Rückblick: Diakonie-Präsident Ulrich Lilie hielt eine „Rede für die Stadt“

2018 08 21 Forum Wilhelmshaven

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Heute vor einer Woche war Diakonie-Präsident Ulrich Lilie auf Einladung des Rogate-Klosters zu einem „UNERHÖRT! Forum“ in Wilhelmshaven, der zweiten Rogate-Wirkungsstätte.

„Wie geht es Ihren Alten? Wie geht es ihren Kindern, wie geht es Ihren Fremden in Ihrer Stadt?“, fragte Ulrich Lilie dann abends in der gut besuchten Christus- und Garnisonkirche. Der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, die Citykirche Wilhelmshaven und das Rogate-Kloster Sankt Michael haben Bürger der Stadt und des Landkreises sowie Prominente dazu eingeladen „Zehn Reden für die Stadt“ Wilhelmshaven und die Region zu halten. Präsident Lilie beschließt als zehnter Redner die Sommerreihe mit „Weltstadt Wilhelmshaven – eine Caring Community mit Zukunft“. In seiner Rede entwirft Lilie das Bild eines Gemeinwesens, in dem das aufmerksame Zuhören und Zusammenarbeiten die Basis eines Miteinanders wird, in dem alle Menschen – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – eine Heimat finden können: „Das Wir einer Gesellschaft entwickelt sich von unten, subsidiär. Darum gilt: Die Kommune ist der Ernstfall der Demokratie.“

Einen Rückblick und Bilder dazu hier.

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten:

Zehn Reden für die Stadt: Am Mittwoch spricht Ratsherr Martin Ehlers

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Martin Ehlers (Bild: privat)

Am Mittwoch, 8. August, wird Ratsherr Martin Ehlers eine „Rede für die Stadt“ in der Citykirche Wilhelmshaven, Am Kirchplatz 1, halten. In seiner Ansprache wird sich der Jurist und Unternehmer mit globalen Megatrends und den damit verbundenen Herausforderungen und Chancen für die Jadestadt und die Region, für die kommunale Politik und das bürgerschaftliche Engagement befassen.

Der Abend ist Teil der Sommerreihe „Zehn Reden für die Stadt“ zum 150jährigen Stadtjubiläum Wilhelmshavens. Sie wird veranstaltet vom Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, der Citykirche Wilhelmshaven (Christus- und Garnisonkirche) und vom Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin.
Bruder Franziskus Aaron leitet Andacht, die den halbstündigen Vortrag umrahmt. Die Orgel spielt Stadtkantor Markus Nitt. Beginn aller Reden ist jeweils um 19:00 Uhr.

38614891_1926477967373153_5598676104412921856_nDer Eintritt ist frei. Am Ausgang wird eine Kollekte für die Stiftung „Diakonie am Meer“ gesammelt, die innovative soziale und kirchliche Projekte in Friesland-Wilhelmshaven initiert und durchführt.

Die beiden noch folgenden „Reden für die Stadt“ und die Region Friesland-Wilhelmshaven:

  • Montag, 13. August, Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung, Birgit Honé, Hannover. Orgel: Florian Bargen.
  • Dienstag, 21. August, Diakonie-Präsident Ulrich Lilie, Berlin. Orgel: Stadtkantor Markus Nitt. Anschließend WohnzimmerXXL-Konzert mit Majanko, Soziales Kaufhaus, Banter Weg 12a, Wilhelmshaven-Bant.

Fünf Fragen an: Schwester Kerstin-Marie OP, Berufungspastoral der Orden

Fünf Freitagsfragen an Sr. Kerstin-Marie Berretz OP, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Berufungspastoral der Orden, über die eigene Berufung, die Geschichte vom „Tag des offenen Klosters 2014“ und eine ökumenische Perspektive. Ein Beitrag zum Jahr der Orden.

Sr.Kerstin-MarieSr. Kerstin-Marie Berretz OP stammt aus Nordrhein-Westfalen, wo sie nach Stationen in Rheinland-Pfalz und der Schweiz wieder in einem Konvent der Arenberger Dominikanerinnen in Oberhausen lebt. Sie studierte in Bochum und München katholische Theologie und machte im Bistum Trier die Ausbildung zur Pastoralreferentin. Von dort aus trat sie 2008 in die Gemeinschaft der Arenberger Dominikanerinnen ein, deren Mutterhaus in Koblenz ist.

Sr. Kerstin-Marie brennt für die alles rund um das Thema „Berufung“ und hat eine Ausbildung in Berufungscoaching WaVe® gemacht. Außerdem arbeitet sie beim Bistum Essen in der Diözesanstelle für Berufungspastoral und ist im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Berufungspastoral der Orden, einer AG der Deutschen Ordensobernkonferenz.

Rogate-Frage: Schwester Kerstin-Marie, im Mai 2014 haben Sie am bundesweiten „Tag der offenen Klöster“ mitgewirkt. Wie kam es zu dem Projekt und wie ist es auch zahlenmäßig gelaufen?

Sr. Kerstin-Marie: Die Initiative zu diesem Projekt ging von der Jahreskonferenz der Arbeitsgemeinschaft Berufungspastoral der Orden (AGBO) im Jahr 2012 aus. Einige Schwestern und Brüder hatten bereits gute Erfahrungen mit lokalen Tagen der offenen Klöster gemacht und brachten die Idee zu einem bundesweiten Tag der offenen Klöster ein. Schlussendlich beteiligten sich am 10. Mai letzten Jahres 354 Klöster, die Mitglieder der Deutschen Ordensobernkonferenz sind. Daneben öffneten auch andere Klöster und Gemeinschaften ihre Türen, die jedoch nicht von uns erfasst wurden.

Rogate-Frage: Welche Rückmeldungen haben Sie erhalten, wie es an den verschiedenen Orten gelaufen ist? Haben sich die Erwartungen erfüllt?

Sr. Kerstin-Marie: Bis auf ein oder zwei Stimmen waren die Rückmeldungen durchweg positiv. Für alle Beteiligten war es ein besonderer Tag, egal, ob an einem Ort drei oder 300 Gäste waren. Es war wohl überall eine besondere Energie und Stimmung spürbar, so dass sich die Erwartungen erfüllt haben.

Rogate-Frage: Wie viele geistlich betriebene Klöster gibt es derzeit in Deutschland beziehungsweise wie viele Orden werden von der Ordensoberen-Konferenz vertreten? Von welchen Zahlen gehen Sie bei Ordensangehörigen, auch geschätzt, aus?

Sr. Kerstin-Marie: Zur Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) gehören 430 Obere, die ungefähr 22.800 Ordensfrauen und -männer vertreten. Diese leben in ca. 2000 Niederlassungen jeglicher Art. Genauere Informationen findet man unter orden.de.

Rogate-Frage: Warum sind Sie selbst Ordensschwester geworden? Welche Erfahrungen machen Sie mit Ihrer Berufung?

Sr. Kerstin-Marie: Ich bin Ordensfrau geworden, weil es für mich die beste Antwort auf den liebenden Ruf Gottes ist, den ich immer deutlicher verspürt habe. Als Schwester kann ich immer mehr die werden, die ich eigentlich bin. Ich glaube, dass das Leben als Dominikanerin genau meine Berufung ist und für mich Leben in Fülle bedeutet. Natürlich gehören auch Durststrecken dazu und Zeiten, in denen nicht alles rosig ist. Aber kein Leben ist ja immer nur schön und da ich merke, dass meine Grundstimmung gut ist, bin ich davon überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein.

Da ich immer im Habit gehe und so als Schwester erkennbar bin, gibt es immer wieder interessante Begegnungen. Besonders hier im Ruhrgebiet, wo ich lebe und arbeite, nehmen die Menschen kein Blatt vor den Mund. Aber es gibt auch ein stilles Lächeln in der S-Bahn. Ich weiß, dass ich anders wahrgenommen werde, als wenn ich „in zivil“ unterwegs wäre, aber für mich ist der Satz aus dem 1. Petrusbrief wichtig: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“ (1 Petr 3,15)

Rogate-Frage: Die Initiatoren des „Tags des offenen Klosters“ haben eher römisch-katholische Einrichtungen im Blick gehabt. Die ökumenischen und evangelischen Klöster waren nicht mitgedacht oder eingeladen. Wie sieht die Zukunft aus? Wird es weitere offene Tage bundesweit geben? Werden diese auch ökumenisch begangen?

Sr. Kerstin-Marie: Als eine Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Ordensobernkonferenz haben wir bei den Vorbereitungen in erster Linie die Mitgliedsgemeinschaften im Blick gehabt. Im November 2013 hat dann die Generalsekretärin die evangelische „Parallelorganisation“ eingeladen, sich anzuschließen. Die evangelischen Schwestern und Brüder sahen den Zeitplan jedoch als zu eng an, um sich noch zu beteiligen und haben sich deswegen für dieses Mal dagegen entschieden. Von daher können wir von unserer Seite aus nicht sagen, dass die ökumenischen und evangelischen Klöster nicht mitgedacht oder mit eingeladen waren.

Es wird in der Zukunft sicher wieder einen bundesweiten Tag der offenen Klöster geben, allerdings steht derzeit noch nicht ganz genau fest, wann es der Fall sein wird. Aus den Erfahrungen wird es dann sicher auch eine frühere Kontaktaufnahme mit den evangelischen Schwestern und Brüdern geben. Ob es dann einen gemeinsamen bundesweiten Tag der offenen Klöster liegt, wird sich dann zeigen.

Rogate: Vielen Dank, Schwester Kerstin-Marie, für das Gespräch!

Weitere Informationen finden Sie hier: orden.de.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Dienstag, 3. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 10. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Dienstag, 17. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Donnerstag, 19. Februar 2015 | 20:30 Uhr, Komplet in der Kapelle der Kirche mit Austeilung des Aschekreuzes zu Beginn der Passionszeit.
  • Unseren Februar-Plan finden Sie hier.

Fünf Fragen an: Dr. Thomas Schimmel, Geschäftsführer 1219. Religions- und Kulturdialog e.V.

Fünf Freitagsfragen an Dr. Thomas Schimmel, Geschäftsführer 1219. Religions- und Kulturdialog e.V., über einen historischen und zugleich modernen interreligiösen Austausch, das Engagement der Franziskaner und die „3. Lange Nacht der Religionen“ am 6. September 2014 in Berlin.

Dr. Thomas SchimmelDr. Thomas Martin Schimmel stammt aus Hagen und wuchs in der unmittelbaren Nachbarschaft einer liberalen Franziskanerkirche und einer lutherischen Kirche auf, so dass er schon früh die Kirchenspaltung nicht verstand. Er studierte an der Freien Universität Berlin und an der Johannes-Keppler-Universität in Linz/Oberösterreich Politikwissenschaft. Nach seinem Studium war er für unterschiedliche Bundestagsabgeordnete als Wissenschaftlicher Referent in Bonn und Berlin tätig. Nebenberuflich engagierte er sich als OSCE-Wahlbeobachter auf dem Balkan sowie als Dozent in der außerschulischen Jugendbildung. Nach dem Regierungsumzug nach Berlin leitete er das Lobbybüro der Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisation der europäischen Franziskanerprovinzen, der Missionszentrale der Franziskaner, bevor er als Projektleiter am Fusionsprozess der deutschen Franziskanerprovinzen mitwirkte, über den er auch promovierte. Seit 2011 ist Thomas M. Schimmel Geschäftsführer der franziskanischen Initiative 1219. Religions- und Kulturdialog e.V. Daneben ist er regelmäßig als Dozent für Politik an der Verwaltungsakademie des Landes Berlins tätig. Er predigt gelegentlich im Rogate-Kloster, so am Franziskustag, Freitag, 3. Oktober 2014|15:00 Uhr, im Gottesdienst für Mensch und Tier.

Rogate-Frage: Herr Dr. Schimmel, was ist die „1219. Deutsche Stiftung für interreligiösen und interkulturellen Dialog e.V.“ und was sind Ihre Aufgaben?

Thomas Schimmel: 1219. Religions- und Kulturdialog e.V. ist eine franziskanische Initiative zum Religionsdialog. Im Jahr 1219 schloss sich der heilige Franziskus von Assisi dem 5. Kreuzzug an – allerdings nicht, um gegen die Muslime zu kämpfen, sondern um den ganzen Irrsinn friedlich zu beenden. Bei Damiette im Nildelta versuchte er zuerst die christlichen Kreuzfahrer zur Vernunft zu bringen. Leider vergeblich. In einer Gefechtspause ging er dann ins feindliche Lager und verlangte den Sultan zu sprechen. Man erkannte in ihm sofort als einen religiösen Menschen, weil er in seinem Habit wie ein Sufi aussah, also ein Anhänger des mystischen Islams. Der Sultan ließ ihn tatsächlich vor und beide haben miteinander gesprochen. Franziskus hat in dem Lager der Muslime die islamische Glaubenspraxis erlebt – und war beeindruckt. Auch der Sultan war von Franziskus beeindruckt, auch wenn das Gespräch selbst nicht zum Frieden führte. Jedoch ließ der Sultan Franziskus unter Geleit sicher ins Christenlager zurückbringen und schenkte ihm ein Horn, das als Visum galt, mit dem sich Franziskus ohne Gefahr frei im heiligen Land bewegen konnte. Diese Begegnung hat dazu geführt, dass Franziskus in der zweiten Fassung seiner Ordensregel die offensive Mission und den Streit mit Andersgläubigen untersagt hat. Außerdem hat er in Gesprächen darauf hingewiesen, dass alle Schriften über Gott mit Ehrfurcht zu behandeln sind. Und schließlich hat er vorgeschlagen, dass es in allen christlichen Ländern – analog zum Ruf des Muezzin – ein Zeichen zum gemeinsamen Gebet geben solle – eine Anregung, die zum täglich dreimaligen Glockengeläut bei uns heute geführt hat. Aus dieser Geschichte zieht der Franziskanerorden seine besondere Verpflichtung, sich für den Religionsdialog einzusetzen. 1219 e.V. will dafür ein Werkzeug sein und wie Franziskus ohne Vorurteile und Vorbehalte auf andere Religionen zugehen. Heute heißt der Auftrag, Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft zu schaffen. Konkret bedeutet das, dass wir als 1219 e.V., dessen Leiter ich bin, religionskundliche Aufklärung betreiben – mit Seminaren und Publikationen zum Beispiel – oder über die aktive Mitwirkung im Initiativkreis der Langen Nacht der Religionen bzw. dem Koordinierungskreis des „Berliner Forums der Religionen“. Als Ordensinitiative sind wir da vielleicht vorbehaltloser als die großen kirchlichen Verwaltungen?

Rogate-Frage: Bereits zum dritten Mal findet am 6. September die „Lange Nacht der Religionen“ in Berlin statt. Fast 100 Synagogen, Moscheen, Kirchen, Tempel, religiöse Orte und Gemeindehäuser werden an diesem Abend in ganz Berlin ihre Türen öffnen. In diesem Jahr koordinieren Sie erstmalig diese Veranstaltung. Was ist das besondere an diesem Format? Reicht Ihnen die „Lange Nacht der Kirchen“ nicht mehr?

Thomas Schimmel: Die Lange Nacht der Religionen will Türen öffnen, die sonst verschlossen sind. Sie will die Orte der Stille, der Solidarität, der Gottesbegegnung und des gesellschaftlichen Engagements, das aus dem Glauben heraus geschieht, auf dem Stadtplan Berlins markieren. Sie will, dass sich Menschen unterschiedlicher Weltanschauung begegnen und neugierig aufeinander sind. Sie will sowohl die religiöse Vielfalt Berlins zeigen, als auch die positive Rolle, die die Religionen in dieser Stadt im Zusammenleben spielen. Oft wird gesagt, Berlin sei eine heidnische Stadt. Aber das stimmt nicht, wenn man genau hinschaut. Über 250 Glaubensrichtungen gibt es hier und auch Menschen ohne Religionen, die aber doch auch eine Weltanschauung haben, die das menschliche Dasein nicht auf Konsum und Spaß reduzieren. Im Moment nehmen wir Religion sehr negativ wahr. Unser Bild wird geprägt von wildgewordenen und ungebildeten Idioten, die meinen, ihre Intoleranz und ihr männliches Weltbild mit Gewalt durchsetzen zu können. Solche Leute gibt es in allen Religionen und Regionen dieser Welt und sie säen die Saat des Hasses, der Angst und der Gewalt. Für uns stellt sich da doch immer wieder die Frage: Lassen wir uns auf dieses Spiel und diese Gewaltspirale ein? Oder zeigen wir den Menschen in dieser Stadt und in diesem Land, dass wir hier in Deutschland und hier in Berlin anders miteinander umgehen? Dass für uns gläubige Menschen, egal ob Muslime, Christen, Juden, Hindus, Sikhs, das Streben nach Gerechtigkeit und Frieden der Dreh- und Angelpunt allen privaten und gesellschaftlichen Handelns ist?

Die Lange Nacht der Kirchen ist aus meiner Sicht ein ähnliches Format – aber mit anderen Zielen. Ich würde mich freuen, wenn die Lange Nacht der Kirchen zeitgleich mit der Langen Nacht der Religionen stattfinden würde – so wie ja auch die Lange Nacht der Synagogen im Rahmen der Langen Nacht der Religionen stattfindet. Ich nehme wahr, dass die beiden großen Kirchen bei der Beteiligung an der Langen Nacht der Religionen noch zurückhaltend sind. Aus meiner sehr persönlichen Sicht sind sie noch sehr in ihrem volkskirchlichen Ziergarten beschäftigt, in dem sie sich selbst genügen. Aber es ist nicht mehr selbstverständlich, dass mein Nachbar, meine Schwiegertochter, die Klassenlehrerin meiner Kinder evangelische Christin oder katholischer Christ ist. Da muss ich in Kontakt treten, neugierig auf das andere sein und mich selbst auch verständlich erklären können. Lange Nächte sind dafür eine gute Gelegenheit. Zwar sind wir Christen noch die größte religiöse Gruppe – aber eben nicht mehr die Einzigen. Die gesellschaftspolitische Rolle der großen Kirchen hat sich radikal verändert – auch wenn das viele nicht wahrhaben wollen – und diese Rollenveränderung muss eine Verhaltensänderung nach sich ziehen: Wir sind eine Gruppe unter anderen und wir müssen das vorbehaltlose gesellschaftspolitische Gespräch mit „den anderen“ auf Augenhöhe suchen und finden.

Rogate-Frage: Wie reagieren die noch nicht beteiligten Religionsgemeinschaften auf dieses besondere Veranstaltungsformat? Gibt es Vorbehalte auf dieses interreligiöse Angebot?

Thomas Schimmel: Es gibt natürlich Religionsgemeinschaften, die nicht dabei sind. Die Zeugen Jehovas zum Beispiel, oder die Aleviten. Das ist sehr schade. Ich würde mich auch freuen, wenn wir diese Gruppen motivieren könnten, das nächste Mal mitzumachen. Auch über eine Teilnahme des Humanistischen Bundes wäre ich froh. Ich finde es auch schade, dass christliche Ordensgemeinschaften nicht dabei sind. Mit ihrer besonderen Spiritualität bereichern sie das Bild des Christentums und hier wären ja auch interreligiöse Projekte spannend: mit buddhistischen Mönchen zum Beispiel.

Die Motive, warum Gruppen nicht mitmachen sind unterschiedlich. Einige halten das nicht für nötig und bleiben lieber unter sich. Andere halten interreligiöse Aktionen für Teufelszeug, das der Satan erfunden hat. Das Interessante ist ja, dass sich die fundamentalistischen Gruppen alle Religionen in vielen Bereichen gut verstehen und die gleichen Argumente und die gleichen Floskeln haben. Die könnten vielleicht einen Lange Nacht der Fundamentalisten veranstalten? Aber Spaß beiseite: Die meisten religiösen Gruppen, die nicht mitmachen, haben schlicht und einfach oft keine Ressourcen: Sie arbeiten ja mit ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Die Gruppen haben einfach keine Zeit, kein Geld und keine Kraft, auch noch so einen Abend neben der alltäglichen Arbeit zu stemmen.

Rogate-Frage: Wer nimmt an der „Langen Nacht der Religionen“ teil und was wird angeboten?

Thomas Schimmel: An der Langen Nacht der Religionen nimmt ein schöner Querschnitt der Religionsgemeinschaften in Berlin teil. Man kann alles finden: Quäker, Muslime, Bahá’í , liberale und orthodoxe Juden, evangelische, hochkirchliche, freikirchliche, neuapostolische und katholische Christen, Hindus, Sikh, Buddhisten vieler Konfession, den Candomblé Tempel – aber auch das Forum Offene Religionspolitik oder den Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz e. V. Das Angebot der Gruppen ist sehr unterschiedlich. Es gibt Ausstellungen, Konzert, Andachten, Gottesdienste, Meditationen, Einführungsvorträge, Führungen, Gesprächsangebote. Einen Überblick kann man sich auf der Internetseite Indr.de oder in dem gedruckten Programmheft verschaffen, das man bei uns erhalten kann.

Rogate-Frage: Wo sind Sie an diesem Abend zu finden? Alle Orte können Sie sicher nicht besuchen….

Thomas Schimmel: Als 1219 e.V. haben wir eine eigene Veranstaltung gemeinsam mit dem Kathedralforum an der Hedwigskathedrale: eine Kathedral- und Stadtführung ab 16.50 Uhr und anschließend eine hl. Messe mit Erklärung der Liturgie. Am Abend werde ich religiöse Orte besuchen, die ich noch nicht kenne: zum Beispiel den Candomblé-Tempel in der Tradition afro-brasilianischer Religion in Kreuzberg. Empfehlen kann ich aber auch einen Besuch bei den Sufis in Neukölln oder bei den Sikhs in Reinickendorf: Hier wie dort habe ich tiefe Spiritualität erlebt. Aber auch die tolle geistliche Musik in einer Neuapostolischen Kirche, die erstaunliche Geschichte der Gewaltfreiheit bei den Quäkern oder die tiefe Frömmigkeit bei gleichzeitiger Weltzugewandtheit in den Moscheen ist ein wunderbares Erlebnis. Am Ende ist eigentlich vollkommen egal, wohin man an diesem Abend geht: Man wird Gastfreundschaft erleben und einen neuen, erstaunlichen Blick auf Gott und den eigenen Glauben erfahren.

Rogate: Vielen Dank, Herr Dr. Schimmel, für das Gespräch!

Weitere Informationen hier: langenachtderreligionen.de und 1219.eu

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Gamle Oslo kro og kirkekorDienstag, 26. August 14 |19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 28. August 14 |19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Donnerstag, 4. Sept. 14 |19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Sonnabend, 6. September, 18:00 Uhr, musikalische Vesper mit dem «Gamle Oslo kro og kirkekor». Gemeinsam veranstaltet mit der Norwegischen Kirche in Berlin (Sjømannskirken).
  • Unseren August-Plan finden Sie hier.
  • Unseren Gottesdienstplan für den September finden Sie hier.Dienstag, 2. September 14 |19:00 Uhr, VESPER

Gottesdienst: Rogate im August 13.

Rogate-Vesper am DienstagWillkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan.
Hier der Gottesdienst-Monatsplan August 2013.
Ausgewählte Gottesdienste und Veranstaltungen:

  • Dienstag, 30. Juli, 19:00 Uhr, Vesper, danach offene Teerunde
  • Donnerstag, 1. August, 19:30 Uhr, Komplet
  • Dienstag, 6. August, 19:00 Uhr, Vesper, danach offene Teerunde
  • Donnerstag, 8. August, 19:30 Uhr, Komplet
  • Sonnabend, 10. August 13, 14:00 Uhr, Mittagsgebet und Gedenken an die Verstorbenen der vergangenen Wochen, Neuer Zwölf-Apostel-Kirchhof, Werdauer Weg 5, S Schöneberg
  • Dienstag, 13. August, 19:00 Uhr, Vesper, danach offene Teerunde
  • Donnerstag, 15. August, 19:30 Uhr, Komplet
  • Dienstag, 20. August, 19:00 Uhr, Vesper, danach offene Teerunde
  • Donnerstag, 22. August, 19:30 Uhr, Komplet
  • Dienstag, 27. August, 19:00 Uhr, Vesper, danach offene Teerunde
  • Donnerstag, 29. August, 19:30 Uhr, Komplet

Erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln und über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). PKW-Stellplätze vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße.