Frank Moritz: Fallen wir nicht auf Putins Propaganda rein!

Der Überfall Putins auf die Ukraine verleitet zu einem Schwarz-Weiß-Denken. Kein Wunder, jeder Krieg provoziert das Freund-Feind-Schema. Vorsicht Falle! Wir sollten es uns nicht zu einfach machen und etwa alle Menschen mit russischem Hintergrund vorschnell einzuordnen und zu verurteilen.

Pastor Frank Moritz (Bild: Banter Kirche Wilhelmshaven)

Eine Konfirmandin hat mich auf unserer letzten Konfirmandenfreizeit zum Nachdenken gebracht. Wir hatten eine kleine Olympiade mit verschiedenen Spielen organisiert. Dafür sollten sich jeweils Teams mit vier Mitgliedern zusammenfinden. Eine Aufgabe war es auch, ein Wappen für das eigene Team zu malen. Die Konfirmandin, die ich vor Augen habe, malte für ihr Wappen eine russische und eine deutsche Fahne. Dazu zwei Hände, die miteinander verschränkt waren. Sie erklärte ihr Bild mit den Worten: „Wir sind in unserem Team je zwei Kinder, die in Deutschland und die in Russland geboren sind. Ich will, dass wir Freunde sind.“ Ihre Äußerung hat mich bewegt, denn ich habe mich gefragt, was sie denn wohl zu dieser Aussage veranlasst hat.

Die Kleine stammt aus einer russlanddeutschen Familie aus der sibirischen Großstadt Omsk und ist mit ihren Eltern und ihren Großeltern vor acht Jahren nach Deutschland gekommen.

Wir haben in unserer Banter Kirchengemeinde seit dreißig Jahren viele Kontakte zu russlanddeutschen Familien. So habe ich auch viel über das Schicksal dieser Menschen erfahren. Während des Zweiten Weltkriegs wurden sie von Stalin zu Feinden erklärt, nur weil sie Deutsche waren. Sie wurden aus ihrer angestammten Heimat an der Wolga oder in der Ukraine weit in den Osten deportiert. Unter den unwürdigen Verhältnissen sind unzählige Menschen umgekommen. Einige mussten damals in Erdlöchern hausen, um zu überleben. Man zwang die Menschen in die sogenannte Trudarmee, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten. Alle standen unter der ständigen Kommandatur, d.h. sie durften ihren Ort in der Regel nicht verlassen. Jeder beschimpfte sie als „Fritzen“ und „Faschisten“ Erst nach Stalins Tod war es ihnen möglich, etwa nach Kasachstan umzusiedeln, um sich endlich ein eigenes Leben aufzubauen.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ergab sich die Möglichkeit, in das Land der Vorfahren, nach Deutschland zurückzukehren. Doch wurde man in Russland als „Deutsche“ beschimpft, folgte hier oft das Gegenteil, man bezeichnete sie als „Russen“. Doch die insgesamt ca. 2,5 Millionen Russlanddeutschen bewiesen eine große Bereitschaft, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren und es ist den meisten in wenigen Jahren auch gut gelungen. Wie bei jeder Einwanderungsgruppe gab es sicher auch hier Menschen, denen die Eingewöhnung schwerer fiel und die auch mit der deutschen Sprache nicht so gut zurechtkamen. So kam es, dass einige nur russische Medien konsumierten und daher auch Putins Ideologie aufgesessen sind.

Doch bitte bitte setzen wir nicht alle gleich!

Wir versammeln uns hier, um gemeinsam für den Frieden in der Ukraine zu beten. Putin hat das Interesse, unsere Gesellschaft zu spalten. Fallen wir nicht auf seine Propaganda herein, betrachten wir unsere Russlanddeutschen als die, die sie sind, unsere Nachbarinnen und Nachbarn, unsere Kolleginnen und Kollegen, ja und auch unsere Freundinnen und Freunde.

Ihre Familien haben viel durchgemacht und auf sich genommen und sich mit großem Einsatz in unsere Gesellschaft eingebracht, um mit uns gemeinsam als Deutsche zu leben.

Ein Beispiel aus unserer Gemeinde kommt mir vor Augen. Damals, Anfang der Neunziger Jahre, haben wir in unsere Kleiderkammer für die neu Eingewanderten geöffnet. Heute sind wir für die Ukrainerinnen und Ukrainer da und es ist von Bedeutung, dass wir unter den Ehrenamtlichen in der Kleiderkammer auch zwei russlanddeutsche Frauen haben. Wie gut, denn nicht alle Ukrainerinnen sprechen Englisch oder gar Deutsch. Russisch verstehen aber alle.

„Ich will, dass wir Freunde sind“, sagte die Konfirmandin, die einst mit ihrer Familie aus Omsk nach Deutschland gekommen ist. Ich habe ihren Worten nichts hinzuzufügen.

Intervention von Pastor Frank Moritz; Banter Kirche Wilhelmshaven, im ökumenischen Friedensgebet am Dienstag, 26. Juli 2022, in der Sankt WIllehad-Kirche. Zu den Friedensandachten wird seit Kriegsbeginn im Februar von den Gemeinden der St. Willehad-Gemeinde, der Neuapostolischen Kirche, der Banter Kirche und der Luther-Kirche, der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, dem Diakonischen Werk Friesland-Wilhelmshaven und dem Rogate-Kloster Sankt Michael eingeladen.

Willkommen zu den nächsten Rogate-Gottesdiensten und -Terminen in Berlin und Wilhelmshaven:

  • Sonntag 31. Juli 2022 | 10:00 Uhr, Eucharistie. Liturgie und Predigt: Br. Franziskus. Organist: Gabriel Pech. Lektor: Jürgen Doster. Kirchdienst: Gesine Schmithals. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.
  • Dienstag, 9. August 2022 | 19:00 Uhr. Vesper, das Abendgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.
  • Dienstag, 9. August 2022 | 20:00 Uhr. (Mitgliederöffentliche) Mitgliederversammlung Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin e.V.. Ort: Bibliothek im Pfarrhaus, An der Apostelkirche 3, Berlin-Schöneberg.
  • Donnerstag, 11. August 2022 | 19:30 Uhr. Komplet, das Nachtgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.
  • Donnerstag, 11. August 2022 | 20:00 Uhr. (Mitgliederöffentliche) Mitgliederversammlung Förderverein Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin e.V.. Ort: Bibliothek im Pfarrhaus, An der Apostelkirche 3, Berlin-Schöneberg.
  • Dienstag, 30. August 2022 | 18:00 Uhr, ökumenisches Friedensgebet anlässlich des Überfalls Russlands auf die Ukraine. Ort: St. Willehadkirche, Bremer Straße 53, 26382 Wilhelmshaven.
Bezirksevangelist Eike Rosentreter (von links), Lektorin Susanne Klenk, Pastoralreferentin Daniela Surmann, Bianca Bolle, Bürgermeisterin Gesche Marxfeld, Bruder Franziskus und Pastor Frank Moritz nach dem Friedensgebet am 26. Juli 2022 vor der Sankt WIllehad-Kirche (Bild: Klenk).

Seenotrettung: Rogate-Kloster schließt sich Bündnis „United4Rescue“ an

Das Rogate-Kloster ist dem Bündnis „United4Rescue“ beigetreten. Damit stellt sich die ökumenische Gemeinschaft hinter das von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiierte Projekt zur Rettung von Menschen in Seenot im Mittelmeer. „Wir unterstützen United4Rescue, weil für uns geistliches Leben mit tätiger Nächstenliebe, dem Einsatz für Gerechtigkeit, Menschenwürde und dem Recht auf Leben einhergeht“, so Br. Franziskus.

Über 300 Organisationen, Landeskirchen, Hochschulen und Kirchengemeinden sind dem im Dezember 2019 gegründeten Bündnis beigetreten. Der Förderverein des Rogate-Klosters gehört seit Ende vergangenen Jahres dazu. Ziel der Engagierten ist es, ein eigenes Schiff zur Rettung von Menschen in Seenot im Mittelmeer einzusetzen. Weitere Informationen: united4rescue

Grußwort: Bürgermeister Uwe Reese begrüßt Bischof Matthias Ring

Folgendes Grußwort hat Wilhelmshavens Bürgermeister Uwe Reese am Donnerstag, 12. September 2019, im Küstenmuseum Wilhelmshaven gesprochen. Er begrüßte Bischof Dr. Matthias Ring. Dieser hielt den Vortrag „Frieden und Toleranz in der Alt-katholischen Kirche„.

„Das 150jährige Stadtjubiläum, das wir ganzjährig feiern, hat einiges in Wilhelmshaven verändert. Nach meiner Wahrnehmung ist bei der Fülle von Veranstaltungen ein „Wilhelmshaven-Gefühl“ entstanden. Die Bürgerinnen und Bürger sind zusammen gerückt.

So viele positive Reaktionen zu dem Geschehen in unserer Stadt habe ich noch nie erlebt, und ich lebe immerhin schon seit mehr als 70 Jahren in meiner Geburtsstadt Wilhelmshaven.

Mit der Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt. 150 Jahre religiöse Vielfalt an der Jade““ und der „Politikerkanzel: Was mich treibt“ demonstrieren die Kirchen in unserer Stadt die ökumenische Vielfalt in beeindruckender Weise.

Ich bin mir sicher, dass Erleben der religiösen Vielfalt im Küstenmuseum entfaltet den erhofften nachhaltigen Effekt zu mehr Toleranz im Miteinander der Religionen.

Bruder Franziskus, das muss jetzt sein, Sie sind der Motor der Aktivitäten. Dafür spreche ich Ihnen meine Hochachtung aus und verbinde das mit dem Dank im Namen von Rat und Verwaltung der Stadt für ihr außergewöhnliches Engagement, das ich bei der Eröffnung der Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt.“  live erleben durfte. Sie haben praktisch bis zur Begrüßung gewerkelt, um die Exponate ins rechte Licht zu rücken.

Heute Abend hören wir den letzten Vortrag im Kontext der Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt“. Ihr Referat, Herr Bischof, „Frieden und Toleranz in der Alt-katholischen Kirche“ bildet den Abschluss einer Vortragsreihe mit diversen Einblicken in verschiedene Religionen und Konfessionen.

Ich darf sie ganz herzlich im Namen von Rat und Verwaltung  der Stadt Wilhelmshaven begrüßen. Kennen gelernt haben wir uns bereits gestern Abend in der Banter Kirche, in der Sie bei der Veranstaltung „Politikerkanzel“ mitgewirkt haben.

Liberales Judentum, reformierte Theologie, Buddhismus oder der Blick in die Geschichte Wilhelmshavens – alles fand Platz in einem spannenden Reigen hoch interessanter Vorträge in Hörweite der Sonderschau „Wilhelmshaven glaubt.“.

Ihr Vortrag, Herr Bischof, schließt den Reigen der die Sonderschau begleitenden Veranstaltungen. Wir alle sind gespannt auf ihre Ausführungen zu Frieden und Toleranz in der Alt-katholischen Kirche, deren amtlicher Name Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland lautet. Das Bistum ist eine selbständige katholische Kirche innerhalb der Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen, und Sie wurden am 20. März 2010 in der evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe in ihr Amt eingeführt.

Herr Bischof Dr. Ring, Sie haben bereits gestern Abend in der Banter Kirche mit gewirkt bei der Sommerreihe „Politikerkanzel: Was mich treibt“, bei der der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil eindrucksvoll schilderte, was ihn treibt, Politik zu machen.

Sie haben sich in Wilhelmshaven aber auch informiert über das mittlerweile mehrjährige Engagement des Rogate-Klosters in unserer Stadt und dabei mit Verantwortlichen von Kirche und Diakonie Gespräche geführt.

In Wilhelmshaven gibt es einen Arbeitskreis um Bruder Franziskus, der sich mit der Idee „House of One“ nach Berliner Vorbild beschäftigt.

Deshalb freuen wir uns in Wilhelmshaven besonders über ihren Besuch, signalisieren Sie damit doch ihre Unterstützung für die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft Religionenhaus und ihr Interesse am Wirken des von ihrem Bistum anerkannten Rogate-Klosters.

Schließen will ich mit einem Zitat des 2007 verstorbenen deutschen Philosophen Carl-Friedrich-von Weizäcker: „Die Kirche hat nicht den Auftrag, die Welt zu verändern. Wenn Sie aber ihren Auftrag erfüllt, verändert sich die Welt“.

Für die Stadt Wilhelmshaven stelle ich fest – die Kirche hat im Jubiläumsjahr 2019 ihren Auftrag erfüllt.“

Bürgermeister Uwe Reese, Stadt Wilhelmshaven

Foto-Ausstellung „Glaube, Liebe, Hoffnung. (M)eine Sicht auf Wilhelmshaven.“ ab dem 1. Advent

RogateKl_Postkarte A6 hoch_Wanderausstellung_151118-2Viele Menschen, die als Geflüchtete nach Wilhelmshaven kamen, haben in der Jadestadt ein neues Zuhause gefunden. Nordseestadt und Küstenregion sind ihnen zur Heimat geworden, in der sie sich eine neue Lebenswelt aufgebaut haben und diese gestalten. Doch mit welchem Blick sehen die Neubürger ihre neue Umgebung und wie nehmen sie die Stadt am Meer wahr? Gibt es Unterschiede zu Wilhelmshavenern, die vor Ort schon lange leben?

Die Flüchtlingsarbeit des Kirchenkreises Friesland-Wilhelmshaven entwickelte aus dieser Idee ein Fotoprojekt. Mit Unterstützung der Nordwest-Zeitung, der Diakonie Friesland-Wilhelmshaven, der Agentur Nolte Kommunikation und des Rogate-Klosters Sankt Michael konnte das Fotoprojekt „Glaube, Liebe, Hoffnung. (M)eine Sicht auf Wilhelmshaven“ realisiert werden. Als Schirmherr wurde der in Wilhelmshaven geborene Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, gewonnen.

Zehn geflüchtete und zehn in Wilhelmshaven geborene oder schon länger lebende Menschen wurden gebeten, ihre Sicht auf die Stadt festzuhalten. Mit Einmalkameras machten sie sich auf den Weg und schauten, welche Orte sie in dieser Ausstellung teilen wollen. Die Bilder sollen zeigen, was den Menschen wichtig ist – wie sie ihre Stadt sehen und was sie mögen. Die Aufnahmen zeigen u.a. Momentaufnahmen aus den Stadtteilen, vom Strand und Alltagsleben.

Die Ausstellung wird in der Friedenskirche erstmalig gezeigt und im Gemeindegottesdienst zum 1. Advent, am 2. Dezember, 10 Uhr, durch Pastor Kai Wessels eröffnet. Weitere Öffnungszeiten sind ab dem 3. Dezember von Montags bis Freitags von 9:00 bis 12:00 und von 14:00 bis 16:00 Uhr.

Mitte Dezember endet die Ausstellung in Fedderwardergroden. In Wilhelmshaven-Neuengroden ist sie dann in der Thomaskirche ab dem 5. Januar zu sehen.