Fünf Fragen an: Petra Weitzel, Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.

Fünf Fragen an Petra Weitzel, 1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V., über die Trans*-Definition, das Geschlecht als Kontinuum und warum dies ein Thema für Kirche und Gemeinden sein sollte.

2017 Petra Weitzel
Petra Weitzel (Bild: privat)

Petra Weitzel, 57, Dipl. Ing (FH), verheiratet (Lebenspartnerschaft), engagiert sich in der „Projektgemeinde nicht nur für Schwule und Lesben“ in Frankfurt am Main seit 2004. In der Trans*Beratung ist sie seit 2009 tätig. Seit Juli 2017 ist sie 1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.

Rogate-Frage: Frau Weitzel, was ist Transidentität und was Transsexualität?

Petra Weitzel: Transsexualität und Transidentität bedeutet für die Träger_innen dieser Eigenschaften das Wissen, nicht oder nicht ganz dem ihnen bei der Geburt zugewiesenem Geschlecht anzugehören.

Der Begriff Transsexualität wurde von Magnus Hirschfeld, Deutschlands bekanntestem Sexualwissenschaftler um 1920 geprägt und meint, dass Psyche und Körper geschlechtlich verschieden sind, eines davon „trans“ also jenseits vom anderen liegt. Es geht also um das Sein und nicht um das Tun.

Transidentität wurde Mitte der 1980er Jahre von Transidentitas e.V., unserem Vorgängerverein, und Medizinern im Rhein-Main Gebiet geprägt und betont eben genau einen Zustand und nicht sexuelles Handeln, woran bei „transsexuell“ uninformierte Menschen gewöhnlich zuerst denken.

Heute wird Transidentität tendenziell von Fachkräften, die up-to-date sind, häufiger benutzt als Transsexualität. Beispiele sind die Institutsambulanz der Universitätsklinik Frankfurt mit der „Transidenten Sprechstunde“ und zahlreiche Veröffentlichungen von Dr. Udo Rauchfleisch, Dr. Meyenburg und vielen anderen.

Es gibt Menschen, die beide oder einen der Begriffe als Bezeichnung für sich aus sehr unterschiedlichen Gründen ablehnen und deshalb neue Begriffe kreieren oder einfach nur als Mann oder Frau bezeichnet werden wollen. Auf der anderen Seite ist „transident“ nicht exklusiv Menschen vorbehalten, die zum Beispiel eine geschlechtsangleichende Operation wünschen.

Rogate-Frage: Welche Aufgaben hat die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualiät dgti e.V. und wer engagiert sich in ihr?

Petra Weitzel: Die dgti e.V. widmet sich seit 20 Jahren der Beratung transidenter/transsexueller Menschen, der Aufklärung von Pädagogen und Erziehern sowie medizinischem und betreuendem Personal.

Diese Beratung von gleich zu gleich ist eine sozialrechtliche- und Antidiskriminierungsberatung. Hier geht es um alles von A wie „Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz“ bis Z wie „Zuspruch“.

Neu hinzugekommen sind eine umfangreiche Aus- und Fortbildungsreihe für unsere Beratenden sowie Ärzte und Therapeuten und Publikationen und Filmprojekte wie „Reformation für Alle*„, die bestimmte gesellschaftspolitisch relevante Aspekte behandeln, mit dem Ziel, die Akzeptanz transidenter Menschen zu steigern.

Rogate-Frage: Von wie vielen Geschlechtern gehen Sie aus?

Petra Weitzel: Das Geschlecht eines Menschen ist genetisch betrachtet ein Kontinuum. Nicht nur dass das Gehirn unser wichtigstes Geschlechtsorgan ist (nach Prof. Milton Diamond) und zu einem unterschiedlichem Zeitpunkt wie der Rest des Körpers während der Schwangerschaft durch Sexualhormone geprägt wird, sondern auch viele andere Merkmale wie Größe, Körperform und so weiter, sind einer großen Bandbreite unterworfen, die vielen nicht bewusst ist. Das Vorhandensein einer bestimmten statistischen Durchschnittsgröße entsprechenden primärer Geschlechtsmerkmale bei der Geburt, sagt ohne Gentest und ohne dass der betreffende Mensch sich schon äußern könnte, nichts über das Geschlecht dieses Menschen aus.

Schon im Alter von drei Jahren können transidente Kinder merken, dass sie mit der Zuweisung und/oder dem Körper nicht übereinstimmen. In der Pubertät können intergeschlechtliche Menschen sekundäre Geschlechtsmerkmale entwickeln, die sich entgegengesetzt den primären Geschlechtsmerkmalen entwickeln oder sie kommen schon mit nicht eindeutigen Merkmalen auf die Welt.

Wir können daher nur von den Polen männlich und weiblich und jeder möglichen Zwischenstufe mit Bezeichnungen wie zum Beispiel nicht-binär sprechen. Folgerichtig, wenn beide rechtlich vorhandenen Geschlechter tatsächlich auch rechtlich überall gleichgestellt wären, könnten man im Idealfall auf eine „amtliche“ Sortierung des Geschlechts verzichten und damit jeder Person die Freiheit lassen, sich in einer Kategorie wohl zu fühlen oder nicht.

Rogate-Frage: Warum ist Transidentität und Transsexualität Thema für die Kirche?

Petra Weitzel: Kirche, dass sind im Falle der römisch-katholischen und evangelischen Landeskirchen in Deutschland in weltlicher Hinsicht Institutionen, die derzeit circa 60 Prozent der deutschen Bevölkerung auf sich vereinen. Das hat uns veranlasst uns mit der evangelischen Kirche zu beschäftigen, da wir hier schon viele Samenkörner sehen, aus denen etwas gutes wachsen kann.

Kirche ist für alle da. In dem Moment wo sie das nicht ist, hört sie auf Kirche zu sein.

In jeder Kirchengemeinde gibt es welche, die bei Abneigung gegen eine bestimmte Personengruppe, das passende Bibelzitat finden und wenn das nicht klappt, darauf vertrauen, dass ein wörtliches Zitat aus der Bibel, die Unkenntnis des hebräischen Urtextes vorausgesetzt, schon die gewünschte Wirkung hat.

So kommt es, dass uns „Gott schuf Mann und Frau, nach seinem Bilde“, vorgehalten wird. Der zweite Halbsatz wird weggelassen sowie die Tatsache, dass im hebräischen Adam, Mensch bedeutet und es dort männlich UND weiblich heißt. Als männlich und weiblich schuf er sie (die Menschen). Aus dem Urtext ist klar erkennbar: Am Anfang waren die Menschen beides. Etwas später gab Gott diesem Menschen eine Gefährtin. Aber heißt das nun, dass diese beiden Geschöpfe keine Anteile vom jeweils anderen haben dürfen?

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Cover der Broschüre „Reformation für Alle*“

Hat Gott nur Tag und Nacht geschaffen und Abendrot, Morgendämmerung sowie den Übergang nicht?

Wie könnten diese Geschöpfe zusammenkommen, wäre da keine Seelenverwandtschaft?

Über die Jahrhunderte hat sich die Kirche, seit der Reformation, immer wieder darauf besonnen, dass sie für alle da ist.

Ohne Luther, wo wären da Frauen in der Kirche heute? Die Ordination von Frauen, Segnung und Trauung gleichgeschlechtlicher Paare sind Errungenschaften der letzten 70 Jahre. Mit der Aufklärung nimmt die Inklusion zu. Die Kirche reformiert sich weiter, ecclesia semper reformanda, und dass muss sie auch.

Menschen als krank zu bezeichnen, die eine Eigenschaft haben, die man nicht verstehen kann, das hat in der Geschichte der Menschheit Tradition. Fugitivismus nannte man einst im 19. Jahrhundert die Tendenz von Sklaven, fliehen zu wollen. Es gab bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts christliche Glaubensgemeinschaften, die die Messlatte, wer in der Gemeinde akzeptiert ist, auf der Höhe der Hautfarbe angesiedelt haben. Auch dafür hatte man eine theologisch überzeugende Begründung. Darüber sind wir inzwischen weitestgehend hinweg und dies weist uns Weg.

Niemand hat es sich ausgesucht, transident zu sein. Es wurde uns mitgegeben und wir haben als transidente Menschen die Aufgabe verantwortungsvoll aber eigenverantwortlich damit umzugehen. Gott hat den Menschen die Fähigkeiten verliehen, hier etwas hinzuzulernen und das kann auch dazu benutzt werden den Körper der Seele anzupassen. Gott kann in die Herzen der Menschen hineinsehen und wird es verstehen.

Rogate-Frage: Was wünschen Sie sich von den Kirchen und den Kirchengemeinden?

Petra Weitzel: Das Annehmen des Anderseins als etwas Schönes und Gottgegebenes, dass wäre meine Definition von Reformation im 21. Jahrhundert. Jeder Mensch, gleich welcher Herkunft, Alter, Leistungsfähigkeit, sozialem Status, geschlechtlichem Zustand oder sexueller Orientierung sollte gleich in den Kirchengemeinden willkommen sein. Jeder Mensch ist anders, mal mehr oder weniger offensichtlich. Das zu Begreifen ist eine Herausforderung, aber es gibt einen Lohn dafür, der sich nicht berechnen lässt und sich in Frieden, Freiheit und Glück ausdrückt.

Rogate: Vielen Dank, Frau Weitzel, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

In folgenden Youtube-Video kommen Menschen, die mit der Kirche verbunden sind, zum Thema „Kirche und Transsexualität“ zu Wort.  Er wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Reformationsjubiläums gefördert.

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Fünf Fragen an: Regisseurin Tatjana Rese, Regisseurin und Autorin

Fünf Freitagsfragen an Tatjana Rese, Regisseurin und Autorin, über Martin Luther als „Rebel wider Willen“, über den kulturellen Hintergrund unseres Lebens und das Verhältnis des Reformators zum Teufel.

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Tatjana Rese (Bild: privat)

Die Berlinerin Tatjana Rese studierte Germanistik an der Humboldt-Universität und verschrieb sich dann dem Theater. Als Schauspieldirektorin führte sie ihr Weg nach Schwedt, Esslingen, Braunschweig und Detmold. Sie inszeniert im Bereich Schauspiel, Kabarett, Oper und Musical. Rese verfasste Bühnenbearbeitungen von Film, Roman und Märchen und realisierte eigene Musicals und Revuen, unter anderem in Leipzig, Konstanz, Eisenach und Wilhelmshaven. In ihrer Heimatstadt arbeitet sie für das Kabarett „Die Stachelschweine“ und engagiert sich seit vielen Jahren für das „Opernfestival Schloss Britz„.

Rogate-Frage: Frau Rese, Martin Luther beschäftigt Sie schon länger. Warum?

Tatjana Rese: Obgleich ich persönlich nicht konfessionell gebunden bin, sehe ich den christlichen Glauben als kulturellen Hintergrund unseres Lebens. Besonders das reformatorische Gedankengut beeinflußt uns alle bis heute, prägt unser Denken und Handeln, strukturiert den Alltag. Das zentrale Werk Luthers, seine deutsche Übersetzung der Bibel, ist seit Jahrhunderten Quelle für künstlerisches Schaffen, in der Malerei, in der Literatur, auf dem Theater. Diese Ur-Bilder lassen uns nicht los und wir schöpfen aus ihnen.

Aus diesem grundsätzlichen Interesse entstand die Spurensuche, die, zugegebenermaßen, durch die Lutherdekade forciert wurde. Inzwischen habe ich mich in das Thema soweit eingearbeitet, dass noch ein Luther-Krimi entstanden ist. Der historische Krimi „Freies Geleit für Martin Luther“ erscheint im März 2017 im Buchhandel. Hier beschäftigt uns, den Autor Matthias Eckoldt und mich, ein fiktiver Kriminalfall, in den Luther während des berühmten Reichstages 1521 in Worms verwickelt wird.

Ja, irgendwie komme ich von dem Mann wohl nicht mehr los.

Rogate-Frage: Welche Herausforderungen verbinden Sie als Regisseurin mit „LUTHER! – REBELL WIDER WILLEN“?

Tatjana Rese: Ich bin bei diesem Projekt in der besonderen Lage, sowohl Autorin als auch Regisseurin zu sein. Und in beiden Rollen interessiert mich der Mensch Luther in Konfrontation mit seiner Zeit.

Das Anachronistische der Persönlichkeit fasziniert mich: Ein Mann, noch tief verhaftet im Mittelalter, macht sich auf den Weg in eine neue Zeit und wird wider Willen zur Gallionsfigur theologischer und sozialer Umbrüche. Dabei ist er selbst eine äußerst zerrissene Persönlichkeit. Kämpfer und Zauderer, ein Protestler, der obrigkeitstreu bleibt. Er schreibt gegen den Papst an, redet dem deutschen Adel ins Gewissen, will den gütigen Gott für alle und wütet dann gegen die aufständischen Bauern. Die Untertanen werden von ihm zum Gehorsam verdonnert, sie sollen Gewalt und Unrecht schweigend erdulden.

Vor allem jedoch ist es die ungeheuerliche Zeitenwende in der Luther agiert, die das Thema für uns heute so greifbar und nachvollziehbar macht: Eine Welt die aus den Fugen ist. Eine Welt, in der viele Menschen nach Halt und Orientierung suchen. Die Zeilen des Songs des Schriftgießers Stephan, den er ganz am Schluss des Oratoriums singt, sind meine persönlichste Botschaft:

Die innre Stimme soll den Weg
Für unser Leben nennen.
Und keine irdisch‘ Macht verhüt‘,
Dass wir sie hören können.
Ganz aus dem Metrum ist die Welt,
Sie droht uns zu verschlingen.
Des Herzen Takt, das inner Maß
Nur kann uns Freiheit bringen.

Rogate-Frage: Was macht ein „Rock-Oratorium“ aus? Ist „Luther“ nicht eher ein Musical?

Tatjana Rese: Der Komponist Erich Adalbert Radke und ich haben 2013 ein Auftragswerk für das Theater Eisenach geschrieben und auf Wunsch des Hauses sollte es die Form eines populären Genres haben, so ist unser Musical entstanden, das ab Mai bis Juli 2017 wieder im Spielplan des Theaters Eisenach ist. Der Form des Musicals folgend gibt es ein Orchester, große Ballettszenen und ein sehr opulentes Bühnenbild einschließlich Videoperformance.

Das Theater Wilhelmshaven wünschte sich eine kleinere Form. So haben wir das Material nochmals bewegt und umgeschrieben, für eine Rock-Band, zehn Sänger und einen Chor. Das Format des Oratoriums schien uns dafür besonders geeignet: ein Erzähler führt durch die Geschichte, die sehr emtional durch Arien, Duette, Terzette, Quartette gestaltet wird, ein Chor reflektiert das Geschehen. Die Rockmusik ist eine moderne wie auch archaische Musik, die den Bogen von der Musik der Lutherzeit ins Heute wunderbar schlagen kann.

Rogate-Frage: Warum führen Sie das Stück ausschließlich in Kirchen auf und welche Wirkung haben die Sakralräume auf das Stück, die Darsteller und das Publikum?

Tatjana Rese: Die Kirche ist die Heimat des Oratoriums. Dort kommt diese Musikform ursprünglich her. Hierhin wollten wir mit diesem modernen Oratorium zurückkehren. Dabei entstand die Idee, den Chor aus Sängerinnen und Sängern aus der Region zu formen. So ist es in der Tat die Gemeinde, die bei der Aufführung mitwirkt. Und schließlich geht es Luther ja vor allem um die Auseinandersetzung mit der Kirche.

Die Kirchenhäuser sind geschichtsträchtige Orte. Ihre Mauern beherbergen viele Schicksale, oft über Jahrhunderte. Diesen Geruch atmet man bei den Proben und Vorstellungen mit ein. Die christlichen Gotteshäuser mit einer modern erzählten Geschichte zu konfrontieren, ist ein sehr sinnlicher Prozess.

Die besondere und streitbare Geschichte der Christus- und Garnisionskirche in Wilhelmshaven, mit der das Theater kooperiert und in der unsere Premiere stattfand, hat mich sehr bewegt; sie erzählt heute noch von den Kriegen und Schlachten, die wir zu Unrecht geschlagen haben. Für das Publikum ist die Aufführung, hoffe ich, an so authentischen Orten ein besonderes Erlebnis.

Rogate-Frage: Im Stück werden der Teufel und Johann Tetzel mit Attributen darstellt, die vermuten lassen, sie seien schwul oder trans*. So werden gleichgeschlechtliche Sexpraktiken zwischen Satan und dem Dominikaner angedeutet und genannt. Welches Ziel wird in der Inszenierung und beim Publikum damit verfolgt?

Tatjana Rese: Ehrlich gesagt, das Thema hat uns eigentlich gar nicht interessiert.

Aber wenn dieser Eindruck entstehen sollte, dann versuche ich ihn mir zu erklären: Der Anmutung des Homoerotischen entsteht vielleicht dadurch, dass der Teufel Luther in unserem Oratorium im wahrsten Sinne des Wortes ständig im Nacken sitzt. Mitunter scheint es, als gingen die beiden eine körperliche Symbiose ein. Das ist für mich eine Metapher für den inneren Kampf gegen das Böse, den die Figur führt.

Luther selbst hatte offensichtlich, viele Schriften und Briefe belegen das, eine sehr persönliche Beziehung zum Teufel, der ihn lebenslang zu verfolgen schien.

In unserer Aufführung erscheint der Teufel mitunter in geborgten Gewand, so in einer großen Marktszene als Ablaßhändler Tetzel. Das ist eine Verführungsszene. Der Teufel will die Leute zum Geldausgeben verführen um sich von ihren Sünden freizukaufen. Dabei ist ihm jedes Mittel recht und er holt mit dem „Tanz des Mammon“ zur großen Showeinlage aus. Mit seinem Kompagnon Jahnn Zacke veranstaltet er einen anzüglichen, von fleischlicher Lust getrieben Tanz, um die Leute aufzugeilen. Seine Sprache ist schnodderig und heutig. Den „Tanz ums goldene Kalb“ tanzen wir alle doch fast täglich, oder?

Rogate: Vielen Dank, Frau Rese, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Fünf Fragen an: Dr. Christoph Meyns, EKD-Beauftragter zu den evangelischen Kommunitäten

Fünf Freitagsfragen an Dr. Christoph Meyns, Beauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für den Kontakt zu den evangelischen Kommunitäten, über Orte geschwisterlicher Gemeinschaft, Schulen der Achtsamkeit und die Versuchung der Selbstabschließung.

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Landesbischof Christoph Meyns (Bild: LK BS)

Dr. Christoph Meyns stammt gebürtig aus Bad Segeberg. In Kiel und Tübingen studierte er Evangelische Theologie. Als Stipendiat der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche verbrachte er zwei Jahre bei der Evangelical Lutheran Church of Papua New Guinea. Nach dem Vikariat im Predigerseminar Breklum und in Husum war er Gemeindepastor in Bargum/Breklum-Nord, Krummesse und Oldenswort. Er ließ sich zum Geistlichen Begleiter bei der damaligen Communität Christusbruderschaft in Wülfinghausen ausbilden. Verschiedene Aufgaben im Kirchenamt in Kiel für die Evaluation des Reformprozesses der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche sowie als Organisations- und Personalentwickler im Kirchenkreis Dithmarschen folgten. 2013 promovierte er zum Doktor der Theologie im Fach Praktische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Seit Juni 2014 ist er Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig und seit Juni 2016 Beauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für den Kontakt zu den evangelischen Kommunitäten.

Rogate-Frage: Was verbinden Sie mit evangelischen Kommunitäten und Klöstern?

Christoph Meyns: Für mich stehen evangelische Kommunitäten und Klöster für eine Form des kirchlichen Lebens, in der Gottesdienst, Gebet und geschwisterliche Gemeinschaft in besonderer Intensität gepflegt werden. In einer Zeit, die von verwirrend vielen Möglichkeiten, Zerstreuung und Oberflächlichkeit gekennzeichnet ist, stehen sie ein für die Konzentration auf das Wesentliche, die Wertschätzung der Stille und das Eintauchen in die Fundamente unserer Existenz.

Rogate-Frage: Nicht selten müssen sich Angehörige evangelischer Klöster und Kommunitäten den Vorwurf anhören, ihre Lebensform sei „nicht evangelisch“. Was sagen Sie dazu?

Christoph Meyns: Die Reformation kritisierte die klösterliche Lebensform als Mittel der Werkgerechtigkeit und aufgrund der Lasten, die sich daraus für die Gesellschaft ergaben. Sie fokussierte die Aufmerksamkeit auf Familie und Beruf als gleichberechtigten Ort christlicher Existenz. Im Ergebnis führte diese „Entthronung“ mönchischer Lebensweisen zu ihrer Abschaffung. Damit wurde meines Erachtens das Kind mit dem Bade ausgeschüttet

Auch evangelische Christinnen und Christen können in der Begegnung mit dem Wort Gottes für sich Konsequenzen für die eigene Lebensführung ziehen, die sie in Anknüpfung an die Traditionen des Mönchtums in ein kommunitäres oder klösterliches Leben hinein führen.

Wichtig ist mir, dass nicht das eine gegen das andere ausgespielt wird. Beide Lebensformen haben ihre je eigenen geistlichen Vorzüge, Herausforderungen, Gefährdungen und Fehlformen.

Rogate-Frage: Welche Bedeutung haben Klöster und Geistliche Gemeinschaften in der EKD?

Christoph Meyns: Wir brauchen Orte des Rückzugs, der Stille, der Besinnung und der Kontemplation. Unsere Welt ist so laut, dass wir die leise Stimme Christi und die des eigenen Gewissens oft überhören. Kommunitäten und Klöster sind in besonderer Weise Schulen der Achtsamkeit, des Gebetes und der Liturgie. Sie leisten damit Widerstand gegen einen Zeitgeist, der mit Kopflastigkeit, Machbarkeitswahn, Leistungsdruck, Selbstüberforderung, Misstrauen und der Flucht vor Erfahrungen der Begrenztheit und Kontingenz des Lebens bis tief hinein ins kirchliche Leben Verunsicherung auslöst.

Rogate-Frage: Wie kann die Kirche ihre Klöster und deren geistliches Leben schützen und fördern?

Christoph Meyns: Ich bin noch zu wenig in meine neue Aufgabe eingearbeitet, um beurteilen zu können, was genau Klöster und Kommunitäten von der verfassten Kirche brauchen. Ein erster Schritt scheint mir darin zu liegen, ihnen Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu schenken und sie neben Ortsgemeinden, funktionalen Diensten, Kreisen, Initiativen, Vereinen, Verbänden und diakonischen Einrichtungen als wichtigen Teil des kirchlichen Lebens zu würdigen.

Wichtig scheint mir für unsere Kirche insgesamt zu sein, der Versuchung zu Selbstabschließung und Selbstgenügsamkeit entgegen zu wirken und an guten Beziehungen zwischen den verschiedenen Orten und Ebenen des kirchlichen Lebens zu arbeiten.

Rogate-Frage: Welchen Rat geben sie den Gemeinschaften auf den Weg für das Leben in, mit und für die Kirche?

Christoph Meyns: Da halte ich es mit Paulus: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Philipper 4,4

Rogate: Vielen Dank, Herr Landesbischof Dr. Meyns, für das Gespräch!

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Rogate Kl_Aushang_Eucharistie 22 Sonntag n Trinitatis_160616 Kopie.jpgSonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden. Orgel: Manuel Rösler
  • Donnerstag, 20. Oktober 2016 | 19:30 Uhr, Mitgliederversammlung des Fördervereins.
  • Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Ökumenisches Eucharistie  mit Bischof Dr. Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, EKBO, Bezirksbürgermeisterin  Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde. Chor: „Mixed Martinis – Gospel & more“, Tegel. Orgel: Manuel Rösler
  • Sonntag, 3. Advent, 11. Dezember 2016 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pastor Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier.