Fünf Fragen an: Regisseurin Tatjana Rese, Regisseurin und Autorin

Fünf Freitagsfragen an Tatjana Rese, Regisseurin und Autorin, über Martin Luther als „Rebel wider Willen“, über den kulturellen Hintergrund unseres Lebens und das Verhältnis des Reformators zum Teufel.

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Tatjana Rese (Bild: privat)

Die Berlinerin Tatjana Rese studierte Germanistik an der Humboldt-Universität und verschrieb sich dann dem Theater. Als Schauspieldirektorin führte sie ihr Weg nach Schwedt, Esslingen, Braunschweig und Detmold. Sie inszeniert im Bereich Schauspiel, Kabarett, Oper und Musical. Rese verfasste Bühnenbearbeitungen von Film, Roman und Märchen und realisierte eigene Musicals und Revuen, unter anderem in Leipzig, Konstanz, Eisenach und Wilhelmshaven. In ihrer Heimatstadt arbeitet sie für das Kabarett „Die Stachelschweine“ und engagiert sich seit vielen Jahren für das „Opernfestival Schloss Britz„.

Rogate-Frage: Frau Rese, Martin Luther beschäftigt Sie schon länger. Warum?

Tatjana Rese: Obgleich ich persönlich nicht konfessionell gebunden bin, sehe ich den christlichen Glauben als kulturellen Hintergrund unseres Lebens. Besonders das reformatorische Gedankengut beeinflußt uns alle bis heute, prägt unser Denken und Handeln, strukturiert den Alltag. Das zentrale Werk Luthers, seine deutsche Übersetzung der Bibel, ist seit Jahrhunderten Quelle für künstlerisches Schaffen, in der Malerei, in der Literatur, auf dem Theater. Diese Ur-Bilder lassen uns nicht los und wir schöpfen aus ihnen.

Aus diesem grundsätzlichen Interesse entstand die Spurensuche, die, zugegebenermaßen, durch die Lutherdekade forciert wurde. Inzwischen habe ich mich in das Thema soweit eingearbeitet, dass noch ein Luther-Krimi entstanden ist. Der historische Krimi „Freies Geleit für Martin Luther“ erscheint im März 2017 im Buchhandel. Hier beschäftigt uns, den Autor Matthias Eckoldt und mich, ein fiktiver Kriminalfall, in den Luther während des berühmten Reichstages 1521 in Worms verwickelt wird.

Ja, irgendwie komme ich von dem Mann wohl nicht mehr los.

Rogate-Frage: Welche Herausforderungen verbinden Sie als Regisseurin mit „LUTHER! – REBELL WIDER WILLEN“?

Tatjana Rese: Ich bin bei diesem Projekt in der besonderen Lage, sowohl Autorin als auch Regisseurin zu sein. Und in beiden Rollen interessiert mich der Mensch Luther in Konfrontation mit seiner Zeit.

Das Anachronistische der Persönlichkeit fasziniert mich: Ein Mann, noch tief verhaftet im Mittelalter, macht sich auf den Weg in eine neue Zeit und wird wider Willen zur Gallionsfigur theologischer und sozialer Umbrüche. Dabei ist er selbst eine äußerst zerrissene Persönlichkeit. Kämpfer und Zauderer, ein Protestler, der obrigkeitstreu bleibt. Er schreibt gegen den Papst an, redet dem deutschen Adel ins Gewissen, will den gütigen Gott für alle und wütet dann gegen die aufständischen Bauern. Die Untertanen werden von ihm zum Gehorsam verdonnert, sie sollen Gewalt und Unrecht schweigend erdulden.

Vor allem jedoch ist es die ungeheuerliche Zeitenwende in der Luther agiert, die das Thema für uns heute so greifbar und nachvollziehbar macht: Eine Welt die aus den Fugen ist. Eine Welt, in der viele Menschen nach Halt und Orientierung suchen. Die Zeilen des Songs des Schriftgießers Stephan, den er ganz am Schluss des Oratoriums singt, sind meine persönlichste Botschaft:

Die innre Stimme soll den Weg
Für unser Leben nennen.
Und keine irdisch‘ Macht verhüt‘,
Dass wir sie hören können.
Ganz aus dem Metrum ist die Welt,
Sie droht uns zu verschlingen.
Des Herzen Takt, das inner Maß
Nur kann uns Freiheit bringen.

Rogate-Frage: Was macht ein „Rock-Oratorium“ aus? Ist „Luther“ nicht eher ein Musical?

Tatjana Rese: Der Komponist Erich Adalbert Radke und ich haben 2013 ein Auftragswerk für das Theater Eisenach geschrieben und auf Wunsch des Hauses sollte es die Form eines populären Genres haben, so ist unser Musical entstanden, das ab Mai bis Juli 2017 wieder im Spielplan des Theaters Eisenach ist. Der Form des Musicals folgend gibt es ein Orchester, große Ballettszenen und ein sehr opulentes Bühnenbild einschließlich Videoperformance.

Das Theater Wilhelmshaven wünschte sich eine kleinere Form. So haben wir das Material nochmals bewegt und umgeschrieben, für eine Rock-Band, zehn Sänger und einen Chor. Das Format des Oratoriums schien uns dafür besonders geeignet: ein Erzähler führt durch die Geschichte, die sehr emtional durch Arien, Duette, Terzette, Quartette gestaltet wird, ein Chor reflektiert das Geschehen. Die Rockmusik ist eine moderne wie auch archaische Musik, die den Bogen von der Musik der Lutherzeit ins Heute wunderbar schlagen kann.

Rogate-Frage: Warum führen Sie das Stück ausschließlich in Kirchen auf und welche Wirkung haben die Sakralräume auf das Stück, die Darsteller und das Publikum?

Tatjana Rese: Die Kirche ist die Heimat des Oratoriums. Dort kommt diese Musikform ursprünglich her. Hierhin wollten wir mit diesem modernen Oratorium zurückkehren. Dabei entstand die Idee, den Chor aus Sängerinnen und Sängern aus der Region zu formen. So ist es in der Tat die Gemeinde, die bei der Aufführung mitwirkt. Und schließlich geht es Luther ja vor allem um die Auseinandersetzung mit der Kirche.

Die Kirchenhäuser sind geschichtsträchtige Orte. Ihre Mauern beherbergen viele Schicksale, oft über Jahrhunderte. Diesen Geruch atmet man bei den Proben und Vorstellungen mit ein. Die christlichen Gotteshäuser mit einer modern erzählten Geschichte zu konfrontieren, ist ein sehr sinnlicher Prozess.

Die besondere und streitbare Geschichte der Christus- und Garnisionskirche in Wilhelmshaven, mit der das Theater kooperiert und in der unsere Premiere stattfand, hat mich sehr bewegt; sie erzählt heute noch von den Kriegen und Schlachten, die wir zu Unrecht geschlagen haben. Für das Publikum ist die Aufführung, hoffe ich, an so authentischen Orten ein besonderes Erlebnis.

Rogate-Frage: Im Stück werden der Teufel und Johann Tetzel mit Attributen darstellt, die vermuten lassen, sie seien schwul oder trans*. So werden gleichgeschlechtliche Sexpraktiken zwischen Satan und dem Dominikaner angedeutet und genannt. Welches Ziel wird in der Inszenierung und beim Publikum damit verfolgt?

Tatjana Rese: Ehrlich gesagt, das Thema hat uns eigentlich gar nicht interessiert.

Aber wenn dieser Eindruck entstehen sollte, dann versuche ich ihn mir zu erklären: Der Anmutung des Homoerotischen entsteht vielleicht dadurch, dass der Teufel Luther in unserem Oratorium im wahrsten Sinne des Wortes ständig im Nacken sitzt. Mitunter scheint es, als gingen die beiden eine körperliche Symbiose ein. Das ist für mich eine Metapher für den inneren Kampf gegen das Böse, den die Figur führt.

Luther selbst hatte offensichtlich, viele Schriften und Briefe belegen das, eine sehr persönliche Beziehung zum Teufel, der ihn lebenslang zu verfolgen schien.

In unserer Aufführung erscheint der Teufel mitunter in geborgten Gewand, so in einer großen Marktszene als Ablaßhändler Tetzel. Das ist eine Verführungsszene. Der Teufel will die Leute zum Geldausgeben verführen um sich von ihren Sünden freizukaufen. Dabei ist ihm jedes Mittel recht und er holt mit dem „Tanz des Mammon“ zur großen Showeinlage aus. Mit seinem Kompagnon Jahnn Zacke veranstaltet er einen anzüglichen, von fleischlicher Lust getrieben Tanz, um die Leute aufzugeilen. Seine Sprache ist schnodderig und heutig. Den „Tanz ums goldene Kalb“ tanzen wir alle doch fast täglich, oder?

Rogate: Vielen Dank, Frau Rese, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Fünf Fragen an: Dr. Andreas Goetze, Landespfarrer für den interreligiösen Dialog

Fünf Freitagsfragen an Dr. Andreas Goetze, Landespfarrer für den interreligiösen Dialog in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), über das Gespür für die religiösen Wurzeln anderer, wenig Kenntnis von dem Anderen und eigene fröhliche Glaubensgewissheit.

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Landespfarrer Andreas Goetze (Bild: privat)

Andreas Goetze, geboren 1964, studierte Evangelische Theologie, die Nebenfächer Judaistik und Philosophie. Er absolvierte islamwissenschaftliche Studien und Studien zum orientalischen Christentum in Jerusalem und Beirut. Er veröffentlichte zu den Themenbereichen interreligiöser Dialog, Nah-Ost-Konflikt und Spiritualität, unter anderem zur frühen Islamgeschichte unter dem Titel: „Religion fällt nicht vom Himmel“, in dem er die historisch-kritischen Perspektive mit der spirituellen Dimension des Glaubens im interreligiösen Dialog verbindet.

Rogate-Frage: Die EKBO hat 2012 eine Stelle für den interreligiösen Dialog eingerichtet. Warum ist das Thema wichtig?

Andreas Goetze: Wir leben heute in einer pluralen Welt. Es ist gar nicht mehr die Frage, ob Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Prägungen zusammenleben wollen. Sie leben neben- und miteinander. Berlin ist in Europa die Stadt mit den meisten Religionsgemeinschaften. Die Gestaltung des Zusammenlebens ist eine eminent große Herausforderung. Dazu braucht es interkulturelle und interreligiöse Kompetenzen. Ich halte sie für zentralen Schlüsselqualifikationen in einer multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft. Durch die Medien, aber auch in der Arbeitswelt begegnen mir andere, die anders glauben und aus einer anderen Kultur kommen. In einer pluralen Gesellschaft, wird die Verständigung erschwert, wenn ich kein Gespür für die religiösen Wurzeln anderer Menschen aufbringe.

Rogate-Frage: Was macht diese Dialoge bedeutsam?

Andreas Goetze: Mein Interesse am interreligiösen Dialog ist geprägt vom jüdisch-christlichen Dialog, der für mich als Christ grundlegend bleibt. Hier habe ich viel gelernt von den jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens und was es bedeutet, wenn sich eine Religion absolut setzt und die andere total abwertet. Der christliche Absolutheitsanspruch hat viel Leid hervorgebracht und ich empfinde es als ein Wunder, dass nach all den Erfahrungen dennoch heute ein jüdisch-christliches Gespräch möglich geworden ist. Wenn wir nicht dazu kommen, uns gegenüber allen Religionen wertschätzend und respektvoll zu äußern, haben wir aus der Geschichte nichts gelernt.

Dialog ist für mich von daher nicht „Gespräch über“, sondern ein Dialog ist immer „Begegnung mit“. Ich habe so wenig Kenntnis von dem Anderen. Um das zu ändern, kann ich nicht nur über ihn lesen, sondern ich muss ihn auch treffen. Sonst entstehen imaginäre Mauern in Köpfen und reale Mauern zwischen Menschen. Beispielsweise gibt es insbesondere in den Gegenden Deutschlands die meisten Vorurteile und stereotypen Vorstellungen gegenüber „dem Anderen“ beziehungsweise medial vermittelte Ängste vor „dem Fremden“, wo gar keine oder nur sehr wenige leben.

Rogate-Frage: Wie kann der Dialog bei uns gefördert werden?

Andreas Goetze: Dialog heißt, den anderen erst einmal kennen zu lernen. Ein Beispiel: Ein Pfarrer hatte eine muslimische Gemeinde zu einem Gesprächsabend eingeladen. Und zahlreiche Muslime kamen. Im Laufe des Abends fragte der Pfarrer, was sie sich zukünftig wünschten. Darauf erwiderte einer der muslimischen Gäste: „Dass wir uns das nächste Mal nicht an unserem höchsten Feiertag treffen“. Ich wäre auch sehr verwundert, wenn mich Muslime zu einer Dialogveranstaltung an Weihnachten einladen würden. Also, die Kenntnisse voneinander sind sehr gering. Ich kann eben nur Missverstehen ausräumen, wenn ich Kernüberzeugungen von Randthemen trennen kann. Dazu gehört zum Beispiel, dass ich kleine extremistische Gruppierungen nicht für die eigentlichen Vertreter der jeweiligen Religionsgemeinschaft halte.

Rogate-Frage: Worin liegen die Gefährdungen?

Andreas Goetze: Gefährdet wird jedes Gespräch durch mangelnden Respekt und fehlende Selbstkritik. Hilfreich ist dagegen die eigene fröhliche Glaubensgewissheit, gepaart mit einer Prise Humor. Einfache, dualistische Weltbilder („wir – und die Anderen“) helfen uns nicht weiter. Alle Religionsgemeinschaften und auch die Weltanschauungen (auch die anti- oder a-religiösen) unterliegen solchen fundamentalistischen Gefährdungen. Der Riss geht also quer durch alle Religionen und Weltanschauungen. Man sollte sich hüten, die westliche Welt einfach der islamischen Welt gegenüber zu stellen. Es gilt, sich mit den Aufgeschlossenen zusammen zu tun, die getragen sind von gegenseitiger Achtung und Anerkennung. Da müssten wir noch mutiger gemeinsam nach außen treten.

Rogate-Frage: Was sind Ihre spirituellen Grundlagen für den Austausch?

Andreas Goetze: Ein Dialog macht nur Sinn, wenn wir als Christinnen und Christen unsere eigenen Glaubensgrundlagen kennen und selbst unseres Glaubens gewiss sind. Nur dann können wir im Gespräch nicht nur Höflichkeiten austauschen, sondern um die Fragen ringen, die uns wirklich bewegen. Der Dialog fordert mich heraus, nach der Ausstrahlung meines eigenen Glaubens zu fragen, nach seiner spirituellen Kraft und seinen theologischen Grundlagen. Und: Dialog hat mit Begegnung zu tun. Beziehungen haben mit Vertrauen zu tun. Vertrauen wächst langsam in der Begegnung von Angesicht zu Angesicht. Ich beklage einen Mangel an Einfühlungsvermögen. Ich erlebe zu viele Menschen, die schon ganz genau zu wissen meinen, was der oder die andere denkt, glaubt. Ich spüre dabei Ängste und Unsicherheiten. Es ist ehrlich, sie zu benennen. Doch darf man nicht dabei stehen bleiben. Sonst verfestigen sich nur Vorurteile und Feindbilder, die mit den reellen Menschen nichts zu tun haben.

Wir sind Pilger unterwegs hin zu Gott, der immer größer ist, als ich ihn zu denken und zu glauben vermag. Wenn ich mir dessen bewusst bin, werde ich bescheidener, demütiger in meinen Äußerungen. Ich verschweige nicht, was mein Leben trägt. Aber ich behaupte nicht einfach abschließende Wahrheiten, sondern erzähle von und lebe aus meinem Glauben. Von daher suche ich die Begegnungen. Ich sammele im Dialog Erfahrungen. In diesem alten Wort steckt auch das Wort fahren: Wenn wir im Dialog sind, bleiben wir auf dem Weg.

Rogate: Vielen Dank, Herr Landespfarrer Dr. Goetze, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Neujahr: Herzenswunsch vom Rogate-Kloster

rogatekl_aushang-a4_ezechiel-36-26_020117Wir wünschen ein gutes, gnadenreiches Jahr 2017 mit viel Herz, Glaube, Liebe und Hoffnung!

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Rogate-Gottesdienste zu Weihnachten im Kloster Lehnin: Willkommen!

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten im Kloster Lehnin in Brandenburg:

  • Sonntag, 1. Weihnachtstag, 25. Dezember 2016 | 17:00 Uhr, Vesper mit einer Erwachsenentaufe. Ort: Schwesternkapelle im Abtshaus, Kloster Lehnin, Klosterkirchplatz 1-19, 14797 Kloster Lehnin.
  • Sonntag, 1. Weihnachtstag, 25. Dezember 2016 | 22:00 Uhr, Komplet (Nachtgebet) mit einer Aufnahme in das Postulat. Ort: Schwesternkapelle im Abtshaus, Kloster Lehnin, Klosterkirchplatz 1-19, 14797 Kloster Lehnin.
  • (Montag, 2. Weihnachtstag, Tag des Heiligen Stephanus, 26. Dezember 2016 | 10:00 Uhr, gemeinsamer Besuch der Heiligen Messe der Kirchengemeinde Heilige Dreifaltigkeit. Ort: Kapelle Heilige Familie, Kurfürstenstraße 9, 14797 Kloster Lehnin.)
  • Montag, 2. Weihnachtstag, Tag des Heiligen Stephanus, 26. Dezember 2016 | 17:30 Uhr, Vesper. Ort: Schwesternkapelle im Abtshaus, Kloster Lehnin, Klosterkirchplatz 1-19, 14797 Kloster Lehnin.
  • Montag, 2. Weihnachtstag, Tag des Heiligen Stephanus, 26. Dezember 2016 | 22:00 Uhr, Komplet (Nachtgebet). Ort: Schwesternkapelle im Abtshaus, Kloster Lehnin, Klosterkirchplatz 1-19, 14797 Kloster Lehnin.
  • Dienstag, 27. Dezember 2016 | 8:30 Uhr, Morgengebet. Ort: Schwesternkapelle im Abtshaus, Kloster Lehnin, Klosterkirchplatz 1-19, 14797 Kloster Lehnin.
  • Dienstag, 27. Dezember 2016 | 11.45 Uhr, Mittagsgebet. Ort: Schwesternkapelle im Abtshaus, Kloster Lehnin, Klosterkirchplatz 1-19, 14797 Kloster Lehnin.
  • Dienstag, 27. Dezember 2016 | 17:30 Uhr, Vesper. Ort: Schwesternkapelle im Abtshaus, Kloster Lehnin, Klosterkirchplatz 1-19, 14797 Kloster Lehnin.
  • Dienstag, 27. Dezember 2016 | 22:00 Uhr, Komplet (Nachtgebet). Ort: Schwesternkapelle im Abtshaus, Kloster Lehnin, Klosterkirchplatz 1-19, 14797 Kloster Lehnin.
  • Mittwoch, 28. Dezember 2016 | 8:30 Uhr, Morgengebet. Ort: Schwesternkapelle im Abtshaus, Kloster Lehnin, Klosterkirchplatz 1-19, 14797 Kloster Lehnin.
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Wir trauern um unser Mitglied Johanne Schaar

Das Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin trauert um die Layout 1am Freitagabend im Alter von 90 Jahren verstorbene Johanne („Heidi“) Henriette Frieda Schaar, geborene Dörnatt.

Geboren am 26. August 1926 in Flensburg gehörte sie zur dänischen Minderheit. Stationen ihres Lebens waren Sonderborg, Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven. Drei Kinder brachte sie zur Welt. Sie war seit 2014 Mitglied des Trägervereins des Rogate-Klosters. Am Vorabend ihres Todes haben wir noch gemeinsam in der Eucharistie für sie und alle unsere Kranken gebetet.

Die Trauerfeier findet am Donnerstag, 22. Dezember, 15:00 Uhr, im Andachtsraum von Bestatter Bernd Janßen, Hauptstrasse 27, 26388 Wilhelmshaven-Sengwarden, statt. Die Feier wird von Pastor Frank Moritz von der Banter Kirche geleitet.

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Berlin: Gebete für Verletzte und Tote vom Breitscheidplatz

2016-12-bibel-ro%cc%88merbrief-12In der Nähe vom Rogate-Kloster in der Zwölf-Apostel-Gemeinde steht die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche auf dem Breitscheidplatz. Wir hören den ganzen Abend die Martinshörner und sehen die Rettungsfahrzeuge zum Ort des Geschehens eilen.

Wir beten für die Toten und Verletzten des heutigen Abends, für die Angehörigen und die Retter.

Wir sind traurig über die Ereignisse heute Abend. Wir hoffen weiter auf eine bessere Welt und Gerechtigkeit für alle Menschen auf der Welt. Wir hoffen auf den Frieden für alle, nicht nur im Advent und zu Weihnachten. Wir werden weiter unser Leben leben und nicht nachlassen im Einsatz für eine lebenswerte und offene Gesellschaft, hier in Berlin und da wo Gott uns hinstellt.

Wir beten mit allen Menschen guten Willens:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Gebete für Frieden und Versöhnung finden Sie hier.

Hinweis: Um 18 Uhr findet heute in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche ein Gedenkgottesdienst statt.

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Fünf Fragen an: Dr. Friedemann Green, Vorsteher Stiftung Das Rauhe Haus

Fünf Freitagsfragen an Dr. Friedemann Green, Vorsteher der Stiftung Das Rauhe Haus in Hamburg, über die Verbindung von Johann Hinrich Wichern mit dem Adventskranz, eine kleine christliche Predigt ohne Worte und das Ziel einer vollständigen Teilhabegerechtigkeit.

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Dr. Friedemann Green (Bild: Rauhes Haus)

Dr. Friedemann Green ist 1954 in Eckernförde geboren und aufgewachsen. Nach Schulbesuch, Zivildienst und sozialem Freiwilligendienst in England und den USA studierte er von 1978 bis 1985 Evangelische Theologie in Berlin und Hamburg. Nach seinem Vikariat in Hamburg-Lurup wurde er zunächst Gemeindepastor in der Hauptkirche St. Michaelis. Von 1988 bis 1992 arbeitete er als Pastor und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Arbeitsstelle Kirche und Stadt der Universität Hamburg und promovierte zum Thema „Kirche und Stadtentwicklung“. 1992 wurde er Pastor in Sörup, Kirchenkreis Angeln, 1999 Propst des Kirchenkreises Eiderstedt. Seit Januar 2009 ist Pastor Dr. Friedemann Green Vorsteher des Rauhen Hauses.

Rogate-Frage: Herr Pastor Dr. Green, was verbindet das Rauhe Haus mit dem Adventskranz?

Friedemann Green: Der Adventskranz steht im Mittelpunkt mehrerer Rituale, die wir jährlich um den 1. Advent im Rauhen Haus herum feiern: Zum Beispiel übergibt eine Klasse unserer Wichern-Schule jedes Jahr am Nachmittag des 1. Advent einen großen Adventskranz – in diesem Jahr mit der möglichen Höchstzahl von 28 Kerzen ! – im Hamburger Rathaus. Während der gesamten Adventszeit steht er im Foyer des Rathauses im Aufgang zum Büro des Bürgermeisters und erinnert die Besucher daran: der Adventskranz kommt aus Hamburg. Anschließend feiern wir den Adventsgottesdienst in Deutschlands einziger schwimmender Kirche, der Flussschifferkirche in der Speicherstadt des Hamburger Hafens. Außerdem werden im ursprünglichen, reetgedeckten Alten Haus, in der Schulkapelle und an anderen Orten auf dem Stiftungsgelände um den Adventskranz herum Andachten gefeiert, in denen der Kranz immer auch an die Ursprungssituation des Rauhen Hauses Wohnort für Kinder aus armen Familien erinnert.

Rogate-Frage: Welche Bedeutung hat der Adventskranz für Sie als Pastor und Christ?

Friedemann Green: Der Adventskranz ist ein wunderbares Symbol für die biblische Adventsbotschaft: Während die Tage immer kürzer und dunkler werden, erscheint insbesondere der originale Wichern`sche Adventskranz sozusagen antizyklisch jeden Tag und mit jeder Kerze ein bisschen heller. „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein helles Licht“. Die prophetische Ankündigung der Ankunft Gottes durchbricht die Dunkelheiten dieser Welt und kündigt Heil an mitten in Erfahrungen des Unheils hinein. Die biblische Heilsweissagung wird von denen am stärksten herbeigesehnt und wohl auch am aufmerksamsten gehört, die Lasten zu tragen haben und die – symbolisch gesprochen – von Dunkelheit umgeben und bedroht sind: die Hirten im Stall, das Flüchtlingspaar Maria und Joseph und andere. So gesehen ist der Adventskranz – auch wenn er in der Bibel gar nicht vorkommt – eine kleine christliche Predigt ohne Worte.

Rogate-Frage: Für manche Zeitgenossen beginnt irgendwann im November die „Weihnachtszeit“. Das Bachsche Weihnachtsoratorium erklingt an vielen Stellen vor dem 1. Advent, also viele Wochen vor Weihnachten. Manche Kirchengemeinde veranstaltet am Totensonntag einen Weihnachtsmarkt. Verschwindet der Advent aus unseren Traditionen? Welche Unterschiede zwischen Advent und Weihnachten machen Sie als Pastor?

Friedemann Green: Der vor einigen Jahren kreierte Slogan aus der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit „Advent ist im Dezember“ hat den Nagel auf den Kopf getroffen. In der Tat droht die Adventszeit mit ihrer eigenen inhaltlichen Bedeutung unter die Räder der allgemeinen und schon im Spätherbst einsetzenden Weihnachtsaufregung zu geraten. Geduld und Warten-können zählt nicht gerade zu den stärksten Tugenden unseres öffentlichen Lebens, sondern man möchte möglichst schnell zum großen Höhepunkt des Weihnachtsfestes gelangen. Dabei wird jedoch leicht übersehen, dass der Hinweg zum großen Fest und dessen Vorbereitung genauso zum Fest selbst dazu gehört wie – im Nachhinein – auch die Erinnerung daran. Es ist wie mit den Ferien oder dem Urlaub, die ihre schöne Wirkung auch bereits in der Vorfreude und vor dem ersten Ferientag entfalten. Aber gegen diesen Kaltstart in den Weihnachtsmodus ab spätestens Ende November ist nur schwer gegenan zu reden, ohne in die Ecke der Spaßbremse gedrängt zu werden. Es muss wohl jeder selbst die Erfahrung machen, dass ein zu lang ausgedehnter festlicher Höhepunkt ganz automatisch verflacht und sich selbst entwertet und dass auf der anderen Seite auch eine bewusst gestaltete Vorbereitungszeit ihren wichtigen Platz im gesamten Spannungsbogen hat. Die vielen kirchlichen Angebote, soweit sie nicht auch selbst auch zu früh in den Weihnachtsmodus schalten, sondern eigene thematische Akzente setzen, können dafür eine willkommene Hilfe sein.

Rogate-Frage: Johann Hinrich Wichern hat nicht nur den Adventskranz erfunden. Was können wir heute von ihm lernen? Welches Erbe gilt es zu bewahren?

Friedemann Green: Johann Hinrich Wichern war in vielen seiner gesellschaftlichen Einsichten ein Kind seiner Zeit und für unser heutiges Lebens- und Glaubensverständnis nur bedingt wegweisend. Besonders in pädagogischen Fragen war er jedoch seiner Zeit weit voraus und es gibt Facetten seines Denkens und Wirkens, die bis heute wegweisend sind: dazu gehört zum Beispiel die hohe Sensibilität für die individuelle Entwicklung jedes einzelnen Kindes. Ihm war daran gelegen, dass jedes Kind Lebensbedingungen vorfindet, in denen es an Leib und Seele gut gedeihen und sich als selbstbewusstes Mitglied der Gesellschaft entfalten kann. Mit großem Interesse lesen insbesondere Sozialpädagogen heute wieder über Wicherns Überzeugungen, dass auch die seelische und religiöse Entwicklung der Kinder unbedingt zu beachten und aktiv zu fördern ist. Heute sprechen wir in der Sozialpädagogik von Ressourcenorientierung und von Religions- und Kultursensibilität als Leitbegriffe einer Pädagogik, die vielfach belastete Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung stärken will. Was für Wichern selbstverständlich war, nämlich dass die Gewissheit, ein geliebtes Geschöpf Gottes zu sein, der kindlichen Entwicklung sehr förderlich ist, dass entdeckt nach Jahrzehnten weitgehender religiöser Sprachlosigkeit die Sozialpädagogik jetzt wieder neu.

Rogate-Frage: Der Berliner Aktivist Raúl Krauthausen kämpft gegen das vor kurzem vom Bundestag beschlossene Bundesteilhabegesetz (BTHG). Sie auch?

Friedemann Green: Das BTHG wird vom Rauhen Haus jetzt, wo es beschlossen ist, nicht offen bekämpft. In der Entwicklungsphase haben unsere Fachleute jedoch an verschiedenen Stellen, zusammen mit Fachverbänden und teilweise durchaus mit Erfolg versucht, Einfluss zu nehmen mit dem Ziel, möglichst viel Teilhabegerechtigkeit für die Menschen mit Beeinträchtigungen zu erreichen. In seiner jetzt vorliegenden Fassung ist das Gesetz gewiss ein großer Schritt in die richtige Richtung, wobei die Ausführungsbestimmungen vieler Details auf Länderebene noch nicht komplett vorliegen. Diesen Prozess werden wir aufmerksam verfolgen und uns daran beteiligen. Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen bleibt immer noch das große und längst nicht abgeschlossene Projekt einer weiteren und möglichst vollständigen Teilhabegerechtigkeit und eines entsprechenden barrierefreien gesellschaftlichen Miteinanders aller Menschen, unabhängig vom Grad der Beeinträchtigung Einzelner.

Rogate: Vielen Dank, Herr Dr. Green, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten:

Berlin-Schöneberg:

  • Sonnabend, 17. Dezember 2016 | 12:00 Uhr, Mittagsgebet. Ort: Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg

Kloster Lehnin, Brandenburg:

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