Fünf Fragen an: Prof. Sascha Liebermann, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft

Fünf Freitagsfragen an Prof. Sascha Liebermann, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, über das „Bedingungslose Grundeinkommen“, die Fortentwicklung unsers Sozialstaats und das Vertrauen der Demokratie in die Bürger.

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Prof. Sascha Liebermann (Bild: privat)

Sascha Liebermann lebt in Alfter (bei Bonn), forscht und lehrt als Professor für Soziologie an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft daselbst. Zum Studium zog es ihn an die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Dort studierte er Philosophie (Magister Artium), Soziologie und Psychoanalyse. Vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften wurde er zum Dr. phil. (Soziologie) promoviert. Darauf folgten Forschung und Lehre an der TU Dortmund, der Ruhr-Universität Bochum und der ETH Zürich, bevor er an die Alanus Hochschule berufen wurde. 2003 gründete er gemeinsam mit Mitstreitern die Initiative „Freiheit statt Vollbeschäftigung„, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die öffentliche Diskussion um das Bedingungslose Grundeinkommen zu fördern.

Rogate-Frage: Herr Professor Liebermann, was genau ist das „Grundeinkommen“?

Sascha Liebermann: In der jüngeren deutschen Diskussion wird meist vom Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) gesprochen. Das birgt zwar Missverständnisse, hat bei genauerer Betrachtung jedoch einen guten Grund. Das BGE ist ein Vorschlag, der sich gegen den Charakter unseres heutigen Sozialstaats richtet, Einkommen immer nur unter bestimmten Leistungs-Bedingungen zu gewähren, entweder weil man erwerbstätig war oder weil man es sein wird. Alle Ersatzeinkommen, die wir heute kennen, leiten sich davon ab: Rente, Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und so weiter. Ersatzeinkommen sind sie, weil sie den Ausfall des Erwerbseinkommens ersetzen sollen. Damit fallen nicht nur alle Tätigkeiten unter den Tisch, die nicht erwerbsförmig sind, sie werden zugleich zu Privatvergnügen degradiert wie die häusliche Fürsorge für die Familie. Das steht aber ganz im Gegensatz zur Bedeutung, die diese Tätigkeiten für unser Gemeinwesen haben, sie gehören in das große Ganze hinein, Erwerbstätigkeit und Güterproduktion sind nur ein Teil davon. Das BGE stellt sich nun gegen diese Erwerbszentrierung und sieht ein Mindesteinkommen von der Wiege bis zur Bahre vor, das jeder Staatsbürger und jede Person mit einem zu definierenden Aufenthaltsstatus unabhängig von Erwerbstätigkeit erhalten soll. Statt einer Leistungs- gilt also eine Statusbedingung. Im besten Fall soll es eine Höhe haben, die es erlaubt, ohne Erwerbstätigkeit leben zu können. In dieser Form hätte es die größten Auswirkungen und schüfe die meisten Möglichkeiten. Dabei ist das BGE nicht individualistisch, wie man oft hört. Es ist ein Einkommen, das das Gemeinwesen seinen Angehörigen bereitstellt, es stellt somit eine Solidarleistung dar, die sowohl die gemeinschaftliche als auch die individuelle Seite unseres Zusammenlebens bekräftigt. So ist das BGE eine Angelegenheit aus dem Geist der Demokratie, letztlich also nur eine Fortentwicklung unsers Sozialstaats und dabei folgt es noch dem Subsidiaritätsgedanken.

Rogate-Frage: Woher kommt die Idee und wie soll das Bedingungslose Grundeinkommen praktisch funktionieren?

Sascha Liebermann: Wenn man die Bedeutung eines Grundeinkommens sehr weit fasst und darunter jegliche Form der Hilfeverpflichtung in einem Gemeinwesen gegenüber Hilfebedürftigen versteht, reicht die Tradition weit zurück, man könnte schon die Hilfeverpflichtung in der Tradition des Almosens dazu zählen, die allerdings keine gemeinschaftlich bereitgestellte Hilfe war. Das Helfen im Sinne einer Solidargemeinschaft zeichnet die menschliche Praxis – wie unterschiedlich die Hilfe auch immer gestaltet gewesen sein mag, zum Beispiel die Armenfürsorge – sicher aus. Im Unterscheid zu ethisch oder religiös gebotenen Hilfen, handelt es sich beim BGE indes um eine besondere Form, denn das BGE begründet sich – so mein Verständnis – aus dem modernen Lebensgefüge der Demokratie. Denn in ihr sind die Angehörigen eines Gemeinwesens, die Staatsbürger, Geltungsquelle der politischen Ordnung, sie bilden den Souverän. Weil sie diese Stellung bedingungslos innehaben, wäre es folgerichtig, ein Mindesteinkommen bedingungslos – also ohne konkrete Gegenleistungspflicht – bereitzustellen. Das hebt nicht die Verpflichtung auf, sich zu fragen, wie man zum Wohlergehen des Ganzen beitragen kann, doch diese Verpflichtung wäre nicht einklagbar durch das Gemeinwesen. Es muss in seine Angehörigen vertrauen, was letztlich ein Vertrauen in sich selbst darstellt. Genau das ist die Voraussetzung dafür, dass ein BGE praktisch gelingen kann – diese Voraussetzung ist heute schon gegeben, wir leben auf ihr als Fundament unseres Ordnungsgefüges. Wie es konkret dann auszugestalten wäre, hängt davon ab, was wir als Gemeinwesen wollen, wieviel Freiraum wir dem anderen und uns selbst zugestehen.

Rogate-Frage: Wie könnte eine Finanzierung realisiert werden?

Sascha Liebermann: An dieser Frage, so meinen manche, entscheide sich alles. Worum geht es dabei? Zwei Seiten müssen unterschieden werden, die grundsätzliche und die steuertechnische. Die grundsätzliche ist die Frage, ob wir die Voraussetzungen haben, ausreichend Wertschöpfung hervorzubringen, um auf ihrer Basis eine Geldleistung bereitzustellen. Das ist letztlich die Frage danach, ob – vor allem – die Bürger bereit sind, sich hier einzubringen, denn alles, was wir verteilen können, entsteht aus dem vorangehenden Engagement für eine Sache, eine Aufgabe. Davon hängt dann ab, wie hoch der Betrag sein kann, er bestimmt sich ja relativ zur Wertschöpfung und nicht unabhängig davon. Die andere Frage ist, wie man das steuertechnisch bewerkstelligt, mittels welcher Steuerarten – Einkommens- oder Verbrauchssteuern oder beides, wie gestaltet man Freibeträge und so weiter. Die Steuerarten selbst sind wiederum nicht neutral, während die Besteuerung von Einkommen nicht danach fragt, was jemand mit dem Einkommen anstellt, ob er investiert oder konsumiert, würde eine Konsum- oder Verbrauchsbesteuerung genau das hervorheben.

Rogate-Frage: Was sagen Sie den den Kritikern, die ja unter anderem fürchten, dass viele Menschen nicht mehr arbeiten gehen würden…?

Sascha Liebermann: Wir können natürlich nichts darüber sagen, was der Einzelne mit einem BGE tatsächlich machen würde. Das ist aber keine umstürzende Erkenntnis, denn wir wissen heute auch nicht, was morgen sein wird. Sicher, jeder nimmt sich bestimmte Dinge vor, vornehmen kann man sich alles Mögliche, und dann manchen wir doch etwas Anderes. Wir können allerdings untersuchen – das ist eine Aufgabe der Forschung -, auf welcher Basis in unserem Lebensgefüge Entscheidungen getroffen wurden. Welche Überzeugungen lagen ihnen zugrunde – und daraus lassen sich Schlussfolgerungen ziehen, ob diese Überzeugungen dem entsprechen, was ein BGE als Voraussetzung erforderte. Da finden wir sehr viele Hinweise darauf, dass die Voraussetzung eines BGE schon gegeben sind, weswegen es eben nicht etwas Utopisches in dem Sinne ist, dass es weit weg sei, es ist lediglich utopisch in dem anderen Sinne, dass es noch nicht da ist. Wie leben wir heute? Die Demokratie vertraut in ihre Angehörigen, das sind die Staatsbürger. Dass sie ihr Leben loyal zum Gemeinwesen führen, sich einbringen, Kritik üben, wo sie es für notwendig erachten – all das ist Voraussetzung unseres Zusammenlebens. Die Demokratie erhebt dieses Vertrauen ausdrücklich zu ihrer Grundlage, in dem die Staatsbürger den Souverän bilden, er ist die Geltungsquelle der politischen Ordnung. Tatsächlich sagen wir heute niemandem, wie er in diesem Gefüge sein Leben zu leben hat – einzig normative Verengungen gibt es, dazu gehört die Fixierung auf Erwerbsarbeit als höchstes Gut. Wir nehmen eine Herabsetzung, ja Herabwürdigung all der anderen Tätigkeiten hin, die genauso unser Zusammenleben bestimmen: Fürsorge in der Familie, bürgerschaftliches Engagement – alles zweitrangig, obwohl sie tatsächlich in ihrer Bedeutung genauso wichtig sind wie Erwerbstätigkeit, in mancher Hinsicht sogar wichtiger. Denn als ganzer Mensch Anerkennung zu finden ist nur möglich, wo der ganze Mensch im Zentrum steht, das ist aber nur in Gemeinwesen und Familie beziehungsweise familienähnliche Lebensgemeinschaften der Fall.

Rogate-Frage: Was würde sich für Sie persönlich ändern, wenn Sie das Grundeinkommen erhielten?

Sascha Liebermann: Es wäre mit einem BGE einfach zu sagen, ich bleibe zuhause und stelle den Beruf beziehungsweise die Berufung hinter die Bedürfnisse der Kinder zurück, solange ich es für richtig halte. Was das bedeutet, ist in meinen Augen eine wichtige Erfahrung, in vielerlei Hinsicht. Sie führt vor Augen, wie sehr unser Wohlergehen von guten Ausgangsbedingungen abhängt, von den Eltern, die für einen bedingungslos da sind – das heißt nicht, dass diese ihre Interessen verleugnen müssen, aber für eine gewisse Zeit weit zurückstellen. Heute muss einer ja immer erwerbstätig sein, um Einkommen heranzuschaffen. Das wäre mit einem BGE anders, es würde zu einer ausdrücklich erwünschten Entscheidung. Beruflich betrachtet wäre ich ein Erwerbs- oder Dienstverhältnis nichtmehr angewiesen. Damit fiele die Sorge weg, etwas aufgeben zu müssen, nur weil damit kein Einkommen einhergeht. Diese Engführung von Engagement und Einkommen, wie wir sie heute haben, hat etwas Zerstörerisches in vielerlei Hinsicht. Forschen könnte ich, sofern ich Zugang zu Infrastruktur wie Bibliotheken hätte, auch ohne eine Anstellung. Zu forschen unabhängig davon, Drittmittel einwerben zu müssen, wäre ebenso eine große Erleichterung.

Rogate: Vielen Dank, Herr Prof. Liebermann, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • St. Michaelis, Donnerstag, 29. September 2016 | 19:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie, mit Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin
  • Rogate Kl_Postkarte_Mensch+Tier2016_080316 Kopie 2Montag, 3. Oktober 2016 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier. Predigt: Pfarrerin Andrea Richter
  • Sonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden
  • Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Gottesdienst mit Bischof Dr. Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Bezirksbürgermeisterin  Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, EKBO, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde
  • Sonntag, 3. Advent, 11. Dezember 2016 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pastor Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirche
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Fünf Fragen zur Abgeordnetenhaus-Wahl und 30 Antworten von SPD, CDU, Grünen, Linken, Piraten, FDP und AfD

Fünf Freitagsfragen an die Spitzenpolitiker zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2016:

2016 Michael Müller SPD Berlin Joachim Gern

Michael Müller (Bild: SPD Berlin, Joachim Gern)

Sozialdemokratische Partei, Berlin: Michael Müller wurde 1964 in Berlin geboren und erwarb 1982 die Mittlere Reife, es folgte die Ausbildung zum Bürokaufmann und die Mitarbeiter in der familieneigenen Druckerei. Parallel Engagement in der SPD und bereits 1989 Jahren die Wahl in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof. Seit 1996 ist Müller Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, war Fraktionsvorsitzender der SPD und Senator für Stadtentwicklung. Ende 2014 wurde er zum Regierenden Bürgermeister Berlins gewählt. 
Der verheirate Vater zweier Kind ist evangelisch.

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Ramona Pop (Bild: Bündnis 90)

Bündnis 90/Die Grünen: Ramona Pop ist seit 2009 Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Sie wuchs in Rumänien auf, mit zehn Jahren zog sie nach Münster. 2001 wurde die Politikwissenschaftlerin als damals jüngste Abgeordnete Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte liegen in der Haushalts- und Integrationspolitik. Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl 2016 kandidiert Ramona Pop auf Platz 1 der Landesliste von Bündnis 90/Die Grünen.

 

2016 Klaus Lederer Die Linke Berlin

Klaus Lederer (Bild: Die Line Berlin)

Die Linke, Berlin: Klaus Lederer, 42, wurde in Schwerin geboren und kam auf dem Umweg über Frankfurt/Oder nach Berlin. Hier studierte er Rechtswissenschaften, promovierte 2004. Er ist Landesvorsitzender der LINKEN in Berlin, Mitglied im Parteivorstand und Abgeordneter der LINKEN im Abgeordnetenhaus, bei den Wahlen am 18. September ist er der Spitzenkandidat seiner Partei. Klaus Lederer engagiert sich für soziale Gerechtigkeit und Freiheitsrechte, er setzt sich ein für die Gleichwertigkeit aller Lebensentwürfe, die frei von sozialen Ängsten und selbstbestimmt gelebt werden sollen. Er ist konfessionslos.

2016 Philipp-Magalski

Philipp Megaski (Bild: privat)

Die Piraten, Berlin: Philipp Magalski ist kulturpolitischer Sprecher der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und kandidiert auf Listenplatz 3 für die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Er stammt aus dem Ruhrgebiet, war Messdiener und Lektor, studierte Politikwissenschaften in Duisburg und engagiert sich insbesondere für Umwelt- und Tierschutz. Er wurde römisch-katholisch getauft, ist aber inzwischen nicht mehr konfessionell gebunden. Er findet, dass die römisch-katholische Kirche, der er über 30 Jahre angehört hat, noch immer stark reformierungsbedürftig sei. Papst Franziskus ist für ihn der „beste Papst, den es je gab und er es vermutlich schon schafft, einige verlorene Söhne und Töchter zurück in den Schoß der katholischen Kirche zu holen.“

2016 Sebastina Czaja

Sebastian Czaja (Bild: FDP, Berlin)

Freie Demokratische Partei, Berlin: Sebastian Czaja ist gebürtiger Berliner, ist in der Bau- und Immobilienbranche tätig, engagiert sich im Verein „Sport gegen Gewalt“, der es sich zum Ziel gemacht hat, Jugendlichen in schwierigen urbanen Umfeldern Alternativen und Perspektiven zu vermitteln, und ist katholisch.

 

2016  Georg Pazderski

Georg Pazderski (Bild: AFD, Berlin)

Alternative für Deutschland, Berlin: Georg Pazderski ist Diplombetriebswirt und war 41 Jahre Berufsoffizier, zuletzt im Rang eines Oberst im Generalstabsdienst. Er war sicherheitspolitsicher Berater des Ständigen Deutschen Vertreters bei der EU in Brüssel, als Direktor für Operationen und Stellvertretender Chef des Stabes im 1. D/NL Korps in Münster, als Leiter einer Internationalen Planungs- und Analysegruppe im Hauptquartier USCENTCOM in Tampa/USA und als Abteilungsleiter für Logistik im NATO Joint Force Command in Lissabon. Georg Pazderski war Landesgeschäftsführer der AfD Berlin und Bundesgeschäftsführer der Alternative für Deutschland. Seit Juli 2015 ist er Mitglied des Bundesvorstandes der Alternative für Deutschland.

 

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Frank Henkel (Bild: CDU Berlin)

Christlich Demokratische Union, Berlin: Frank Henkel wurde am 16. November 1963 in Berlin geboren. Seit Dezember 2011 ist er Senator für Inneres und Sport und Bürgermeister von Berlin. Henkel ist zudem Landesvorsitzender der Hauptstadt-CDU und Vater eines zweijährigen Sohnes. Frank Henkel ist gläubiger Katholik.

 

Rogate-Frage: Was treibt Sie persönlich in die Politik, warum engagieren Sie sich und welche Massstäbe leiten Sie dabei?

Michael Müller, SPD: Mein Vater hat mich schon als zehnjährigen Jungen mit zur SPD in Tempelhof genommen, das war natürlich eine frühe Prägung. Neben meiner Ausbildung habe ich mich gern politisch engagiert, ganz konkret und in der eigenen Nachbarschaft. Mit knapp 25 Jahren bin ich Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung in Tempelhof geworden und dort recht schnell Fraktionsvorsitzender geworden. Der Antrieb ist immer gewesen: im Konkreten etwas tun, was Menschen hilft. Und das muss auch immer der Maßstab sein: Politik dient nicht dem Durchsetzen der Interessen Einzelner, sondern dem Gemeinwohl.

Ramona Pop, Grüne: Berlin steht für vieles, was mir wichtig ist: Weltoffenheit, Toleranz und Vielfalt. Doch ich setze mich auch für konkrete Alltagssorgen ein, damit die Stadt wieder funktioniert – ohne Ämterchaos, kaputte Schulgebäude und rumpelnden Nahverkehr. Damit in Berlin wieder mehr für bezahlbare Mieten getan wird. Damit die Steuerverschwendung für aus dem Ruder laufende Großprojekte wie BER oder Staatsoper ein Ende findet und wieder in die Zukunftsfähigkeit Berlins investiert wird. Die wichtigste Aufgabe ist jedoch, die Stadt gesellschaftlich zusammenzuhalten und sie nicht denen zu überlassen, die unsere Gesellschaft spalten wollen.

Klaus Lederer, Die Linke: Das Interesse an gesellschaftlichen, politischen Zusammenhängen wurde schon früh geweckt – Ende der 80er Jahre. Wer damals, als junger Mensch in der DDR, mit offenen Augen und eigenen Gedanken durch die Gegend lief, bemerkte Widersprüche. Vorgesetztes und Erlebtes passten immer weniger zusammen.

Die „Zeit der Wende“ war eine spannende Zeit – eine intensive Zeit, in der man seine Gedanken einbringen konnte und sah, wie sich etwas wirklich bewegte. Dieses Zusammenspiel von Denken, Debatten und demokratischen Prozessen führte dazu, dass ich mich engagierte. Zusehen und über Zustände meckern, das liegt mir nicht. Wenn etwas schief läuft, muss man es ändern.

In meiner politischen Arbeit leiten mich eigentlich nur die simplen Maßstäbe von Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit. Meine Grundüberzeugung ist, dass es möglich sein muss, allen ein sorgen- und angstfreies Leben nach seinen eigenen Vorstellungen zu ermöglich. Dafür lohnt sich jeder Kampf, jede Anstrengung und jede Debatte.

Philipp Magalski, Piraten: In die Politik treibt mich, diese verändern und verbessern zu wollen und dadurch auch Berlin und damit einen Teil unserer Welt, der durch die Politik verändert wird, zu einem besseren Ort für uns alle zu machen.

Frank Henkel, CDU Berlin: Berlin ist eine großartige Stadt, für die es sich zu kämpfen lohnt. In den fünf Regierungsjahren hat sich unsere Stadt gut entwickelt. Das Wirtschaftswachstum ist höher als im Bundesdurchschnitt, die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr, es gibt mehr Personal bei der Polizei, der Feuerwehr und in der Verwaltung sowie weniger Bildungsexperimente wie der Zwang zum jahrgangsübergreifenden Lernen und zur Früheinschulung. Unser Slogan ist „Starkes Berlin“. Ein starkes Berlin ist auch gleichzeitig mein persönlicher Anspruch.

Sebastian Czaja, FDP: Mich fasziniert an Politik, dass man etwas gestalten kann. Viele beschweren sich nur darüber, was ihnen alles nicht passt oder was man besser machen könnte. Die wenigsten raffen sich aber auf, selbst aktiv zu werden und zu versuchen, Dinge, die sie stören, zu ändern. Offenbar ist mir das in die Wiege gelegt worden. Denn schon als Schüler habe ich mich gerne eingebracht, wenn es darum ging, Verbesserungen herbeizuführen. Was die Maßstäbe betrifft, so sind die recht klar. Ich bin christlich, sprich katholisch erzogen worden und aufgewachsen. Insofern verfolge ich auch eine Politik mit christlichem Ansatz, das heißt eine Politik, die alle anspricht, ohne zu bewerten – jung oder alt, arm oder reich, gesund oder krank und natürlich gläubig oder nichtgläubig, es macht für mich keinen Unterschied. Und das ist bei der chrtistliche Botschaft doch auch so.

Georg Pazderski, AfD: Meine Motivation: Ich möchte etwas zurückgeben. Ich bin jetzt 64 Jahre alt und hatte ein glückliches Leben in Deutschland. Ich habe unserem Land als Soldat jahrzehntelang gedient. Es waren gute Jahre. Aber die Zukunft sieht weniger rosig aus. Die Kinderlosigkeit, die turmhohen Schulden und die ungezügelte Masseneinwanderung verändern Deutschland in einem Maße, wie wir uns das vor wenigen Jahren nicht hätten vorstellen können. Ich will der Generation nach mir, auch meinen Kindern und Kindeskindern, ein Land hinterlassen, das fit für die Zukunft und lebenswert ist und nicht am Abgrund steht. Zum Fundament: Wie Theodor Heuss, unser erster Bundespräsident, treffend festgestellt hat, wurde Europa auf drei Hügeln erbaut: Golgatha steht mit der jüdisch-christlichen Kultur für den Frieden, die Akropolis in Athen für die Demokratie und das Kapitol in Rom für den Rechtsstaat. Das ist unsere Grundlage, nach der auch ich mich richte.

Rogate-Frage: Lange standen uns unerträgliche Bilder von dem Zuständen vor dem Berliner LaGeSo vor Augen. Bereits vor der höheren Zahl von geflüchteten Menschen, die nach Berlin gekommen sind, waren die Umstände für Antragsstellende (darunter besonders Schutzbedürftige wie Kinder, alte und kranke Menschen) sowie für Mitarbeitende der Behörde grenzwertig. Im Herbst 2015 hat sich die Lage dramatisch verschlimmert. Welche Lehren ziehen Sie daraus und was soll konkret in der nächsten Legislaturperiode in dieser Frage in Berlin passieren?

Michael Müller, SPD: Das waren in der Tat Bilder, die mich auch ganz persönlich beschäftigt haben. Als die Lage vor Ort über Wochen nicht besser wurde, habe ich das Thema zur Chefsache gemacht. Die Situation war extrem, schließlich kamen an manchen Tagen im Herbst 2015 so viele Flüchtlinge in Berlin an, wie sonst in einem ganzen Jahr. Innerhalb von zwei Jahren kamen 100.000 Menschen in die Stadt. Wir haben daraufhin eine ganze Menge in die Strukturen investiert, in Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Lageso, wir haben ein neues Landesamt gegründet und Verfahren beschleunigt. Und wir haben in kürzester Zeit Notunterkünfte organisiert. Dabei sind wir auch dankbar, für die große Solidarität der Berlinerinnen und Berliner, die mitgeholfen haben. Ohne das große ehrenamtliche Engagement wäre das kaum zu stemmen gewesen, übrigens auch das ehrenamtliche Engagement der Kirchen! Jetzt sind wir nach und nach dabei, neue dezentrale Gemeinschaftsunterkünfte in der ganzen Stadt zu errichten, die endlich die Unterbringung in Sporthallen und Großeinrichtungen beendet. Denn nur so kann Zusammenleben, kann Integration gelingen – über Kontakte mit der Nachbarschaft. Inzwischen kommen weit weniger Flüchtlinge in die Stadt. Wir werden unsere Kapazitäten trotzdem aufrechterhalten. Eine Situation wie im vergangenen Jahr darf und wird es nicht wieder geben. Klar ist auch: Jetzt geht die Arbeit erst richtig los. Schließlich sind Menschen hergekommen, um die wir uns auch kümmern müssen. Integration kostet Geld und dauert Zeit.

Ramona Pop, Grüne: Das Eintreffen zahlreicher geflüchteter Menschen stellte viele Städte, Kommunen und Länder in Deutschland vor große Herausforderungen. Doch nirgendwo war die Lage so katastrophal wie in Berlin. Andere Städte und Bundesländer haben viel früher die Flüchtlingssituation zur Chefsache gemacht und Regierungen gemeinsam Verantwortung übernommen. In Berlin dagegen wurde wochen- und monatelang in der Koalition die Verantwortung hin- und hergeschoben, anstatt zu handeln. Besonders dankbar bin ich den zahlreichen Berlinerinnen und Berlinern, die überall dort eingesprungen sind, wo die Verwaltung versagt hat. Aber das darf kein Dauerzustand werden, der Staat muss seine Hausaufgaben machen. Die Gründung eines neuen Landesamtes für Flüchtlinge, in dem die Verantwortlichkeiten gebündelt werden, haben wir schon lange gefordert. Und wir dürfen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, sondern müssen auf Integration von Anfang an setzen. Das heißt: Bildung, Sprachkurse und Arbeit, vernünftige Unterbringung statt Turnhallen und Hangars. Dafür muss der politische Willen vorhanden sein, statt einer Dauerstreit-Koalition.

Klaus Lederer, Die Linke: Tatsache ist, die Bilder waren unerträglich und die Situation in manchen NUK (Notunterkünften) sind sie es noch. Tatsache ist auch, dass es soweit nie hätte kommen dürfen – und auch nicht müssen. Die Linksfraktion im AGH hat bereits Ende 2014 ein Flüchtlingspolitisches Konzept vorgelegt; statt es abzulehnen, hätte man sich damit auseinandersetzen müssen. Es steht alles drin, von den Forderungen nach Kostenübernahme durch den Bund, dezentrale Unterbringung statt NUKs und auch detailliert, wie man Integration in Arbeit und Gesellschaft vernünftig realisiert.

Vieles von dem, was wir damals forderten, passiert jetzt – zu spät, zu langsam, zu unvollständig – aber immerhin. Ein großes Ärgernis ist – und da müssen wir umgehend handeln -, dass Berlins neue Mitbürger zu sehr als Problem gesehen werden. Das liegt auch am mangelnden Willen zur Integration der Geflüchteten bei den politisch Verantwortlichen. Wir müssen uns also sofort um vernünftige und menschenwürdige Unterbringung in Wohnungen kümmern, Personal für Bildung und Ausbildung bereitstellen und mit Unternehmen über die Integration in den Arbeitsmarkt reden.

Philipp Magalski, Piraten: Berlin muss besser auf Krisensituationen vorbereitet sein um allen, die vor Gefahren zu uns flüchten, eine menschenwürdige Unterkunft und Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.
Betreibergesellschaften dürfen nicht nur wirtschaftlich und praktisch geprüft werden, sondern müssen auch ethischen Anforderungen genügen.

Frank Henkel, CDU Berlin: Wir haben bereits im Sommer 2014 im Senat auf die immer größer werdenden Herausforderungen aufmerksam gemacht und mehr Personal gefordert. Außerdem haben wir von vornherein deutlich gemacht, dass eine solche Aufgabe nur der gesamte Senat lösen kann. Auch wenn wir uns hier eine konstruktivere Zusammenarbeit gewünscht hätten, haben wir in dieser Legislaturperiode eine Trendumkehr einleiten können. Es gibt zusätzliches Personal und die Verwaltungsprozesse werden optimiert. Darauf muss aufgebaut werden. So wollen wir beispielsweise die Einführung der elektronischen Akte vorantreiben, um einen einheitlichen und ganzheitlichen Blick auf die Vorgänge sicherzustellen.

Sebastian Czaja, FDP: Sie haben recht. Die Zustände waren unerträglich. Auch wenn man die besondere Lage durch eine extrem hohe Zahl an Geflüchteten sicherlich als Ausnahmesituation bewerten muss – da hat die Regierung total versagt, wobei sich dieses Versagen nicht nur auf ein oder zwei Ressorts beschränken lässt. Denn das Flüchtlingsthema betrifft alle Politikbereiche und kann auch nur von allen gemeinsam gelöst werden. Es hat ja auch nichts geholfen, dass der Regierende Bürgermeister das Thema zur Chefsache erklärt hat. Danach ist ja auch nichts besser geworden.

Zum Glück hat der Flüchtlingsstrom aktuell nachgelassen, so dass sich die Situation ein wenig entspannen konnte. Seit Anfang August ist das neue Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) für die Registrierung von Geflüchteten zuständig, dafür wurde auch das Personal aufgestockt. Sollte sich aber abzeichnen, dass die Zahl der Flüchtlinge wieder ansteigt, muss Berlin besser vorbereitet sein: Organisatorisch, personell und materiell. Wenn die FDP wieder im Parlament ist, wird sie in diese Richtung wirken und immer wieder den Finger in die Wund legen. An dieser Stelle möchte ich noch einen großen Dank an die vielen privaten und ehrenamtlichen Helfer und auch die Kirchen ausrichten, ohne deren aufopferungsvolle Tätigkeit die Situation noch viel, viel schlimmer gewesen wäre.

Georg Pazderski, AfD: Wir können den wirklich Hilfsbedürftigen nur helfen, wenn wir uns auf sie konzentrieren. Eine ungezügelte Masseneinwanderung würde Deutschland selbst in ein Dritte-Welt-Land verwandeln. Damit wäre niemandem geholfen, den Deutschen nicht und den Zugewanderten auch nicht. Deswegen müssen wir die Grenzen sichern und dürfen nur so viele Leute hereinlassen, wie wir verkraften können. Das Grundgesetz ist eigentlich ziemlich klar: Asyl genießt, wer politisch verfolgt wird und nicht aus einem sicheren Drittstaat kommt. Wenn wir uns an diese Regeln halten, dann gibt es kein Lageso-Chaos. Andere Staaten wie die Schweiz werden ihrer humanitären Verpflichtung auch gerecht, obwohl sie Antragsteller unverzüglich ausweisen, die nicht in das obige Kriterium fallen. Zudem wollen wir Einwanderern neue Möglichkeiten einräumen, die sich aber nach unseren Bedürfnissen richten.

Rogate-Frage: Die Berliner Behörden sind – so nehmen wir Bürger es zumindest wahr – seit Jahren auch in anderer Hinsicht wenig kundenfreundlich ausgerichtet. Wer sich – dazu sind wir ja gesetzlich verpflichtet – beispielsweise ummelden oder einen neuen Personalausweis beantragen muss, hat mit monatelangen Wartezeiten zu rechnen. Berlin ist auch dafür bundesweit bekannt. Was würden Sie konkret ändern, wenn Sie dafür die parlamentarische Mehrheit im Abgeordnetenhaus hätten?

Michael Müller, SPD: Richtig ist, dass es Wartezeiten auf Termine in den Bürgerämtern gibt. Schon allein, weil wir jedes Jahr rund 40.000 Zuzüge nach Berlin haben, Flüchtlinge nicht mitgerechnet. Deshalb ist das Wichtigste, dass wir jetzt wieder verstärkt in neues Personal investieren. 4.500 Stellen haben wir seit meinem Amtsantritt als Regierendem Bürgermeister geschaffen. Ich will allerdings die „Kundenunfreundlichkeit“ nicht so stehen lassen. Mir ist kein einziger Fall bekannt, dass jemand nicht verreisen konnte, weil man ihm auf dem Amt nicht rechtzeitig weitergeholfen hat. Neben mehr Personal wollen wir auch die Strukturen effizienter machen, zum Beispiel indem ab 2023 nur noch mit elektronischen Akten gearbeitet wird und mehr Anträge direkt online erledigt werden können.

Ramona Pop, Grüne: Wir Grüne stehen für einen Neuanfang nach dem 18. September, nach zu viel Basta-Politik, Streit und Stillstand. Berlin muss wieder funktionieren. Die Probleme sind leider hausgemacht: eine überforderte Verwaltung, bei der zwar kräftig gespart wurde, aber eine vernünftige Modernisierung und Personalentwicklung nie stattgefunden hat. Eine Regierung mit grüner Beteiligung wird sich nicht davor drücken, den gravierenden Investitionsstau und die überfällige Verwaltungsmodernisierung anzupacken.

Die Berlinerinnen und Berliner müssen sich darauf verlassen können, dass staatliche Leistungen rechtzeitig erfolgen und bei Eingriffen nach Recht und Gesetz gehandelt wird. Die Berliner Verwaltung steht vor enormen Herausforderungen. Nicht nur bei der Bewältigung des Zuzugs von geflüchteten Menschen hat sich gezeigt, dass mehr Flexibilität notwendig ist. Zugleich fällt es Berlin schwer, schnell qualifiziertes Personal zu verpflichten. Dazu trägt auch der enorme Besoldungsrückstand im Vergleich zu anderen Bundesländern und zum Bund bei. Der Öffentliche Dienst steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Bis 2020 scheiden altersbedingt 25.000 Beschäftigte aus, deren Stellen neu besetzt werden müssen. Gleichzeitig wächst Berlin und neue Aufgaben kommen auf die Verwaltung zu.

Wir schlagen einen Zukunftspakt für die Berliner Verwaltung vor, der einen fairen Ausgleich von Interessen vorsieht. Der Zukunftspakt bedeutet: mehr Flexibilität und schnellere Einstellungen, eine Besoldungsanpassung bis 2022, Engagement gegen prekäre Beschäftigungen und Lohndumping im öffentlichen Auftrag und Berlin als gute Arbeitgeberin zu etablieren.

Klaus Lederer, Die Linke: Hier treffen sich in der Tat zwei Probleme – deren Lösung keinen Aufschub duldet, die wir sofort in Angriff nehmen müssen. Erstes Problem: Unter dem Druck von enormen Haushaltsdefiziten vergangener Jahre und Schuldenbremse ist der Öffentliche Dienst regelrecht kaputtgespart worden, die Öffentliche Infrastruktur lahmgelegt. Hier braucht es dringend eine Investitionsoffensive in Infrastruktur und Qualifizierung, damit der Öffentliche Dienst wieder handlungsfähig wird. Die öffentlichen Dienstleistungen für Berlinerinnen und Berliner müssen funktionieren, dürfen nicht als Tresor für Schuldendienste missbraucht werden.

Zweites: Berlin wächst und wächst, die Personalausstattung im Öffentlichen Dienst hält da nicht mit, bis 2025 werden mehr als 50 Prozent der derzeit dort Beschäftigten in den Ruhestand gehen. Wir stehen auch für eine Einstellungsoffensive, damit aus „Warteämtern wieder Bürgerämter“ werden, wie wir plakatiert haben.

Philipp Magalski, Piraten: Berlin benötigt eine moderne Online-Verwaltung (Stichwort E-Government), die bestimmte Behördengänge überflüssig macht, Wartezeiten erspart und Dokumente barrierefrei, digital und datenschutzsicher direkt an die Bürger versendet.

Frank Henkel, CDU Berlin: Auf der einen Seite wollen wir das Personal in der Verwaltung an den Bedarf anpassen. Auf der anderen Seite würden wir die digitalen Verwaltungsangebote weiter auszubauen. Die Bürger sollen ihre Behördenangelegenheiten vom heimischen Schreibtisch erledigen können. Wir wollen zudem die Einrichtung von digitalen Bürgerämtern prüfen, an denen die Bürger rund um die Uhr ihre Anliegen selbstständig erledigen können, für die sie normalerweise einen Termin beim Bürgeramt vereinbaren müssten.

Sebastian Czaja, FDP: Wir würden schnellstmöglich das elektronische Bürgeramt einführen, bei dem man 24 Stunden rund um die Uhr von seinem Schreibtsich aus per Computer An-, Ab- und Ummeldungen ebenso vornehmen kann wie seinen Personalausweis oder Reisepass beantragen und somit Termine für diejenigen, die dies persönlich vor Ort im Amt machen möchten, frei werden. Wir sind bereits in ersten Gesprächen, wie sich so etwas schnell und gesetzeskonform realisieren lässt. Schließlich sollten die Ämter ja für die Bürger da sein und nicht umgekehrt.

Georg Pazderski, AfD: Die Alternative für Deutschland würde bürokratische Regeln abbauen, den Bearbeitungsprozess vieler Behördengänge beschleunigen und dafür sorgen, dass die Behörden ausreichend qualifiziertes, angemessen bezahltes Personal und eine moderne, an den Erfordernissen ausgerichtete Ausstattung haben. Warum muss ein Bürger bei seiner Ummeldung einen Mietvertrag mitbringen? Warum können viele Dinge nicht online beantragt werden? Warum kassiert das Amt bei jeder Kleinigkeit ab? Das ließe sich alles abschaffen und ändern, dann ginge vieles auch schneller.

Rogate-Frage: Die Friedensgebete in der DDR, der Protest von Bischof Clemens August von Galen in der NS-Zeit gegen die Tötung behinderter Menschen oder der Einsatz von Kirchengemeinden für geflüchtete Menschen und ihre Integration sind Ausdruck gelebten christlichen Glaubens. Viele weitere Beispiele für die öffentliche Wirksamkeit und Bedeutung ließen sich finden. Auf einem Wahlplakat der Berliner Grünen heißt es nun „Dein Gott. Dein Sex. Dein Ding!“ Ist Religion Privatsache?

Michael Müller, SPD: Ich schätze das Engagement der Kirchen außerordentlich, zum Beispiel in den konfessionellen Schulen, in Kitas, in den eigenen Wohlfahrtsverbänden. Ich stehe dafür, dass jeder in dieser Stadt leben, lieben aber auch glauben kann, was er oder sie möchte. Allerdings stehe ich auch für eine klare Trennung von Staat und Kirche. Das ist auch der Grund, warum Berlin ein Neutralitätsgesetz verabschiedet hat, das zum Beispiel religiöse Symbole überall dort verbietet, wo der Staat seinen Bürgerinnen und Bürgern unmittelbar gegenüber tritt, zum Beispiel in als Lehrer an Schulen oder als Richterin im Gerichtssaal. Hier muss der Staat sich neutral verhalten.

Ramona Pop, Grüne: Wir Grüne stehen für gesellschaftliche Vielfalt und Pluralität, wie sie besonders in Berlin gelebt wird. Dieses Plakat soll ausdrücken, dass wir davon überzeugt sind, dass in Berlin jede und jeder so leben kann und soll, wie er oder sie es möchte – unabhängig von Religion, sexueller Identität, Alter, Geschlecht und so weiter. Das beinhaltet natürlich auch, dass man seine Religionszugehörigkeit in der Öffentlichkeit zeigen und ausleben darf und dass Religionsgemeinschaften öffentlich auftreten können und sollen. Für uns ist die Verwirklichung der Religions- und Glaubensfreiheit in allen ihren drei Dimensionen maßgeblich: als individuelle Freiheit zum Glauben ebenso wie als Freiheit vom Glauben und als kollektive Freiheit, den gemeinsamen Glauben öffentlich und sichtbar zu leben. Das Plakat ist deshalb auch ein Plädoyer für Religionsfreiheit, auch für die kollektive Religionsfreiheit – nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Anti-Islam-Wahlkampfes, den rechtspopulistische Parteien wie die AfD führen.

Klaus Lederer, Die Linke: Ja, ganz klar, Religion ist Privatsache. Welchen Glauben jemand hat, geht den Staat nichts an, solange derjenige selbst beziehungsweise seine Glaubensgemeinschaft sich an die bestehenden Gesetze hält. Das gilt ja aber für alle und jeden.

Für uns folgt daraus aber auch, dass wir uns für die Religionsfreiheit aller in Deutschland lebenden Menschen einsetzen. Dazu gehört, dass keine Religion staatlich bevorzugt und keine benachteiligt wird.

Die Linke in Berlin ist durchaus stolz auf die Regelung eines für alle Schüler verpflichtenden Ethikunterrichts, die wir maßgeblich initiiert haben. Dort können Schülerinnen und Schüler mit vielfältigen kulturellen und religiösen Hintergründen gemeinsam über ethische Werte und Normen diskutieren. Das rückt die Gleichwertigkeit aller Anschauungen und das Gemeinsame im Umgang in den Mittelpunkt.

Philipp Magalski, Piraten: Auch Religionen können mit der Kraft der Gemeinschaft viel Not lindern helfen. Ob Religion für ihn Privatsache ist, muss jeder Mensch grundsätzlich für sich selbst entscheiden. Innerhalb einer Organisation einer Religionsgemeinschaft gemeinsam an die Öffentlichkeit zu gehen und sich so sichtbar zu engagieren ist eine Errungenschaft unserer Gesellschaft, die sich mit der Religionsfreiheit als Grundrecht ausdrückt und die wir verteidigen müssen.
Für uns Piraten bedeutet die Aussage „Religion ist Privatsache“, dass staatliche Institutionen und staatliches Handeln nicht mit Religion verknüpft werden dürfen (zum Beispiel Ethik statt Religionsunterricht). Die weltanschauliche Neutralität des Staates herzustellen, ist daher eine für die gedeihliche Entwicklung des Gemeinwesens notwendige Voraussetzung. Ein säkularer Staat erfordert die strikte Trennung von religiösen und staatlichen Belangen.

Frank Henkel, CDU Berlin: Religion per se ist nie privat. Dies wird schon an der christlich- jüdischen Prägung unseres Landes deutlich. Sehr privat hingegen ist das Verhältnis des Einzelnen zu Gott. Der Staat darf keinen Menschen aufgrund seiner religiösen Überzeugungen bevorzugen oder benachteiligen. Darum ist für uns die Einhaltung des staatlichen Neutralitätsgesetzes wichtig. Ebenso wichtig ist der Dialog beispielsweise mit den christlichen, muslimischen oder auch jüdischen Gemeinden Berlins. Die CDU Berlin sucht diesen Dialog aktiv und macht Politik, der das christliche Menschenbild zugrunde liegt.

Kardinal von Galen ist eine zentrale Figur kirchlichen Widerstands in der Nazi-Zeit. Er kämpfte als „Löwe von Münster gegen Euthanasie und erhob laut und deutlich seine Stimme gegen Nazi- Unrecht.

Die Kirche ist zu jeder Zeit aufgefordert sich einzumischen und aus dem Evangelium heraus Partei für die Menschen zu ergreifen. So verstehe ich auch die Friedensgebete seinerzeit in der DDR. Religion gibt es nie im luftleeren Raum, sondern immer im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen.

Sebastian Czaja, FDP: Ja – und nein. Ja, weil wir in der Bundesrepublik Deutschland leben, in der die Relgionsfreiheit gewährleistet und der Staat zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet ist und die ungestörte Religionsausübung garantiert. Nein, weil unsere Gesellschaft und unsere Kultur ganz wesentlich durch das Christentum – und im übrigen auch das Judentum – geprägt worden sind.
Theodor Heuss, der erste liberale Bundespräsident der Bundesrepublik hat 1950 geschrieben: „Es gibt drei Hügel, von denen das Abendland seinen Ausgang genommen hat: Golgatha, die Akropolis in Athen, das Capitol in Rom. Aus allen ist das Abendland geistig gewirkt, und man darf alle drei, man muss sie als Einheit sehen.“ Golgatha, das ist Jerusalem, dem das Abendland die Bibel verdankt. Und diese Bibel ist Grundlage der bis heute das Abendland, also unser Land prägenden Religion. Der von Ihnen angesprochene Einsatz von Kirchengemeinden, aber auch ganz vieler nicht konfessioneller Einrichtungen bei Flüchtlingen, ist eindrucksvoller Beleg.

Georg Pazderski, AfD: Deutschland ist ein christliches Land. Das ist unsere Prämisse. Natürlich leben auch Atheisten, Moslems und Gläubige vieler Religionen bei uns. Aber unsere Leitkultur ist christlich. Die anderen Religionen genießen, nicht anders als das Christentum, sehr weitgehende Freiheiten, sofern sie sich an unsere Regeln halten. Insofern ist Religion tatsächlich Privatsache. Damit ist aber nicht gemeint, dass wir unsere christlichen Wurzeln zugunsten einer areligiösen oder anderen Haltung über Bord werfen. Noch ein Satz zum grünen Paradoxon: Die geschätzten Mitbewerber schreiben plötzlich die Religionsfreiheit und sexuelle Freizügigkeit ganz groß. Ansonsten aber besteht ihr Programm aus lauter Gängeleien und Vorschriften. In der grünen Welt gibt es keine Vertragsfreiheit und keine Eigentumrechte. Alles wird dem Staat untergeordnet. Diese Haltung lehnen wir ab. Aus unserer Sicht ist dieser Slogan daher völlig irreführend.

Rogate-Frage: Die Kirchen, ihre Gemeinden, die Dienste und Werke engagieren sich in und für diese Gesellschaft und den Zusammenhalt zwischen Generationen, Kulturen und sozialen Lagen. Welche Bedeutung messen Sie ihnen zu und welche Religions- und Kirchenpolitik in Berlin ist von Ihnen zu erwarten?

Michael Müller, SPD: Dazu habe ich ja schon einiges gesagt. Die Kirchen sind für uns an vielen Stellen ein wichtiger und wertvoller Partner – und das wird auch so bleiben. Gleichzeitig werden wir aber auch an der bewährten staatlichen Neutralität festhalten.

Ramona Pop, Grüne: Die aktive Beteiligung der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften am gesellschaftlichen Leben ist für uns unverzichtbar. Auf einem anderen grünen Plakat heißt es „Berlin geht nur zusammen“ – und das ist auch unsere Überzeugung. Zusammenhalt und eine lebendige Demokratie funktionieren nur mit dem Engagement und dem Einbringen dieser Vielfalt, auch der religiösen Vielfalt, in unsere Gesellschaft. Die beiden Kirchen sind uns wichtige Partner, wenn es um die Gestaltung des Miteinanders in unserer Stadt geht. Deutschland ist nicht laizistisch, sondern der Staat kann mit Religionsgemeinschaften kooperieren. Das zeigt sich insbesondere beim Religionsunterricht und bei theologischen Lehrstühlen an den staatlichen Hochschulen, aber auch beim Thema Krankenhaus- oder Gefängnisseelsorge. Dieses Modell wollen wir weiterentwickeln.
Der soziale Zusammenhalt, die Versorgung und Unterstützung geflüchteter Menschen sind uns wichtige Kooperationsfelder. In der Schulpolitik stehen wir zum Ethikunterricht für alle ab der 7. Klasse. Allerdings wollen wir mit den Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften gemeinsam die religionskundlichen Aspekte im Ethikunterricht weiterentwickeln. Wir wollen mehr Transparenz in die staatlichen Zahlungen und die anderen Zuwendungen an Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften bringen. Wir sind der Überzeugung, dass auch die Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften davon profitieren, da durch mehr Transparenz auch eine größere gesellschaftliche Akzeptanz einhergeht.

Klaus Lederer, Die Linke: Jede Form von Solidarität, Hilfe untereinander und zivilgesellschaftlichem Engagement ist wichtig und lobenswert – und fragt nicht nach Motivation. In der Flüchtlingshilfe, beispielsweise, arbeiten Christen jeder Konfession, Muslime und Menschen ohne religiöse Bindung Hand in Hand. Das ist doch das Wunderbare und Erstrebenwerte für die Zukunft.

Insofern ist das Engagement kirchlicher Einrichtungen und der Gemeinden etwas Tolles – wäre es aber auch ohne den religiösen Rahmen. Wir wollen das gesamte Engagement für die Gemeinschaft fördern und unterscheiden dabei nicht nach Herkunft, Geschlecht, Religion oder Hautfarbe.

Philipp Magalski, Piraten: Vorweg: Wenn mehr Menschen im Sinne der Nächstenliebe handeln, und diese bei sich hinterfragen, wird das der Gesellschaft gut tun und den Zusammenhalt zwischen Generationen, Kulturen und sozialen Lagen verbessern.
Wir messen den kirchlichen Diensten und Werken, die mit ihrem sozialen und gesellschaftlichen Engagement unverzichtbar sind, eine hohe Bedeutung zu.
Dennoch fordern wir im Sinne der Gleichberechtigung finanzielle und strukturelle Privilegien einzelner Glaubensgemeinschaften, die bei der Übertragung von Aufgaben in staatlichen Institutionen und beim Betrieb von sozialen Einrichtungen erfolgen, abzubauen.
Des Weiteren verfolgen wir folgende kirchenpolitische Ziele: Der Einzug von Kirchenbeiträgen ist keine Staatsaufgabe. Im Sinne der Datensparsamkeit ist die Erfassung der Religionszugehörigkeit durch staatliche Stellen zu unterlassen. Die PIRATEN Berlin fordern den staatlichen Einzug von Kirchenbeiträgen zu beenden: Kirchenbeiträge sind wie Zahlungen an Vereine zu behandeln. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist kein Kirchenfunk: Die öffentlich-rechtlichen Medien dürfen keine der Religionsgemeinschaften bevorzugen, wie dies zum Beispiel heute durch die Besetzung der Rundfunkräte beziehungsweise Programmbeiräte geschieht. Wir unterstützen den Dialog der Religionen, um Gemeinsamkeiten zu finden und zu fördern und Differenzen beziehungsweise Verständnisprobleme abzubauen.

Frank Henkel, CDU Berlin: Die Kirchen und Religionsgemeinschaften leisten einen wichtigen Beitrag für unser Gemeinwesen insgesamt. Die CDU Berlin steht klar an der Seite der Kirchen. Daher sprechen wir uns dafür aus, dass der Religions- und Weltanschauungsunterricht seinen festen Platz in der Schule hat. Wir sind weiterhin der Auffassung, dass dies am besten im Rahmen eines Wahlpflichtfachbereichs Religion/Ethik erfolgen kann. Wir treten auch für einen muslimischen Religionsunterricht ein, der dem deutschen Unterrichtsplan entspricht. Dieser Unterricht soll in deutscher Sprache und von in Deutschland ausgebildeten Religionslehrern erfolgen.

Wir treten Bestrebungen linker Parteien zur Abschaffung der Kirchensteuer oder Förderungen kirchlichen Lebens entgegen. Die CDU hat sich dafür eingesetzt, dass der Evangelische Kirchentag 2017 in Berlin stattfinden kann und eine Förderung aus dem Landeshaushalt erhält. Auch sind wir gegen eine allgemeine Freigabe der Ladenöffnungszeiten an Sonntagen, wollen aber gemeinsam mit den Gewerkschaften und christlichen Kirchen nach Wegen suchen, inhabergeführten Spätis die Sonntagsöffnung zu erleichtern, wenn die Nachfrage nach Waren des täglichen Bedarfs besonders hoch ist. Wir stehen im Dialog mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften, denn sie sind wichtige Gesprächspartner und Impulsgeber für die gesellschaftliche Entwicklung.

Sebastian Czaja, FDP: Das ist fast schon eine Suggestivfrage. Aber Spaß beiseite: Ohne diese Einrichtungen wäre unser Gemeinwesen hoffnungslos aufgeschmissen. Wenn ich an Caritas und Diakonie, die Jugend- und Senioreneinrichtungen, die Suppenküchen, die Arbeit der Gemeinden für Jung und Alt und so weiter denke, sehe ich eine immense Hilfsbereitschaft, die durch den Staat in dieser Form gar nicht mehr realisiert werden kann. Insofern sind wir in der Politik gut beraten, den Kirchen und ihren Einrichtungen ein offenes Ohr zu bieten und eng mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Georg Pazderski, AfD: Wir unterstützen alle die genannten Aufgaben von Kirchen und Gemeinden. Solange die Kirche nicht ins stalinistische Lager abdriftet und sich an diffamierenden Aktionen gegen die Alternative für Deutschland beteiligt, wird sie einen Fürsprecher in der AfD finden.

Rogate: Vielen Dank an die Berliner Kandidaten von SPD, Grünen, Die Linke, Piraten, FDP, CDU und AfD für Ihre Antworten.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Rogate Kl_Aushang_Eucharistie Diakonie-Sonntag_160616 KopieSonntag, 4. September 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie zum Diakonie-Sonntag „Barmherzigkeit: Größer als unser Herz“, am 15. Sonntag nach Trinitatis, mit einer Ausstellungseröffnung
  • St. Michaelis, Donnerstag, 29. September 2016 | 19:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie, mit Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin
  • Montag, 3. Oktober 2016 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier. Predigt: Pfarrerin Andrea Richter
  • Sonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden
  • Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Gottesdienst mit Bischof Dr. Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Bezirksbürgermeisterin  Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, EKBO, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde
  • Sonntag, 3. Advent, 11. Dezember 2016 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pastor Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier.

Erreichbar ist die Zwölf-Apostel-Kirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln: über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). Fahrrad- und PKW-Stellplätze vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße. Adresse: An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.

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Monat der Diakonie: Fotoausstellung zur Situation von geflüchteten Kindern

Im Rahmen eines Fotoprojektes an der Alice Salomon Hochschule Berlin bekamen Flüchtlingskinder die Möglichkeit, ihren Alltag in der Flüchtlingsunterkunft in der Maxie-Wander-Straße fotografisch festzuhalten.

2016 09 Ausstellung RogateKloster Diakonie

Foto-Ausstellung zum Monat der Diakonie 2016  in der Zwölf-Apostel-Kirche

Die Kooperation zwischen dem Fotoseminar und der Flüchtlingsunterkunft begann vor einem Jahr und wurde von den Lehrbeauftragten und Fotokünstlern Karsten Hein und Jörg Möller geleitet. Studierende stellten Kindern im Alter fünf bis zwölf Jahren, die in der Flüchtlingsunterkunft wohnten, Kameras zur Verfügung und erklärten ihnen den Umgang mit der Technik. Die Kinder begannen daraufhin selbständig, ihr Leben in Bildern festzuhalten: Die Räumlichkeiten, die Umgebung, ihre Familien, sich gegenseitig.

Die Ausstellung zeigt die Perspektive der Kinder auf ihre Umwelt und ihren Alltag in der Unterkunft und verleiht den Geflüchteten ein Gesicht. 2014 wurden in Deutschland 173.072 Asylanträge gestellt. Im Durchschnitt dauert die Bearbeitung eines Asylantrags in Deutschland über sieben Monate. In Berlin leben derzeit etwa 15.000 Menschen in Sammelunterkünften. Einige der Kinder wurden noch während des Projektes abgeschoben.

Termin: Ausstellungseröffnung „ZuFlucht – Geflüchtete Kinder fotografieren ihren Alltag in der Flüchtlingsunterkunft“ am Sonntag, 4. September 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie zum Diakonie-Sonntag „Barmherzigkeit: Größer als unser Herz“, am 15. Sonntag nach Trinitatis.

2016 Wo ist das Rogate-Kloster?Die Foto-Ausstellung wird bis Ende September in der Zwölf-Apostel-Kirche vor und nach den Gottesdiensten sowie an den September-Sonnabenden während der „Offenen Kirche“ zwischen 11:00  und 15 Uhr zu sehen sein. Gefördert wird die Ausstellung vom Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt von Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde und Rogate-Kloster Sankt Michael.

Erreichbar ist die Zwölf-Apostel-Kirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). Fahrrad- und PKW-Stellplätze vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße. Adresse: An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.

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Fünf Fragen an: Dr. Horst Gorski, Vizepräsident der EKD und Leiter des VELKD-Amtes

Fünf Freitagsfragen an Dr. Horst Gorski, Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Leiter des Amtes der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), über Beheimatungen in den konfessionellen Kulturen, „Kirche für andere“ und Luthers Marienfrömmigkeit.

2016 Vizepräsident Dr. Horst Gorski Bild EKD

Dr. Horst Gorski (Bild: EKD)

Horst Gorski studierte Evangelische Theologie und wurde in diesem Fach promoviert. Nach einer Tätigkeit als Gemeindepfarrer wurde er Propst im Hamburger Kirchenkreis Altona und seit 2009 im fusionierten Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein. Seit 2004 war er zudem Vorsitzender des Theologischen Beirats der Nordelbischen Kirche und später der Theologischen Kammer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Im Mai 2015 wurde Gorski zum Leiter des Amtes der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands und Vizepräsident im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt. Am 1. September 2015 trat er die Nachfolge von Friedrich Hauschildt, der beide Ämter innehatte, an. Gorski ist Mitbegründer des Konvents schwuler Pastoren und lesbischer Pastorinnen in Nordelbien. Er wohnt in Hamburg.

Rogate-Frage: Herr Vizepräsident Dr. Gorski, orientiert sich der Christ der Zukunft an seiner Konfession oder sucht er das Verbindende zu den Mitchristen aus anderen Kirchen?

Horst Gorski: Früher fragte man: „Welches Gesangbuch hast du?“, wenn man wissen wollte, welche Konfession beispielsweise der Freund oder die Freundin hat. Das deutet darauf hin, dass auch früher nicht so sehr theologische Lehren im abstrakten Sinne konfessionell interessant waren, sondern die erlebbaren und kulturellen Unterschiede: Welche Lieder man singt, welche Rolle die Kirchenmusik spielt, ob in der Kirche ein Altar mit Kerzen steht, ob man Tanz und Kartenspiel für erlaubt hielt und ob man Karneval feierte. Beheimatungen in den konfessionellen Kulturen werden auch künftig noch eine Rolle spielen. Für das evangelische junge Paar, das sein Kind zur Taufe anmeldet, ist die Erwartung klar, dass es auch eine Pastorin sein kann, die ihr Kind tauft.

Es ist aber gut, dass in den Unterschieden heute nichts Trennendes mehr gesehen wird. Wenn zwei Menschen unterschiedlicher Konfession heute heiraten wollen, ist das – zum Glück und Gott sei Dank – kein Problem mehr! Und an der Basis funktioniert die Ökumene oft gelassener als auf Ebene der Kirchenleitungen und Bischöfe.

Rogate-Frage:  Welchen Auftrag hat die evangelische Kirche in unserer Gesellschaft? In welcher Verantwortung sieht sie sich?

Horst Gorski: Sie hat die Aufgabe, Zeugnis vom Evangelium Jesu Christi in der sich wandelnden Gesellschaft in Wort und Tat abzulegen.

Das mag erst einmal banal klingen, heißt für mich aber: Wir haben mit dem Evangelium einen „Markenkern“, der im Mittelpunkt stehen muss. Werteagenturen und sozial engagierte Menschen – das ist schön, aber das gibt es auch sonst in der Gesellschaft. Kirche ist etwas eigenes.

Aber dann hat die Kirche natürlich die Aufgabe, dieses Evangelium von der bedingungslosen Annahme jedes Menschen durch Gott weiterzusagen und konkret durchzubuchstabieren. Was bedeutet diese bedingungslose Annahme in einer Leistungsgesellschaft? Was bedeutet Gnade in einer oftmals gnadenlosen Welt? Was bedeutet die Würde, die Gott jedem Menschen schenkt, für Flüchtlinge, Folteropfer oder Obdachlose? Die Kirche hat darauf keine einfachen Antworten wie in einem Rezeptbuch. Aber schon dadurch, dass sie diese Fragen wachhält, wo man sie am liebsten totschweigen möchte, kann sie „Kirche für andere“ sein.

Rogate-Frage: Die bundesrepublikanische Gesellschaft ist im Wandel. Die Wahlergebnisse deuten auf eine größere Zerrissenheit des Landes hin. Die Diskussionen zu Migration, Asyl oder zu Bürgerrechten wie der Öffnung der Ehe deuten auf wenig Kompromissbereitschaft hin. Wie kann die evangelische Kirche hier helfen und Gräben, Hass und Gewalt überwinden?

Horst Gorski: Einerseits haben wir die Aufgabe, klar Grenzen des Anstands und der Menschlichkeit zu benennen. Mit menschenverachtender Gewalt kann es keine Kompromisse geben.
Andererseits müssen wir den Dialog suchen. Und da haben wir noch viel vor uns. Zu wenig haben wir bisher die Erkenntnis an uns herangelassen, dass rechtspopulistische Positionen bis hinein in unsere Kerngemeinden vertreten werden. Dabei sind längst nicht alle, die solche Äußerungen von sich geben, im engeren Sinne rechts. Oft sind es Ängste, menschliche Überforderung oder Unwissenheit, die sich auf diese Weise äußern. Dagegen hilft nicht Verurteilung, sondern Dialog.

Rogate-Frage: Wie kann die Kirche und der von ihr vermittelte christliche Glaube öffentlich bleiben? Warum ist Religion keine Privatsache?

Horst Gorski: Diese Frage klingt mir zu defensiv, aber sie markiert eine verbreitete Stimmung. Wenn wir im internationalen Vergleich schauen, welche Rolle die Kirchen anderswo spielen, dann merkt man, dass – auch heute noch! – in kaum einem anderen Land der Welt die Kirchen so prominent im gesellschaftlichen Diskurs vorkommen, so intensive Kontakte in die Politik haben wie in Deutschland. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass dies kurz vorm Wegbrechen wäre. Aber sicher: Damit dies auch auf Dauer so bleibt, müssen wir etwas tun. Am besten das, was ich als Aufgabe der Kirche beschrieben habe, also das Evangelium in Wort und Tag weitertragen und seine Relevanz für die Menschen unserer Zeit deutlich machen. Wir sollten uns nicht anbiedern und auch nicht versuchen, die besseren Politiker oder überhaupt die Besserwisser zu sein. Wolfgang Schäuble hat ja Recht, wenn er schreibt, Religion dürfe politisch sein, aber erst einmal müsse sie Religion sein. Wenn wir tun, was unsere Aufgabe ist, werden wir auch in Zukunft Gehör finden.

Rogate-Frage: Sie haben über die Marienfrömmigkeit Martin Luthers promoviert. Was hat Sie bei in Ihrer Forschung dazu überrascht und welcher Aspekt dieser besonderen Spiritualität könnte protestantische Frömmigkeit bereichern?

Horst Gorski: Das ist inzwischen 30 Jahre her! Überrascht hat mich damals, wie selbstverständlich es für Luther war, Maria zu verehren und zu den Marienfesten zu predigen. Die Abwendung von der Marienverehrung ist erst später im Luthertum vollzogen worden. Eine Wiederbelebung im Luthertum sehe ich allerdings nicht und hat es auch bei mir persönlich nicht gegeben.

Vor 30 Jahren herrschte noch die nachkonziliare Stimmung. Man glaubte, wenn man die theologischen Differenzen fachwissenschaftlich beseitigen könne, würden die Kirchen sich nach und nach einander annähern. Mein Doktorvater, der katholische (!) Dogmatiker Otto Hermann Pesch war von diesem Modell der sogenannten Konsens-Ökumene zutiefst überzeugt. Und ich glaubte damals, in diesem Sinne einen Beitrag zur Ökumene zu leisten.

Leider sind diese Hoffnungen Vergangenheit. Theologisch könnte man sich heute auf fast allen Gebieten soweit einigen, dass es zumindest nichts wirklich Kirchentrennendes mehr geben müsste. Trotzdem bewegen sich die Kirchen nicht aufeinander zu.

Aber das muss ja nicht immer so bleiben! Meine Hoffnung ist, dass all die Forschungsergebnisse aus der nachkonziliaren Zeit eines Tages gebraucht werden und doch noch Früchte der Einheit tragen!

Rogate: Vielen Dank, Herr Vizepräsident Dr. Gorski, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Rogate Kl_Aushang_Eucharistie Diakonie-Sonntag_160616 KopieSonntag, 4. September 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie zum Diakonie-Sonntag „Barmherzigkeit: Größer als unser Herz“, am 16. Sonntag nach Trinitatis, mit einer Ausstellungseröffnung
  • Montag, 3. Oktober 2016 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier. Predigt von Pfarrerin Andrea Richter
  • Sonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden
  • Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Gottesdienst mit Bischof Dr. Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Bezirksbürgermeisterin  Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, EKBO, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde
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Presseschau: „Ein Stück Himmel auf Erden“

2016 08 13 Evangelischde

Ausschnitt von evangelisch.de

Sonnabend, 13. August 2016 | evangelisch.de

„Mönche in langen Kutten und Nonnen in dunkler Tracht, ein Leben in Abgeschiedenheit und in stiller Einkehr: Begriffe, die eng verknüpft sind mit der Vorstellung von einem Kloster. Doch weder das Kloster Kirchberg in Baden-Württemberg noch das Berliner Rogate-Kloster sind so ein klassisches Kloster. Als geistliche Gemeinschaften sind dennoch beide anerkannt. Und auch sonst haben das Land- und das Stadtkloster vieles miteinander gemein…“

Den Artikel von Luisa Heß finden Sie hier.

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Willkommen zu unseren nächsten Gottesdiensten:

  • Rogate Kl_Aushang_Eucharistie Diakonie-Sonntag_160616 KopieDienstag, 23. August 2016 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Sonntag, 4. September 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie zum Diakonie-Sonntag „Barmherzigkeit: Größer als unser Herz“, am 16. Sonntag nach Trinitatis, mit einer Ausstellungseröffnung
  • Montag, 3. Oktober 2016 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier. Predigt Pfarrerin Andrea Richter.
  • Sonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden
  • Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Gottesdienst mit Bischof Dr. Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Bezirksbürgermeisterin  Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, EKBO, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde.
  • Sonntag, 3. Advent, 11. Dezember 2016 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pastor Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirche.
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Fünf Fragen an: Dr. Jens-Martin Kruse, ev.-luth. Pfarrer in Rom

Fünf Freitagsfragen an Dr. Jens-Martin Kruse, Pfarrer der Evang.-luth. Christuskirche in Rom, über eine unverzagte Einladung an Papst Franziskus, die Reaktion des Vatikans und die Ökumene in Rom.

2016 Jens-Martin Kruse

Pfarrer Jens-Martin Kruse (Bild: privat)

Dr. Jens-Martin Kruse stammt aus Hamburg. Dort und in Wien studierte er evangelische Theologie. Seine Doktorarbeit schrieb er über die Anfänge der Reformation in Wittenberg. Seit 2008 Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Rom. In besonderer Weise engagiert er sich für die Ökumene und bringt die Stimme der evangelisch-lutherischen Kirche in den ökumenischen Dialog in Rom ein.

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Kruse, wie sind Sie auf die Idee gekommen, den Papst einzuladen?

Jens-Martin Kruse: Es gibt in unserer Gemeinde in Rom schon eine gewisse Tradition von Begegnungen mit den Päpsten. Im Lutherjahr 1983 war Papst Johannes Paul II. bei uns zu Gast und im Jahr 2010 habe ich bereits mit Papst Benedikt XVI. in der Christuskirche einen evangelischen Gottesdienst gefeiert.

Zu Papst Franziskus gibt es vom Beginn seines Pontifikats an eine besondere Beziehung und Nähe, die vor allem in seiner Verkündigung des Evangeliums begründet ist. Gleich am Tag nach seiner Einführung war ich zu einer ersten Begegnung eingeladen. Der konkrete Anknüpfungspunkt für eine Einladung an Papst Franziskus in unsere Christuskirche war für mich die Predigt, die er bei dem ökumenischen Gottesdienst mit dem ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. in der Grabeskirche zu Jerusalem am 25. Mai 2014 gehalten hat. In dieser Predigt hat Papst Franziskus gesagt: „Wir müssen glauben, dass ebenso, wie der Stein vom Grab weggewälzt worden ist, auch alle Hindernisse ausgeräumt werden können, die der vollen Gemeinschaft zwischen uns noch im Wege stehen.“ Diese im Glauben an die Auferstehung Jesu begründete Hoffnung, dass die Einheit der Christenheit möglich ist, hat mich sehr berührt und ich habe daraufhin dem Papst einen Brief geschrieben und ihn eingeladen, mit unserer lutherischen Gemeinde gemeinsam einen Schritt in dieser Richtung weiterzugehen.

Rogate-Frage: Was passierte nach der Einladung?

Jens-Martin Kruse: Nur wenige Wochen später erhielt ich einen Anruf aus dem Vatikan und man teilte mir mit, dass Papst Franziskus unsere Kirche sehr gern besuchen wolle und wir einen passenden Termin dafür finden werden. Der große Vorteil in Rom besteht darin, dass viele Kirchenleute sich kennen und die Wege sehr kurz sind. Schon vom Besuch von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2010 her bin ich mit vielen Mitarbeitern im Päpstlichen Haus bekannt. Über die Jahre ist da viel Vertrauen gewachsen und die Vorbereitung des Besuches von Papst Franziskus lief sehr unkompliziert, konstruktiv und verlässlich. Die schwierigste Aufgabe bestand darin, dass wir für diese Begegnung ein völlig neues Format entwickeln musste. Papst Franziskus möchte vor allem Menschen aus der Gemeinde begegnen und sie kennenlernen. Während man bei den Besuchen von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. gemeinsam nach der lutherischen Tradition Gottesdienst gefeiert hat, bestand die Begegnung mit Papst Franziskus aus Dialog und Abendgebet. Das ist ein entscheidendes Novum. Erstmals in der Geschichte der Ökumene fand im Rahmen einer solchen Begegnung ein echter Dialog statt. Drei Fragen wurden dem Papst von Gemeindemitgliedern gestellt, auf die er dann im Gespräch geantwortet hat. Daran anschließend haben wir dann ein Abendgebet gefeiert, bei dem Papst Franziskus über das Tages-Evangelium (Matthäus 25) gepredigt hat.

Rogate-Frage: Wie ist es, mit Papst Franziskus Gottesdienst zu feiern?

Jens-Martin Kruse: Es ist einfach wunderbar, Papst Franziskus zu begegnen, mit ihm Gottesdienst zu feiern, seine Auslegung des Evangeliums zu hören und zu erleben, wie er warmherzig, offen und interessiert auf Menschen zugeht. Beim Betreten unserer Christuskirche. am 15. November 2015, wurde er mit viel Applaus, herzlich, fröhlich und begeistert von den Gemeindemitgliedern begrüßt und er hat mit der derselben Herzlichkeit und Nähe, die er erfahren hat, geantwortet. Papst Franziskus macht es einem sehr leicht, ihm zu begegnen. Er ist offen, zugewandt und humorvoll. Er hat mich als seinen „fratello pastore“ angesprochen und von Anfang an haben wir gut miteinander agiert. Papst Franziskus versteht es einfach, Menschen anzusprechen und sie für das Evangelium zu interessieren. Der Besuch in der Christuskirche hat ihm sichtbar Freude bereitet. Er hat mit der Gemeinde gescherzt und es durfte gelacht werden. Und zugleich hat Papst Franziskus sehr ernsthaft und tiefgehend auf die Fragen geantwortet und in seiner Predigt die Rede Jesu vom Weltgericht auf die Situation der Ökumene hin ausgelegt.

Am Ende der Begegnung haben wir Gastgeschenke ausgetauscht. Von uns bekam der Papst ein Plakat, das die Kindergottesdienstkinder gestaltet hatten, einen Adventskranz und ein Mittagessen für bedürftige Menschen geschenkt. Uns hat Papst Franziskus einen Abendmahlskelch samt Patene für die Hostien geschenkt. Das ist ein sehr ausdrucksstarke Zeichen für unsere Hoffnung, dass eine gemeinsame Abendmahlsfeier möglich sein kann. Der Papst überreicht dieses Geschenk, wie ich hinterher erfahren habe, immer dem Ortsbischof, wenn er eine andere Diözese besucht. Damit bekommt das Geschenk noch eine weitere Bedeutungsebene und zeigt uns, dass der Papst unsere lutherische Gemeinde wirklich ernst nimmt.

Rogate-Frage: Welche Aussagen sind für Sie wichtig gewesen?

Jens-Martin Kruse: Die Ernsthaftigkeit mit der Papst Franziskus auf die Fragen der Gemeindemitglieder antwortete hat mich ebenso berühret wie der inhaltliche Gehalt seiner Antworten. Zwei Aussagen des Papstes sind für mich von besonderer Bedeutung: Zum einen hat Papst Franziskus darauf hingewiesen, dass alle Christen durch die Taufe zum Leib Christi gehören. Wenn man dies ernst nimmt, dann könne hier eine Möglichkeit liegen, dass Abendmahl bereits auf dem Weg zur Kirchengemeinschaft und nicht erst bei ihrem Erreichen gemeinsam zu feiern. Und zum anderen hat Papst Franziskus gesagt, dass jetzt die Zeit der versöhnten Verschiedenheit sei und wir mutig auf diesem Weg vorangehen sollen. Durch die Begegnung mit Papst Franziskus in unserer Christuskirche fühle ich mich sehr reich beschenkt und gestärkt, auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Christenheit unbekümmert weiterzugehen. Dabei ist Papst Franziskus für mich aufgrund der Art und Weise, wie er sein Papstamt vom Dienst eines Hirten her versieht, eine der großen Gestalten des christlichen Glaubens in unserer Zeit, und ich bin sehr dankbar, dass ich hier in Rom seinen Weg aus der Nähe beobachten und begleiten kann.

Rogate-Frage: Wie funktioniert die Ökumene in Rom?

Jens-Martin Kruse: Die Ökumene in Rom ist lebendig, international und innovativ. Vieles funktioniert viel einfacher und unkomplizierter als man das von außen her vermutet. Es sind vor allem drei Faktoren, die zu dieser wunderbaren Ökumene in Rom beitragen. Erstens sind alle christlichen Kirchen mit eigenen Gemeinden in Rom vertreten: Anglikaner, Methodisten, Orthodoxe, Lutheraner, Armenier, Kopten, Baptisten und natürlich die vielen ganz unterschiedlichen römisch-katholischen Kirchengemeinden, Einrichtungen und Bewegungen – von den Pfarrgemeinden über die geistlichen Bewegungen wie die Fokulare oder die Comunità Sant’Egidio, die päpstlichen Universitäten der Jesuiten, Benediktiner und Franziskaner bis hin zum Vatikan.

Zweitens leben, gestalten und feiern wir in der römischen Ökumene, was gegenwärtig an Gemeinschaft zwischen den Kirchen möglich ist und erfahren dabei immer wieder, wie nah wir uns als Kirchen bereits sind und wie bereichernd die ökumenischen Begegnungen für alle Christen sind. Drittens macht die Ökumene in Rom gegenwärtig besonders viel Freude, und das hat natürlich mit Papst Franziskus zu tun. Innerhalb kurzer Zeit ist er selber zu einem der entscheidenden Akteure und Impulsgeber der Ökumene geworden. Mit seinem eigenen Handeln zeigt Papst Franziskus, dass es für uns Christen keinen Grund für „ökumenische Zaudereien“ gibt. Vielmehr gilt es auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Christenheit mutig voranzugehen. So leben, gestalten und feiern wir die Ökumene in Rom mit einer Portion Unbekümmertheit, voller Gottvertrauen und gegenwärtig mit viel Rückenwind aus dem Vatikan.

Rogate: Vielen Dank, Herr Pfarrer Kruse, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Sonntag, 4. September 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie zum Diakonie-Sonntag „Barmherzigkeit: Größer als unser Herz“, am 16. Sonntag nach Trinitatis, mit einer Ausstellungseröffnung
  • Montag, 3. Oktober 2016 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier. Predigt von Pfarrerin Andrea Richter.
  • Sonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden
  • Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Gottesdienst mit Bischof Dr. Rogate Kl_Aushang_Eucharistie Allerheiligen_090316 KopieMatthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Bezirksbürgermeisterin  Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, EKBO, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde
  • Sonntag, 3. Advent, 11. Dezember 2016 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pastor Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirche
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Fünf Fragen an: Thomas Rachel, Ev. Arbeitskreis der CDU/CSU

2016 Thomas Rachel

Thomas Rachel (Bild: Büro Rachel)

Fünf Freitagsfragen an Thomas Rachel, Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU, über die historische Stärkung der Protestanten in seiner Partei, die Lehren aus der Nazi-Zeit und dem Ringen um die besten Lösungswege für die Allgemeinheit.

Der Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel ist seit November 2005 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Seit 2012 hat er den Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Düren inne. Mitglied des Deutschen Bundestages ist er seit 1994. Seit 2015 ist er Mitglied des Rates der EKD.

Rogate-Frage: Herr Staatssekretär Rachel, wie kam es zur Gründung des „Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU“ (EAK) und welche Bedeutung hat er heute?

Thomas Rachel: Der EAK wurde 1952 in Siegen gegründet, nachdem der damalige Bundestagspräsident, Oberkirchenrat Dr. Hermann Ehlers, und andere der Ansicht waren, dass die Union evangelischer und katholischer Christen einer wesentlichen Stärkung der evangelischen Seite bedurfte. Um die evangelische Stimme in der Partei zu einen und zu stärken, die sich nach den menschenverachtenden Gräueln und Schrecken der Nazi-Zeit ganz bewusst die Orientierung am „C“ als selbstverpflichtende Aufgabe gestellt hatte, kam es zur Gründung des EAK. Damit war auch zugleich ein zentraler Appell verbunden: Nämlich der konkrete Aufruf an die evangelischen Christinnen und Christen in Deutschland zum eigenen, verantwortlichen politischen Engagement und zur Mitgestaltung. Nach dem weitest gehenden politischen Versagen des deutschen Protestantismus in der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus wurde dies nach 1945 geradezu als das dringlichste Gebot der Stunde empfunden.

Rogate-Frage: Welches Selbstverständnis steht hinter dem EAK und wie arbeitet er?

Thomas Rachel: Der Gründungsimpuls des EAK von damals ist im Grunde genommen bis heute hochaktuell: Als evangelische Christinnen und Christen in beiden Unionsparteien setzen wir uns für das politische Mitmachen ein. Eine freiheitliche, parlamentarische Demokratie ist keine „Zuschauer-Demokratie“, sondern lebt vom politischen Meinungswettstreit, dem persönlichen Sich-Einbringen und vom Ringen um die besten Lösungswege für die Allgemeinheit. Als evangelische Christinnen und Christen sind wir hier gefordert, uns selbst einzubringen. Hermann Ehlers sagte einmal sehr treffend: „Wir haben im deutschen Protestantismus viel zu lange die Vorstellung gehabt, dass man zwar sehr leicht Bürgermeister und Oberbürgermeister, Ratsherren und Landtagsabgeordnete, Staatssekretäre, Minister, Bundesminister und Bundestagsabgeordnete kritisieren könne, dass man aber das Vorrecht habe, sich von der Mitarbeit und dem Hineingehen in die gleiche Verantwortung peinlich fern zu halten, um in Neutralität und Objektivität um so gründlicher darüber urteilen zu können.

Der EAK ist der Zusammenschluss aller evangelischen Unionsmitglieder, die wegen ihres Glaubens und seiner Grundlagen in den Unionsparteien einen Beitrag zu einer vor Gott und den Menschen verantworteten Politik leisten wollen. Bei uns arbeiten aber genauso Menschen mit, die keine Mitglieder der Unionsparteien sind, er übernimmt insofern eine wichtige Brückenfunktion zwischen Partei sowie Kirche und Gesellschaft. Als Grundsatzforum der Union und als „Denkfabrik“ (Angela Merkel) ermöglicht der EAK Raum für offene Diskussionen und schafft Orientierung in Bezug auf alle politischen Themen, die insbesondere auch für Christinnen und Christen relevant sind. Insofern genießt er heute auch weit über die eigene Konfessionsgrenze hinaus Beachtung und Wertschätzung.

Rogate-Frage: Wie nah oder fern stehen Ihnen aktuelle kirchliche Positionen, beispielsweise in der Friedensethik oder in der Frage des Umgangs mit den Flüchtlingen an den Grenzen?

Thomas Rachel: Die Frage nach Nähe und Ferne zu kirchlichen Verlautbarungen kann man so nicht pauschal beantworten. Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Und man muss auch sehen: Es gibt ja schon in der Evangelischen Kirche und Theologie die unterschiedlichsten Stimmen und Positionen zu den verschiedensten Themen. Da der EAK im gesamten Bundesgebiet vertreten ist und in allen Bundesländern arbeitet, bildet sich hier zunächst natürlich auch in durchaus vergleichbarer Weise das ganze, bunte Meinungsspektrum des Protestantismus ab, sozusagen von Schleswig bis Stuttgart. Dazu kommt, dass politische Entscheidungen und politisches Handeln nicht einfach nur aus der geradlinigen Umsetzung von ethisch-theologischen Prämissen oder Grundsätzen bestehen: Hier geht es vielmehr um die konkrete Verantwortung in ganz oft unübersichtlichen, hochkomplexen und schwierigen Gemengelagen.

Wir sehen das aktuell zum Beispiel an der Flüchtlingsfrage, die eine gewaltige historische Herausforderung darstellt, aber auch an der Notwendigkeit einer vernünftigen Friedenspolitik und Friedensarbeit in einer zunehmend zerrissenen und unfriedlicher werdenden Welt. Grundsätzlich kann man für den EAK sagen: Wir bejahen kirchliche Positionen, die hilfreiche Orientierungen für die politische Gewissensbildung und das entsprechende Handeln bereitstellen. Wir sind als bewusste „Verantwortungethiker“ (Max Weber) aber zugleich skeptisch gegenüber bloßen Schlagworten, Moralpredigten oder Gesinnungsparolen. Es reicht also mit anderen Worten nicht aus, das politisch Gute nur zu wollen (denn in diesem Wollen dürften sich grundsätzlich alle einig sein), sondern man muss über die Mittel, Wege und Konsequenzen des konkreten, politischen Handelns nachdenken, die dieses Ziel tatsächlich befördern helfen oder womöglich behindern. Darum geht der konstruktive, politische Streit.

Rogate-Frage: Wie sehr werden Sie selbst in Ihren politischen Entscheidungsprozessen von ihren christlichen Überzeugungen geleitet? Haben Sie ein Beispiel?

Thomas Rachel: Für mich ist mein Glaube ein unerlässlicher Kompass für die tagtäglich immer wieder neu begegnenden politischen Herausforderungen und Probleme. Der Kompass – um im Bilde zu bleiben – ersetzt keineswegs, dass man sich zuallererst selbst auf machen und sich einen Weg durch zum Teil unwirtliches und unübersichtliches Gelände bahnen muss. Aber ohne ihn wäre man doch verloren und hätte keine hinreichende Orientierung. Als wir zum Beispiel kürzlich im Deutschen Bundestag über das Gesetz zur Sterbebegleitung entschieden haben, war es sehr hilfreich, dass meine Evangelische Kirche hier eine zwar differenzierte, aber auch klare Position bezogen hat. Legalisierte Beihilfe zur Selbsttötung oder gar Tötung auf Verlangen sind auch nach meiner festen Glaubensüberzeugung die falschen Antworten auf die Nöte, Ängste und Sorgen Schwerstkranker und Sterbender.

Rogate-Frage: Die CDU wehrt sich – anders als beispielsweise die britischen Konservativen, die die Eheöffnung in Großbritannien durchgesetzt haben – gegen eine Gleichstellung der Lebenspartnerschaften homosexueller Paare mit der Ehe. Die Kanzlerin argumentierte mit einem „Bauchgefühl“. Warum tut sich die Union so schwer mit dem Abbau von Diskriminierungen gegen Lesben und Schwulen?

Thomas Rachel: In dieser Frage steckt leider bereits eine Unterstellung, die wir als CDU und CSU klar zurückweisen: Als Union kämpfen wir nämlich gegen jede Form von Diskriminierung Homosexueller. Wir achten und respektieren es, wenn Menschen – egal welchen Geschlechtes oder welcher sexuellen Orientierung auch immer – Verantwortung füreinander übernehmen. Wir sind aber ebenso klar dagegen, Unterschiedliches gleich zu behandeln. Deshalb sind wir auch gegen eine „Ehe für alle“, weil die Ehe von Mann und Frau in unseren Augen etwas Besonderes und Einzigartiges ist. Nur die Ehe schafft es aus eigener Kraft, aus einer Zweierbeziehung eine Familie werden zu lassen. Dieser generative Aspekt fehlt – aus sich selbst heraus – bei homosexuellen Lebenspartnerschaften.

Rogate: Vielen Dank, Herr Staatssekretär Rachel, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Rogate Kl_Aushang_Eucharistie 11 Sonntag n Trinitatis_160616 KopieSonntag, 7. August 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 11. Sonntag nach Trinitatis
  • Sonntag, 4. September 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie zum Diakonie-Sonntag „Barmherzigkeit: Größer als unser Herz“, am 16. Sonntag nach Trinitatis, mit einer Ausstellungseröffnung
  • Montag, 3. Oktober 2016 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier. Predigt: Pfarrerin Andrea Richter.
  • Sonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden
  • Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Gottesdienst mit Bischof Dr. Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Bezirksbürgermeisterin  Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, EKBO, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde.
  • Sonntag, 3. Advent, 11. Dezember 2016 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pastor Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirche.
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