Seitenblick: 40 Tage. 40 Kreuze. Passionszeit.

Die Kirchhöfe der evangelischen Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde zu Schöneberg zeigen an jedem Tag der diesjährigen Passionszeit ein Bild eines Kreuzes von den drei gemeindeeigenen Friedhöfen, um an das Leiden Christi zu erinnern. Sie finden die Passions-Kreuz-Seite auf Facebook hier.

Passionszeit bezeichnet die Zeit vom Aschermittwoch bis zum Karsonnabend. 40 Tage der Besinnung und der Neuorientierung auf dem Weg zur Keuzigung (Karfreitag) und der Auferstehung (Ostermorgen). Unterbrochen wird die Fastenzeit durch die Feier der Sonntage, die nicht als Fastentage begangen werden. Denn hier wird der Sieg Jesu über alle finsteren Mächte gefeiert. Daher ist die Dauer der Fastenzeit von alters her ohne die Sonntage gezählt worden, und man kommt so auf ein Dauer von 40 Tagen (Quadragesimae). Diese Zahl erinnert an Mose (er blieb 40 Tage auf dem Berg Sinai – 2. Mose 24, 18), Elia (er wanderte 40 Tage durch die Wüste – 1. Kön 19, 8) und Jesus Christus (er fastete 40 Tage, bevor er vom Satan versucht wurde – Mt 4, 1-11).

Seitenblick: Begas-Ausstellung in der Zwölf-Apostel-Kirche.

Reinhold Begas war der bekannteste und produktivste Bildhauer des Kaiserreiches, er galt als Vertreter des Berliner Neubarocks. Er war hauptsächlich daran beteiligt, dass dieser Kunststil in Berlin hoffähig wurde.

Fotos seiner Werke sind in einer Ausstellung in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1 in Schöneberg, zu sehen. Bis Ende November 2011 zeigen zehn Aufnahmen eine Spurensuche des bildhauerischen Erbes von Begas im Berliner Stadtgebiet. Zu seinen in Berlin noch erhaltenen Hauptwerken gehören das Schiller-Denkmal am Gendarmenmarkt, das Denkmal von Alexander von Humboldt, der Neptunbrunnen und das Bismarckdenkmal.

Begas besaß ein Atelier auf dem Gewerbearsenal in der Naumannstraße. Nur wenige Meter davon, auf dem gemeindeeigenen Alten-Zwölf-Apostel-Kirchhof in der Kolonnenstraße, befindet sich die schlichte Grabstätte Reinhold Begas’ und seiner Frau Margarethe.

Mehr zur Foto-Ausstellung und über den Fotografen finden Sie hier. Die Ausstellung ist ab Morgen bis zum 1. Advent, 28. November, in der Gemeindekirche zu sehen. Öffnungszeiten: Nach den Gottesdiensten sowie sonnabends, 11.oo bus 15.oo Uhr.

Seitenblick: Schweigen gegen das Morden in Syrien.

Aus Solidarität mit den friedlichen Demonstranten, die derzeit in Syrien von Präsident Assads Regime brutal niedergeschlagen werden, fand heute vor der Berliner Botschaft eine Schweige-Demonstration der Jungen Liberalen Berlin statt. Prominentester Teilnehmer war der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning.

Hier Eindrücke von der Aktion:

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Seitenblick: Stolperstein-Verlegungen in der Motzstraße.

In der Schöneberger Motzstraße in Berlin fanden am 5. August 2011 zwei Stolperstein-Verlegungen zum Gedenken an Albrecht von Krosigk und Otto Hampel statt. Die Motzstraße gehört zum Gemeindebezirk unserer gastgebenden Kirchengemeinde.

Am 14. Dezember 1892 kam Albrecht von Krosigk in Gnesen zur Welt. Die Nationalsozialisten nahmen ihn wegen des Verstoßes gegen § 175 StGB mehrfach in sog. „Schutzhaft“. Nach einem Aufenthalt im Konzentrationslager Fuhlsbüttel entmündigt, verurteilte ihn das Landgericht Berlin zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis mit anschließender Einweisung in eine sog. Heil- und Pflegeanstalt. Am 22. Mai 1942 verstarb Albrecht von Krosigk in der Heil- und Pflegeanstalt Bernburg an einer „rasch voranschreitenden Lungenentzündung“, wobei nicht auszuschließen ist, dass Albrecht von Krosigk einer Euthanasieaktion zum Opfer fiel. Eingeladen hatte zu dieser Stolpersteinverlegung der in der Keithstraße beheimatete Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD).

Hier die Ansprache für Herrn von Krosigk:

Im Anschluss erfolgte vor der Motzstr. 30 eine Stolpersteinverlegung für Otto Hampel. In Breslau kam er am 14. Mai 1895 zur Welt. Die Gestapo nahm ihn und seinen Freund Anfang 1937 fest. Das Amtsgericht Berlin verurteilte ihn wegen „fortgesetzten Vergehens gegen § 175 Reichsstrafgesetzbuch“ zu einer Haftstrafe. Nach seiner Entlassung aus der Haft wurde Otto Hampel willkürlich und ungerechtfertigt in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Mehr als zwei Jahre lang versuchte er durch mehrere Entlassungsanträge seine Freiheit wiederzuerlangen. Am 30. März 1940 wurde Otto Hampel im Alter von 44 Jahren in der Tötungsanstalt Brandenburg ermordet.

Hier die Ansprache für Herrn Hampel:

Der Stolperstein für Albrecht von Krosigk liegt vor der Motzstraße 9, der für Otto Hampel vor der Nummer 30.

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Mit diesen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnorten der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen.

Demnigs Intention ist unter anderem, den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, soll auch eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein. Außerdem soll die Markierung der Tatorte häufig mitten in dichtbesiedelten Bereichen die von einigen Zeitzeugen vorgebrachte Schutzbehauptung, dass man von den Deportationen nichts mitbekommen habe, in Frage stellen.
Trotz des Namens Stolpersteine geht es Demnig nicht um ein tatsächliches „Stolpern“. Er zitiert auf die Frage nach dem Namen des Projektes gerne einen Schüler, der nach der Stolpergefahr gefragt antwortete: „Nein, nein man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen“.

Seitenblick: Mit Sylter Evangeliums-Betrachtungen durch diese Woche.

In dieser Woche legte Pastorin Susanne Zingel das Tagesevangelium im Domradio aus. Die Geistliche wirkt im nordfriesischen Dorf Kampen auf der Wattseite und lässt die besondere Lage auf der Nordseeinsel auch spirituell wirken:

Montag: In jener Zeit sagten einige Schriftgelehrte und Pharisäer zu Jesus: Meister, wir möchten von dir ein Zeichen sehen. Er antwortete ihnen: Diese böse und treulose Generation fordert ein Zeichen, aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Innern der Erde sein. Die Männer von Ninive werden beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie haben sich nach der Predigt de Jona bekehrt. Hier aber ist einer, der mehr ist als Jona. Die Königin des Südens wird beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Hier aber ist einer, der mehr ist als Salomo. (Mt 12,38-42)

Dienstag: In jener Zeit, als Jesus noch mit den Leuten redete, standen seine Mutter und seine Brüder vor dem Haus und wollten mit ihm sprechen. Da sagte jemand zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir sprechen. Dem, der ihm das gesagt hatte, erwiderte er: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter. (Mt 12,46-50)

Mittwoch: An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. Wer Ohren hat, der höre! (Mt 13,1-9)

Donnerstag: In jener Zeit kamen die Jünger zu Jesus und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? Er antwortete: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu erkennen; ihnen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluß haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen, weil sie hören und doch nicht hören und nichts verstehen. An ihnen erfüllt sich die Weissagung Jesajas: Hören sollt ihr, hören, aber nicht verstehen; sehen sollt ihr, sehen, aber nicht erkennen. Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden, und mit ihren Ohren hören sie nur schwer, und ihre Augen halten sie geschlossen, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören, damit sie mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen, damit sie sich nicht bekehren und ich sie nicht heile. Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören. Amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört. (Mt 13,10-17)

Freitag: Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Maria stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wußte aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich  nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen: Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte. (Joh 20,1-2.11-18)

Sonnabend: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, daß ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet. (Joh 15,1-8)

Seitenblick: Kardinal von Galen predigte für das Leben.

Der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, ist nicht zum Widerständler geboren. Doch 1936 wandelte er sich im Gegensatz zu vielen anderen Kirchenführern zum bedeutendsten katholischen Feind des NS-Regimes. Vor 70 Jahren hielt von Galen in Münster die erste seiner drei berühmten Predigten (13. Juli 1941 – St. Lamberti, 20. Juli 1941 – Überwasserkirche, 3. August 1941 – St. Lamberti) gegen den Nationalsozialismus. Mehr dazu im heutigen Kalenderblatt des Deutschlandradios.

Am 9. Oktober 2005 wurde der ehemalige Kaplan und Pfarrer von St. Matthias, Clemens August Kardinal von Galen, in Rom selig gesprochen. Ein Reliquiar des Seligen Clemens August befindet sich in der St. Matthias-Kirche zu Schöneberg.