Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz: Propst Christian Stäblein zum neuen Bischof der EKBO gewählt

Amtsübergabe am 16. November 2019 in Berlin

Berlin, 5. April 2019 – Die Landessynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hat auf Ihrer Frühjahrstagung am 5. April 2019 den Propst der EKBO, Dr. Christian Stäblein, zum neuen Bischof der Landeskirche gewählt. Er folgt damit Bischof Dr. Markus Dröge nach, der im November nach Ablauf seiner zehnjährigen Amtszeit in den Ruhestand gehen wird. Christian Stäblein wurde im zweiten Wahlgang mit der nötigen Zweidrittelmehrheit gewählt. Er erhielt 76 der abgegebenen 113 Stimmen. Die Amtsübergabe wird im Rahmen eines Festgottesdienstes am 16. November 2019 in der St.-Marienkirche in Berlin Mitte stattfinden, der im rbb-Fernsehen übertragen wird.

Bild: Propst Stäblein (Mitte) besuchte am 2. Oktober 2015 einen Gedenkgottesdienst des Rogate-Klosters in der Zwölf-Apostel-Kirche

Bischof Dröge gratulierte dem designierten Nachfolger: „Ich sende meine herzlichen Glückwünsche an Propst Christian Stäblein zur Wahl als Bischof der EKBO. Möge Gottes Segen den neuen Bischof in diesem wunderbaren und herausfordernden Amt begleiten, das auszufüllen in unserer, lebendigen, bunten und vielfältigen Kirche viel Freude macht, wie ich in den vergangenen zehn Jahren voller Dankbarkeit erfahren durfte.“

Auch die Präses der Synode, Sigrun Neuwerth, freut sich über die Wahl und dankte den anderen Kandidaten: „Ich freue mich über die Wahl von Propst Christian Stäblein zum neuen Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und gratuliere von Herzen. Die Synode hatte die Wahl zwischen drei gleichermaßen hervorragend geeigneten, höchst respektablen Persönlichkeiten, denen ich für ihre Bereitschaft zur Kandidatur sehr herzlich danke. Die Synode hat nun entschieden, und wir freuen uns auf eine vertrauensvolle und fruchtbare gemeinsame Arbeit mit dem zukünftigen Bischof ab Mitte November. Möge Gottes Segen uns dabei begleiten!“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, gratulierte ebenfalls: „Zur Wahl zum Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gratuliere ich Christian Stäblein von Herzen. Ich habe Christian Stäblein als einen profunden Theologen und zugewandten Seelsorger kennengelernt, der umfangreiche Erfahrung auf den unterschiedlichen Ebenen kirchlichen Leitungshandelns mitbringt. Er wird das alles im neuen Amt segensreich einbringen.“

Dr. Christian Stäblein wurde 1967 in Bad Pyrmont geboren und wuchs in Hannover auf. Er studierte Evangelische Theologie sowie im Nebenfach Judaistik und Philosophie in Göttingen, Berlin und Jerusalem. Am Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Universität Göttingen arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent und wurde 2002 mit einer Arbeit über „Das jüdische Gegenüber in der evangelischen Predigtlehre nach 1945“ promoviert. Nach dem Vikariat in Grasdorf und der Ordination war er Gemeindepfarrer, zunächst in Lengede, später in der St. Martin-Kirche in Nienburg/Weser, ab 2008 dann Konventual-Studiendirektor des Predigerseminars der Hannoverschen Landeskirche im Kloster Loccum. Seit August 2015 ist er Propst des Konsistoriums der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). In dieser Funktion obliegt ihm die theologische Leitung im Konsistorium, er ist zuständig für theologische Grundsatzfragen und leitet die Abteilung 2 „Theologie und Kirchliches Leben“. Als Propst wirkt er in einer Vielzahl von Gremien in der EKBO mit und nimmt eine rege Predigt- und Vortragstätigkeit in Gemeinden und Konventen wahr. Der 51-jährige ist Mitherausgeber der Predigtstudien. Christian Stäblein ist verheiratet und hat vier Kinder.

Der Bischof vertritt die Landeskirche in der Ökumene und in der Öffentlichkeit. Zu seinen Aufgaben zählt, Theologinnen und Theologen zu ordinieren und landeskirchliche Einrichtungen und Werke zu visitieren. Er ist zugleich Vorsitzender der Kirchenleitung.

Hinweis zum Text: Übernahme der Pressemeldung der Pressestelle der EKBO.

Fünf Fragen an: Sigrun Neuwerth, Präses der Synode der EKBO

Fünf Freitagsfragen an Sigrun Neuwerth, Präses der Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), über Wege zum Ziel in der Sitzungsleitung, die Frage um die kirchenrechtliche Gleichstellung homosexueller Paare und das Interesse am Zusammenwirken von ehrenamtlichen und beruflichen Kräften. Ein Beitrag zur heute beginnenden Frühjahrstagung der Landessynode in Berlin.

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Präses Sigrun Neuwerth (Foto Thorsten Wittge, EKBO)

Sigrun Neuwerth ist Referatsleiterin im Bundeslandwirtschaftsministerium. Sie wurde in Unna in Westfalen geboren, studierte Agrarwissenschaften in München und arbeitete als Wirtschaftsjournalistin unter anderem in Brüssel und Hamburg. 1998 wechselte sie als Pressesprecherin in das Bundeslandwirtschaftsministerium. 2002 übernahm Sigrun Neuwerth dort andere Aufgaben. Von 2004 bis 20014 war sie Präses des Kirchenkreises Pankow, später des neu entstandenen Berliner Kirchenkreises Berlin-Nordost. Auf der konstituierenden Tagung der Vierten Landessynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz 2015 wurde sie zur neuen Präses gewählt.

Rogate-Frage: Frau Präses Neuwerth, was genau ist Ihre Aufgabe in der Synode?

Sigrun Neuwerth: Der Synodenvorsitz bedeutet Sitzungsleitung. Die Synode richtet sich nach den Ordnungen unserer Kirche und ihrer eigenen Geschäftsordnung, hier muss eine gute und faire Debatte möglich sein. Dafür muss der Vorsitz sorgen und auf das Ziel, nämlich den Beschluss hinleiten.

Rogate-Frage: Wie haben Sie zum Glauben und zum Engagement in der evangelischen Kirche gefunden?

Sigrun Neuwerth: Ich bin als Säugling getauft und von Kindesbeinen an christlich erzogen und evangelisch sozialisiert. Besondere Faszination habe ich im Kindergottesdienst und Konfirmandenunterricht entwickelt, nicht weil der so toll war, sondern weil ich mit den Texten und Liedern „ins Gespräch“ kam.

Rogate-Frage: In der heute beginnenden Tagung der Landessynode soll es auch um die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften bei Traugottesdiensten gehen. Wie ist es zu dieser Entwicklung gekommen und wie beurteilen Sie die Diskussion um diese Frage innerhalb der Kirche?

Sigrun Neuwerth: Die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften in Traugottesdiensten kam vor einem Jahr durch einen gemeinsamen Antrag mehrerer Kirchenkreise und der kirchlichen Jugend auf die Tagesordnung. Die Synode hat sich dafür ausgesprochen, jetzt eine Entscheidung zu treffen. Die Zeit seither wurde intensiv genutzt für theologische Arbeit und offene Gespräche in allen drei Sprengeln. Beides, die theologische Auseinandersetzung wie auch die Gespräche vor Ort, bedeuten einen großen Gewinn. Jeder konnte hier alles sagen und sich theologisch fortbilden oder weiterentwickeln.

Rogate-Frage: Manche fordern ein Schuldbekenntnis der evangelischen gegenüber Kirche gegenüber Lesben, Schwulen und Transmenschen. Wie sinnvoll wäre ein solcher Schritt und welche Folgen hätte er?

Sigrun Neuwerth: Die Frage müsste auch zunächst diskutiert werden. Pauschale Schuldbekenntnisse sind nicht grundsätzlich heilsam oder die wirklich versöhnungswirksame Form. Die Frage ist, wie die Verletzungen der Vergangenheit heute zu behandeln und künftig zu vermeiden sind. Genauer kann ich das jetzt nicht sagen.

Rogate-Frage: Welche Themen beschäftigen Sie darüber hinaus in Ihrem ehrenamtlichen Engagement für die Kirche?

Sigrun Neuwerth: In der Kirche beschäftigt mich die Frage, wie wir in unserer Zeit die christliche Deutung von Ereignissen und Botschaft vom Leben wach und erkennbar halten. In diesem Zusammenhang interessiert mich besonders die ehrenamtliche Arbeit und das Zusammenwirken von ehrenamtlichen und beruflichen Kräften.

Rogate: Vielen Dank, Frau Präses Neuwerth, für das Gespräch.

Weitere Informationen zur Synodentagung finden Sie hier:

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 12. April 16|19:00 Uhr, VESPER “Nächstenliebe“
  • Rogate Kl_Aushang_Rogate Sonntag_090316-2 KopieDonnerstag, 14. April 16|19:30 Uhr, EUCHARISTIE, mit Prozessionsgang durch die Kirche
  • Dienstag, 19. April 16|19:00 Uhr, VESPER “Liebeskummer“, das Abendgebet
  • Donnerstag, 21. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET „Vergeben“
  • Dienstag, 26. April 16|19:00 Uhr, VESPER „Hochzeit“, das Abendgebet
  • Donnerstag, 28. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET, Nachtgebet
  • Hier unser Aushang April 2016.
  • Sonntag Rogate, 1. Mai 16 | 10:00 Uhr, Eucharistie, Predigt: Prof. Dr. Dres. h.c. Christoph Markschies, Theologische Fakultät an der Humboldt-Universität
  • Dienstag, 3. Mai 16|19:00 Uhr, VESPER am Tag der Apostel Philippus und Jakobus das Abendgebet, in der Kirche

Fünf Fragen an: Kevin Jessa, Freiwilliger in der EKBO

Fünf Fragen an Kevin Jessa, Freiwilliger in der evangelischen Kirche, über ein ehrenamtliches Engagement trotz Widrigkeiten, die Sicht eines hineinwachsenden  Jugendlichen und die Stärke des Christentums, sich auf Neues einzulassen. Ein Beitrag zur morgen beginnenden Frühjahrstagung der Landessynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).

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Kevin Jessa (Bild: Jörn von Lutzau)

Kevin Jessa (26) war von 2009 bis 2015 ehrenamtlicher Vorsitzender der Evangelischen Jugend Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EJBO) und von 2012 bis 2015 Mitglied der Landessynode der EKBO. 2013 wurde er von der Kirchenleitung der EKBO für sein kirchliches Engagement gegen Homophobie und für den Interreligiösen Dialog mit der Paul-Gerhardt-Medaille ausgezeichnet.
2015 schloss Kevin Jessa an der Evangelischen Hochschule Berlin sein Studium ab. Der Religions- und Gemeindepädadoge arbeitet derzeit für den Deutschen Evangelischen Kirchentag und plant 2017 das Vikariat in der EKBO zu beginnen. Seit Anfang 2015 ist Jessa  Jugenddelegierter in der 12. Synode der EKD.

Rogate-Frage: Herr Jessa, was treibt Sie zu einem Engagement in der evangelischen Kirche?

Kevin Jessa: ​Ich bin in das ehrenamtliche Engagement in der evangelischen Kirche irgendwie hineingewachsen. ​Zunächst hatte meine Familie fast keinen Kontakt zur Kirche. Erst als wir umgezogen sind und ich in das Alter eines Konfirmanden gekommen bin, lernte ich das Christentum und damit die Kirche erst so richtig kennen. Alles begann schlichtweg mit einem einfachen Standart-Brief (den Ersten an mich adressierten Brief!), in dem ich zum Konfirmandenunterricht eingeladen wurde. Ich wollte wissen, was die Kirche macht, denn allein die Kirchengebäude fand ich schon beindruckend. Und ich wollte wissen, was diese Taufe eigentlich ist, die ich als Säugling empfangen hatte.

Der Pfarrer meiner Gemeinde hat mich für die Jugendarbeit der Kirchengemeinde begeistern können. Und so fing meine „ehrenamtliche Laufbahn“ in der Kirche an, insbesondere im Jugendverband unserer Kirche, der Evangelischen Jugend. Dass ich dabei geblieben bin, erstaunt mich selbst immer wieder. So einfach war das nicht in meiner Kirchengemeinde. Die Gottesdienste sind früh, der Gemeindekirchenrat wirkte auf mich starr und es gab Mitarbeitende, mit denen ich nicht gut klar kam. Gut, Probleme gibt es auf allen Ebenen in der evangelischen Kirche und viele kann man leicht lösen, ich scheitere nur leider immer wieder an Engstirnigkeit und Ignoranz. Ich fühle mich dann oftmals ohnmächtig.
Trotz aller Entmutigung habe ich es bisher immer wieder geschafft, neue Kraft zu schöpfen: Die Menschen in meinem Umfeld stärken mich in meinen Ansichten und ermöglichen mir auch häufig neue Perspektiven einzunehmen. Viele junge Menschen hadern mit der Kirche, möchten Sie aber nicht ganz aufgeben. Die Erfahrung habe ich in der Evangelischen Jugend machen können, und so geht es mir auch.

Kurz gesagt: Dass, was mich am Engagement in der Kirche reizt, überwiegt einfach das Nervige.

Rogate-Frage: Sie waren als Jugendvertreter Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Wie konnten Sie sich einbringen und welche Erfahrungen machten Sie in diesem Gremium?

Kevin Jessa: Als Jugendsynodaler hat man durch Berufung des Ältestenrates alle Rechte und Pflichten eines ordentlich gewählten Synodalen. Ich hatte also Sitz, Stimm-, Rede- und Antragsrecht und konnte wie jedes andere Mitglied an der Landessynode und ihren Arbeitsgremien teilhaben. Nach meinem Empfinden wurde ich weitestgehend als gleichberechtigt angesehen, ledig die vielbeschworene Erfahrung fehlte mir, dafür war aber mein Blick unverstellt.

Konkret habe ich als Jugendsynodaler die Reform des Kirchengesetzes zur Ordnung der Arbeit mit Kindern und Jugendarbeit mitverantwortet. Dort sind alle Rechte und Pflichten der Kinder und Jugendlichen unserer Landeskirche festgeschrieben. Hier trat ich für die Interessen von Kindern und Jugendlichen ein, zum Beispiel das Recht auf Selbstbestimmung. Mit einigen anderen Synodalen habe ich zudem daran gearbeitet, die Lebenspartnerschaft und die Ehe kirchenrechtlich gleichzustellen. Der erste Versuch scheiterte, weil die angestrebte Änderung eines Kirchengesetzes zur Führung von Kirchenbüchern nicht wirklich der richtige Ort für eine Gleichstellung war. Dieses erste Aufbäumen nach langer Untätigkeit in Sachen Gleichstellung wurde allerdings zu einem Auftrag an die Kirchenleitung und den Theologischen Ausschuss, etwaige Änderungsmöglichkeiten zu prüfen. Da nichts passierte, haben die beteiligten Synodalen schließlich über die formalen Wege den zweiten Anlauf gewagt und einen Antrag an die Landessynode verfasst, den drei Kirchenkreise und die EJBO, der Jugendverband der Landeskirche, eingebracht haben. Dass ich zuvor in der EJBO angesichts der sehr erfolgreichen Kampagne „Bunt wie Gottes Schöpfung: Liebe hat viele Farben“ keine Widerstände bei Einbringung des Antragsentwurfs zu erwarten hatte, ist nicht verwunderlich. Leider konnte ich den begonnen Prozess nicht weiterführen, da ich aus der Landessynode ausscheiden musste.

Ein überwältigender Anteil der Synodalen hat großes Interesse an einer konstruktiven und kollegialen Zusammenarbeit. Ich bin sehr glücklich über das parlamentarische System der Evangelischen Kirche. Die durch die Grundordnung gesicherten Plätze der Jugendsynodalen sind unglaublich hilfreich für die Partizipation Jugendlicher. Die gemeinsame Arbeit an der Gestalt und der Zukunft der Kirche ist nicht nur persönlich für mich bereichernd gewesen. Ich würde mir nur wünschen, dass auch in den Kirchengemeinden mehr auf eine generationengerechte Besetzung der Gemeindekirchenräte geachtet wird.

Rogate-Frage: Wie erleben Sie die Diskussion um die Gleichstellung homosexueller Christen in der Kirche und den historischen Beschluss, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen?

Kevin Jessa: ​Ich bin sehr glücklich über den Beschluss, die Lebenspartnerschaft kirchenrechtlich und liturgisch mit der Ehe gleichzustellen. Es zeigt mir, dass es Kirche doch noch vermag – wie in allen Zeiten – sich neuen Fragestellungen zu öffnen und eine Antwort mithilfe der Bibel zu finden. Das ist so richtig evangelisch!

Die Debatte, die überall geführt wurde und vielerorts noch geführt wird, macht mich allerdings nicht sonderlich glücklich. Ich habe mich in meiner Bachelorarbeit damit wissenschaftlich beschäftigt, weil mich die Frage umtrieb, wie ein evangelisches Verständnis von Ehe aussieht. Da ich dadurch viele Fragen längst klären konnte, ist die Diskussion für mich unnötig geworden. Das heißt nicht, dass ich mich nicht mit anderen Argumenten auseinandersetzen würde, wenn es welche gäbe. In vielen Diskussionen merke ich, dass eine rein emotionale Ablehnung der Öffnung der Ehe besteht. Argumente höre ich sehr selten. Auch die Lesart der Bibel ist ein für mich schlechtes Argument. Wer behautet, aus dem reinen Lesen der Worte erschließt sich der Sinn, verkennt die Inhaltstiefe der Bibel und wird ihr nicht gerecht. Besonders wenn auch einer oberflächlichen Betrachtung die Überzeugung entsteht, man kenne den Willen Gottes. Das würde ich mir auch nicht anmaßen, wenngleich ich versuche die Texte in ihrem Kontext zu deuten.

Rogate-Frage: Die Landeskirche hat sich einen Reformprozess verordnet. Welche Erwartungen setzen Sie in diese Neuorientierung und Umstrukturierung?

Kevin Jessa: Es klingt vielleicht utopisch für einen zeitlich begrenzten Prozess, ich würde mir aber wünschen, dass einige „verkrustete“ Strukturen aufbrechen. Unsere Landeskirche ist an vielen Stellen viel zu hierarchisch für eine synodal verfasste Kirche. Unsere Landeskirche würde es gut vertragen, professionell, wenn nötig mit Hilfe von außen, an interne Schwierigkeiten heranzugehen und dennoch das menschliche Gesicht dabei nicht zu verlieren. Besonders wichtig ist mir dabei, eine offene Haltung Menschen gegenüber zu behalten.

Rogate-Frage: Wie stellen Sie sich die Kirche und ihre Gemeinden in 50 Jahren vor? Welche Zukunftshoffnungen haben Sie?

Kevin Jessa: Ich hoffe, wir haben auch in 50 Jahren noch Mut. In der Bibel gibt es nicht nur viele tröstliche Worte, sondern auch die Aufforderung mutig etwas zu wagen und ganz anders zu denken als gewohnt. Christus selbst hat unkonventionell gehandelt und gab seinen Jüngern immer wieder neue Perspektiven mit auf dem Weg. Und natürlich zeigen auch Erfolge und Reaktionen auf verschiedene Kampagnen und Anliegen der Evangelischen Jugend, dass es sich lohnt.

Veränderung ist möglich, dass habe ich in den letzten zehn Jahren meines Engagements gelernt. Und Veränderung ist bitter nötig. Ich finde es spannend, eine Balance aus Modernität und Tradition zu herzustellen. Besonders die Digitalisierung unserer Gesellschaft und unseres Leben ermöglicht und erfordert neue Wege der Kommunikation des Evangeliums. Das ist herausfordernd und verlangt auch Abschiede von gewohnten Dingen.

Zudem wünsche ich mir sehr, dass die Offenheit für alle Menschen nicht als Profillosigkeit verkannt, sondern als ureigene evangelische Art des Glaubens erkannt wird. Es ist doch gerade die Stärke des Christentums, sich auf Neues einzulassen und mit der Bibel in der Hand zu prüfen, welcher Weg gangbar ist.

Der Mitgliederschwund der Kirchen wird anhalten, wir werden kleiner. Aber ich glaube nicht daran, dass wir uns auflösen. Solange wir noch die Botschaft Christi weitertragen sollen, so wird das auch passieren. Wir werden in Zukunft aufpassen müssen, dass wir uns beim Kleiner werden nicht radikalisieren und zu einer versprengten Gruppe werden, die durch fehlende Offenheit nicht mehr ihrer Aufgabe nachkommen kann.

Rogate: Vielen Dank, Herr Jessa, für das Gespräch.

Weitere Informationen finden Sie hier: Positionspapier der Evangelischen Jugend Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz zur Ehe für alle. Sowie hier zur EJBO-Kampagne „Bunt wie Gottes Schöpfung: Liebe hat viele Farben“

Zum Thema siehe auch:

  • Fünf Freitagsfragen an Sigrun Neuwerth, Präses der Synode der EKBO, über Wege zum Ziel in der Sitzungsleitung, die Frage um die kirchenrechtliche Gleichstellung homosexueller Paare und das Interesse am Zusammenwirken von ehrenamtlichen und beruflichen Kräften. Das Interview finden Sie hier.
  • Fünf Freitagsfragen an Prof. Traugott Roser, Universität Münster, über das Segnen im Lebenslauf, eine neue kirchliche Sensibilität für das Thema “Lebensformen” und warum das Nichtsegnen Fluch ist. Das Interview finden Sie hier.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Heute, Donnerstag, 7. April 16|19:30 Uhr, ANDACHT in der Osterzeit
  • Rogate Kl_Aushang_Rogate Sonntag_090316-2 KopieDienstag, 12. April 16|19:00 Uhr, VESPER “Nächstenliebe“, in der Kapelle (Sakristei)
  • Donnerstag, 14. April 16|19:30 Uhr, EUCHARISTIE, mit Prozessionsgang durch die Kirche
  • Dienstag, 19. April 16|19:00 Uhr, VESPER “Liebeskummer“, das Abendgebet
  • Donnerstag, 21. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET „Vergeben“
  • Dienstag, 26. April 16|19:00 Uhr, VESPER „Hochzeit“, das Abendgebet
  • Donnerstag, 28. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET, Nachtgebet
  • Hier unser Aushang April 2016.
  • Sonntag Rogate, 1. Mai 16 | 10:00 Uhr, Eucharistie, Predigt: Prof. Dr. Dres. h.c. Christoph Markschies, Theologische Fakultät an der Humboldt-Universität
  • Dienstag, 3. Mai 16|19:00 Uhr, VESPER am Tag der Apostel Philippus und Jakobus das Abendgebet, in der Kirche

Fünf Fragen an: Klaus Eberl, Oberkirchenrat Ev. Kirche im Rheinland

Fünf Freitagsfragen an Klaus Eberl, Oberkirchenrat und Vorsitzender der Ad-hoc-Kommission Inklusion der EKD, über die Inklusion als Chance für die Kirche, die noch nicht selbstverständliche Verschiedenheit und die Anpassung der Strukturen an die Menschen.

Oberkirchenrat Klaus Eberl (Bild: EKIR)

Klaus Eberl, geboren 1955 in Bottrop, studierte 1976 bis 1982 Theologie in Bonn und Wuppertal, Nebenfach war Germanistik und Pädagogik. Danach folgte Vikariat in Lövenich und Dienst als Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Wassenberg. 1994 bis 2007 war er Superintendent des Kirchenkreises Jülich, dann 2001 bis 2007 nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung. Er ist seit 1997 Mitglied der Synode der EKD und seit 2005 deren Vizepräses. Seit März 2007 gehört er als Oberkirchenrat und Leiter der Abteilung IV „Bildung“ im Landeskirchenamt in Düsseldorf zur Kirchenleitung seiner Landeskirche. Thematisch ist über den Zivildienst an der Arbeit mit behinderten Menschen gekommen. Besonders am Herzen liegt ihm die Initiative Pskow, deren Vorsitzender er ist.

Rogate-Frage: Herr Oberkirchenrat Eberl, unter dem Titel „Es ist normal, verschieden zu sein. Inklusion leben in Kirche und Gesellschaft“ hat der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine neue Orientierungshilfe veröffentlicht. Wie normal ist es, in der Kirche verschieden zu sein? Und welche Verschiedenheiten sind gemeint?

Klaus Eberl: Leider ist Verschiedenheit noch nicht selbstverständlich. In der Kirche wie in der Gesellschaft. In der Orientierungshilfe geht es schwerpunktmäßig um die Lebenslagen von Menschen mit Behinderungen. Aber natürlich wirft die Inklusionsschrift mit ihrer Wertschätzung von Vielfalt auch ein Licht auf das Miteinander der Generationen, der kulturellen Vielfalt, Formen der sozialen Benachteiligung und anderes mehr.

Rogate-Frage: Sie sind Vorsitzender der Ad-hoc-Kommission Inklusion. Was ist Inklusion für Sie?

Klaus Eberl: In der rheinischen Handreichung für Gemeinden haben wir gesagt: Inklusion ist die Kunst des Zusammenlebens von sehr verschiedenen Menschen. Ich finde, das ist eine schöne Formulierung.

Rogate-Frage: Welche Folgen hat eine konsequente Umsetzung dieses Inklusionsbegriffs für Kirche, Gemeinden und Sie selbst?

Klaus Eberl: Zunächst einmal ist es eine Chance. Für die evangelische Kirche ist der Gedanke des Allgemeinen Priestertums wichtig. Jeder und jede soll teilhaben können. Darauf hin sind alle kirchlichen Aktivitäten auszurichten. Barrieren soll es nicht geben. Insofern ist der Ansatz bei der gerechten Teilhabe auch eine Möglichkeit der Gemeinden, die Menschen wahrzunehmen, die bisher nicht im Blick waren oder einem anderen Milieu angehörten.

Rogate-Frage: Wikipedia definiert: „Die Forderung nach Sozialer Inklusion ist verwirklicht, wenn jeder Mensch in seiner Individualität von der Gesellschaft akzeptiert wird und die Möglichkeit hat, in vollem Umfang an ihr teilzuhaben oder teilzunehmen.“ Ist demzufolge die häufige Engführung auf Menschen mit und ohne Behinderung nicht eine Selbstreduzierung einer Chance zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung? Warum?

Klaus Eberl: Inklusion beschreibt einen Paradigmenwechsel. Nicht die Menschen müssen sich den Strukturen anpassen, sondern die Strukturen den Menschen. Das hat sehr konkrete Folgen für fast alle Arbeitsbereiche: das Wohnen, die Bildung, die Arbeitswelt, die Stadtteilentwicklung, das Gesundheitssystem und anderes mehr. Wenn der Inklusionsbegriff zu weit gefasst wird, ist es schwer, die konkreten Folgen zu beschreiben. Deshalb hat die Orientierungshilfe den Auftrag der EKD-Synode ernst genommen und sich auf den Themenschwerpunkt Behinderung konzentriert. Dadurch sind sehr konkrete Handlungsempfehlungen möglich geworden.

Rogate-Frage: Die kirchliche Arbeit richtet sich häufig an die gebildete, aktive, gut gebildete und interessierte Mittelschicht, an Familien und Senioren. Ist hier im Rahmen einer Neuausrichtung auch mit einer breiteren Aufstellung und Öffnung beispielsweise mit der Leichten Sprache zu rechnen? In welchem Zeithorizont?

Klaus Eberl: Leichte Sprache ist eine Herausforderung. Regelmäßig halte ich auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag eine Bibelarbeit in leichter Sprache, um mit Hanns Dieter Hüsch zu sprechen: Es geht darum, das Schwere leicht zu sagen. Und das ist schwer … Es eröffnet aber auch Zugänge zum Glauben für Menschen, die nicht traditionell kirchlich gebunden sind. Die Kommunikation des Evangeliums braucht viele Türen – und die eine oder andere Hintertür.

Rogate: Herr Oberkirchenrat Eberl, vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen auf der Seite der EKD. Die Orientierungshilfe der EKD finden Sie hier.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Rogate-Vesper jeweils am Dienstag

    Sonnabend, 28. Februar 2015 | 12:00 Uhr, Trauerandacht für ELEONORA MARIA THERESIA KASTNER (Oma Ella)

  • Sonnabend, 28. Februar 2015 | 18:00 Uhr, ökumenische Vesper in der Kapelle der Kirche, mit der Alt-katholischen Gemeinde
  • Sonntag, 1. März 2015 | 10:00 Uhr, EUCHARISTIE, Gottesdienst der Zwölf-Apostel-Gemeinde am Sonntag Reminiszere
  • Dienstag, 3. März 15 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 5. März 15 | 20:30 Uhr, KREUZWEG-ANDACHT
  • Unseren Februar-Plan finden Sie hier. Den März-Plan finden Sie hier.