Aktuell: „Schöneberger Erklärung für Vielfalt und Respekt“

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Teilnehmende am Runden Tisch im Rathaus Schöneberg (Foto: Stephanie Kuhnen)

Gestern fand auf Initiative des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (LSVD) im hstorischen Goldenen Saal des Rathauses Schöneberg ein Runder Tisch von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zu den Themen Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit statt.  Es nahmen Vertreterinnen  und Vertreter der Alt-Katholischen Kirche Berlin, der Baptisten Schöneberg, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg, des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus, des Liberal-Islamischen Bundes sowie des Rogate-Klosters Sankt Michael zu Berlin teil. Ebenso beteiligte sich Imam Ludovic-Mohamed Zahed aus Frankreich an dem vertraulichen Austausch. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft  von Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und fand auf Ihre Einladung hin im Rathaus statt.

Die Teilnehmenden am Runden Tisch verständigten sich unter anderem auf eine gemeinsame „Schöneberger Erklärung für Vielfalt und Respekt“ mit folgendem Wortlaut:

„Die am Runden Tisch beteiligten Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sind sich darin einig, dass niemand aufgrund seiner sexuellen oder geschlechtlichen Identität benachteiligt und diskriminiert werden darf. Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit sind weder sündhaft noch krankhaft. Wir begrüßen die Vielfalt des Lebens. Keine Weltanschauungs- und Religionsfreiheit kann es rechtfertigen, dass Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender Rechte abgesprochen werden. Und dennoch findet diese Instrumentalisierung weltweit statt, so auch in Deutschland und dessen Bundeshauptstadt Berlin.

Es kann nicht dem Selbstverständnis von Gläubigen und Mitgliedern von Weltanschauungsgemeinschaften entsprechen, sich über die Abgrenzung zu und die Ausgrenzung von homosexuellen und transgeschlechtlichen Menschen zu definieren. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Jeder Mensch hat das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und Partnerschaft. Kein Mensch darf dazu genötigt werden, sich zwischen seinem Glauben oder seiner Weltanschauung und seiner sexuellen oder geschlechtlichen Identität entscheiden zu müssen.

Wir appellieren gemeinsam in unserer Vielfalt und Unterschiedlichkeit an alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, sich für nicht-heterosexuelle Menschen zu öffnen und sie gleichberechtigt in allen Bereichen des religiösen und weltanschaulichen Lebens teilhaben zu lassen. Auch als Arbeitgeber sind die jeweiligen Gemeinschaften und die ihnen zugehörigen Einrichtungen aufgerufen, Angestellte ohne jede Vorbehalte oder Auflagen hinsichtlich ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität gleichwertig zu behandeln und zu beschäftigen. Mit gleicher Offenheit ist auch Ehrenamtlichen zu begegnen.“

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Pressespiegel: „Schwuler Imam auf dem Christopher Street Day“

Freitag, 22. Juli 2016 | Deutschlandfunk „Tag für Tag

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Deutschlandfunk.de

„…Schwule, Lesben und Transsexuelle mit offenen Armen zu empfangen, das fällt bei weitem nicht nur Muslimen schwer. Bruder Franziskus nahm für das Rogate-Kloster Sankt Michael in Berlin-Schöneberg am Runden Tisch Teil, einer Gemeinschaft von Christen mit unterschiedlichen konfessionellen Hintergründen, teils lutherisch, teils reformiert, teils katholisch  Die Einrichtung wirbt mit dem Slogan: „Bibel  verstehen bewahrt vor Homophobie“.

„Die Öffnung und auch Gottesdienste insbesondere zu lesbischen Themen, schwulen Themen, Transthemen oder auch Intersexualität hat zum Teil auch zu Irritationen geführt bei manchen fundamentalistischen Kreisen. Ich sage das mal so vorsichtig mit Irritationen, weil es gab Morddrohungen, Gottesdienste mussten unter Polizeischutz stattfinden….“

Den Beitrag können Sie hier lesen und hier hören.

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Fünf Fragen an: Prof. Jacob Joussen, Rat der Ev. Kirche in Deutschland

Fünf Freitagsfragen an Prof. Dr. Jacob Joussen, Mitglied im Rat der EKD, über das Engagement in der Kirche, Hoffnungen an das Reformationsjubiläum und die Zukunft des Protestantismus.

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Jacob Joussen (Bild: Norbert Neetz/epd)

Prof. Dr. Jacob Joussen, geboren 1971 in Duisburg, studierte zunächst Latein und katholische Theologie, bevor er in die evangelische Kirche konvertierte und Rechtswissenschaft in Münster studierte. Nach Promotion und Habilitation hatte er verschiedene Lehrstühle inne und lehrt jetzt an der Ruhr-Universität in Bochum, sein Schwerpunkt ist das Arbeitsrecht, besonders auch das kirchliche Arbeitsrecht. Er lebt mit seinem Lebenspartner in Düsseldorf, ist dort in der Lutherkirche zuhause und stellvertretender Vorsitzender des Presbyteriums. Seit 2015 ist er Mitglied im Rat der EKD.

Rogate-Frage: Herr Prof. Joussen, was hat Sie zu einer Kandidatur für den Rat der EKD bewogen? 

Jacob Joussen: Zunächst einmal ganz einfach: die Anfrage des Nominierungsausschusses. Bischof Hein rief mich im September 2015 an und hat gefragt, ob ich zu einer Kandidatur bereit sei. Ich habe dann zu Hause mit meinem Partner darüber gesprochen, eine Nacht über die Kandidatur geschlafen – und zugesagt. Ich bin in meiner Gemeinde stellvertretender Vorsitzender des Presbyteriums und kann mich dort seit Jahren für meine Kirche einbringen. Und mit der Kandidatur sah ich eine Möglichkeit, mich auch auf dieser Ebene, der EKD, einbringen und meine Talente zur Verfügung stellen zu können. Das wollte ich sehr gerne. Die Vorstellung, mich auf diese Weise für meinen Glauben engagieren zu können – das fand ich ungemein reizvoll.

Rogate-Frage: Welche Erfahrungen machen Sie als Ratsmitglied? Ist die Kirche für Sie aus dieser Position heraus bewegend und beweglich?

Jacob Joussen: Noch bin ich ja in einer Lern- und Kennenlernphase, die Ratswahl liegt erst acht Monate zurück – doch erste Erfahrungen habe ich natürlich schon sammeln können. Die Ratsarbeit ist sehr beeindruckend – und beanspruchend. Beeindruckend ist sie, weil man mit den Herausforderungen, die sich für die Kirche stellen, in sehr direkter Weise in Berührung kommt. Man spricht in dem Gremium darüber, wie etwa auf die sinkenden Mitgliederzahlen zu reagieren ist, wie man angemessen an die Reformation vor 500 Jahren zurückdenken kann oder wie man als Glaubensgemeinschaft auf Akte sinnlosen Terrors reagieren kann. Beanspruchend ist sie, weil die Arbeit im Rat zum Teil sehr zeitintensiv ist – und sie ist auch nicht mit den Ratssitzungen erledigt. Viele Themen begleiten mich weit darüber hinaus im Alltag und im Denken. Insofern bewegt mich Kirche ganz unmittelbar. Dabei ist es gut zu sehen, dass der jetzige Rat eine sehr gute Arbeits- und freundschaftliche Umgehensweise entwickelt hat. Zusammen mit den Menschen, die im Kirchenamt der EKD tätig sind und die Ratsarbeit begleiten und vorbereiten, erlebe ich den Rat als sehr vielfältig und sehr gut aufgestellt. Insofern sind meine Erfahrungen bislang ausschließlich positiv – es macht einfach Freude, dort mitwirken zu dürfen!

Rogate-Frage: Welche Schwerpunkte erwarten Sie in den kommenden Jahren im Rat und wie wollen Sie sich einbringen?

Jacob Joussen: Naheliegenderweise ist DER erste große Schwerpunkt der kommenden Jahre das Reformationsjubiläum. Hierauf konzentriert sich zunächst auch die Arbeit des Rats in ganz besonderer Weise, und hier werde ich mich nach meinen Möglichkeiten auch einbringen, besonders auch im Hinblick darauf, wie wir dieses Jubiläum auch ökumenisch feiern können. Dies ist mir persönlich auch ein besonderes Anliegen. Danach – und das wird zeitlich den ganz überwiegenden Teil dieser Ratsperiode ausmachen – wird es aus meiner Sicht darum gehen, nicht in eine „Post-Festum-Lethargie“ zu verfallen, sondern den Schwung des Jubiläums aufzugreifen und umzusetzen. Hier sehe ich eine ganz besondere Herausforderung für alle, die in unserer Kirche Verantwortung tragen, und zwar ganz besonders auch auf der Ebene der Gemeinden. Meinen Schwerpunkt, auch und gerade in der Ratsarbeit, sehe ich darin, diese Perspektive nicht aus dem Blick zu verlieren: Wie können wir Menschen in Düsseldorf, Bochum, Sellin oder Tingen dafür begeistern, evangelischer Christ und evangelische Christin zu sein? Darum muss es gehen. Hier bringe ich mich mit meiner langjährigen und nach wie vor sehr viel Raum bei mir beanspruchenden Arbeit in meiner Heimatgemeinde ein. Schließlich wird es in einem weiteren Schwerpunkt darum gehen, damit umgehen zu lernen, dass wir bei einer kleiner werdenden Mitgliederzahl gleichwohl noch unsere diakonischen Aufgaben wahrnehmen zu können. Wie kann das gelingen, wenn doch immer weniger christliche Menschen in unseren diakonischen Einrichtungen arbeiten? Das sind gewichtige theologische, aber auch schwierige juristische Fragen. Meine Aufgabe sehe ich darin, gerade hier meinen Sachverstand einzubringen, wie ich überhaupt meine Ausbildung und juristischen Kenntnisse dem Rat zur Verfügung stellen möchte.

Rogate-Frage: In den letzten Jahren hat sich die evangelische Kirche für LGBTIQ geöffnet. In manchen Landeskirchen sind nun Traugottesdienste für Lesben und Schwule möglich. Doch die meisten Landeskirchen und auch die EKD sind noch nicht so weit und zögern. Bis wann wird es eine Akzeptanz und völlige Gleichbehandlung und – Berechtigung in allen Landeskirchen geben?

Jacob Joussen: Auch als Ratsmitglied verfügt man natürlich nicht über seherische Fähigkeiten… Aber über eine Hoffnung, die stark ist und die auch auf einer guten Grundlage beruht. Die von Ihnen angesprochene Öffnung begrüße ich ohne Einschränkungen, und ich bin sehr froh, dass immer mehr Landeskirchen sich an diesem Punkt öffnen. Sicher ist dies biographisch bedingt, die Segnung meiner Partnerschaft in Düsseldorfs ältester Kirche – übrigens in einem sehr kleinen Rahmen – stellt für mich einen ganz besonderen Höhepunkt in meinem Leben dar. Doch begrüße ich das nicht nur aus diesem Grund heraus, sondern auch deshalb, weil ich diesen Schritt für theologisch richtig halte und auch für biblisch begründet. Gerade dies aber sehen nach wie vor viele Menschen anders – auch im Rat meinte ja mancher Beobachter zu Beginn, eine gewisse Spannung zwischen verschiedenen Mitgliedern sehen zu können. Es hat sich aber gezeigt, dass gerade Michael Diener und ich sehr gut und vertrauensvoll in tiefem Respekt voreinander zusammenarbeiten können, was mich außerordentlich freut. Und so hoffe ich unverändert sehr darauf, dass bis zum Ende dieser Ratsperiode noch weitere Landeskirchen erkennen, dass es keinen Grund gibt, homosexuelle Menschen zurückzuweisen. Der Zuspruch Gottes gilt ihnen und ihrer Liebe in gleicher Weise – davon bin ich fest überzeugt.

Rogate-Frage: Wie sieht für Sie die Kirche der Zukunft aus? Wie wird die Ökumene die evangelische Kirche verändern?

Jacob Joussen: In Deutschland sehe ich die Kirche der Zukunft als eine Kirche in vielfältiger Form, die nicht mehr der Vorstellung entspricht, dass sich alle am Sonntag versammeln – davon ist sie ja ohnehin schon lange weit entfernt. Das wird aber durch die Vielfältigkeit anderer religiöser Lebensweisen noch deutlicher sichtbar. Das führt dazu, dass die Kirchen sich auf neue Rollen und neue Formen einstellen müssen, möglicherweise auch in ihrem Verhältnis zum Staat und im öffentlichen Diskurs, sie wird sich auch auf ein „weniger“ einstellen müssen – gerade in meiner Gemeinde in Düsseldorf gehen wir diesen Weg und trennen uns derzeit von einer unserer Predigtstätten, die uns doch so am Herzen liegt. Dass darin auch eine Chance liegen kann, ist häufig gesagt worden – das macht es aber nicht weniger richtig. Gerade hier vertraue ich indes darauf, dass der Geist Gottes uns nicht verlässt. Er wird diese, er wird seine Kirche auch durch diese Zeiten führen. Mit welchen Ergebnissen und auf welche Weise? Seien wir doch neugierig! Sicher aber auch, da bin ich ganz sicher, ökumenisch. Ich habe etwa große Sympathien dafür, gemeinsam Bauten und Räume zu nutzen – was spricht denn dagegen? In Düsseldorf tun wir das schon jetzt. Das halte ich für einen möglichen Baustein, mit den neuen Gegebenheiten zurecht zu kommen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Prof. Joussen, für das Gespräch.

Weitere Informationen finden Sie hier: Jacob Joussen (EKD) und hier (RUB).

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

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24. Lesbisch-schwules Stadtfest Berlin: Die Predigt aus dem Eröffnungsgottesdienst

Am Freitag, 15. Juli 2016, feierten wir den Eröffnungsgottesdienst des 24. Lesbisch-schwulen Stadtfestes Berlin. Daraus hier die Predigt zu „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“ (Predigttext Matthäus 12, 1-8) von Oberkonsistorialrätin Dr. Christina-Maria Bammel:

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Dr. Christina-Maria Bammel (Bild: EKBO)

Liebe abendliche Festgemeinde, Brüder und Schwestern, der Auftakt eines Stadtfestes. Und was für eins – fröhlich selbstbewusst, unbeschwert, hoffentlich ohne Zwischenfälle, ohne Störer, ohne Gewalt?

Cory James Connell, Tevin Eugene Crosby, Deonka Drayton, Simon Adrian Carrillo Fernandez, Leroy Valentin Fernandez, Mercedez, Peter O, Juan Ramon, Paul, Frank Hernandez, Miguel Honorato, Javier, Jason, Benjamin.

Das sind Namen der Opfer von Orlando. Nicht alle. Bei weitem nicht. Opfer von sinnloser, kranker Gewalt. Opfer mit Namen, Lebensgeschichten, Schulabschlüssen, Berufen, Erfolgen und Misserfolgen. Sie haben geliebt und gelacht, sie fehlen jetzt. Viel zu schnell und viel zu brutal aus dem Leben und Lieben gerissen. Die Welt hat geweint und Orlando steht noch immer in Schock und Trauer. Wenn die Nachrichtensender abgezogen, die Blumenmeere von der Straßenreinigung abgeholt sind, wenn der Täter selbst festgesetzt oder gar getötet ist, bleibt doch die Frage: War es das letzte Mal? Wie wird das nächste Opfer heißen? Die nächsten Opfer? Wird das Land je begreifen? Auf den Demonstrationen in den Tagen danach war auf Schildern zu lesen: “Ich bin eine Zielscheibe.” Oder “Bin ich das nächste Opfer?”

Tausende von Menschen haben sich gezeigt, sind Hand in Hand gegangen, vereint in der Sehnsucht: Um Himmels willen keine weiteren Opferlisten mehr, keine Opferverzeichnisse mehr, in denen man den Namen eines lieben Freundes, einer Angehörigen suchen muss. Und dann diese Gewissheit haben, die alles zerreißt. Nein, bloß solche Listen von Opfern nicht mehr sehen und erleben müssen. Wieviele Opferlisten mussten wir lesen und müssten wir noch niederschreiben, wollten wir all die Namen sammeln, derer, die dem Ausgrenzungswahn und der Feindseligkeit geopfert wurden. Namen, die festgelegten angeblich immer schon so gewesenen Normen geopfert wurden, die ausgesprochen lebensverneinenden Moralvorstellungen und herrschenden Meinungen buchstäblich geopfert wurden. Opfererfahrungen unzähliger Art auch mitten im Leben. Opfer von morbider, irrationaler Scheu in Sachen sexueller Prägung. Etliche von Ihnen könnten davon erzählen, eigene schmerzliche Erfahrungen berichten, Verluste benennen. Opfer von Homophobie, einer Furcht, die unmenschlich macht und sogar in die Bereitschaft führen kann zu töten. Der tödliche Schuss, die angetane mörderische Gewalt – sie ist die grausame Spitze eines Berges von Opferlisten.

Nein, diese Opfer sollen nicht mehr sein, jene im Sinne der victims. Keine victims mehr – nicht in Orlando, nicht in Brüssel, Istanbul oder Nizza! Es gibt schon so viele zu erinnern, ihrer zu gedenken, sie im Gedächtnis zu behalten. Und dafür ist es heute Abend Ort und Zeit: Im Gedächtnis halten, auch das ist ein Teil unseres Feierns. Jeder Gottesdienst ist ein solches Im-Gedächtnis-halten. Wir sind nicht für uns selber da, wir nehmen in das feiernde Erinnern all jene hinein, die bei Gott Namen, Würde haben; sie haben auch in unserem Gedächtnis nach menschenmöglicher Weise Namen und Gedächtnis. Feiern ist auch dieses: im Gedächtnis halten. Auch mit weinenden Augen und Herzen.

Wir halten Gedächtnis auch im Wissen um das andere Opfer, das sacrificium/ sacrifice. Unser Glauben kommt von ganz wesentlich von hier. Dieses Opferwort, sacrificium, es ist ein Beziehungswort. Es erzählt etwas über unsere Beziehung mit dem, der dieses Opfer erhält. Schon zu Zeiten des Tempels in Jerusalem haben Menschen Gott etwas dargeboten, angeboten, um der Beziehung willen. Im englischen offer finden wir noch etwas von diesem Gott-etwas-Darbieten wieder, auch wenn das offer längst ein Kaufe-und-Verkaufe-Wort geworden ist.

Allerdings: Gebet, Erfüllung der Mizwot, Studium der Tora, sie wurden nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem zunehmend zu den eigentlichen, geistige Opfern. Darüber haben sich die Rabbinen intensiv ausgetauscht. Olah, Mincha, Sebach, Chattat, Ascham, all diese Opferarten wurden nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem mehr und mehr abgelöst. Eben durch die geistigen Opfer, die Beziehung mit Gott stiften, diese erhalten, nähren und stärken: Gebet, Erfüllung der Mizwot, Studium der Tora. Wenn es darum geht, mit Gott in Beziehung zu bleiben, dann darf es nicht darum gehen, ob die eine Gabe, das eine Opfer, besser ist als das andere.. Entscheidend ist doch, mit welcher Herzenskraft, mit welcher Haltung diese Gabe, dieses Opfer Gott zu Füßen oder Gott in den Arm gelegt wird. Das hatte auch schon der Prophet Hosea für wichtig gehalten.

Er selbst bekam dieses Wort Gottes in den Mund gelegt: „Denn ich habe Lust an der Liebe, und nicht am Opfer, und an der Erkenntnis Gottes, und nicht am Brandopfer.“ Nicht das Eine gegen das Andere ausspielen. Nicht Opfer oder Liebe. Sondern schlicht sehen: Opfer ohne Lust, Opfer ohne Liebe, sind wertlose Gaben, weil sie keine Beziehung stiften. Ich nehme sie nicht direkt von meinem Herzen.

Was geben Menschen von sich für andere, für den anderen auch Geliebten hinein, um die Beziehung, um die Liebe siegen zu lassen? Manchmal in Form von Opfern, und zwar im besten Sinne: Als Beziehungsvertiefer, als wertvollste Gabe von Herzen kommend zum Herzen des anderen geradewegs gehend. Opfer als Beziehungsvertiefer sind keine wertlosen überholten Gaben. Diese Gaben erhalten das Lebensmittel Liebe.

Als ich vor 20 Jahren in der city of brotherly love studierte, in Philadelphia keine zwei Stunden von New York entfernt, da teilte ich das Haus mit 7 Frauen. Auf der Etage nebenan wohnten Pam und Cathy. Pam aus dem ärmsten Viertel der Stadt stammend, sichtbar schwer fehlernährt, mit abgebrochener Schulbiographie und vielen Verletzungserfahrungen in der Herkunftsfamilie. Und Cathy, ihre große Liebe, erfolgreicher shooting-star der Biowissenschaften aus Canada stammend auf ein Gastsemester an die Pennsylvania University gekommen. Zu Haus in Canada war die große Karriere schon mit Händen zu greifen. Aber Pam, die sich nie im Leben vorstellen konnte, ihre Heimatstadt zu verlassen, Pam hielt Cathy fest. Kanada war keine Option. Und Cathy ließ sich halten. Manche Gaben sind in Form und Gestalt von Entscheidungen auch Beziehungsvertiefer. Partnerschaft und Liebe sind keine Einbahnstraßen, sondern immer Gelegenheit über sich hinaus zu wachsen und zu reifen. Pam wuchs über sich hinaus, indem Cathy ihr die Türen in eine Ausbildung öffnete, ihr die Welt zeigte. Am Morgen des 11. September 2001 befand sich Pam gerade in einem Bewerbungsgespräch in einem der twin tower in New York…

Die Liebe siegt und empfindet sich unter Umständen gar nicht als Opfer zugunsten des Anderen. Die Liebe siegt.

Ckw6gIrXEAAOI6t„Love defeats hate, light defeats darkness!“/ Liebe überwindet den Hass, Licht überwindet die Dunkelheit. So ähnlich war auf leuchtenden Bannern zu lesen – in Orlando. Und dahinter der Regenbogen. Eine Nation versinkt doch nicht ganz in Trauer und Gewalt. Eine Nation versucht, mit vielen anderen Menschen auf der Welt das Leben ins Licht zu heben….

In dieser Reihe stehen auch wir heute Abend, feiernd, in dem wir die Erinnerung binden an die Hoffnung; indem wir das Gedenken an die Opfer zusammen binden mit der unbändigen Lust am Leben und am Lieben; das versuchen Menschen guten Willens an vielen Orten, das versuchen zahlreiche Bewegungen wie auch die LGBT community – und zwar im Namen der Liebe.

Im Namen der Liebe, im Namen der Sorge um den Nächsten, um die Nächste, müssen gegebenenfalls auch Gesetze ausgesetzt werden. Davon spricht Jesus, wenn er im Namen der Menschlichkeit übermäßigen Hunger stillt und ein Sabbatruhegesetz mit der Weite des Herzens lesen kann.

Er liest dieses Gesetz mit den Augen der Barmherzigkeit, mit den Augen der Güte. Güte und Barmherzigkeit sind Schwestern, die zur großen Familie der Liebe gehören.

Die Barmherzigkeit als Weite des Herzens ist die Lieblingshaltung Gottes, die uns umarmt. Niemand soll hungrig vor Liebe, hungrig in Sachen Liebe von Gottes Tisch wieder aufstehen und weg gehen.

Es ist diese Gottes-Haltung des Umarmens, die können auch wir. Dazu sind wir sogar beauftragt. Das meint: Wir sind als Christen nicht in der Welt um zu verurteilen, sondern um die Herzen zu öffnen. Manchmal fordert uns das viel ab, sogar ein Opfer. Aber es bleibt dabei, das ist unsere erste Aufgabe! Dafür haben wir ein Maß:

Gott ist das Maß der Barmherzigkeit. Barmherzigkeit ist nicht mit Herablassung zu verwechseln. Barmherzigkeit braucht Neubesinnung und bitte nicht nur nach innen gerichtet. Barmherzigkeit bedeutet, empfindsam bleiben für die erbarmungswürdigen Zeichen dieser Zeit, für die Wundmale dieser Zeit, geschlagen durch Barbarei, wie auch wieder in der vergangenen Nacht.

Wie kommt Barmherzigkeit in mir zum Ziel, vor allem aber zum Wirken? Zunächst mal die Festelltung, ob wir vielleicht zu wenig Barmherzigkeit gelebt haben. Vielleicht haben wir als Christen zu blut- und zu kraftlos von der Barmherzigkeit gesprochen in den vergangenen Jahren. Vielleicht haben wir auch den falschen Gebrauch zugelassen. Eine falsch verstandene Barmherzigkeit – in paternalistischer Weise von oben herab gegenüber Minderheiten etwa. Schluss damit. Wir wissen: Barmherzigkeit ist nicht billig zu haben, sie ist kein Widerspruch zum Recht, zu den Ordnungen, Barmherzigkeit ist: Aufatmen lassen.

Nur indem wir selbst Barmherzigkeit, das barmende Herz, das angesprochene Herz wirken lassen in uns, nur dann können wir uns auch positionieren gegen Hochmut und Verächtlichmachung. Ja, wir setzen unsere ganze und vor allem Gottes Barmherzigkeit dagegen. Wissend: Barmherzigkeit ist eine Haltung, keine Handlung, schon gar keine einmalige. Unbarmherzig ist es dagegen, aus menschlicher Selbstüberschätzung heraus Gottes Liebe verknappen zu wollen. Unbarmherzig und ausgesprochen unredlich ist es, den Zuspruch Gottes an alle Menschen dieser Erde, aus Gottes Mund zurück nehmen zu wollen, ihn eingrenzen zu wollen.

Unbarmherzig ist beispielsweise der viel zu oft gehörte Satz, nicht alle Paare sollen den gleichen Gottesdienst haben, wenn sie ihre Liebe unter Gottes Anspruch und Zuspruch stellen wollen. Wer so argumentiert, der liest die Ordnungen Gottes gerade nicht mit Herzensweite. Herzensweite aber ist in bestem und altem Sinne Liberalität, wie wir sie meinen.

Unredlich und fernab aller Barmherzigkeit ist es, Menschen ganz gleich welcher sexuellen Identität entgegen zu schleudern, Gott liebe ja alle Sünder. Hin und wieder habe ich das in vergangenen Diskussionen gehört und bin es so leid. Aber nicht zu müde, um zurück zu sagen: Eine Identität ist eine Identität, ist keine Sünde.

Etwas ganz anderes aber stellt uns alle an den Abgrund der Sünde: da wo wir nicht mehr auf Gottes Kraft setzen, wo wir aufhören einander zu vertrauen. Da stehen alle am Abgrund der Sünde, wo Liebe verzwängt und verknappt wird. Von diesem Abgrund lasst uns zurücktreten.

„Die Liebe überwältigt den Hass, das Licht die Dunkelheit.“

Kreuz und quer wollen wir das weitersagen und weitersingen, mit geöffneten, mit barmendem Herzen, mit all der Güte und der Kraft zur Barmherzigkeit, die in uns ist. Es wird uns einiges kosten. Aber was ist dieses Opfer schon verglichen damit, was wir gewonnen haben, indem wir lieben können, ganz gleich in welcher Orientierung und Identität.

Allen Menschen Zeit zum Aufatmen geben, sie aufatmen lassen und damit der Seele neue Kraft zufließen lassen – das ist Liebe im Kleid der Barmherzigkeit. Wir brauchen sie, ersehnen sie.

Kommt, sagt Jesus, ich gehe mit euch durch die Felder weil sie reif sind, weil geerntet und genährt werden wird. Und niemand geht mit leeren Händen davon. Niemand bleibt außen vor. Dafür ist es Zeit: Zeit der Barmherzigkeit.

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Das Fürbittengebet des Eröffnungsgottesdienstes finden Sie hier.

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Donnerstag, 21. Juli 2016 | 19:00 Uhr, Komplet mit Entpflichtung von Br. Willehad Kaleb RGSM
  • Sonntag, 7. August 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 11. Sonntag nach Trinitatis
  • Sonntag, 4. September 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie zum Diakonie-Sonntag „Barmherzigkeit: Größer als unser Herz“, am 16. Sonntag nach Trinitatis, mit einer Ausstellungseröffnung
  • Montag, 3. Oktober 2016 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier. Predigt: Pfarrerin Andrea Richter.
  • Sonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden
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24. Lesbisch-schwules Stadtfest Berlin: Fürbittengebet aus dem Eröffnungsgottesdienst

Gestern Abend, 15. Juli 2016, feierten wir den Eröffnungsgottesdienst des 24. Lesbisch-schwulen Stadtfestes Berlin. Daraus hier das Fürbittengebet:

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Mitwirkende des Eröffnungsgottesdienstes 2016

Die Mitwirkenden des Stadtfestgottesdienstes 2016

In der Gemeinde Gottes teilen wir miteinander Freude und Schmerz, wir stehen zusammen vor Gott. Lasst uns miteinander und füreinander beten.

Barmherziger Gott, du hast deine Kirche erbaut aus Verstoßenen und gering Geachteten und uns damit ein Beispiel der Liebe und Offenheit gegeben. Doch in deiner Kirche haben Menschen immer wieder Verletzung und Ablehnung erfahren, haben sich enttäuscht abgewandt. Für sie und für uns bitten wir um Heilung und Versöhnung und rufen zu dir:

Gemeindekehrvers: „O Gott, du schöner Morgenstern, gib was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.“ (EG Lied 440, 2)

Friedliebender Gott, du preist diejenigen selig, die Frieden stiften – doch wir leben in einer friedlosen Welt. Gewalt und Ungerechtigkeit beengen und zerstören Leben. In Orlando, aber auch vielen anderen Orten der Welt, auch hier bei uns erfahren gerade LGBTQI Hass und Diskriminierung. Für sie und alle, die sich dennoch weiter unermüdlich für mehr Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, bitten wir um deine Kraft und deinen Geist und rufen zu dir:

Gemeindekehrvers: „O Gott, du schöner Morgenstern, gib was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.“ (EG Lied 440, 2)

Tröstender Gott, du hast uns als deine Ebenbilder geschaffen. Jeder Mensch ist ein Zeichen deiner Liebe. Doch immer noch ist es für viele ein schmerzhafter Prozess, zu sich selbst zu finden und zu stehen. Das Coming out vor sich und den Mitmenschen erfordert Kraft, Mut und viel zu häufig auch Trost. Wir bitten dich für alle, die diesen Schritt wagen und für alle die ihnen beistehen, schenke deinen Trost, lass sie deine Nähe und Liebe spüren. Wir rufen zu dir:

Gemeindekehrvers: „O Gott, du schöner Morgenstern, gib was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.“ (EG Lied 440, 2)

Liebender Gott, du hast uns gelernt, dass wo Menschen teilen, viele satt werden. Doch in dieser Welt gibt es eine unermessliche Kluft zwischen Überfluss und tödlicher Armut. Wir bitten dich für alle, die vergessen in den Armuts- und Krisengebieten der Welt auf unsere Hilfe hoffen und wir bitten dich für alle, die auch unter uns im Verborgenen in Not geraten. Wir bitten dich, wecke, rüttle auf, sende deinen Geist der Solidarität, Fürsorge und Nächstenliebe. Wir rufen zu dir:

Gemeindekehrvers: „O Gott, du schöner Morgenstern, gib was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.“ (EG Lied 440, 2)

Inspirierender Gott, die Gemeinschaft der Nachfolger*innen Jesu zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass sie miteinander feierten und das Brot brachen. Sie zeigten durch ihre Gemeinschaft etwas von der Fülle deiner Gegenwart. Wir bitten für alle, die in den kommenden Tagen feiern – lass das Stadtfest ein Ort der Freude, der gegenseitigen Achtung und des Respekts sein. Schenke Raum für inspirierende Gespräche und ermutigende Begegnungen. Wir rufen zu dir:

Gemeindekehrvers: „O Gott, du schöner Morgenstern, gib was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.“ (EG Lied 440, 2)

Gott, wir vertrauen auf dein offenes Ohr und dein Erbarmen, mit dem du uns begegnest durch Jesus Christus in Ewigkeit. Amen.

Text von Pfarrerin Anna Trapp

Vorbeter am Abend waren: Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin Tempelhof-Schöneberg, Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirche, MdB Volker Beck, Bündnis 90/Die Grünen, Pfarrerin Anna Trapp, Wunderblutkirche Bad Wilsnack, Geschäftsführer Jörg Steinert, Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg.

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Freitag: Eröffnungsgottesdienst 24. Stadtfest Berlin

Die Glocken der Zwölf-Apostel-Kirche in Berlin-Schöneberg läuten morgen, Freitag, 15. Juli 2016, das 24. Lesbisch-schwule Stadtfest Berlin ein. Es findet seit 1993 jährlich statt und erstreckt sich über die Motzstraße, Eisenacher Straße, Fuggerstraße und die Kalckreuthstraße. Mit etwa 420.000 Besuchern ist es heute das größte homosexuelle Straßenfest in Europa.

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Stadtfest-Gottesdienst 2015

Das Rogate-Kloster St. Michael lädt bereits zum siebten Mal zu einem ökumenischen Gottesdienst zur Eröffnung des großen Schöneberger Bürgerfestes in die nah gelegene Zwölf-Apostel-Kirche ein. Die liturgische Feier gehört seit 2010 zum offiziellen Rahmenprogramm des Festes. In diesem Jahr wird besonders der Toten des Anschläge von Nizza und Orlando gedacht.

Thema des Gottesdienstes: „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“. Der Predigttext steht im Matthäus-Evangelium (Mt 12, 1-8). Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hatte im Vorfeld den Gottesdienst begrüßt: „Der Eröffnungsgottesdienst zum Stadtfest im Rogate-Kloster St. Michael ist ein wichtiges Zeichen. Die Kirchen sind ein unverzichtbarer Teil unserer Zivilgesellschaft, mit Herz und Ohr für alle, die Ausgrenzung und Ablehnung erleben. Praktizierte Nächstenliebe ist und bleibt in unserer Gesellschaft das Fundament für mehr Toleranz und Gleichberechtigung.“

Nach Pfarrer Manfred Moll (2010), Superintendentin Dr. Birgit Klostermeier (2011) und Dekan Ulf-Martin Schmidt (2012), Pfarrerin Andrea Richter (2013), Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein (2014) und Pfarrer Burkhard Bornemann als amtierender Superintendent (2015) predigt in diesem Jahr Oberkonsistorialrätin Dr.  Christina-Maria Bammel von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).

An der Gestaltung des Gottesdienstes sind weiterhin beteiligt: Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin Tempelhof-Schöneberg, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Pfarrer der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin, Christoph Hagemann, Kreiskantor Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg, Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirche, MdB Volker Beck, Bündnis 90/Die Grünen, Pfarrerin Anna Trapp, Wunderblutkirche Bad Wilsnack, Geschäftsführer Jörg Steinert, Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg, und Bruder Franziskus Aaron RGSM, Rogate-Kloster, als verantwortlicher Liturg.

Rogate Kl_Postkarte_Messe Stadtfest 2016_090316 Kopie 2Erreichbar ist die Gottesdienststätte des Rogate-Klosters in der Zwölf-Apostel-Kirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4) und per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187, 106) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). PKW-und Fahrradstellplätzestellplätze vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße. Adresse: An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.

Das Kloster ist zudem beim Straßenfest am Sonnabend und Sonntag mit einem eigenen Infornationsstand vor der Fuggerstraße 10 vertreten.

Link zur Facebook-Einladung hier.

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Stadtfest-Eröffnung: Grußwort von Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks

Grußwort von Dr. Barbara Hendricks,
Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

zum Eröffnungsgottesdienst
des 24. Lesbisch-schwulen Stadtfestes des Regenbogenfonds e.V.
im Rogate-Kloster St. Michael zu Berlin

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Dr. Barbara Hendricks

Liebe Freundinnen und Freunde,

das 24. Lesbisch-schwule Stadtfest fällt in eine Zeit, in der viele von uns nicht mehr sicher sind, ob die politischen Fortschritte der letzten Jahre und Jahrzehnte wirklich von Dauer sein werden. Die Europäische Integration wird durch die Brexit-Entscheidung und durch antieuropäische Bewegungen in vielen Mitgliedsstaaten in Frage gestellt. Auch in der Gesellschaftspolitik sehen wir uns nach vielen Erfolgen heute verstärkt mit rückschrittlichen Tendenzen konfrontiert. Mit geschlossenen Grenzen, weniger Toleranz und wieder mehr Hass und Gewalt gegenüber Minderheiten. Es betrifft uns alle, wenn Menschen diskriminiert und bedroht werden. Unser Grundgesetz schützt aber nicht nur die freie Entfaltung der Persönlichkeit, es garantiert auch das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Darauf müssen sich alle verlassen können!

Ich bin davon überzeugt, dass wir mehr Vertrauen in die Zukunft ermöglichen müssen. Das kann zum Beispiel mit „Gleichen Rechten für Ungleiche!“ gelingen – nach dem Motto dieses Stadtfestes. In den letzten Jahren haben wir zwar viel erreicht, aber immer noch nicht die volle Gleichberechtigung. Wir werden sie deshalb weiter deutlich einfordern. Wir werden auch die Herausforderung der Integration annehmen und zum Erfolg machen, damit alle Menschen in Deutschland gut und sicher miteinander leben können. Nur wenn wir alle gleichberechtigt sind, dann sind wir alle frei.

Der Eröffnungsgottesdienst zum Stadtfest im Rogate-Kloster St. Michael ist ein wichtiges Zeichen. Die Kirchen sind ein unverzichtbarer Teil unserer Zivilgesellschaft, mit Herz und Ohr für alle, die Ausgrenzung und Ablehnung erleben. Praktizierte Nächstenliebe ist und bleibt in unserer Gesellschaft das Fundament für mehr Toleranz und Gleichberechtigung.

Barbara Hendricks

Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

Willkommen:

Rogate Kl_Postkarte_Messe Stadtfest 2016_090316 Kopie 2Freitag, 15. Juli 2016 | 19:30 Uhr, Eröffnungsgottesdienst zum 24. Lesbisch-schwulen Stadtfest des Regenbogenfonds. Predigt: Oberkonsistorialrätin Dr.  Christina-Maria Bammel. Mit Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin Tempelhof-Schöneberg, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Pfarrer der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin, Christoph Hagemann, Kreiskantor Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg, Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirche, MdB Volker Beck, Bündnis 90/Die Grünen, Pfarrerin Anna Trapp, Wunderblutkirche Bad Wilsnack, Geschäftsführer Jörg Steinert, Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg.

Erreichbar ist der Gottesdienst des Rogate-Klosters in der Zwölf-Apostel-Kirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln und über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). PKW-Stellplätze vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße. Adresse: An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.

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