsschein ein Jahr später meine erste Wohnung in der Feurigstraße in Berlin-Schöneberg.

All das, was ich gerade aufzählte ist für geflüchtete Menschen heute in Berlin ungleich schwerer. Schon allein durch das langwierige komplizierte Asylverfahren. Gerade für LGBTIQ+Menschen, die aus Ländern bei uns Zuflucht suchen, in denen sie wegen ihrer Sexualität verfolgt werden, die sich dort für Menschenrechte eingesetzt haben, sind diese Verfahren besonders entwürdigend, bis sie hier endlich ankommen können. Auch diese Menschen bereichern unsere vielfältige Stadt und unsere bunte Community. Dies wird all zu oft vergessen.

Ich erinnere mich noch ganz genau an die Zugfahrt, als ich aus der DDR nachts über die Grenze in die Freiheit fuhr. Das war der schönste Moment in meinem Leben. Dieses Gefühl, endlich raus, endlich ein selbstbestimmtes Leben. Das werde ich nie vergessen.

Diese Möglichkeiten, die ich damals hatte, wünsche ich auch heute jedem Menschen, der in Berlin neu beginnen will. Ich bin stolz darauf, dass auch die Kirchen hierbei mit ihrer humanitären Unterstützung einen deutlichen Standpunkt einnehmen.

Trotz vieler Erfolge in der Gleichstellung, ist das gesellschaftliche Klima gegen queere Menschen in den letzten Jahren wieder rauher geworden. Nicht nur in unserer Stadt Berlin und in Deutschland. Auch vielen anderen Ländern. Wir als LSU setzen uns gegen Intoleranz, Diskriminierung, Ausgrenzung und Hassgewalt ein. Uns ist es wichtig, dass unsere Community heute mehr denn je gemeinsam die Stimme gegen LGBT-freie Zonen in Polen erhebt, gegen die Diskriminierung von trans- und intergeschlechtlichen Menschen in Ungarn, gegen die staatlich gelenkte Homophobie in Russland, oder gegen die Verfolgung von queeren Aktivisten in Kuba. Um all unsere Forderungen deutlich zu machen und eben nicht nur zu feiern, dient seit 28 Jahren die starke Sichtbarkeit unserer Community mit dem lesbisch-schwulen Stadtfest. Und seit Stonewall vor 51 Jahren auch mit dem CSD.

Gerade das Rogate-Kloster leistet mit seiner Arbeit, insbesondere in seiner schönen Tradition des Eröffnungsgottesdienstes zum Stadtfest, einen wertvollen Beitrag zu dieser Sichtbarkeit  und zur Akzeptanz von LGBTIQ in der christlichen Ökumene. Auch gegen den Widerstand von Fundamentalisten und manchen Amtsträgern, die noch immer gegen queere Lebensentwürfe Mauern in ihren Köpfen haben. Dies verdient unser aller Respekt.

Das Motto in diesem Jahr wäre eigentlich gewesen: „Wenn ich ein Engel wäre, dann…“ 

Dann würde ich durch Austausch und Dialog diese Mauern von Vorurteilen und Hass in unserer Gesellschaft überwinden. Als Mensch schaffe ich dies nicht immer. Trotzdem versuche ich jeden Tag mit meiner festen Überzeugung von einer besseren Welt solche Mauern abzubauen.

In diesem Sinn freue ich mich auf einen wunderbaren Eröffnungsgottesdienst und auf ein riesengroßes buntes lautes Regenbogen-Stadtfest im nächsten Jahr.

Mario Röllig, Vorsitzender Lesben und Schwule in der Union, Landesverband Berlin

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Die nächsten (geplanten) Rogate-Termine finden Sie hier:

  • Freitag, 17. Juli 2020| 19:00 Uhr, Mitgliederversammlung Förderverein Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin e.V., Tops u.a. Nachwahl Kassenprüfer/in und Satzungsänderung
  • Donnerstag, 23. Juli 2020| 20:00 Uhr, Mitgliederversammlung Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin e.V., Tops u.a. Nachwahlen Vorstand
  • Donnerstag, 27. August 2020| 19:00 Uhr, „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“. Ort: Walter-Spitta-Haus, Lange Straße 60, 26434 Hooksiel.

Zehn Jahre Rogate-Eröffnungsgottesdienste: Grußwort des Bezirks Tempelhof-Schöneberg

„Wenn ich ein Engel wäre, dann…“, so wäre das diesjährige Motto für den Eröffnungsgottesdienst gewesen. Das ist ein sehr schönes Motto, denn es lädt ein, seiner Phantasie und Kreativität freien Lauf zu lassen. Daher spinne ich den Gedanken einfach mal weiter, „… dann wäre alles so wie immer, der gemeinsame Gottesdienst findet, immerhin zum zehnten Mal, als Startschuss für das Lesbisch-Schwule Stadtfest statt, das Stadtfest selbst zieht wieder viele Tausend Menschen zum Feiern in die Stadt und unseren Bezirk und wenige Tage später macht auch der Christopher-Street-Day wieder eindrucksvoll die vielen verschiedenen Facetten queeren Lebens weithin sichtbar. Aber leider bin ich kein Engel und wir alle leben seit Monaten in der Gewissheit, dass in diesem Jahr alles anders ist.

Angelika Schöttler (Foto: Photo Huber)

Aber auch wenn die großen Feierlichkeiten in diesem Jahr ausfallen müssen, so hat die Community auf kreative Weise gezeigt, dass es auch andere Formen der Präsenz gibt. Viele Aktivitäten wurden ins Internet verlegt oder auf kleinere Formate reduziert. Natürlich geht das zu Lasten der Sichtbarkeit, die sehr wichtig ist, denn gerade die Sichtbarkeit queerer Menschen, sei es auf der Straße, in der Werbung, in Filmen und Büchern, hat nachweislich eine akzeptanzerhöhende Wirkung.

Aber vielleicht können wir in dieser Zäsur, sozusagen als kleiner Trost, auch eine Chance sehen. Eine Chance innezuhalten, in sich hineinzuhorchen, Kraft zu sammeln, sich neu zu fokussieren und so den Herausforderungen der Zukunft gemeinschaftlich und gestärkt entgegenzusehen. Für dieses Innehalten sind auch offene Religionsgemeinschaften ein wichtiger Stützpfeiler und ich bin dankbar und froh, dass sich das Rogate-Kloster, aber auch die vielen anderen Gemeinschaften, die sich Vielfalt und Offenheit auf ihre Fahnen geschrieben haben, allen Widerständen zum Trotz Homosexuellen- und Trans*feindlichkeit weiterhin entschlossen entgegenstellen.

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin

Zehn Jahre Rogate-Eröffnungsgottesdienste: Grußwort vom LSVD Berlin-Brandenburg

Es freut uns, dass sexuelle und geschlechtliche Vielfalt auch im Rahmen von Kirche Wertschätzung erfährt. Sich einer Gemeinde zugehörig fühlen zu können, in der Respekt und Nächstenliebe nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt wird, gibt Menschen Kraft und Zuversicht.

Das Rogate-Kloster baut dort Brücken, wo Menschen ihren Platz im Glauben suchen. Zum 10-jährigen Jubiläum des alljährlichen ökumenischen Festgottesdienstes im Pride-Monat gratulieren wir ganz herzlich, danken Ihnen für Ihr Engagement und freuen uns auf noch viele weitere Gottesdienste im Zeichen der Vielfalt und Gemeinschaft.

Bleiben Sie gesund und freuen Sie sich auf das lesbisch-schwule Stadtfest im Jahr 2021, das dann hoffentlich wieder stattfinden kann.

Jörg Steinert, Geschäftsführer Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg e.V.

Zehn Jahre Rogate-Eröffnungsgottesdienste: Grußwort von MdB Renate Künast

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Fünf Fragen an: Pfarrer Joachim Lenz, Bündnis United4Rescue

Fünf Fragen an Pfarrer Joachim Lenz, Sprecher des Bündnisses United4Rescue, über die Untätigkeit maltesischer Behörden in der Osternacht, die Indienststellung der „Seawatch 4“ und die Hoffnung auf die Vermittlung durch die europäische Kommission.

Pfarrer Joachim Lenz (Bild: Stadtmission Berlin)

Joachim Lenz ist 58 Jahre alt und war Dorfpfarrer an der Mosel, Kirchentagspastor und Direktor der Berliner Stadtmission. Ab Sommer soll er als evangelischer Propst in Jerusalem leben und arbeiten. Lenz engagiert sich als ehrenamtlicher Pressesprecher im Verein „Gemeinsam retten e.V.“, der das Bündnis United4Rescue organisiert.

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Lenz, Sie haben in der Osternacht mit Sorge auf Ereignisse im Mittelmehr geblickt. Was ist dort passiert?

Joachim Lenz: Vier Boote mit insgesamt über 250 flüchtenden Menschen versuchten, Europa zu erreichen. In der Osternacht baten sie telefonisch um Hilfe, weil ihren Booten die Luft ausging. Die zuständigen Behörden in Malta wurden informiert, reagierten aber in keiner Weise. Ein Aufklärungsflugzeug des europäischen Grenzschutzes Frontex überflog das Seegebiet und machte die Boote aus, leitete aber keine erkennbaren Rettungsaktionen in die Wege.

Rogate-Frage: Welche Folgen ergeben sich für Sie daraus?

Joachim Lenz: Als Bündnis United4Rescue haben wir die Informationen, die über die Seenotrettungsorganisationen Alarm_Phone und Sea-Watch bei uns ankamen, an die Öffentlichkeit weitergeleitet. Es gibt ja klare Regelungen für die Seenotrettung: Es muss geholfen werden! Das ist im Völkerrecht, im internationalen Seerecht und in der UN-Menschenrechtskonvention eindeutig geregelt und natürlich auch für Malta, Italien und die gesamte Europäische Union verbindlich. Leider wird schon seit langem immer wieder nicht nach den gesetztlichen Vorgaben gehandelt. Wir meinen, dass die Öffentlichkeit das wissen muss, und wir hoffen, dass Politikerinnen und Politiker in unserem Land diese Informationen nutzen, um die Verantwortlichen zum Handeln zu bringen.

Rogate-Frage: Welche Aufgaben hat das Bündnis United4Rescue und was verbindet es mit der Seawatch-Organisation?

Joachim Lenz: Sea-Watch ist eine Hilfsorganisation, die mit anderen zivilen Seenotrettern wie Sea Eye oder Lifeline Menschen im Mittelmeer vor dem Ertrinken bewahrt. Seenotrettung ist eine staatliche Aufgabe, die bis vor gut einem Jahr auch vom europäischen Grenzschutz wahrgenommen wurde; im Rahmen des EU-Projektes „Sophia“ wurden zigtausende Flüchtlinge gerettet. Die zivilen Seenotretter haben das unterstützt. Trotzdem sind seit 2015 weit mehr als 20.000 Menschen an unserer europäischen Grenze ertrunken. Seit langem ist es nun leider so, dass der EU-Grenzschutz es zu vermeiden versucht, auch nur in die Nähe von Flüchtlingsbooten zu kommen. Nur noch die zivilen Seenotretter kommen denen zu Hilfe, die bei ihrer Flucht auf dem Meer unterzugehen drohen. Das Bündnis United4Rescue unterstützt diese Seenotrettung. Wir haben dazu Geld gesammelt und ein ehemaliges Forschungsschiff ersteigert, das als zusätzliches Rettungsschiff unter dem Namen „Sea-Watch 4“ möglichst bald auf Mission gehen soll. Außerdem unterstützen wir Seenotrettungsorganisationen und werben dafür, die zivile Seenotrettung nicht länger zu kriminalisieren. Wir fordern faire Asylverfahren – kurz, wir wollen schlicht, dass geltendes Recht wieder umgesetzt wird. Und den Kommunen, die Gerettete aufnehmen wollen, sollen das als sogenannte Sichere Häfen auch dürfen: Das muss der Bundesinnenminister aber erst rechtlich ermöglichen.

Rogate-Frage: Was entgegnen Sie denen, die behaupten, dass durch die Seenotrettung Anreize für die Flucht von Migranten über das Meer geschaffen werden?

Joachim Lenz: Die hohe Zahl der Toten zeigt, dass Seenotrettung leider nicht sicher funktioniert. Das wissen doch auch die, die sich in unsichere Boote setzen! Es gibt mehrere unabhängige Studien, die den angeblichen „Pull-Effekt“ der Seenotrettung widerlegen. Wer es über lange Fussmärsche an die afrikanische Nordküste geschafft hat und dort in einem KZ-ähnlichen Flüchtlingslager mitten im Bürgerkrieg lebt, versucht Europa zu erreichen – unabhängig davon, ob zivile Rettungsschiffe unterwegs sind. Außerdem: Selbst wenn das Arguemnt stimmen würde (was ich bestreite!), hätten die Menschen dennoch jedes Anrecht auf Rettung! Wer bei uns angetrunken mit seinem Auto Menschen totfährt und sich dabei selbst verletzt, wird doch gerettet und im Krankenhaus versorgt. Menschenrechte wie das Recht auf Leben sind nicht abhängig von irgendwelchen moralischen, politischen oder pädagogischen Überlegungen. Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.

Rogate-Frage: Welche Auswirkungen hat und wird die Corona-Pandemie auf Ihre Arbeit und die Seenotrettung im Mittelmeer haben?

Joachim Lenz: Unser Bündnisschiff, die Sea Watch 4, sollte jetzt eigentlich schon auf See sein. Sie liegt aber im spanischen Burriana, dort konnten die letzten erforderlichen Umbauten nicht fertiggestellt werden, weil Spanien Fabriken und auch Häfen geschlossen hatte. Wir hoffen sehr, dass das Schiff bald losfahren und helfen kann. Wenn Menschen aus Flüchtlingsbooten aufgenommen werden, müssen dann natürlich alle auch bei uns erforderlichen Schutzmaßnahmen eingehalten werden: Das ist aufwändig und erschwert die Hilfe. Noch schlimmer ist aber, dass die Staaten mit sicheren Häfen (vor allem Italien und Malta) die Pandemie zum Anlass genommen haben, die Aufnahme Geretteter erst einmal kategorisch abzulehnen. Dabei kann natürlich auch eine noch so schwierige Situation nicht die Menschenrechte außer Kraft setzen. Wer ehrlich ist, weiß und sagt das auch. Wir setzen darauf, dass die europäische Kommission hier vermittelt und hilft.

Rogate: Vielen Dank, Herr Pfarrer Lenz, für das Gespräch!

Mehr Infos zum Bündnis United4Rescue finden Sie hier. Das Rogate-Kloster wie auch der Förderverein Rogate-Kloster e.V. sind mit fast 400 anderen Organisationen Mitglied im Bündnis.

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Angesichts der Corona-Pandemie können wir leider keine verlässlichen Angaben machen, wann wir wieder zu Rogate-Gottesdiensten und Veranstaltungen wie dem Wangerlandsofa einladen können. Die nächsten geplanten Termine finden Sie hier.

Pressespiegel: „Wangerland-Sofa in Hooksiel – Verlust der Heimat ist schwere Last“

Nordwest-Zeitung vom 22. Februar 2020

„Bischof Adomeit nahm am Donnerstagabend im Walter-Spitta-Haus Hooksiel auf dem „Wangerlandsofa“ Platz. Im Rahmen des Demokratie-Projekts „Miteinander reden“ hatte Bruder Franziskus vom Rogate-Kloster Berlin das Thema „Flucht“ in den Mittelpunkt gestellt. „Was heißt das, zu flüchten, übers Meer zu fahren?“ – diese Frage beantworteten Sahar und Mohammed…“

Den Artikel „Wangerland-Sofa In Hooksiel – Verlust der Heimat ist schwere Last“ von Melanie Hanz finden Sie hier.


Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten und Veranstaltungen!

  • Sonnabend, 14. März 2020| 18:00 Uhr, Mitwirkung (Predigt Br. Franziskus) in der Vorabendabendmesse. Ort: Sankt Bonifatius-Kirche Varel, Bürgermeister-Heidenreich-Str. 4, Varel.
  • Sonntag, 15. März 2020| 9:30 Uhr, Mitwirkung (Predigt Br. Franziskus) in der Heiligen Messe. Ort: Sankt Bonifatius-Kirche Varel, Bürgermeister-Heidenreich-Str. 4, Varel.
  • Sonntag, 15. März 2020| 11:00 Uhr, Mitwirkung (Predigt Br. Franziskus) in der Heiligen Messe. Ort: Heilig-Kreuz-Kirche, Jaderberg.
  • Donnerstag, 19. März 2020| 19:00 Uhr, „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“. Ort: Walter-Spitta-Haus, Lange Straße 60, 26434 Hooksiel.
  • Donnerstag, 23. April 2020| 19:00 Uhr, „Wangerlandsofa? Hör mal zu!“. Ort: Walter-Spitta-Haus, Lange Straße 60, 26434 Hooksiel.
  • Sonntag, 17. Mai 2020 | 10:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie zum Sonntag Rogate. Mit Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-katholische Gemeinde Berlin. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche.