Martin Niemöller: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist…“

„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Martin Niemöller (1892 – 1984), evangelischer Pastor, ehemaliger Kirchenpräsident von Hessen-Nassau, 1937 – 1945 KZ-Häftling in Dachau.

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Kirchenbänke 2017 in der Christus-und Garnisonkirche Wilhelmshaven (Bild: Rogate-Kloster)

Fünf Fragen an: Apl. Prof. Dr. Ursula Rudnick

Fünf Fragen an Apl. Prof. Dr. Ursula Rudnick, Beauftragte für Kirche und Judentum im Haus für kirchliche Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, über eine Religionen verbindende Kampagne der Kirchen, Gemeinsamkeiten von Pfingsten und Schwawout sowie Plakate, die ab sofort in vielen Schaukästen zu sehen sind.

Ursula Rudnick stammt aus Hannover und studierte Theologie und Judaistik in Göttingen, Tübingen, Jerusalem und New York, wo sie am Jewish Theological promovierte. Sie engagiert sich seit vielen Jahren im christlich-jüdischen Dialog.

Apl. Prof. Dr. Ursula Rudnick (Bild: privat)

Rogate-Frage: Frau Professorin Rudnick, unter dem Titel „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“ startet in diesem Monat eine Kampagne der katholischen und evangelischen Kirche. Was soll damit erreicht und welche Botschaften vermittelt werden?

Ursula Rudnick: Mit der Kampagne #jüdisch-beziehungsweise-christlich soll die Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum vergegenwärtigt werden. Die kurzen Texte auf den Monatsplakaten laden zum Nach-denken und Nach-fragen ein. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Ostern und Pessach? Wie wird Pessach gefeiert? Wichtig ist uns dabei, dass zum einen die engen Verbindungen wahrgenommen werden und zugleich respektvoll die „dignity of difference“, die Würde der Verschiedenheit, wie Rabbiner Jonathan Sacks sie nannte, gewahrt bleibt.

Rogate-Frage: Wie kam es zu der Idee und an welche Zielgruppe richtet sich das Projekt?

Ursula Rudnick: Die Idee dieser Share-Kampagne entstand in Berlin. Dann wurde sie an verschiedenen Orten, so auch in Niedersachsen aufgegriffen und weiterentwickelt. Daher ist die Kampagne jetzt eine ökumenische Kampagne, die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) unterstützt wird. In Niedersachsen ist auch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACKN) dabei. Die Plakate sind in Schaukästen von Gemeinden zu finden und richten sich an alle, die an diesen Schaukästen vorbeikommen. Darüber hinaus finden sie sich auf den Internetseiten von Kirchen und Kirchengemeinden und richten sich an Gemeindemitglieder. In den vergangenen Jahrzehnten hat das christlich-jüdische Gespräch bedeutende Fortschritte gemacht. Zugleich sehen wir, dass die Einsichten zum Beispiel von Nostra Aetate und der zahlreichen Synodalerklärungen noch nicht in allen Kirchengemeinden angekommen sind. Das Verhältnis von Kirche zum Judentum ist ein lebendiges Verhältnis. Jede Generation steht vor der Aufgabe, es neu zu gestalten und mit Leben zu füllen.

Rogate-Frage: Geht es mehr um die Vergleichbarkeit der großen Feste beider Religionen oder was soll konkret durch „#beziehungsweise“ vermittelt werden?

Ursula Rudnick: Ausgangspunkt ist das Festjahr. Es gilt den Blick zum Beispiel von Pfingsten auf Schawuot zu richten. So wie Schawuot 40 Tage nach Pessach gefeiert wird, so wird Pfingsten 40 Tage nach Ostern gefeiert. Hier gibt es Parallelen in der Struktur und auch im Inhalt. Manchmal gibt es Parallelen in der Struktur, aber Unterschiede im Inhalt, so wie zum Beispiel bei Purim und Karneval. Die Bezüge und Beziehungen sind vielfältig und komplex. Sie zu entdecken, helfen die Hntergrundinformationen auf der Internetseite #jüdisch-beziehungsweise-christlich. Darüber gibt es monatlich stattfindende Dialoge von jüdischen und christlichen Gelehrten, an denen jede/r kostenfrei teilnehmen kann. Wer sich auf der Homepage anmeldet, erhält den Link für die Online-Teilnahme.

Rogate-Frage: Warum ist der Interreligiöse Dialog für Sie so wichtig?

Ursula Rudnick: Als Christ*innen sehen wir alle Menschen als Geschöpfe Gottes. In unserer globalisierten und vernetzen Welt ist es wichtig, dass wir miteinander im Gespräch sind. Der christlich-jüdische Dialog ist für Christ*innen aus mehreren Gründen unverzichtbar: zunächst um der eigenen Integrität willen. Judenfeindschaft durchzieht die Geschichte der Kirche von ihren Anfängen an. Sie ist so tief in unserer relgiösen Tradition und Kultur verwurzelt und wir erleben ein neues Aufflammen von Judenfeindschaft. Es gilt auf vielfältigen Ebenen sich ihr entgegenzustellen: in der Bildungsarbeit, in der politischen Arbeit und auch im Alltag. Zum anderen ist mir der christlich-jüdische Dialog wichtig, weil es spannend ist, zu sehen, wie die jüdische Tradition die Bibel liest. Hier habe ich viel gelernt und viel entdeckt. Und: eine wichtige Frucht des Dialogs sind vielen Freundschaften, die ich im christlich-jüdischen um im interreligiösen Dialog habe schließen dürfen.

Rogate-Frage: Wie sieht der Dialog der Religionen in der Zukunft aus? Was wünschen Sie sich von den Dialogbeteiligten?

Ursula Rudnick: Ich bin keine Hellsehrerin, deshalb kann ich nicht sagen, wie der Dialog in der Zukunft aussehen wird. Ich wünsche Zusammenarbeit und Austausch auf vielfältige Weise: beim Lesen der Bibel, beim Einsatz für Gerechtigkeit und auch bei Fragen der Klimakrise. Es gibt bereits zahlreiche Aktivitäten: Ich wünsche mir, dass sie weiter zunehmen.

Rogate: Vielen Dank, Frau Prof. Rudnick, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen (Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin ISSN 2367-3710) – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

Feiertag: Epiphanias/Heilige Drei Könige

An Epiphanias, dem 6. Januar, ziehen nach altem Brauch Kinder als Sternsinger singend von Haus zu Haus. Der Tag erinnert an den Besuch der Weisen aus dem Morgenland bei Jesus an der Krippe – und damit an das Erscheinen Gottes in der Welt. Daher kommt auch der Name Epiphanias, abgeleitet vom griechischen Wort „epiphaneia“ für „Erscheinung“.

Epiphanias wird auch Heilige Drei Könige oder Dreikönigstag genannt. Diese Tradition ist in vielen katholischen, aber auch in evangelischen Gegenden beheimatet. Epiphanias ist eines der ältesten kirchlichen Feste (Text: EKD).

Dieses Fensterbild von Alfred Kothe in der Zwölf-Apostel-Kirche zu Schöneberg zeigt die Erzählung über die Weisen aus dem Morgenland (Matthäus 2, 1-12):

Glasfenster in der Zwölf-Apostel-Kirche Berlin-Schöneberg (Bild: Rogate-Kloster)

„Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): »Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.« Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land.“

Wir vom Rogate-Kloster wünschen Ihnen ein gesegnetes, gesundes und fröhliches Jahr 2021!

Tag des Ehrenamtes: Verleihung der Berliner Ehrennadel an Br. Franziskus

Zum morgigen Tag des Ehrenamtes (5. Dezember), ist von der Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales bekannt gegeben worden, dass Bruder Franziskus vom Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin mit der „Berliner Ehrennadel für besonderes soziales Engagement“ ausgezeichnet wird. 

Bundestagsabgeordneter Dr. Jan-Marco Luczak, Tempelhof-Schöneberg, hatte sich neben weiteren Persönlichkeiten aus Kirche, Wissenschaft und Politik für den Vorschlag zur Verleihung der Berliner Ehrennadel an Bruder Franziskus eingesetzt.

MdB Jan-Marco Luczak (Bild: Yves Sucksdorff)

„Ich gratuliere Bruder Franziskus sehr herzlich zur Verleihung der Berliner Ehrennadel. Die Auszeichnung ist hochverdient, Bruder Franziskus setzt sich seit vielen Jahren unermüdlich für notleidende Menschen, für Toleranz und Offenheit sowie interkulturelle Verständigung in unserer Stadt ein. 

In der Nachbarschaft in Schöneberg ist er tief verwurzelt und hat sich von Beginn an ganz besonders auch für die LGBTIQ-Community engagiert. Der von ihm ins Leben gerufene ökumenische Gottesdienst zum schwul-lesbischen Stadtfest ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Festprogramms geworden, der weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt ist und international Anerkennung findet. Auch zu den vielen fremdsprachigen Gemeinden in unserer Stadt pflegt Bruder Franziskus ein enges Verhältnis. Ihnen stand er insbesondere nach Katastrophen und Anschlägen seelsorgerisch zur Seite. 

Ich bin dankbar, dass es Menschen wie Bruder Franziskus in meinem Wahlkreis gibt. Mit seiner Arbeit und seinem Einsatz trägt er dazu bei, dass unserer Welt jeden Tag ein bisschen besser wird. Damit ist er ein leuchtendes Beispiel für ehrenamtliches Engagement, ohne das unsere Gesellschaft so viel ärmer wäre. Die Verleihung der Berliner Ehrennadel an Bruder Franziskus habe ich gern unterstützt, sie ist ein besonders schönes Zeichen des Dankes und der Wertschätzung.“

Dr. Jan-Marco Luczak, Bundestagsabgeordneter, Tempelhof-Schöneberg

Gottesdienst für Mensch und Tier: Predigt von Prof. Julia Enxing

Zum Franziskusfest feierten wir am 3. Oktober unseren ökumenischen „Gottesdienst für Mensch und Tier“ in der Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirche.

Diese Segensfeier ist bei uns Tradition geworden, seit zehn Jahren ist er fester Bestandteil unseres Gottesdienstjahres. Mindestens einmal im Jahr wird zu dieser besonderen Segnungsfeier eingeladen, zumeist am 3. Oktober.

Auch im Coronajahr 2020 wollten wir nicht darauf verzichten. Wir konnten Prof. Dr. Julia Enxing, Dresden, als Predigerin gewinnen. Wir dokumentieren ihre Ansprache hier:

Willkommen im Anthropozän. Anthropozän, so nennen Wissenschaftler:innen unser Zeitalter, ein Zeitalter, in dem Menschen den natürlichen Lebensraum in kürzester Zeit mehr verändert haben als je zuvor. Anthropozän benannt nach dem Anthropos, dem Menschen. Wir haben es also geschafft: ein ganzes Zeitalter wird nach uns benannt. Herzlichen Glückwunsch.

Doch… wer kann schon ernsthaft stolz darauf sein? Die Veränderungen die die Menschheit, die wir, bewirkt haben und bewirken, führen nicht nur zu innovativen Technologien, Pflege-Robotern und E-Autos, sie führen auch zu nuklearen Waffen, Bergen von Plastik an den Stränden der Welt und zu einem massiven Artensterben.




Prof. Dr. Julia Enxing mit Lucy in der Mitte des Tier-Gottesdienstteams (Bild: Markus Beckmann)

Erst kürzlich bekamen wir es schwarz auf weiß: Mit unserem Lebensstil haben wir zwei Drittel der Tierbestände in den vergangenen Jahrzehnten ausgelöscht. Ausgelöscht. Weg. Unwiederbringlich. Zwei Drittel. Das muss man sich mal vorstellen. 68 Prozent der Populationen von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Amphibien und Reptilien sind zwischen 1970 und 2016 zerstört worden.

Neulich habe ich Folgendes gelesen: Wenn wir Menschen einander im selben Ausmaß und in derselben Geschwindigkeit töten würden wie wir Tiere töten, wären wir innerhalb von 17 Tagen ausgestorben.

All das macht mich sehr traurig. Es macht nicht nur oft genug traurig, wie wir Menschen miteinander umgehen, es macht mich auch traurig, wie wir mit den Tieren umgehen.

Es macht mich nicht nur traurig, wie sehr wir auf Kosten von anderen Menschen leben, sondern auch, wie sehr wir auf Kosten der Tiere leben.

Als könnten sie etwas dafür.

Als könnten sie etwas dafür, dass wir es waren, die einst entschieden haben, dass wir, die Menschen, die Krone der Schöpfung seien, uns anderen überlegen fühlen und sie zu unseren Dienern und Sklaven machten.

Apropos Krone der Schöpfung – steht davon eigentlich etwas in der Bibel? Ich suche dieses Missverständnis dort schon lange und bin bisher nicht fündig geworden. Ich lese die Schöpfungserzählung und lese dort, dass Gott sich – natürlich nur symbolische, nicht wörtliche – fünfeinhalb Tage für die Erschaffung von Licht und Finsternis, Wasser, Erde und Himmel, Bäumen und Sträuchern, Sternen, Wasser-, Flug- und Landtiere Zeit genommen hat und … einen Nachmittag für den Menschen. Und dass der krönende Abschluss dieses wunderbaren Werkes, die Krönung der gesamten Schöpfung (nicht nur dieses einen nachmittags) der Sabbat war, der siebte Tag. Der Sabbat ist geheiligt, er ist die Krone der Schöpfung, nicht der Mensch. Und der Sabbat gilt selbst den Tieren. Auch sie sollen am Sabbat ruhen von ihrer Arbeit. Sie sind ebenfalls geheiligt. Es ist das Miteinander allen Lebens, das geschaffen wurde, damit es lebt, damit es nur so wuselt und wimmelt, summt und brummt und quietscht, blubbert, bellt, grunzt und miaut.

Das Konzert des Lebens wurde von Gott am Sabbat gekrönt – und da heißt es, dass das gut war. Gott fand das gut, diese Fülle an Leben, diese Lebensfülle. Ich frage mich: Wie muss das nun für Gott sein, dass wir dieses Lebenswerk sukzessive zerstören. Sind wir nicht aufgetragen, den Willen Gottes zu erfüllen?

Sie alle, die sie hier sind und auch die, die nicht physisch, sondern nur in Gedanken hier sein können oder wollen, haben sich hier versammelt, weil sie zu den Menschen gehören, die den paradiesischen Zustand des Miteinanders von Lebendigem kennen, schon erlebt haben und wertzuschätzen gelernt haben. Sie alle haben vermutlich einen Zugang zu dem, was es heißt, die Schöpfung zu lieben. Vielleicht haben Sie einen Garten oder einen Balkon, auf dem sich regelmäßig die Bienen zum Tanz versammeln. Oder sie haben einen Rasen auf dem sich die Grashüpfer tummeln, einen Teich, in dem die Kaulquappen umhersausen oder sie gehen durch einen Park, in dem die Eichhörnchen um die Wette klettern. Vielleicht haben sie auch ein Meerschweinchen, dessen freudiges Quieken ihnen Geschichten aus einer anderen Perspektive erzählt oder sie haben eine Katze, mit der sie eine WG bilden, oder oder oder … oder Sie wissen davon zu berichten, wie bereichernd es ist, mit einem Hund an ihrer Seite leben zu dürfen. Wie schön und manchmal auch wie traurig und sorgenvoll ein Leben mit Tieren ist.

Menschen die ihr Leben mit Tieren teilen dürfen, erfahren häufig das, was manche Bibelschulen, manche Katechese und manche Predigt mühevoll zu vermitteln suchen: Die Zusage: Du bist wertvoll. Ich freue mich, dass Du da bist. Egal, wie Dein Tag war, egal, ob Du es noch zum Friseur geschafft hast, egal, ob Du im Berufsleben erfolgreich warst: Es ist schön, dass Du da bist. So, wie Du bist. Diese vorbehaltlose und zensurfreie Annahme schaffen wir Menschen einander selten zu vermitteln. Das können vermutlich nur Tiere. Hier sind sie uns in der Vermittlung der göttlichen Liebe um einiges voraus.

Der Berliner Philosoph und Schriftsteller Andreas Weber drückt es so aus: „Darin sind sie (die Tiere) so, wie man sich einst die Gnade Gottes vorgestellt hat. Der Schulversager, der von Schwermut gepeinigt wird, hat für seinen Hund denselben Wert als Kumpan und Bezugsperson, als wäre er ein Überflieger. Die beißenden Regeln menschlicher Sozialbeziehungen sind teilweise außer Kraft gesetzt. (…) In einer Welt, in der es nichts geschenkt zu geben scheint, bezeugen Tiere gerade die Möglichkeit unverdienter Gunst.“

Ich kann es nur aus meiner eigenen Erfahrung sagen: Niemand, aber wirklich niemand, hat mich je so ehrlich und so freudig begrüßt, wie meine Hündin. Sie kann mich geradezu überschwänglich überfallen. Wenn ich nach ein paar Tagen von einer anstrengenden Konferenzreise, bei der ich mir unter Umständen harte – oftmals sehr gnadenlose und erbarmungslose – Kritik anhören musste, geprüft, gewogen, gemustert und für gut oder eben nicht gut befunden wurde, nach Hause zurückkomme, rast sie mir entgegen. Sie rast in einer Geschwindigkeit auf mich zu, dass ich nur noch hoffen kann, dass sie es schafft, rechtzeitig abzubremsen. Dann führt sie nicht nur mit ihrer Rute, sondern mit ihrem gesamten Körper einen Tanz der Wiedersehensfreude auf, der nicht aufhören möchte. In solchen Momenten denke ich manchmal: so muss das Paradies sein. Das ist ein Vorgeschmack auf die Aufnahme in das Himmelsreich. Ein schöner, ein tröstlicher Gedanke, dort hoffentlich einst so begrüßt zu werden.

Der Kölner Pastoralreferent Peter Otten drückt es so aus: „Du kannst behaupten, dass du Gott vertrauen kannst. Du kannst darüber predigen, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort haben. Du kannst den Satz sagen: Gott liebt dich. Mit einem Hund an deiner Seite hältst du es für möglich.

Ich habe meine Predigt damit begonnen, unser gestörtes Verhältnis zu unserer Mitwelt zu benennen. Und ich habe im Anschluss gezeigt, wie tief die Liebe von Mensch und Tier gehen kann. Das eine schließt das andere offenbar nicht aus. Ich frage mich, wie es uns einst gelingen kann, nicht nur bestimmte Menschen und bestimmte Tiere zu lieben, sondern den Wert des Miteinanders allen Lebens auch auf jene Lebewesen – sei es Mensch oder Tier – zu übertragen, von denen wir gelernt haben, dass sie uns nichts zu sagen haben und deren Anders-Sein wir viel zu häufig mit „weniger Wert sein“ übersetzen.

Als könnten sie etwas dafür.

Ich wünsche mir, dass wir es schaffen, einen Schritt weiter auf einem Weg zu gehen, an dessen Ende wir auch das Leben von Schweinen, Wölfen, Hornissen, von Raben, Amseln, Tauben, Stinktieren, Mistkäfern und Nacktschnecken so begrüßen und annehmen, wie unsere geliebten Tiere es uns heute schon nach einem Arbeitstag an der Eingangstür vormachen.

Möge Gott uns helfen, die Kraft und den Mut hierzu aufzubringen. Amen.

Prof. Dr. Julia Enxing, Dresden

Vorschau 2021: Sonntag, 3. Oktober 2021 | 11:00 Uhr, Erntedank-Gottesdienst für Mensch und Tier zum Franziskusfest. Predigt: N.N.. Liturgie: Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Gemeinde, und Bruder Franziskus, Rogate-Kloster. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche Berlin-Schöneberg.

Grußwort: Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert zum Franziskustag

Zum Franziskustag feierten wir gestern unseren ökumenischen „Gottesdienst für Mensch und Tier“ in der Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirche. Bereits seit zehn Jahren ist er bei uns Tradition. Mindestens einmal im Jahr wird zu dieser besonderen Segnungsfeier eingeladen, oft am 3. Oktober. Auch im Coronajahr 2020 wollten wir nicht darauf verzichten. Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert sprach zu Beginn ein Grußwort an die Gemeinde. Wir dokumentieren es hier:

MdB Mechthild Rawert (Bild: Marcel Talartsik)

Wie wir sehen, sind vor dem Altar Erntedank-Gaben aufgestellt. Alles ist vorbereitet, um am ersten Sonntag im Oktober das Erntedankfest zu feiern. Das freut mich: Da ich selbst „Bauerstochter“ bin, hat der Tag für mich eine besondere Bedeutung. Mit dem Erntedankfest feiern wir unsere Dankbarkeit für den Ertrag in Landwirtschaft und Gärten. Wir erinnern dabei auch an den engen Zusammenhang zwischen Mensch und Natur.  Wir alle sind Teil der einen Schöpfung.

Auch anlässlich des morgigen Franziskustages erinnern wir uns daran, dass es nur eine ganzheitliche Ökologie gibt, die Umwelt, Tier und Menschen auf der ganzen Erde umfasst. In Erinnerung an den Heiligen Franziskus von Assisi haben Sie heute ihre Wegbegleiter – ich sehe viele Hunde – mitgebracht.

Für mich bedeutet dieser Tag, innezuhalten und sich bewusst zu machen: Tiere sind Geschöpfe Gottes. Tiere sind nicht einfach Nutzprodukte in Bezug auf die Landwirtschaft. Anzuprangern ist der „Kommerz“, zum Beispiel durch illegalen Welpenhandel. Fakt ist: Es geht uns alle etwas an, wenn Tiere nicht artgerecht gehalten werden – sei es in den Ställen oder auch in Wohnungen.

Tiere haben einen „Eigenwert“, der menschlichen Nutzungsinteressen Grenzen setzt. Das Tierwohl ist eine weitreichende Verpflichtung. Tieren dürfen keine vermeidbaren Schmerzen und Leiden zugefügt werden. Unsere gesamte Gesellschaft ist für die Umsetzung der moralisch gebotenen Achtung des Tierwohls verantwortlich.

Für das Tierwohl trägt also auch die Politik Mit-Verantwortung. Der Agrarhaushalt ist sowohl im europäischen als auch im deutschen Finanzhaushalt immer einer der größten. Immer mehr Politiker*innen, Landwirte als auch Verbraucher*innen wollen die faire Umstellung der Fördergelder an ein umwelt- und klimaschonendes als auch ein tierwohlgerechtes Wirtschaften.

Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung ist dabei, sich zu verändern. Tiere werden längst nicht mehr als Produkt sondern als Lebewesen gesehen. Wir Sozialdemokrat*innen wollen ein verpflichtendes Tierwohllabel – das wollen leider noch nicht alle Fraktionen, die Regierungsverantwortung tragen. Dabei sind wir alle eine Umwelt – wir sind einem aktiven Klima-, Umwelt und Tierwohlschutz verpflichtet, sind zu ethischem und verantwortungsvollem Handeln angehalten.

Diejenigen unter uns, die hier heute mit einem Tier sitzen oder die zuhause ein Haustier halten, haben sich dafür entschieden, Verantwortung zu übernehmen. Ich selbst habe mich aus Verantwortung gegen die Haltung eines Tieres entschieden, da ich aus Zeitgründen gar nicht in der Lage wäre, artgerecht für das Wohl eines Tieres zu sorgen.

Für viele von Ihnen ist das anders. Im Münsterland gibt es einen Satz „Das letzte Kind trägt Fell.“ Dieser saloppe Spruch verweist auf etwas, was über Verantwortung hinausgeht: Auf die Liebe zwischen Mensch und Tier, auf die Liebe zwischen diesem einen Menschen und diesem einen ganz besonderen Tier. Wir werden darüber gleich noch mehr von Frau Prof. Enxing hören.

Mögen wir alle unsere Schöpfung wertschätzen und sie kostbar behandeln. Wir alle gemeinsam haben nur diese eine.

Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert, Tempelhof-Schöneberg

Vorschau 2021: Sonntag, 3. Oktober 2021 | 11:00 Uhr, Erntedank-Gottesdienst für Mensch und Tier zum Franziskusfest. Predigt: N.N.. Liturgie: Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Gemeinde, und Bruder Franziskus, Rogate-Kloster. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche Berlin-Schöneberg.

AG Religionenhaus beim Charlottenburger Bezirksbürgermeister

Die Arbeitsgemeinschaft Religionenhaus Friesland-Wilhelmshaven ist im Rathaus Charlottenburg vom Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann empfangen worden. Der Berliner Bezirk hatte 2015 einen bis heute viel beachteten kontinuierlichen Austausch zwischen den Religionsgemeinschaften initiiert. Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf sind rund 350.000 Personen gemeldet und viele unterschiedliche Religionsgemeinden ansässig. 

Integrationsbeauftragter Leon Godeffroy, Ratsherr Florian Wiese, Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann, Petra Meyer-Machtemes und Bruder Franziskus Aaron (v.l.).
(Bild: AG Religionenhaus)

Zur Delegation aus dem Nordwesten gehörte Petra Meyer-Machtemes (Sillenstede), Rogate-Vorstandsmitglied Florian Wiese (Wilhelmshaven) und Bruder Franziskus (Berlin/ Wilhelmshaven). Verabredet wurde eine Fortsetzung des Austausches zwischen Berlin und Wilhelmshaven-Friesland. Naumann stellte für 2021 einen Gegenbesuch an der Jade in Aussicht. Am Gespräch nahm zudem der Leiter des bezirklichen Integrationsbüros, Leon Godeffroy, teil.

Der Arbeitskreis „Religionenhaus Wilhelmshaven-Friesland“ hat sich im Sommer 2018 gegründet. Zu ihm gehören Mitglieder des Rates und der Verwaltung der Stadt Wilhelmshaven sowie Vertreter*innen des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Friesland-Wilhelmshaven, der römisch-katholischen Gemeinde Sankt Willehad, der Kreisdiakonie und des ökumenischen Rogate-Klosters.

Nach dem Vorbild des Berliner Projektes „House of One“ prüft der Kreis, ob ein „Religionenhaus“ eine sinnvolle und zukunftsweisende Einrichtung für den Dialog von religiösen und nichtreligiösen Menschen am Jadebusen sein könnte. Dazu soll eine Wiederbelebung des gemeinwesenorientierten interreligiösen Dialogs gefördert werden. Im vergangenen Jahr veranstaltete der Arbeitskreis mit dem Demokratie-Projekt Wangerlandsofa die Ausstellung „Wilhelmshaven glaubt. 150 Jahre religiöse Vielfalt an der Jade“ im Küstenmuseum Wilhelmshaven.

Willkommen: Gottesdienst für Mensch und Tier am Franziskustag

Das Rogate-Kloster lädt am Sonnabend, 3. Oktober 2020, zum traditionellen Gottesdienst für Mensch und Tier ein. Anlass ist der jährliche Gedenktag an den Heiligen Franziskus von Assisi, der als erster Tierschützer gilt. Der ökumensiche Gottesdienst beginnt um 15 Uhr in der Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirche (An der Apostelkirche 1). Das Rogate-Kloster richtet seit 2011 regelmässig Tiersegnungsgottedienste aus.

Die Predigt hält in diesem Jahr Julia Enxing aus Dresden. In ihrer Forschung lässt sie sich die Theologieprofessorin herausfordern von Fragen wie dem Verhältnis von menschlichem zu tierischem Leben.

Der Gottesdienst wird musikalisch von Felicitas Eickelberg gestaltet. Sie wird die Orgel besonders leise und damit besonders tierfreundlich spielen. Beteiligt sind zudem Pfarrvikarin Ruth Tuschling, Alt-katholische Gemeinde Berlin, und Bruder Franziskus vom Rogate-Kloster.

Prof. Dr. theol. Julia Enxing mit Lucy (Bild: Amac Garbe)

Die Predigerin: Prof. Dr. theol. Julia Enxing (Jg. 1983) studierte katholische Theologie und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen, Frankfurt a. M., und promovierte 2012 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 2017 habilitierte sie an der Hochschule St. Georgen. Seit 2020 ist sie Professorin für Systematische Theologie an der Technischen Universität Dresden.

Termin: Sonnabend, 3. Oktober 2020 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier zum Franziskustag. Predigt: Prof. Dr. Julia Enxing, Dresden. Liturgie: Pfarrvikarin Ruth Tuschling, Alt-katholische Gemeinde Berlin, und Bruder Franziskus, Rogate-Kloster. Grußwort: MdB Mechthild Rawert. Lektor*innen: Petra Meyer-Machtemes und Florian Wiese. Ministranten: Uta Willers-Urban, Andrea Fleischer und Markus Beckmann. Orgel: Felicitas Eickelberg. Tür-Begrüßung und Eintrag in die Corona-Listen: Pfarrer Burkhard Bornemann. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche Berlin-Schöneberg.

Corona-Pandemie: Der Gottesdienst findet unter Corona-Bedingungen statt: Die Namen und Anschriften müssen hinterlassen werden. Ein Mund-Nase-Schutz ist zu tragen. Im Gottesdienst darf im Sinne der Pandemie-Vorsorge derzeit leider nicht gesungen werden.

Zitat: Mein theologisches Nachdenken, Fragen, Sprechen und Schreiben ist ein gegenwartsinspirierter Prozess. Zweifel und Fragen des Lebendigen in dieser Zeit sind es, die mich zur (wissenschaftlichen) Reflexion anregen und zum Thema meiner Theologie werden.

Ich setze mich für eine Überwindung der Diskrepanz zwischen gedachter und gelebter Theologie ein. Dabei ist mir ein intensiver ökumenischer und internationaler Austausch besonders wichtig. Für mich ist Theologie ein partizipatives, inklusives, kritisches, lebensnahes, unabgeschlossenes und politisches Geschehen.

Als Theologin erhebe ich meine Stimme gegen rassistische, antisemitische, speziesistische und anderweitige Diskriminierungstendenzen.

Julia Enxing, Dresden

Alt-katholisches Grußwort: Zehn Jahre Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin

Am diesjährigen Michaelistag, 29. September, jährt sich der zehnte Jahrestag der Gründung des Rogate-Klosters Sankt Michael zu Berlin. Gestern Vormittag , 27. September 2020, wurde in der Zwölf-Apostel-Kirche in Berlin-Schöneberg in einer Eucharistiefeier mit großer Gemeindebeteiligung daran erinnert. Verlesen wurde von der alt-katholischen Gemeindevertreterin Miriam Cremer während des Gottesdienstes das folgende Grußwort der Alt-katholischen Gemeinde Berlin:

Rogate-Mitglieder und MdB Mechthild Rawert nach dem Jubiläumsgottesdienst vor der Zwölf-Apostel-Kirche (Bild: Miriam Cremer)

Herzliche Grüße aus der alt-katholischen Kirche anläßlich Eures zehnjährigen Jubiläums! Ein wunderbares Fest, das man gehörig feiern muss. Dass Christen sich zum regelmäßigen Beten verpflichten, sowohl alleine als miteinander, trägt zur Stärkung der Kirche als Ganzes bei und verbreitet die Liebe Gottes in seiner Welt. Dafür können wir anderen Euch Mitgliedern des Rogate-Klosters ein großes Dankeschön sagen.

Ihr habt schon einiges zusammen erlebt: Die Frage der evangelischen Anerkennung, die Suche nach neuen Räumen, die Anerkennung als Gemeinschaft auch durch die alt-katholische Kirche, einige Weggänge aus eurer Gemeinschaft und natürlich den Wegzug von Bruder Franziskus nach Wilhelmshaven mit den damit verbundenen Änderungen für euer gemeinsames Leben und Beten. Und ihr seid noch da: ihr haltet fest an eure Gebetszeiten und wollt weiterhin ein Zeichen setzen in der Welt, dass ihr Gott in den Mittelpunkt eures Lebens setzt. Wir wollen Gott um seinen Segen bitten, damit das Rogate-Kloster Gottes Wirken in der Welt aufmerksam aufspüren kann und dort mitwirken kann, wo es am besten Früchte bringen mag.

Wir wollen bitten um Gottes Segen für unsere Stadt und für die Menschen, die sich vom Rogate-Angebot angezogen fühlen und vielleicht über ein Mitgehen und später sogar ein Eintreten sich Gedanken machen. Und wir wollen danken und feiern, das Christus in unserer Mitte steht, hier und heute in der Rogate-Gemeinschaft.

Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-katholische Gemeinde Berlin im Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland

Zum Hintergrund: Bereits vor elf Jahren, am 9. September 2009, gründete sich die Vorgängerorganisation, die „Ökumenische Rogate-Initiative“ als Verein. Zwanzig Personen aus verschiedenen Kirchen und Initiativen taten sich zusammen, um insbesondere in Schöneberg regelmässig Gottesdienste miteinander zu feiern.

Aus der Gruppe heraus wurde am 29. September 2010 das Rogate-Kloster gegründet. Es ist seit Juni 2013 als geistliche Gemeinschaft Teil der Evangelischen Kirche Berlin–Brandenburg–schlesische Oberlausitz und seit dem 1. November 2016 vom Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland anerkannt. Seit seiner Gründung ist das Kloster Mitglied im Verbund der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesiche Oberlausitz.

Die Rogate-Mitglieder wirken neben Berlin in verschiedenen Bundesländern wie Hessen, Baden-Württemberg, Sachsen und Niedersachsen (Friesland und Wilhelmshaven). Schwerpunkte des Engagement liegen dabei in innovativen Gottesdienstformaten wie der „Politikerkanzel“ oder Demokratieprojekten wie dem „Wangerlandsofa„.

Die stärkste Aufmerksamkeit des Kloster-Engagement erfahren der jährliche Eröffnungsgottesdienst zum Lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin sowie die Gottesdienste für Mensch und Tier. Lange Jahre lag der inhaltliche Schwerpunkt in der Begleitung Trauernder und von Andachten für Menschen, die an keiner Trauerfeier teilnehmen konnten. Die Gemeinschaft hat als Ziel, einen Konvent gemeinsamen Lebens und Arbeitens zu entwickeln. Dafür sucht sie einen Ort.

Rogate-Kloster: Lasst unser Schiff frei!

Das Rogate-Kloster Sankt Michael kritisiert die Festsetzung des deutschen Seenotrettungsschiffes Sea-Watch 4.

In der Nacht zum Sonntag wurde das Seenotrettungsschiff ‚Sea-Watch 4 powered by United4Rescue‚ von den italienischen Behörden im Hafen von Palermo festgesetzt. Als Bündnispartner von United4Rescue setzt sich das Rogate-Kloster für die sofortige Freilassung des Schiffes ein.

„Gemeinsam mit United4Rescue fordern wir die italienischen Behörden auf, die Sea-Watch 4 umgehend freizulassen und das Ende der Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung“, so Florian Wiese, Vorstandsmitglied des Rogate-Klosters.

Die „Sea-Watch 4“ war seit August im Einsatz. Sie liegt im Hafen von Palermo, nachdem sie am 2. September 353 gerettete Menschen an eine Quarantänefähre übergeben hatte.

Nach einer elfstündigen Inspektion der italienischen Hafenkontrolle ist die „Sea-Watch 4“ in Palermo festgesetzt worden. Tatsächlich erfüllt das Schiff alle Sicherheitsvorgaben des deutschen Flaggenstaates, wie die deutschen Behörden Sea-Watch erst im Juli bestätigt haben. Mit der Sea-Watch 4 wird zum fünften Mal ein ziviles Rettungsschiff an der Rückkehr in den Einsatz gehindert. Diese Inspektionen sind politisch motiviert und dienen allein dem Zweck, Rettungsoperationen zu verhindern.

Mit der Kriminalisierung der Sea-Watch 4 kriminalisiert die italienische Regierung nicht nur die Retter, sondern auch die über 600 zivilgesellschaftlichen Partner, die das Bündnis zur zivilen Seenotrettung unterstützen. Das Rogate-Kloster ist dem Bündnis United4Rescue beigetreten, weil weil für uns geistliches Leben mit tätiger Nächstenliebe, dem Einsatz für Gerechtigkeit, Menschenwürde und dem Recht auf Leben einhergeht.

Über United4Rescue: United4Rescue unterstützt als unabhängiger, gemeinnütziger Verein die zivile Seenotrettung auf dem Mittelmeer. Im Januar 2020 ermöglichte United4Rescue den Kauf der Sea-Watch 4 als zusätzliches Rettungsschiff. Darüber hinaus unterstützt United4Rescue auch andere zivile Seenotrettungsorganisationen, damit niemals ein Rettungsschiff aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht auslaufen kann.

Das Bündnis vereint mehr als 600 große und kleine Organisationen, Initiativen, Unternehmen, Vereine und Stiftungen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen. Bündnispartner*innen sind u.a. der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), World Vision Deutschland, der Koordinierungsrat der Muslime und die Evangelische Kirche in Deutschland. Aus Friesland-Wilhelmshaven sind u.a. der Ev.-luth. Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, die Kreisdiakonie, die Stiftung Diakonie am Meer, das Rogate-Kloster und der Förderverein Rogate-Kloster e.V. dabei.