Fünf Fragen an: Sebastian Watzek, Vikar der Alt-katholischen Gemeinde Berlin

Fünf Freitagsfragen an Sebastian Watzek, Vikar der Alt-katholischen Gemeinde Berlin, über die Nüchternheit des Advents, die Bedeutung der Namen der Heiligen Familie und Sehnsucht nach dem Ewigen.

9092mailcolVikar Sebastian Watzek kommt ursprünglich aus Chile und ist in Deutschland/Oberfranken aufgewachsen. Nach dem Gymnasium war er für zwei Jahre im Priesterseminar des Erzbistums Bamberg und trat dann im September 2000 in den Jesuitenorden ein. Dort studierte er Philosophie und Theologie in München und Rom. Zudem arbeitete er zwei Jahre in Chile in Obdachlosenheimen des Hogar de Cristo pastoral mit. Nach 14 Jahren in der Gesellschaft Jesu mit einer Auszeit von drei Jahren als priesterlicher Mitarbeiter in der Seelsorge in Erlangen und Herzogenaurach konvertierte er im April dieses Jahres in die alt-katholische Kirche und ist nun seit dem 1. August Vikar in der Gemeinde in Berlin-Wilmersdorf.

Rogate-Frage: Herr Vikar Watzek, wie begeht die Alt-katholische Gemeinde Berlin die Advents- und Weihnachtszeit in diesem Jahr?

Sebastian Watzek: Wir als alt-katholische Gemeinde begehen den Advent auf verschiedene Weise. Zum einen wollen wir in unseren Gottesdiensten am Mittwoch (Roratemessen früh um 6:00 Uhr) und Sonntag den nüchternen Charakter dieser kleinen Fastenzeit herausstreichen, indem wir komplett auf die Orgel verzichten. Dadurch wollen wir zum einen ein Zeichen gegen den doch sehr hektischen und lauten Advents – oder Vorweihnachtskommerz auf den Straßen setzen und uns dann auf die Weihnachtsmessen freuen, welche dann bestimmt noch einmal festlicher erlebt werden. Zum anderen gibt es verschiedene gemeinsame Aktivitäten wie Advents-basteln für Erwachsene, Plätzchenbacken mit Kindern, gemeinsamen Besuch eines Weihnachtsmarktes.

Weihnachten feiern wir traditionell am Nachmittag eine Kindermette. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, zusammen in der Gemeinde Weihnachten zu feiern: gemeinsam Kochen, singen, Geschichten erzählen. Dann am Abend folgt die Christmette.

Rogate-Frage: Sie stehen am Sonntag der Eucharistie in Ihrer Gemeinde vor. Welchen Charakter, welche inhaltliche Ausrichtung hat der 4. Advent und worüber wollen Sie an diesem Tag predigen?

Sebastian Watzek: Der Charakter des 4. Adventssonntags steht in der Spannung von Sehnsucht und Verheißung: Rorate, caeli desuper, et nubes pluant iustum. „Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten: Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor“. Voller Sehnsucht wartet die trockene Erde auf den Regen des Himmels, der sie durchtränkt und fruchtbar macht. Die Erde sehnt sich nach der „Vereinigung“ mit dem Himmel, darauf, dass das Licht des Heilands die Dunkelheit erleuchtet.

Da das Evangelium der Besuch des Erzengels Gabriel bei Maria ist, werde ich über diese Textstelle predigen. Ich werde versuchen, an der Bedeutung der Namen – wie Gabriel, Josef, Maria, Elisabeth – mich dem Text zu nähern. Dadurch wird noch einmal sehr ausdrücklich erkennbar, was Advent und Weihnachten, der Glaube generell bedeuten: Sehnsucht und Überraschung.

Rogate-Frage: Welche Lieder werden Sie im Gottesdienst am 4. Advent singen und welche biblischen Texte werden gelesen?

Sebastian Watzek: Als Lieder werden wir klassische Adventslieder wie zum Beispiel „Wir sagen euch an, den lieben Advent“ oder „Tauet, Himmel, den Gerechten“ singen. Zum anderen umrahmt eine Schola musikalisch den Gottesdienst.

Rogate-Frage: Wie lautet Ihr Tages- bzw. Kollektengebet für diesen Tag?

Sebastian Watzek: „Biete deine Macht auf, unser Gott, und komm! Steh uns bei in deinem Erbarmen, dass wir die Begegnung mit deinem Sohn nicht durch Trägheit verfehlen. Darum bitten wir durch ihn, unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn und unsern Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Rogate-Frage: Wie gestalten Sie persönlich Ihre Adventszeit?

Sebastian Watzek: Ich versuche, mir in der Adventszeit – soweit es geht – mehr Zeit für Meditation und für mich zu nehmen. Advent ist für mich persönlich nicht so sehr der Besuch von Weihnachtsmärkten und so weiter, sondern eher eine ruhige, auch „düstere“ Zeit. Es geht für mich im Advent auch um die Dunkelheit in der Welt, in meinem eigenen Leben: Was ist unerlöst? Wo ist bei mir die trockene Erde, welche sich mit ganzem Herzen nach dem göttlichen Regen vom Himmel sehnt? Positiver formuliert: Was sind eben meine Sehnsüchte? Wo wünsche ich mir Gottes Nähe?

In diesem Sinn will ich mich auf die Ankunft des Messias vorbereiten. Dies habe ich dieses Jahr unter anderem zum ersten Mal „wörtlich“ vor, indem ich mich mit dem ersten Teil des „Messiah“ von Georg Friedrich Händel durch den Advent und dann natürlich auch Weihnachten begleiten lasse.

Rogate-Frage: Warum sind Sie Priester geworden und was schätzen Sie an Ihren Aufgaben als Vikar?

Sebastian Watzek: Ich kann auf diese Frage keine eindeutige Antwort darauf geben. Ich weiß nur, dass es – über die Jahre hin – mein Weg ist, das, was ich tuen will, das, was ich bin. Mich treibt die Sehnsucht nach dem Ewigen, nach dem Absoluten – Gott, der immer ganz Andere. Vor allem die letzten Jahre haben mir gezeigt, dass dieses Gott suchen etwas sehr dynamisches ist, dass das Leben und der Glaube ein Weg sind, auf dem immer als Pilger unterwegs ist.

In meiner Aufgabe als alt-katholischer Vikar – und auch schon davor als Ordensmann und Priester – schätze ich, mit Menschen ganz verschiedener Art mit ihrer jeweiligen Lebensgeschichte zusammen auf dem Weg sein zu können, von ihnen zu lernen und sie zu begleiten. Es ist ein sehr schönes Geschenk, bei Menschen in ganz besonderen intimen Situationen wie Geburt/Taufe, Hochzeit oder auch Sterbefall/Beerdigung dabei sein zu dürfen. Und die Heilige Schrift ist eben mein Zuhause und ich erzähle sehr gerne von Gott, Christus.

Rogate: Herr Vikar Watzek, vielen Dank für das Gespräch!

Mehr über Alt-katholische Gemeinde Berlin erfahren Sie hier: berlin.alt-katholisch.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • 10704_976214525728749_8833054989387709013_nDienstag, 23. Dezember 2014 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Sonnabend, 27. Dezember 2014 | 18:00 Uhr, Lichtvesper, Kapelle Zwölf-Apostel-Kirche (mit der Alt-katholischen Gemeinde)
  • Zwischen dem 27. Dezember 2014 und dem 13. Januar 2015 halten wir eine gottesdienstliche Winterpause.
  • Dienstag, 13. Januar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Den Monatsplan Dezember finden Sie hier. Den Monatsplan Januar finden Sie hier.
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