Grußwort: Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert zum Franziskustag

Zum Franziskustag feierten wir gestern unseren ökumenischen „Gottesdienst für Mensch und Tier“ in der Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirche. Bereits seit zehn Jahren ist er bei uns Tradition. Mindestens einmal im Jahr wird zu dieser besonderen Segnungsfeier eingeladen, oft am 3. Oktober. Auch im Coronajahr 2020 wollten wir nicht darauf verzichten. Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert sprach zu Beginn ein Grußwort an die Gemeinde. Wir dokumentieren es hier:

MdB Mechthild Rawert (Bild: Marcel Talartsik)

Wie wir sehen, sind vor dem Altar Erntedank-Gaben aufgestellt. Alles ist vorbereitet, um am ersten Sonntag im Oktober das Erntedankfest zu feiern. Das freut mich: Da ich selbst „Bauerstochter“ bin, hat der Tag für mich eine besondere Bedeutung. Mit dem Erntedankfest feiern wir unsere Dankbarkeit für den Ertrag in Landwirtschaft und Gärten. Wir erinnern dabei auch an den engen Zusammenhang zwischen Mensch und Natur.  Wir alle sind Teil der einen Schöpfung.

Auch anlässlich des morgigen Franziskustages erinnern wir uns daran, dass es nur eine ganzheitliche Ökologie gibt, die Umwelt, Tier und Menschen auf der ganzen Erde umfasst. In Erinnerung an den Heiligen Franziskus von Assisi haben Sie heute ihre Wegbegleiter – ich sehe viele Hunde – mitgebracht.

Für mich bedeutet dieser Tag, innezuhalten und sich bewusst zu machen: Tiere sind Geschöpfe Gottes. Tiere sind nicht einfach Nutzprodukte in Bezug auf die Landwirtschaft. Anzuprangern ist der „Kommerz“, zum Beispiel durch illegalen Welpenhandel. Fakt ist: Es geht uns alle etwas an, wenn Tiere nicht artgerecht gehalten werden – sei es in den Ställen oder auch in Wohnungen.

Tiere haben einen „Eigenwert“, der menschlichen Nutzungsinteressen Grenzen setzt. Das Tierwohl ist eine weitreichende Verpflichtung. Tieren dürfen keine vermeidbaren Schmerzen und Leiden zugefügt werden. Unsere gesamte Gesellschaft ist für die Umsetzung der moralisch gebotenen Achtung des Tierwohls verantwortlich.

Für das Tierwohl trägt also auch die Politik Mit-Verantwortung. Der Agrarhaushalt ist sowohl im europäischen als auch im deutschen Finanzhaushalt immer einer der größten. Immer mehr Politiker*innen, Landwirte als auch Verbraucher*innen wollen die faire Umstellung der Fördergelder an ein umwelt- und klimaschonendes als auch ein tierwohlgerechtes Wirtschaften.

Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung ist dabei, sich zu verändern. Tiere werden längst nicht mehr als Produkt sondern als Lebewesen gesehen. Wir Sozialdemokrat*innen wollen ein verpflichtendes Tierwohllabel – das wollen leider noch nicht alle Fraktionen, die Regierungsverantwortung tragen. Dabei sind wir alle eine Umwelt – wir sind einem aktiven Klima-, Umwelt und Tierwohlschutz verpflichtet, sind zu ethischem und verantwortungsvollem Handeln angehalten.

Diejenigen unter uns, die hier heute mit einem Tier sitzen oder die zuhause ein Haustier halten, haben sich dafür entschieden, Verantwortung zu übernehmen. Ich selbst habe mich aus Verantwortung gegen die Haltung eines Tieres entschieden, da ich aus Zeitgründen gar nicht in der Lage wäre, artgerecht für das Wohl eines Tieres zu sorgen.

Für viele von Ihnen ist das anders. Im Münsterland gibt es einen Satz „Das letzte Kind trägt Fell.“ Dieser saloppe Spruch verweist auf etwas, was über Verantwortung hinausgeht: Auf die Liebe zwischen Mensch und Tier, auf die Liebe zwischen diesem einen Menschen und diesem einen ganz besonderen Tier. Wir werden darüber gleich noch mehr von Frau Prof. Enxing hören.

Mögen wir alle unsere Schöpfung wertschätzen und sie kostbar behandeln. Wir alle gemeinsam haben nur diese eine.

Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert, Tempelhof-Schöneberg

Vorschau 2021: Sonntag, 3. Oktober 2021 | 11:00 Uhr, Erntedank-Gottesdienst für Mensch und Tier zum Franziskusfest. Predigt: N.N.. Liturgie: Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Gemeinde, und Bruder Franziskus, Rogate-Kloster. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche Berlin-Schöneberg.

Willkommen: Gottesdienst für Mensch und Tier am Franziskustag

Das Rogate-Kloster lädt am Sonnabend, 3. Oktober 2020, zum traditionellen Gottesdienst für Mensch und Tier ein. Anlass ist der jährliche Gedenktag an den Heiligen Franziskus von Assisi, der als erster Tierschützer gilt. Der ökumensiche Gottesdienst beginnt um 15 Uhr in der Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirche (An der Apostelkirche 1). Das Rogate-Kloster richtet seit 2011 regelmässig Tiersegnungsgottedienste aus.

Die Predigt hält in diesem Jahr Julia Enxing aus Dresden. In ihrer Forschung lässt sie sich die Theologieprofessorin herausfordern von Fragen wie dem Verhältnis von menschlichem zu tierischem Leben.

Der Gottesdienst wird musikalisch von Felicitas Eickelberg gestaltet. Sie wird die Orgel besonders leise und damit besonders tierfreundlich spielen. Beteiligt sind zudem Pfarrvikarin Ruth Tuschling, Alt-katholische Gemeinde Berlin, und Bruder Franziskus vom Rogate-Kloster.

Prof. Dr. theol. Julia Enxing mit Lucy (Bild: Amac Garbe)

Die Predigerin: Prof. Dr. theol. Julia Enxing (Jg. 1983) studierte katholische Theologie und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen, Frankfurt a. M., und promovierte 2012 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 2017 habilitierte sie an der Hochschule St. Georgen. Seit 2020 ist sie Professorin für Systematische Theologie an der Technischen Universität Dresden.

Termin: Sonnabend, 3. Oktober 2020 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier zum Franziskustag. Predigt: Prof. Dr. Julia Enxing, Dresden. Liturgie: Pfarrvikarin Ruth Tuschling, Alt-katholische Gemeinde Berlin, und Bruder Franziskus, Rogate-Kloster. Grußwort: MdB Mechthild Rawert. Lektor*innen: Petra Meyer-Machtemes und Florian Wiese. Ministranten: Uta Willers-Urban, Andrea Fleischer und Markus Beckmann. Orgel: Felicitas Eickelberg. Tür-Begrüßung und Eintrag in die Corona-Listen: Pfarrer Burkhard Bornemann. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche Berlin-Schöneberg.

Corona-Pandemie: Der Gottesdienst findet unter Corona-Bedingungen statt: Die Namen und Anschriften müssen hinterlassen werden. Ein Mund-Nase-Schutz ist zu tragen. Im Gottesdienst darf im Sinne der Pandemie-Vorsorge derzeit leider nicht gesungen werden.

Zitat: Mein theologisches Nachdenken, Fragen, Sprechen und Schreiben ist ein gegenwartsinspirierter Prozess. Zweifel und Fragen des Lebendigen in dieser Zeit sind es, die mich zur (wissenschaftlichen) Reflexion anregen und zum Thema meiner Theologie werden.

Ich setze mich für eine Überwindung der Diskrepanz zwischen gedachter und gelebter Theologie ein. Dabei ist mir ein intensiver ökumenischer und internationaler Austausch besonders wichtig. Für mich ist Theologie ein partizipatives, inklusives, kritisches, lebensnahes, unabgeschlossenes und politisches Geschehen.

Als Theologin erhebe ich meine Stimme gegen rassistische, antisemitische, speziesistische und anderweitige Diskriminierungstendenzen.

Julia Enxing, Dresden

3. Oktober 2019: Segensgottesdienst für Mensch und Tier

Willkommen am Franziskustag:

2016 Wo ist das Rogate-Kloster?

Erreichbar ist die Zwölf-Apostel-Kirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln: über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). Fahrrad- und PKW-Stellplätze vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße. Adresse: An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.

Wir danken der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde für die Gastfreundschaft der Rogate-Gottesdienste in Schöneberg.

3. Oktober: Segensgottesdienst für Mensch und Tier

2018 10 03 TiersegnungFranz von Assisi gilt vielen als erster Tierschützer. Die Kirche gedenkt seiner jährlich am 3. bzw. 4. Oktober. Wir feiern daher am Mittwoch, 3. Oktober, einen Gottesdienst zum Tag des Heiligen. Dazu laden wir Mensch und Tier zseit Jahren um Segensgottesdienst in die Kirche ein. Beginn ist um 15.00 Uhr.

Ort: Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.

Erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln: über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). Fahrrad- und PKW-Stellplätze vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße.

Tiersegnung: Am Montag in Schöneberg.

Rogate Kl_Postkarte_Mensch+Tier2016_260916 (verschoben) Kopie.jpgWillkommen am Montag, 3. Oktober 2016 | 15:00 Uhr, zum Gottesdienst für Mensch und Tier am Franziskustag.

Predigt: Pfarrerin Andrea Richter. Orgel: Manuel Rösler.

Ort: Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg.

Erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln: über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). Fahrrad- und PKW-Stellplätze vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße.

Fünf Fragen an: Dr. Rainer Hagencord, Institut für Theologische Zoologie Münster

Dr. Rainer Hagencord I Foto: © Tatjana Jentsch

Fünf Freitagsfragen an Dr. Rainer Hagencord, Mitgründer und Leiter des Instituts für Theologische Zoologie in Münster, über schöpfungsgemäße Spiritualität, die Massentierhaltung als Sünde und die Frage, ob Tiere in den Himmel kommen.

Dr. Rainer Hagencord, geboren 1961 in Ahlen (Westfalen), hat von 1980 bis 1985 Theologie in Münster und Fribourg (Schweiz) studiert, wurde 1987 zum Priester geweiht und hat nach vierjähriger seelsorglicher Arbeit Biologie und Philosophie in Münster studiert und mit dem Staatsexamen abgeschlossen. Schwerpunkt seines Studiums war die Verhaltensbiologie.

Von 1996 bis 2000 hat er als Hochschulpfarrer in Münster schwerpunktmäßig das interdisziplinäre Gespräch zwischen Theologie und Biologie in der Gemeinde etabliert.

Rogate-Frage: Herr Dr. Hagencord, was erforschen und erarbeiten Sie in Ihrem Institut?

Rainer Hagencord: Der Begriff „Theologische Zoologie“ ist  Programm: In diesem interdisziplinären Projekt geht es darum, das Verhältnis des Menschen zur „Mehr-als-menschlichen-Welt“ als Brennpunkt der Theologie zu erarbeiten. Zugleich darum, eine schöpfungsgemäße Spiritualität in das kirchliche und öffentliche Bewusstsein zu transportieren.
Die geschieht in drei Arbeitsfeldern: Wissenschaft und Forschung / Pädagogik und Katechese / Projekte und Kooperationen.

Rogate-Frage: Wie kam es zu dieser Einrichtung und wie wird Ihre Arbeit von der Kirche angenommen?

Rainer Hagencord: Es war die Erkenntnis, das es neben einer theologischen Anthropologie bislang kein ähnliches Projekt gibt, dass die Mitgeschöpfe des Menschen und die Erfahrungen mit ihnen theologisch würdigt.
Es ist doch erstaunlich, dass sich die Tiere in der Bibel fast auf jeder Seite tummeln, die Theologie sich aber mehr oder weniger ausschweigt. Und dass obwohl sie unter anderem die Zuerst-Gesegneten der Schöpfung sind, beseeltes Gegenüber des Adam, bevor Eva ins Spiel kommt, Bündnispartner Gottes nach der Flut, Lehrerinnen und Lehrer für Hiob, Bileam und Jesus selbst. Was bedeutet das für die Theologie und Spiritualität? Das ist die Frage, die an Brisanz zunimmt.
Der Ansatz wird immer stärker gewürdigt und angefragt, auch die Medienpräsenz ist groß. Und immerhin hat der Bischof von Münster mich für diese Arbeit freigestellt.

Rogate-Frage: Kommen Tiere in den Himmel? Und welche Folgen sollte diese Erkenntnis für uns haben?

Rainer Hagencord: Wohin denn sonst, wenn nicht in den Himmel? Es ist doch eine merkwürdige Vorstellung, an einen Gott zu glauben, den die Bibel den Liebhaber des Lebens nennt, der nur ein Geschöpf aus der unendlichen Fülle der Geschöpfe am Ende zu sich zieht. Es ist die Friedensvision des Jesaja, die mich ermutigt: In Jesaja 11,1-9 macht der Prophet deutlich, dass Gott eine Welt ohne Gewalt – den Himmel also – will, und dort freunden Kuh und Bärin sich an, ebenso wie Wolf und Lamm.
Also undenkbar: Das Heil OHNE Tiere!
Und es ist die fast vergessene Zusage des Bundes vonseiten Gottes mit Mensch und Tier. Wenn sie die Dritten im Bunde sind, können wir nicht mehr daran festhalten, die Erde sei für uns da.
Diese Erkenntnis kann alles verändern: Vom Gebetsleben über die Würdigung des Tierisch-Tierlichen in uns bis in die Einkaufs- und Ernährungspraxis.

Rogate-Frage: Darf man für Tiere beten? Und was erbittet man? Beten Sie für sie?

Rainer Hagencord: Ich komme immer mehr dahin, von ihnen zu lernen, was meine Spiritualität bedeutet: Mehr im Augenblick und in der Wahrnehmung sein; die schweren Fragen, wie ich gemeint bin und was ich tun soll, immer wieder loslassen. Ganz wie die „Vögel des Himmels und die Lilien auf dem Felde“. Für mich ist Beten das Üben der Sehnsucht nach Gott und Ausdruck einer Solidarität vor allem mit denen „am Rande“. Jedes mal wenn mir auf einer Straße ein Schweinetransporter begegnet und ich einen Blick der Tiere erhasche, kann ich nicht anders als beten: In der Hoffnung, dass dieses Elend eines Tages aufhört.

Rogate-Frage: Ist Massentierhaltung Sünde? Warum?

Rainer Hagencord: Kennzeichnend für dieses System ist es, dass es fast nur Verlierer gibt: Die Tiere selbst, unsere Landschaften, das Klima und das Grundwasser, Ökosysteme in Lateinamerika, woher die Futtermittel kommen, die Berufe des Landwirts und des Metzgers. Es gewinnen: die Fleisch- und die Pharmaindustrie. Da liegt es nahe, von „struktureller Sünde“ zu sprechen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Dr. Hagencord, für das Gespräch!

Mehr über das Institut für Theologische Zoologie finden Sie hier: theologische-zoologie.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • 10402807_1063246967025504_1821165481048264438_nFreitag, 2. Oktober 2015 | 20:00 – 20:15 Uhr, Totenläuten zum Gebet für auf der Flucht gestorbene Flüchtlinge. Hier ein Schaukastenaushang für sich beteiligende Kirchengemeinden.
  • Freitag, 2. Oktober 2015 | 20:15 Uhr, Ökumenischer Gedenkgottesdienst für auf der Flucht gestorbene Menschen. Mit Bischof Anba Damian, Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Propst Dr. Christian Stäblein, EKBO, Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg, Pfarrerin Beate Dirschauer, Flüchtlingskirche Kreuzberg, und Br. Franziskus, Rogate-Kloster. Orgel: Manuel Rösler.
  • Samstag, 3. Oktober 2015 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier. Predigt: Pater Engelbert Petsch. Orgel: Dr. Julian Heigel.
  • Dienstag, 6. Oktober 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 13. Oktober 15 | 19:00 Uhr, Vesper