Fünf Fragen an: Anders Arborelius OCD, Bischof von Stockholm

Fünf Freitagsfragen an Bischof Anders Arborelius, Bistum Stockholm, über das Leben in der post-protestantischen Diaspora, die Spiritualität eines Ordensmannes und der kirchliche Einsatz für Flüchtlinge in Schweden.

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Bischof Anders Arborelius OCD  (Bild: Bistum Stockholm)

Lars Anders Arborelius, aus einer schwedischen Familie stammend, und während einer Reise seiner Familie in der Schweiz geboren, wuchs im südschwedischen Lund auf und konvertierte im Alter von 20 Jahren zum katholischen Bekenntnis. Als er 22 Jahre alt war, trat er in das Karmeliterkloster von Norraby in Tågarp ein, unweit von Landskrona. Er studierte Philosophie in Brügge und Rom. Bischof Hubertus Brandenburg spendete ihm am 8. September 1979 in Malmö die Priesterweihe. Am 17. November 1998 wurde Arborelius von Papst Johannes Paul II. zum ersten schwedischstämmigen Bischof des katholischen Bistums Stockholm berufen. Die Bischofsweihe spendete ihm am 29. Dezember 1998 sein Amtsvorgänger Hubert Brandenburg; Mitkonsekratoren waren William Kenney CP, Weihbischof in Birmingham, und Alfons Nossol, Bischof von Oppeln. Seit 2005 ist er Vorsitzender der Nordischen Bischofskonferenz.

Rogate-Frage: Herr Bischof Arborelius, wie lebt es sich als römisch-katholischer Christ in Schweden und damit in der Diaspora?

Anders Arborelius: Als Katholiken leben wir als kleine Minderheit – etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung – in einem post-protestantischen Land. Die meisten von uns kommen aus anderen Ländern, aus der ganzen Welt. Darum ist es eine sehr internationale – und katholische – Gemeinschaft. In größeren Städten gibt es katholische Kirchen, doch woanders kann es sehr weit zur Kirche sein. Ich bewundere viele Menschen, die sich Mühe machen, einen weiten Weg zu fahren, um zur Messe zu kommen. Es gibt so viele, die tief verbunden mit Christus leben und auch Zeugnis von ihrem Glauben geben. Natürlich gibt es auch Menschen, die in dieser säkularisierten Gesellschaft von der Kirche verschwinden. Es ist erfreulich, dass auch Andersgläubige jetzt mehr Interesse für die katholische Kirche zeigen, Papst Franziskus hat viel Sympathie unter den Menschen gewonnen.

Rogate-Frage: Was ist Ihre persönliche Spiritualität und wird diese durch Ihr Leben in Skandinavien und als Ordensmann beeinflusst?

Anders Arborelius: Als Karmelit versuche ich auch im Alltagsleben eines Bischofs in einer Atmosphäre von Gebet und Gottesgemeinschaft zu leben. Ich war 27 Jahre im Kloster und das hat mir geholfen, um in Gottes Anwesenheit zu verweilen auch unter anderen Aufgaben. Nun bin ich 17 Jahre Bischof und man muss immer aufs Neue sich bekehren und versuchen Gott näher zu kommen, um dann auch Gott an die Menschen zu vermitteln. Gebet und Arbeit gehören zusammen für mich, aber ich habe auch große Not in stillen und einsamen Stunden.

Rogate-Frage: Wie gestaltet sich die ökumenische Zusammenarbeit, Gastfreundschaft und Geschwisterlichkeit zwischen Kirchen und Klöstern in Schweden?

Anders Arborelius: In Schweden gibt es eine gute ökumenische Atmosphäre. Etwa 26 verschiedene Kirchen arbeiten zusammen in der ökumenischen Zentralorganisation SKR. In Fragen über Spiritualität, Hilfe an Notleidende und Umweltfragen gibt es viel Zusammenarbeit. Als Katholiken können wir auch protestantische Kirchengebäude für unsere Gottesdienste nutzen, weil wir nicht genug eigene Kirchen haben. Dadurch entstehen ökumenische Freundschaften. Unsere Klöster werden auch von vielen evangelischen Christen besucht.

Rogate-Frage: Wie reagieren die Kirchen in Schweden auf den Zustrom geflüchteter Menschen nach Schweden?

Anders Arborelius: Die Kirchen haben sich gemeinsam sehr offen gezeigt für Flüchtlinge und in vielen Gemeinden haben Gläubige sich freiwillig eingesetzt, um ihnen zu helfen.

Rogate-Frage: Wie beurteilen Sie die Flüchtlingspolitik der schwedischen Regierung? Ist das Schließen der Grenzen für Menschen auf der Flucht ethisch vertretbar und geboten?  

Anders Arborelius: Es ist sehr schade, dass die schwedische Regierung ihre offene Politik geändert hat. Die Kirchen versuchen zusammen die Politiker zu bewegen, eine mehr offene Tür für die Flüchtlinge zu haben.

Rogate: Vielen Dank, Herr Bischof Arborelius, für das Gespräch!

Mehr über Bischof Anders Arborelius OCD finden Sie hier.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der Kapelle der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Rogate Kl_Postkarte_Großes Herz1503_080316 KopieDienstag, 15. März 16 | 19:00 Uhr, PassionsvesperGroßes Herz. Sieben Wochen ohne Enge” mit Superintendent Uwe Simon, Kirchenkreis Oberes Havelland
  • Donnerstag, 17. März 16 | 19:30 Uhr, Komplet in der Passionszeit, Nachtgebet in der Kapelle (Sakristei)
  • Keine Vesper am Dienstag, 22. März 16 | 19:00 Uhr (Kirche wird von der Gemeinde genutzt)
  • Keine Andacht am Donnerstag, 25. März 16 | 19:30 Uhr (Kirche wird von der Gemeinde genutzt)
  • Karfreitag, 25. März 16 | 15:00 Uhr, Kreuzweg, Michaelskirche, Bessemer Straße Rogate Kl_Aushang_Kreuzweg_090316-2 Kopie97/101, 12103 Berlin-Schöneberg, Bus 106 (Richtung Lindenhof)
  • Ostersonntag, 27. März 16 | 6:30 Uhr, Ostermorgengottesdienst der Gemeinde Alt-Tempelhof (mit Beteiligung des Rogate-Klosters), Dorfkirche Tempelhof, Am Reinhardtplatz, 12103 Berlin-Tempelhof, U Alt-Tempelhof
  • Ostermontag, 28. März 16 | 11:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie, mit der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Dienstag, 29. März 16 | 19:00 Uhr, Vesper, Kirche
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