Wilhelmshaven: Ukraine-Friedensgebet am Dienstag

Friedensgebet anlässlich der Russlandkrise am Dienstag in der Sankt Willehad-Kirche

Die Gemeinden der St. Willehad-, der Neuapostolischen, der Banter und der Luther-Kirche sowie die Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, das Diakonische Werk Friesland-Wilhelmshaven und das Rogate-Kloster Sankt Michael laden am Dienstag, 27. September 2022, 18:00 Uhr, zum monatlichen ökumenischen Friedensgebet anlässlich des Überfalls Russlands auf die Ukraine ein. Die Andacht wird auf dem Youtube-Kanal der Sankt-Willehad-Gemeinde live gestreamt:

Ukrainische Jugendliche werden sich mit einem eigenen Wortbeitrag beteiligen. Weitere Beteiligte an der Andacht in der St. Willehadkirche, Bremer Straße 53, sind Dechant Andreas Bolten, Pastor Frank Moritz, Bezirksevangelist Eike Rosentreter, Bruder Franziskus Aaron und Gerrit Junge an der Orgel.

Am Ausgang wird eine Korbkollekte für das bundesweite Aktionsbündnis Katastrophenhilfe gesammelt.

Die folgenden geplanten Friedensgebete in Sankt Willehad Wilhelmshaven:

  • Dienstag, 25. Oktober 2022 | 18:00 Uhr.
  • Dienstag, 29. November 2022 | 18:00 Uhr.

Friedensgebet in der Russlandkrise: Dienstag in der Sankt Willehad-Kirche Wilhelmshaven.

Verschiedene christliche Gemeinden laden zum nächsten ökumenischen Friedensgebet ein. Anlass ist der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Beginn der Andacht ist am Dienstag, 30. August 2022, 18:00 Uhr, in der Sankt Willehad-Kirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven. 

An der Liturgie beteiligt sind Dechant Andreas Bolten, Pastor Frank Moritz, Bezirksevangelist Eike Rosentreter und Bruder Franziskus Aaron. Heidi Heidler, engagierte Freiwillige in der Arbeit für Geflüchtete der Banter Kirche, wird einen Impuls sprechen. Gemeindemitglieder der St. Maria- und St. Mauritiusgemeinde werden Gebete in koptischer Spräche singen und beten. Am Ausgang wird eine Korb-Kollekte für das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe erbeten. Die Andacht wird live über den Youtube-Kanal der Gemeinde gestreamt.

Zu den Friedensgottesdiensten wird seit Kriegsbeginn im Februar von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael eingeladen. Sie finden jeweils an jedem letzten Dienstag im Monat in Sankt Willehad statt.

Frank Moritz: Fallen wir nicht auf Putins Propaganda rein!

Der Überfall Putins auf die Ukraine verleitet zu einem Schwarz-Weiß-Denken. Kein Wunder, jeder Krieg provoziert das Freund-Feind-Schema. Vorsicht Falle! Wir sollten es uns nicht zu einfach machen und etwa alle Menschen mit russischem Hintergrund vorschnell einzuordnen und zu verurteilen.

Pastor Frank Moritz (Bild: Banter Kirche Wilhelmshaven)

Eine Konfirmandin hat mich auf unserer letzten Konfirmandenfreizeit zum Nachdenken gebracht. Wir hatten eine kleine Olympiade mit verschiedenen Spielen organisiert. Dafür sollten sich jeweils Teams mit vier Mitgliedern zusammenfinden. Eine Aufgabe war es auch, ein Wappen für das eigene Team zu malen. Die Konfirmandin, die ich vor Augen habe, malte für ihr Wappen eine russische und eine deutsche Fahne. Dazu zwei Hände, die miteinander verschränkt waren. Sie erklärte ihr Bild mit den Worten: „Wir sind in unserem Team je zwei Kinder, die in Deutschland und die in Russland geboren sind. Ich will, dass wir Freunde sind.“ Ihre Äußerung hat mich bewegt, denn ich habe mich gefragt, was sie denn wohl zu dieser Aussage veranlasst hat.

Die Kleine stammt aus einer russlanddeutschen Familie aus der sibirischen Großstadt Omsk und ist mit ihren Eltern und ihren Großeltern vor acht Jahren nach Deutschland gekommen.

Wir haben in unserer Banter Kirchengemeinde seit dreißig Jahren viele Kontakte zu russlanddeutschen Familien. So habe ich auch viel über das Schicksal dieser Menschen erfahren. Während des Zweiten Weltkriegs wurden sie von Stalin zu Feinden erklärt, nur weil sie Deutsche waren. Sie wurden aus ihrer angestammten Heimat an der Wolga oder in der Ukraine weit in den Osten deportiert. Unter den unwürdigen Verhältnissen sind unzählige Menschen umgekommen. Einige mussten damals in Erdlöchern hausen, um zu überleben. Man zwang die Menschen in die sogenannte Trudarmee, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten. Alle standen unter der ständigen Kommandatur, d.h. sie durften ihren Ort in der Regel nicht verlassen. Jeder beschimpfte sie als „Fritzen“ und „Faschisten“ Erst nach Stalins Tod war es ihnen möglich, etwa nach Kasachstan umzusiedeln, um sich endlich ein eigenes Leben aufzubauen.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ergab sich die Möglichkeit, in das Land der Vorfahren, nach Deutschland zurückzukehren. Doch wurde man in Russland als „Deutsche“ beschimpft, folgte hier oft das Gegenteil, man bezeichnete sie als „Russen“. Doch die insgesamt ca. 2,5 Millionen Russlanddeutschen bewiesen eine große Bereitschaft, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren und es ist den meisten in wenigen Jahren auch gut gelungen. Wie bei jeder Einwanderungsgruppe gab es sicher auch hier Menschen, denen die Eingewöhnung schwerer fiel und die auch mit der deutschen Sprache nicht so gut zurechtkamen. So kam es, dass einige nur russische Medien konsumierten und daher auch Putins Ideologie aufgesessen sind.

Doch bitte bitte setzen wir nicht alle gleich!

Wir versammeln uns hier, um gemeinsam für den Frieden in der Ukraine zu beten. Putin hat das Interesse, unsere Gesellschaft zu spalten. Fallen wir nicht auf seine Propaganda herein, betrachten wir unsere Russlanddeutschen als die, die sie sind, unsere Nachbarinnen und Nachbarn, unsere Kolleginnen und Kollegen, ja und auch unsere Freundinnen und Freunde.

Ihre Familien haben viel durchgemacht und auf sich genommen und sich mit großem Einsatz in unsere Gesellschaft eingebracht, um mit uns gemeinsam als Deutsche zu leben.

Ein Beispiel aus unserer Gemeinde kommt mir vor Augen. Damals, Anfang der Neunziger Jahre, haben wir in unsere Kleiderkammer für die neu Eingewanderten geöffnet. Heute sind wir für die Ukrainerinnen und Ukrainer da und es ist von Bedeutung, dass wir unter den Ehrenamtlichen in der Kleiderkammer auch zwei russlanddeutsche Frauen haben. Wie gut, denn nicht alle Ukrainerinnen sprechen Englisch oder gar Deutsch. Russisch verstehen aber alle.

„Ich will, dass wir Freunde sind“, sagte die Konfirmandin, die einst mit ihrer Familie aus Omsk nach Deutschland gekommen ist. Ich habe ihren Worten nichts hinzuzufügen.

Intervention von Pastor Frank Moritz; Banter Kirche Wilhelmshaven, im ökumenischen Friedensgebet am Dienstag, 26. Juli 2022, in der Sankt WIllehad-Kirche. Zu den Friedensandachten wird seit Kriegsbeginn im Februar von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael eingeladen.

Willkommen zu den nächsten Rogate-Gottesdiensten und -Terminen in Berlin und Wilhelmshaven:

  • Sonntag 31. Juli 2022 | 10:00 Uhr, Eucharistie. Liturgie und Predigt: Br. Franziskus. Organist: Gabriel Pech. Lektor: Jürgen Doster. Kirchdienst: Gesine Schmithals. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.
  • Dienstag, 9. August 2022 | 19:00 Uhr. Vesper, das Abendgebet. Orgel: Malte Mevissen. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.
  • Dienstag, 9. August 2022 | 20:00 Uhr. (Mitgliederöffentliche) Mitgliederversammlung Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin e.V.. Ort: Pfarrhaus, Garten, An der Apostelkirche 3, Berlin-Schöneberg.
  • Donnerstag, 11. August 2022 | 19:30 Uhr. Komplet, das Nachtgebet. Orgel: Felicitas Eickelberg. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.
  • Donnerstag, 11. August 2022 | 20:00 Uhr. (Mitgliederöffentliche) Mitgliederversammlung Förderverein Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin e.V.. Ort: Pfarrhaus, Pfarrgarten, An der Apostelkirche 3, Berlin-Schöneberg.
  • Dienstag, 30. August 2022 | 18:00 Uhr, ökumenisches Friedensgebet anlässlich des Überfalls Russlands auf die Ukraine. Ort: St. Willehadkirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.
Bezirksevangelist Eike Rosentreter (von links), Lektorin Susanne Klenk, Pastoralreferentin Daniela Surmann, Bianca Bolle, Bürgermeisterin Gesche Marxfeld, Bruder Franziskus und Pastor Frank Moritz nach dem Friedensgebet am 26. Juli 2022 vor der Sankt WIllehad-Kirche (Bild: Klenk).

Friedensgebet in der Russlandkrise: Dienstag in der Sankt Willehad-Kirche Wilhelmshaven.

Zu einem ökumenischen Friedensgebet wird am Dienstag, 26. Juli 2022, in die Wilhelmshavener Sankt WIllehad-Kirche eingeladen. Anlass sind der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, aber auch wachsende Spannungen mit China in Asien und die weltweite Klimakatastrophe.

Beginn der Andacht um 18:00 Uhr in der Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven. An der Liturgie beteiligt sind u.a. Pastoralreferentin Daniela Surmann, Ratsfrau Heidi Bosse, Lektorin Susanne Klenk, Pastor Frank Moritz und Bruder Franziskus. Florian Bargen spielt die Orgel.

Zu den Friedensandachten wird seit Kriegsbeginn im Februar von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael eingeladen. Sie finden an jedem letzten Dienstag im Monat n der Nordseestadt statt.

Fünf Fragen an: Christiane Schulz, Brot für die Welt

Fünf Fragen an Christiane Schulz, Leiterin des Regionalbüros von „Brot für die Welt“ (BfdW) in Costa Rica, zu vielfältigen Visionen von Armut, lokalen Massnahmen gegen die Klimafolgen und die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine für Mittelamerika. Ein Interview von Florian Wiese im Rahmen des Rogate-Demokratieprojekts „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“.

Christiane Schulz, Brot für die Welt (Bild: privat)

Dr. Christiane Schulz ist Politikwissenschaftlerin und leitet die Verbindungsstelle von BfdW in Costa Rica seit Anfang 2018. Zuvor war sie beim Deutschen Institut für Menschenrechte verantwortlich für das Programm „Schutz vor gewaltsamem Verschwindenlassen“. Ihr geographischer Schwerpunkt liegt in Lateinamerika, ihr inhaltlicher Schwerpunkt bei den Menschenrechten.

Rogate-Frage: Sie arbeiten für „Brot für die Welt“. Was hat Sie in das Berufsfeld Entwicklungszusammenarbeit und schließlich nach Costa Rica geführt?

Christiane Schulz: Das Gewaltniveau in mehreren Ländern Zentralamerika zählt weltweit zu den Höchsten. Politische Entscheidungsträger agieren in unterschiedlichen Konstellationen mit Banden der organisierten Kriminalität und den wirtschaftlichen Eliten. Die in diesem Kontext entstehenden sozialen Konflikte werden seit Jahren gewaltsam unterdrückt. Vor Ort ansässige regional tätige Partnerorganisationen und die politische Stabilität in Costa Rica bieten das geeignete Umfeld, um von hier aus in den Ländern Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua zu arbeiten. Wir können dank der regionalen Nähe und Präsenz eng mit der hiesigen Zivilgesellschaft zusammen arbeiten. Ich habe bereits Anfang der 1990er Jahre Menschenrechtsarbeit in Guatemala geleistet und auch in den Folgejahren lag mein Arbeitsschwerpunkt in Lateinamerika. Nun habe ich die Möglichkeit der direkten Zusammenarbeit mit der hiesigen Zivilgesellschaft in ganz Zentralamerika und gleichzeitig übernehmen wir als regionale Verbindungsstelle von Brot für die Welt eine Brückenfunktion für die Anliegen der Partner nach Deutschland.

Rogate-Frage: Wie definieren Sie Entwicklungszusammenarbeit und welche Ziele verfolgt „Brot für die Welt“ damit konkret?

Christiane Schulz: Entwicklungszusammenarbeit beinhaltet vor allem das Schaffen von gleichberechtigten Zugängen zu Ernährung, Wohnraum, Gesundheit, Bildung – also zu einem menschenwürdigen Leben ohne Armut. Dabei gilt es die vielfältigen Dimensionen von Armut aufzuheben. Die Möglichkeiten, Veränderungen im Sinne der Betroffenen herbeizuführen, sind vielfältig und je nach Kontext unterschiedlich. In Guatemala beispielsweise fördert Brot für die Welt den Aufbau dezentraler kommunaler Minikraftwerke und sichert so eine Minimalversorgung mit Strom in entlegenen ländlichen Regionen. In El Salvador liegt ein Schwerpunkt der partnerschaftlichen Kooperation in der nachhaltigen Ressourcennutzung und Umsetzung agrarökologischer Praktiken. In Honduras begleitet eine Frauenorganisation Arbeiter*innen aus Teilfertigungsfabriken (Maquiladoras), um arbeitsrechtliche und gesundheitliche Missstände zu beheben. Wichtig ist neben der Umsetzung lokaler Maßnahmen vor Ort die regionale und überregionale Zusammenarbeit, um beispielsweise die Folgen des Klimawandels zu bearbeiten.

Rogate-Frage: Was genau macht eine „Brot für die Welt“-Verbindungsstelle und insbesondere Ihr Büro in Costa Rica?

Christiane Schulz: Die Verbindungsstelle von Brot für die Welt begleitet in Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica Partnerorganisationen. Das heißt wir führen den Dialog mit den Nicht-Regierungsorganisationen, bearbeiten die eingehenden Anträge und stehen während der Projektumsetzung in einem regelmäßigen Austausch mit den Partnerorganisationen. Maßnahmen der Rechenschaftslegung sichern die Transparenz über die Verwendung der Projektgelder. Wir unterstützen lokale Organisationen im Rahmen der finanziellen Förderung als auch der personellen Förderung, das heißt der Entsendung von Fachkräften. Zudem begleitet das Büro die lokalen Organisationen inhaltlich. Aktuell bearbeiten wir gemeinsam mit Partnerorganisationen vier inhaltliche Themenbereiche: Klimawandel, Migration, Schutz für Menschenrechtsverteidiger*innen, sowie der zunehmend eingeschränkte Handlungsspielraum der Zivilgesellschaft.

Rogate-Frage: Welche Art Projekte begleiten Sie aktuell in Zentralamerika und welche Ziele sollen erreicht werden?

Christiane Schulz: Der zentralamerikanische Kontext ist aktuell von vielfältigen Armutsproblematiken, gravierenden Folgen durch den Klimawandel bei einem gleichzeitig stark eingeschränktem Handlungsspielraum für zivilgesellschaftliche Akteure geprägt. Unter diesen Bedingungen sind insbesondere Maßnahmen wichtig, die die Ernährungssicherheit der Bevölkerung sichern, Aktivitäten zum Schutz vor Klimawandel und Menschenrechtsarbeit. Diese drei Bereiche stehen in einem engen Zusammenhang miteinander. Nur eine Überwindung der Armutsproblematik bietet der Bevölkerung auch mittel- und langfristige Perspektiven. Leider sind gerade jene, die sich an demokratischen Gestaltungsprozessen beteiligen und sich für die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte einsetzen, besonders häufig von Übergriffen durch staatliche oder private Akteure bedroht. Neben der lokalen Verbesserung der Lebenssituation muss es also auch darum gehen, sicher zu stellen, dass die Betroffenen aktiv und ohne Sorge um Leib und Leben an den entsprechenden politischen Prozessen zur Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens beteiligt sein können.

Rogate-Frage: Wie hat sich Ihr Arbeit vor Ort und die der von Ihnen betreuten Projekte durch die Corona-Pandemie und Russlands Angriffskrieg geändert und wird sich die Entwicklungszusammenarbeit durch diese multiplen Krisen verändern?

Christiane Schulz: Die Bevölkerung Zentralamerikas und jeweiligen Organisationen vor Ort waren und sind vielfältig von der Corona-Pandemie betroffen. Erstens ist das staatliche Gesundheitswesen hier schlecht ausgebaut. Es gab weder Desinfektionsmittel noch medizinische Masken, um sich vor der Ansteckung zu schützen. Der Zugang zu einer Behandlung im Krankheitsfall war und ist für die Bevölkerungsmehrheit nicht sichergestellt. Entsprechend hoch sind auch die Todesfälle, besonders in Guatemala. Hier sind über 18.000 an COVID Erkrankte verstorben. Zweitens gab es in fast allen Ländern der Region repressive Maßnahmen unter dem Vorwand die Pandemie einzuschränken: Personen die sich angeblich ohne Berechtigung im auf der Straße bewegten, wurden willkürlich in sogenannte Quarantänelager gesteckt, die Hafteinrichtungen glichen. Viele Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. Während der Pandemie verwüsteten zudem im November 2020 zwei Tropenstürme weite Landstriche von Nicaragua und Honduras sowie in Guatemala. Die Infrastruktur, Straßen, Brücken, Krankenhäuser, Schulen, Wohnraum wurde ebenso zerstört wie die Ernte. Die Schäden sind bis heute nicht behoben.

Diese prekäre Situation wird durch die Folgen des Angriffskrieges von Russland auf die Ukraine weiter verschärft. Lieferengpässe sowohl für Industriegüter als auch für Düngemittel verschlechtern die wirtschaftliche Situation. Die Inflationsraten sind seit Beginn der Pandemie extrem gestiegen. Für weite Teile der Bevölkerung in Zentralamerika bedeutet dies, dass sie Hunger leiden und unter den vielfältigen Folgen von Armut leiden.

Rogate: Vielen Dank, Frau Schulz, für das Gespräch!

Weitere Interviews in der Reihe Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de.


Willkommen zu unseren nächsten Rogate-Gottesdiensten und Terminen:

  • Freitag, 15. Juli 2022 | 19:30 Uhr, „Wenn ich ein Engel wäre, dann….“, ökumenischer Eröffnungsgottesdienst zum 28. lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin. Predigt: Pfarrer_in Anna Trapp, Evangelischer Pfarrsprengel Bad Wilsnack. Mitwirkende: Christopher Schreiber (Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg e.V.), Dekan Ulf-Martin Schmidt (Alt-katholische Pfarrgemeinde Berlin), Pfarrer Burkhard Bornemann (Evangelische Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde) und Br. Franziskus (Rogate-Kloster). Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.
  • Dienstag, 26. Juli 2022 | 18:00 Uhr, ökumenisches Friedensgebet anlässlich des Überfalls Russlands auf die Ukraine. Die Friedensgebete werden getragen von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael. Ort: St. Willehadkirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.
  • Sonntag 31. Juli 2022 | 10:00 Uhr, Eucharistie. Predigt: Br. Franziskus. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.
  • Sonntag, 4. September 2022 | 10:00 Uhr, Eucharistie. Predigt: Br. Franziskus. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.

Russlandkrise: Ukraine-Friedensgebet der Wilhelmshavener Ökumene am Dienstag.

Die wöchentlich durchgeführten Ukraine-Friedensgebete in der Sankt Willehad-Kirche enden am Dienstag, 31. Mai, 18:00 Uhr. Die Andacht wird zusätzlich über den Youtube-Kanal der Gemeinde gestreamt. 

Seit dem Ausbruch des russischen Angriffskrieges haben die Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael dazu eingeladen und sich mit verschiedenen Vertreter*innen beteiligt. 

Künftig soll es einen monatlichen Friedensgottesdienst am letzten Dienstag im Monat geben. Der erste Termin ist am 28. Juni.

Ort: St. Willehadkirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.

Übersicht der Friedensgebete auf dem Youtube-Kanal der Sankt-Willehad-Gemeinde Wilhelmshaven.

Hier die Aufzeichnung des Friedensgebetes vom 31. Mai 2022:

Heide Grünefeld: Versuchen wir weiter, Teil der guten Nachrichten zu sein.

Heide Grünefeld (Bild: privat)

Ich soll in Worte kleiden, was mich bewegt. Ein Thema herausgreifen, einen Aspekt, ihn beleuchten und darüber hier sprechen. Etwas, das wichtig ist gerade, und etwas, was vermutlich nicht nur mich bewegt, sondern auch Sie.

Aber wissen Sie was? Ich weiß nicht, was ich hier sagen kann oder sollte oder müsste. Es ist so viel gerade, ich kann die Dinge in meinem Kopf nicht mehr sortieren, die Bilder nicht mehr verarbeiten, die Aufgaben nicht mehr priorisieren, die Herausforderungen nicht mehr bewältigen, so scheint es mir. Es ist so viel.

Ich arbeite bei der Migrationsberatung im Diakonischen Werk. Die Ukraine beschäftigt uns, die abendlichen Nachrichten übersetzen wir in Zahlen und Aufgaben und sie erreichen uns in menschlichen Schicksalen.

Ich habe vor zwei Wochen hier bereits berichtet von den Menschen, die vor einigen Jahren zu uns geflüchtet sind, aus verschiedensten Ländern, und die jetzt getriggert sind und verängstigt vom Krieg in der Nachbarschaft. Ich könnte berichten von ihren Ängsten jetzt, nun Flüchtlinge zweiter Klasse zu sein, als Muslime, als diejenigen, die vielleicht schon einige Jahre hier sind, und immer noch nicht auf die Beine gekommen sind und sich schwer tun mit Sprache, Arbeit, Kultur und die nun damit rechnen müssen, kaum noch Toleranz von den Deutschen zu erhalten, denn „nun müssten sie doch so langsam mal wirklich…“. Ich könnte berichten von denen, die immer noch im Mittelmeer ertrinken.

Ich könnte berichten von den neuen Fluchtgeschichten der Ankommenden aus der Ukraine, von ihrer Reise, ihrer Müdigkeit, ihrer Sorge um die Männer und Verwandten, die noch in der Ukraine sind. Ich könnte berichten von Ihrer Fassungslosigkeit und Verzweiflung darüber, dass sie zu Flüchtlingen ohne ein Zuhause geworden sind. Jede Geschichte einzigartig und neu und doch immer von den gleichen Farben der Angst und Erschöpfung unterlegt.

Ich könnte sprechen über die Kriege und Krisen, die in der Welt gerade weniger gesehen werden, Afghanistan, Sudan, Syrien, Eritrea, Myanmar, Irak, Jemen.

Und ich muss all das ja nur sehen und hören und nicht selber durchleiden. Da sollte es mir doch gut gehen, denke ich.

Aber es ist trotzdem schwierig, weil die Probleme so riesengroß sind, das man nicht mehr weiß, wo man anfangen soll, und der Klimawandel ist da, und Corona, und dann sind da ja auch immer noch die Fragen nach vielen alltäglichen Problemen, die ja auch nicht plötzlich weg sind.

Es ist zu viel. Und ich gestehe, wenn es mir zu viel wird, dann wird mein Beten wütend, und ich vergreife mich im Ton und herrsche unseren Gott an und werde laut. „Siehst Du es nicht? Wir Menschen verreißen es hier völlig, tu doch was, wo bist Du?

Und dann wünschte ich, ich könnte eine Stopptaste drücken, und alles würde innehalten, und ich könnte mich mit einem Kaffee in die Sonne setzen und den Vögeln zuhören und den Wolken zusehen und ich würde an gar nichts denken und gar nichts tun. Außer: Ein – und wieder ausatmen.

Nun, das mit der Stopptaste funktioniert nicht, aber das Innehalten, das ist wichtig. Denn dann wird mein Blick wieder klarer.

Und ich kann sie wieder sehen, die anderen Nachrichten. Und ich höre Gott antworten, der sagt, oh doch, ich war nie weg, sieh hin. Ich kann zwischen den Bildern der Flüchtenden auch wieder die Helfenden sehen, die Suppe und Getränke reichen, die Betten bauen und Transfers einrichten.

Ich kann sie sehen, die Menschen, die sich sogar in Russland immer wieder öffentlich gegen den Krieg und gegen die Regierung stellen, obwohl es lebensgefährlich ist. Menschen demonstrieren, erklären ihre Solidarität mit der Ukraine, mit ukrainischen Freunden und Verwandten. Viele hier lebende russischstämmige Menschen haben uns ihre Hilfe beim Dolmetschen zugesagt und den Krieg gegen die Ukraine scharf verurteilt.

In Moskau hat sich eine Mitarbeiterin des staatlichen Fernsehens während der Live-Nachrichten mit einem „Stop war“ Schild hinter die Sprecherin gestellt, haben Sie es gesehen? Unglaublich, was es für mutige Menschen gibt.

Syrische Migranten, die für mich häufiger bei neu ankommenden arabisch sprechenden Flüchtlingen dolmetschen, sagten die Tage zu mir, ich könne sie auch bei den Ukrainern anrufen. Sprechen können sie dann zwar nicht mit ihnen, aber sie wüssten, was Flüchtlinge hier brauchen, wenn sie neu ankommen, das bekämen sie auch ohne Sprache hin.

Ein deutscher Anrufer bei mir im Büro antwortet auf meine Frage, wie lange er die ukrainische Familie, die er bei sich beherbergt, weiter unterbringen kann, mit „Das kann ich ja nun nicht sagen, wie lange es da unten dauert“. sagt er. „Das wissen wir ja nicht. Wir kommen hier schon klar.“ Ganz undramatisch und bescheiden sagt er zu mir: „Na, rufen Sie man an, wenn Sie noch mehr Leute unterbringen müssen, ein paar kriegen wir hier schon noch unter.

Und wenn ich noch ein bisschen weiter ein und ausatme, dann sehe ich die Menschen wieder mit anderem Blick. Und kann mich wieder freuen über die Freundlichkeit der Sachbearbeiterin am Telefon. Ich ärgere mich weniger über politisch aggressive Statements, sondern freue mich über jede einzelne kluge und demonstrative Gegenstimme. Ich sehe sie wieder, die Menschen, die besonnen bleiben und ruhig und die weiter versuchen, das Beste zu geben, jeden Tag.

Und dann entschuldige ich mich für meinen Tonfall und sage, ok, Gott, tut mir leid. Es geht wieder.

Versuchen wir weiter, Teil der guten Nachrichten zu sein. Einen anderen Weg gibt es nicht.

Und Du Gott, bist da, am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Theologin Heide Grünefeld, Migrationsberaterin des Diakonischen Werks Friesland-Wilhelmshaven, im Ukraine-Friedensgebet am 15. März 2022 in der Sankt Willehad-Kirche Wilhelmshaven.

Heide Grünefeld im Ukraine-Friedensgebet am 15. März 2022 in der Sankt Willehad-Kirche Wilhelmshaven.


Willkommen zum nächsten Friedensgebet in Wilhelmshaven:

  • Dienstag, 26. April 2022 | 18:00 Uhr, ökumenisches Friedensgebet anlässlich des Überfalls Russlands auf die Ukraine. Die Friedensgebete werden getragen von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael. Ort: St. Willehadkirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.

Martin Ehlers: Wir sind nicht tatenlos. Aber, haben wir genug getan?

Es ist Krieg mitten in Europa. Mitten unter uns geschieht das Unfassbare. Russland überfällt die Ukraine. Russland zieht über Monate hinweg Truppen an der Grenze zur Ukraine zusammen. Die Warnungen sind nicht zu übersehen. Die westlichen Demokratien versuchen auf allen diplomatischen Kanälen, Putin zum Truppenabzug zu bewegen.

Ratsherr Martin Ehlers (Bild: privat)

Wir sind nicht tatenlos. Aber, haben wir genug getan?

Vier Tage nach dem Ende der Olympischen Winterspiele am 24. Februar 2022 greift Russland die Ukraine trotz aller diplomatischen Bemühungen an. Wir sind am Morgen des 24. Februar in einer Welt aufgewacht, die Putin so wollte, die wir aber nicht wahrhaben wollten. Westliche Demokratien beginnen, der Ukraine Waffen zu liefern. Panzerfäuste, Flugabwehrwaffen, Maschinengewehre, Helme, Schutzwesten und Sanitätsmaterial.

Wir sind nicht tatenlos. Aber, haben wir genug getan?

Putin droht der NATO mit nie dagewesenen Konsequenzen, wenn sie der Ukraine militärisch beisteht. Die westlichen Demokratien verhängen Sanktionen gegen Russland. Die Ukraine erhält wirtschaftliche Hilfen. Der Westen schließt aber eine militärische Beteiligung bei der Verteidigung der Ukraine kategorisch aus. Aus Angst vor Putins Drohkulisse will der Westen nicht provozieren.

Wir sind nicht tatenlos. Aber, haben wir genug getan?

Russland führt einen Krieg gegen Städte. Wohnviertel, Krankenhäuser, Schulen und die technische Infrastruktur wie Gas-, Wasser und Stromleitungen werden angegriffen. Zivile menschliche Opfer werden dabei in die Angriffe einbezogen. Die Staaten in West- und Mitteleuropa nehmen Millionen geflüchteter Ukrainerinnen und Ukrainer, darunter viele Kinder auf. Ein schier unendlich großes Engagement von Helferinnen und Helfern ist für die verzweifelten Menschen aus der Ukraine da, um ein kleines Licht in dieser Dunkelheit zu spenden.

Wir sind nicht tatenlos. Aber, haben wir genug getan?

An dieser Stelle danke ich aber ausdrücklich den vielen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Helferinnen und Helfern, die bei der Feuerwehr, dem THW, den Wohlfahrtsverbänden, der Stadt Wilhelmshaven sowie den ungezählten privaten Initiativen alles tun, um die bei strandenden Menschen aus der Ukraine aufzufangen.

Seit sechs Wochen herrscht Krieg in der Ukraine. In den vergangenen Tagen erreichen uns verstörende Bilder von ermordeten, zum Teil gefesselten Frauen, Männern und Kindern aus der Stadt Butscha. Am Straßenrand liegen Leichen, Massengräber mit Frauen, Männern und Kindern wurden entdeckt. Die westlichen Staaten erhöhen den Druck auf Russland, liefern noch mehr Waffen an die Ukrainer, weisen russische Diplomaten aus und kündigen schärfere Sanktionen an.

Wir sind nicht tatenlos. Aber, haben wir genug getan?

Russland führt einen Vernichtungskrieg. Für Putins Armee sind Zivilisten ein militärisches Ziel. Mariupol wird völkerrechtswidrig ausgehungert und bombardiert. Die Vernichtung der Ukraine ist das Ziel. Die gesamte Bandbreite von Kriegsverbrechen geschieht vor unseren Augen in Europa. Politiker der westlichen Welt sprechen davon, dass Rote Linien überschritten wurden. Die führenden Politiker aus NATO und EU treffen sich.

Wir sind nicht tatenlos. Aber, tun wir das Richtige?

Die Hoffnungslosigkeit der Menschen wird immer größer. Viele von uns haben Geld gespendet, vielleicht haben sie auch Geflohene aufgenommen oder haben versucht, einem Menschen aus der Ukraine Trost zu spenden. Wir demonstrieren zu Hunderttausenden für den Frieden und versammeln uns zu Gebeten.

Wir sind nicht tatenlos. Aber, haben wir genug getan?

Der nächste Putin wartet schon und schaut genau, wie die freie Welt in dem Kampf der Ukraine um Freiheit, Unabhängigkeit und Demokratie agiert und wo unsere Schwächen sind.

Wir brauchen jetzt Mut, unser Land auf große Kraftanstrengungen vorzubereiten. Was muss noch passieren, dass wir aus unserer Komfortzone herauskommen.

Vor diesem Hintergrund ist ein von mir in Bezug auf die Ukraine abgewandeltes Zitat von Ernst Reuter aus dem Jahre 1948 zum Zeitpunkt der Berlinblockade durch die Sowjetunion in den Sinn gekommen: „Ihr Völker der Welt schaut auf dieses Land und schaut auf dieses Volk und erkennt, dass ihr dieses Land und dieses Volk nicht preisgeben könnt und nicht preisgeben dürft.“ Damit rief er der freien Welt zu, ihr dürft uns nicht im Stich lassen! Die Ukraine braucht jede Unterstützung, die die Gemeinschaft der freien und demokratischen Staaten leisten kann. Die Menschen brauchen die Unterstützung, die jeder einzelne von uns leisten kann. Wir dürfen die Ukraine nicht im Stich lassen.

Das gilt heute, das galt aber schon vor sechs Wochen und das gilt auch in Zukunft. Das unermessliche Leid der Ukraine mahnt uns.

Wir sind nicht tatenlos. Aber, tun wir genug? Ich bin nicht tatenlos. Aber, tue ich genug?

Martin Ehlers, Ratsherr und Vorsitzender der CDU Wilhelmshaven, am 5. April 2022 im ökumenischen Friedensgebet anlässlich des Überfalls Russlands auf die Ukraine in der Sankt Willehadkirche zu Wilhelmshaven.

Die nächsten geplanten Rogate-Gottesdienste in Jever, Wilhelmshaven und Berln:

Jever, Friesland.

Wilhelmshaven, Niedersachsen.

  • Karwoche, Dienstag, 12. April 2022 | 18:00 Uhr, ökumenisches Friedensgebet anlässlich des Überfalls Russlands auf die Ukraine. emeindeglieder der Kirche St. Maria und St. Mauritius (Koptisch-orthodoxe Gemeinde) singen eine Friedensbitte. Die Friedensgebete werden getragen von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael. Ort: St. Willehadkirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.

Berlin, Schöneberg.

  • Ostersonntag, 17. April 2022 | 10:00 Uhr, Eucharistie. Predigt: Br. Franziskus. Lektorendienst: Jürgen Doster. Kirchdienst: Gesine Schmithals. Orgel: Harald Klaus. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.
  • Sonntag Rogate, 22. Mai 2022 | 10:00 Uhr, Eucharistie. Orgel: Martin Küster. Lektor: Jürgen Doster. Kirchdienst: Jörg Freudenberg. Liturgie und Predigt: Br. Franziskus. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.

Heide Grünefeld: Wir werden Kraft brauchen.

Großer Gott. Die Nachrichten fluten in unsere Wohnungen und in unsere Gedanken. Worte wie Invasion, Angriff, Raketen, Bomben, Flucht, Angst. Was für die einen kaum vorstellbar ist, ist für andere viel zu gut vorstellbar.

Heide Grünefeld (Bild: privat)

Die Menschen, die den 2. Weltkrieg hier noch erlebt haben, aber auch diejenigen, die zu uns geflohen sind vor anderen Kriegen, sehen in den täglichen Fernsehbildern ihre eigene Geschichte.

Viele Menschen sind in den letzten Jahren zu uns geflohen, aus Afghanistan, Irak, Syrien, Eritrea und vielen anderen Ländern. In ihren Ländern herrschte Gewalt, Terror, Chaos.

Die Angst und die Verzweiflung trieb sie von zuhause fort, nach Europa, dem sicheren, stabilen, reichen Europa. Dem Europa, das niemand mit Krieg und dem Elend vieler anderer Länder in Verbindung bringt. Einem Europa, in dem wir uns sicher wähnten. In dem wir Frieden und Gerechtigkeit, einklagbare Rechte und eine sichere Grundversorgung als selbstverständlich erachten. Einem Europa, in dem wir politische Spannungen und Auseinandersetzungen mit Sorge, aber mit dem festen Glauben an Diplomatie und Verhandlungen beobachten.

Und plötzlich ist Krieg, keine zwei Flugstunden von uns entfernt. Und die Bilder des Krieges sind Bilder, wie sie in jedem Krieg, in jedem Land, zu jeder Zeit zu sehen sind. Menschen, die fliehen, vor Gewalt und Waffen. Menschen, die verzweifelt sind, die Angst haben, die sich um Angehörige und Freunde sorgen, die dem Tod bereits begegnet sind. Und es ist letzten Endes egal, ob wir Bilder von 1940 oder 2022 sehen, ob es Bilder aus Deutschland, aus Afghanistan, aus Syrien oder aus der Ukraine sind. Das Leid und die Angst der Menschen sind immer dieselben. Und der Machthunger der Regierenden auch.

Die Menschen, die zu uns gekommen sind, als Flüchtlinge, um in Deutschland ein sicheres Zuhause zu finden, hatten gehofft, diese Bilder hier nicht mehr sehen zu müssen. Nun sind sie angespannt, hochgefahren, voller Schrecken. Sie kennen den Krieg. Sie wissen um seine Grausamkeit, sie wissen um die Gefährlichkeit von Raketen und Bomben, sie wissen, wie es ist, zu hungern und zu fliehen. Und sie wissen, dass die Verlierer stets die normalen Menschen sind.

Eine Syrerin sagte vor wenigen Tagen zu mir: „Diese Bilder im Fernsehen, ich kann sie nicht mehr sehen. Ich wollte sie nie wiedersehen, nicht hier. Ich bin kann nicht mehr, ich kann das nicht nochmal. Der Krieg darf nicht hierherkommen. Ich bin zu müde für einen neuen Krieg.

Ein anderer Syrer sagte: „Wieder Putin. Wir haben seinen Namen fürchten gelernt, als er das syrische Regime unterstützt hat. Und jetzt ist er wieder auf allen Bildschirmen. Ich wünschte, ich müsste seinen Namen nie wieder hören.

Ein Bekannter mit ukrainischer Familie sagt: „Mein Bruder ist geflohen. Er ist unterwegs. Ich weiss nicht, wo er ist. Grosser Gott. Es ist sehr schwer.

Ein eritreischer Flüchtling sagte mir: „Die Menschen sind so schlimm. Überall auf der Welt. Ich kann nicht mehr an das Gute glauben. Überall Tod und Waffen.

Großer Gott. Wir werden Kraft brauchen. Kraft, um die zu stützen, deren Wunden wieder aufbrechen, weil ein neuer Krieg so nahe ist. Kraft, um neue Menschen aufzunehmen und ihnen eine Heimat zu geben.

Kraft, um den Glauben an Diplomatie und Frieden nicht zu verlieren. Kraft, um neben der Klimakrise und der Corona–Pandemie eine neue, furchterregende Aufgabe anzugehen.

Ich habe keinen Krieg erlebt. Ich bin sicher und behütet aufgewachsen. Aber die Menschen, die vor anderen Kriegen hierher geflohen sind, haben mich gelehrt, wie sehr ich den Krieg fürchten muss und wie sehr ich unsere Freiheit und Demokratie schätzen und verteidigen muss.

Grosser Gott, ich will glauben, dass Du bei uns bist. Ich will glauben, dass Du bei denen bist, die fliehen, und bei denen, die die Nachrichten nicht mehr ertragen. Ich will glauben, dass Du bei denen bist, die weltweit demonstrieren und sich für den Frieden erheben. Ich will glauben, dass diejenigen, die Spenden sammeln, Hilfe anbieten und dem Nächsten die Hand reichen die Mehrheit sind. Ich will glauben, dass Du bei uns bist, alle Tage, bis an der Welt Ende.

Theologin Heide Grünefeld, Migrationsberaterin des Diakonischen Werks Friesland-Wilhelmshaven, im Ukraine-Friedensgebet am 1. März 2022 in der Sankt Willehad-Kirche Wilhelmshaven.

Hörbar: Die Ansprache von Heide Grünefeld im ökumenischen Friedensgebet am 1. März 2022 in der St. Willehad-Kirche zu Wilhelmshaven.


Die nächsten geplanten Rogate-Gottesdienste in Jever, Wilhelmshaven und Berln:

Jever, Friesland.

Wilhelmshaven, Niedersachsen.

  • Dienstag, 12. April 2022 | 18:00 Uhr, ökumenisches Friedensgebet anlässlich des Überfalls Russlands auf die Ukraine. emeindeglieder der Kirche St. Maria und St. Mauritius (Koptisch-orthodoxe Gemeinde) singen eine Friedensbitte. Die Friedensgebete werden getragen von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael. Ort: St. Willehadkirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.

Berlin, Schöneberg.

  • Ostersonntag, 17. April 2022 | 10:00 Uhr, Eucharistie. Predigt: Br. Franziskus. Lektorendienst: Jürgen Doster. Kirchdienst: Gesine Schmithals. Orgel: Harald Klaus. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.

Astrid Zaage: Die Welt ist zusammengerückt.

Frieden in Europa, bis vor einer Woche war dies für uns eine Selbstverständlichkeit, aber wir alle mussten mit Entsetzen feststellen, dass ein einziger machtgieriger Despot ausreicht, um unser Weltbild auf den Kopf zu stellen.

Bürgermeisterin Astrid Zaage (Wilhelmshaven) im ökumenischen Friedensgebet am 1. März 2022 (Bild: Screenshot Youtube-Kanal der Sankt Willehad-Gemeinde)

Krieg in Europa ist seit fünf Tagen eine Gewissheit, die für uns alle unfassbar ist. Unsere Gedanken sind bei den mutigen Menschen, bei den Frauen, Männern und jungen Erwachsenen die sich mutig der russischen Armee entgegenstellen und Frieden, Freiheit und Demokratie zu verteidigen. Menschen, die entschlossen für ihre Rechte kämpfen und sich verbittert gegen Unterdrückung und Machtherrschaft wehren.

Unsere Gebete gelten den Vätern, Müttern und Kinder, die in einen Angriffskrieg Putins hineingezogen wurden, wobei sie nur in Frieden leben wollten.

Das größte Land in Europa wird durch Granaten in Schutt und Asche gelegt. All das was die Menschen sich in Generationen aufgebaut haben, ist über Nacht verschwunden. Menschen verlieren ihr Leben in einem völlig sinnlosen Krieg. Es gibt keine Rechtfertigung für einen Krieg, im 21 Jahrhundert müssen Konflikte durch Diplomatie und niemals durch Waffen gelöst werden. 

Aber die Welt hat sich erhoben, und in einer beispiellosen Protestwelle wird rund um den Erdball für Frieden, Freiheit und ein Ende des Krieges in Europa demonstriert.

Die Welt ist zusammengerückt und steht Schulter an Schulter mit der Bevölkerung der Ukraine. Länder wie zum Beispiel Polen und Ungarn, die sich immer strikt geweigert haben, Flüchtlinge aufzunehmen, stehen jetzt an Ihren Landesgrenzen und empfangen die Geflüchteten mit offenen Armen.

Auch wir hier in unserer Stadt sind bereit, wir haben Platz und werden allen helfen, wo wir nur können.  

Der Krieg muss beendet werden sofort, Herr Putin ziehen sie Ihre Armee zurück, und lassen Sie die Menschen in Europa wieder in Frieden und Freiheit leben.

Bürgermeisterin Astrid Zaage (Wilhelmshaven) am 1. März 2022 im ökumenischen Friedensgebet in der Sankt Willehad-Kirche zu Wilhelmshaven. Die Friedensgebete werden getragen von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael.
Bürgermeisterin Astrid Zaage (Wilhelmshaven) am 1. März 2022 im ökumenischen Friedensgebet

Die nächsten Rogate-Gottesdienste und Gebete:

Wilhelmshaven, Niedersachsen.

  • Dienstag, 5. April 2022 | 18:00 Uhr, ökumenisches Friedensgebet anlässlich des Überfalls Russlands auf die Ukraine. Intervention: Ratsherr Martin Ehlers (CDU Wilhelmshaven). Liturgie: Pastor Frank Moritz (Banter Kirche), Kaplan George Thomas (Sankt Willehad), Monika Stamm (Caritas) und Br. Franziskus (Rogate-Kloster). Diakon Dr. Roushdy Tadros Michael und ein Gemeindechor von St. Maria und St. Mauritius (Koptisch-orthodoxe Kirchengemeinde) singen eine Friedensbitte. Die Friedensgebete werden getragen von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael. Ort: St. Willehadkirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.

Jever, Friesland. Termine des Demokratieprojektes „FrieslandVisionen: Wie wollen wir morgen leben?“

Berlin, Schöneberg.

  • Ostersonntag, 17. April 2022 | 10:00 Uhr, Eucharistie. Predigt: Br. Franziskus. Lektorendienst: Jürgen Doster. Kirchdienst: Gesine Schmithals. Orgel: Harald Klaus. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.